04.03.2024 – Überraschend okay

Ich hatte ja lange wach gelegen und mich gestresst und wache dann natürlich auch noch nach weniger als sechs Stunden Schlaf auf und stresse mich weiter. Tolle Wurst. Der arme Liebste hat gar nicht verdient, dass ich beim Telefonat so ungehalten bin, hat aber zum Glück Verständnis (Ich habe da einen guten Fang gemacht. Pünktlich um 9 sitze ich am Laptop und arbeite erstmal alles mögliche ab und nach und auf und löffele nebenher ein Müsli mit Chai (Milch war alle.) und trinke Tee. Um 11:30 dann Meeting mit Dortmund, sehr angenehm und produktiv und mit einer Menge Action Items für mich hinterher, die ich aber auf später verschieben muss.

Direkt um 12 geht es nämlich erstmal raus, auf eine Spaziergangs-, Eis- und Einkaufsrunde mit dem Lieblingsnachbarn. Das haben wir schon lange nicht mehr hinbekommen und tut sehr gut. Wir reden hauptsächlich über Arbeitsdinge, aber eher auf einer abstrakten Meta-Ebene als über konkrete Projekte, da wir ja nicht in der gleichen Firma arbeiten. Büro-Umzug, Homeoffice vs. Präsenzpflicht, Live-Meetings vs. Videokonferenz bzw. asynchrones Arbeiten sowie Remote-Kolleg*innen vs. Vor-Ort-Kolleg*innen beschäftigen uns aber beide – ihn als Geschäftsführer, mich als Kommunikationsmensch.

Kokos und Limone-Minze-Erdbeere

Wieder zuhause räume ich die unterwegs gekaufte Milch weg, füttere die Katzen, deren Näpfe morgens noch so voll waren, und setze mich wieder an den Schreibtisch. Der Nachmittag ist voll von Meetings:

  • 13:45 Ostfriesland, Dortmund und Warschau
  • 14:30 Südengland
  • 15:00 Paris
  • 15:30 kurze Pause zum Bearbeiten inzwischen eingetrudelter Nachrichten und Chats bzw. von ersten Action Items aus den Meetings
  • 16:00 Ostfriesland
  • 16:30-17:00 nochmal kurze Pause, weitere Absprachen
  • 17:00 Team-Meeting mit Nordengland, Südengland, Paris und Chicago

Um 18 Uhr klappe ich den Laptop zu und gehe wieder nach draußen, zum Copyshop, das sind etwa 20 Minuten Fußmarsch, evtl mache ich das jetzt öfter, wenn ich Druck- und Kopieranliegen habe, kostet Geld aber ist näher als das Büro. Dort drucke ich ein Projekt, an dem ich seit Freitagnachmittag gearbeitet hatte, 50 mal in bunt auf dickerem Papier aus – das hätten wir im Büro eh nicht gehabt. Auf dem Heimweg erreiche ich mein Schrittziel.

Gegen 7 esse ich Portion 2/3 des Topinambur-Gratins von gestern und telefoniere mit dem Liebsten. Der Tag war am Ende zwar voll und anstrengend, aber weniger stressig als die Nacht über befürchtet, evtl haben die beiden längeren Spaziergänge dazu beigetragen. Nach dem Auflegen überlege ich gerade, was ich mit dem restlichen Abend anfange, da meldet sich die Freundin und Kollegin aus Frankreich und Zack telefonieren wir mal wieder zweieinhalb Stunden – ist ja schon ein Weilchen her. Währenddessen schlafen die Katzen auf mir ein und so braucht es danach noch eine ganze Weile, bis ich aufstehe und mich bettfertig mache. Ich schlafe schnell und tief ein und schlafe seit langem mal wieder durch (wenn auch immer noch zu kurz)

03.03.2024 – Ausgleichssonntag

Kurze Nacht mit sechs Stunden Schlaf brutto und einer Unterbrechung zwischendrin. So langsam nervt es mich, vor allem, wenn ich die Gründe nicht verstehe, so wie heute. Als ich hellwach bin, ist es kurz vor halb 9, wirklich munter bin ich irgendwann später. Immerhin habe ich bis auf die Katzen sturmfrei und auch keine terminlichen Verpflichtungen. So kommt es, dass ich erst nach ausführlichen Herumliegen irgendwann nach 11 aufstehe und gegen 12 dann mit Frühstück auf dem Sofa sitze. Beim Aufstehen war noch Sonne auf dem Balkon und ich hatte Lust, direkt die Balkonsaison auch noch einzuweihen, aber als alles fertig ist, sind Wolken am Start und es ist direkt kalt.

Avocadobrot mit Koriander, zwei Eier im Glas mit Forellenkaviar, Flohsamen in Apfelsaft, frisch gepresster Mandarinen- und Limettensaft, Kräutertee

Nach dem Frühstück kommt dann der Reset für den Haushalt – zumindest das Nötigste davon. Küche aufräumen, Wäsche waschen, Wäsche zusammenlegen und verräumen, Pflanzen gießen, Bett neu beziehen, Katzenklo durchsieben, Müll runterbringen… Dann erstmal wieder ausruhen, bis es klingelt und der Hase mit einem Care-Paket von seiner Mama vor der Tür steht. Es gibt eine Packung Eier und einen Beutel voll Topinambur. Da der Hase auf dem Sprung ist, räume ich nur schnell die Sachen weg und ruhe dann noch ein wenig weiter aus. Die ganze Zeit über höre ich übrigens nebenbei den „Alles gesagt“-Podcast mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Spannende Sache.

Als der Podcast zu Ende ist, ist der nächste Schritt dann Folge zwei des „Sportprogramms für Vielsitzer“ [sic]. Nachdem ich in den letzten Wochen erst krank und dann renonvaleszent bzw. beschäftigt war, wird es Zeit weiter zu machen, damit ich bis irgendwann im Juni, wenn die Frist abläuft, alle zehn Folgen schaffe. Ganz schön anstrengend, vor allem die Aufwärmphase am Anfang. Danach kurz ausschwitzen und dann geht es gemütlich in die Badewanne zur ausführlichen Grundreinigung. Ich nehme extra kein Entspannungsbad, so dass ich mich hinterher direkt der Essenszubereitung widmen kann, statt einzuschlafen.

Nach dem Konsultieren verschiedener Topinambur-Rezepte fabriziere ich dann eine Mischung aus allem – ein Gratin mit Ei, Butter, Hafermilch- und Quarkresten (statt Sahne), Knoblauch, Safransalz, Muskat, Thymian und Grana Padano. Lecker und mit den bei Topinambur üblichen Nachwirkungen. Mindestens eine Portion ist noch für morgen da. Und dann halt noch die andere Hälfte der Tüte für irgendwann.

