24.03.2024 – Sonntags im Park

Sehr gut geschlafen, mit einer kurzen Unterbrechung gegen 5 und am Ende nur bis kurz vor 8, aber wirklich gut. Was Gästebetten angeht ist dieses hier unglaublich bequem und natürlich hatten Kopf und Geist auch einiges an Erholung nachzuholen. Gemütliches Lesen und Bloggen im Bett, dann wird es gegen halb 10 Zeit, aufzustehen. Kurz die Dusche ausprobiert – in einer fremden Wohnung und besonders auch einem fremden Land ja auch immer ein Erlebnis – und dann für einen Sommertag angezogen, mit Sommerkleid und Flip Flops. Mit der Gastgeberin geht es ins Draußen, Madrid am Sonntagmorgen ist auf jeden Fall etwas ruhiger als gestern. Wir spazieren zu einer Churreria in der Nachbarschaft, die fast voll besetzt ist. Da wir nur zu zweit sind, bekommen wir noch einen Platz am Tresen und frühstücken Churros, Porras und frisch gepressten Orangensaft, wie sich das gehört.

Das Frühstück selbst – und die Gespräche seit gestern, bringen mich auf den Film Chocolat, den die Gastgeberin tatsächlich noch nicht kennt und der somit direkt auf unsere To-Do-Liste wandert. Nach dem Essen laufen wir am Prado vorbei hinüber in den Retiro-Park und promenieren ein wenig, mit längerem Aufenthalt am leider gerade wegen Bauarbeiten gesperrten Kristallpalast.

Dann suchen wir uns ein sonniges, grasiges Plätzchen am Wasser und sitzen für die nächsten Stunden da und plaudern, die nackten Füße im Gras.

Irgendwann bekommen wir Durst und wechseln in ein Lokal ein paar Meter weiter. Es gibt ein Glas Vermouth – hier gerade (?) sehr beliebt als Aperitif und für mich eine Zitronen-Granità, die natürlich auf Spanisch anders heißt. Verschiedene Straßenmusiker kommen vorbei und versorgen unsere Gespräche mit akustischer Untermalung.

Die Gastgeberin und ich sind in ein paar entscheidenden Punkten sehr unterschiedlich, in sehr vielen anderen aber total ähnlich, so zum Beispiel in unserer Trinkgeschwindigkeit und Verarbeitungsfähigkeit alkoholischer Getränke – aufgemerkt, Liebster, ich trinke sogar schneller als sie! Jedenfalls sitzen wir wieder ungefähr zwei Stunden hier und werden von dem einen Glas Vermouth beide ordentlich tipsy, was sich auf die Gesprächsqualität natürlich alles andere als negativ auswirkt. Dann spazieren wir wieder zurück zum Apartment, sitzen kurz auf der Couch und entscheiden uns dann beide sehr schnell für ein Mittagsschläfchen, obwohl es schon nach 18 Uhr ist. Ich schlafe ungefähr eine Stunde sehr tief und muss dann erstmal ordentlich kaltes Wasser anwenden – innerlich und äußerlich – um wieder in die Gänge zu kommen.

Kurz nach 20 Uhr gehen wir wieder raus zum Abendessen. Die Gastgeberin hat eine Pintxos-Bar avisiert, bei der es am für spanische Verhältnisse noch sehr frühen Abend tatsächlich noch Plätze gibt. Es riecht dezent nach Marihuana, es läuft laute Musik, die Deko ist bunt und die Stimmung ist sehr angenehm. Ob ich den Laden ohne die Gastgeberin entdeckt hätte, ist fraglich. Sie wohnt ja selbst erst ein gutes Jahr in Madrid (aufmerksame Leser*innen erinnern sich an die französische Kollegin in Dublin, die „bald nach Madrid zieht“ und mich einlud, sie dort zu besuchen), bekam die Empfehlung aber von einem ehemaligen gemeinsamen Kollegen von uns. Locals kennen, so wichtig!

Blauschimmelkäsecreme mit Feigenhonig, marinierten Radieschen und Brot, Räucherlachsschnittchen mit Brie, gedämpfte Artischocke mit Romesco-Sauce (davon am Ende zwei), geschmortes Rindfleisch mit Kartoffelgratin

Wir schwelgen in baskischen Leckereien und trinken jede einfach ein großes Glas Leitungswasser – und wir lassen Platz für Nachtisch.

Guaxo (ein Mix aus Sahne, süßem Teig und Crème brûlée bzw. Frischkäse-Flan)

Nach dem Essen (hier sowohl raffinierter als auch günstiger als gestern Abend) laufen wir noch zur Metro-Station. Die Gastgeberin zeigt mir, wie ich morgen zum Büro komme (sie wird im Homeoffice bleiben) und wir laden eine Plastikkarte mit Guthaben für insgesamt zehn Fahrten auf, damit sollte ich versorgt sein für den Rest des Aufenthalts. Wieder zuhause ist es kurz vor halb 10. Ich telefoniere zum zweiten Mal heute mit dem Liebsten (das erste Mal war auf der Wiese im Park) und dann gucken wir tatsächlich „Chocolat“ und ich hatte sehr Recht mit meiner Einschätzung, dass das ein Film für die Gastgeberin ist. (Wir blicken beide großzügig über Johnny Depp und Harvey Weinstein hinweg.)

Kurz vor Mitternacht ist der Film vorbei, kurz nach Mitternacht liege ich im Bett, kurz vor 1 schlafe ich endlich ein. Damn you, late siesta!

23.03.2024 – Auf nach Spanien

Heute ist es also endlich soweit, das erste große Soloabenteuer in diesem Jahr beginnt. Mein Körper dankt es mir natürlich mit unruhigem Schlaf. Nach dem Einschlafen kurz nach 21 Uhr wache ich noch vor Mitternacht das erste Mal auf, stelle meinen Wecker nochmal auf etwas früher, weil ich beim Nachrechnen feststelle, dass ich sonst das gebuchte Zeitfenster bei der Security evtl. nicht nutzen kann – also von 3:45 auf 3:30. Dann schlafe ich nochmal in zwei kurzen Etappen und bin dann um 3 Uhr knallewach. Ich beschließe, nicht noch eine halbe Stunde rauszupressen, sondern gucke kurz ein paar Minuten im Internet herum und stehe dann einfach schon auf.

