03.08.2023 – Ein wasserreicher Donnerstag

Ich wache auf und schaue auf die Uhr und es ist kurz vor 7. Passt doch gut, denke ich mir, endlich mal wieder vorm Weckerklingeln. Allerdings ist es, als ich die Augen dann richtig aufhabe und richtig wach bin, tatsächlich erst kurz vor 6. Hmpf. Ich habe also seeeehr viel Zeit heute morgen. Ich lese in aller Ruhe das Internet leer und blogge, dann klingelt der Wecker. Ich übe Tschechisch, Niederländisch und Italienisch und dann ist immer noch ordentlich Zeit, bis ich aufstehen muss. Ich recherchiere aber schonmal kurz etwas für die Arbeit und schreibe etwas in den Chat. Dann stehe ich kurz nach 8 auf, ziehe mich an, füttere die Katzen, gieße die Pflanzen und mache mir Porridge mit gedünsteten Äpfeln zum Frühstück, das ich im strahlenden Sonnenschein auf dem Balkon zu mir nehme, während ich mit dem Liebsten telefoniere.

Kurz nach 9 verlasse ich das Haus und fahre mit der Ringbahn nach Moabit, zu meiner Gynäkologin, die vor einigen Jahren, von den Samwer-Brüdern aus dem Haus der Gesundheit vertrieben, mit ihrer Praxis dorthin umgezogen ist. So kann es gehen, die ehemaligen Chefs sorgen immer noch dafür, dass ich mehr Anstrengung im Leben habe, als nötig ist. Ich habe einen entspannten Vorsorge- und Beratungstermin – komplett mit allem, die drei Jahre waren rum und für Ultraschall habe ich noch extra bezahlt – alles ist bestens, yippie. Dann noch kurz in die Apotheke, Medikamente auffüllen und dann geht es weiter Richtung Büro (10 Minuten zu Fuß vom Haus der Gesundheit, hmpf.)

Aber ich laufe eigentlich ganz nett von der Praxis durch Moabit, über die Spree ins Hansaviertel zum S-Bahnhof der Stadtbahn. Nebenbei schreibe ich bereits mit einer Kollegin in Warschau. Kurz nach 11 bin ich im Büro, baue meinen Laptop auf und hole mir einen Kräutertee. Ähnlich wie gestern besteht der heutige Bürotag aus vielen informellen Besprechungen und Telefonaten und langen allgemeinen Gesprächen – ich habe dank Urlaubszeit kein einziges Meeting. Mittags gibt es Stulle mit Ziegenfrischkäse, zwei hartgekochte Eier und Gurke.

Irgendwann am Nachmittag weitet sich eines der Gespräche über Strategien und aktuelle Entwicklungen so weit aus, dass sich einige von uns dazu ein passendes Getränk holen. Es ist strittig, ob ich das während meiner Histaminkarenz trinken darf (das Internet sagt nein, die App sagt ja) aber andererseits ist die jetzt ja auch wieder fast vorbei.

Zwischendurch telefoniere ich auch noch zweimal kurz mit dem Liebsten, der mir seine neue Frisur vorführt und Urlaubsdinge zu besprechen hat. Mit Blick auf den Regenradar wählt die Büromannschaft dann den Zeitpunkt für den „Feierabend“ aus. Wer in einem globalen Unternehmen arbeitet, Vertrauensarbeit und Diensthandys hat, hat ja oft trotz Feierabend noch was zu tun (Spoiler Alert!)

In wieder strahlendem Sonnenschein spaziere ich an der Spree entlang zu meinen Eltern (kurz bevor ich ankomme regnet es wieder), wo ich nach den Pflanzen (Bewässerungsanlage wirkt, juhu!) und der Post gucke. Anders als bei mir, die ich drei Wochen verreisen könnte, ohne mehr als 1-2 Briefe, meist Dialogpost, zu bekommen, gibt es bei meinen Eltern nach einer guten Woche schon einen ordentlichen Stapel. Drei davon fotografiere ich ab, der Rest ist aus der Kategorie Dialogpost/Katalog/Zeitschrift.

Ich laufe durch Nieselregen zur U-Bahn, steige am Alex bei stärkerem Regen in die Tram und laufe im Kiez durch Starkregen nach Hause. Völlig durchnässt komme ich an, füttere die Katzen, setze Kartoffeln auf und widme mich dann erst den nassen Klamotten und dem Rucksack.

Der Laptop ist zum Glück trocken geblieben. Den klappe ich auch gleich wieder auf, denn auf dem Diensthandy habe ich bereits eine E-Mail mit Handlungsbedarf gesehen. Zwischen Kräuterquark anrühren (Leinöl ist alle) und Kartoffeln pellen stimme ich mich mit Kolleg*innen auf drei Kontinenten ab. Beim Essen, das ich im Bett einnehme, um mich aufzuwärmen, telefoniere ich ein viertes Mal heute mit dem Liebsten.

Dann schaue ich endlich Mad Men weiter – drei Folgen lang, wobei ich zwischendurch auch einmal kurz einnicke. Nebenbei immer noch ein Auge aufs Diensthandy, wo immer noch Updates eintrudeln. Gegen halb 11 quäle ich mich nochmal kurz ins Bad zum Zähneputzen und dann wird geschlafen.

02.08.2023 – Sporty Spice im Büro

Wieder vom Wecker geweckt und daher am Morgen relativ in Eile. Schon nach dem Internet Leerlesen und Bloggen stehe ich auf, denn heute geht es ins Büro. Nach den üblichen Verrichtungen breche ich auf, mit Rucksack und Sporttasche, und entscheide mich mal wieder für den Fußweg. Der dauert eine knappe Stunde, während der ich Radio höre, bzw. nacheinander mit zwei Kollegen und dann mit dem Liebsten telefoniere. Ich komme deutlich durchgeschwitzt an, was aber auch daran liegt, dass ich eine dünne Jacke tragen muss, um Taschen für meine Handys zu haben – es ist ein Rock- und Leggings-Tag.

Im Büro kippe ich mir Milch ins Müsli und ziehe mich dann direkt mit einem Kollegen zu Beratungen zurück. Überhaupt besteht dieser Büro-Tag heute vor allem aus informellen vor-Ort-Gesprächen, im Kalender steht kein einziges offizielles Meeting. Trotzdem wird viel sinnvolles geschafft und besprochen. Zwischendurch koordiniere ich noch ein paar Sachen per Chat mit Kolleg*innen in Madrid, Dublin, London, Südengland und Chicago.

In der (späten) Mittagspause drucke ich Flug- und Zugtickets, den Mietwagen-Gutschein, die Einreiseerlaubnisse etc. aus – für den Notfall. Dann setze ich mich mit meinen Stullen in die schon leere Büroküche und kümmere mich um Duolingo und Babbel. Der Nachmittag verläuft ähnlich wie der Vormittag. Kurz vor Feierabend telefoniere ich noch ein zweites Mal mit dem Liebsten und dann breche ich um 18 Uhr auf Richtung Fitnessstudio – diesmal mit der Bahn.