Wegen des verschobenen Tagesrhythmus gibt es das Essen schon kurz nach 18 Uhr, aber verdauungstechnisch ist das ja bestimmt nicht so falsch. Nach dem Essen ist es jedenfalls noch sehr früh und ich bin sonntäglich entspannt, also lese ich ein Kapitel weiter im Grass. Dann schaue ich einen Film und finde eher zufällig auf Netflix einen sehr guten – Nuovo Olimpo von Ferzan Özpetek. Ich schaue ihn im italienischen Original mit italienischen Untertiteln dazu und bin am Ende hochemotional, auch wenn ich natürlich nicht jedes Wort verstanden habe. Es ist dann gegen halb 10. Ich quatsche noch kurz mit dem nach Hause gekommenen Mitbewohner und mache mich dann bettfertig.

Um 10 liege ich und lese weiter bei Joan Didion. Zwischendrin fällt mir etwas ein, woran ich morgen bei der Arbeit denken muss, nehme mir mein Diensthandy und markiere eine Mail aus ungelesen, damit ich weiß, dass ich morgen damit befassen muss. Dummerweise fällt mein Blick dabei noch auf eine weitere Mail und ich öffne sie und lese sie und danach bin ich schon wieder ganz unentspannt und denke über mögliche Reaktionen meinerseits nach. Dies, während ich das ganze Buch noch zu Ende lese (bis halb 1) und während ich danach versuche, endlich einzuschlafen (bis gegen 1) und dann direkt am nächsten Morgen wieder, als ich viel zu früh aufwache. Grummel. Blödes Ende für einen eigentlich sehr tollen Sonntag.

02.03.2024 – Dreiviertel Programm am Samstag

Was für eine Nacht das war – das Teilzeitkind und ich vergleichen am Morgen unsere Wachzeiten und können uns erstaunlich gut erinnern, wann wer auf Klo war usw. Nach 23 Uhr einschlafen wachte ich gegen halb 3 kurz auf, schlief wieder ein, wachte kurz vor 5 wieder auf, weil das Teilzeitkind aufs Klo ging, dann ging ich aufs Klo und machte es wieder wach, dann kam um 5 die Mitbewohnerin nach Hause (und weckte es nochmal, ich hingegen war noch wach), dann wälzte ich mich ungefähr zwei Stunden herum, döste immer mal kurz weg, dann war wieder irgendwas – mal wusste ich nicht, wohin mit alle meinen langen Gliedmaßen, die nachts die merkwürdigsten Schmerzen auffahren, dann lagen der Liebste und ich so, dass er mich anatmete und ich wieder wach wurde und mich wegdrehen musste… Dann war das Teilzeitkind irgendwann endgültig wach und machte nebenan Kinderdinge und irgendwann muss ich dann nochmal eingeschlafen sein, bis der Liebste kurz vor 10 nach fast 11 Stunden ununterbrochenem Schlaf erwacht und Kaffee macht. Laut meinem FitBit sieht das ungefähr so aus:

Brutto 8:45h, Qualität „mäßig“

Ich hätte dann jetzt bitte danke mal wieder eine Nacht mit 7-8 Stunden einfach durchschlafen. Anyway… Da ich ja in den vielen Wachphasen schon den Großteil des Internets durchgelesen habe, reicht die Zeit bis zum Aufstehen für eine Tasse Kaffee und Bloggen locker aus, dann ist es Zeit, auf den Markt zu gehen.

Wir kaufen Obst, Brot, Aufstriche, Oliven, Tabouleh, Börek und Quarkbällchen. Am Eierstand ist eine ewige Schlange und da der Liebste eh nochmal in den Supermarkt muss, holen wir die Eier eben dort. Voll bepackt kommen wir nach Hause und decken kurz vor 12 den Frühstückstisch. Ich sage meinen AquaFitness um 13 Uhr ab – das wäre zu knapp und ich fühle mich auch nicht fit genug dafür, nach dieser Nacht Woche. Stattdessen essen wir gemütlich und überlegen, am Nachmittag irgendwann entspannt Schwimmen und in die Sauna zu gehen.

Nach dem Frühstück ist aber erstmal Zeit für Siesta. Der Liebste zockt am Schreibtisch, ich zocke im Bett, das Teilzeitkind macht über WhatsApp eine Challenge mit dem Nachbarskind, wer innerhalb von einer Stunde mehr Zimmer aufräumen kann – hat halt jede*r so seine Hobbies. Während der Siesta wird klar, dass hier heute niemand mehr Schwimmen geht. Ein längerer Spaziergang steht noch im Raum, aber je mehr der Tag fortschreitet, desto kürzer wird der gedanklich. Irgendwann wechselt der Liebste vom Spielen zum Aufräumen, ich halte hingegen weiter tapfer durch (und komme heute ordentlich weiter, nachdem ich die ganze Woche nur wenig dazu kam).

Dann kommt das Nachbarskind in persona vorbei und wir brechen alle gemeinsam auf zum Spazieren – zum Eisladen nämlich, der gestern die Saison eröffnet hat. Wir kommen unseren nachbarschaftlichen Pflichten selbstverständlich gerne nach und eröffnen unsererseits die Saison.

Nach dem Essen ziehen die Kinder ab Richtung Einkaufsstraße und der Liebste und ich gehen nochmal schnell etwas für heute Abend einkaufen. Wieder zuhause kocht der Liebste Abendessen und ich daddel weiter vor mich hin. Irgendwann kommt das Kindelein zurück – es hat einen Stift gekauft und Schleim gewonnen, ein guter Tag also – und ich packe so langsam meine Sachen zusammen. Schwer bepackt nehme ich die S-Bahn nach Schöneberg und bringe das gesammelte Kindheitslego von meinem Bruder und mir zu einer Freundin und ihren Kindern. Es lagerte die letzten Jahre bei meinem Bruder und kam jetzt beim Umzug wieder zum Vorschein. Das Teilzeitkind ist dem Lego-Alter schnell entwachsen und bei den Kindern meiner Freundin ist das alles gut aufgehoben.

Da dort alle krank sind, quatschen wir nur kurz ein paar Minuten an der Tür, dann fahre ich weiter mit der S-Bahn nach Mitte, steige um in die U-Bahn nach Friedrichshain (ärgere mich dabei über eine Schulklasse aus Spanien, wie so eine echte Berlinerin) und komme kurz nach 20 Uhr auf der Geburtstagsfeier meiner Cousine an.