War richtig so, denn um diese Uhrzeit funktioniere ich einfach langsamer und komme nicht easy in einer halben Stunde aus dem Haus. Ich beginne den Tag mit Aspirin+C, denn die Erkältung ist unterschwellig immer noch da, und habe dann genug Energie, um mich anzuziehen, die letzten Sachen in den Koffer und den Rucksack zu verstauen, mein Bett zu machen, zu lüften, beide Katzen kurz zu streicheln und dann kurz vor 4 das Haus zu verlassen. In meiner ersten Rechnung hätte auch 4:15 gereicht, aber jetzt ist es gut so, auch weil ich mit Rucksack und Koffer natürlich auch langsamer zur S-Bahn laufe als sonst.

Es ist Berlin und es ist so gesehen immer noch Freitagnacht, die S-Bahnen fahren also alle paar Minuten und sind bis auf ein paar müde Reisende voll mit Partypeoplen in verschiedenen Graden der Munterkeit. Am Ostkreuz muss ich dann eine knappe Viertelstunde auf den Zug zum Flughafen warten – das sind die 5-10 Minuten Luft, die ich noch gehabt hätte. Kurz vor 5 komme ich am Flughafen an und ab dann beginnt viel Rumgelaufe. Leider hat IBERIA keine Baggage Drop-Off Möglichkeiten, so dass ich mich in die Schlange zur Abfertigung stellen muss, die an einem Sonnabendmorgen deutlich länger ist, als beim Liebsten neulich am Montag. Von da komme ich dann ziemlich genau pünktlich zu meinem Zeitfenster zur Security, so dass ich da in etwa einer Viertelstunde durch bin. Dann muss ich gefühlt bis ans andere Ende des Flughafens laufen, bis ich mein Gate erreiche. Nach ingesamt 50 Minuten am Flughafen habe ich es geschafft. Und das ist am frühen Morgen, wo noch nicht so viel los sein dürfte. Hui.

Nach Toilettengang und Wasserflasche auffüllen habe ich noch eine gute halbe Stunde, bis das Boarding beginnen soll. Ich esse die mitgebrachte Banane und knabbere ein paar Kekse, während ich den gestrigen Tag verblogge. Schon bevor ich damit fertig bin, beginnt das Boarding – früher als geplant. Ich stelle mich als eine der letzten an, muss aber trotzdem immer noch ewig im Gang stehen, bis wir wirklich ins Flugzeug dürfen. Ich habe per Zufallsprinzip einen Gangplatz erhalten, was OK ist, weil ich die Beine mehr ausstrecken kann und sowieso hauptsächlich schlafen will. Ich decke mich mit meinem Mantel zu, setze Kopfhörer auf und verfalle in gute zwei Stunden Dösen – mein FitBit erkennt keinen Schlaf, aber gut tut es trotzdem. Die letzte gute halbe Stunde vor der Landung verbringe ich mit Sudoku und anderen Handyspielereien.

Ab Landung in Madrid wird es dann ein bisschen hektisch – mein Handy hat Schwierigkeiten, sich ins spanische Netz einzuwählen. Einmal geht es kurz, dann nicht mehr. Flugmodus an/aus, mobile Daten an/aus, Handy an/aus… All das mache ich in der nächsten Stunde etwa 5mal – ohne Erfolg. Zum Glück kann ich am Flughafen per WLAN kurz mit der Familie kommunizieren und mit dem Liebsten telefonieren und ich habe ja auch das Diensthandy dabei, mit dem ich dann auch danach mit meiner Gastgeberin in Kontakt bleibe. Mein Koffer kommt recht schnell an, dann suche ich den Bahnsteig, kämpfe mit einem undurchsichtigen Ticketautomat, der zwar Englisch und sogar Deutsch kann, aber keine Informationen darüber hat, was für ein Ticket ich brauche, verhasple mich dabei ein wenig und sitze dann irgendwann im richtigen Zug. Während der halbstündigen Fahrt probiere ich weiter mit dem Handy rum – ohne Erfolg. Horrorszenarien im Kopf von Apple Stores und/oder Vodafone-Läden in Spanien… Dass die Anzeigen im Zug sich verschluckt haben und die Bandansagen falsche Stationen ansagen, macht alles nicht einfacher. Google Maps auf dem Diensthandy hilft mir aber, am richtigen Bahnhof auszusteigen. Wie sind wir nur früher gereist?

Der Stadtteilbahnhof ist ebenfalls unübersichtlich und die Schranken am Ausgang sind kaputt und erkennen keine Einmalfahrscheine. Alle die einen haben, müssen sich hinter Monatskartenbesitzer*innen schnell mit durchdrängen. Ich fühle mich kriminell. Dann plötzlich Madrid – es ist etwas diesig, aber hat 25 Grad und schicke Gebäude. Die Gastgeberin und ich treffen uns am Museum Reina Sofia – erste Live-Begegnung, nachdem wir seit 10 Jahren zusammenarbeiten und gerade in den letzten zwei Jahren auch ständig Videocalls hatten.

Es gibt bergauf bis zu ihrem Apartment, ich komme ganz schön ins Schwitzen. Oben angekommen muss ich dann erstmal Sitzen und Wasser trinken. Dann will ich mich wieder mit meinem Handy beschäftigen, aber plötzlich kommen lauter Nachrichten und Benachrichtigungen an – mein Handy ist zwei Stunden nach mir auch in Spanien angekommen. Puh. (Letztes Jahr in Kanada brauchte es auch etwas länger, aber maximal eine halbe Stunde, glaube ich.) Jetzt sitzen wir erstmal, trinken Kaffee und erzählen, bis ich mich akklimatisiert habe. Irgendwann gegen 14 Uhr ziehe ich mich dem Wetter entsprechend um – Stoffhosen ohne Leggings drunter, Strickjacke aus, Socken aus, Flip Flops an – und dann ziehen wir los in die Stadt.