Dort treffe ich mich wie verabredet mit der Freundin – zunächst im Café auf ein Getränk. Sie überreicht mir mein Geburtstagsgeschenk, als ich gefeiert habe, war sie ja wegen eines spontanen Krankenhausbesuchs verhindert, aber sie wollte es unbedingt noch vor meinem Urlaub schaffen.

Auf der ganzen großen Karte des Cafés gibt es ganze drei Getränke, die ich zu mir nehmen darf, ich entscheide mich für einen Saft aus Apfel, Möhren, Ingwer, Kurkuma und Algen – die Freundin schließt sich an.

Wir schnacken eine gute halbe Stunde, dann wird es Zeit, sich umziehen zu gehen. Kurz vor halb 8 sind wir im Wasser und es folgen 45 straffe AquaFitness-Minuten (die für mich neue Trainerin ist sehr Drill Sergeant). Hinterher bin ich völlig kaputt und schleiche geradezu in die Sauna. Nach dem Anziehen sitzen wir nochmal kurz draußen und erzählen und dann verabschieden wir uns in unsere jeweiligen Urlaube. Zuhause angekommen, füttere ich erst die Katzen und dann mich – es gibt Rührei aus drei Eiern mit Hüttenkäse und Petersilie und dazu die letzten Taralli mit Fenchelsamen. Nebenbei koche ich noch die letzten drei Eier hart, die werden im Laufe der nächsten Tage noch gebraucht, ich plane schon die histaminarme Resteverwertung bis zum letzten Moment vor dem Aufbruch.

Dann noch schnell nasse Sachen aufhängen, bettfertig machen und dann liege ich schon halb 11 komplett müde im Bett.

01.08.2023 – Urlaubsvorbereitung, Yoga und Emotionalität am Abend

Der Wecker weckt, das ist immer schon ein etwas hektischer Start in den Morgen. Heute dann noch ein wenig mehr, denn zwischen 9 und 11 Uhr sind Handwerker angesagt, die die Rauchmelder überprüfen wollen/sollen. Ich stehe also nach dem Bloggen direkt auf und gehe ins Bad, um ab 9 Uhr präsentabel und Empfangsbereich zu sein. Als ich auf dem Klo sitze (natürlich im schlechtesten Moment), klingelt es – mehr als 20 Minuten zu früh. Ich rufe „Jaaaaaahaaaa“ und beeile mich, an die Tür zu kommen, da hat es schon das zweite Mal geklingelt. Der Herr ist sich keiner Schuld bewusst, sondern läuft fröhlich durch die Wohnung und lässt Rauchmelder laut aufheulen – zuletzt beim Mitbewohner, den ich dafür durch heftiges Klopfen an der Zimmertür aus dem Tiefschlaf holen muss. Nach drei Minuten ist der Spuk vorbei und ich kehre zurück ins Bad.

Später am Schreibtisch gibt es dann Porridge („for the people“) mit dem letzten Pfirsich (Resteessen) und dem letzten Ahornsirup (Wir müssen wieder nach Kanada!) und normalen Pfefferminztee. Ich telefoniere kurz mit dem Liebsten und arbeite mich dann durch die über Nacht aufgelaufenen E-Mails. Danach kleiner Meeting-Marathon – erst zu dritt mit Warschau und Prag, dann zu viert mit Mitte, Lichtenberg und Wilmersdorf. Hinterher rufe ich den Liebsten zurück, der sich zwischendrin nochmal gemeldet hatte. Dann kurzer Schnack mit dem Mitbewohner in der Küche und während ich die (letzte) Wäsche (vor dem Urlaub) aufhänge.

Zurück am Schreibtisch gucke ich nach weiteren Dingen, die ich vorurlaublich erledigen kann. Zum Beispiel nach einem Paket gucken, dass hierher unterwegs ist. Es wurde laut Nachverfolgung vor wenigen Minuten bei einem Nachbarn abgegeben. Kein Zustellversuch, keine Benachrichtigung. Hmpf. Ich gehe schnell und hole das Paket ab, solange es noch da ist. Es sind die Belegexemplare zur zweiten Auflage von Papas neustem Buch, von denen ich einige mit nach Kanada nehmen werde. Letzte Woche hatte ich ja schon ein Exemplar der 5. Ausgabe von Mamas Reiseführer überreicht bekommen – jetzt bin ich sozusagen reisefertig.

Ich arbeite noch kurz an der großen Aufgabe dieser Woche weiter und mache dann leicht verspätet Mittagspause. Draußen regnet es gerade, also verschiebe ich Bewegung auf nach der Arbeit und mache mir gleich Stullen mit Frischkäse, Salat und Gurke und dazu einen Apfel. Damit setze ich mich auf die Couch, esse in Ruhe und schaue dann ein wenig auf TikTok rum. Dann zurück an die Arbeit. Es wird nochmal kurz hektisch wegen zu treffender Absprachen inkl. mit Personen, die urlaubsbedingt eigentlich nicht erreichbar sind. Außerdem bittet mich die Kollegin in Südengland, etwas für sie zu übernehmen weil sie spontan einen privaten Termin hat. So komme ich dazu, wie die Jungfrau zum Kinde, plötzlich ein globales Meeting eines mir weitgehend fremden Teams zu hosten- tatsächlich „kenne kenne“ ich nur eine Teilnehmerin und das aus völlig anderen Zusammenhängen. Es wird aber gut und ich chatte hinterher noch ein wenig mit dem Leiter des Meetings, der ursprünglich aus Venedig stammt. Wir verabreden, nach unseren jeweiligen Urlauben mal in Ruhe über Essen zu sprechen.

Und dann ist auch schon wieder Feierabend. Ich verabrede mich spontan mit einer Freundin für morgen nach der Arbeit – Last Chance To See vor dem Urlaub, bringe Papiermüll weg, stelle Altglas zurecht – alles Urlaubsvorbereitungen, durchsiebe die Katzenklos und fange nebenbei an, mit der Freundin in Frankreich zu telefonieren – war auch schon wieder eine Weile her und ich wollte mal hören, ob alles in Ordnung ist. Ist es. Ich nehme sie mit nach draußen, erst zum Altglascontainer und dann noch bis zum Yoga, wo ich pünktlich eine Stunde nach Feierabend eintreffe.

Die Runde ist heute wieder klein – wir sind samt Lehrerin zu dritt, aber sehr fein. Ich habe Schwierigkeiten mit dem Krieger 3 und mit einem Asana, das viel Kraft erfordert, ansonsten komme ich für meine Verhältnisse erstaunlich gut zurecht, die Schmerzen halten sich in aushaltbaren Grenzen und der Baum läuft besser als je zuvor. Sehr zufrieden schalte ich beim Shavasana mehrmals komplett ab und schrecke am Ende innerlich hoch, als die Lehrerin wieder anfängt zu sprechen – evtl. bin ich da auch kurz eingeschlafen? Wir quatschen hinterher noch ein bisschen, denn durch Urlaub und Weiterbildung ist die nächste Stunde dann erst Mitte September.

