14.07.2023 – Balkon, Bewegung, Backstube

Es ist Freitag, mein halbes Team hat Urlaub und auch sonst stehen keine Meetings an. Also gar keine. Wirklich. Einmal telefoniere ich mit einem Kollegen und ansonsten wird alles irgendwie schriftlich geregelt. Sehr entspannend.

Ich sitze im Balkon-Office, verbringe einen Großteil des Tages mit Recherchen und höre mich pflichtbewusst und neugierig durch Musik von Taylor Swift und Harry Styles. Ich bin ja inzwischen alt und kriege von der Musik der jungen Leute nicht mehr so viel mit. Um ehrlich zu sein kriege ich seit ich in Berlin wohne nicht mehr allzu viel von neuer Musik mit. Liegt wahrscheinlich nicht an Berlin selbst, sondern am Lebensabschnitt und der fehlenden Radioarbeit. Mein Musikgeschmack ist bis auf wenige Ausnahmen irgendwo 2007/2008 stehengeblieben. Das geht natürlich so nicht und also höre ich jetzt, was alle so feiern und gucke, ob da was für mich dabei ist. Dabei liegt mir TayTay mehr als Harry, glaube ich, zumindest musikalisch.

Zwischendurch kann ich nicht Musik hören, weil ich auf die Türklingel achten muss. Der Balkon ist so gelegen, dass man die leicht überhören kann. Zum Glück sind die Zeitfenster per E-Mail recht genau kommuniziert, so dass ich weder die Biokiste (inkl. des Grillguts für das Picknick morgen) noch den DHL-Boten verpasse, der das letzte Teil meiner Wunschlisten-Leerkaufs von neulich bringt.

Zwischen den beiden Lieferungen liegt auch meine Mittagspause, in der ich noch eine Einkaufsrunde drehe (eine Picknickgästin muss leider aus gesundheitlichen Gründen absagen und ich muss also noch einen Nudelsalat zubereiten), ein Sandwich esse und mit dem Mitbewohner durch seine Behördenpost gehe, übersetze und versuche nachzurechnen, wie die Arbeitsagentur auf den Betrag kommt, die sie ihm für 13 Tage Arbeitslosigkeit im April zubilligt. An letzterem Punkt scheitern wir kläglich.

Kurz nach 17 Uhr mache ich nach erfolgreichen Beenden des Wochenberichts Feierabend und mich auf auf eine Spaziergangsrunde (Schrittziel!!). Es geht durch Weißensee zum Weißen See, drumherum und dann, weil ich die Strecke in letzter Zeit so oft gelaufen bin und sie langweilig finde, mit der Tram zurück in den Prenzlauer Berg. Reicht trotzdem aus.

Wieder zuhause mache ich mir Pellkartoffeln mit Radieschen-Leinöl-Quark zum Abendbrot und hole schon mal den Focaccia-Teig aus dem Kühlschrank – drei Stunden zu früh, aber ich will ja heute auch irgendwann ins Bett. Dann sitze ich anderthalb Stunden auf dem Balkon und schaue ins Telefon, bis es Zeit ist, Cupcake-Teig anzurühren. Nach zwei Stunden Aufwärmphase kommt der Focaccia-Teig auf ein Backblech und darf dann nochmal eine halbe Stunde gehen. Dann wird er mit Olivenöl quasi übergossen, gesalzen und oreganot und geht in den Backofen. Währenddessen hacke ich Pistazien, rühre sie unter den Cupcake-Teig und fülle den Teig in Muffinförmchen.

Dann kommt die Focaccia in den Ofen und die erste Lage Cupcakes rein. Ich lagere die Focaccia auf ein Holzbrett um und nehme sie zum Abkühlen mit nach draußen auf den Balkon. (Muss dabei bleiben, Katzen!) Als die Cupcakes klingeln ist die Focaccia einigermaßen abgekühlt und kann wieder mit in die Küche. Ich schneide sie in handliche Stücken und verpacke sie bis morgen luftdicht. Die zweite Ladung Cupcakes bäckt und ich räume die Küche auf und wasche ab, dann gehe ich mit der ersten Ladung auf den Balkon. Irgendwann kommt die zweite Ladung dazu. Dann sitze ich noch einen Moment draußen, bis ich die Cupcakes für kühl genug befinde, um sie unter eine Tortenhaube zu bugsieren und mache mich bettfertig. Es ist fast Mitternacht, als ich liege.

13.07.2023 – Balkon-Office, Besorgungen, Badewanne

Puh, nach so zwei Tagen im Büro merke ich wieder, was ich am Homeoffice habe. Länger im Bett liegen bleiben, Dinge zwischendurch erledigen können, viel weniger Lärm und Unterbrechungen bei der Arbeit und mit dem Balkon-Office den wohl entspanntesten Arbeitsplatz der Welt – also wenn nicht gerade Noosa unbedingt auf meinem Schoß oder meinem Laptop sitzen will und dabei ihre Krallen durch mein dünnes Sommerkleid drückt.

Nach entspannter Morgenroutine richte ich mich jedenfalls auf dem Liegestuhl draußen ein, mit Sonnenhut, Müsli mit Aprikosen und Wasser mit Zitronenmelisse. Für eine E-Mail, die am Nachmittag rausgehen soll, muss ich mich mit verschiedenen Kolleg*innen besprechen und aus den Gesprächen dann einen Kompromiss destillieren, der möglichst alle zufriedenstellt. Das mache ich teils per Chat, teils am Telefon und während des einen Telefonats kann ich nebenbei sogar die beiden Katzenklos durchsieben. Dann habe ich noch einen Call mit Dublin, bevor ich Mittagspause mache.