Am Stamm-Fleischstand in der Nachbarschaft gibt es Jamón zu verkosten und meine Gastgeberin kauft Verschiedenes als Mitbringsel für ihre Eltern, die sie zu Ostern besuchen wird. Dann laufen wir weiter durch die Innenstadt und über die Plaza Major.

In einem Markt holen wir uns Fischiges und Wein zum Mittagssnack und später nochmal Obst.

Lobster-Croissant für mich, Lachstartar auf Avocado für sie
Pitahaya, Papaya und die ersten Erdbeeren der Saison

Danach schlendern wir wieder nach Hause und machen erstmal Siesta. Meine Gastgeberin schaut einen Film, ich lege mich hin und döse/schlafe. Ich erinnere mich an einen Traum, mein FitBit behauptet weiterhin keinen Schlaf. Nun ja. Nach etwa anderthalb Stunden treffen wir uns wieder auf der Couch und erzählen weiter, bis es Zeit wird, zum Abendprogramm aufzubrechen.

In einem kleinen Kulturzentrum in der Nähe schauen wir uns eine Flamenco-Show an, die ziemlich intensiv und interaktiv ist, ganz anders als das Konzert von Paco de Lucia, das ich in den 90ern im Kulturpalast in Dresden gesehen habe. Danach sind wir ganz geflasht, haben Gitarrenohrwürmer und meine Gastgeberin, die außer Marketingexpertin auch Tänzerin ist, kriegt die Schritte und Bewegungen so schnell nicht aus ihrem Körper. In dieser Stimmung laufen wir durch die Gegend und suchen uns ein Lokal, wo wir Tapas bekommen.

Es gibt Salmorejo mit Schinkenstreifen, Patatas bravas, Croquetas mit Schinken und Spinat, marinierte Anchovis auf Kartoffelchips, Pimientos de Padron, Oliven und Brot, dazu Cava. Zum Nachtisch teilen wir uns einen Flan und gegrillte Ananas mit Kokoseis.

Satt und zufrieden laufen wir nach Hause. Ich telefoniere nochmal mit dem Liebsten, dann sitzen wir noch ein wenig auf der Couch und plauschen. Gegen Mitternacht machen wir uns bettfertig. Der Schrittzähler sagt 19.907, aber ich bin zu müde, um noch eine Runde durch die Wohnung zu drehen und die 20.000 voll zu machen.

22.03.2024 – Freitag auf Speed

Die letzten beiden Tage habe ich vor allem im Bett gelegen, in der Hoffnung, mich vor dem Reisen auszukurieren – heute muss dann alles nachgeholt werden. Evtl. bin ich deshalb etwas aufgeregt und kann nicht mehr einschlafen, nachdem ich gegen Dreiviertel 5 aufwache. Eine Weile probiere ich es noch, dann fällt mir auf, dass Wachbleiben eigentlich ganz clever wäre, damit ich abends schön müde bin und möglichst früh und viel schlafen kann, bevor ich morgen wirklich, wirklich früh aufstehen muss. Also gemütliche Morgenroutine mit Lesen, Bloggen und mit dem Liebsten telefonieren. Dann mache ich den Katzen und mir Frühstück (ich bekomme Rest-Joghurt mit Rest-Grapefruit und Müsli, dazu Saft aus Rest-Orangen und Rest-Mandarinen und Kräutertee), beziehe mein Bett neu und stelle die Waschmaschine an.

Kurz nach 9 sitze ich am Schreibtisch, für einen weiteren recht entspannten Arbeitstag. Neben dem üblichen Kleinkram bietet er

  • 10 Uhr Meeting mit Ostfriesland
  • 11:00 Meeting mit Büro, Moabit und Biesdorf
  • 11:45 Meeting mit Nordengland
  • Abschluss eines Projekts
  • Weiterarbeit an einem Projekt von gestern
  • Wochenbericht schreiben

Zwischendurch verfolge ich mit einem Auge die Abstimmung im Bundesrat, bekomme Teile der Statements von Haseloff und Kretschmer mit (Puls!!!), dann großes Aufatmen. Hoffen wir, dass da bald noch nachgebessert wird, ich wünsche mir kanadische Verhältnisse!

In der Mittagspause gehe ich zum Drogeriemarkt und zum Haustierbedarf, um mich und die Katzen für die nächsten zwei Wochen einzudecken. Dann hole ich im Supermarkt noch ein Mitbringsel für die liebe Kollegin in Madrid, bei der ich die nächsten Tage übernachten darf.

Berliner Gin, Lübecker Marzipan, Bonner Ostereier

Wieder zuhause mache ich mir ein österliches Mittagessen aus Osterbrot, dem Rest Bärlauch-Bohnen-Aufstrich und zwei Eiern – mein Ostern wird ja dieses Jahr eher unkonventionell werden.

Am Nachmittag kommt meine Mama nach dem Sport auf einen Sprung vorbei und wir updaten uns nochmal ausführlich, bevor auch wir uns ein paar Wochen nicht sehen werden.

Um 17 Uhr klappe ich den Laptop zu und dann beginnt der anstrengende Teil des Tages. Ich gieße die Pflanzen, lege Wäsche zusammen, hänge Wäsche auf, siebe das Katzenklo durch, hole frisches Katzenstreu aus dem Keller, reinige den Katzenbrunnen (Katzenspucke klebt!) und fülle ihn auf, passe meine ewige Packliste an, trage alle Sachen zusammen, die ich für die nächsten zwei Wochen brauche, stecke Geräte an Ladekabel, tue alles in den mittelgroßen Koffer und bin froh, dass er problemlos zugeht – der große wäre für zwei Wochen echt überdimensioniert.

Um 20 Uhr bin ich fertig mit allem und koche mir mit dem Rest Hafermilch einen Milchreis, den es dann mit Butter, Zimt und Erdbeersirup gibt. Solche Art Mahlzeiten machen ja auch, dass Babys gut schlafen. Kurz vor 21 Uhr liege ich im Bett, sage der Familie und der Kollegin gute Nacht, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und dann ist Schlafenszeit.