Auf dem Heimweg dann das dritte Telefonat mit dem Liebsten und danach Podcast hören. Ich mache noch einen kleinen Umweg, um aufs Schrittziel zu kommen und bin dann kurz nach 21 Uhr zuhause. Katzen füttern und Eintopf aufkochen, dann geht es aufs Sofa. Das Essen schmeckt durchgezogen noch besser, ist aber auch röter und less tomato-ey als gestern. Ich schaue „Verschwende Deine Jugend“ zu Ende, kümmere mich noch um meine täglichen Aufgaben auf TikTok und Babble und mache mich dann bettfertig.

Beim letzten Timeline-Check bekomme ich mit, dass wegen der Fabian-Wolff-Geschichte auch Sophie wieder in den Medien ist, teilweise unverschämt beschrieben. Ich setze dazu einen Tröt ab, verliere mich in Gedanken und kann noch lange nicht einschlafen.

31.07.2023 – Der Countdown läuft

Als ich das erste Mal die Augen öffne, so gegen halb 7, bietet sich mir ein sehr gemütlicher Anblick. Rechts von mir schlummert selig der Liebste, links von mir hat sich auf Taillenhöhe (meiner) Nimbin eingerollt, auf Halshöhe (auch meiner) Noosa. Alles schläft noch tief und fest, also drehe ich mich auch einfach um und mache die Augen nochmal zu. Da der Wecker des Liebsten mich um 7 weckt, muss ich auch nochmal eingeschlafen sein. Ich stehe schnell auf und koche dem Liebsten seinen Kaffee. Dann liegen wir beide ein knappes Stündchen da und lesen das Internet leer, bis der Liebste um 8 aufstehen und zurück nach Südberlin fahren muss. Dabei nimmt er meinen riesigen, leeren Koffer mit. Am Sonnabend morgen sehen wir uns wieder, im Zug, mit Teilzeitkind und drei Koffern.

Ich blogge und übe Sprachen, dann stehe ich auch auf und bereite mich auf den Arbeitstag vor. Diese letzte Woche vor dem Urlaub wird interessant: In beiden 5-Mensch-Teams in denen ich aktiv bin, sind jeweils zwei Leute im Urlaub, darunter jeweils der Kopf des Teams. Im einem Team übernehme ich die Leitung, in dem anderen übernehme ich viele, für mich neue, Aufgaben. Dazu noch das übliche Dinge abarbeiten vor dem Urlaub und saubere Übergaben am Ende der Woche, plus die private Urlaubsvorbereitung. Kann sportlich werden. (Und Sport ist ja auch noch).

Es gibt wieder Schokoladenminzentee vom Balkon und Müsli mit Apfel und Skyr zum Frühstück. Ich sortiere mir zuerst die Aufgaben, die ich schon weiß zurecht und lese die E-Mails vom Wochenende, bringe mich und Kolleg*innen auf den neusten Stand. Dann ein Meeting mit einem Kollegen, der erst im Urlaub und dann krank war. Über die Nachbereitung verpasse ich es, pünktlich im nächsten Meeting mit der Kollegin in Südengland zu sein. Das ist aber zum Glück nicht so schlimm, da wir beide keine Anschlussmeetings haben. Sie erklärt mir ihre Aufgaben, die ich diese Woche übernehmen werde, damit sie die Zeit hat, den Großteil der Aufgaben unserer Chefin zu übernehmen.

Danach habe ich ein wenig Luft, bis meine Kollegin mir alles im Projektmanagement-Tool zugewiesen hat und mache die erste Hälfte meiner Mittagspause. Ich gehe zur Drogerie und zum Haustierbedarf und fülle Vorräte auf. Wieder zuhause kurzes Updaten mit dem Mitbewohner in der Küche, der sich gerade eine Tiefkühlpizza mit extra Suçuk macht. Dann erstelle ich eine WhatsApp-Gruppe mit ihm und dem Lieblingsnachbar für die Katzenbetreuung während meiner Abwesenheit und widme mich wieder der Arbeit.

Inzwischen liegen die Aufgaben alle bei mir und ich lese mich ein, erledige Dinge schnell, die man schnell erledigen kann, mache dann noch etwas für die Kollegin in Frankreich, die ich ja auch vertrete und dann bekomme ich Hunger und mache die zweite Hälfte der Mittagspause. Es gibt Büffelmozzarella mit Pfirsich auf dem Sofa und dazu TikTok.

Zurück am Schreibtisch widme ich mich dann dem größten Projekt für diese Woche, wühle mich durch E-Mails, sammle Notizen, entwerfe Textbausteine und benachrichtige Menschen, von denen ich Input dazu benötige. Als ich alles gemacht habe, was ich ohne Rückmeldungen schaffe, ist es 18 Uhr und der Arbeitstag vorbei. Ich schnappe mir eine Feierabendlimo (Ingwer-Estragon) und laufe mit Podcast auf den Ohren meine Abendrunde, um das Schrittziel vollzukriegen. Normalerweise laufe ich meistens eine Runde grob Richtung Südosten oder Südwesten, manchmal auch Nordosten nach Weißensee, heute ist mir mal nach Abwechslung und ich nehme den Nordwesten, fast bis hoch nach Pankow, am Ortsteilschild biege ich ab und laufe über Weißensee zurück. Auf dem Rückweg ruft der Liebste an und wir telefonieren noch ein wenig. Als es zum Schluss mit den Schritten noch nicht reicht, drehe ich noch eine Hinterhofrunde (und esse zwei Brombeeren, wo der Strauch über den Zaun ragt).

Nach einer guten Stunde bin ich wieder drinnen und koche mir Abendbrot. Es geht so langsam ans Resteverbrauchen. Im Gemüsefach liegen noch ein Bund bunte Bete und eine einsame kleine rote Bete, die ich neulich übersehen habe. Dazu nehme ich noch drei kleine Kartoffeln, schäle alles und schneide es in mundgerechte, nicht zu kleine Stücke. Eigentlich wollte ich noch eine Zwiebel anbraten, aber die beiden letzten sehen eher nach einem Fall für den Biomüll aus. Geht auch ohne! Ich schwitze das Gemüse in viel Olivenöl an und gieße dann mit stark konzentrierter Gemüsebrühe auf. Das lasse ich kochen, bis das Gemüse al dente ist, dann schütte ich noch eine Dose Cannelini-Bohnen samt Aquafaba hinein, gebe Rosmarin vom Balkon dazu und lasse nochmal zehn Minuten köcheln.

Die Mischung aus Olivenöl, Gemüsebrühe, Kartoffeln und Aquafaba macht ein schön sämig-buttriges Mundgefühl, die kleine rote Bete sorgt für eine fast tomatige Farbe und gemeinsam mit den verschiedenen Aromen kann ich meinem Gaumen fast vortäuschen, es wären wirklich Tomaten und evtl. auch Parmesan in der Suppe – beides darf ich ja grad nicht essen. Ich bin höchst positiv überrascht und erfreut, löffle genüsslich meine Schüssel leer und kann mich dann gerade noch bremsen, noch eine zweite Schüssel zu nehmen. Erstens wäre das dann sehr viel Menge auf einmal für meinen Verdauungstrakt und zweitens soll es den Rest ja morgen nach dem Yoga geben, wenn ich noch ein schnelles Abendessen brauche.