Jetzt stehen erste Besorgungen des Tages an. Ich laufe zur Änderungsschneiderei und hole das Kleid ab, das mir neulich beim aus der Waschmaschine Holen gerissen ist. Sieht von außen wie neu aus, von innen hat es einen Flicken. Ob man den spürt, werde ich wohl am Wochenende feststellen. Dann geht es weiter zum Haustierbedarf. Ich brauche Katzenstreu- Nachschub und anscheinend wird meine Sorte nicht mehr geführt, weder online noch im Laden. Also suche ich mir einen Ersatz aus und werde den dann demnächst mal vorsichtig einschleichen und bei Erfolg größere Mengen online bestellen. Außerdem kommt noch ein Vorleger für das Balkonklo mit. Wieder zuhause bastle ich mir ein schnelles Mittagessen – Insalata Caprese mit Büfflemozzarella und Aprikosen statt Tomaten – und ein weiteres Stück Khachapuri.

Den ersten Call des Nachmittags führe ich mit Nürnberg und Potsdam. Danach arbeite ich nochmal weiter an der E-Mail (plus weiteres Telefonat) und schicke sie raus. Außerdem kann ich nach Rücksprache mit Kolleginnen in Biesdorf und Madrid eine weiteres Projekt bis auf Weiteres abschließen. Zwischendurch checke ich mit Blick in den Innenhof die Schattensituation, am Sonnabend werden wir dort laut Wetterbericht bei 36 Grad sitzen, das scheint aber OK zu sein.

Es folgt ein Call mit Georgia und Paris, während dem außerdem der DHL-Bote klingelt. Nach dem Call packe ich die neulich bestellten Schuhe aus und probiere sie an. Bei einem Paar bin ich ein bisschen traurig, das es nicht passt, aber es ist auch das teuerste der vier. Das zweitteuerste passt auch nicht, aber dafür die beiden günstigsten – sehr praktisch, die behalte ich.

Von links nach rechts im Preis aufsteigend

Vor dem Feierabend um 18 Uhr noch Absprachen mit Südengland. Nebenbei stelle ich mir eine Einkaufsliste und -route zusammen und bestelle Getränke für das Nachgeburtstagspicknick am Sonnabend. Pünktlich zum Feierabend ziehe ich los, erst zum italienischen Supermarkt für Zero-Zero-Mehl, Mascarpone und Pistazien, dann durch den Park (Schrittziel!) zum deutschen Supermarkt für den Rest. Auf dem Heimweg fängt es an, ein wenig zu regnen. Deshalb räume ich nach der Heimkehr erstmal schnell den Laptop nach drinnen. Dann füttere ich erst die Katzen und knete dann aus Mehl, Salz, Wasser, Hefe, Zucker und Olivenöl einen Focaccia-Teig, der zunächst zwei Stunden bei Raumtemperatur gehen und dann 24 Stunden in den Kühlschrank muss.

Jetzt ist es Zeit für mein eigenes Abendbrot. Bevor morgen die Biokiste kommt, muss noch Platz im Kühlschrank geschaffen werden. Deshalb gibt es Restsalat mit Restegurke, gebratene Zucchini mit Ei und die letzten beiden Stücken Khachapuri – und dazu eine Feierabendlimo. Gegessen wird natürlich wieder auf dem Balkon.

Nach dem Essen lege ich mich kurz in die Badewanne und telefoniere mit dem Liebsten. Gegen 22 Uhr bin ich im Bett und schaue noch eine Folge „Succession“, bei der mir aber gegen Ende schon die Augen zufallen.

12.07.2023 – Schritte noch und nöcher

Noch so eine Nacht mit bedürftigen Miezen, ständig maunzt oder krallt es irgendwo, ohne dass danach klar wäre, was sie eigentlich wollen außer kuscheln und spielen. Vielleicht fällt es ihnen bei der Wärme und den kurzen Dunkelphasen einfach schwer zu akzeptieren, dass einfach Nacht ist. Daher schlafe ich also wieder bis zum Weckerklingeln und eile mich morgens. Heute kann ich nicht mit dem Rad ins Büro, da ich meine Sporttasche dabei habe und außerdem die Vorstellung, nach dem Sport noch nach Hause zu radeln, mich überfordert. Zum Ausgleich laufe ich ins Büro und bin schon sehr nah an meinem Schrittziel, als ich um 10 Uhr dort ankomme.

Heute ist es voll, viele Kolleg*innen haben ihren festen Bürotag und außerdem sind noch drei von außerhalb Berlins da. Der Geräuschpegel und das Gewusel sind gleich viel stärker und die Stimmung ist insgesamt ausgelassen, weil zwei der Teams am Mittag zu Team-Aktivitäten aufbrechen. Ich entziehe mich dem Tohuwabohu am Vormittag so gut es geht durch laute Musik auf den Kopfhörern und versenke mich in Textarbeit. Jedenfalls so lange, bis der Liebste ein Foto vom Zeugnis des Teilzeitkinds schickt, da muss ich natürlich gleich erstmal anrufen und gratulieren. Natürlich ist das Kind nicht ganz zufrieden, weil neben den ganzen Einsen auch zwei ganze und zwei halbe Zweien auf dem Zeugnis sind. Wir versuchen das Beste, das in Perspektive zu setzen und es scheint zu gelingen.

Dann habe ich aber ein Meeting, zu sechst und rein in Präsenz, bei dem es emotional hoch hergeht – was im Laufe des Tages noch mit einigen Teilnehmenden einzeln besprochen werden muss. Danach beschäftige ich mich mit dem zweiten Grund, warum ich heute hier bin, und bereite einiges zum Versand vor. Um 14 Uhr bringe ich alles zum Briefkasten und mache dann eine späte Mittagspause.

Diesmal möchte ich endlich den gefühlt neuen georgischen Imbiss ausprobieren, direkt zwischen Schnellstraße und S-Bahn-Gleisen. Scheinbar kommen die georgischen Spezialitäten bei der Laufkundschaft nicht so gut an, große Teile der Speisekarte sind abgeklebt, dafür verkauft man erfolgreich Crêpes. Ich entscheide mich aber für ein Imeruli Khachapuri, ansonsten gibt es nur das „normale“ Khachapuri und Teigtaschen mit Rindfleisch. Der Imbisswirt spricht augenscheinlich kein Deutsch, sondern einfach Georgisch mit vielen erklärenden Gesten, dafür bereitet er mein Essen aber frisch zu, formt den Fladen aus Teig, streut Käse drüber und bäckt alles. Nach etwa einer Viertelstunde steht ein heiß dampfendes Khachapuri vor mir und ist wirklich, wirklich lecker.

