15.01.2024 – Neue Woche also

In Erwartung von frühen Aufgaben den Wecker auf früher gestellt, um rechtzeitig und in Ruhe am Schreibtisch anzukommen. Meine über die Pandemie eingeübte Morgenroutine (gewissermaßen den Praktiken Churchills entlehnt) ist inzwischen so ausschweifend, dass ich eigentlich nur dann schnell aus dem Bett komme, wenn ich einen frühen Zug erreichen muss oder Handwerker zu klingeln drohen. Beides ist heute nicht der Fall und da auch das Diensthandy noch traulich schweigt, sitze ich trotzdem erst halb 10 mit Frühstück (Joghurt mit Quittengelee und Müsli, Mate, Kräutertee) am Schreibtisch. Diese Woche ist es also wieder so, dass erst im Laufe des Montags die Woche in Fahrt kommt. Auch Recht. Ich wünschte nur, ich könnte das jeweils antizipieren und mir meine Vormittage dann anderweitig verplanen. Dafür telefoniere ich heute Morgen erst sehr nett mit einer Beamten in Bautzen, die mir hinterher eine E-Mail mit zweisprachiger Grußformel schickt und dann mit einem Handwerker, der am Freitag kommen und den Schimmel in Augenschein nehmen wird.

Um 11 Meeting mit Ostfriesland, zum Glück ist der Kollege wieder da und ich kann diese Urlaubsvertretung nach zwei Wochen wie geplant wieder an den Nagel hängen. Just in time. Direkt im Anschluss ein Meeting mit Berlin und Dortmund um 11:30, bei dem ich die entscheidenden Informationen erhalte, auf die ich schon Freitagnachmittag gewartet hatte. Daraus gilt es nun eine Kommunikation an den Standort zu basteln, die ich noch vor meiner Mittagspause zur Abnahme zurückgebe. Mittags gehe ich in dichtem Schneetreiben nach draußen an die Luft, sogar mit Umweg für mehr Tageslicht und Bewegung, und hole ein paar Dinge aus dem Drogeriemarkt, streng nach Einkaufszettel.

Wieder zuhause mache ich mir Stullen aus Toastbrotresten, veganer Mortadella, Gouda und Radieschenresten, dazu eine große Birne. Dann Meeting mit Berlin, Dortmund und Ostfriesland. Wir überziehen ein wenig. Pünktlich zum Ende klingelt es und meine Getränkelieferung (Limo, Mate, Radler) kommt an und wird direkt von mir verstaut. Der Hauptvorteil ist, dass drei Kästen mit leeren Pfandflaschen abgeholt werden, die neuen Getränke reichen jetzt wieder für eine ganze Weile, so selten trinke ich etwas davon.

Hinterher bekomme ich das Feedback zur Kommunikation, stelle sie fertig und schicke sie raus. Danach ist bis zum Teammeeting um 17 Uhr ein bisschen die Luft raus – ich erledige ein bisschen Kleinkram, aber für größere intellektuelle Leistungen fehlt mir was an diesem Montagnachmittag. Das Teammeeting ist dann zwar konstruktiv, aber für ein Problem haben wir noch keine zufriedenstellende Lösung, trotz Überziehen bis 18 Uhr. Ich schreibe noch eine E-Mail und beantworte ein paar Chats, dann ist Feierabend.

Nach dem ganzen Temperatur-Auf-und-Ab vom Wochenende fühle ich mich leicht anerkältet, deswegen koche ich mir jetzt eine schöne Suppe. Ob mich die italienischen Küchengötter strafen, weil ich ihre Tortellini in eine eher chinesisch-scharfe Gemüsebrühe mit Kohl, Sellerie und Möhren werfe? Wir werden es wohl herausfinden müssen. Beim Kochen telefoniere ich mit dem Liebsten und trinke nebenbei das letzte Erdbeerradler. Zum Essen höre ich mein Hörbuch zu Ende und kann Buch 6 auf meine Jahresliste setzen: Karin Smirnoff nach Stieg Larsson – Verderben.

Dann gucke ich mir die Tagesschau an und hinterher zur Beruhigung zwei Folgen „The West Wing“. Ich bin jetzt im hinteren Teil der letzten Staffel, in der Aaron Sorkin noch Showrunner war, der Liebste ist bereits ausgestiegen und negiert die Existenz weiterer Folgen. Das Niveau ist bereits etwas abgeflacht, aber ich habe trotzdem noch Spaß daran. Mal sehen, ob sich das ab der Sorkin-losen Staffel 5 ändert.

Gegen 22 Uhr siebe ich das Katzenklo durch und mache mich dann bettfertig. Ich stelle den Wecker wieder auf 7 Uhr, da ich morgen ins Büro muss, und fange dann das nächste Buch an, Günter Grass – Ein weites Feld. Dank des (zum Glück kurzen) Vorworts von Daniel Kehlmann weiß ich direkt, worauf ich bei der Lektüre achten muss und habe Spaß an den ersten 25 Seiten, bis mir die Augen zufallen. Auch dieses Buch landete wegen Hiddensee-Bezugs auf meiner Wunschliste. Nicht nur war Grass‘ letzte Frau eine Hiddenseeerin, er hat wohl auch Teile des Buches dort geschrieben und es kommen Figuren vor, die aus dem echten Leben abgeguckt sind. Außerdem ist der Mann ja trotz fragwürdiger Vergangenheit und späterer Auslassungen nicht ganz unwichtig für die Literaturgeschichte.

Kaum ist das Licht aus, bin ich natürlich direkt wieder wach und arbeite im Kopf für morgen vor. Um dem Entgegenzuwirken geht es per Hörbuch wieder zurück nach Venedig und das hilft dann doch beim Einschlafen.

14.01.2024 – Wohlsein Teil 2

Wir schlafen beide nicht ganz gut durch, das Hotelbett ist zwar sehr bequem, aber es gab ja ein bisschen Alkohol gestern und das macht immer einen unruhigen Schlaf, dazu noch relativ hellhörige Wände und diverse andere Menschen im Hotel, die den Umstand, dass dort Zugang erst ab 16 ist, scheinbar nutzen, um ordentlich Party zu machen. Andererseits sind wir aber auch herrlich entspannt und entkräftet vom Entspannen, so dass es dann doch erst halb 10 ist, als wir schließlich einmal zeitgleich wach sind und der Liebste Kaffee macht. Angesichts des Ortes an dem wir sind, verkürzen wir das morgendliche Rumliegen auf eine halbe Stunde und gehen dann direkt zum Frühstück, das in den Bewertungen hochgelobt ist.