21.03.2024 – Schonerstag

Heute Nacht wieder mit Unterbrechung geschlafen – von meinem Wachwerden werden die Katzentiere wach und die müssen dann erstmal kuscheln und spielen und bis sie wieder einschlafen habe ich keine Ruhe. Dauert zum Glück nicht besonders lange heute, ich schlafe wieder ein und bin deutlich vor dem Weckerklingeln ausgeschlafen und wach. Dafür kratzt der Hals weiterhin und es fühlt sich weiter so an, als würde da eine Erkältung ausbrechen. Ich entscheide mich für einen weiteren Tag Bett-Office, um dem entgegenzutreten, und mache mir wieder einen heftigen Vitamincocktail zum Frühstück (frisch gepresster Saft, diesmal Orangen pur), außerdem ein paar Scheiben Osterbrot und Joghurt mit Banane – ich stecke seit Tagen im Restevertilgen, bevor ich zwei Wochen nicht da sein werde.

Der Arbeitstag lässt sich ruhig an, weiterhin. Schon faszinierend, welch unterschiedliche Phasen mein Job mit sich bringt – daran auch immer wieder erinnern, wenn es besonders viel wird!

  • Vorläufiger Abschluss eines Projekts, für das ich gestern noch auf Zuarbeit warten musste
  • Beinahe Abschluss eines anderen, auch hier wartete ich auf Zuarbeit, muss aber morgen noch finale Dinge klären
  • Bei einem dritten Projekt hält das Warten weiter an, was ziemlich nervt, weil es, je länger es dauert, zum Ende hin anstrengender werden wird und zusätzliche Probleme nach sich ziehen wird
  • 10 Uhr Meeting mit Brüssel und Dublin, ein Langzeitthema seit je nach Betrachtungsweise 9, 7 oder 2 Jahren wird vorerst auf Eis gelegt
  • 11 Uhr Meeting mit Paris
  • 12:30 Meeting mit London
  • 16:00 Meeting mit London, Madrid und Chicago
  • Der übliche Kleinkram zwischendurch

Nach dem London-Meeting mache ich mir den Rest Pizza von gestern warm – ich hatte nur die Hälfte geschafft und den Rest mitgenommen. Kurz nach 17 Uhr mache ich dann einen frühen Feierabend, telefoniere zum wiederholten Mal heute mit dem Liebsten (aus Gründen gehen wir zusammen die Liste der Empfänger*innen des Bundesverdienstkreuzes am Bande durch) und mache mir dann einen Reste-Schnittchenteller zum Abendbrot.

Zum und nach dem Essen schaue ich „Drive„, nachdem mich der wundervolle Newsletter von Lukas nochmal final motiviert hat. Den Film habe ich vor Ewigkeiten schonmal angefangen (Ryan Gosling!), kam aber damals auf Grund des Genres nicht so richtig rein. Heute halte ich aber durch, auch wenn der schönste (Indie-RomCom-)Teil des Films zu kurz kommt und mich der GTA-artige Teil des Films weniger interessiert.

In der Hoffnung, morgen dann fit genug zu sein, um alles zu erledigen, was ich vor zwei Wochen Abwesenheit noch erledigen muss, lege ich mich gegen 9 in die Badewanne und mache gegen 10 das Licht aus.

20.03.2024 – Bett-Office und Pizza-Abend

Zack, kaum beschwert, schon eine ganze Nacht einfach durchgeschlafen. Wach werde ich dann schon gegen halb 7, es ist einfach schon so hell draußen – Zeit für Verdunkelung der Balkontür. Dieser Tage jähren sich meine erste und zweite Covid-Infektion (ich glaube, 2022 war es der 19.03., 2023 der 20.) und da es in meinem Hals kratzt mache ich direkt mal einen – negativen – Test. Ich entscheide mich trotzdem, der Faulheit und Gemütlichkeit wegen, für das Bett-Office. Vorher bereite ich noch mir und den Katzen Frühstück zu. Ich bekomme heute frisch gepressten Mandarinen-Orangen-Saft und Müsli mit Joghurt und Grapefruit, dazu Ingwer-Holunder-Tee.

Der Arbeitstag ist wieder verhältnismäßig ruhig, bei den meisten Projekten an denen ich gerade dran bin, warte ich auf Zuarbeit. Ich nutze die viele Zeit zur Vorbereitung von Dingen, die erst nächste Woche dringend werden (welch ein Luxus!) und jage nebenher ein wenig den Zuarbeiten hinterher, teils mit, teils ohne Erfolg. Ein bisschen Kleinkram erledige ich auch und brainstorme mit dem Team und dann gibt es an diesem eigentlich meetingfreien Mittwoch auch noch drei Termine.

  • Meine Versicherungsmaklerin bat um einen Termin, ruft dann aber doch nicht zur vereinbarten Zeit an – dann eben nicht, ich habe ja kein Anliegen
  • Ich bespreche mit der Kollegin in Madrid, bei der ich demnächst eine Weile wohnen werde, Details meiner Anreise und meines Aufenthalts, unter anderem möchte ich wissen, wie ich am besten vom Flughafen zu ihr komme und sie möchte wissen, wie ich meinen Kaffee trinke
  • Ein Auftaktmeeting zu einem neuen Gesprächskreis von Menschen, die sich beruflich mit einem bestimmten Thema auseinandersetzen – die beiden aktuellen Kolleginnen, die auch eingeladen sind, schaffen es heute nicht, dafür sind aber insgesamt vier ehemalige Kolleg*innen dabei – ein sehr schönes Wiedersehen. Mal sehen, wie es mit dieser Runde weitergeht

Mittags gibt es den letzten Rest Bärlauchpasta, außerdem ziehe ich mich da an, denn nach dem letzten Meeting muss ich halb 7 direkt los, um mich mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind zum Pizzaessen zu treffen, bevor ich die beiden drei Wochen lang nicht sehen werde.

