05.05.2025 – Freifuß-Montag #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Seit gestern Abend ist die Schiene ab, denn heute sind die sechs Wochen um und ich erledige ja gerne mal etwas vor der Zeit. Allerdings sorgt die ungewohnte Fußfreiheit gleich mal für unvorhergesehene Bewegungen und insgesamt scheint sich alles wieder etwas auszudehnen, die Folge sind Schmerzen im Fuß, zusammen mit der neuen Kälte da draußen sorgt das für eine unruhige Nacht und irgendwann muss ich tatsächlich aufstehen und die Balkontüren zu machen.

Morgens kommen die dann auch erstmal nur zum Lüften wieder auf. Allerdings ist es mit Sonne gleich angenehmer und ich kann zumindest auf dem Balkon frühstücken. Es gibt Matcha Latte (instant), frisch gepressten Crowdfarming-O-Saft und Brot mit a) Mandelmus und b) Gouda mit Pflaumen-Chutney alla Brüderchen. Sehr lecker! Ich lese das Internet leer, blogge, erreiche einen neuen Französisch-Score und beschäftige mich italienischen Vokabeln zu Nutzpflanzen.

Später geht es dann aber doch wieder rein, die Kälte ist real. Dafür tut der Fuß weniger weh als in der Nacht und ich brauche weder Schiene noch Schmerzmittel. Trotzdem ist Couch und hochlegen erstmal ganz gut zu Französisch, Italienisch usw. Ich gucke die Reden zur Koalitionsvertragsunterzeichnung nach. Später verlege ich mein Liegen in die Badewanne, dort kann ich genauso produktiv sein wie im Bett, auf dem Balkon oder auf dem Sofa: Ich bilde mich mit Podcasts weiter (Sprachlerntricks und Storytelling im Business). Gegen das Nachmittagshüngerchen gibt es wieder abgetrocknet Pasta mit Kichererbsen von gestern. Dann weiter Recherchen und Weiterbildung.

Am frühen Abend bastle ich mir dann ein Süppchen (Japanese Chicken Ramen mit extra Bohnen, Spinat, Koriander, Sriracha und Mirin) und mache schonmal den Wein auf.

Ich habe dann nämlich noch einen Abendtermin über Teams, bei dem viel geredet wird. Dazu gibt es ein Glas apulischen Rotwein, fürs Ambiente.

Wir sind gerade rechtzeitig zur Übertragung vom Zapfenstreich fertig. Sehr wohlwollende Rede von Pistorius, überraschend gute Abschiedsrede von Scholz (wenn es ihm wichtig ist, kann er) mit viel Zuspruch und Mahnung fürs Land und seine Nachfolge. Dann kriegt er mich nochmal ein bisschen, weil er sich „In my Life“ ausgesucht hat, eins meiner Lieblingslieder einer meiner Lieblingsbands. Verliert natürlich total durch die Militiärkapellenbearbeitung und ist auch nicht ganz so witzig wie der Farbfilm damals. „Respect“ gleicht das wieder bisschen aus und der Bach ist ja auch immer nett.

Ich sinniere über die Musizierenden, die „in allererster Linie Soldaten sind, aber gleichzeitig auch professionelle Musiker“ und frage mich, wie es zu dieser Karriere kommt. Ich kenne wenige Soldaten (und auch die waren es nur auf Zeit) und deutlich mehr Musiker*innen und gefühlt passen diese beiden Lebensweisen wenig zusammen. Mir fällt ein Bekannter von früher ein, der Schlagzeuger ist und sich damals während der Wehrpflicht für den Bund statt den Zivildienst entschieden hat, weil er seinen Wehrdienst in einem Musikkorps ableisten konnte, aber das war dann ja nur ein Dreivierteljahr. Eine kurze Recherche zeigt, dass das dauerhaft allerdings ganz gut bezahlt wird. Für Musiker*innen ja auch nicht ganz unwichtig.

Beim ins Bett gehen versuche ich es erst wieder mit offenen Balkontüren, muss aber bald kapitulieren und nachdem ich so froh war, nachts keine Socken mehr tragen zu müssen (wegen der Schiene) kommen jetzt sogar Schafwollsocken drüber. Ist ja auch gemütlich.

04.05.2025 – Fake-Sonntag

Laut Kalender ist Sonntag, aber die Sonne zeigt sich so explizit nicht, dass ich den Balkon nur kurz betrete, um Temperatur und Feuchtigkeit zu überprüfen und dann resigniert die Balkontüren schließe, damit es in der Wohnung nicht zu kalt wird. Die Katzen protestieren nur kurz. Die Eisheiligen sind ja eigentlich noch eine Weile hin, aber der Wetterbericht sagt etwas anderes – vermutlich kann man sich auf so jahrhundertealte Wettertraditionen eh nicht mehr verlassen.

Das Frühstück drinnen ist dann aber sonntäglicher, mit Ei. Und Käsebrot mit Kaviarcreme, Joghurt mit Feigenmarmelade, Apfel, Mispeln und Matcha Latte (aus Fertigpulver, als Übergangslösung OK, bis mir jemand zum Geburtstag the real deal schenkt – ich bitte die mitlesenden Probanden, sich da abzustimmen).