Zum Essen versuche ich übrigens, auf Netflix filmische Unterhaltung zu finden. Ich fange eine Miniserie und einen Film an, höre aber jeweils nach weniger als fünf Minuten wieder auf – nicht das Richtige für heute. Dann bleibe ich bei „Verschwende Deine Jugend“ hängen. Leider gibt es dann irgendwann im zweiten Drittel technische Probleme und ich muss für heute abbrechen. Da ist es aber auch schon nach 22 Uhr und ich mache mich einfach bettfertig und gehe schlafen.

30.07.2023 – Lazy Sunday

Ich wache wieder gegen halb 9 auf, das ist im Vergleich zu während der Woche ja ganz schön, aber nachdem ich erst halb 2 im Bett war, hätte das ruhig noch ein wenig länger gehen können. Wie hab ich das nur früher gemacht, mit dem bis 10 oder 11 schlafen am Wochenende und nach langen Abenden noch länger? Anyway, so bleibe ich wenigstens bis 11, nach dem ersten Telefonat mit dem Liebsten, liegen und erhebe mich dann auch erstmal nur kurz, um Frühstück für die Katzen und mich zu machen. Die Biester bekommen ein Tütchen, mir ist nach Apfelpfannkuchen. Leider macht die Pfanne nicht mehr so richtig mit, seitdem ich in ihr mal Orangenscheiben karamellisiert habe. Es gibt also eine Art Apfelkaiserschmarrn, nur weit weniger fluffig, und dazu Ahornsirup. Im Bett.

Dann irgendwann stehe ich richtig auf. Mit Podcast auf den Ohren siebe ich die Katzenklos durch und sauge die Wohnung einmal durch. Danach lege ich mich in die Badewanne, höre den Sonmersonntag auf Radio Eins und telefoniere ein zweites Mal mit dem Liebsten. Zum Haaretrocknen geht es dann in den Liegestuhl auf den Balkon – weiter Radio hörend und während der Songs in Catch-22 weiterlesend. Mühsame Lektüre, ich schaffe ein paar Seiten und bin jetzt bei 16 % statt 15 %. Vielleicht bringen mich Zugfahrt und Flug am Samstag weiter, aber eigentlich würde ich gerne anderes lesen. Es ist aber doch wegen dem Buchclub! (Wegen des Buchclubs! Also gut, dann eben wegen des Buchclubs!)

Irgendwann gegen 15 Uhr ist es Zeit, loszugehen. Ich bringe noch eben den Müll runter und drehe dann eine Runde durch Hinterhofgärten und Grünanlagen (Kiezteich, Planetarium) und sitze dann lesend im Gras und warte auf den Liebsten, als die ersten Tropfen runterkommen. Hmpf. Also hole ich den Liebsten doch ab und wir entscheiden uns, eine trockene Lokalität für einen Aperitivo aufzusuchen. Die erste Anlaufstelle hat zu, also gehen wir zu einer anderen, im Helmholtzkiez. Hier gibt es Aperol Spritz für den Liebsten, Crodino für mich, marinierte Gemüse für den Liebsten, Focaccia für mich und ich denke wieder einmal, dass diese Histaminkarenz jetzt mal langsam vorbei sein dürfte – mit Crodino und Focaccia bin ich ja zufrieden, aber dieses ganze leckere Gemüse da lacht mich doch sehr an. Außerdem ist es frustrierend, auf der Speisekarte eben nur 1-2 Dinge zu finden, aus denen man wählen kann.

Wir sitzen unterm Schirm und erzählen, bis eine Kollegin des Liebsten samt Partner zu uns stößt. Der Liebste muss ihr vor dem Urlaub noch physische Sachen übergeben und da man sich ja heutzutage so selten im Büro sieht, macht er das eben beim Aperitivo. Wir plaudern eine ganze Weile und dann wird es am Himmel endlich wieder heller. Die Beiden verabschieden sich zum Grillen auf ihrer Terrasse und wir haben eine Verabredung mit meinem Balkon.

Dort beschäftigte ich mich dann erstmal wieder eine ganze Weile mit den verschiedenen Essensbestell-Apps. Nachdem ich neulich schon drumherum geschlichen war, entscheide ich mich heute endlich für das Wiener Schnitzel mit warmem Kartoffelsalat und einen Apfelstrudel für hinterher. Der Liebste nimmt Burger und Pommes. Da die Wartezeit Sonntagabend lang ist und der Liebste von den Allergietablette müde, die er gegen die Katzen eingeworfen hat, legen wir uns einen Moment hin und dösen dann beide weg, bis kurz bevor das Essen ankommt. Es ist leider unterwältigend – das Schnitzel fast schon kalt und in Teilen zäh, die Pommes ohne Salz und samt Burger auch nichts Berauschendes. Der Kartoffelsalat ist gut und der Apfelstrudel sehr OK. Aber den Preis, der bei Wiener Schnitzel ja zu Recht sehr hoch ist, ist dieses Essen leider nicht wert.

Beim Essen schauen wir die restlichen Folgen von „Unstable“ – sehr zufriedenstellend – und danach noch die ersten beiden Folgen der zweiten Staffel von „Good Omens“. Kurz vor Mitternacht liegen wir im Bett und erzählen dann aber noch ein halbes Stündchen, bevor es ans Schlafen geht.

29.07.2023 – Halb Bett-Tag, halb Punk-Konzert

Ich schlafe erfreulich lange aus, als ich das erste Mal die Augen aufmache, ist es schon halb 9. Das passt sehr gut in meinen Plan, der vorsieht, sich heute tagsüber so richtig auszuruhen und treiben zu lassen, bis dann am Nachmittag Aktivität vonnöten wird. Ich lese das Internet leer, erledige meine Tagesaufgaben auf Duolingo – verteilt auf Tschechisch und Niederländisch, was wahrscheinlich weniger effektiv ist, als die gesamte Zeit auf eine der Sprachen zu verwenden, aber ich habe ja bei beiden keinen Anspruch, dass es schnell geht. Bei Italienisch schon eher, da wiederhole ich dann auf Babbel Vokabeln und mache eine Lektion – wie jeden Tag. Hoffentlich hält das Klima noch eine Weile durch, damit ich das Wissen auch noch oft vor Ort anwenden kann.

Es folgt das morgendliche Telefonat mit dem Liebsten, der auch darüber nachdenkt, wie er seine heutigen Aktivitäten so gut wie irgend möglich beschränken kann. Außerdem schauen wir uns Fotos vom glücklichen Teilzeitkind am Strand an und freuen uns, es bald wieder bei uns zu haben. Danach mache ich den Katzen und mir Frühstück – für sie Pute mit Kaninchen, für mich Müsli mit Milch und Pfirsich, und schaue die letzte Folge „Transatlantic“ und direkt danach das Making Of. Dann vertrödele ich noch erfolgreich etwas Zeit auf TikTok und gegen 14 Uhr stehe ich auf.