Es ist allerdings viel zu groß und bei der Hitze schaffe ich nicht einmal die Hälfte gleich. Den Rest packe ich mit etwas über den Tresen gereichter Alufolie ein und nehme ihn mit zurück ins Büro. Dort ist inzwischen Ruhe eingekehrt und ich habe meinen Flügel komplett für mich. Jetzt gibt es die Musik also ohne Kopfhörer. Ich vertiefe mich nochmal für zwei Stunden in Kreatives und dann ist es Zeit für mein eigenes virtuelles Teamevent. Ich habe mir extra eine Feierabendlimo (Ingwer-Estragon) mitgebracht und kühlgestellt. Heute ist nämlich der letzte Tag dieses Sommers, an dem alle sechs Mitglieder meines Teams gleichzeitig arbeiten, bevor die allgemeine Urlaubs(-vertretungs)zeit losgeht. Wir gönnen uns eine Stunde, in der wir nicht über die Arbeit reden, dafür aber über Konzerte, Essen, Bären, Elche, Tee, Kekse, Heizungssysteme (keine Wärmepumpen) und Eiskaffee. Zwei von uns haben Katzen auf dem Schoß (ich heute mal nicht), eine einen Hund und bei einer anderen laufen Katze, Hund, Kind und Mutter durchs Bild und sagen „Hallo“. Die eine, bei der sonst immer das Kind auf dem Schoß sitzt, hat heute ausnahmsweise mal kindfrei und findet das auch ganz gut.

Nach einer Stunde ist der schöne Moment vorbei – Paris und Berlin machen Feierabend, Südengland erledigt letzte Dinge, Nordengland hat ein Meeting mit dem CEO und für Georgia und Chicago beginnt der Arbeitstag jetzt so richtig. Ich hingegen beschäftige mich noch eine halbe Stunde mit meinen Sprachlern-Apps und packe dann meinen Kram zusammen, um mit der S-Bahn zum Fitnessstudio zu fahren. Kurz vor 19:30 Uhr bin ich im Wasser und dann gibt es eine Dreiviertelstunde AquaFitness mit hochintensivem Intervalltraining. Sehr zackig heute! Hinterher gehe ich noch für eine Runde in die Sauna. Das Duschen und Fertigmachen geht heute sehr schnell, ich muss ja nicht soooo viel anziehen und bei dem Wetter gehe ich dann auch einfach mit nassen Haaren zur Bahn.

Zuhause angekommen gibt es erst Abendbrot für die Katzen in der Küche und dann für mich auf dem Balkon – den letzten Rest Okroschka und zwei Stücke Khachapuri. Ich sitze draußen, bis es dunkel ist. Dann mache ich mich bettfertig, gucke im Bett noch etwas aufs Handy und lese dann ein paar Seiten, bevor um 23 Uhr Schlafenszeit ist.

11.07.2023 – On the Road again

Vom Weckerklingeln aufgewacht nach einer extrem unruhigen und heißen Nacht, in der die Katzen abwechselnd Betreuungsbedarf hatten. Mein FitBit behauptet, ich hätte weniger als 4 Stunden geschlafen, aber das stimmt definitiv nicht. Nur zerstückelt war es, mit vielen Wachphasen. Die Morgenroutine muss verkürzt ausfallen, da ich langsam bin und eben nicht wie meist vor dem Weckerklingeln anfange. Bloggen und Sprachen lernen wird auf später verschoben und als ich mit dem Liebsten telefoniere bin ich schon am Rumwuseln – Pflanzen gießen, Katzen füttern, Rucksack packen etc. Zwischendurch ziehe ich mich mehrmals um, bis ich die richtige Kombination aus Klamotten für Hitze, Yoga am Abend und Fahrradfahren dazwischen erwischt habe. Ich war schon kurz davor, in unbequemer Kleidung in den Tag zu starten oder eben im langen Wallekleid zu gehen und doch nicht Fahrrad zu fahren.

So aber: Rucksack auf, Yogamatte auf den Rücken geschnallt, Helm auf und los. Im vorletzten Jahr bin ich sehr viel Fahrrad gefahren, letztes Jahr holte ich das Fahrrad wegen Long Covid erst im Sommer aus dem Keller, fuhr einen Tag, wurde direkt wieder krank und brachte es dann vor dem Sommerurlaub zurück in den Keller, wo es bis gestern stand. Aber ist ja wie Radfahren, ne? Allerdings bin ich noch recht langsam und aufgrund des Gepäcks wackelig unterwegs, die morgendlichen Rush-Hour-Fahrer*innen ziehen alle an mir vorbei, während ich gemütlich hinterherradle. Und am Alex stehe ich plötzlich auf der falschen Rad-Abbiegespur – die Strecke bin ich vorher maximal ein Mal gefahren. Dann bin ich aber nach 25 Minuten im Büro und konvertiere diese Aktivität für unseren Step-a-thon direkt in Schritte.

Im Büro trinke ich erst einmal viel Wasser, dann stöpsle ich meinen Laptop an und gehe in die Küche, Milch ins mitgebrachte Müsli mit Aprikosen gießen und meine Wasserflasche auffüllen. Bis 11 Uhr dann entspanntes Abarbeiten und Sachen sortieren und danach ein gut anderthalbstündiges Meeting – drei vor Ort, zwei zugeschaltet aus Lichtenberg und Biesdorf. Hinterher noch kurzes Nachbereiten und dann mache ich 13 Uhr Mittagspause. Heute habe ich mal Lust auf was Anderes und spaziere über den Fluss in den Westen (eigentlich Süden, Kreuzberg halt). Dort hole ich mir in einer Bäckerei bei der C-Base ein Körnerbrötchen mit Serrano-Schinken und damit setze ich mich dann zurück im Osten auf eine Bank mit Spreeblick.