Nach und nach trudeln die anderen Gäst*innen ein, darunter ihre beiden Schwestern und mein Bruder, und es wird ein schöner Abend mit interessanten Gesprächen. Wie jedes Jahr aus Gründen über die Berlinale, über Arktis- und Antarktisexpeditionen, über das Leben mit und ohne Kindern, die aktuelle Politik etc. Mein Bruder und ich erzählten uns lang und breit wie stressig unsere letzten Wochen waren (Einerseits ja schön, dass ich damit nicht alleine bin und es also nicht nur an meinen Entscheidungen liegt, andererseits erschreckend, dass das wohl ein gesamtgesellschaftliches Problem ist.) und stießen dann darauf an, dass seine unnötig spannende Krankheitsgeschichte vom letzten Jahr jetzt ein Jahr her ist und er immer noch und wieder gesund da ist (letztes Jahr hatte er die Party wegen Bauchschmerzen absagen müssen wurde und am nächsten Tag notoperiert).

Kurz nach 1 mache ich mich langsam aufbruchfertig, dann gehe ich zur U-Bahn, warte mitten im Szenekiez 13 Minuten auf den Zug, dafür kommt die S-Bahn beim Umsteigen direkt. Kurz nach 2 bin ich endlich zuhause, bereite den Katzen noch schnell eine Bestechungsmahlzeit für möglichst langen Schlaf zu, lasse sie schnell nochmal auf den Balkon und gegen halb 3 ist dann endlich Schlafenszeit. (Spoiler: Weniger als sieben Stunden und mit mehreren Unterbrechungen)

01.03.2024 – Wie, schon März?

Ich wache auf (viel zu früh, yada yada) und ein Sechstel vom Jahr ist schon wieder rum. Time flies when you‘re having fun oder viel zu tun. Heute beginnt der Arbeitstag mit der monatlichen virtuellen Kaffeerunde, einem Überbleibsel aus Pandemiezeiten. Nach der ganzen Feierei am Dienstag bleibt die Runde verständlicherweise klein: Treffen sich vier Berliner*innen in einem Videocall und reden über ihre Essenspläne fürs Wochenende. Aber schee is scho. Es schließen sich längere Gespräche mit Lichtenberg und dann Ostfriesland an, bevor ich mich um die „normale“ Arbeit kümmern kann.

Darin heute:

  • Nutzungsdaten zum Intranet im Februar ziehen und aufbereiten
  • Betriebsjubiläen im März im Intranet veröffentlichen
  • Employee Appreciation Day zelebrieren und alle von ihren Mitarbeiter*innen nominierten Kolleg*innen dokumentieren und anschreiben (zwischendurch nudgen, damit die Kette nicht abbricht)
  • März-Newsletter für Diversity, Equity & Inclusion finalisieren
  • Frauentagsaktion für nächste Woche weiter vorbereiten (in Kollaboration mit Madrid und London)
  • Ein halbstündiges Interview mit einem Unternehmer in den Niederlanden führen und das Ergebnis hinterher trotz technischer Probleme weitestgehend aufbereiten und zur Abnahme schicken, drumherum Kommunikation mit Kollegen in Warschau
  • Abstimmung mit der Chefin zu einem Projekt, das jetzt überraschend doch wieder auf meiner To-Do-Liste gelandet ist
  • Wochenbericht schreiben

Zwischendurch gibt es die Risotto-Reste von gestern als schnelles Mittagessen und ich packe meine Tasche fürs Wochenende. Es dauert bis 18 Uhr, bis ich den Laptop zuklappen kann. Dann geht es mit zwei S-Bahnen (die U-Bahn wird heute bestreikt) nach Südberlin. Ich nutze die Fahrtzeit geschickt für meine Italienisch-Aufgaben und treffe dann den Liebsten und das Teilzeitkind beim Stammitaliener. Heute ist Gönnung angesagt.

Sarti Spritz ist inzwischen mein Go-To-Aperitivo
Lachs-Carpaccio, Rinder-Carpaccio, Vitello tonnato und Bruschetta
Spaghetti Frutti di Mare

Ja, die Meeresfrüchte sind ein Wagnis, aber wir verstehen uns mit den Betreibern des Restaurants so gut, dass sie mir schon nichts vorsetzen würden, was mich krank macht. Schön auch die Frage: „Willst Du das Original oder mit Tomatensauce?“ Die Antwort war wohl klar. Der Cattaratto dazu war leider ausverkauft, stattdessen wurde uns ein Ca‘ dei Frati empfohlen, der auch sehr lecker war. Während des Essens baut das leicht angeschlagene Teilzeitkind spürbar ab. Eine halbe Pizza bleibt übrig und Eis wird verweigert, also verzichte ich auch auf Dessert (nächstes Mal dann aber die Zabaione!) und wir bezahlen schnell und gehen heim. (Auf die traditionellen heimlichen Süßigkeiten zum Abschied verzichtet das Teilzeitkind natürlich keinesfalls, das Versteckspiel vor uns gehört schließlich zum Ritual und man kann ja nie genügend Süßigkeiten auf Vorrat haben). Auf dem zweiminütigen Heimweg kuschelt es sich dann aber zitternd an mich und verschwindet zuhause direkt im Bett.

Der Liebste und ich teilen uns noch den Rest Wein – er zockend am Schreibtisch, ich zockend im Bett und dann ist bei uns um 23 Uhr auch das Licht aus.

29.02.2024 – Das Gegenteil von gestern

Ich stecke in einer Früh-Aufwach-Schleife fest, schon wieder ist es erst kurz nach 6. Heute weckt mich das Geräusch zweier Katzen, die rechts und links von mir sitzen und sich synchron kratzen. Dann hören sie auf, legen sich wieder hin, schlafen weiter und ich bin halt wach. Wenigstens schaffe ich es so, meinen Vorsatz für heute einzuhalten. Eigentlich war der für gestern, aber gestern ging ja nichts. Heute aber stehe ich gegen 8 auf (nach einem ersten Check des Diensthandys und dem Beantworten erster Nachrichten), ziehe mich an, telefoniere mit dem Liebsten und gehe direkt nach Draußen.

Es ist kalt, gerade erst hat sich der Morgen aus den Minusgraden verabschiedet. Der Kaffeemann unten im Haus stellt die Stühle und Tische raus. Der Platz drinnen ist so gering, dass das Draußenmobiliar bei Wind und Wetter das ganze Jahr über draußen stehen muss, weil man sich sonst drinnen nicht bewegen könnte. Also wird es draußen hingestellt und wo es Außenmobiliar gibt, setzen sich Berliner*innen hin, das ganze Jahr über. So auch nachher wieder, wenn ich zurückkomme. Erst einmal laufe ich jetzt aber zu meiner Hausarztpraxis. Im Wartezimmer tragen alle Maske, ich auch. Die Sprechstundenhilfe reagiert verwundert über mein Ansinnen, mir meine Ausweiskopie von der Hausärztin beglaubigen zu lassen, zieht aber meine Karte durch und bucht mich ein.