Heute habe ich zwei intellektuell anspruchsvolle Dinge auf meiner inneren To-Do-Liste, die beide an sich auch Spaß machen, aber durch den To-Do-Faktor irgendwie unattraktiv wirken. Ich behelfe mir mit beherzter gegenläufiger Prokrastination und beginne das Ding, das sich gut auf der Couch machen lässt und halte so lange durch, bis der innere Widerstand mich abbrechen lässt. Dann prokrastiniere ich das Ding eben mit dem anderen Ding, für das ich an den Schreibtisch gehen muss. Am Ende habe ich beides mehr oder weniger zufriedenstellend erledigt und freue mich über den erfolgreichen Hirn-Hack.

Als der Magen knurrt ist es zeitlich irgendwo zwischen spätem Mittag- und frühem Abendessen. Ich bastle mir aus dem Rest roter Zwiebel von gestern, einer Dose Kichererbsen, Rosmarin, Fenchelsamen, Zitrone und einem Rest Pasta eine Art Pasta e ceci, aber nicht als Eintopf, sondern als Pastaciutta. Schmeckt gut, macht satt und eine Portion bleibt noch für morgen.

Am Abend weiter Pørni, dazwischen auch mal ganz linear die Tagesschau. Ins Bett geht es spät und weil morgen die sechs Wochen um sind, mache ich zur Feier des Tages vor dem Schlafen die Schiene ab – der Fuß fühlt sich ungewohnt frei, aber es ist alles sehr aufregend und der Schlaf lässt auf sich warten.

03.05.2025 – Erledigrrrl-Tag

Klassische Wochenendaufteilung, zumindest für heute: Samstag/Sonnabend für Erledigungen. Nach dem Herumfahren und dem Nach-Wahl-Herumsumpfen und vor allem der ganzen Fußgeschichte (Woche sechs ist fast rum), fühle ich mich nicht nur in der Lage, sondern auch verpflichtet, den nächsten Wohnungsgroßputz zu übernehmen, idealerweise, bevor die Mitbewohnerin von ihrem Kurztrip zurückkehrt.

Erst einmal aber werde ich Influencerinnen-Opfer, weil sich auf Mastodon über Kardamombulle unterhalten wird und weil ich weiß, dass ich mir die hier in der Großstadt einfach zum Frühstück liefern lassen kann. Zum Glück ist meine Beeinflussbarkeit recht stark auf Kulinarisches fokussiert, nicht auszudenken, was mein Konto sagen würde, wenn das etwa bei teurer Mode so wäre. So aber bestelle ich mir noch im Halbschlaf eine Kardamombulle, eine Kanelbulle und einen Iced Matcha Latte, um Gebühren zu sparen. Dazu gibt es die letzten Crowdfarming-Heidelbeeren. Der Matcha ist übrigens günstiger als der gestern im veganen Donut-Laden, aber auch süßer. Selbst machen ist wohl auf Dauer die beste Lösung, ich setze ein entsprechendes Set auf meine Wunschliste – bald ist ja schon wieder Geburtstag.

Die Mitbewohnerin hat sich für gegen 12 angekündigt, gute WG-Politik wäre also, bis dahin zumindest mit dem Putzen angefangen zu haben, damit sie meinen guten Willen sieht. Nach Bloggen, Französisch, Italienisch usw. ist es dann auch schon halb 12 als ich anfange, mit Kaya Yanar bei Hotel Matze auf den Ohren. Als die Mitbewohnerin nach 1 ankommt, bin ich schon ziemlich weit. Fertig dann erst halb 3, da ist sie aber schon wieder zur Arbeit aufgebrochen. Ich mache mir den Rest Kartoffeln von gestern, eine Crowdfarming-Avocado und ein paar Tomaten zum Mittagessen. Dazu gibt es den ganzen Tag aromatisiertes Wasser, mit Crowdfarming-Zitrone und Melisse, Salbei und Estragon vom Balkon.

Voller Energie gehe ich dann noch mal ins Draußen, bringe eine zweite Ladung Müll weg und fahre zum Alex, um ein paar Dinge im asiatischen Supermarkt zu kaufen. Hui ist der voll an einem Samstagnachmittag. Aber ist halt grad auch alles stark im Trend und dementsprechend sind vor allem lauter junge Leute da, die sich mit Kimchi, Mochis, Ramen und Co. eindecken. Und insgesamt viele Menschen, deren Gene unübersehbar irgendwann aus dem fernen Osten hergekommen sind. Ich bin zum ersten Mal in diesem Supermarkt und entdecke erfreut, dass es hier zum Beispiel auch die Chinese Buns gibt, die ich aus Toronto kenne. Ich besorge Zutaten für eine Suppe nächste Woche und dann hüpft mir noch hie und da etwas Kleinkram in den Korb.

