30.12.2023 – Ein guter Tag ohne Struktur

Ich wache den vierten Morgen in Folge zu früh auf, wegen Geräuschen, die außerhalb meines Einflussbereichs liegen und vor dem Liebsten, der aber sobald er aufmacht sofort aufsteht und Kaffee macht. Wir bleiben weniger entspannt und gemütlich liegen als auch schon am Wochenende, denn heute ist der letzte Tag vor einem sonntäglichen Silvester und die Planung der zu noch erledigen Einkäufe treibt den Liebsten um und aus dem Bett. Also quäle ich mich auch hinaus und wir gehen als erstes gemeinsam in den Supermarkt, kaufen, was uns einfällt und konferieren nebenbei über Signal mit der Partygang, was noch gebraucht werden könnte. Wieder zuhause gibt es Frühstück mit Spiegelei, Falafel, veganen Köttbullar, Avocado-Aufsteich auf Baguette und viel Obst.

Der Liebste bittet mich darauf hinzuweisen, dass hier ein Setzei zu sehen ist, kein Spiegelei

Hinterher packe ich meinen Kram zusammen, beseitige das Chaos, dass ich in der Wohnung hinterlassen habe (bzw. gestern Abend wir beide zusammen auf der Couch) und fahre dann zurück in den Pberg – der Liebste bringt mich noch ein Stück, auf dem Weg zu weiteren Besorgungen. Nach einer guten Stunde komme ich zuhause an und werde von den Katzen freudig begrüßt.

Ich packe meine Sachen aus, werfe eine Waschmaschine an, gucke die Post durch, halte einen kurzen Plausch mit dem Mitbewohner und lege mich dann mit meinem Buch ins Bett, weil ich plötzlich sehr müde bin. Anderthalb Stunden schlafe ich ungefähr, danach bin ich ein wenig matschig im Kopf und muss erst wieder zurück in den Tag finden. Ich mache mir einen spätmittäglichen Snack aus Mozzarella, Salami, Oliven und Toast, kümmere mich um meine Sprach-Apps, gucke im Internet herum, telefoniere mit meinen Eltern und schaue noch eine Folge „The West Wing“.

Dann ist es Zeit, wieder aufzubrechen, denn heute Abend bin ich mit meiner besten Freundin verabredet. Seit es aus terminlichen Gründen mit dem wöchentlichen Sportabend nicht mehr klappt, müssen wir uns aktiv um Treffen bemühen und das letzte ist schon wieder viel zu lange her, also nutzen wir die Gelegenheit, dass wir mal beide gleichzeitig einen Abend nichts vor haben. Ich fahre nach Fhain und bekomme von ihren beiden Kindern (10 und fast 7) die Tür aufgemacht. Sie informieren mich, dass die beste Freundin gerade nochmal einkaufen gegangen ist und flitzen zurück aufs Sofa, wo sie so lange noch Peppa Pig auf Englisch gucken dürfen. Ich lege ab und setze mich dazu.

Kurz danach kommt die Freundin mit einer Flasche Cremant nach Hause. Während der kühlt, bestellen wir uns syrisches Essen (das gleiche wie ich neulich mit dem Mitbewohner, plus Hummus und Käse-Teigtaschen mit Thymian) und die Kinder gehen ins Bett.

Dann sitzen wir zu zweit auf dem Sofa, essen, trinken und erzählen. Über die letzten Wochen, Weihnachten, Silvesterpläne, Urlaubspläne fürs nächste Jahr, die Herausforderungen des Alltags, die bei uns beiden im weitesten Sinne mit zu viel Arbeit zu tun haben, und die verschiedenen Strategien, wie man dem Problem begegnen kann. How to survive 2024 as older millennials sozusagen. Kurz nach 1 mache ich mich dann auf den Heimweg, kurz nach 2 liege ich wieder mit den Katzen im Bett.

29.12.2023 – Bett- und Sofa-Tag

Ich erwache mit feurigem Gefühl im ganzen Körper – alles brennt, der Hals, der Bauch, die Haut, der Kopf. Als ich dann auch noch Reizhusten bekomme, mache ich einen Schnelltest, der negativ ist, und schiebe das Ganze dann doch auf das scharfe Essen gestern Abend. Hui, das war doll! Ansonsten bin ich auch einfach müde und faul und beschließe, heute einfach vom Bett aus zu arbeiten. Dabei habe ich Aussicht auf den Liebsten, der am Schreibtisch arbeitet. Das geht heute alles sehr gut, weil mein einziges Meeting erst ist, nachdem er schon Feierabend hat.