Ich nutze die Wartezeit und arbeite auf dem Handy weiter, bis ich aufgerufen werde. Die Ärztin ist ebenfalls verwundert, aber hilfsbereit. Sie versteht gut, dass ich nicht nochmal einen Bürgeramtstermin angeln möchte für diesen Vorgang. Am Ende wünschen wir uns beide, uns hoffentlich nicht so bald wieder zu sehen und noch einen schönen Tag. Auf dem Heimweg mache ich noch Besorgungen in Apotheke und Drogeriemarkt. Die Sonne ist rausgekommen und natürlich sitzen diverse Menschen vorm Café, als ich ankomme. Ich aber nicht, ich mache oben den Katzen und mir Frühstück (Müsli, Apfel, Tee) und sitze dann ab 10:00 am Schreibtisch.

Jetzt widme ich mich der Auswertung der Umfrage zum Internationalen Tag der Muttersprache [sic] die ich gestern geschlossen habe. Erst müssen Daten bereinigt werden (es gab viele Freitextfelder), dann kann ich rechnen, Grafiken erstellen etc. Ich komme auf ein paar schöne Ergebnisse, die in den nächsten Tagen noch intern und extern verwurstet werden. Wenn das geschehen ist, kann ich hier etwas davon teilen (wenn ich es nicht vergesse). Unterbrochen wird diese Arbeit durch einen Call mit Paris, bei dem ich eine Kollegin durch einen Prozess auf unserer Corporate Website führe und merke, dass ich doch ein bisschen mehr Ahnung von HTML und allgemein Technik habe, als der Durchschnitt. Das mal mental notieren für die Zukunft.

Nach dem Call mache ich meine Umfrageergebnisse schön und teile sie mit den Kolleginnen, die mit mir an der weiteren Verwurstung arbeiten sollen. Außerdem wähle ich zwei Teilnehmerinnen für die weitere Berichterstattung aus und lose aus allen Teilnehmenden aus, wer einen und welchen der ausgelobten Preise erhält. Dann ist schon wieder Meeting – mit Biesdorf, Lichtenberg, Charlottenburg und Ostfriesland. Das zieht sich eine gute Stunde und dann ist es schon 14 Uhr, Zeit für Mittagspause.

Ich scanne meine Ausweiskopie ein und schicke sie per E-Mail an die nervige Versicherung, dann tue ich sie auch noch in einen Briefumschlag und trage diesen zur Post. Am frühen Nachmittag muss ich hier wenigstens nicht anstehen und kann ihn direkt als Übergabe-Einschreiben loswerden. Unglaublich, was für Aufwand und und Kosten aus dem Kündigen eines einzigen Versicherungsvertrags entstehen. Ich hoffe, diesmal kommt alles an und das das Thema dann endlich abgeschlossen wird, bin aber nur verhalten optimistisch. Natürlich werde ich für den Freundeskreis Spannungsbogen weiter berichten. Mein Schrittziel habe ich jedenfalls heute damit auch schon erreicht.

Wieder zuhause habe ich ein wenig Zeit, weil ein für den Nachmittag geplanter Call auf morgen verschoben wurde. Ich kann also an verschiedenen Projekten weiterarbeiten und springe munter hin und her, wenn ich bei einem nicht weiterkomme oder keine Lust mehr habe. Dazu höre ich laute Musik und knabbere Fenchelsamen-Taralli. Um 18 Uhr mache ich Feierabend und erstmal noch eine Runde Haushalt – sauberes Geschirr verräumen, Katzenbrunnen auffüllen, Katzenklo durchsieben, neues Katzenstreu aus dem Keller hochholen, Müll wegbringen… Jetzt fühlt sich das Haushaltsthema wieder etwas mehr im Griff an – ich war ja gefühlt seit Wochen entweder nicht da, oder am Schreibtisch, oder malade im Bett.

Und dann wird gekocht. So richtig. Und kleinteilig, nach diesem Rezept aber leicht abgewandelt, weil keine Schalotten da (mehr Knoblauch!), keine Hühnerbrühe da (Gemüse ist auch gut), kein Parmesan da (aber Grana Padano) und weil ein halber Teelöffel Fenchelsamen ja ein Witz ist (bei mir aus dem Handgelenk eher zwei). Das dauert alles seine Zeit, aber das tut auch gut und nebenbei wird die Küche weiter aufgeräumt.

Nach dem Essen telefoniere ich kurz mit meinem Bruder und dann schaue ich die letzte Folge der Joey-Kelly-&-Family-Panamericana-Doku, durch Patagonien und Feuerland bis Ushuaia – der einzige Teil der Strecke, den ich aus eigenem Erleben kenne. Der Perrito-Moreno-Gletscher sieht auf Luftbildaufnahmen noch beeindruckender aus als von der Besuchertribüne aus (zumindest in meiner Erinnerung von vor 25 Jahren). Ich hätte dann jetzt auch Lust auf so einen ewig langen Roadtrip (sie waren über 100 Tage unterwegs), aber bitte danke ohne die Fernsehkameras und das ständige Reflektieren vor der Kamera dabei. Ich würde aber versprechen zu bloggen! Sagt Bescheid!

Es ist dann schon nach 22 Uhr, ich mache noch schnell Italienisch mich dann langsam bettfertig, halb 11 liege ich. Der Mitbewohner geht nochmal kurz los, etwas einkaufen, seine Heimkehr bekomme ich schon nicht mehr mit.

28.02.2024 – Einfach liegen

Zack, da ist es wieder, ein paar Tage voller Aktivität und schon liege ich einen Tag flach, danke Pandemie! Heute dann auch noch mit ordentlichen Kopfschmerzen zur allgemeinen Erschöpfung. Natürlich habe ich auch wieder zu wenig geschlafen und war nach Bett um 1 und irgendwann Klo zwischendurch schon wieder vor 7 wach. Folgerichtig also heute Bett-Office, damit geht es einigermaßen gut. Ab 9 habe ich also den Blick auf dem Diensthandy, kurz danach auch den Laptop dazu am Start.