Ich schaue aufs Wasser, esse, blogge und höre dann noch dem Gespräch dreier Abiturient*innen zu, die sich nach Wochen wiedergetroffen haben, sich erzählen, wie es weitergeht – jobben, Praktikum, Studium… – und was im Beziehungsleben seit dem letzten Treffen passiert ist. Einiges. Auch gruseliges, mit Exfreunden auf der Flucht vor der Polizei, wenn das alles der Wahrheit entspricht. Berlin, ey.

Pünktlich zum nächsten Meeting gehe ich zurück ins Büro und bespreche dann eine halbe Stunde lang Dinge mit meiner Chefin in Nordengland. Dann Raumwechsel zum nächsten Call – zwei vor Ort, je eine*r in Prag, London und Dublin. Hinterher habe ich ein paar Minuten Meetingpause und vertiefe mich übersetzend in ein Projekt. Dann Call mit Paris und Georgia, nochmal kurze Übersetzungsphase und dann der nächste Call, mit Dublin, plus die entsprechende Nacharbeit und kurz danach ist schon Zeit für eine Stunde Teammeeting ab 17 Uhr – mit Nordengland, Südengland, Paris, Georgia und Chicago. 6 Meetings heute insgesamt, puh.

Nach dem Teammeeting verlasse ich das Büro wieder und fahre mit dem Fahrrad zum Yoga. Es ist immer noch unglaublich heiß. Am Alex nervige Fußgänger*innen mit Kopfhörern auf (das bin sonst ich), in der Fahrradstraße eine nicht blinkende Autofahrerin, im Prenzlauer Berg unangenehme Steigungen, im Mauerpark viele viele Menschen auf dem Weg, dann nochmal ne fiese Steigung an der Brücke über die Ringbahngleise und dann ist es Smooth Sailing bis zur Ankunft. Genießen kann ich das nicht mehr, ich bin außer Puste und völlig durchgeschwitzt. Die 20 Minuten, bis die Yoga-Stunde beginnt, brauche ich zum Wassertrinken und Puls beruhigen. Ich liege einfach auf meiner Matte, bis alle anderen da sind und schicke dem Liebsten ein erschöpftes Selfie.

Wir machen zu viert Yoga und ich bin erstaunlicherweise beweglicher als sonst und kann Dinge, die ich sonst nicht kann – allerdings auch nicht alle. Es ist jedenfalls nicht zu anstrengend, genau richtig fordernd und beim Shavasana bin ich zwischendurch richtig weg (laut FitBit aber nicht eingeschlafen, auch wenn es sich kurz so anfühlte). Auf dem Heimweg schiebe ich dann mein Fahrrad, denn ich habe zwar durch das Konvertieren von je einer Stunde Fahrrad fahren und Yoga machen mein Step-a-thon-Schrittziel längst erreicht, mein normales FitBit-Schrittziel jedoch noch nicht, denn das rechnet Fahrradfahren nicht in Schritte um. Also spaziere ich gemütlich im Hellen nach Hause.

Kurz nach 21 Uhr komme ich an, schließe mein Fahrrad an, füttere die Katzen, packe meinen Rucksack aus und setze mich mit einer großen Portion Okroschka und Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel) auf den Balkon. Noch im Hellen esse ich, quatsche kurz mit dem Mitbewohner und kümmere mich um meine Biokistenbestellung für diese Woche. Als es dämmert, sind die Sprach-Apps dran und kurz nach 22 Uhr gehe ich im Dunkeln nach Drinnen, dusche noch, lege mich dann ohne Lesen ins Bett und schlafe zu einem Podcast über Krabat ein.

10.07.2023 – Heißer Sommer

Jetzt also weiter Hitze, aber nicht mehr am See, sondern in der Stadt. Hmm. Heute erstmal Balkon-Office, obwohl das am Morgen noch ganz schön heiß ist. Mit Sonnencreme, Sonnenhut und Maracujawasser ist es aber ganz gut auszuhalten. Den Vormittag über arbeite ich Dinge ab, nach und weg. Zwischendurch schaue ich neidisch auf Nimbin, der es sich heute so richtig gemütlich macht.

In der Mittagspause möchte ich meinen langgehegten Plan umsetzen und im lokalen Einzelhandel um die Ecke neue Schuhe kaufen. Ich stecke also meine Einlagen und ein Paar Socken ein und flipflope los. Im Laden angekommen, schaue ich mich ausgiebig um. Vom Typ her kommen etwa 20 % des Angebots in Frage, aber die, die bezahlbar sind, sind nicht schön und die die schön sind, sind nicht bezahlbar. Das einzige mir genehme Paar muss ich in der richtigen Größe erst lange suchen, weil die dazugehörigen Pakete nicht dort stehen, wo das Ausstellungsstück steht. Als ich nach dem Karton greife, kommt die Verkäuferin zu mir und herrscht mich an, dass das Winterschuhe seien. Stimmt, sind gefüttert, brauche ich nicht. Ich stelle sie also wieder zurück. Auf die Frage, was ich denn so suche, sage ich vage „Sneaker“ und werde dann angeblafft, warum ich dann nicht „dort“ suche. Dort ist, wo ich vorher schon war und wo all die hässlichen Schuhe stehen. Ich überprüfe nochmal, aber nein, da ist wirklich nichts. Ich verabschiede mich knapp und gehe wieder nach Hause. Nach einer kurzen Einkehr beim Supermarkt zum Auffüllen der Vorräte und einem schnellen Sandwich plus reifen Aprikosen zum Mittag gucke ich mich dann im Online-Schuhhandel um, setze Filter und klicke mir innerhalb von 5 Minuten 5 Paar Schuhe zusammen, die in den nächsten Tagen eintreffen werden. Maximal zwei davon werde ich behalten, der Rest geht bequem wieder zurück und bezahlt wird hinterher.