Ich frühstücke Obst und Kekse und Saft, arbeite morgens kurz ein paar Dinge weg und widme dann viele Stunden den Arolsen Archives, während ich nebenbei den neuen „Alles gesagt“-Podcast mit der Chefin von meinem Bruder und seiner Freundin laufen lasse. Nicht nur aus diesem Grund sehr interessant, aber schon auch deswegen – wann bekommt man schon mal so detaillierte Einblicke in den Arbeitsalltag seiner Lieben aus der Sicht von Dritten? Außerdem hilft es, sich nicht allzu sehr in das Schicksal der Menschen auf den Dokumenten hineinzudenken, die ich digitalisiere.

Am Nachmittag habe ich dann das Übergabe-Meeting mit dem Kollegen in Chicago, erledige dann noch kurz etwas und schreibe meinen Wochenbericht und dann ist dieses unglaubliche Arbeitsjahr vorbei. Was für ein Ritt.

Ich begieße den Eintritt ins lange Wochenende und die Jahresendfeierlichkeiten mit dem Rest Bellini von neulich, dazu Schnittchen und Knabberkram. Dann lese ich gemütlich, während der Liebste noch zockt, bevor wir uns beide auf der Couch einfinden und diverse Folgen „The West Wing“ gucken, bis er auf dem Sofa einschläft und wir dann vernünftigerweise wieder ins Bett wechseln.

28.12.2023 – Viele Menschenleben, reale Treffen und scharfes Essen

Der Tag beginnt wie immer mit dem Liebsten mit Kaffee im Bett. Diesmal muss er recht früh gleich richtig arbeiten – mit stundenlangem Kundentelefonat, während ich mir Zeit lassen kann und ganz gemütlich in den Tag starte. Kurz vor 10 bin ich dann wieder in meinem Couch-Office, frühstücke Mince Pie, Plätzchen und Obst und gehe durch die E-Mails der Nacht. Dann bearbeite ich die Dinge, die der Kollege aus Chicago mir an seinem Nachmittag zugearbeitet hat, koordiniere etwas mit einem Kollegen in Brünn und etwas anderes mit einem Kollegin in Dublin. Um 12 habe ich ein Meeting mit Berlin und Ostfriesland und danach kann ich mich den größten Teil des Arbeitstages (bis auf ein kurzes Übergabemeeting mit Chicago um 16 Uhr) der Freiwilligenarbeit widmen.

Entdeckt habe ich die Arolsen Archives damals bei Anke Gröner. Hier können alle, die lesen und schreiben können, dabei helfen, Akten aus Zeit der Shoah zu digitalisieren – einfach die Scans lesen und in digitale Formulare abtippen. So entsteht ein digitales Denkmal und ein von überall auf der Welt durchsuchbares Archiv, das sowohl für wissenschaftliche als auch für Familienforschung genutzt werden kann. Die Prämisse dabei ist, all die Namen der Opfer zu erfassen und ihnen so Respekt zu erweisen. In den letzten Jahren habe ich meine zwei Volunteering-Tage im Jahr dafür genutzt, Häftlingsakten aus Dachau zu digitalisieren. Dieses Jahr beschäftige ich mich mit Formularen, mit denen während und nach dem Krieg Menschen ihre – zumeist jüdischen – Angehörigen gesucht haben. Das nimmt mich diesmal emotional etwas weniger mit, weil diese Formulare von wohlmeinenden, besorgten Menschen ausgefüllt wurden und nicht von Verwalter*innen der Vernichtung.

Nichtsdestotrotz fahren dabei die Gedanken natürlich Achterbahn, all die Menschen, all die Schicksale, all die Lebenswege – geboren in dem einen Land, als letztes wohnhaft in einem ganz anderen Land, oft staatenlos geworden, die Suchenden wohnhaft in den USA, Brasilien, Palästina… Ab und zu ist ein Vermerk da, dass die Person lokalisiert wurde – gefunden und gerettet heißt das nicht zwangsläufig: einen Berliner Juden, der lokalisiert wurde und einen außergewöhnlichen Beruf hatte, habe ich gegoogelt und musste lesen, dass er im KZ umgekommen ist – aber immerhin wussten das die Angehörigen dann.