Ich mache mich im Bad fertig und ziehe mich dann und lande dann schnurstraks im dem Liegestuhl auf dem Balkon, denn eine soll es ja nicht übertreiben mit der Aktivität. Ich schaue hinaus in den Regen und höre nochmal die letzten drei Alben von Feine Sahne Fischfilet, um in Stimmung zu kommen. Mit Blick auf den Regenradar treffe ich Verabredungen mit der Freundin meines Bruders – ich übernehme seine Karte, da er am Yukon forschungsreist. Dann esse ich die Reste vom gestrigen Abendbrot, bevor ich mich fürs Konzert anziehe. Zur schnelltrocknenden weiten Stoffhose, die über die festivalerprobten geblümten Gummistiefel reicht, gibt es das T-Shirt von OHA! Musik ut Meckelborg – thematisch passend, wenn auch ohne direkte Verbindung zur auftretenden Band, so gehört sich das. Passende (kleine) Umhängetasche rausgesucht, Regenponcho eingesteckt, fertig. Beim Losgehen überprüfe ich noch schnell für den Hasen, ob der Sauerkirschbaum im Nachbarhof noch trägt, muss dies aber verneinen.

Ich laufe zum Bahnhof und fahre mit zwei S-Bahnen hinaus zur Wuhlheide, wo ich zunächst die Freundin des Bruders, ihren Stiefcousin und dessen Sohn im Biergarten treffe. Mit einer Apfelschorle trinke ich mich fürs Konzert „warm“. Irgendwann mittig zwischen Einlass- und Konzertbeginn gehen wir dann hinein. Ich suche nochmal die Örtlichkeiten auf, die anderen holen sich Bier und dann suchen wir uns eine gute Stelle, wo wir insgesamt acht Sitzplätze reservieren, die nach und nach von weiteren Freundinnen und Verwandten des Stiefcousins besetzt werden. Während wir auf den Konzertbeginn warten, läuft der Main Act recht entspannt durchs Publikum, schüttelt Hände und macht bereitwillig Selfies mit den Fans. Dann steht Monchi irgendwann auf der Bühne und kündigt den ersten Support Act an – die mir bisher unbekannte Band Clowns aus Australien – lohnt sich unbedingt, da reinzuhören. Wir hatten viel Spaß, nur der Sohn des Stiefcousins war gar nicht angetan.

Nach einer Umbaupause kündigt Monchi als zweiten Support Act die legendäre Band Slime an. Ich kenne nur zwei der Lieder (die mir am geläufigsten beiden werden leider nicht gespielt), die anderen mehr – teilweise werfen sie sich mit in die Menge und die Mosh Pits. Sie feiern die alten und finden die neuen so „naja“. Insgesamt traurig, dass eine unbekannte Band uns mehr abholt, als die alten Helden.

Gegen 21 Uhr dann endlich Feine Sahne Fischfilet. Sofort sind alle auf den Beinen (wer bei Slime nicht pogen war, ist sitzen geblieben), tanzen und singen mit, die Bühne ist vor buntem Rauch nicht mehr zu sehen und es ist einfach eine sehr gute Party. Zwischendurch gibt es ein paar einordnende Worte von Monchi zu den (im Gegensatz zu bei Rammstein) anonymen, (noch viel mehr im Gegensatz zu Rammstein oder auch Anti-Flag) unkonkreten Sexismus-/Täter-Vorwürfen gegen die Band und wie sie damit umgehen und sich ständig weiterentwickeln. Im Podcast bei Matze Hielscher hat er es neulich besser erklärt. Zum Glück habe ich den gehört (und andere Interviews dazu gelesen), sonst hätte mich dieses Statement eher verunsichert.

Das letzte gelbe Boot auf einem Konzert habe ich bei Michael Patrick Kelly gesehen. Muss ein Trend sein. #scnr
Nach dem Lied für Monchis Großeltern, kommt das über seine Eltern – mit seinen Eltern, die zum Punk stur Discofox tanzen
Monchis Vater beim Stagediven
Zurück in unserer Stadt
Zuhause
Wo niemals Ebbe ist
Komplett im Arsch

Ein wundervoller Konzert-Abend, mit viel Tanzen und Mitsingen, mit Nazihass und Ostseeliebe, zum Rückenstärken für das „Grademachen“ gegen den Rechtsruck. Tut gut, wo doch auf Mastodon schon ausgemachte Sache zu sein scheint, dass in Deutschland bald wieder die Faschisten regieren.

Der Abend endet dann irgendwie sehr abrupt, weil meine Gruppe schon hektisch aufbricht, obwohl die Band noch auf der Bühne steht und sich vom Publikum zu Oasis-Klängen feiern lässt. Und es gibt nichtmal eine Bahn zu kriegen, wir stehend danach noch eine Stunde rum, bevor wir das Gelände verlassen. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist. Man geht doch nicht los, bevor das Licht nicht wieder an ist, idealerweise steht man noch ein bisschen und guckt auf die leere Bühne und lässt das Erlebte auf sich wirken. Das Genervtsein davon muss ich erstmal runterschlucken, bevor ich später wieder Spaß an den Gesprächen habe.

Irgendwann brechen wir auf, laufen zur S-Bahn und dann bin ich gegen halb 1 zuhause. Die Katzen bekommen Abendbrot und ich habe auch Hunger und setze mich mit einem einfachen Abendbrot auf die Couch. Ins Bett gehen kann ich aber noch nicht gleich, erst gibt es noch ein wenig TikTok zum Runterkommen und dann ist es irgendwann halb 2, als das Licht ausgeht.

28.07.2023 – Freitagsfreuden

Ich wache wieder relativ früh auf und kann den Tag gemütlich im Bett beginnen, mit allem was dazugehört, inkl. erstem Telefonat mit dem Liebsten. Irgendwann sitze ich dann mit dem Frühstück am Schreibtisch – es gibt Skyr mit Müsli, Pflaumen und Pfirsichen – und gehe durch die E-Mails. Dann ein Telefonat mit einem Kollegen, dafür wird ein anderes Meeting abgesagt. Dann Telefonat mit einem anderen Kollegen. Zwischendurch schreibe ich den nächsten beruflichen Blogpost fertig und stimme mich außerdem mit der Leiterin dieses Projekts ab. Ich erzähle ihr vom grauen, nassen Wetter in Berlin heute und sie berichtet, dass in Madrid gerade auch nur noch 35 Grad sind.

Am späten Vormittag sind die Eltern in Kanada dann auch wach, schicken erste Fotos und verbreiten Fern-/Heimweh beim Liebsten und mir. Ein zweites Telefonat wird erforderlich: Noch eine Woche durchhalten, dann fliegen wir nach. In der Mittagspause regnet es in Strömen, also bleibe ich drinnen. Ich mache mir ein Omelette, dazu gibt es Brot mit Salat, und schaue seit langem mal wieder in Ruhe auf TikTok herum. U. a. entdecke ich, dass drei der vier Katzenbabies, die ich seit ihrer Geburt auf TikTok begleitet habe, jetzt schon zu neuen Besitzer*innen gewechselt sind – wann ist das denn bitte passiert? Außerdem telefoniere ich noch ein drittes Mal heute mit dem Liebsten.