Am Nachmittag dann weiteres Arbeiten an Kleinigkeiten. Pünktlich zum ersten Meeting um 15 Uhr (mit Paris, Südengland und Georgia) setzt Regen ein und ich muss den Liegestuhl parallel zur Hauswand stellen, damit der Laptop nicht nass wird. Nach 25 Minuten ist das Meeting vorbei und der Regen auch schon längst wieder. Um 16:30 ist dann das letzte Meeting (mit Chicago und „sonst Dublin aber heute Rhodos“). Kurz nach 17 Uhr mache ich Feierabend und räume das Balkon-Office weg.

Als erste Amtshandlung des Feierabends hole ich mein Fahrrad aus dem Keller. Der Lieblingsnachbar kommt mit seiner Pumpe vorbei und schaut auch sonst, ob alles gut ist – das Fahrrad war ein knappes Jahr nicht draußen. Dann schließe ich es draußen an und gehe mit dem Lieblingsnachbar auf einen ausgedehnten Spaziergang mit Eis (Mango und Brombeere). Auf dem Rückweg jubelt das FitBit, dass das Schrittziel erreicht ist.

Wieder zuhause bastle ich mir eine Art Okroschka mit Pellkartoffeln, gekochtem Ei, Gurke, Radieschen, lila Möhren, Dill und Buttermilch. Die lasse ich im Kühlschrank nochmal schön abkühlen und dann essen der Mitbewohner und ich auf dem Balkon Abendbrot – er hat Hühnchen mit Reis, völlig überraschend.

Kurz nach 9 ziehe ich mich dann in mein Zimmer zurück und verbringe den Abend mit Katzenkuscheln und TikTok schauen und dann ist irgendwann gegen 23 Uhr Licht aus.

09.07.2023 – Sonntag Seetag

Gerade festgestellt, dass ich am Wochenende mit den Daten der Blogeinträge durcheinandergekommen bin. Die mentale Zeitverschiebung des Über-gestern-Bloggens plus große Hitze hinterließen Spuren. Ist jetzt nachträglich korrigiert...

Wieder erstaunlich gut geschlafen, nach einem Toilettengang kurz gelesen und dann wieder eingeschlafen. Heute ist der Liebste dran mit Kaffee machen und kommt mit Meldung eines hungrigen Kindes zurück ins Bett: Es lagen keine Chipsreste von gestern mehr herum, da wir ja bis zum Schluss unten auf dem Steg gesessen hatten. Ich bringe dem Teilzeitkind auf Wunsch ein Brötchen mit Honig ans Bett und lege mich dann wieder in meins. Wir lesen im Internet herum und schnicken dann aus, wann wir heute vom See aufbrechen wollen/müssen. Der Kompromiss, der schließlich gefunden wird, gefällt niemandem so richtig, aber so ist das mit Kompromissen. Immerhin sind wir sehr gut in Kompromisse finden und das freut uns dann direkt wieder.

Gegen halb 11 wird aufgestanden und unter den Bäumen der Frühstückstisch gedeckt. Nachdem die Tafel aufgehoben und verräumt ist, machen wir uns seefertig und laufen zum Steg. Die Erwachsenen sind noch mit Lesen und Verdauen beschäftigt, während das Kindelein schon plantscht. Sobald die Sonne auf den Steg scheint, steigt das Badebedürfnis dann aber rasant und bald sind alle im Wasser.

Ansonsten viel aufs Wasser gucken, viel Lesen, viel Stille und viel Fische beobachten bzw. einfangen und wieder freilassen.

Die beiden Nachbar*innen Ringo und Natterlie werden auch fleißig beobachtet.

Am frühen Nachmittag gehen der Liebste und ich kurz Sachen packen und das Auto beladen, damit das nicht das Letzte sein muss, was wir hier tun. Danach schwimme ich noch eine letzte Runde und lasse mich in der Sonne trocknen, während das Teilzeitkind noch verschiedene Sprünge und Salti ins Wasser ausprobiert. Zum späten Mittagessen gibt es die restlichen Nudeln mit Bolognese für uns drei und Wassermelone für alle, dann heißt es Aufbruch und verabschieden.

Da wir eine Stunde früher hätten aufbrechen müssen, wenn der Liebste und das Teilzeitkind mich noch nach Hause gebracht hätten, lasse ich mich wieder am Bahnhof absetzen und winke den beiden zu. Mein Zug kommt leicht verspätet und dann sehr überfüllt. Es werden keine zusätzlichen Fahrräder und Kinderwägen mehr mitgenommen, ich kann mich aber gerade noch so reinquetschen. Der übernächste Halt ist dann schon die S-Bahn-Endhaltestelle und weil der Zugführer dringend an Fahrradfahrende und andere appelliert, doch in die S-Bahn umzusteigen, sonst müsse der Zug geräumt werden, kämpfe ich mich durch die Menschenmassen nach draußen und steige am Gleis gegenüber in die S-Bahn, in der es jede Menge freie Sitzplätze gibt.

Am Ende bin ich so eine Viertelstunde später zuhause als ursprünglich gedacht, aber das ist zu verschmerzen. Ich füttere die Katzen, packe meine Sachen aus und setze mich auf den Balkon – Bloggen, Sprachlern-Apps… Dann telefoniere ich nochmal mit dem Liebsten und mache mir dann ein schnelles Abendbrot, das ich zur Lektüre des neuen Mike Gayle esse.

Als das Buch zu Ende ist, ist es dunkel auf dem Balkon. Ich gieße noch schnell die Pflanzen, putze meine Zähne und gehe ins Bett.