Es sind auch viele Kinder dabei, alte Leute, Jugendliche… Und natürlich denke ich dabei an Menschen, die heute auf der Flucht oder vertrieben sind, an Menschen in oder aus Kriegsgebieten und an den nicht enden wollenden Schrecken der Menschen, die dem damaligen Horror entkommen sind und wie wenig die Menschheit bereit ist zu lernen. Nebenbei höre ich das eben erschienene Live-Album von Jimmy Kelly, bei dessen Konzert ich im Mai war und bleibe bei „Ale Brider“ hängen, das mir als Ohrwurm den ganzen Tag erhalten bleibt.

Mittags gehe ich draußen spazieren, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen, höre den Podcast mit Monika Hauser zu Ende und kaufe Saft und Eier ein. Abends treffen wir einen ehemaligen Kollegen aus Warschau und seine Frau bei unserem Stammchinesen. Sie sind aus Gründen genau hier in der Nachbarschaft untergebracht und wir treffen uns heute zum ersten Mal live und in Farbe. Es wird ein netter Abend mit Algensalat, Morchelsalat, Gurkensalat, Bambussalat, Frühlingsrollen und für mich Mapo Tofu. Das Handy bleibt die ganze Zeit in der Tasche, während wir vor allem über Essen, Reisen, Haustiere und alte und neue Arbeitgeber reden, daher keine Fotos vom Essen. Das Mapo Tofu ist unheimlich scharf und ich schaffe nur einen kleinen Teil davon, fast 12 Stunden später bin ich beim Schreiben innerlich immer noch ganz wund. Aber schmecken tut es trotzdem!

Wieder zurück lege ich mich in die Badewanne und dann mit Buch ins Bett, während der Liebste noch Wikingerdinge am Rechner tut.

27.12.2023 – Zwischen den Welten

Jetzt kommen drei merkwürdig der Normalität entrückte Tage, nicht etwa, weil sie zwischen zwei Jahren lägen, sondern weil sie eine ungewohnte Mischung aus Arbeitsalltag und Urlaubsgefühl mit sich bringen und mein Geist noch nicht so ganz weiß, ob er sich jetzt entspannt fühlen soll oder eben nicht. Ich erwache bevor der Wecker des Liebsten klingelt, der seinen Arbeitsbeginn früher als ich hat, und dann gibt es erstmal Kaffee im Bett und Internet leer lesen und alle diese Dinge, nur eben zu zweit statt wie sonst zu dritt (ich und Katzen). Als der Liebste in seinen ersten Termin muss, stehe ich auf und mache mich fertig für den Tag.

Mein Arbeitsplatz ist die Couch im Wohnzimmer, der Schreibtisch des Teilzeitkinds ist zu niedrig, der Esstisch mir zu unbequem für diese Zwischenzeit und außerdem bin ich ja Bett-Office durchaus gewöhnt. Zum Frühstück gibt es Plätzchen und Obst, dann gehe ich durch die E-Mails der letzten Tage (ungewohnt wenige, sehr schön) und dann habe ich um 10 mein erstes Meeting – mit zwei Kolleg*innen im Büro, dem Kollegen in Ostfriesland und einem Kollegen, der sich trotz Weihnachtsurlaub eingewählt hat. Das Meeting macht direkt Arbeitsalltagsgefühl, mein Geist fährt erst ein wenig zurück, als es nach einer Stunde vorbei und die Meeting Notes geschrieben sind.

Dann mache ich mich an die Aufgaben, die ich mir für diese Zeit aufgehoben habe, in denen ich mich ohne viele Unterbrechungen um kleinschrittige Vorgänge kümmern kann, für die es hohe Konzentration braucht. Mit zweitem Monitor und externer Maus würde es schneller gehen, aber ich habe ja Zeit. Offiziell arbeite ich übrigens nur heute richtig und habe die nächsten beiden Tage „frei“ für ehrenamtliche Tätigkeit (wir bekommen dafür zwei Tage im Jahr und wenn ich die bisher nicht verbraucht habe, nutze ich sie gerne in dieser Zeit). Da aber einerseits meine ausgewählte Tätigkeit auch virtuell am Rechner stattfindet, dabei psychisch herausfordernd und eher in Häppchen zu ertragen ist – morgen dazu mehr – und ich andererseits die einzige in meinem Team in meiner Zeitzone bin, die an diesen drei Tagen keinen Urlaub hat, verteile ich die zwei Tage über die drei Tage und mache zwischendurch normale Arbeitsdinge. Auch das ein merkwürdiges „Zwischen“-Gefühl.