Und ja, man kann wirklich überhaupt nicht meckern. Der Liebste merkt zwar an, dass es gut, aber nicht komplett außergewöhnlich ist, aber vielleicht sind wir auch beide etwas verwöhnt ob diverser Dienst- und sonstiger Reisen. Verglichen mit meinem Pensionsfrühstück auf Hiddensee, das auch schon sehr gut war, ist die Auswahl hier bombastisch. Omelette-Station, Pancakes, Bacon, Würstchen, Lachs, frisch gepresster O-Saft, Sekt, verschieden gebratene und gekochte Eier, diverse außergewöhnliche Marmeladen, viel frisches Obst und halt alles, was noch so dazugehört. Ich frühstücke jedenfalls in drei Runden, erst warm, dann herzhaft kalt, dann süß kalt.

Dann heißt es Sachen packen, aus dem Zimmer auschecken und ab in den Spa-Bereich. Wir wollen wieder mit Schwimmen anfangen, aber die 26 Grad im Sportpool sind dem Liebsten nach gestern zu kalt und so gehen wir dazu direkt ins vielgeliebte Solebecken. Daraufhin folgt die Steinsauna, das Duschen, das Abklingbecken, das beheizte Wasserbett im Ruhebereich. Ich fange das nächste Buch an: Christoph Hein – Der Tangospieler. Irgendwann döse ich wieder weg. Nach dem Aufwachen Runde zwei: Solebecken, Blockhaus-Sauna für mich, Dampfbad für den Liebsten, Duschen, Kneipp-Fußbad für mich, Abklingbecken, Ruheraum. Die beiden Wasserbetten sind belegt, also liege ich erst auf einer normalen Liege, bis eins frei wird, und wechsle dann rüber. Ich lese weiter und schlafe aber nicht mehr ein, so langsam heißt es, die Uhr im Auge zu behalten, denn um 15 Uhr müssen wir raus oder nachzahlen. Also geht es kurz nach 14 Uhr nochmal ins Solebecken, für mich länger, für den Liebsten nur kurz, der will sich die Blockhaus-Sauna noch kurz von innen ansehen.

Dann gehen wir ein letztes Mal duschen, ziehen uns an und föhnen die Haare. Zeit, wieder in den Alltag zurückzukehren. Da das Wetter schön ist und wir genug Zeit haben, promenieren wir am Scharmützelsee entlang zum Bahnhof.

Dort amüsieren wir uns, wie vermutlich schon viele Besucher*innen vor uns, über das Bestattungshaus Möse, holen uns beim Bäcker noch einen Kaffee und fahren dann zurück nach Berlin. Am Ostkreuz verabschieden wir uns und kehren in unsere Wohnungen zurück. Dort erwarten mich Post und Kuschelkatzen und relativ schnell liege ich mit beiden auf der Couch und schlürfe eine Sanddornschorle. Erstmal in Ruhe bloggen, dann Pizza bestellen, den nächsten Teil der Panamericana-Doku gucken – von Whitehorse über Edmonton und den Yellowstone Nationalpark nach Las Vegas – dann Italienisch üben.

Danach lese ich Rachel Roddys „An A-Z of Pasta“ zu Ende. Währenddessen kommt der Mitbewohner samt Besuch nach Hause und kocht Pasta – mit Thunfisch und Tomatensauce. Es gibt eine mittlere Krise, als er bemerkt, dass er Dosentomaten mit Kräutern drin gekauft hat, statt pur. Aber irgendwie ist die Sauce dann doch noch zu retten, was für ein Glück. Leider bin ich zu satt, um zu kosten. Kurz nach 10 mache ich mich bettfertig – inkl. einer dicken Schicht Bodylotion auf die dieses Wochenende viel beanspruchte Haut – und lese dann im Bett auch noch den Hein zu Ende. Schon fünf beendete Bücher auf meiner Liste dieses Jahr und es ist gerade mal zwei Wochen alt.

13.01.2024 – Wohlsein

Genau genommen beginnt der Tag gegen 3, als mein Mitbewohner nach Hause kommt und dann ein zweites Mal gegen 6, als er auf Toilette geht, aber ich schlafe beide Male dann doch wieder ein und wache dann erst zehn Minuten vor dem Weckerklingeln um 8 auf. Der Wecker klingelt, weil heute das Weihnachtsgeschenk des Liebsten eingelöst wird. Wir telefonieren kurz – er mit Kaffee, ich mit Mate in der Hand – und treffen uns dann halb 11 am Ostkreuz zur Weiterfahrt an den Scharmützelsee. Dort werden wir anderthalb Tage lang dem Wohlsein – neudeutsch Wellness – fröhnen. Als wir im Hotel ankommen, ist unser Zimmer noch nicht fertig. Das macht aber gar nichts, denn in den Spa-Bereich können wir sofort und wegen dem sind wir ja da.

Als erstes schwimmen wir ein paar Bahnen, dann liegen wir ein wenig im Whirlpool herum. Die nächste Station ist dann der Außenpool mit Solebad – für uns beide insgesamt das Highlight des Wochenendes, wie sich herausstellen wird. Von dort geht es nach einer Dusche ins Dampfbad, dann wieder Duschen, Abklingbecken, Ruheraum. Dort ergattere ich eines der beiden beheizten Wasserbetten und bin selig. Ich lese weiter in „Bitter Almonds“ und döse irgendwann weg. Dann folgt irgendwann die zweite Runde – Solebad, Duschen, Biosauna, Duschen, Abklingbecken, Ruheraum. Gleiches Prozedere. Nach dem Aufwachen haben wir etwas Appetit und gönnen uns an der Bar einen Cheesecake Crumble, einen Smoothie für mich und eine Apfelschorle für den Liebsten.

Danach folgt Runde drei… Solebad, Duschen, Oktagon-Sauna, Duschen, Abklingbecken, Ruheraum. Diesmal schlafe ich nicht mehr ein – ich bin schon zu aufgeregt wegen des Abendessens später – und lese stattdessen mein Buch aus. Gut, dass ich optimistisch noch ein zweites mitgenommen habe! Bevor wir den Spa-Bereich für heute endgültig verlassen, hüpfe ich noch ein viertes Mal heute ins Solebad und der Liebste in die Bio-Sauna. Nach einer Dusche treffen wir uns im Abklingbecken, dann heißt es anziehen und Zimmer beziehen.

Wir ruhen uns kurz auf dem Bett aus, durchstöbern schonmal die Speisekarte und verhandeln die Vorspeisen (Es gibt ein Angebot, mit dem man drei kosten kann, was günstiger wäre, als die drei einzeln zu bestellen. Da ich mich nicht mit mir selbst auf eine Vorspeise einigen, brauche ich des Liebsten Einverständnis und bekomme es dann auch). Kurz vor acht gelangen wir auf verschlungenen Wegen treppauf und treppab zum Restaurant. Es gibt einen schon im Voraus ausgewählten Aperitivo mit Aperol, Gin, Limettensaft und Prosecco.