Nach der Mittagspause schaue ich mir die Übergabe meiner Chefin an, die nächste Woche in Mexiko am Strand weilen wird, während wir dann zu dritt den Laden wuppen. Eine der Aufgaben, die für mich vorgesehen sind, kann ich direkt heute durch ein kurzes Meeting mit einem Kollegen in Dublin erledigen bzw. wegdelegieren – immer gut, viel zu wissen, mein Input hat dafür gesorgt, dass das Projekt nochmal verschoben wird. Ansonsten beschäftige ich mich den Nachmittag über weitgehend mit Recherchen und schaffe es, eine zu lange Liste dadurch zu halbieren. Um 15:30 Uhr dann ein globales Meeting, mit Nachbereitung in unserem Team-Chat, die dann nahtlos in eine Barbie-Diskussion übergeht und dann bei Brecht landet, über den ich natürlich noch etwas mehr weiß als die Kolleg*innen aus UK und den USA. (Highlight war mein Hinweis, dass er den Text zum Alabama-Song „von den Doors“ geschrieben hat. Man muss Fakten nur im richtigen Licht präsentieren.)

Danach noch Wochenbericht schreiben und von der Chefin verabschieden, dann kann ich den Laptop zuklappen. Ungefähr da schicken die Eltern das nächste Foto und triggern so das nächste Telefonat mit dem Liebsten. Hach was freuen wir uns auf den Urlaub. Ich liege dann nochmal eine gute Stunde mit TikTok auf der Couch, dann ist es Zeit, den Lieblingsnachbarn auf ein Eis und einen Spaziergang zu treffen.

Milchkaramell mit Meersalz und Blaubeer-Baiser

Da es mit den Schritten noch nicht reicht und wir grad so schön im Gespräch sind, laufen wir an meiner Haustür vorbei dann noch weiter, durch die Hinterhofgärten. Meine Brombeerstelle von neulich ist im Sinne von reifen Früchten gerade schon abgeerntet, aber ein paar Meter weiter ist eine neue Sorte reif geworden!

Mit Brombeeren für den Weg versorgt, laufen wir noch weiter durch unseren Kiez, bis die 10.000 Schritte erreicht sind. Dann verabschieden wir uns und ich gehe nach oben und koche mir Pasta mit Zucchini und Semmelbröseln zum Abendbrot.

Gerade als ich anfange zu essen, ruft der Liebste zum fünften Telefonat des Tages an. (Dies übrigens zur Beruhigung aller, weil wir uns so selten sehen – wir reden halt den ganzen Tag miteinander.) Danach schaue ich noch ein paar Folgen „Transatlantic“ und schreibe nebenbei mit meinem Freund in Pittsburgh. Gestern habe ich nämlich ergooglet, dass Gillian Jacobs, die ich schon seit „Love“ toll finde (habe ich vor „Community“ gesehen), nicht nur aus seinem Vorort von Pittsburgh kommt, sondern auch sein Jahrgang ist. Und Bingo: Die beiden sind zusammen zur Schule gegangen und waren im Junior Year auch befreundet und gehörten zur gleichen Lunch-Clique. Mein recht prominenter ehemaliger CEO war ja auch auf dieser Schule, eine Klasse drüber, und als ich damals bei meiner Firma angeheuert habe, hat mein Pittsburgher Freund mir das auch gleich erzählt, wie er nämlich damals mit dessen kleiner Schwester befreundet war und deshalb in dem Haus ein und aus ging. Ich bin neben dem Freund auch sowieso noch mit einigen seiner Klassenkameraden sozialmedial verbunden, nachdem ich zweimal dort war und sie kennengelernt habe. Sehr gute Schule insgesamt. 😀

Flashback: Pittsburgh im September 2011, mein zweiter Besuch nach Thanksgiving 2005

Irgendwann nach 23 Uhr fallen mir die Augen zu. Ich mache mich bettfertig und schlafe dann mit nur einer kurzen Unterbrechung etwa 9 Stunden durch.

27.07.2023 – Katzenreiches Homeoffice

Ich erwache vor dem Wecker, aber nicht zu früh, und kann alles Morgendliche (Internet leer lesen, Bloggen, Sprachen üben, mit dem Liebsten telefonieren, Pflanzen gießen, Katzen füttern) in entspannter Ruhe erledigen. Zum Frühstück koche ich mir Grießbrei, dazu gibt es einen Pfirsich und den Rest Quittensaft kippe ich mir in meine Kanne Kräutertee. Eigentlich könnte ich noch die Wäsche abnehmen, aber die funktioniert gerade wieder als Noosa-Höhle.

Also doch direkt an den Schreibtisch, frühstücken und E-Mails lesen/durcharbeiten. Durch meine in den letzten Monaten erweiterten Aufgaben bin ich inzwischen auch auf noch einigen Verteilern mehr drauf, was das eh schon hohe E-Mail-Vorkommen nochmal erhöht hat. Evtl. werde ich demnächst ein Mensch, der E-Mails vorfiltern lässt und sich Zeiten in den Kalender blockt, in denen E-Mails überhaupt nur beantwortet werden. Bisher bin ich immer gut damit gefahren, alles in der Inbox zu lassen und so bald wie möglich zu lesen und zu bearbeiten – was noch nicht bearbeitet ist bleibt ungelesen – und wenn ich etwas suche, gibt es ja eine Suchfunktion.

Um 10 das erste Meeting – eine Person im Büro, der Rest in den jeweiligen Zuhausen. Das Dauerthema der letzten zwei Wochen bekommt nochmal eine neue Wendung und wird nun also noch etwas länger dauern, aber hoffentlich muss ich dabei nicht die Hauptrolle spielen. Nach dem Meeting beschäftige ich mich mit der Nacharbeit für unser kleines Event gestern. Ich verschicke einen Rückblick mit Bildern und der Ankündigung der nächsten Ausgabe, stimme mich dazu vorher noch mit einem Kollegen ab, bastle und kaufe Geschenkgutscheine für die beiden Gewinner gestern und verschenke sie, arbeite der Buchhaltung zu und dokumentiere im Projektplan.

Dann habe ich das nächste Meeting, diesmal mit Dublin. In dem Teil, in dem es nicht um Arbeit geht, sprechen wir natürlich über den Tod (und das Leben) von Sinéad O‘Connor. Das, was man bei uns vor allem durch das Internet mitbekommt, ist in Irland nochmal potenziert, als die Todesnachricht kam, stand das Handy meiner Kollegin den ganzen Abend nicht mehr still und sie ist sich sicher, dass es ein großes Begräbnis geben wird und überlegt sehr ernsthaft, teilzunehmen. Wir reden auch darüber, dass ich viel zu wenig Musik von Sinéad O‘Connor kenne – eigentlich nur „Nothing Compares 2 U“, „The Foggy Dew“ und „All Apologies“. Wir einigen uns darauf, dass sich das ändern muss und ich fange auf Empfehlung der Kollegin gleich mal mit den Reggae- und Rastafari-Alben an.