08.07.2023 – Seense mal

Dafür, dass ich erst um 2 im Bett lag, bin ich ganz schön früh das erste Mal wieder wach. Kurz vor 7 stelle ich fest, dass an weiteres Schlafen erst zu denken ist, wenn ich vorher meine Blase entleere. Ich bewege mich sehr vorsichtig und so leise wie möglich, aber irgendwie muss ich das Teilzeitkind damit geweckt haben. Denn gerade, als ich wieder einschlafen will, rüttelt es an meinem Fuß und möchte das Handy des Liebsten entsperrt bekommen, damit es das Hörbuch von gestern Abend weiterhören kann. Wenn‘s weiter nichts ist…

Ich döse wieder weg, das nächste Mal wird gegen halb 9 an meinem Fuß gerüttelt, weil mein Handy zum Spielen eingefordert wird. Auch kein Problem. Gegen halb 10 ist dann der Liebste wach, ich auch, und dann bringe ich Kaffee ans Bett. Bei der Gelegenheit hole ich mir auch mein Handy wieder. Kurz danach kommen mein Bruder und seine Freundin und bereiten gemeinsam mit dem Teilzeitkind das Frühstück vor, das wir unter Bäumen im Wald zu uns nehmen.

Danach zieht es uns dann aber endlich ans Wasser und wir nehmen Position auf dem Steg ein. Es wird gebloggt, gelesen und erzählt und beim Baden kommen heute auch Schwimmflossen, Taucherbrillen, Paddle Boards und Kescher zum Einsatz.

Der Liebste und mein Bruder fahren nochmal kurz los, Pfand abgeben und letzte Dinge einkaufen. Ich schwimme eine ganz ordentliche Strecke, nur um hinterher festzustellen, dass das so gar nicht auf mein Schrittziel einzahlt, hmpf. Am frühen Nachmittag servieren mein Bruder und seine Freundin eine kalte Joghurt-Gurken-Suppe mit ordentlich Dill und Knoblauch, die bei der Hitze genau das Richtige ist.

Zum Abend hin wird der Grill rausgeholt, neben mariniertem Fleisch und Würstchen gibt es Halloumi, Mais, Gemüsebällchen, Lachs, Knoblauchbaguette, Bulgursalat, Wassermelone-Feta-Minze-Salat, Zucchinipuffer mit Joghurt-Dip und zum Nachtisch Eis.

Hinterher sitzen wir wieder auf dem Steg, trinken Strawberry Daiquiris (für die Kinder ohne Rum) und spielen uns gegenseitig Lieder vor. Irgendwann verabschieden sich die Gäste, das Teilzeitkind und der Liebste gehen schlafen und auch der Rest macht heute früher Feierabend – gegen Mitternacht liege auch ich im Bett.

07.07.2023 – Happy Friyay und dann Weekend Vibes

Der Freitag beginnt entspannt und gut ausgeschlafen – ich wache kurz vor dem Weckerklingeln auf, mit einem ganz subtilen Aperol-Spritz-Schädel, aber da kann ich mich gleich schonmal dran gewöhnen fürs Wochenende – und manövriere mich ohne Hektik durch meine Morgenroutine. Kurz nach 9 sitze ich am Schreibtisch, mit Himbeerwasser (also nicht Himbeergeist, sondern Wasser mit TK-Himbeeren) und Brioche – mit Johannisbeergelee bzw. Pistaziencreme).

Ich bereite eine Rundmail vor und versende sie, stimme mich mit Kolleg*innen ab und recherchiere Dinge. Das einzige Meeting des Tages (ein anderes wird spontan abgesagt), findet telefonisch statt. Erst gehe ich dafür auf den Balkon, aber dort wird es mir schnell zu heiß und ich wechsele aufs Sofa. Dann geht es zurück an den Schreibtisch, Meeting nachbereiten, das gestern besprochene neue Projekt anleiern und im Projektmanagement-Tool anlegen… Recht schnell ist Mittagspause.

Ich mache mir aus drei Eiern und einer Packung Baby-Spinat eine Art Omelette (es zerfällt natürlich), dazu gibt es Taralli mit Fenchelsamen und einen Rest Mojo rojo. Das esse ich auf dem Balkon, wo inzwischen die Sonne um die Hausecke verschwunden ist. Danach kümmere ich mich um Müll, Katzenklos und Sachen packen. Kurz nach 14 Uhr bin ich zurück am Schreibtisch. Der Freitagnachmittag ist meist sehr ruhig, da der Großteil der europäischen Kolleg*innen sanft ins Wochenende gleiten möchte. Hektik kommt dann nur noch aus den USA, heute aber nicht.

Ich bereite Dinge für die nächste Woche vor, lese etwas für einen amerikanischen Kollegen Korrektur und schreibe meinen Wochenbericht. Gegen 17 Uhr klappe ich den Laptop zu, füttere die Katzen großzügig, fülle ihre Wassernäpfe auf und gieße nochmal ein paar Pflanzen, die immer viel pralle Sonne abkriegen. Dann koche ich mir einen Kaffee to go, schnappe mir meinen Rucksack und laufe los zur Tram, die mich zum Zug bringt. Auf der Fahrt in eine brandenburgische Kleinstadt fange ich das neue Buch von Mike Gayle an. Dort angekommen holen mich der Liebste und das Teilzeitkind ab. Wir gehen zusammen einkaufen und fahren dann an den See, wo mein Bruder und seine Freundin uns schon erwarten.

Wir laden aus, dann zieht sich das Teilzeitkind schnell seine Badesachen an und schwups sitzen wir auf dem Steg, bzw. im See. Für die Erwachsenen gibt es erste Biere und Weine. Dann wird das Abendessen serviert – Nudeln mit Bolognese, für einige von uns auch noch Spinat mit Feta.

Die Sonne geht langsam unter, wir sitzen und erzählen. Das Teilzeitkind rollt sich irgendwann mit einer Decke an mich gekuschelt zusammen und döst. Gegen 23 Uhr streichen wir die Segel und gehen nach drinnen. Wir beziehen die Betten und das Kind geht schlafen. Für die Erwachsenen gibt es Gin Tonic mit Johannisbeer-Eiswürfeln und der Abend endet irgendwann gegen 2 Uhr nachts.