Die drei ausgewählten Vorspeisen sind Carpaccio mit Trüffelpesto und Rucola, geräucherte Entenbrust mit Gorgonzola, Roter Bete und Feigen und dann eine Art italienisches Sushi mit Balsamico-Reis, Thunfisch, Jakobsmuscheln, Parmaschinken, Amalfizitrone, Peperoni, Sardelle und Avocado. Alles unglaublich lecker!

Beim Hauptgang wollen wir dann beide das Gleiche, was ein bisschen schade ist, aber manchmal ist es nunmal so: Waldpilz-Fettucine mit Rehschinken. Dazu trinken wir Lugana, einen Weißwein aus der Lombardei.

Ob nun wegen allgemeiner Ausgewrungenheit, Müdigkeit, Völlegefühl oder Histamin… Ich schaffe meine Pasta nicht und so muss ich auch das Dessert ausfallen lassen. Der Liebste schafft immerhin nicht nur seine Pasta, sondern auch noch einen Grappa. Danach wollen wir uns eigentlich noch in die Bar mit dem offenen Kamin setzen und einen gepflegten Cocktail zu uns nehmen, es ist uns dann aber zu voll und lebhaft dort und wir müssten uns einen Tisch mit anderen teilen. Also gehen wir doch direkt aufs Zimmer und holen uns noch was aus der Minibar. Damit geht es aufs Bett. Der Fernseher läuft, aber ich höre es recht schnell neben mir schnarchen (nur ganz sanft). Also mache ich den Fernseher und das Licht aus und dann wird schon gegen 23 Uhr geschlafen.

12.01.2023 – Homeoffice, aufregende Pläne, gutes Essen und spannende Doku

Der Wecker weckt mich zur normalen Zeit, die Katzen sind noch sehr müde und schlafen einfach weiter. Was da wohl nachts wieder los war. Ich tue morgendliche Dinge und sitze dann irgendwann gegen halb 10 am Laptop, mit Mate, Toast mit Pistaziencreme bzw. Quittengelee, Blutorange, Kaki und Blaubeertee. Der ursprüngliche Plan für diesen Homeoffice-Freitag sah vor, mittags mit dem Lieblingsnachbar spazieren zu gehen, aber erstens ist immer noch Glatteiswarnung und zweitens hat meine Chefin gestern Abend noch angekündigt, dass ich um ungefähr die anvisierte Zeit herum verfügbar sein müssen werde, um etwas zeitkritisches zu erledigen, das in unserem Team nur ich kann.

Ich ändere also als erstes den Plan und kümmere mich direkt danach gleich noch um andere organisatorische Dinge, bis gegen 11 das erste Meeting stattfindet – mit Dortmund, Biesdorf, Lichtenberg und Moabit (?). Danach arbeite ich an den verschiedensten Dingen weiter: Ich fasse Diskussionspunkte zusammen und schreibe eine Mail nach oben, ich nehme ein Anliegen eines Kollegen auf und schreibe eine Mail nach ziemlich weit oben, ich schreibe eine vorbereitete Mail an mittelweit oben (großer Verteiler), ich telefoniere mit dem Kollegen in Lichtenberg…

Als sich abzeichnet, dass sich die Aufgabe, für die ich mich bereithalte, verspätet, mache ich Mittagspause. Ich bastle mir einen Salat aus Rucola, Fenchel und Apfel mit Olivenöl-Zitronen-Dressing (neulich im Internet inspiriert worden), dazu gibt es Vollkornbrötchen mit Leberkäse und richtigem Käse. Dann spiele ich auf dem Handy und höre wieder den „Jüdisch in der DDR Podcast“. Zurück am Schreibtisch habe ich einen spontanen Call mit einer Kollegin im Büro (!) und beschäftige mich danach mit Zahlen in einer Tabelle, schreibe dann zwei E-Mails an Gruppen von Leuten basierend auf der Tabelle und mache mir daraus eine vierteljährliche Aufgabe im Projektmanagementsystem.

Dann endlich kommt die Mail mit der Aufgabe und ich aktualisiere unsere Unternehmenswebseite entsprechend. Kurz danach ist es Zeit für ein Meeting mit dem ganzen Team, das auf jeden Fall das Highlight des Arbeitstages ist. Wir freuen uns gut gelaunt über die Neuigkeiten des Tages und den Freitag, dabei haben drei von fünf eine Katze auf dem Schoß. Alle drei Katzen sind heute sehr fotogen und posieren wie es sich gehört. Die Katze, die zur vierten Kamera gehört, jagt derweil die Hunde des Hauses, hat also keine Zeit für Meetings, und der Hund von Kamera fünf ist gerade beim Friseur. Trotzdem guter Schnitt. Wir besprechen eine neue Art, das Projektmanagementsystem für uns zu nutzen (Kernaussage meiner Managerin, für die ich sie knutschen könnte: „We need to work smarter ‘cause we cannot work harder.” und sprechen über ein hoffentlich dieses Jahr stattfinden könnendes Teammeeting im Real Life. Das wäre wirklich ganz famos, denn ich habe bisher nur zwei der Kolleg*innen, mit denen ich Tag für Tag eng zusammenarbeite einmal live getroffen und das ist fast fünf Jahre her und ich war noch ganz neu im Team und schüchtern und die Gruppe war sehr groß…

Da weitere große Aufgaben heute mangels Zuarbeit nicht mehr zu bearbeiten sind, beschäftige ich mich bis zum Feierabend dann einerseits mit meinem Wochenbericht und andererseits mit schönen Plänen. Im Rahmen der Pandemie haben wir einen Prozess eingeführt, mit dem man rechtssicher für bis zu 45 Kalendertage im Jahr woanders arbeiten kann – also woanders als im Büro oder Zuhause oder auf Dienstreise. Seitdem trage ich mich mit dem Gedanken herum, das auch vernünftig anzuwenden, habe es aber bisher noch nicht geschafft. Dieses Jahr nun soll es endlich klappen und ich habe schon mindestens zwei Pläne dazu. Nachdem ich heute Morgen noch einer Kollegin geholfen hatte, die Policy zu finden, bin ich jetzt angefixt.

Seit wir ein Büro in Valencia haben (das ist jetzt auch schon fast fünf Jahre so), möchte ich da mal hin. Stadt am Meer im Süden voller Orangenbäume, what‘s not to love? Ich hatte seitdem die begründete Hoffnung, dass das im Rahmen einer Dienstreise passieren könnte, aber dann kam vor nun schon vier Jahren die Pandemie und warf alle Pläne über den Haufen und jetzt ist eine Dienstreise dorthin sehr unwahrscheinlich geworden. Also auf eigene Faust und wenigstens ohne Urlaubstage nutzen zu müssen. Und wenn ich schon in Spanien bin, kann ich auch gleich noch nach Madrid und eine meiner liebsten Kolleginnen sowie meine ehemalige Chefin besuchen. Das Büro in Madrid ist seit meiner Dienstreise dorthin (wo ich die zwei aus meinem Team traf, hier schließt sich der Kreis) umgezogen und das neue kann ich mir ja dann direkt auch mal anschauen.