Mittags machen wir uns Kartoffelgratin-Reste und Chorizo von gestern warm, dann drehe ich eine kurze Runde durch den Park und gehe Notwendiges einkaufen (Kaffee, Milch, Saft, Haarspray für den Liebsten), bevor ich zurück im Couch-Office bin. Ich lese für eine italienische Kollegin in Dublin, die aber bestimmt gerade bei ihrer Familie in der Nähe von Triest ist, eine Übersetzung Korrektur und arbeite ansonsten ehrenamtlich, bis mein Kollege in Chicago online geht. Dann halten wir ein kurzes Meeting, erzählen uns unsere Weihnachten, sprechen ab, wer was wann macht und wie wir uns die nächsten drei Tage gestalten.

Um 17 Uhr mache ich einen frühen Feierabend und dann fahren der Liebste und ich mit der S-Bahn rüber nach Friedrichshain und treffen eine Freundin in einem hipsterigen Schweizer Fondue-Restaurant mit Skihüttenflair, irgendwo im Nirgendwo. Die Location ist skurril, das Essen ausgesprochen köstlich und die Gesellschaft natürlich herausragend gut. Es gibt eine Vorspeisenplatte mit Aufschnitt (Bühühündnerfleisch!!), Cornichons und Meerrettich, dazu Aperol Spritz. Zum Hauptgang teilen wir uns ein Käsefondue mit Trüffel und ein Fleischfondue, dazu Kartoffeln, Champignons, Brot, Dips und für mich Rivella. Zum Nachtisch gibt es Schokofondue mit Obst und Schnaps aufs Haus (für mich Birne).

Es ist heiß und stickig in der Hütte, das Essen mächtig und histaminreich – mir wird ein bisschen schwummrig, das lässt sich dann aber mit Frischluft und kurz Füße hoch einigermaßen regeln. Ich denke, ich sollte demnächst mal wieder etwas auf den Histamingehalt meines Essens achten, das war alles bisschen viel in letzter Zeit.

Da wir uns schon so früh getroffen haben, sind wir am Ende schon kurz nach 22 Uhr wieder zuhause. Ich lege mich aufs Bett und ruhe mich aus, der Liebste darf noch eine Runde zocken und dann kehrt irgendwann zwischen Mitternacht und 1 Uhr Ruhe ein. Später als im Arbeitsalltag, früher als wenn wir einfach frei hätten. Dazwischen halt.

26.12.2023 – Komprimiertes Weihnachten im Schnelldurchlauf

Ich wache kurz vor halb 9 auf, ohne Wecker und mit noch schlafenden Katzen, das spricht für echtes Ausschlafen, juhu! Bis gegen 10 liege ich im Bett, dann beginnt eine fast zweistündige Phase hektischer Betriebsamkeit, denn was wäre Weihnachten ohne diese? Ich räume um mein Bett herum auf, stelle den Geschirrspüler an, lege Wäsche zusammen, sauge Staub, durchsiebe das Katzenklo, fülle Wassernäpfe auf, gieße Pflanzen, packe meine Sachhen für vier Tage inkl. Arbeit und Weihnachtlichem, dusche, bringe den Müll weg und fahre dann mit Sack und Pack (ein schwerer Rucksack, ein schwerer Beutel, eine Geschenktüte) mit S- und U-Bahn nach Südberlin. In der Ringbahn bin ich die einzige mit Maske, in der U9 sind es ein paar mehr. Die Zeit in der Bahn nutze ich für die Sprach-Apps – alles für den Streak!

Der Liebste holt mich mit Kaffee am U-Bahnhof ab und hilft mir Tragen. Wir spazieren zu ihm nach Hause, legen Sachen ab und treffen die letzten Vorbereitungen für unser Weihnachten. Ich hänge den letzten Schmuck in den Baum – das Teilzeitkind hatte scheinbar mitten im Schmücken plötzlich was Anderes vor letzte Woche – und lege Geschenke darunter, stelle Plätzchenteller zusammen, entzünde die Kerzen am Adventskranz, es läuft Weihnachtsmusik (im Speziellen „Fairytale of New York“ und „Jingle Bells“, eher nichts mit Jesus und so) und dann liegen wir noch einen Moment auf dem Sofa und kümmern uns um das Größte meiner Weihnachtsgeschenke – ein Wochenende in einem Wellnesshotel an einem der Seen rund um Berlin. Nach einigem Hin und Her buchen wir schließlich eins für gleich in zweieinhalb Wochen und sind beide sehr glücklich und zufrieden damit.