Zum Glück ist meetingfreier Mittwoch, das erleichtert alles ein wenig. Und große Baustellen gibt es heute auch nicht. Stattdessen an verschiedenen Projekten jeweils Kleinigkeiten gemacht. Eine Presseanfrage muss beantwortet werden, das erfordert Koordination mit verschiedenen Fachabteilungen. Ein paar Dinge müssen im Chat besprochen und abgestimmt werden. Eine E-Mail an alle Manager*innen zu einem neuen Prozess muss herausgeschickt werden. Irgendwo zwischendrin habe ich dann genug Hunger, um mir ein Müsli mit Joghurt und Orange zu machen, einen Ingwer-Kurkuma-Tee zu kochen und bei der Gelegenheit auch die Katzen zu füttern und ein paar Worte mit dem Mitbewohner zu wechseln. Da ist es nach 11.

Danach bastle ich weiter an zwei Texten herum, einer auf Englisch, einer auf Deutsch, helfe der Kollegin in Frankreich mit einem technischen Problem im Backend, mache ein Update auf unserer Firmenwebseite und dann ist erstmal nichts wirklich Dringendes mehr zu tun. Ich beschäftige mich eine Weile mit dem Thema „Essen“ und beschließe schließlich, wieder etwas zu bestellen. Heute mag ich nicht aus dem Bett. Es werden dann Köttbullar mit Gurkensalat und zum Nachtisch Milchreis mit Apfelmus – alles in vegan.

Bisschen viel Sauce über die Bullar gekippt, aber sie sind da drunter!

Um 18 Uhr schließe ich noch das Formular für eine Umfrage, die wird morgen ausgewertet. Dann ist auch ganz offiziell Feierabend. Ich wechsle vom Dienstlaptop zum Privatlaptop und schaue die dieswöchige Jon-Stewart-Folge der Daily Show vom Montag, die Jubiläumsfolge von Seth Meyers mit Gast Joe Biden von gestern (der alte Mann ist witzig!) und dann wechsle ich zu „The West Wing“ und beginne die sechste Staffel. Es geht um Gaza und Israel – nichts mit Eskapismus heute. Es guckt sich so weg und dann ist es plötzlich schon 23 Uhr. Schnell Zähne putzen und Licht aus, damit morgen wieder mehr Energie da ist!

27.02.2024 – Trubeltag

Wieder viel zu früh aufgewacht, aber diesmal immerhin schon nach 6. Trotzdem nicht ideal für den anstehenden langen Tag. Und zwischen wach und munter ist ja auch nochmal ein Unterschied, ich bin nicht wesentlich früher durch mit meiner Morgenroutine als sonst, aber immerhin kurz nach 9 im Büro. Dort ist schon einiges los, denn heute machen wir die offizielle Einweihung und zu diesem Behufe kommen einige Leute rein, die man sonst nie oder selten sieht, außerdem ist neben den schon gestern anwesenden Kolleg*innen aus Polen und Italien jetzt auch noch einer aus Frankreich da. Im Laufe des Tages trudeln dann auch noch Leute aus allen Ecken Deutschlands ein.

Der Laden brummt sozusagen und ich bin ganz froh, dass ich mich in mein kleines Kämmerlein zurückziehen kann, dass ich meistens für mich alleine habe, um wenigstens ein bisschen was zu schaffen. Zum Glück fällt ein Meeting komplett aus, weil die Kollegin krank ist, ein weiteres wird aus Zeitgründen auf der anderen Seite auf Donnerstag verschoben. Zwei recht produktive Meetings haben wir aber live vor Ort, ein weiteres während der „Mittagspause“ (heute gibt es Sushi).

Drumherum bebildere ich einen Text und bastle an einem anderen, korrigiere einen dritten und schreibe E-Mails zum Abklären von Dingen. Und dann gibt es halt auch viele Gespräche mit Leuten, die ich seltenst sehe und mit denen ich im Arbeitsalltag nichts oder fast nichts zu tun habe. Ich erfahre spannendes über unser Büro in Valencia, wo ich ja bald ein paar Tage sein werde, und wo es dort das beste Gebäck gibt. Ich gehe mit Kolleginnen, die aus Süddeutschland abgereist sind, Kaffee holen, da sie nicht die nötigen Zugangskarten haben, um die Maschine zu bedienen, ich unterhalte mich mit dem Kollegen in Frankreich darüber, dass Bürotage wichtig sind, aber eigentlich nicht mehr zu unserer globalen Arbeitsweise passen, wo jeder Tag mit Meetings und Tasks durchgetaktet ist, während im Büro per Definition alles unstrukturierter läuft, Meetings überzogen werden und spontane Gespräche dazukommen. Büro ist wichtig für Kultur und Teamgeist, stört aber eigentlich beim Arbeiten und ist ein Stressfaktor. Immerhin gut, dass das nicht nur mir so geht.

Ab 15 Uhr ist an Arbeiten nicht mehr wirklich zu denken, es wird schlichtweg zu voll mit Neuankömmlingen, einige haben sich seit vier Jahren nicht mehr live gesehen – danke Pandemie. Eine Kollegin hat Kuchen und Muffins mitgebracht und es ist viel Erzählens. Gegen 16 Uhr verabschiede ich mich final aus meinem Teamchat und stürze mich ins Getümmel. Ab 16:30 moderieren ein Kollege und ich einige Spiele, bei denen durch witzige Geschicklichkeitsspiele Preise gewonnen werden können. Das schafft einen guten Übergang von Arbeitsthemen zum Feiern. Es gibt Musik und erste Kaltgetränke. Ab 18 Uhr ziehen wir um in den inzwischen leeren Gemeinschaftsraum des Bürogebäudes, wir drehen die Musik lauter und holen die etwas schwereren Getränke hervor. Ganz Feierabend habe ich aber noch nicht – eine Person, die gerade im Bewerbungsprozess steht, wurde eingeladen, um mal das Team kennenzulernen und ich gehöre zu den Personen, mit denen sie sich intensiver unterhalten soll. Und auch mit dem Kollegen aus Frankreich muss ich jetzt nochmal Arbeitsdinge besprechen, wofür früher am Tag einfach keine Zeit war.

Irgendwann wird dann Pizza geliefert und die Arbeitsthemen verstummen endgültig. Wir reden über alte Zeiten, vergangene Kolleg*innen und Parties, private Dinge… Mit der Kollegin aus Italien geht es u. a. um die politische Situation dort, ums Aufwachsen in Südtirol und um die Rechte von Arbeitnehmer*innen in verschiedenen Ländern im Vergleich. Der Kollege aus Frankreich berichtet, wie er immer zum Zigarettenholen rüber nach Italien fährt, weil die dort deutlich billiger sind. Der Kollege aus Köln berichtet von seiner neuen Katze, die Kolleginnen in Teilzeit davon, wie gut es ist, heute statt Kinderbetreuung mal unterwegs sein zu können… Es wird ein guter und langer Abend und irgendwann tanzen wir tatsächlich wie früher. („Nur, dass die meisten von uns halt inzwischen über 40 sind und auch so aussehen“, sagt der Kollege aus Dortmund.