Ich chatte also mit der Kollegin und der Ex-Kollegin in Madrid und den zwei Kolleg*innen in Valencia, mit denen ich am meisten zu tun habe und dann reiche ich den Antrag ein und buche direkt noch einen Flug. Ich werde also die Woche vor Ostern im Büro in Madrid sein, bei der lieben Kollegin wohnen und abends mit ihr die Stadt unsicher machen, dann zu Ostern den Zug nach Valencia nehmen, die freien Tage am Meer und mit Stadtbesichtigung verbringen, dann die Woche über im Büro in Valencia arbeiten, dann den Zug zurück nach Madrid nehmen, meine Ex-Chefin zum Churros essen treffen und dann wieder zurück nach Berlin fliegen. Großes Yay!

Zum Feierabend wechsle ich dann auf die Couch. Erstmal ein Erdbeerradler und die Woche auf mich wirken lassen. Dann stehe ich irgendwann in der Küche und mache mir Abendbrot – es gibt Kartoffelbrei mit Kohlrabi und einer vereinzelten kleinen gelben Beete drin, dazu zwei hartgekochte Eier und Senfsauce.

Zum und nach dem Essen schaue ich die erste Folge der Doku über den Trip von Joey Kelly und seiner Familie über die Panamericana. Leider läuft die auf irgendeinem RTL-Sender und daher kommt selbst in der Mediathek ständig Werbung. Aber egal, das Thema interessiert mich aus allen Gründen – einmal natürlich wegen Joey Kelly und seiner Familie und dann auch wegen der Challenge an sich und im Besonderen, weil die erste Folge nach den endlosen Vorbereitungen dann von Tuk(toyatuk) über Inuvik und Dawson City nach Whitehorse führt – alles Orte, wo sowohl meine Eltern als auch mein Bruder schon waren – und unterwegs spannende Menschen auftreten, u. A. ein Hundeschlitten-Profisportler und ein First Nation, der nach Jahren im Süden jetzt wieder im Wald lebt. Lohnt sich, anzuschauen!

Durch die ganze Werbung zieht sich das alles ewig, deswegen ist es schon fast 23 Uhr, als die Folge vorbei ist. Ich beschließe, die zweite erst später zu sehen und gehe stattdessen erst in die Badewanne und dann ins Bett.

11.01.2023 – Drinnentag

Ich erwache kurz vor dem Weckerklingeln von ungewohnten Geräuschen, kann diese aber nicht wirklich lokalisieren. Dann also erstmal normale entspannte Morgenroutine im Bett. Ursprünglich wollte ich wieder erst gegen 10 am Schreibtisch sitzen, dann geht es aber schon deutlich früher heiß her im Teamchat (die Kollegin, die gestern von halb 9 bis 23 Uhr aktiv war, schreibt heute Morgen vor 8 das erste Mal wieder) und das macht dann irgendwie, dass ich doch freiwillig früher aufstehe und – nur mit einem Hoodie über dem Schlafanzug – halb 10 am Schreibtisch bin, mit Müsli, Mate und Pfefferminztee, mit einer Decke über den Beinen und einer satten Katze darauf.

Meetingmäßig ist es heute vergleichsweise ruhig, so dass ich größere Zeiträume lang einfach an Aufgaben sitze. Das viele Denken gestern hat sich gelohnt, heute bringe ich sinnvoll Sachen aufs virtuelle Papier. Auf einmal fühle ich mich gar nicht mehr so gestresst. 11:30 dann ein Meeting mit London, 12 Uhr mit Florenz, 12:30 mit Nordengland. Das letzte ist mit meiner Chefin und wir besprechen meine Prioritäten für das erste Quartal. Bis 14 Uhr sitze ich dann noch daran, das korrekt zu verschriftlichen, dann mache ich Mittagspause. Es gibt Gemüseeintopf von gestern auf der Couch, dann Handyspiel und zur Beschallung den „Jüdisch in der DDR-Podcast“ von Marion und Lena Brasch. Ich schaffe die erste Folge nicht ganz, da ist schon wieder die Stunde rum, aber ich bin intrigued und freue mich auf den Rest.

Am Nachmittag arbeite ich weiter an meinen verschiedenen Projekten und übersetze außerdem eine Präsentation ins Deutsche. Dann ist um 16 Uhr ein globales Meeting, bei dem ich aber nur zuhören muss, und direkt im Anschluss ein kurzes mit Berlin, Florenz und Chicago, um ein technisches Problem zu klären. Danach weiter Dinge abarbeiten bis gegen 18 Uhr – die Diskussionen im Teamchat ziehen sich danach noch eine Weile weiter. Das ist wirklich kein 9-to-5-Job hier…

Der offizielle Feierabend beginnt mit dem Ab- und Aufräumen meiner Weihnachtsgeschenke. Ich verabschiede den Mitbewohner zur Bandprobe, telefoniere mit dem Liebsten, mache Italienisch, telefoniere mit dem Bruder und bestelle eine Kiste Crowdfarming-Avocados zum Teilen, mache mir den Rest Gemüseeintopf warm und dazu eine Sanddornschorle, organisiere mir eine Lebensmittellieferung für anstehende Feierlichkeiten, lese den Wahlzettel für die anstehende Wiederholungswahl durch und recherchiere den Kandidat*innen hinterher…Und der Großteil des Abends besteht dann im Lesen von Rachel Roddys „An A-Z of Pasta“. Stand ewig als „Muss ich haben“ auf meiner Wunschliste, aber niemand hat es mir gekauft, also habe ich neulich dann endlich mal selbst zugeschlagen.

Ich lese bis nach 23 Uhr und schaffe ungefähr die Hälfte, dabei läuft mir ständig das Wasser im Munde zusammen und natürlich werden auch lauter Erinnerungen hochgespült, etwa als Rachel über Cappellacci in Ferrara schreibt und ich daran denke, dass wir damals auf eine Empfehlung von ihr hin in dieser einen Trattoria waren und sofort habe ich wieder das spezielle Brot vor Augen und den Lambrusco auf der Zunge. Oder wie ich mit Rachel über den Markt in Testaccio gelaufen bin und sie mir eine Probierportion Amatriciana in die Hand gedrückt hat. An dem Tag hat sie mir von dem Buch erzählt, an dem sie gerade arbeitet. Titel damals: „Fifty Shapes of Pasta“. Schade, dass der Verlag sich unentschieden hat. Und ich will wieder nach Italien! Und mehr Pasta essen! Und mit Rachel und Fabrizia und Luisa und den anderen in Case Vecchie in der Küche sitzen und über Essen philosophieren. Hach. Kauft/Lest dieses Buch!