Wir gehen in die nächstgelegene Pizzeria, die vorher ein Bäcker mit Café war, und zwischendurch auch nebenbei noch ein Testzentrum. Die Betreiber*innen scheinen immer noch die Gleichen zu sein, eher keine Italiener*innen, und es ist nicht unmöglich, dass die Kellnerin mir und dem Liebsten schon mal in der Nase gebohrt hat, damals, vor dem ersten Auswärtsessen nach dem Lockdown. Das Essen ist OK, aber nicht außergewöhnlich, aber was erwartet man auch von einem Laden, der mit originaler Carbonara mit Sahne drin wirbt. Dafür sind die Getränke schön dekoriert (Foto vergessen).

Um 20 Uhr verabschieden wir uns – das Kind muss ins Bett und die beiden haben ja noch eine Stunde Fahrt nach Südberlin vor sich – mit Knutschen (der Liebste) bzw. dem geheimen Zeichen des asozialen Netzwerks (das Teilzeitkind). Ich laufe mit offenem Mantel und unter blühenden Magnolien nach Hause. Leider fühle ich mich inzwischen deutlich erkälteter, das ging schon während des letzten Meetings langsam los. Gutes Timing, wo ich doch am Wochenende nach Spanien losfliege…

Zuhause siebe ich schnell das Katzenklo durch, räume den Arbeitskram aus meinem Bett und dann lege ich mich direkt wieder rein. Ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten noch, als das Kindelein im Bett ist, und dann ist kurz vor 22 Uhr auch schon wieder das Licht aus. Parole Gesundschlafen!

19.03.2024 – Wuseltag

Wieder komisch einmal mitten in der Nacht aufgewacht und dann wieder eingeschlafen, bis eine angemessene Schlafdauer erreicht war. Gemütlicher, aber verkürzter Bettmorgen, da heute Bürotag ist – wie habe ich das nur früher jeden Tag hinbekommen? Geschweige denn 12 Jahre Schule mit Schulbeginn um 7:30? Man weiß es nicht… Ich bin dann jedenfalls halb 10 am Büro (losgearbeitet natürlich schon früher auf dem Handy) und bin dann direkt unter lauter Leuten. Ich kippe mir Milch ins mitgebrachte Müsli (heute mit Banane und Grapefruit) und wechsle ein paar Worte hier und ein paar Worte da.

Nebenbei beantworte ich eine Anfrage aus der Chefetage, was sich zu einem längeren Chat ausweitet und baue in meine Datenauswertung von gestern noch einen Hinweis von meiner Managerin mit ein. Um 11 dann das erste Meeting des Tages, vier vor Ort, einer zugeschaltet. Es soll dann auch das letzte Meeting des Tages bleiben, weil ein anderes abgesagt wird und mehr gar nicht geplant sind. Verrückte Woche. Der Rest des Arbeitstages vergeht mit Koordinierung, kurzen Chats und längeren Gesprächen vor Ort.

Mittags laufe ich eine Runde durch die Sonne und hole mir einen Bagel mit Lachs und Rührei (die einzige Bagelauswahl, die es gab), dann setze ich mich zur neuen Kollegin und ihrem Hund in die Lounge und lasse mir erzählen wie ihre zweite Woche so läuft.

Kurz vor halb 7 verlasse ich als vorletzte das Büro, da habe ich aber schon ein längeres Telefonat mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind hinter mir. Ich nehme die U-Bahn zum Yoga – ein letztes Mal, bevor ich nach Spanien fliege. Die Runde ist klein, aber fein und ich merke meinen Barfußschuhmuskelkater sehr – einiges geht nicht, einiges nur mit Hilfsmitteln – aber gut tut es. Kurz vor halb 9 bin ich auf dem Heimweg durch den dunklen Prenzlauer Berg. Auf einem Platz unter einer hellen Laterne spielen Leute Tischtennis. Es sind 6 grad, gefühlt 4, aber das stört hier niemanden. Etwas weiter das gleiche Spiel mit Fußball. Dit is Berlin.

Zuhause angekommen gibt es Abendbrot für die Katzen und ich mache mir die vorletzte Portion Bärlauchpasta warm und telefoniere nochmal mit dem Liebsten. Dann mache ich mich schnell bettfertig und lese wieder in der deutschen Geschichte herum, bis mir gegen halb 11 bereits die Augen zufallen.

18.03.2024 – Auf Jambalaya Island

Um 6:30 reißt mich der viel zu laute Wecker des Liebsten aus dem Schlaf. Das brüllende Handy liegt auf dem Schreibtisch, damit er auch wirklich gleich aufsteht. Gleich dauert aber mehrere Sekunden, in denen ich mir hektisch das Kissen über den Kopf ziehe. Während der Liebste Kaffee kochen geht und dem Kindelein einen Saft bringt, beruhigt sich mein Puls und ich komme im Hier und Jetzt an. Kurzer Check: Mit einer Unterbrechung gegen halb 4 insgesamt gut geschlafen. Die Unterbrechung ist grad der neue Trend, aber immer noch besser als dann ewig wachzuliegen oder dann gar nicht mehr einzuschlafen.

Wir trinken Kaffee im Bett, zwischendurch macht der Liebste immer mal wieder Dinge für die Arbeit oder damit das Kindelein rechtzeitig 7:30 aus dem Haus kommt. Dann sind wir noch eine Weile richtig gemütlich, bis der Liebste die ersten Telefonate führen muss und endgültig aufsteht, wie dann auch ich. Kurz nach 9 beziehe ich mit Mate, Stulle und Mandarinen das Sofa und beginne meinen Arbeitstag.

Er ist für einen Montag erstaunlich meetingarm, es gibt nur eines kurz vor 14 Uhr, eines um 15 Uhr und eines um 17 Uhr, ein anderes wöchentliches fällt aus und das zweiwöchentliche ist heute nicht dran. Stattdessen verbringe ich die meiste Zeit damit, die Antworten aus einer Mitarbeitendenumfrage auszuwerten und aufzubereiten, kläre nebenbei etwas mit einer Grafikerin. Ein völlig anderes Arbeiten, wenn man nur zwei Sachen gleichzeitig beackert!