Kurz nach halb 1 packe ich meine Sachen zusammen und überlasse den Rest ihrem Schicksal. Weil die Bahnen um diese Zeit nur noch sehr vereinzelt fahren, nehme ich mir zur Feier des Tages ein Taxi und liege so schon kurz nach 1, fest umzingelt von den Katzen, im Bett.

26.02.2024 – Arm-Tag

Ich kenne mich ja mit Krafttraining nicht so aus, weiß aber, dass versierte Enthusiasten sich ihre Trainingseinheiten ein- und über die Woche verteilen und dass es wohl sowas wie einen Leg Day gibt, den man wohl keineswegs skippen sollte. Von daher gehe ich mal davon aus, dass es auch einen Arm Day gibt. Den habe ich jetzt wohl jedes Mal, wenn ich ins Büro gehe, welches mit diversen schwergängigen Türen ausgestattet ist. Ich prophezeie entweder regelmäßigen Muskelkater und in der Folge Arme wie Stahl oder eben Sehnenscheidenentzündungen und die Notwendigkeit einer Bürobefreiung. Es bleibt spannend.

Es ist völlig unklar warum, aber. Ach der hervorragenden Nacht gestern wache ich heute schon kurz nach 5 auf und kann dann nicht wieder einschlafen. Augen zu und einkuscheln, Lesen, Kreuzworträtsel… Nichts hilft. Irgendwann gebe ich auf und beginne halt den Tag. Halb 7 klingelt ungeplant der Wecker des Liebsten (also von ihm nicht aktiv geplant, die Einstellung ist noch von Freitag übrig und da das Smartphone nicht mitdenkt und beachtet, dass das Teilzeitkind heute nicht da ist, klingelt es einfach, wie vom User vorgegeben). Der Liebste ahnt davon nichts, sondern macht den Wecker aus und schläft weiter. Halb 8 klingelt dann mein Wecket und ich lasse ihn extra lange klingeln, weil es so langsam auch für den Liebsten Zeit wird, aufzuwachen. Den Wecker ignoriert er aber auch, erst als ich mich an ihn kuschle und ihm ins Ohr säusele, dass er jetzt mal Kaffee machen müsste, weil er in einer halben Stunde anfängt zu arbeiten, wird er munter. (Ich nehme an das Triggerwort hier ist nicht „Arbeit“, sondern „Kaffee“ gewesen.)

Wenige Minuten später liegen wir mit Kaffee im Bett und lesen uns wach – also der Liebste sich. Kurz vor 8 stehe ich auf und gehe ins Bad. Dann esse ich schnell die letzten beiden Babybananen und ein Schokocremebrot. Kurz nach 8 verabschiede ich mich vom Liebsten, der nun tatsächlich mit der Arbeit beginnt, und mache mich mit Podcast auf den Ohren mit S- und U-Bahn auf den Weg ins Büro. Ich komme streikfrei durch und bin dann noch deutlich vor 9 da, zeitgleich mit einem Kollegen und nach einer anderen Kollegin. Im Laufe des Tages füllt sich das Büro auf zwölf Personen an, dabei ist heute gar kein Pflichttag. Aber wir haben Besuch aus Ostfriesland, aus Dortmund und aus Florenz, das zieht natürlich auch Berliner*innen nach sich.

Den Vormittag über gibt es Gespräche und Erledigungen aller Art. Ich schreibe mit einer Kollegin in Salerno, kläre vor Ort etwas mit der Kollegin aus Florenz, richte den neuen Drucker auf meinem Laptop ein, lasse mich dazu von anderen Kollegen und den Leuten am Empfang beraten, erstelle eine Ausweiskopie (schon wieder…), schreibe eine Mail an den deutschen Standort, gratuliere einer Cousine zum Geburtstag und trinke dabei viel Mate. Dann geht es zu einem geschäftlichen Mittagessen, zu fünft, in einem panasiatischen Restaurant. Ich esse Glasnudelsuppe mit Tofu und Kimchi und Reis-Bowl mit Rindfleisch und Mango. Dazu gibt es einen Mango-Minz-Eistee mit Litschi und hinterher einen vietnamesischen Kaffee.

Danach laufen wir schnell zurück zum Büro, wo um 14 Uhr schon das nächste Meeting wartet. Sieben Menschen in Berlin verteilen sich auf drei Räume und wählen sich von drei verschiedenen Laptops in ein Meeting mit einem Kollegen in Polen ein. Als das fertig ist, setzen sich vier von uns nochmal gemeinsam in einen Raum und besprechen Dinge. Dann geht es in der Fünferrunde vom Mittagessen weiter bis kurz nach 17 Uhr. Eine knappe Viertelstunde verspätet wähle ich mich dann in mein Teammeeting ein – Nord- und Südengland, Paris, Chicago, alle wieder da. Heute fassen wir uns aber kurz und sind schon vor 18 Uhr fertig.

Ich helfe noch schnell einem Kollegen mit etwas und dann geht es zu dritt mit der U-Bahn nach Hause. Am Alex trennen sich unsere Wege. Der eine Kollege fährt weiter gen Norden, ich zeige der Kollegin aus Florenz, wo sie eine schöne Flasche Wein für den Abend bei einem ehemaligen Kollegen kaufen kann und fahre dann mit der Tram zurück in den Prenzlauer Berg. Post aufmachen, Katzen begrüßen, Rucksack und Sporttasche weitestgehend auspacken und ein Tulpenfoto für den Bruder machen (so langsam ahnt man, wo bald Knospen sein könnten).

Dann kurzer Smalltalk mit dem Mitbewohner und seinem Besuch und dann lege ich mich mit einer Feierabendlimo (Ingwer-Estragon) auf das Bett und telefoniere mit dem Liebsten. Danach mache ich mir eine Stulle und Fenchel zum Abendbrot (und ein paar Chips, von der anderen Seite der WG), gucke ein wenig TikTok, schreibe mit einer Freundin und bin unheimlich müde. Kurz vor 21 Uhr erbitte ich mir eine ungestörte Stunde im Bad, lege mich in die Wanne und fange ein neues Buch an – für Grass oder Italienisch habe ich heute nicht genug Kapazitäten frei. Stattdessen fange ich mit Joan Didions „The Year of Magical Thinking“ an. Auch keine leichte Kost, aber wenigstens leicht geschrieben.