10.01.2023 – Endlich wieder zuhause arbeiten

Alle sind heute froh, dass ich zuhause bleiben kann – ich, die Katzen, die Wäsche, die Wohnung. Erst einmal schlafe ich bis zum später klingelnden Wecker um 8 (nachdem ich um 5 einmal kurz auf Klo war und sofort in den Arbeitsplanungsmodus geriet, den ich dann aber mit Hörbuch erfolgreich wieder unterdrücken konnte). Dann stehe ich so auf, dass ich mit Duschen, Frühstück machen für die Katzen und mich etc. pünktlich um 10 am Schreibtisch sitze. Das letzte Meeting ist heute für 18 Uhr geplant, deswegen auf keinen Fall früher. Allerdings gucke ich natürlich auch schon vorher aufs Handy, falls irgendwas hyperwichtiges ist. Dort sehe ich z. B. eine Nachricht der Kollegin aus Südengland in Teamchat, als es bei ihr erst halb 9 ist. Die letzten E-Mails von ihr werde ich bekommen haben, als es bei ihr kurz vor 23 Uhr ist, da schlafe ich aber schon längst.

Der Arbeitstag lässt sich vergleichsweise ruhig an, wegen des meetingfreien Mittwochs wähle ich mich nur in zwei Sessions zum Zuhören ein und das für 18 Uhr geplante Meeting wird am Ende noch auf Freitag verschoben, weil die Kollegin aus Südengland keine Zeit haben wird. Abgesehen telefoniere ich nur einmal mit einem Kollegen, kommuniziere viel per Chat und E-Mail und habe ansonsten einigermaßen Ruhe. Die nutze ich zum Sortieren – Tabs, Aufgaben, Gedanken – und zum Planen. Ich habe diesen Monat noch etwa 5 größere Aufgabenblöcke zusätzlich zu den vielen kleinen und die müssen einerseits sinnvoll angegangen werden und brauchen andererseits Zeit im Hinterkopf, um auf die richtigen Ideen zu kommen.

Nimbin lässt sich bei minus 2 Grad die Sonne auf den Pelz scheinen

Nebenbei heute auch eine Menge Live Admin. Ich wasche zwei Ladungen Wäsche und hänge sie auf, fotografiere Schimmelecken und melde sie der Hausverwaltung (denkmalgeschütztes Haus mit undichten Wänden und Fenstern plus richtiger Winter macht Kondenswasser macht Luftfeuchtigkeit macht Schimmel). Die Antwort wird wieder sein: Lüften, Lüften, Lüften, Schimmel wegputzen und im Frühling wird wieder gemalert. Der einzige Nachteil dieser Wohnung… Außerdem noch ein wenig privater Papier- und Orgakram, der auch endlich wegerledigt bzw. weitergebracht wird. Die Mittagspause, wieder sonnig mit blauem Himmel, verbringe ich draußen und spaziere einmal „um den Block“ und dabei in drei Läden – ein Supermarkt, zwei Drogeriemärkte – bis ich alles habe, was fehlt. Dann gibt es Schnittchen zum Mittag, dazu Fenchel und Radieschen zum Knabbern.

Ich mache dann schließlich doch schon um 18 Uhr Feierabend – man muss die Gelegenheiten nutzen. Eigentlich müsste ich noch mein Schrittziel vollmachen, aber mein Körper schreit heute nach Gemütlichkeit. Also verbringe ich eine Stunde in der Küche beim gemütlichen Gemüseeintopf kochen – Zwiebeln, Porree, Selleriegrün, Möhren, gelbe Bete, Kartoffeln, Cannelini-Bohnen und ganz zum Schluss noch zwei Bio-Wiener in Scheiben. Damit gehe ich dann auf die Couch und telefoniere mit dem Liebsten.

Hinterher schaue ich Nachrichten, viel davon. Ich will wissen, wie ernst diese Mini-Wannseekonferenz genommen wird, die heute durch die Correctiv-Recherche aufgeflogen ist. Dann bleibe ich irgendwie an einer Maischberger-Wiederholung von gestern hängen, danach nochmal Tagesschau… Und weil ich dann so drin bin, aber keine Lust mehr auf die echte Welt habe, gucke ich dann noch eine Folge „The West Wing“. Danach bin ich so müde, dass mir beim Aufräumen noch eine Teetasse samt Inhalt runterfällt und ich wischen und Scherben beseitigen muss. Witzigerweise ist das eine Teetasse, die mir ein Kollege mal gekauft hat, nachdem er mir eine kaputt gemacht hatte. So fügt sich alles. Gegen 23 Uhr liege ich im Bett und schlafe dann auch schnell ein.

09.01.2024 – Büro und Yoga

Der Wecker steht wieder auf früher und ich wache wieder noch früher auf, diesmal schon halb 7. Das bedeutet einen sehr müden Start in den Tag, aber dafür kann ich mich noch im Bett kurz um das Handyspiel kümmern. Bürotage machen wirklich, dass meine Alltagsroutinen ausfransen – ich komme wenig zu Haushaltsdingen, trinke zu wenig über den Tag und müsste auch mal wieder Wäsche waschen. Nun ja, morgen dann. Heute jedenfalls geht es wieder ins Büro, diesmal mit der Tram, denn ich werde abends noch easy auf mein Schrittziel kommen und mit der Tram geht es in der Hälfte der Zeit und eh nicht ohne Fußweg, so dass ich auch noch eine Ladung Vitamin D mitnehme. Diesmal streikt der Kopfhörer dann auch erst auf den letzten 100 Metern.

Im Büro angekommen kurze Begrüßungsrunde, Kaffee, Müsli, Obst schnippeln und dann an den Schreibtisch. Als erstes habe ich einen Call mit einem Kollegen von der IT in Indien, der mir bei einem technischen Problem hilft. Ich muss ein paar Mal ob der kulturellen Unterschiede schmunzeln. Zum Beispiel schreibt er mich eine Minute vor dem Call an, ob wir früher loslegen können und bis wir uns dann beide eingewählt haben, ist es sowieso 10. Ich nehme an, das liegt an der „Indian Standard Time“ und normalerweise wäre er erst fünf Minuten später da gewesen. Aber bei Terminen in meinem Arbeitskalender, von denen es so viele mit so vielen verschiedenen Menschen gibt, bin ich sehr deutsch und mindestens pünktlich wenn nicht überpünktlich, weil sonst das ganze Konstrukt ins Wanken gerät. Kommunikativ gab es auch ein paar Besonderheiten, aber da bin ich ja nach 2,5 Jahren mit einem pakistanischen Mitbewohner gestählt.