Zwischendrin machen der Liebste und ich einen Spaziergang zum zukünftigen Gymnasium des Teilzeitkinds und geben Unterlagen ab. Es ist sonnig, aber kalt und meine Beine schmerzen. Weil ich mir ja eher durch Zufall Barfußschuhe gekauft habe, habe ich mich nicht ausreichend damit beschäftigt, wie man umsteigt – nämlich erst langsam, immer mal für ein paar Stunden – sondern trage sie seitdem immer, wenn Schuhe angesagt sind. Meine Füße trainieren also ständig und meine Beine haben jetzt Muskelkater. Gut, dass sie zwischendurch immer hochgelegt werden.

Gegen 15 Uhr kommt außerdem das Teilzeitkind nach Hause und nach meinem Meeting eröffnet es uns, dass es heute Abend etwas aus dem Kochbuch kochen möchte, das ich ihm zum Weihnachten geschenkt habe. Gemeinsam suchen der Liebste und das Kindelein ein Jambalaya aus und in meinem Kopf reist Guybrush Threepwood direkt nach Jambalaya Island. Dann ziehen die beiden los, erst zum Verkehrserziehungsplatz, um Trainingsstunden vor der Fahrradprüfung zu absolvieren, und dann einkaufen fürs Jambalaya.

Währenddessen mache ich mein letztes Meeting und habe dann 18 Uhr Feierabend. Wir kochen zu dritt, damit es schneller geht und als das Jambalaya vor sich hinköchelt, packe ich meinen Kram zusammen, während das Teilzeitkind lauter Rezepte für die Zukunft markiert und der Liebste mit seinen Eltern telefoniert. Wir essen und sind ganz begeistert von unseren Kochkünsten. Gegen halb 8 verabschiede ich mich und fahre zurück in den Pberg.

Dort warten zwei hungrige Katzen, die natürlich sofort Futter bekommen. Ich trinke noch eine Feierabendlimo (Dattel-Granatapfel), schnacke mit dem Mitbewohner und lese dann noch an die 80 Seiten in meinem Buch (James Hawes – The Shortest History of Germany). Vieles kenne ich noch so halb aus dem Geschichtsunterricht, aber eben nicht im jahrtausendeüberspannenden Gesamtzusammenhang, mit dem sich auch die Gegenwart erklären lässt. Ich lese vom Wendischen Kreuzzug bis in den Spiegelsaal von Versailles und lerne, dass Ost- und Westdeutschland eben nicht erst seit gut 70 Jahren kulturell verschieden sind, sondern eben seit immer – seit vor fast 1000 Jahren der östliche Teil (Ostelbien) einverleibt, christianisiert und kolonialisiert wurde (sorbische Reconquista, ich sag es doch!) und danach immer schon anderes verwaltet und regiert wurde.

Irgendwann gegen 23 Uhr mache ich das Licht aus.

17.03.2024 – Ein ganz anderer St. Patrick‘s Day

Wer legt denn den 17. März bitte auf einen Sonntag? Andererseits vielleicht ganz gut, dass die Versuchung dann weniger groß ist, ihn im Pub zu verbringen – meine Pariser Kollegin ist ja stets voller Bewunderung für meine Fähigkeit, an jeder Entwicklung die positive Seite zu sehen. Aus diversen Gründen wäre es nämlich gar nicht so gut gewesen, den Abend im Pub zu verbringen. Erstens habe ich ja bereits eine anstrengende Woche hinter mir (und der Liebste auch) und brauche eher Erholsames, und zweitens habe ich mich ja letztes Jahr bei meinem ersten Heraustrauen aus der Lockdown-Mentalität am St. Patrick‘s Day das zweite Mal mit COVID angesteckt und für solche Späße (höhö) hätte ich jetzt überhaupt keine Zeit, schließlich will ich nächstes Wochenende nach Spanien fliegen (ähnlich wie vor zwei Jahren, kurz nach meiner ersten COVID-Infektion… hüstel).

Anyway, ich wache zu einer angemessenen Zeit (also nach angemessen langer Nachtruhe) auf und mache mir dann relativ schnell einen Sencha und einen Obstteller zurecht (Apfel und Mandarinen), womit ich mich wieder ins Bett lege und gemütlich das Internet leer lese. Kurz nach 9 ruft das Teilzeitkind an, das gerade auf dem Weg von Mama zu Papa ist und den Liebsten telefonisch nicht erreicht. Ich übernehme den Telefondienst und etwa zehn Minuten später ist er wach und kann dann fast munter das Kindelein entgegennehmen. Dann telefonieren wir und besprechen, wann wir uns nachher treffen.

Daraus ergibt sich bei mir noch ein ausreichendes Zeitfenster, um mich nach den Programmpunkten Sachen packen und Katzenklo durchsieben noch für eine Grundreinigung in die Badewanne zu legen – sehr schön. Kurz davor stelle ich aber fest, dass meine Kopfhörer nicht da sind. Ich rufe im Café von gestern an und frage nach, man weiß aber von nichts. Ich schreibe der Gastgeberin von gestern Abend, die muss aber erst in Ruhe gucken, in einem 5-Personen-Haushalt gibt es viele Kopfhörer.

Ich beschließe etwas früher loszufahren, um ggf. auf Zuruf noch dort vorbeigehen zu können und außerdem auch nochmal im Café nachzuschauen. Auf dem Weg zur S-Bahn kommt die Nachricht, dass die Kopfhörer wohl nicht in der Wohnung sind. Also fahre ich direkt zum Ostkreuz, laufe von dort zum Café, gehe zum Platz von gestern und finde die Kopfhörer offen und leicht sichtbar unter der Bank liegend vor. Soviel zu „Wir haben nichts gefunden und abgegeben wurde auch nichts“ – geputzt habt Ihr nicht. Aber ist ja gut, dass sie wieder da sind und ich keine neuen brauche. Ich laufe weiter zur Warschauer Straße und fahre von da mit zwei S-Bahnen zur besten Freundin des Liebsten, wo schon zu dritt auf mich gewartet wird.

Es gibt selbstgebackenes Tomatenbrot mit meinem Bärlauch-Bohnen-Dip, vegane Pizzaschnecken, Oliven, Tomaten und Apfelkuchen, dazu Cider oder Eistee, je nach Alter und Zustand und natürlich irische Musik und später noch Apfelkuchen.