Kurz vor 22 Uhr liege ich im Bett, auf jeder Schulter eine Katze – ich wurde sehr vermisst – und versuche, trotz des Türmuskelkaters und der Vorgänge in der Küche (es wird dann jetzt gekocht), gut und schnell einzuschlafen.

25.02.2024 – Und dann nischt wie raus

Als ich gegen 9 das erste Mal auf die Uhr schaue ist im Zimmer vom Tag draußen noch nichts zu ahnen – Verdunkelung kann der Liebste. Zack, mal eben neun Stunden durchgeschlafen. Irgendwann wacht auch der Liebste auf und bringt Kaffee, später noch eine zweite Runde, und wir bleiben einfach bis halb 12 oder so im Bett. Dann knurrt irgendwann mein Magen und ich forciere das Aufstehen. Gegen 12 gibt es gemütliches Sonntagsfrühstück, heute mit Krabben im Rührei, ausnutzend, dass das Teilzeitkind nicht da ist.

Bereits gestern haben wir den Plan gefasst, heute ins Draußen zu gehen und etwas zu unternehmen. Am Ende wird es zwar nicht der ursprüngliche Plan, aber in weiten Teilen ziehen wir es durch. Nach dem Tischabräumen ziehen wir uns also an und laufen dann nicht zur üblichen S-Bahn-Station, sondern in die andere Richtung, denn in diese wollen wir fahren und außerdem gilt es ja, etwas zu erleben. Der Liebste moppert nur am Anfang, weil das ja viel weiter und total sinnfrei sei, erkennt aber dann die Möglichkeit, mir eins auszuwischen, in dem er zustimmt. Da hat er aber die Rechnung ohne mich gemacht, ich spaziere ja gerne durch ungewohnte Gegenden und bei dem sonnigen Wetter heute erst Recht. Am nächsten S-Bahnhof dann sollen wir eine Viertelstunde auf die Bahn warten – irgendwas mit Polizeieinsatz – aber nicht mit uns, wir laufen einfach noch weiter. Bei der übernächsten Station sind es vier Minuten und das ist sehr OK.

Wir fahren raus nach Wannsee und schauen uns auf dem Weg dorthin die Gegend an – wo man gerne leben würde und wo eher nicht so, Abwägen zwischen schön grün und weit vom Schuss, völlig abgesehen vom Preis und der politischen Einstellung der Nachbarschaft. Am Schlachtensee stehen wir lange und gucken aufs Wasser, fast sind wir versucht, einfach hier auszusteigen, aber dann fährt die Bahn doch noch das letzte Stück. Am Wannsee selbst dann erstmal viel Baustelle. Wir entscheiden uns gegen eine Fährüberfahrt oder eine Ausflugsfahrt und laufen stattdessen grob Richtung Pfaueninsel – bereits ahnend, dass wir nicht bis ganz dahin kommen werden, aber auch unwillig, dann eben den Bus zu nehmen.

So laufen wir durch interessante Gegenden voller Segelvereine, Schulungszentren, Suchtrehas und historischer Stätten, bis man wieder ans Wasser kommt. Hier wird es dann kurz richtig naturnah und idyllisch.

Der Wunderlauch duftet schon

Dann kehren wir ein – wobei der Liebste findet, das Außengastronomie kein wirkliches Einkehren wäre – es gibt Cappuccino für ihn (er ist ja kein Italiener und darf das auch am Nachmittag) und Pflaumenkuchen und Fassbrause für mich.

Als es kühler wird, brechen wir wieder auf und laufen den gleichen Weg zurück. Kurz vor der Bahn kommt dann nochmal die Sonne zurück.

Wir fahren zurück, diesmal bis zur üblichen S-Bahn-Station, laufen zuhause und verschwinden dann am Rechner (der Liebste) bzw. im Bett (ich). Ich fange an zu lesen und schlafe fast direkt ein – nach über 14.000 Schritten nicht unerwartet. Als ich leicht desorientiert wieder aufwache ist es schon halb 7. ich lese mein Buch zu Ende (Sebastian Hotz – „Mindset“) und überlege, ob es für die Geschichte eine Vorlage aus dem Literaturkanon gibt, irgendwas klingelt da – gefühlt 18. oder 19. Jahrhundert, deutsche Klassiker oder russischer Schinken? Mal weiter drauf rumdenken. Ansonsten aber alles ganz unterhaltsam.

Als das Buch aus ist, ist es Zeit fürs Abendessen. Es gibt Reste von gestern und dazu und danach „The Marvels“ – für einen Superheldinnenfilm auch sehr unterhaltsam und deutlich besser als sein Ruf. Wir sind große Fans der Katzen und natürlich von Kamala Khan, die wir ja schon in der Serie so toll fanden. Weil ich so viel geschlafen habe, habe ich danach noch Energie und wir schauen die erste Folge von „Echo“, auch ganz nice, vor allem, weil wir gerade ja „Reservation Dogs“ zu Ende gesehen haben und es da einige Überschneidungen im Cast gibt. Statt noch einer Folge will der Liebste danach aber nochmal spielen und so lege ich mich ins Bett und lese endlich mal in Fabrizia Lanzas „L‘ultimo dei Monsù“ weiter. Also, ich lese mir das vor und versuche, dabei ungefähr zu verstehen, worum es geht. Mir fehlen viele Vokabeln und ich mag nicht ständig alles nachschlagen, aber durch das Vorlesen bleibe ich am Ball und bekomme gefühlt auch mehr mit. So bin ich ja auch durch Fabrizias „Tenerumi“ und Elsa Morantes „L‘isola di Arturo“ durchgekommen. Ich schaffe es heute von 17 bis 21 Prozent, immerhin. Dann mache ich mich bettfertig und bin gegen Mitternacht wieder schläfrig genug, um die Nacht zu beginnen.

24.02.2024 – Ein Jahr Tagebuchbloggen

Heute ist es ein Jahr her, dass ich mich motiviert genug fand, wieder mit täglicher Bloggerei zu beginnen. Ich kann es selbst kaum glauben, dass ich das durchgezogen haben, aber man kann jetzt hier tatsächlich 365 Tage aus meinem Leben nachlesen (Auch wenn immer mal wieder ein paar Einträge irgendwo im Entwürfe-Ordner hängenbleiben, weil die App nicht macht, was sie soll. Ich habe eben den 26.05., den 17.11. und den 31.12. noch mal manuell auf die helle Seite der Macht hinübergeschubst.) An den allermeisten Tagen gibt es eine reine Beschreibung meines Tagesablaufs und das ist wahrscheinlich nur für mich selbst wirklich interessant, um später mal etwas nachgucken zu können, manchmal für meine Familie, die dann interessierte Nachfragen stellt. Der Liebste findet zum Beispiel detaillierte Beschreibungen von Arbeit oder Essen überhaupt nicht spannend, muss aber da oft durch, um manchmal doch noch interessante Dinge mitzubekommen, die er sonst verpasst, weil ich Dinge ungern zweimal erzähle. Er nennt das Blog lesen dann „Hausaufgaben machen“.