Als mein Problem gefixt ist und der Kollege nicht mehr per TeamViewer auf meinem Laptop zugange ist, lese ich meine E-Mails und Nachrichten, bevor es ins nächste Meeting geht – zu dritt vor Ort plus Biesdorf und Charlottenburg zugeschaltet. Eine Stunde lang geht es zügig und produktiv durch diverse Themen, danach noch etwas Smalltalk und Geplänkel und am Ende alles schriftlich eintüten. Damit bin ich dann fast bis 13 Uhr beschäftigt, als es wieder wie gestern zum Vietnamesen geht – heute nehme ich die Pho Ga und gerade merke ich, dass mein Fotografieren so unauffällig war, dass ich nichtmal richtig abgedrückt habe und kein Foto auf meinem Handy ist. Mist.

Nach dem Essen besprechen wir noch schnell etwas zu dritt, danach habe ich anderthalb Stunden Freiraum im Kalender. Eigentlich hatte ich vorgesehen, jetzt den Büro-Weihnachtsbaum abzuschmücken, die Deko wegzuräumen und den Baum nach unten zu bringen, aber das haben zwei liebe Kollegen schon am Vormittag erledigt. Also kann ich tatsächlich einfach meiner Arbeit nachgehen. Den Nachmittag verbringe ich damit, Feedback zu verschiedenen Projekten zu geben, zwei Übersetzungen fertigzustellen, Termine in verschiedenen Kalendern glattzuziehen, eine Präsentation für nächste Woche vorzubereiten und verschiedenen anderen Themen hinterherzujagen. Unterbrochen wir das Ganze nur von zwei Meetings – eins mit Chicago und eins mit Chicago und Madrid. Ein drittes, ebenfalls mit Chicago und Madrid, aber mit anderen Personen, wird auf Freitag verschoben.

Kurz nach 18 Uhr mache ich Feierabend, packe meine Sachen zusammen und fahre mit der U-Bahn zum Yoga. Die heutige Session ist ein bisschen anders aufgebaut, aber sehr gut und und nur ab und zu kurz ein wenig anstrengend. Beim Shavasana döse ich wieder eher weg, als richtig zu meditieren, aber das ist dann wohl nötig.

Dann laufe ich nach Hause und erreiche dabei mein Schrittziel. Gegen halb 10 angekommen gibt es erstmal Abendbrot für die Katzen und mich. Sie bekommen Truthahn in Gelee und ich Brot mit Leberkäse und Apfelmeerrettich, Fenchel zum Knabbern und Rucola mit Olivenöl-Zitrone-Ahornsirup-Dressing, dazu Pfefferminztee.

Ich telefoniere ausführlich mit dem Liebsten (davor heute nur dreimal kurz) und hänge dann müde auf dem Sofa rum. Kurz Italienisch-App-Streaks retten, Handy spielen, nebenbei Hörbuch hören… Gegen 23 Uhr schleppe ich mich müde ins Bett und stelle den Wecker für morgen auf eine halbe Stunde später als normal.

08.01.2023 – Hallo Büro

Montag also. Ich hatte mir den Wecker auf eine halbe Stunde früher gestellt, damit ich ohne Zeitdruck entspannt in den Tag und ins Büro komme. Das klappt soweit ganz gut, nur bin ich noch früher morgens nicht wirklich schneller und so muss ich sowohl das Italienische als auch die Morgenrunde durch mein Handyspiel auf später verschieben. Eigentlich hatte ich auch geplant, zukünftig erst später in die Montage zu starten, weil da vormittags immer so wenig los ist, aber dem ist heute leider nicht so. Immerhin beschließe ich, dass das zu erledigende bis 10 Uhr warten kann, ich also nicht schon zuhause losarbeiten muss. Draußen sind knackige -8 Grad, aber der Himmel blaut und die Sonne scheint und ich beginne die Woche also mit einem Spaziergang ins Büro. Wobei Spazieren bei etwa einer Stunde Weg mit schnellen Schritten auch etwas beschönigend ist.

Noch bei mir im Kiez erledige ich nebenbei ein privates Telefonat, dann möchte ich eigentlich Radio oder Hörbuch hören, aber die Kopfhörer melden sich schon nach weniger als 15 Minuten ab – es ist ihnen zu kalt. Also keine Audio-Untermalung, dafür mehr Konzentration aufs Visuelle. Vor dem Thälmann-Denkmal parken marodierende Landwirtschaftsvertreter*innen ihre verzierten Fahrzeuge, ihren Unmut über aktuelle Neuerungen, grüne Spitzenpolitiker*innen und eine Ampel ausdrückend. Unfassbar, was da alles schon wieder schiefläuft in den Köpfen bzw. wie gut die Instrumentalisierung von Rechts funktioniert. Außerdem gibt es den ganzen Weg über Wahlplakate, über deren Botschaften mein Blutdruck steigt. Eine angeblich liberale Partei wirbt mit Grenzen in der Migration, eine stark ideologische Partei, die für Energiequellen ist, die uns schon jetzt viel zu teuer zu stehen kommen, plakatiert „Preiswerte Energie statt teure Ideologie“. Was für ein Knoten im Hirn. Was kommt als Nächstes?

Immerhin bin ich warm genug angezogen und außer, dass mir in den Stiefeln zum Ende hin die Füße schwer werden, tut das Laufen gut. Im Büro angekommen habe ich Mühe, meine von der Mütze entgrenzten Haare zu bändigen, aber sonst alles tutti. Ich hole mir Kaffee, schnipple Apfel und Banane ins Müsli, fülle beides mit Hafermilch auf und schneide mir eine Kaki klein. Kurze Begrüßung der vier bereits anwesenden Kollegen (kein Gendern nötig) und dann sitze ich am Schreibtisch, frühstücke und verschaffe mir einen Überblick. Insgesamt vier Kommunikationen müssen heute zu bestimmten Zeitpunkten global rausgehen, davon ist eine fertig und kann direkt los, für drei andere brauche ich noch Zuarbeit von anderen, das leiere ich an. Nebenbei Absprachen im Team, E-Mails vom Wochenende nachlesen, Nachfassen.

Ab 11:30 dann Päsenzmeeting mit dem Geschäftsführer und einer neuen Kollegin, die heute anfängt. Viel Vorstellen, Erzählen, Erklären und Notizen für später zu erledigende Aufgaben. Die To-Do-Liste füllt sich. Zurück am Platz ein kurzes Meeting mit einem aus dem Urlaub zurückgekehrten Berliner Kollegen im Homeoffice. Wir versuchen, ein technisches Problem zu lösen, das klappt bisher noch nicht so gut. Workarounds sind wichtig. Dann kann ich die nächste Kommunikation losschicken, bevor der Geschäftsführer mich, die neue Kollegin und zwei andere zum Mittagessen einlädt. Wir gehen natürlich zum Stammvietnamesen um die Ecke.