06.07.2023 – Entspanntes Homeoffice, Bücherjagd und Balkonfeierei

Nach den letzten beiden anstrengenden Tagen mit viel Hin und Her und Büro freue ich mich auf einen entspannten Homeoffice-Tag. Nach der Morgenroutine (Internet leer lesen, Katzen kuscheln, Bloggen, Duolingo, Babbel, Telefonat mit dem Liebsten, Pflanzen gießen, Katzen füttern), bei der ich mich heute überhaupt nicht beeilen muss, mache ich mir zum Frühstück einen Smoothie – also eigentlich drei große Gläser voll – aus Bananen, Apfel, Haferflocken, Zimt und Aprikosenwasser. Ich hatte gestern Abend wieder getrocknete Aprikosen in Wasser eingelegt. Dann setze ich mich an den Laptop und erledige erste Dinge. Da ich bis zum Mittag keine Meetings habe und die To-Do-List angenehm leer ist, kümmere ich mich am Vormittag – immer mit einem Auge und Ohr für das Diensthandy und eintrudelnde Anrufe, E-Mails, Nachrichten und Benachrichtigungen – um Haushaltsdinge. Wäsche waschen, Katzenklo durchsieben, Müll wegbringen…

Dann folgt ein produktives Meeting mit meiner Chefin in Südengland. Hinterher gehe ich nach draußen, zuerst in die nächstgelegene Buchhandlung. Leider ist das Buch, das ich brauche nicht vorrätig, also fahre ich mit der Tram zwei Stationen zur nächsten, etwas größeren Buchhandlung. Auch hier habe ich kein Glück, kann das Buch aber in einer anderen Filiale für mich zurücklegen lassen. Auf dem Heimweg kaufe ich noch schnell Olivenöl und Vitamin-D-Tabletten und dann geht es auch gleich weiter mit dem Homeoffice. Ich schmiere mir noch eine Stulle mit dänischer Remoulade, Schafskäse und Gurke und dann wird es Zeit, alles für das Nachmittagsmeeting vorzubereiten. Ich bin Gastgeberin eines deutschlandweiten Meetings, führe durch die Präsentation, moderiere andere Präsentator*innen an, stelle selbst einige Folien vor und moderiere am Ende die Fragerunde.

Danach raucht mir eigentlich der Kopf, ich habe aber noch einiges nachzubereiten, bevor ich guten Gewissens den Laptop zuklappen kann. Dann ziehe ich mich für den Abend um und spaziere zur dritten Buchhandlung heute. Ich lasse mir das Buch in Geschenkpapier einwickeln und laufe wieder zurück in meinen Kiez – das FitBit jubelt laut brummend ob meiner Aktivität. Gegen 19 Uhr treffe ich beim Lieblingsnachbar ein, der gestern Abend endlich aus dem Krankenhaus entlassen wurde und heute seinen Geburtstag auf dem grünen Balkon feiert.

Als ich ankomme, gibt es gerade noch die Reste vom Kuchen aus dem Stammcafé. Die Gäste sind bereits äußerst albern und ausgelassen, was eher an der Konstellation von Menschen als an etwaigem Alkohol liegt. Als wir überlegen, was wir zum Abendbrot essen wollen, schlage ich eine Pizzeria vor, in der ich mit dem Liebsten war und bei der ich in der Zwischenzeit schon zweimal bestellt habe. Wir einigen uns zu sechst auf fünf verschiedene Pizzen und trinken dann einen Aperol Spritz, während wir darauf warten. Dann werden die Pizzen unter großem Hallo brüderlich und schwesterlich geteilt, verkostet und gefeiert – ich habe gut vorgeschlagen.

Kurz vor 22 Uhr machen wir die Lichterkette an und es zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen – morgen ist ja auch noch ein Arbeitstag. Die erste Ladung Gästinnen geht kurz nach 22 Uhr, eine halbe Stunde später bricht auch der Rest auf. Zwei nehmen die Tram in den Wedding, einer fährt mit dem Hoverboard nach Weißensee und ich stakse hinüber in die Parallelstraße. Zuhause gönne ich mir noch ein kurzes Bad und dann ist auch dieser Tag beendet.

05.07.2023 – Südberlin, Büro und Sport #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier

Mein Körper nimmt das mit dem #WMDEDGT sehr ernst und möchte für möglichst viel Content sorgen, deshalb weckt er mich schon um 5 und lässt mich erst kurz vor Mitternacht schlafen. Alles für den Plot! Ich erwache neben dem Liebsten und lese erst einmal das Internet leer und blogge. Zehn Minuten vor seinem Wecker um 6:30 Uhr wacht er auch auf und geht uns Kaffee und Orangensaft holen. Es wird ein kurzer Morgen im Bett, denn nicht nur das Teilzeitkind muss zur Schule, auch wir beide müssen für die Arbeit nach draußen und das auch noch früher als normal. Um 6:45 Uhr geht der Liebste schauen, ob er das Teilzeitkind wecken muss, aber auch es ist bereits wach und hat bis jetzt Hörspiel gehört. Für eine Viertelstunde kommt es noch zu uns kuscheln und dann ist Action angesagt.

Um 7 stehe ich auf und gehe ins Bad, das Teilzeitkind zieht sich an und der Liebste deckt ihm den Frühstückstisch und füllt die Brotdose für die Schule. Als ich aus dem Bad komme, isst das Kindelein schnell sein Müsli auf und geht dann selbst ins Bad. Ich packe meinen Kram zusammen, der Liebste liegt nochmal für ein paar Minuten im Bett. Halb 8 verlässt das Kind mit Ranzen und Roller die Wohnung Richtung Schule, der Liebste geht ins Bad und ich sitze auf dem Sofa und beschäftigte mich mit Duolingo.

Dreiviertel 8 verlassen der Liebste und ich gemeinsam die Wohnung, gehen zur S-Bahn und fahren gemeinsam nach Mitte. Das ist in der Konstellation so auch noch nie vorgekommen. Am Potsdamer Platz trennen sich unsere Wege. Er fährt noch ein Stück weiter, zu einer Schulung, bei der er dann auch Frühstück und diverse andere Mahlzeiten bekommt, ich nehme die U-Bahn in Richtung meines Büros. Eine Station vor der Richtigen muss ich aussteigen, weil die Linie immer noch unterbrochen ist. Ich spaziere an der Spree entlang zum Büro und höre Podcast – sehr empfehlenswerte WRINT-Folge mit Michael Lühmann über Ostdeutschland, unbedingt auch hören!