Es gibt aber doch täglich Leser*innen hier und ab und an kommentieren sie auch – hier oder auf sozialen Netzwerken. Selbst wenn nicht, würde ich vermutlich auch so weitermachen, denn inzwischen gehört das hier zu meiner Tagesstruktur und hilft mir, jeweils am nächsten Morgen, Sinn in all das zu bringen, was ich so tagtäglich treibe. Das ist von außen vermutlich selten nachzuvollziehen, weil ich so viel weglassen oder verklausulieren muss, da ich ja unter Klarnamen blogge und sich weite Teile meines Alltags um Arbeit drehen, oder eben um andere Leute, deren Privatsphäre auch geschützt werden will. Sollte es dadurch oft langatmig oder mechanisch und schlicht nicht lesenswert werden, tut mir das (in Maßen) leid. Ab und zu gibt es sicherlich den einen oder anderen Gedanken über das reine Abspulen von Fakten hinaus und im Notfall gibt es ja immer noch Katzen-, Essens-, oder Urlaubsbilder zum Auflockern. Und wie immer gilt: „Nobody zwingt Dich“*, mitzulesen. („Mich schon“, wird der Liebste hier einwerfen.)

Anyway, zurück zu gestern:

Ich erwache kurz vor 9, unprompted, der Mitbewohner und sein Besuch schlafen noch, die Katzen auch. Hell ist es im Zimmer, so langsam muss ich die Verdunkelung für die Balkontür wieder anbringen, die im tiefsten Winter nicht nötig ist. Ich mache mir einen weißen Tee und lese gemütlich soziale Medien, Tagespresse (bei der Gelegenheit gleich mal das Probeabo gekündigt, yay me!) und Blogs. Dann blogge ich selbst und währenddessen ruft auch schon der Liebste an. Wir besprechen die Pläne für den Tag und dann bleibe ich noch bis 11 liegen, bevor das Aufstehen wirklich dringend wird.

Ich ziehe nach kurzer Katzenwäsche direkt meinen Bikini unter und mich dann an, packe Rucksack und Tasche für Sport, Wochenende und Büro, füttere die Katzen, mache mir Müsli mit Orange zum Frühstück… Währenddessen stehen auch irgendwann der Mitbewohner samt Besuch auf. Kurz vor 12 verlasse ich das Haus und fahre mit Podcast auf den Ohren und S- und U-Bahn nach Südberlin. Kurz hektisch wird es, als ich den Umsteigebahnhof verpasse, weil ich so in ein Wikipedia-Loch vertieft bin (die gestern erwähnte italienische Punkband, CCCP Fedeli Alla Linea) und zurückfahren muss, aber ich habe zum Glück genug Zeitpuffer.

Im Fitnessstudio angekommen suche ich mir einen Platz mit Riesenspind, um all mein Gepäck unterzubekommen. Dann habe ich noch Zeit für zwei Bahnen Schwimmen, bevor sich das Becken zum AquaFitness füllt. Heute ist wieder der Drill Sergeant da, der mich letztes Mal angeraunzt hatte, weil ich zu viel gelächelt hätte beim Sport. Er ist aber zahmer und ich bekomme die 45 Minuten gut herum. Vielleicht auch, weil durchs Oberlicht die Sonne auf meine Ecke vom Pool scheint und ich den Herrn so schlechter sehen kann. Danach geht es in die Finnische Sauna (wärmer als die im Hotel am Montag) und hinterher unter die kalte Dusche und in den Ruhebereich.

Ich ruhe und lese – nach der Finanzzeitschrift für Frauen vom letzten Mal heute im WWF Magazin. Klischeefittis sind anders. Dann gönne ich mir eine zweite Saunarunde (in der Mediensauna, mit visueller Untermalung von schneebedecktem Gebirge, ich hätte ja lieber die Mittelmeerschleife gesehen, aber die ist heute wohl nicht dran). Nochmal kalt duschen, nochmal ruhen, dann gehe ich ausführlich warm duschen, mit Haarewaschen, Föhnen usw., ziehe mich an, belade mich mit Gepäck und laufe durch den Sonnenschein und die Einkaufsstraße zum Liebsten.

Ich hänge meine nassen Sachen auf und dann legen wir uns erstmal kurz hin und chillen. Mein Rücken tut vom Tragen weh und ich habe Bauchmuskelkater vom Training. Irgendwann gegen 17 Uhr brechen wir dann nochmal auf und gehen in den Supermarkt, fürs Wochenende einkaufen. Dann setzt der Liebste die Gemüsebrühe an. Während die vor sich hinköchelt, spielt er (Ein neues Spiel ist auf dem Markt, das ist alles ganz aufregend.) und ich esse Rosinenschnecke und Babybananen als Nachmittagssnack, mache Italienisch und döse.

Nach etwa einer Stunde kocht der Liebste dann seine vegane Bolognese und dazu Spaghetti (die einzigen langen Nudeln im Supermarkt, die durch Kupferdüsen gepresst wurden) und ich mache einen Salat aus Rucola und Radieschen dazu. Nebenbei läuft laute Musik und mein Bruder ruft auch noch an. Dann gibt es Abendessen, auf dem Sofa herumlümmelnd, und dazu und danach schauen wir „Oppenheimer“. Der Liebste gibt zwischendrin immer wieder Zusatzwissen zum Besten und auch nach dem Film reden wir noch lange über das Thema, kulminierend in einer Dozentur des Liebsten über den Zweiten Weltkrieg im Pazifik und japanische Kriegsverbrechen. Da liegen wir aber schon im Bett und ich schlafe langsam ein.

*Zitat von Edgar Wibeau in Ulrich Plenzdorf: „Die neuen Leiden des jungen W.“, gutes Buch, damals auch hervorragendes Theaterstück im Deutsch-Sorbischen Volkstheater in Bautzen und mit dem damals heartthrob Jungstar Marian Bulang. Mit einer freiwilligen Buchvorstellung in der 10. Klasse habe ich dadurch mal meine erste Zeugnis-1 seit Jahren ergattert, aber ich schweife ab…