Zurück im Büro schicke ich dann die nächsten beiden Kommunikationen raus, bevor das nächste Meeting mit dem Geschäftsführer und der neuen Kollegin ansteht – jetzt zu anderen Themen. Danach habe ich endlich mal ein bisschen Luft, um die neu entstandenen Aufgaben zu systematisieren. Aber nur kurz, denn dann ist Meeting mit Paris. Nach dem ist dann wirklich mal etwas Zeit und ich kann eine fünfte Kommunikation vorbereiten und verschicken, die ist diesmal nur für den deutschen Standort und um die neue Kollegin vorzustellen. Da unser Team-Meeting heute schon 16:30 anfängt statt wie sonst 17:00, komme ich ansonsten zu nicht mehr viel. Das Meeting dauert eine Stunde. Danach nochmal kurzer Check-in mit der neuen Kollegin, bevor ich meine Sachen zusammenpacke und kurz nach 18 Uhr das Büro verlasse – erst einmal zur Post, um noch ein berufliches Paket aufzugeben, und erst dann zur Tram.

In der Bahn lese ich dann erstmals wieder Nachrichten vom Tag – Bündnis Sarah Wagenknecht, Franz Beckenbauer, Bauernproteste. Hmmm tja. Gegen 19 Uhr bin ich zuhause, mache mir Sanddornsaft und die letzten Nudeln von letzter Woche heiß und gehe mit den Katzrn aufs Sofa.

Mit dem Liebsten telefonieren, Italienisch üben, mit dem Bruder telefonieren, Handyspiel spielen, mit dem Mitbewohner quatschen, mit Freundinnen schreiben… So vergeht der Abend während mein Geist langsam runterfährt. Gegen 22 Uhr siebe ich das Katzenklo durch und mache mich bettfertig, eine halbe Stunde später sage ich dem Liebsten „Gute Nacht“ und mache das Licht aus, bis ich wirklich einschlafe ist es dann trotzdem erst gegen Mitternacht. Heute fehlten eindeutig die Pausen zwischendrin.

07.01.2023 – Sonntagsfreuden

Ich bin mal wieder als erste wach, etwa zehn Minuten vor dem Teilzeitkind, aber heute erst kurz vor 9. Das ist sehr in Ordnung so. Bis etwa halb 11 verhalte ich mich möglichst still, dann erwacht auch der Liebste. Als er aufsteht, um Kaffee zu machen, kommt das Teilzeitkind herein und okkupiert mein Handy, das ist aber OK, denn ich bin gerade schon mit allem fertig und kann nahtlos zum Buch wechseln. Also, halb nahtlos, denn wenn man zu dritt im Bett liegt, hat immer eine*r was zu erzählen oder zu frotzeln, es bilden sich Lager – mal so mal so – und langweilig wird es jedenfalls nicht. Irgendwann gegen halb 12 beschließt der Liebste, dass wir jetzt alle aufstehen und so gibt es dann gegen 12 schließlich Frühstück. Das besondere Highlight heute ist, dass das Teilzeitkind und ich uns dazu eine Avocado teilen. Sie werden so schnell groß.

Es gibt einen fließenden Übergang vom Frühstück zum Sachkunde lernen, denn morgen geht die Schule wieder los und wahrscheinlich wird diese Woche der Test nachgeholt, der vor Weihnachten wegen Krankheit des Lehrers ausgefallen war. Also schnell ein wilder Ritt durch die Weltgeschichte – Steinzeit, Mozart, Erfindung des Automobils, Symptome der Pest, mittelalterliche Kleidung, Ackerbau und Viehzucht, Erfindung des Düsenflugzeugs. Was man so lernt für einen Sachkundetest in der vierten Klasse. Passend als wir fertig sind, klingelt das Nachbarskind und wir sind wieder zu viert, bzw. zu zweit, denn die beiden Kinder verschwinden sehr schnell nach draußen.

Der Liebste und ich liegen auf der Couch, erzählen uns das Internet und diskutieren über Filme aus den späten 90ern. Irgendwann wird es Zeit für den nächsten Programmpunkt und ich ziehe mich zu diesem Behufe endlich richtig an. Dann wird unter tatkräftiger Mithilfe der Kinder der Weihnachtsbaum abgeschmückt und nach draußen verbracht, Weihnachten in den Keller geräumt, die Wohnung bestmöglich von Nadeln befreit und weil wir gerade dabei sind noch Müll runtergebracht. Danach ordne ich Tee und Plätzchen für alle an, was dankend aufgenommen wird. Alle Plätzchen sind gekauft (vom Liebstenpapa, der sie zu uns bestellt hat) und eine Sorte ist grün (mit Kürbiskernen) und wird von allen außer mir kritisch beäugt bzw. verschmäht. Ganz zum Ende kostet das Teilzeitkind doch und isst dann einen ganzen Keks. Sie werden so schnell groß, sag ich doch. Oder ist das mein guter Einfluss?

Kinder ins Kinderzimmer, Liebster an den Computer, ich zurück zum Buch, bzw. darüber sehr schnell in den Mittagsschlaf. Gegen 6 werde ich wieder geweckt und es gibt Abendbrot – Nudeln mit der veganen Bolognese von gestern. Danach packe ich meine Sachen und fahre zurück nach Pberg. Unterwegs lese ich weiter und da ich erst noch fast zehn Minuten auf die U-Bahn warten muss, komme ich ziemlich weit. Zuhause angekommen hole ich Post aus dem Briefkasten – ein Schreiben für den Ex-Mitbewohner, dass ich ihm direkt abfotografiere – und eine Wahlbenachrichtigung für mich. Ich darf nachwählen, juhu. Per QR-Code beantrage ich direkt Briefwahlunterlagen. So habe ich dann ausreichend Zeit, zu recherchieren, was die Kandidat*innen von 2021 denn inzwischen so machen und eine informierte Wahlentscheidung zu treffen.

Ich esse einen improvisierten Schwedeneisbecher – wer keine Schlagsahne hat, muss mehr Eierlikör nehmen – telefoniere mit dem Liebsten und lese dann das Buch zu Ende. Viele kluge Gedanken und Anregungen darin, mal gucken, ob und wie ich die in meine Arbeit einfließen lassen kann. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht, bis auf diesen großen multinationalen Apparat, in dem ich halt arbeite. Aber immerhin sitze ich an einigen Stellschrauben. Jedenfalls, gutes Buch!

Als ich ausgelesen habe ist es etwa 21 Uhr. Ich lege mich in die Badewanne und höre eine Podcast-Folge in dem die Autorin mit dem Psychologen Dr. Leon Windscheid darüber spricht, wie viel Arbeit gut für uns ist. Auch hier wieder gute Anregungen.

Gegen 10 liege ich im Bett, stelle mir den Wecker für morgen auch früher – denn ich muss ins Büro – und lese erst einmal einen Artikel, den eine Freundin über ihre Spurensuche nach ihrer schlesischen Oma in Jelenia Gora geschrieben hat (Print, daher kein Link, sie hat es mir abfotografiert), wir schreiben danach noch kurz. Dann beginne ich zur Einschlaflektüre das nächste Buch: Mary Taylor Simeti & Maria Grammatico – Bitter Almonds und reise damit ins arme ländliche Sizilien der Sechziger. Nach 50 Seiten lege ich es weg und schlafe danach schnell ein.