Kurz darauf kommt die beste Freundin des Liebsten an und seine Mitbewohnerin aus ihrem Zimmer. Wir stoßen mit Sekt an und dann ist endlich so richtig Bescherung. Ich bekomme die meisten Geschenke, denn der Liebste hat natürlich noch welche von seiner Familie mitgebracht, aber jede*r hat hier etwas zum Auspacken und am Ende sind alle sehr zufrieden.

Der Nachmittag vergeht mit Kochen (hauptsächlich die beste Freundin des Liebsten mit Zuarbeit des Liebsten), Sekt trinken und erzählen. Dann gibt es einen Bellini zum Aperitif und dann veganes Kartoffel-Spinat-Gratin und vegane Chorizos, dazu Rioja, für die die Rotwein mögen (hauptsächlich ich).

Wir sitzen und erzählen, bis irgendwann gegen 20:30 alle schrecklich müde sind. Schnell noch die Küche aufräumen, die beste Freundin verabschieden und dann liegen der Liebste und ich wieder auf der Couch. Wir gucken verschiedene Comedy-Sachen auf YouTube und Netflix (am intensivsten und empfehlenswertesten ist Daniel Sloss‘ „Dark“) und gucken nebenbei in unsere Telefone, wie sich das gehört. Kurz nach 23 Uhr gehen wir ins Bett, denn morgen heißt es für beide wieder Arbeiten.

25.12.2023 – Weihnachtliches

Es ist ja so, hierzulande ist für uns Nichtchrist*innen Weihnachten am 24. Dezember, am 25. gibt es noch ein paar Nachwehen, aber ansonsten sind die beiden folgenden Feiertage hauptsächlich zum Ruhen, Essen, Schlafen, Lesen, mit Weihnachtsgeschenken spielen gemacht. Somit habe ich heute weniger FOMO als gestern bei der Aussicht, einen weiteren Tag isoliert in meinem Zimmer zu verbringen. Nachdem ich schon vor 7 wach war – danke Katzen – hatte ich ungefähr ab 9 große Vorfreude auf Rotkraut und Klöße, haderte dann noch kurz mit mir und beschloss dann, ganz achtsam meinen Bedürfnissen zu folgen. Drum sah mein Frühstück im Bett dann um 10 so aus:

Die gekauften Klöße und das gekaufte Rotkraut schmeckten beide erstaunlich gut, ich muss mir die Marken merken für unterjährige Gelüste oder zukünftige eingeschränkte Festlichkeiten. Dazu gab es Polpettone di melanzane, die der Mitbewohner gestern in stundenlanger Kleinarbeit zubereitet hat, und einen hieb zerlassene Butter. Ich war beim ersten Bissen selig, nach dem Essen genau richtig vollgefressen und schläfrig.

Während des Essens war tief im Westen das Teilzeitkind in einen Zug tief im Süden gestiegen, erste längere Alleinfahrt mit 10. Das ist aufregend, aber nicht mehr so sehr wie die weit kürzere erste Alleinfahrt zu Ostern, als es noch kein Handy hatte, die Sitznachbar*innen doof waren und der Zug ungeplant längere Zeit auf offenerer Strecke hielt. Diesmal alles ganz entspannt. Ich versuche, mir die Zeit mit Lesen zu vertreiben, schlafe dabei aber immer wieder ein. Als „Mittagessen“ gibt es dann eine weitere Weihnachtstradition – aufgetaute Erdbeeren vom Sommer, normalerweise mit Schlagsahne, bei mir heute mit Vanilleeis. Über die Tradition hatte ich mal im Schreibworkshop geschrieben, diese Erdbeeren habe ich am 16. Juli eingefroren.

Irgendwann kommt die erlösende Nachricht vom Mitbewohner, dass sein Schnelltest negativ ist und nachdem der zweite ein paar Stunden später es auch ist, heben wir feierlich die Isolation auf. Die Katzen brauchen mich nicht mehr, um in meinem Zimmer ein- und auszugehen, wir können uns ohne Maske außerhalb unserer Zimmer aufhalten, uns entspannt in den Gemeinschaftsräumen aufhalten und uns von Angesicht zu Angesicht unterhalten.