Aus dem Drogeriemarkt gegenüber, der auch überfüllt ist, fliehe ich enttäuscht, als ich feststelle, dass der vor allem Kosmetik und Kulinarisches hat, nicht aber Haushaltswaren. Ist halt ein Laden im Touri-Hotspot. Also schnell zurück in die Tram und auf dem Heimweg noch in den Drogeriemarkt dort gesprungen, wo ich zumindest alles kriege, was ich brauche, wenn auch ohne Sammelpunkte, die ich in Flugmeilen umwandeln kann (irgendwann werde ich mal einen passenden Flug nach Kanada finden, für den sich das Einlösen lohnt). Die Apotheke hat hingegen schon zu und ich bin nicht mehr in der Verfassung für Umwege.

Zuhause dann erstmal eine große Tasse Ostfriesentee mit Mascarpone-Schlagsahne, Füße hoch und Internet nachlesen. Über den Wahlsieg der Sozialdemokraten in Australien hat sich mein Internet schon am Vormittag gefreut, aber ich kann darin schon nochmal ein bisschen baden, bevor ich mir die sehenswerte Doku Inside CDU über den Wahlkampf anschaue und neben vielen Cringe- und Fremdscham-Momenten (freitags 10:30, Söder als Gesamtkonzept, Rambo Zambo) auch wirklich Gruseliges sehe (Linnemann, Amthor). Ein bisschen beruhigend ist, dass die beiden weiblichen Protagonistinnen (dos Santos, Schenderlein) normale, patente Politikerinnen zu sein scheinen, denen es um die Sache geht. Vor allem gut, da Schenderlein ja Staatsministerin werden soll. Die Szenen aus ihrem Wahlkreis sind für Leute, die nicht aus Sachsen kommen, sicherlich erschütternd. Für mich nicht.

Dann ist es Zeit für Abendbrot, es gibt einen Salat aus Crowdfarming-Fenchel und Crowdfarming-Orange mit Sardellen und roter Zwiebel.

Dazu und danach fange ich eine neue Serie an – zu viel Yellowstone auf einmal muss nicht sein. Mir ist endlich aufgefallen, dass „Pörni“ eigentlich Pørni heißt und in Norwegen spielt. Ich hielt es aus Gründen für etwas Schweizerisches. Da wir diesen Sommer gucken wollen, ob wir Norwegen auch mit weniger Regen gut finden, ist das jedenfalls die perfekte Einstimmung. Die sechs Folgen der ersten Staffel gucken sich locker-flockig weg und dann ist auch schon Schlafenszeit.

02.05.2025 – Trendfood-Freitag

Ich beginne den heißen Tag mit einer Beeren-Mate auf dem Balkon und werfe später nur noch ein kleines Müsli ein, denn heute bin ich zum Mittagessen mit den Ellis verabredet. Im Viertel wo die ganzen Promis wohnen sitzen wir draußen bei 27 Grad und das Lokal serviert bis 15 Uhr Frühstück, also esse ich Eggs Benedict und trinke Sanddornschorle, weil es sie gibt.

Auf dem Heimweg besorge ich mir endlich den Matcha, nach dem es mich schon eine Weile gelüstet und kehre dafür in den hippen veganen Donut-Laden ein.

Dann gedenke ich eigentlich, den Rest des Tages auf dem Balkon zu verbringen, aber trotz Mate und Matcha rafft mich Müdigkeit dahin und für ein Nickerchen ist das Sofa bequemer als der Liegestuhl. Nach dem Aufwachen dann den Donut (ganz traditionell aber vegan Boston Cream) und die ersten Mispeln des Jahres.

Draußen wird es jetzt windig-regnerisch, also für die volle Entspannung direkt hinüber aufs große Bett, da kommen die Katzen und ich ins weniger in die Quere. Wir gucken vier Folgen Yellowstone, essen dazwischen den Rest Grüner Sauce mit Kartoffelecken und schauen dann Schitt‘s Creek zu Ende (inkl. Making-Of der letzten Staffel).

Aufgetaut nicht mehr ganz so hübsch, aber lecker: Die Grüne Sauce

Ansonsten fing der Tag mit guten Nachrichten an – Verfassungsschutz/AfD, Joe Chialo – und endete mit weniger guten – US-Reaktionen auf ersteres, Pierre Poilievre versucht, sich zurück ins Parlament zu kaufen und wird damit vermutlich durchkommen. Meh.

01.05.2025 – Erster Mai wie früher

Mein traditioneller erster Mai ist möglicherweise ungewöhnlich, denn er war eigentlich nie von Demonstrationen geprägt, weder vor noch nach der Wende. Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass in meiner Kindheit Erwachsene zur Mai-Demo gefahren sind, während ich mit den anderen Kindern in der Glut des Hexenfeuers Kartoffeln röstete. Der erste Mai war jedenfalls immer sehr ruhig, sehr grün und in meiner Erinnerung hat natürlich auch immer die Sonne geschienen. Heute dann also ruhig, grün, Sonne, aber keine Kartoffeln, die Tradition ist irgendwann ausgelaufen, fürchte ich, dafür gibt es inzwischen neue – Generationswechsel und so.