06.01.2023 – Endlich wieder Wasserzappeln

Sonnabend. Ich erwache für den Wochentag zu früh, aber immerhin ein paar Minuten später, als während der Woche der Wecker klingelt. Das Teilzeitkind wird kurz nach mir wach und aktiv, aber es ist ja jetzt groß und beschäftigt sich selbstständig bzw. versorgt sich mit Snacks und Getränken. So kann der Liebste noch eine ganze Weile weiterschlafen, während ich das Internet leer lese und blogge. Irgendwann wacht er auf und macht Kaffee – das Zeichen für das Teilzeitkind, jetzt mal gucken zu kommen, ob es vielleicht mein Handy zum Spielen bekommen kann. Allerdings habe ich gerade selbst mit Spielen angefangen und vertröste es auf später und da zieht es ohne zu murren ab und verabredet sich stattdessen mit dem Nachbarskind. Faszinierend. Nochmal etwas später stehen dann beide bei uns im Schlafzimmer und fragen, ob sie für uns auf den Markt gehen sollen, damit wir noch liegen bleiben können. Also, das ist der vorgeschobene Grund, tatsächlich wollen sie vermutlich einfach nur alleine unterwegs sein. Out on the town…

Wir stimmen zu, haben einen virtuellen Einkaufszettel und sehr reales Bargeld mit und der Liebste macht uns einen zweiten Kaffee. Ungefähr zu der Zeit, wo die beiden ohne Bummeln langsam zurück sein könnten, rufen sie mit Video aus dem Supermarkt an, denn wir hatten auch noch davon gesprochen, dass der Kaffee alle ist. Das Kaffeeregal überfordert die beiden schlichtweg. Also gibt es wilde Kamerafahrten, bei denen uns beiden trotz Liegens schwindlig wird, bis wir die passende Packung identifiziert haben. Dann stehe ich langsam auf und als ich aus dem Bad komme, sind die beiden zurück. Wir vergleichen Einkäufe und Einkaufszettel – alles perfekt richtig gemacht. Hier zahlt sich aus, dass wir eigentlich immer die gleichen Dinge an den gleichen Ständen kaufen. Nur als ich nach dem Wechselgeld frage, stockt das Gespräch etwas und ich muss dann insistieren, um einen glaubwürdigen Betrag zurückzubekommen. Dann gibt es kurz vor 12:00 Wochenendfrühstück zu viert mit Eiern, Baguette, Aufstrichen, Obst, Börek und Quarkbällchen.

Nach dem Essen räume ich den Tisch ab und mache mich auf zu meinem Sportkurs, während sich die anderen drei fertig machen, um zu einem Freiteitbad nach Brandenburg zu fahren. Der Liebste wäre zwar gerne mit mir ins Fitnessstudio und in die Sauna gegangen, aber dann wären wir beide nicht erreichbar gewesen, während die Kids die Tour unbeaufsichtigt machen und das funktioniert so nicht (und das Nachbarskind hätte dann auch nicht gedurft). Also fährt er bei den beiden mit (in einem anderen S-Bahn-Waggon, denn sie sind ja schon groß und schaffen das inkl. Umsteigen alleine).

Ich laufe mit Podcast auf den Ohren zum Fitnessstudio, ziehe mich um, dusche und habe dann noch eine Viertelstunde, bis mein AquaFitness-Kurs losgeht. Also schwimme ich noch ein paar Bahnen (zwölf insgesamt). Es ist voll heute, wohl dem Wochenende und dem Jahresbeginn geschuldet. Der Trainer erfreut mich sehr, nachdem der andere neulich etwas anstrengend war und immer etwas von Drill Instructor hat, ist der heutige ganz entspannt, trägt lila Haare und Klamotten, lässt 90er-Girlpower-Musik laufen und motiviert uns wertschätzend, statt drohend. Sehr schön. Später google ich ihn und stelle fest, dass er Teil eines schwulen Podcast-Duos ist. Sehr sympathisch.

Nach dem Kurs geht es für 15 Minuten in die Recovery Sauna und dann in den gemütlichen Ruheraum, wo ich mein nächstes Papierbuch anfange: Sara Weber – Die Welt geht unter und ich muss trotzdem arbeiten? Die Einleitung fesselt mich gleich so, dass ich eine gute halbe Stunde dran bleibe, bevor ich den nächsten Sauna-Gang starte. Die zweite Sauna ist deutlich heißer und ich halte sie heute nur fünf Minuten lang aus, bevor ich mich kalt abdusche und wieder ruhen und lesen gehe. Die dritte schenke ich mir dann. Sobald sich mein Kreislauf normalisiert hat, gehe ich mich richtig sauber duschen und anziehen und mache mich auf den Heimweg.

Dort ist natürlich sonst noch niemand zurück. Ich mache die Kerzen am Adventskranz nochmal an – morgen wird ja abgeschmückt – und gehe mit Tee und Plätzchen auf die Couch. Erst Italienisch-Pensum, dann weiter lesen. Dabei schlafe ich irgendwann ein. Erst kommen die Kids nach Hause und hauen dann wieder ab, kurz danach der Liebste, der noch Besorgungen gemacht hat. Während er die vegane Bolognese für das Abendessen zubereitet, hören wir uns eine Wahlkampfrede von Joe Biden anlässlich des dritten Jahrestags des 6.-Januar-Aufstands an. In was für Zeiten wir leben!

Irgendwann hängen wir dann beide auf der Couch und warten, dass die Kinder wieder auftauchen, damit wir essen können. Es wird noch kurz aufregend, weil das Handy des Teilzeitkinds vom Freizeitbad noch im Flugmodus ist, aber schlussendlich waren sie nur nochmal Shoppen und sind jetzt beim Nachbarskind. Wir essen dann nur zu dritt und machen dann noch einen Filmabend auf der Couch. Hui, Dodgeball war ja vor 20 Jahren schon nicht gut, aber gealtert ist er erst recht nicht gut. Viel Cringe und problematische Witze, aber der Liebste und das Teilzeitkind können zumindest über die Slapstick-Anteile lachen.

Hinterher geht das Kindelein ins Bett und ich darf mir einen Film aussuchen. Ich entscheide mich für Elemental und der ist deutlich besser und wäre wohl auch pädagogisch wertvoller gewesen. Naja. Dann ist es kurz vor Mitternacht und ich gehe mit Buch ins Bett, während der Liebste noch eine Runde zockt und einen Katastrophenfilm aus den 90ern zu Ende guckt, den er neulich angefangen hatte. So verschieden sind die Menschen…