Wir plaudern mehrere Stunden – über des Liebsten Zeit in Pamplona, die neue Schule des Teilzeitkinds, meine Abenteuer der letzten Tage, den gestrigen Karaokeabend und die Reisepläne der Freundin, die RAF (vom Teilzeitkind aufgebracht), die ETA und erstaunlicherweise nicht über die IRA, trotz des Anlasses. Das Teilzeitkind findet irgendwann, dass unsere Erwachsenengespräche spannender sind als andere. Yay!

Kurz vor 18 Uhr brechen wir zu dritt auf nach Südberlin und bestellen noch von unterwegs Burger und Pommes. Zuhause angekommen lege ich mich erstmal auf die Couch, mache Italienisch und schlafe dabei ein, bis der Burgerlieferant klingelt. Das Teilzeitkind findet meine 3 € Trinkgeld zu mickrig und legt noch etwas von seinem Taschengeld dazu. (Es ist auch immer sehr großzügig bei Straßenmusik und ähnlichen Gelegenheiten.) Dann essen wir und schauen nebenbei eine Doku über Ausgrabungen in Ägypten, bis es Zeit für das Kindelein wird, ins Bett zu gehen – Rest der Doku morgen.

Der Liebste und ich bleiben noch auf der Couch und ich bekomme jetzt mein Mitbringsel aus Pamplona – die hässlichsten Tourisocken, die er finden konnte. Sie sind schon sehr besonders.

Kurz vor 10 fallen mir die Augen wieder zu und ich begebe mich ins Bett, der Liebste kommt kurze Zeit später nach und vor 23 Uhr sind wir beide eingeschlafen.

16.03.2024 – Samstagslaune

Zum ersten Mal erwache ich kurz nach 6, aber das kann ich natürlich so nicht stehen lassen. Ich mache mir mein Hörbuch an und schaffe dann nochmal zwei Stunden, macht brutto etwas mehr als acht Stunden Schlaf – läuft bei mir. Der Liebste ist auch schon wach und sobald ich munter genug bin, telefonieren wir und schmieden Pläne. Das beinhaltet dann auch, dass wir das Teilzeitkind (es ist noch bei Mama) in unsere Telefonkonferenz hinein holen und gemeinsam beratschlagen. Das Kind macht einen sehr guten Witz über seinen Papa, den ich im Verlauf des Tages noch mehrmals wiedergeben, aber aus Pietätsgründen hier nicht veröffentlichen werde. So ein Kind mit fast 11 hat schon ordentlich Humor und wird auch immer besser darin, unsere spezielle Form davon zu verstehen und nachzuahmen. Wir haben ein Monster erschaffen, aber eben ein witziges.

Als Nächstes holen wir die beste Freundin des Liebsten in unsere Morningshow und planen auch mit ihr, wie und wann wir uns dieses Wochenende treffen. Es wird ein St.-Patrick‘s-Day-Beschluss gefasst. Irgendwann gegen halb 11 dann stehe ich mal auf, der Hase wollte nämlich zwischen 10 und 11 vorbeikommen. Bis das kurz nach 11 wirklich passiert, kümmere ich mich um das Frühstück für mich und die Katzen und schmiede nebenbei mit der Freundin, der ich gestern absagen musste, Pläne für heute. „Ich hab so richtige Samstagslaune“, sagt sie.

Ich frühstücke Porridge mit Grapefruit und Orange und trinke schwarzen Tee mit Maracuja. Dann kommt der Hase wirklich, bringt etwas vorbei und wir updaten uns kurz über unsere Leben, wie immer. Als er weg ist, komme ich endlich zum Bloggen, Italienisch machen und ein wenig Spielen, bevor es Zeit wird, mich für die Samstagspläne fertig zu machen. Dazu gehört dann auch noch Staubsaugen und Küche aufräumen und putzen. Damit sich das richtig lohnt, bastle ich vorher noch schnell einen Aufstrich aus einer Dose Cannelini-Bohnen und dem Rest Bärlauchpesto. Während all dem und dann später auf dem Weg höre ich mich durch das Œuvre von Jon Batiste, wie mir selbst versprochen.

Dann ziehe ich meine neuen Barfußschuhe an und gehe raus „in die Stadt“ – nicht ohne nochmal umzudrehen und die Übergangsjacke doch gegen den Wintermantel zu tauschen, es ist im Vergleich zu gestern empfindlich kalt geworden.

Ich fahre mit zwei Straßenbahnen nach Friedrichshain. Erste Station ist die Wohnung meines Bruders, in der es Planzen zu versorgen und nach der Post zu gucken gilt. Er wohnt im fünften Stock ohne Fahrstuhl und das Ganze wird nicht besser dadurch, dass mir erst im vierten Stock auffällt, dass ich noch nicht am Briefkasten war. Also wieder runter, Post rausgeholt und dann ganz nach oben. Da muss ich dann erstmal kurz verschnaufen, bevor ich loslegen kann. Ich bin das erste Mal seit dem vollständigen Umzug hier, also drehe ich erst kurz eine Runde und schaue mich um, auch um zu eruieren, wo Pflanzen stehen. Dann wird gegossen und wichtige Post aufgemacht und dem Bruder Bescheid gesagt (er schläft noch tief und fest, da drüben in Alaska).

Gegen 15 Uhr laufe ich wieder los und treffe mich ein paar Straßen weiter mit der Freundin und noch einer anderen Freundin von ihr. Wir gehen zunächst in zwei Buchhandlungen – es ist Indie Book Day, eigentlich müsste man aus Prinzip etwas kaufen, aber erstens habe ich noch einen riesigen Stapel Bücher, an dem ich herumknabbere, zweitens sind die Bücher, die mich anlachen, nicht von Indie-Verlagen und drittens habe ich heute morgen schon Comedy-Tickets für den Liebsten und mich gekauft und mein Budget für Spontankäufe ist für heute mehr als ausgeschöpft. (Tatsächlich sind Bücher, Kultur und Luxus unterschiedliche Budgets, aber es geht ja ums Gefühl. Meine Finanzcoachin wäre stolz auf mich, wenn sie nicht gerade selbst vier Bücher gekauft hätte – immerhin alles Fachliteratur, die sie von der Steuer absetzen kann.) Dann kehren wir in einem Café ein, essen Kuchen, trinken Chai und erzählen.