Als sich alle aus ihren Betten geschält haben, gibt es eine große Frühstücksrunde zu acht mit Müsli, Brötchen, selbst gemachten Marmeladen (eigentlich Konfitüren) und den Resten vom traditionellen Hexenbrennen-Zwiebelkuchen. Dazu Gespräche über das Wetter, die Pflanzen, die Vögel, die Katzen der Umgebung (past and present), Bürokratie, Inklusion…

Dann löst sich die Gesellschaft langsam auf. Vier brechen auf Richtung Heimat, eine geht Tapeten ablösen, einer geht Gartenarbeit nach. Mein Fuß und ich bleiben sitzen, ebenso wie die Musicousine und das lokale Katertier. Es ist viel Chillens und Erzählens und ins Grüne guckend Sinnierens.

Später nutze ich die Gelegenheit einer ebenerdigen Dusche und betreibe ausführliche Körperpflege, bevor ich mich frisch anziehe und meinen Kram zusammenpacke. Dann gibt es noch selbstgemachten Waldmeistersirup zu verkosten (mit etwas grüner Lebensmittelfarbe drin, damit man von weitem erkennt, was in der Flasche ist), bevor ich mich verabschiede, verspreche bald wieder zu kommen, und zurück zu meinen eigenen Katzen fahre.

30.04.2025 – Hexenbrennen

Dieses Jahr rumpelt in einer Geschwindigkeit voran, dass es einem Angst machen kann. Jetzt ist also schon wieder Hexenbrennen, aka Walpurgisnacht, aka Beltane und morgen ist dann schon Mai und wo ist die Zeit geblieben?

Jedenfalls gibt es Pläne für die Hexen und mich, weswegen ich im italienischen Supermarkt einkaufen gehe um Pecorino, Bresaola und Cynar zu kaufen und mich dann auf den Weg zu einer Einladung zu machen. „Jugendtanz am Holzofen“ heißt die Veranstaltung offiziell, inoffiziell geht es um geselliges Beisammensein bei selbst gemachter Pizza aus Sauerteig.

Als ich ankomme, ist aber erstmal Zeit für Kaffee und Kuchen, als der Bäcker seinen Mittagsschlaf beendet. Es gibt ukrainische Paschka und sächsische Eierschecke, beides sehr lecker.

Der Ofen ist noch vom morgendlichen Brotbacken warm, wird dann aber nochmal mit mehr Holz auf Hochtouren gebracht, während nach und nach die anderen Gäste eintrudeln. Eine Fermentationsspezialistin hat zwei Sorten Pizzateig mit Sauerteig mitgebracht – eine für den herzhaften Teil und eine für die Nachtischpizza (mit selbstgemachter Nutella und Apfelmus). Außerdem Burrata. Wir trinken Cynar Spritz und andere Getränke (spät am Abend sogar noch Nascetta) und als es langsam dunkel wird kommen die ersten Pizzen aus dem Ofen.

Im Hintergrund Ofengemüse für die beiden, die keine Teigwaren essen können

Die Kinder toben durch den Garten, die Erwachsenen erzählen von früher und heute und hier und dort. Ich sitze die meiste Zeit, ob meines Fußes, und komme nur auf dem Weg zur Toilette mal am Ofen und in der Backstube vorbei.

Der Abend endet dann in Familie an der Feuerschale, bei traditioneller Maibowle und noch mehr Geschichten.

29.04.2025 – Nach-Wahl-Jetlag

Es ist schwierig zu definieren, wann gestern aufhört und heute anfängt. Ich bin zwar deutlich beruhigter, als feststeht, dass Carney die Wahl gewinnt und nicke immer mal wieder ein, aber die Übertragung läuft weiter, in der Hoffnung, dass irgendwann klar ist, ob es eine Mehrheitsregierung wird. So dringen Reden von Carney, Poilievre, Blanchet und Singh in meinen Halbschlaf durch, ohne dass ich allein anhand der Stimmen und Worte direkt zuordnen könnte, wer was sagt. Irgendwann ist die Nacht unverkennbar vorbei, die Katzen haben Hunger, der Liebste ruft an, die Wahl ist noch längst nicht ausgezählt.

Aber immerhin – Kanada geht nicht sofort in den Trumpismus und demnächst in die USA über, sondern wendet sich hoffentlich noch stärker den kanadischen Werten und der Anbindung an Europa zu. Das ist ganz allgemein gut, ich profitiere davon aber auch ganz egoistisch persönlich. Schade ist, dass für diesen Erfolg die Neuen Demokraten extrem marginalisiert wurden, aber immerhin werden sie als Mehrheitsbeschaffer gebraucht werden und irgendwann kommt ja dann hoffentlich der Backlash vom Backlash.

Zum Glück habe ich heute wenig Verpflichtungen, nach dieser Nacht bin ich äußerst matschig und lasse es ruhig angehen. Zum Frühstück gibt es Crowdfarming-Orangen und -Blaubeeren (im Getränk bzw. im Müsli) und dazu Espresso Tonic auf Eis – dann ist das Tonic rechtzeitig alle, bevor heute Abend die neue Getränkelieferung kommt.