20 vor 9 bin ich im Büro und belege mit einigen anderen Frühstücksbrötchen für das Team. Um 9 poste ich entsprechende Fotos in den Büro-Chat, spiele Musik über eine Bluetooth Box und nehme am allgemeinen Essen und Plaudern teil.

Gegen halb 10 ist alles aufgegessen – 28 Brötchen hatten wir – und ich gehe an meinen Platz. Die nächsten Stunden, bis etwa 13:30 Uhr, arbeite ich an verschiedenen Dingen. Die Präsentation von gestern wird fertiggestellt, ich versende eine Pressemitteilung, ich helfe einer Kollegin in Paris, indem ich Informationen für sie finde, ich bespreche Dinge mit Kolleg*innen hier vor Ort und bereite eine E-Mail inkl. der darin verlinkten Listen und Formulare vor.

13:30 Uhr gehe ich dann zu einem Arbeitsessen mit einem Kollegen zum Vietnamesen neben an. Weil ich noch sehr satt vom Frühstück bin, entscheide ich mich für einen Mangosalat mit Rindfleisch und ein Ginger Ale.

Wir besprechen uns für eine gute Stunde, dann geht es zurück an den Schreibtisch. Mit inzwischen eingetroffenen Informationen beende ich einen weiteren Text und verschicke ihn an den relevanten Personenkreis. Um 15 Uhr habe ich einen Call mit Paris und Atlanta. Mein Meeting mit meiner Chefin in Südengland hingegen muss auf morgen verschoben werden. Um 16 Uhr dann Besprechung/Brainstorming mit zwei Kollegen vor Ort in einer Sitzgruppe. Geht wirklich in dem Fall besser als gestern, als wir es im Chat probiert hatten – wir machen Nägel mit Köpfen und haben einen Plan.

Zurück am Platz setze ich den Plan in To Do‘s im Projektmanagement-Tool um. Ab 17 Uhr leert sich das Büro zusehends. Da ich noch Zeit totzuschlagen habe, wende ich mich der jährlichen Compliance-Schulung in vier Modulen zu, die eigentlich erst Ende August abgeschlossen sein muss, aber was weg ist, ist weg. Ich arbeite seit 13 Jahren in dem Laden, die Schulung ist seit mindestens 5 Jahren unverändert. Ich brauche also statt 3 Stunden ungefähr eine, um mich da durchzuklicken und mit fast voller Punktzahl abzuschicken. Komplett volle Punktzahl übrigens bei den Punkten Datenschutz und Harassment. Bin ja nicht umsonst Twitter-sozialisiert (Mastodon-sozialisiert müsste ich jetzt eigentlich sagen, aber die entscheidenden prägenden Jahre davon waren auf Twitter). Die meisten Fehler mache ich bei Korruption, da fehlt mir halt die praktische Erfahrung.

Zwischendurch ruft der Liebste an, der inzwischen wieder zuhause ist und sich in den Feierabend verabschiedet. Ich beschäftige mich noch ein wenig mit Babbel und Duolingo und verlasse dann 18:45 Uhr das Büro. Mit Rucksack und Sporttasche nehme ich die S-Bahn zum Fitnessstudio. Kurz vor halb 8 gleite ich elegant ins Wasser, wo schon die Zufallsfreundin von neulich wartet und mir noch nachträglich zum Geburtstag gratuliert. Dann folgen 45 Minuten heute sehr intensives AquaFitness, nachdem wir total kaputt sind. Eine Kursteilnehmerin spricht mich auf meinen Bikini mit dem Zitronenprint an und fragt, ob ich den aus ihrer Heimatstadt Sorrento habe. Habe ich nicht, aber ich kenne Sorrento natürlich und verstehe die Assoziation. Hätte mich dann gerne noch länger mit ihr über ihre Heimat unterhalten, aber sie ist vor dem Kurs schon 32 Bahnen geschwommen und hat es eilig, loszukommen.

Die Zufallsfreundin und ich trocknen uns ab und gehen in die Sauna. Nach dem ersten Gang duschen wir uns kalt ab, werfen unsere Badesachen in die Trockenschleuder und halten einen Plausch. Dann zweiter Saunagang, aber ich halte nur noch kurz aus, bevor ich rausgehe, mich dusche, föhne und anziehe. Die Zufallsfreundin stößt kurz danach auch zu mir und als wir beide fertig sind, bringe ich sie noch zu ihrem Fahrrad. Dann laufe ich im Hellen (es ist nach halb 10) zur S-Bahn und fahre zurück in den Prenzlauer Berg. Dabei höre ich weiter den Podcast von heute morgen.

Zuhause angekommen, füttere ich zuerst die Katzen und fülle ihre Wassernäpfe auf. Dann hänge ich zuerst meine Sachen zum Trocknen auf, packe meinen Rucksack aus, entferne die Spuren einer Haarballenkotzaktion und gieße die Pflanzen auf dem Balkon, bevor ich mich um mein eigenes Abendbrot kümmere. Ich werfe einen Becher Hüttenkäse und eine Dose Thunfisch zusammen, schneide ein paar Cornichons klein und vermische alles gemeinsam mit Salz, Pfeffer, Dill und Cornichon-Wasser. Dazu gibt es eine Scheibe getoastetes Roggenbrot. Ich mache im Wohnzimmer Licht an, dann ist es auf dem Balkon hell genug, um zu essen und zu sehen, was ich esse.

Ich bin zwar kaputt, aber noch viel zu aufgekratzt und als der Podcast vorbei ist, lese ich daher noch ein wenig im Internet herum, bevor ich mich dann gegen halb 12 bettfertig mache und hinlege. Mit dem „Alles gesagt“-Podcast mit Armin Maiwald auf den Ohren und den Katzen am Körper schlafe ich dann irgendwann kurz vor Mitternacht ein.