Polentakuchen mit Kirschen und Beeren, Rocky Road

Um 17 Uhr schließt das Café und wir gehen nochmal eine Runde spazieren – hoch in den Nordkiez, wo die Freundin der Freundin ein paar aussortierte Klamotten an einen Gabenzaun hängt. Dann verabschieden wir uns von ihr und ziehen zu zweit weiter zum besten Freund des Liebsten, der zu Kuchen und/oder Gulasch geladen hat.

Wir sitzen etwa zwei Stunden in der Küche bei Tee und Wein und erzählen uns spannende Dinge, nebenbei passieren noch viel mehr spannende Dinge die mit Friedrichshainer Teeniejungen zu tun haben – nicht blogbar, aber aufregend. Dann setzen wir uns in großer Runde zum Gulaschessen zusammen (ich und die Freundin, der beste Freund des Liebsten, seine Frau, deren Eltern, die zwei jüngeren Kinder der beiden), während der ältere Teeniejunge mit seinen Freunden unten im Keller laut Musik hört und sie sich gegenseitig die Haare schneiden, was Teeniejungen halt so machen.

Es gibt Gulasch mit Fleisch, Gemüsegulasch, Klöße, Salzkartoffeln, Rotkraut, Rosenkohl (für mich als Kosteportion), Spiegelei für Gulaschverächter, Kohlrabi-Blumenkohl-Stampf für Kohlenhydratmeidende, dazu Wein und gute Gespräche, unter anderem über einen Besuch im Jüdischen Museum und über Dorfjugend in den 80er und 90er Jahren in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Mecklenburg.

Kurz nach 21 Uhr brechen wir auf. Ich kaufe in Franziska Giffeys Stammspäti noch ein wenig Cider für morgen und dann verabschieden wir uns an der Tram. Zurück zuhause schaue ich mir noch eine Aufzeichnung aus dem Adulting-Projekt an und gegen 23 Uhr streiche ich dann die Segel und gehe satt und zufrieden ins Bett.

15.03.2024 – Stagnafreitag

Nach dem gestrigen Aufwärtstrend heute eher Stagnation, aber es kann ja auch nicht immer alles ewig nach oben gehen – die Grenzen des Wachstums und so, man kennt das. Ich schlafe wieder um die acht Stunden durch, das ist schonmal sehr super – bis zum Weckerklingeln tatsächlich. Telefonat mit dem Liebsten, der kurz davor ist aus seinem Hotelzimmer auszuchecken, weil es nachher wieder zurück nach Berlin geht. Dann heute Homeoffice am Schreibtisch, nicht im Bett. Aber nur mit halber Kraft, aka Hoodie überm Schlafanzug, muss reichen.

Dann geht es eng getaktet los

  • Ab 9 diverse Chats zu diversen Themen, Koordinierung von Projekten
  • 11:00 Meeting mit Lichtenberg und Biesdorf
  • 11:30 Meeting mit Südengland
  • 12:00 Update der Corporate Webseite mit den soeben veröffentlichten Quartals- und Jahresergebnissen
  • 13:00 Zuhören im Investor Call zu den Ergebnissen, nebenbei Auswertung von Präsentation und Vortragsweise mit dem Team – schön, dass das diesmal vor Marktöffnung passiert und wir uns damit nicht die Nacht um die Ohren schlagen
  • 14:00 Meeting mit Paris und Madrid
  • 15:00 Meeting mit Madrid, Dublin und Chennai

Gegen 12:45 rühre ich mir schnell einen Kartoffelsalat zusammen, den ich während des Investor Calls esse, für eine richtige Mittagspause ist heute keine Zeit.

Nach dem zweiten Meeting schreibe ich mit einer Freundin, mit der ich lose für heute verabredet bin, sie hat große Lust, das Wetter auszukosten – heute werden es 19 Grad in Berlin. Als ich ihr sage, dass ich gerade das zweite von heute fünf Meetings hinter mir habe ist die Antwort „WOW“. Evtl. ist das gar nicht so normal, was ich hier mache?

Jedenfalls ist dann nach dem fünften Meeting gegen 15:30 die Luft raus. Ich bin schlapp und friere und sage mir selbst und der Freundin alles ab, was ich für heute noch geplant hatte. Dann lege ich mich mit dem Laptop zurück ins Bett und schreibe meinen Wochenbericht. Kurz nach 17 Uhr klappe ich den Laptop zu und bleibe nur noch mit einem Auge am Diensthandy, weil das Team grad schon das nächste Riesending für Montag plant. Ab 18 Uhr lasse ich aber auch das. Jetzt werden die Katzen hungrig und da ich beim Füttern eh schon stehe, mache ich mir auch gleich noch was zu essen – der Rest vom Leipziger Bärlauch wird mit Parmesan und Olivenöl zu Pesto. Pinienkerne wollte ich auch noch reintun, aber jemand hat die Tüte offen gelassen und das war nicht so gut. Aus dem Pesto mache ich mit Zitrone und Joghurt (statt Ricotta) eine leckere Pastasauce, dazu Fusilli.

Während ich die esse, beobachte ich auf dem Radar, wie das Flugzeug des Liebsten landet. Nach einer Woche voller Menschen muss er jetzt dringend in seine Höhle, wir telefonieren aber nochmal, als er dort angekommen ist.

Den Rest des Abends verbringe ich mit Filmgucken – erst das furchtbar schmonzettenkitschige „Irish Wish“ auf Netflix, immerhin ist dieses Wochenende St. Patrick‘s Day, und dann nochmal was mit Substanz – „American Symphony“ über Jon Batiste und Suleika Jaouad. Sehr beeindruckend, ich habe Jon Batiste ja bisher hauptsächlich als Musiker in der Late Show wahrgenommen und alles andere nicht so wahrgenommen – das ändert sich jetzt. Gegen 23 Uhr bin ich allerdings so müde, dass ich Zähne putzen gehe und dann schlafe.