Ich verbringe den Vormittag auf dem Balkon, erst mit den üblichen morgendlichen Dingen, dann bei einem Online-Workshop. Die Sonne ballert wieder, so dass Nimbin seinen Kopf extra in den Schatten legt, während er ihr den Bauch entgegen streckt.

Als es draußen frisch wird, gehe ich zurück ins Bett, gucke nochmal die Reden der Parteispitzen nach, freue mich darüber, dass Poilievre sogar seinen Parlamentssitz verloren hat, lese Reaktionen (ernsthafte und witzige) und wundere mich über diejenigen Kanadier*innen, für die dieses Ergebnis quasi das Ende von Kanada ist, weil die Liberalen jetzt in vierter Amtszeit regieren und kein echter Wandel in Sicht ist. Wäre ihnen der Wandel „51. Staat“ lieber gewesen? Ähnlich wie überall sonst auf der Welt ist das Land polarisiert und eine Hälfte lebt in einer alternativen Faktenlage. Macht mich immer wieder nachdenklich, weil erstens unklar ist, wie das je wieder anders werden kann und zweitens, ob es nicht Themen gibt, bei denen ich selbst in der falschen Filterblase stecke. Denn die sind ja genauso davon überzeugt, dass sie Recht haben, wie ich auch. Schwierig und eine große Lernaufgabe für uns alle, da zugewandt und freundlich zu bleiben und gemeinsam zu Lösungen zu finden.

Zum Mittag (und auch zum Abendessen) gibt es Reste, es ist noch Ofengemüse, dazu eine schon abgelaufene Packung Flusskrebssalat, die ich aus Neugierde gekauft hatte. Schmeckt lecker.

Ich gucke Étoile zu Ende und habe Spaß an der Machart, den Dialogen, der Palladino-Haftigkeit von allem, die Geschichte selbst nimmt mich hingegen wenig mit. Aber Staffel 2 ist wohl schon bestätigt, vielleicht wird das ja noch, auf einer Meta-Ebene macht es jedenfalls viel Spaß und ich merke, dass ich bei den französischen Passagen die Untertitel immer weniger brauche, das ist auch gut. Völlig erratisch übrigens, wann französische Charaktere mit einander Französisch reden und wann Englisch. Manchmal gibt es Erklärungen („Wir wollten doch Englisch üben!“ „X kommt aus Y und spricht kein Französisch“), mal nicht.

Passend zum Sprachwirrwarr und dem Politikthema schaue ich danach direkt noch Konklave. Auch hier bin ich erstaunt, wie viel ich vom Italienischen, Spanischen und Lateinischen ohne Untertitel mitbekomme. Und dann, wie ich es bis heute geschafft habe, ohne dass mir das Internet zwei Plottwists gegen Ende gespoilert hat. Sehr schön.

Zwischendurch kommt die Getränkelieferung und die leeren Kästen sind auch wieder weg. Ab jetzt wieder Sprudelwasser für Mixgetränke, Ginger Ale für die kanadischen Momente im Leben, Tonic für fancy drinks und Mate für die Produktivität, von der heute ja eher weniger vorhanden ist. Der Bierkasten war noch halb gefüllt, das wird hier eher seltener konsumiert.

Zum Ende des Tages dann noch die Sing-meinen-Song-Folge mit Paddy, was fürs Herz sozusagen, auch wenn ich die B.O.A.T.S.-Geschichten alle schon kenne. Heute besonders überrascht von Mieze und Finch, bin gespannt auf deren Sendungen.

PS: Abends noch eine zweite Duolingo-Session eingelegt, weil ich da jetzt einen Friends-Quest mit einer Neunjährigen habe und Boden gutmachen wollte.

28.04.2025 – 5 Wochen Fuß, Politik, Familie, Netz, Wahlnacht

Das Frühsommerwetter mit der vielen Balkonzeit ist zurück in meinem Leben, auch heute wieder. Ich verbringe den Tag bis etwa 13:30 draußen und gehe dort meinen Verrichtungen nach.

Porridge mit Himbeeren heute

Viel Zeit geht drauf für das Recherchieren und Aufregen über die designierten Unionsminister*innen. Starke Trump-Kabinett-Vibes, was Befähigungen, Beziehungen und politische Ansichten angeht. Aber auch: Entscheidend ist, was hinten rauskommt, vielleicht wird es ja weniger schlimm als gedacht. Und mal gucken, was die SPD auffährt, vielleicht können sie ja noch was rausreißen.

Am frühen Nachmittag bringe ich meinen Fuß ins Draußen – heute ist er seit fünf Wochen verletzt. Laut erster Expertenmeinung sollte ich die Schiene vier bis sechs Wochen tragen, die zweite Meinung sagte direkt sechs Wochen. Ich beschäftige mich also gedanklich langsam damit, nächste Woche dann mal zu probieren, ob und wie es ohne gehen könnte. Aufregend. Letzte Woche habe ich nochmal zwei Schmerztabletten genommen, jetzt komme ich schon wieder gut ohne klar. Dafür zieht und drückt es immer mal wieder auch in unerwarteten Momenten, ich bin ein bisschen nervös. Anyway, ich kann draußen rumlaufen und bin zwar langsamer, aber komme soweit klar.