Damit auf den Ohren laufe ich in der Mittagspause schnell zum Supermarkt – Olivenöl ist alle und ich habe Lust auf Würstchen – laut App sind Geflügel-Wiener histamintechnisch OK, ich nehme sie in Bio-Qualität. Sonst greife ich ja auch gerne zu vegetarischen und veganen Ersatzprodukten, aber die sind histamintechnisch schwierig, außer Seitan und davon sehe ich in letzter Zeit zu wenig in den Regalen. Wieder zuhause mache ich mir Stullen mit Frischkäse und Salat und setze mich damit und mit einer Portion Kirschen auf den Balkon. Es regnet inzwischen und ich bin ob der Temperaturen langärmlig, aber ich habe Sinéads Reggae-Platte auf den Ohren und Noosa auf dem Bauch und das ist eine gute Kombination. Dann zieht noch von einem der Nachbarbalkons Cannabisduft herüber und ich fühle mich kurz zurück nach Jamaika versetzt. Leider ist der nächste Programmpunkt nicht Treasure Beach, sondern wieder der Schreibtisch.

Die Musik immerhin nehme ich mit und statt von Noosa werde ich nun von Nimbin bekuschelt. Ich widme mich die nächsten Stunden einer Übersetzungsaufgabe für meinen Legal-Kollegen in London. Danach folgen noch zwei globale Meetings – eines mit meiner Beteiligung, eines nur zum aktiven Zuhören – und dann ist der Arbeitstag auch schon wieder vorbei.

Ich drehe mit Hörbuch auf den Ohren eine größere Runde draußen, telefoniere dabei auch mal wieder mit dem Liebsten, und werde dann auf dem Heimweg ordentlich nass – der Regenradar ließ mir nur so wenige und weit auseinander liegende Pausen und ich war noch so weit vom Schrittziel entfernt. Ich kann das schon rechtfertigen, aber nächstes Mal sollte ich wie in Rostock Regenjacke und festes Schuhwerk tragen statt keine Regenjacke und Flip Flops.

Wieder zuhause mache ich Abendbrot – es gibt Kartoffel-Rote-Bete-Stampf mit Kräutern, Apfel-Gurken-Salat und Geflügel-Wiener. Damit setze ich mich aufs Sofa, Katzen am Körper und schaue die ersten beiden Folgen „Transatlantic“. Zwischendurch drittes Telefonat mit dem Liebsten. Ich bin kurz davor, hier den Rest des Abends zu versanden, aber dann streikt Netflix irgendwann Anfang Folge 3 und ich stehe doch nochmal auf, siebe die Katzenklos durch und entwirre danach in mühevoller Kleinarbeit eine widerspenstige Dreadlock, die sich in den letzten Tagen in meinem Unterhaar gebildet hatte. Für sowas brauche ich immer viel Ruhe und Entspannung, daher habe ich in den letzten Jahren einfach drumherumgekämmt und mit unauffällig aussehendem Oberhaar kaschiert. Nun aber entspanntes Entwirren und dabei Podcast hören.

Aus Gründen (kritischer Blick zu Noosa) setze ich dann vor dem Schlafengehen noch eine Maschine Wäsche im Hygienewaschgang an, programmiere sie auf Fertigstellung morgen früh und dann heißt es „Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett“.

26.07.2023 – Büro, Parkbank, Pool, Sauna

Ich erwache trotz spätem Einschlafen früh, schon kurz nach 6 Uhr, und anstatt nochmal ein bisschen wegzudämmern, möchte ich wirklich dringend etwas nachschauen, was mit Arbeit zu tun hat. Das tue ich dann auch und daraus resultiert dann gleich ein wenig Arbeit – inkl. Absprache mit einem Kollegen, alles vom Bett aus. Danach dann erst das mit dem Internet leer lesen, Bloggen und Sprachen üben und dem Rest der Morgenroutine. Heute mit Büro-Vorbereitungen aka Müsli aussuchen, Pfirsich schnippeln, Stullendose füllen und Rucksack packen.

Ich laufe mit Hörbuch auf den Ohren eine Stunde ins Büro – Schrittziel schon fast erreicht – und führe dort dann erstmal einige Gespräche, bevor ich dazu komme, meinen Laptop aufzubauen, Milch ins Müsli zu kippen und mir einen Tee zu machen. Dann Frühstück an E-Mails lesen und Absprachen treffen. Um 11 ein Meeting komplett in Präsenz und zu viert. Das gibts ja auch fast nie, dass niemand zugeschaltet ist. Der ganze Tag ist von viel Präsenzabsprachen geprägt.

Zur Mittagspause spaziere ich hinaus an die Spree zu einer Parkbank und warte auf meine Eltern, die von ihrer Wohnung aus dorthin spazieren. Auch hier gilt es, Absprachen zu treffen, die mit Post und Blumen zu tun haben. Außerdem bekomme ich mein Exemplar von Mamas neustem Buch. Während wir noch ein bisschen erzählen spaziert ein nicht ganz unbekannter Bekannter aus dem Internet mit seinem Hund vorbei – auch er wohnt hier gleich um die Ecke. Als ich meinen Eltern erzähle, wer das ist, ist zumindest meine Mama ganz beeindruckt, dass ich den kenne und sagt, dass sie ihn in letzter Zeit öfter gefavt hat. Apropos, mein Papa ist seit „Tag X“ jetzt auch auf Mastodon – Kernfamilie wieder vereint.

Weil es dann donnert und langsam anfängt zu regnen, laufe ich früher als geplant zum Büro zurück, nicht ohne den Eltern eine gute Reise zu wünschen. Sie fliegen morgen nach Kanada, wir kommen dann nächstes Wochenende nach. Wieder am Schreibtisch gibt es dann Stulle und Schreibtischmöhren und einen ersten Blick ins Buch.

Dann wieder Live-Absprachen unterbrochen von Telefonaten, unterbrochen von dem einzigen virtuellen Meeting des Tages. Zwischendrin auch noch Annahme der Getränkelieferung, die ich heute morgen im Bett bestellt hatte und Kaltstellen der Getränke. Danach versuche ich noch, mich an eine normale Arbeitsaufgabe zu setzen, aber es kommt doch immer wieder etwas dazwischen und außerdem gibt es einen spannenden Livestream aus Washington.

Ab 17 Uhr dann ein kleines Get Together in der Küche, mit Chips, Getränken, einer Geschicklichkeitschallenge und viel Gelächter und Gerede. Besonders schön ist, dass ein Kollege dabei ist, der seit der Pandemie eigentlich komplett im Homeoffice ist, den habe ich seit Jahren nicht live gesehen. Wir kommen im Gespräch direkt noch auf eine gute Idee, morgen geht es an die Umsetzung.