Auch der Liebste freut sich sehr über die Entwicklung. Er ist inzwischen wieder zurück in Südberlin und ruht sich einen Abend von den hektischen letzten Tagen aus, bevor wir uns morgen dann endlich wieder sehen und Weihnachten nachfeiern. Jetzt stehe ich erstmal auf, mache mir noch eine Portion Klöße, Rotkraut und Polpette zum Abendbrot, zum Nachtisch gibt’s eine Orange (auch das früher ein typisch weihnachtlicher Genuss, wir hatten ja nischt!) und esse das Ganze im Wohnzimmer. Dann packe ich das Puzzle-Geschenk von gestern aus und lege los, während im Fernsehen „Zwei Weihnachtsmänner“ mit Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst läuft. Es ist eine ganz schöne Fummelei und ich muss auf dem Boden puzzlen, weil die quadratische Form für den Tisch zu groß ist. Mein Rücken dankt es mir am Ende nicht, aber ich schaffe alles innerhalb eines Abends, bevor ich gegen Mitternacht im Bett verschwinde.

Unten im Bild die neuen Hausschuhe

24.12.2023 – Mein Alleinachten

Von den Katzen wieder kurz vor 8 geweckt, mache ich gleich nach dem Covid-Test (immer noch negativ) den Adventskalender auf. Hinter dem 24. Türchen verbirgt sich ein kleines Glas Erdbeerkonfitüre und das ist zwar weniger weihnachtlich als viele der anderen Türen, passt aber zum Gesamtkonzept. Ich telefoniere mit dem Liebsten und mache mir dann früher als die letzten Tage Frühstück – wieder mit Tiramisu, Apfelsine, Weihnachtsgebäck, dazu einen Chai. Dem Mitbewohner lege ich als Weihnachtsüberraschung eine Packung Tartufi aus dem italienischen Supermarkt auf die Türschwelle – er freut sich sehr und wir wünschen uns schriftlich „Buon Natale“.

Dann schaue ich den Rest der Weihnachtsstaffel von LOL und der bringt mich deutlich mehr zum Lachen als die erste Folge. Ganz großartige Unterhaltung ist das! Direkt im Anschluss dann Weihnachten bei Hoppenstedts, das auch von meiner angeheiterten Stimmung profitiert. Und danach dann die Weihnachtsgans Auguste und das DDR-Weihnachtsalbum mit den ganzen Kinderchören. Zwischendrin das nächste Telefonat mit dem Liebsten, bevor dort in den Zoo aufgebrochen wird, um wie jedes Jahr Heiligabend die Elefanten zu füttern – ich bekomme ein Video.

Gegen 13 Uhr stehe ich auf und gehe duschen – mit offenem Fenster, weil das Bad ja potenziell kontaminierte Zone ist. Alles in allem eine logistische Herausforderung. Falls jemand von den Nachbar*innen Spaß daran hatte – wohl bekomm’s. Später ruft der Liebste wieder an, während er seine Geschenke verpackt. Dabei hat er festgestellt, dass ausgerechnet die für seine Eltern noch fehlen, die liegen nämlich noch im Online-Warenkorb, mit der Frage, ob sie zu einer Sendung zusammengefasst werden dürfen. Es waren für uns alle stressige Wochen.

Dann ist es Zeit, rauszugehen und sich mit dem Bruder und seiner Freundin auf einen Spaziergang zu begeben. Unterwegs nehme ich noch Müll mit hinunter – die Tonnen sind jetzt schon voll, gut, dass ich strategisch schon vor den Feiertagen alles weggebracht habe, das wird unschöne Szenen geben. Mit den Beiden spaziere ich hier durchs Viertel, wir machen ein Foto für die Familie, tauschen Geschenkebeutel aus und dann bringe ich die beiden zur Tram und laufe zurück. Auf dem Heimweg das nächste Telefonat mit dem Liebsten. Man nähert sich Kaffeetrinken, Bescherung und Abendbrot (in der Reihenfolge).

Wieder daheim mache ich mir wieder Würstchen und Kartoffelsalat und fange an „Ein Sturm zu Weihnachten“ auf Netflix zu gucken – die diesjährige norwegische Weihnachtsserie, wieder sehr gut. Eine Empfehlung einer Freundin, die zuletzt wegen Mutterschutz und gleichzeitig Covid viel Zeit alleine zuhause verbracht hat. Der Liebste meldet sich nach der Bescherung und ich erhalte Dank und Aufmerksamkeit für meine Geschenke. Leider scheint auf Nachfrage eins zu fehlen und bleibt bis auf Weiteres unauffindbar. Und auch zu den anderen konnte ich nicht so viele Erklärungen mitgeben, wie ich es gerne getan hätte. Das ist dann der emotional schwierigste Moment des Alleinachtsfests.

Zur Kompensation mache ich meine Geschenke von meinem Bruder auf – zwei Bücher mit Hiddensee-Bezug von meiner Wunschliste und ein ziemlich schwierig aussehendes Katzenpuzzle – das muss ich angehen, sobald ich wieder ins Wohnzimmer kann!