Ziel sind die Ellis, die zur Geburtstagsnachfeier mit Kuchen geladen haben. Es gibt viel zu erzählen über die letzte Woche, die Politik hier, die Politik in Kanada usw. usw. Nach dem Kuchen kommt das Eis (wieder auf dem Balkon), nach dem Eis der Vinsanto.

Schoko-Vanille-Pistazie-Walnuss-Mango und wieder Himbeeren

Dann geht es weiter zum nächsten Termin, Netzwerktreffen im Food Hub am Potsdamer Platz. Ich esse dekonstruierte venezolanische Arepas mit Rindfleisch, Bohnen, Kochbananen, Avocados, Käse, Knoblauch-Dip und Chili-Dip, trinke deutsche Cola um wach zu bleiben und unterhalte mich mit alten und neuen Bekannten über Arbeits- und Karrieredinge, Leben in Berlin und schon wieder den Koalitionsvertrag und die Ministerinnenriege.

Der Heimweg dauert dann nochmal besonders lange. Der Fuß ist erschöpft, die Tram fährt nur noch alle zehn Minuten… Es ist halb 11, als ich zuhause bin, die Crowdfarming-Kiste ausgepackt (Orangen, Avocados, Heidelbeeren) und die Katzen versorgt habe und beim Liebsten durchklingele. Der Countdown zur Wahlnacht in Kanada läuft. Das ist nicht nur aus weltpolitischer Sicht spannend, this time it‘s personal. Der eigentliche Plan ist, die ersten Ergebnisse aus Newfoundland & Labrador und den Maritimes abzuwarten, beruhigende Ergebnisse von den Liberalen zu sehen, zu gucken, wie es in „unserem“ Wahlkreis ausgeht, der stark umkämpft ist, und dann beruhigt einzuschlafen.

Stattdessen kommen beunruhigende Deja-vus von der US-Wahl im November – die ersten Ergebnisse sehen besser für die Konservativen aus, als erwartet und die Kommentatoren der CBC wirken beunruhigt. Der Liebste geht entnervt ins Bett, ich hingegen bleibe dran und kaue Fingernägel, bis sich die Lage ein bisschen beruhigt und wohl mehr urbane und Briefwahlstimmen da sind. Dann nicke ich weg, wache aber eine Stunde später wieder auf, weil schon feststeht, dass die Liberalen auf jeden Fall gewonnen haben, auch wenn noch längst nicht alles ausgezählt ist.

Trump hat diese Wahl effektiv zu einer Zweiparteienwahl gemacht, die Neuen Demokraten und die Grünen sehen kaum einen Stich, die Polarisierung schreitet auch in Kanada voran. Aber wenigstens gewinnt dieses Mal nicht der Mini-Trump und in unserem Wahlkreis gibt es auch eine liberale Mehrheit. Kleines Aufatmen.

27.04.2025 – Explizit Erholung

Ein Sonntag ohne Termine und so gut wie ohne Verpflichtungen, jetzt ist mal ganz explizit Erholung angesagt, vor allem für den Fuß, nach den gestrigen Strapazen. Nimbin findet trotzdem, ich hätte genug geschlafen und bekommt so schon gegen 6 ein sehr verschlafenes Frühstück hingestellt, bevor ich nochmal zwei Stunden weiterdöse. Dann beginnt der Tag auch in meinem Kopf so richtig und ich freue mich über die vielen freien Stunden, größtenteils ohne andere Menschen drumherum – nach fünf Tagen zu fünft bis acht auf engem Raum klingt das ganz hervorragend. Einfach Fünfe gerade sein lassen und ohne Rücksicht nur den eigenen Impulsen folgen.

Außer das Katzenklo im Bad, das muss heute runderneuert werden und Koffer auspacken und Wäsche waschen steht auch an. Also strukturiere ich meinen schönen freien Tag gleich mal und schreibe aber neben den nötigen To Dos auch die gewünschten Ta Das drauf. Und dann wird – in loser Folge – abgearbeitet.

Zum Frühstück auf dem Balkon (anders als im Nordwesten ist es hier warm genug dafür) gibt es den ersten selbst gemachten Ostfriesentee. Allerdings weniger fein, keine Kanne mit Stövchen, kein zartes Porzellantässchen, sondern gleich mein riesiger neuer Teepott (400 ml) mit gleich zwei Kluntjes drin. Sahne habe ich keine da und will mir schon mit Hafermilch behelfen, da sehe ich, dass die Mitbewohnerin sich Mascarpone-Sprühsahne gekauft hat und zweige mir was ab. Statt zartem Sahne-Zirruswölkchen gibt es einen amtlichen Mascarpone-Kumulus. Deshalb muss dann auch gleich am Anfang verrührt werden, sonst bekäme ich eine Sahnenase. Geschmacklich ist das Ergebnis aber top und ich schreibe mir diese Sprühsahne auf die innere Einkaufsliste, damit uns die Vorräte nie ausgehen mögen.