Gegen 18:30 Uhr packe ich meine Sachen zusammen und verlasse das Büro in Richtung Fitnessstudio. Unterwegs telefoniere ich zum dritten Mal heute mit dem Liebsten. Im Fitnessstudio angekommen ziehe ich mich zufällig genau neben der Kursleiterin um, die mich dann auch anspricht: „Ach, Hallo. In Klamotten habe ich Dich gar nicht erkannt.“ Kurz danach bin ich am Wasser und sie am Beckenrand. Da noch ein wenig Zeit ist, bis der Kurs losgeht, schwimme ich erst einmal ein paar Bahnen. Nach vier davon ist das Becken aber leider schon zu voll mit anderen Kursteilnehmer*innen. Dann also 45 Minuten AquaFitness. Hinterher geht es noch für 15 Minuten in die Sauna.

Dann mit der S-Bahn nach Hause. Erst Katzen füttern, dann mich (Zwei Spiegeleier mit getoastetem Dinkelbrot, Gurke, Apfel-Rote-Bete-Schorle), dann Rucksack und Sporttasche auspacken, Zähneputzen und Schlafengehen. Kurz vor 23 Uhr ist das Licht aus.

25.07.2023 – Plottwist am Nachmittag

Der Morgen beginnt zu viert im Bett, so wie der Abend gestern endete. Um 7 klingelt der Wecker, ich stehe kurz auf und mache Kaffee für den Liebsten und Kräutertee für mich. Damit liegen wir dann eine knappe Stunde im Bett und lesen uns das Internet vor. Kurz vor 8 muss der Liebste aufstehen und wieder nach Südberlin fahren, wo er um 9 sein erstes Meeting hat. Ich kann noch liegenbleiben, Bloggen und Sprachen üben und stehe erst kurz vor 9 auf. Die Pflanzen muss ich nach dem Regen gestern nicht gießen, die Katzen hingegen füttern. Für mich gibt es auch was – Dinkelbrot mit Apfel-Kürbis-Marmelade, einen Pfirsich und eine Handvoll Kirschen. Und Pfefferminztee mit Quittensaft.

Halb 10 sitze ich am Laptop, triagiere die E-Mails, die über Nacht eingetrudelt sind und starte eine kleine Recherche für meine Chefin. Um 11 das erste Meeting des Tages – mit Mitte, Lichtenberg, Wilmersdorf und Potsdam. Danach telefoniere ich noch mit Lichtenberg zu einem anderen Thema, erst die Spülmaschine ausräumend, dann kurz auf dem Balkon platznehmend.

Zurück am Schreibtisch weiterer Austausch mit Kolleg*innen per Chat, Nacharbeit des Meetings und dann ist es auch schon deutlich Zeit für die Mittagspause. Ich mache mir die Pasta von gestern warm und unterhalte mich beim Essen mit dem Mitbewohner – über seine Wohnungssuche, über seinen Job, über seine Urlaubspläne, über die Bürokratie in Deutschland, über die Situation von Migrant*innen in Deutschland, über die verschiedenen Strategien und Besonderheiten der verschiedenen ethnischen Gruppen und darüber, wie Integration besser gelingen würde. Ich sehe die Bringschuld vor allem bei den Deutschen, er auch bei den Migrant*innen.

Nach dem Essen geht es zurück an den Schreibtisch. Ich habe etwas Korrektur zu lesen und nebenbei eskaliert schon wieder eine Situation ein wenig, die aber erst morgen lösbar sein wird. Blöd. Zwischendurch klingelt noch das Telefon und meine Yoga-Lehrerin ruft an und sagt die heutige Stunde ab, da es urlaubsbedingt zu wenige Anmeldungen gibt. Das ist schade, weil ich dann nur noch einmal hinkann, bevor ich selbst im Urlaub bin und wenn ich zurückkomme ist dann sie im Urlaub. Für die Zeit kann ich mir dann ja noch eine Alternative suchen. Für heute hingegen springt mein Kopf direkt zu meiner To-Do-Liste und sagt: „Barbie“ gucken!

Ich schaue direkt nach, wo es den Film heute Abend zu sehen gibt – quasi überall – und wo es ihn in Originalfassung zu sehen gibt – gar nicht so oft – und wo es dann außerdem noch einen Platz gibt, der nicht direkt vor der Leinwand am Rand ist. Und so ergibt es sich, dass ich heute Abend halb 10 ins Kino gehen werde. Mitten in der Woche! Dann eine globale Kaffeerunde – parallel im Videokonferenzsystem und nebenbei im Chat von meinem Team kommentiert, das die Kaffeerunde organisiert hat. Ich mag diesen Blick hinter die Kulissen ja immer sehr.

Danach habe ich noch eine halbe Stunde Zeit, die Recherche abzuschließen, bevor 17:30 Uhr das Meeting mit meiner Chefin stattfindet. Wir haken in schneller Folge fünf Agendapunkte ab und tauschen uns dann noch ein wenig zu aktuellen Themen und ihrer anstehenden Abwesenheit nächste Woche aus. Um 18 Uhr ist Feierabend. Da ich ja Kinopläne habe, ist mein Kopf auf Popcorn eingestellt, allerdings habe ich ja jetzt Hunger und so spät essen ist ja auch nicht so gut. Also gibt es eben Popcorn (süß und salzig gemischt) zum Abendbrot – ich habe da noch Vorräte vom Adventskalender. Ich verputze die – laut App histaminfreie – Tüte ratzfatz und schaue dazu Essensvideos auf TikTok an. Lauter italienische Leckereien, die ich gerade nicht essen darf.

Gegen 20 Uhr verlasse ich das Haus – ich habe heute noch jede Menge Schritte zu tun! Am Anfang telefoniere ich mit dem Liebsten, dann höre ich Podcast, dann Hörbuch. Ich laufe erst durch die grünen Hinterhöfe, dann durch den einen Park zu einem anderen Park und drehe dort noch eine ausgiebige Runde.

Viertel 10 bin ich am Kino, laufe durch eine Menge pink gekleideter Menschen, lasse mein Ticket scannen und suche dann meinen Platz. Genau dort angekommen habe ich mein Schrittziel erreicht. Außerdem liegt auf dem Boden ein 20-Cent-Stück. Möglicherweise goutiert das Universum meine etwas verrückte Entscheidung.

Den Großteil des Films über habe ich ich ein dickes Grinsen im Gesicht, relativ oft muss ich laut lachen. Es gibt nur wenige Längen, die Schauspieler*innen sind großartig und alles ist bis ins letzte Detail sehr liebevoll gestaltet. Einzig die Meta-Ebene, dass es hier um ein existierendes Produkt eines existierenden Konzerns geht, der den Film auch noch selbst produziert hat, macht mir ein wenig zu schaffen. Das ganze Kino hat jedenfalls sehr viel Spaß, zwischendurch wird mitgesungen, es gibt Szenenapplaus und richtig viel Applaus am Ende. Ich verlasse das Kino nach halb 12 insgesamt sehr zufrieden und laufe zur Tram. Halb 1 liege ich endlich im Bett.