Der nächste Programmpunkt ist ein Videotelefonat mit der besten Freundin des Liebsten, die aus anderen Gründen Weihnachten alleine verbringt. Wir quatschen fast eine Stunde lang über Weihnachtliches und Unweihnachtliches und das ist sehr schön. Danach schaue ich die Serie zu Ende (es sind nur sechs kurze Folgen), telefoniere noch mehrmals mit dem Liebsten (das verschwundene Geschenk findet sich später im Hotelzimmer wieder, wo es aus dem Koffer gerutscht ist) und dann ausführlich mit meinen Eltern, die vor dem geschmückten Baum am Kamin sitzen.

Hinterher schaue ich noch „Die Familie Stone“ – gibts auf Prime leider nur auf Deutsch. Die DVD mit der englischen Fassung liegt im Wohnzimmer. Sie lief, während ich am Mittwoch die Geschenke einpackte und wurde gestoppt, als der Mitbewohner den positiven Test hatte. Jetzt schaue ich den Film nochmal komplett – Tradition, seit ich den Weihnachten 2005 mit meinen Eltern in einem Kino in Nova Scotia gesehen habe. Dazu gibt es Bratapfelpopcorn aus dem Adventskalender und ich schreibe mit verschiedenen Freund*innen und Bekannten Weihnachtliches.

Vor dem Einschlafen fange ich dann noch das nächste Buch an – „Schlesenburg“ von Paul Bokowski – der ist noch vom Geburtstagsstapel.

23.12.2023 – Vorbereitung auf Alleinachten

Auf die Katzen ist Verlass, sie wecken mich spätestens gegen 8, so auch heute. Die üblichen morgendlichen Verrichtungen, aktuell ergänzt um Covid-Test (negativ) und Adventskalender, dann ein Telefonat mit dem Liebsten, der noch im Bett liegt und Kaffee trinkt, während der Rest der Sippe durch den Hotelpool tobt, bevor sich alle zum Frühstück treffen. Ich selbst frühstücke gegen 11. Es gibt Tiramisù, das der Mitbewohner gestern in einem Anfall von Covid-Trotz zubereitet hat, wonach er sich schleunigst wieder ins Bett legen und schlafen musste, dazu Orange, Apfel und Vanillekipferl.

Dann schaue ich „My Life with the Walter Boys“ zu Ende, telefoniere mit meinem Bruder und beobachte den Schnee, der draußen in dicken Flocken fällt und quasi direkt bei Berührung mit dem Boden wegschmilzt. Irgendwann raffe ich mich auf und ziehe mich an. Ich bringe drei Sorten Müll nach unten, leere den Briefkasten und gehe dann eine Runde Spazieren. Nach etwa einer Stunde bin ich wieder zurück und lege mich direkt wieder hin. Das war anstrengend, so ganz gesund bin ich definitiv auch nicht. Wahrscheinlich hat mein Körper in den letzten Tagen fleißig die umherschwebenden COVID-Viren bekämpft und ist davon erschöpft (nach 5 Impfungen und 2 Infektionen weiß mein Immunsystem vermutlich ganz gut, wie das geht?)

Ich schmiere mir Stullen (Avocado-Kichererbsen-Aufstrich, Bio-Salami, Bio-Tilsiter) und pflege dann eine Tradition aus der Hasenfamilie – „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gucken und dabei satt und zufrieden einschlafen.

Dann ist Telefonieren mit dem Liebsten angesagt, während dort der Baum geschmückt wird, und er berichtet vom Besuch bei seinem Onkel und seiner Tante. Als nächstes versuche ich, etwas nicht-weihnachtliches zu gucken, aber nichts kann mich fesseln. Zum Glück ist es dann irgendwann Zeit und ich schaue parallel mit der Liebstenfamilie um 19 Uhr „Der kleine Lord“.

Danach mache ich mir Wiener warm, esse sie mit gekauftem Kartoffelsalat (meh) und telefoniere mit meinen Eltern in Kanada.

Dort sind gerade Freunde da, die sich auf dem Grundstück einen Weihnachtsbaum ausgesucht haben – und meine Eltern haben sich auch einen geschlagen. Bei uns wurde nämlich seit ich mich erinnern kann noch nie ein Weihnachtsbaum gekauft, Herr Merz! Beim Telefonieren und danach trinke ich den neulich angebrochenen Erdbeerglühwein aus, das stimmt mich milde genug, um dann den sehr fragwürdigen Weihnachtsfilm „Family Switch“ auf Netflix bis zum Ende zu sehen, obwohl der echt hanebüchen ist und plötzlich auch noch Matthias Schweighöfer auftaucht. Schokolade hilft auch.