Nach dem Essen lese ich noch bevor die Sonne weg ist mein Buch zu Ende. Sophie Hardcastle – Below Deck ist eine absolute Leseempfehlung! Mich hat schon länger kein Buch mehr so mitgenommen, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Mit dem eigentlichen Hauptthema habe ich zum Glück bei weitem keine so furchtbaren Erfahrungen gemacht wie Protagonistin und Autorin, aber wie dann damit umgegangen wird, diese Sprache, diese Farben, dies wäre Bilder, diese Gefühle, das resoniert ganz gewaltig mit mir – um mal eine schöne englische Wendung einzudeutschen. Es hilft natürlich auch, dass es ums Meer geht, ums Segeln und zu großen Teilen um Gegenden, wo ich schon war – Sydney, London, Ushuaia/Feuerland: Check. Jedenfalls, was für ein Ritt dieses Buch ist. Sophie Hardcastles Debütroman wandert direkt auf meine Wunschliste.

Emotional ganz erschöpft verlege ich mich dann nach drinnen, die Sonne ist um die Hausecke herum. Statt Ostfriesentee gibt es jetzt Sencha und ich kümmere mich erstmal um Physisches – Wäsche, Katzenklo, Müll wegbringen. Dann setze ich mich wieder hin und schaue die erste Folge der neuen Staffel von Sing meinen Song nach. Von den Teilnehmenden ist mir nur Herr Kelly nahe und ich habe Assoziationen zu Mieze und Finch, der Rest ist mir relativ egal oder gar unbekannt. Trotzdem lohnt es sich mal wieder, weil einfach spannend ist, wie die Leute über die Songs reden und sie teilweise zu etwas Neuem, Eigenen machen. Bosse trotzdem für mich weiterhin ziemlich egal. Nächste Woche ist Paddy dran. Als Sonntagssüß (auf der Ta-Da-Liste) gibt es zum Fernsehen eine schnelle Stulle mit einer dicken Schicht Feigenmarmelade, so gut!

Richtung Abendbrot beschäftige ich mich mit dem Inhalt der Crowdfarming-Kiste von letzter Woche. Es gibt Ofengemüse aus Pastinaken, Karotten und Fenchel mit ordentlich Olivenöl, Knoblauch und Rosmarin.

Es folgen ein ausführliches Wannenbad und dann frisch gebadet auf dem Sofa drei weitere Folgen Étoile – inzwischen hat sich die Serie gefunden, oder ich sie, und ich habe viel Spaß. Die letzten zwei Folgen hebe ich mir aber noch auf und gehe stattdessen früh ins Bett. Fin.

26.04.2025 – Rückreisemarathon

Passend zum Reisen wieder eine unruhige Nacht, die schon damit beginnt, dass das Teilzeitkind zum Einschlafen einen Harry-Potter-Band anmacht, in dem Dobby vorkommt. Kenner*innen wissen, dass niemand schlafen kann, wenn Rufus Beck Dobby spricht. Also niemand außer dem Liebsten und dem Teilzeitkind, die übermenschliche Fähigkeiten haben. Bei mir dringt Dobby sogar durch meine eigenen neuen Schlafkopfhörer durch, über die ich versuche, Lars Klingbeil dagegen antreten zu lassen. Erst als der Timer Dobby gnädig ein Ende bereitet, kann auch ich einschlafen. Unruhig bleibt es trotzdem und mittendrin liege ich nochmal ordentlich wach. Kurz nach 7 stellt der Liebste mir Kaffee hin und dann bin ich endgültig munter. Halb 8 klingelt der Wecker, gegen 8 sind alle beim Frühstück.

Reste verputzen oder verpacken, uns reisefertig machen, Gepäck packen und sinnig auf die vier zu erreichenden Haushalte verteilen, Müll entsorgen… Wir sind mit allem vor der Zeit fertig, sitzen noch einen Moment beisammen und gehen dann unserer Wege. Die Liebsteneltern gehen auschecken, der Liebste bringt das Teilzeitkind und mich zur Bushaltestelle und holt dann mit dem Auto seine Eltern ab und fährt sie nach Hause. Ich kaufe dem Teilzeitkind für 3,50 € einen halben Liter Wasser, weil es nicht daran gedacht hat, seine mehr als einen Liter fassende Wasserflasche einfach am Hahn aufzufüllen, und bald darauf kommt der Bus. Der Koffer des Teilzeitkinds wandert in den Bauch des Busses, unsere Rucksäcke und die Provianttasche kommen mit uns. Mein Koffer ist wieder im Auto beim Liebsten.

Eine knappe Stunde geht es über Land, Deich, Siel und Priel Richtung Südwesten, in eine Stadt die Norden heißt. Ich gucke raus, das Kind macht Sudoku. Dann schnappen wir uns den Koffer und gehen zum Gleis, wo eine knappe halbe Stunde später der Zug fährt, der uns in zwei Stunden in eine Stadt ganz im Westen bringt. Dort nochmal umsteigen, warten und in den Zug nach Berlin. Nochmal drei Stunden. Das Kindelein verbringt die Zeit mit Seriengucken, ich lese weiter in meinem neuen Buch, Below Deck von Sophie Hardcastle. Ein Wahnsinnsbuch, der erste Teil gehört zu dem schönsten, was ich je gelesen habe, der zweite Teil zum Schrecklichsten, der dritte Teil ist irgendwo dazwischen und wiegt mich in Sicherheit, der vierte liegt noch vor mir.

Beginn des zweiten Teils

Währenddessen hat der Liebste seine Eltern samt Auto abgeliefert und ist mit seinem und meinem Koffer jetzt ebenfalls im Zug nach Berlin, allerdings auf einer anderen Route. Das ist meine erste größere Alleinreise mit dem Kind, aber es ist so mit Seriengucken beschäftigt, dass es kaum auffällt. Regelmäßige Snack- und Stromzufuhr, dann läuft es ganz von alleine. Ich muss nur die Route im Blick haben und rechtzeitig vor den Bahnhöfen das Einpacken anmahnen, aber das muss ich ja wegen meiner aktuellen Fußsituation sowieso, um genügend Zeit für alles zu haben. Selbst seinen Koffer trägt das Kind alleine Treppen rauf und runter, ich muss ihn nur ins Gepäcknetz heben, dafür ist das Kind zu kurz. Ansonsten verläuft die Bahnfahrt unauffällig, zwischen Zug 1 und 2 gibt es knappe fünf Minuten Verspätung, die von der großzügigen Umsteigezeit gnadenvoll geschluckt werden, in Berlin kommen wir etwas zu früh an, so dass der Bahnsteig noch nicht frei ist. Dann aber geht es vom Bahn-Chaos ins S-Bahn-Chaos von Berlin.

Auf der Stadtbahn kommen die Bahnen nur alle 10 Minuten, fahren aber immerhin dort, wo wir sie brauchen. So verbrauchen wir nochmal ordentlich Zeit, um zu der Station zu kommen, an der unsere gemeinsame Reise endet. Auch hier müssen wir aber nochmal eine Viertelstunde warten, bis die Bahn kommt, die das Kindelein heim zu Mama bringt. Es plaudert gelassen über eine Influencerin und schreibt mit einem Klassenkameraden, aber kurz vor Schluss wird es dann doch aufgeregt und emotional und muss nochmal kuscheln und sagen, wie schön der Urlaub war, bevor es zum ersten Mal ganz alleine in eine S-Bahn steigt und nochmal eine knappe Stunde fährt. Es ist auch schon ganz alleine im ICE quer durch Deutschland gefahren, aber Berliner S-Bahn ist dann doch nochmal ein anderer Schnack, findet es. Immerhin ist die Stellwerkstörung von früher am Tag behoben, so dass keine außerplanmäßigen Komplikationen zu erwarten sind. Nur halt die ganzen fremden Menschen, die eine Großstadt zu bieten hat. Es geht aber alles gut.

Weil das jetzt alles so lange gedauert hat, ist die nächste S-Bahn, die ankommt, die, in der der Liebste schon sitzt. Wir herzen und küssen uns nochmal, ich bekomme meinen Koffer direkt (alternativ hätte er ihn mir am Dienstag bringen können) und dann steigt er in die Bahn nach Südberlin (um kurz darauf zu einer sozialen Verpflichtung in Kreuzberg aufzubrechen) und ich in die Stadtbahn zum Alex. Dort noch in die Tram aussteigen und dann bin ich auch bald zuhause – als letzte aus der ganzen Urlaubsmannschaft, nach über neun Stunden. Ich bringe erst Rucksack und Provianttasche nach oben, dann den Koffer, und dann bin ich ganz froh, dass die Lauferei für heute ein Ende hat.

Die Katzen zeigen sich höchst erfreut, mich wieder zu haben, die Wohnung sieht bewohnt und gepflegt aus, ein Vorteil der neuen Mitbewohnerinnensituation. Meine Abwesenheit wurde auch genutzt, um den Avocadopflanzen der Mitbewohnerin mehr Licht im Wohnzimmer zu gönnen – sehr dekorativ.

Ich fülle einen Wassernapf auf, gieße den Basilikum und füttere die Katzen, dann ist schon alles Dringende erledigt. Schnell Sushi bestellen, Provianttasche und Rucksack auspacken (der Koffer ist morgen dran), Tee kochen und die neue Tasse einweihen, Sushi entgegennehmen. Durchatmen.

Zur Abendunterhaltung gibt es die ersten drei Folgen von Étoile, der neuen Serie von Amy Sherman-Palladino. Leichte Anlaufschwierigkeiten bei mir, aber Luke Kirby, Charlotte Gainsbourg und vor allem die Figur der Cheyenne Toussaint werden es wohl rausreißen. Plus die anderen Gaststars aus dem Palladino-Universe – Alfie, Michel, Emily und Headmaster Charleston habe ich schon entdeckt.

Unbändige Müdigkeit zwingt mich gegen halb 11 ins Bett, eng bekuschelt von zwei flauschigen Miezen, aber mit viel Platz ansonsten und ganz ohne Dobby.