Danach rufe ich nochmal beim Liebsten an, aber das Teilzeitkind geht ran, weil es gerade auf Papas Handy Fernsehen darf, während Papa mit Onkel K. auf ein Bier an der Hotelbar ist. Es ist recht einsilbig und möchte schnell zurück zu seinem Film. Kurz danach ruft der Liebste dann zurück und wir sagen uns „Gute Nacht“. Ich überlege kurz, noch zu lesen, will dann aber doch nochmal kurz auf TikTok was anschauen und dann ist es irgendwann Mitternacht und ich schlafe einfach ein.

22.12.2023 – Langsam Runterfahren

Der Tag beginnt zwar mit Halsschmerzen, aber so eindeutig negativem Test, dass ich jetzt auch überzeugt bin, dass der eine gestern ein Fehler war. Mein erster in 3,5 Jahren, ausgerechnet dann, wenn eine Infektion extrem wahrscheinlich ist. Aber gut, keine Infektion ist ja besser als eine Infektion, auch wenn ich mich weiter isolieren muss (in meinem Zimmer, in der Wohnung nur mit Maske, rausgehen erlaubt), bis der Mitbewohner wieder negative Tests hat. Heute aber fühle ich mich auch eh noch so schlapp und erkältet, dass ich völlig zufrieden damit bin, den ganzen Tag im Bett zu liegen. Und Arbeiten muss ich ja auch noch.

Zum Frühstück gibt es Weihnachtskaffee, Stollen, Dominosteine, Lebkuchen und eine Orange. Alle eigentlich heute stattfindenden Meetings sind aufgrund von Krankheit der Teilnehmenden oder fehlender Dringlichkeit abgesagt. In meinem Team sind nur noch die Kollegin aus Frankreich und ich arbeitend. Die USA haben heute frei. Es ist seeeeeeeehr ruhig, noch ruhiger als gestern. Ich erledige ein paar Freitagsdinge, chatte mit der Kollegin in Frankreich, bearbeite ein paar E-Mails und helfe dem Geschäftsführer beim Formulieren seiner Weihnachtsmail ans Team, mehr passiert nicht.

Dazwischen mehrere Telefonate mit dem Liebsten, der schon frei hat und alles für das Weihnachtsfest mit seiner Familie packt, dann auf das Eintreffen des Teilzeitkinds von der Schule wartet, um rechtzeitig los zum Zug zu kommen. Das Kindelein verspätet sich, weil es die Hausaufgabe, ein brennendes Teelicht im Glas als Friedenslicht möglichst unbeschadet mit nach Hause zu bringen, während es Ranzen, Roller und den Reststurm irgendwie händeln muss. Es wird alles etwas hektisch, aber am Ende stehen sie pünktlich am Gleis und kommen auch fast pünktlich an.

Ich schreibe zu 17 Uhr meinen Wochenbericht fertig, verabschiede mich im Teamchat bis nach Weihnachten und klappe den Arbeitslaptop zu und meinen privaten auf. Der Rest des Tages ist bestimmt von Fernsehen. „Feel Good“ zu Ende, fast die komplette erste Staffel von „My Life with the Walter Boys“ (Teenie-Dramen, what‘s not to love?), die erste Folge des LOL-Weihnachtsspecials. Dazwischen immer wieder die Katzen rein und raus lassen, mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind telefonieren… Und zum Abendbrot gibt es ganz festlich Ofenkäse und zum Nachtisch Vanilleeis mit heißer Kirschgrütze und Zimt-Marzipan-Eierlikör. Irgendwann kurz vor Mitternacht fallen mir die Augen zu und ich gebe dem nach.

21.12.2023 – Alles auf einmal

Kurze und zerstückelte Nacht. Ich wache einmal gegen halb 3 auf und gehe aufs Klo. Dann kurz nach 5 weil die Katzen rauswollen und dann ist die Nacht auch schon vorbei und der Kopf springt an, komisch kränklich fühle ich mich auch. Ich teste mich (negativ) und dümpele dann so vor mich hin. Mit Bloggen und allem bin ich schon fertig, bevor normalerweise der Wecker klingelt. Als das Teilzeitkind aus dem Haus ist, ruft der Liebste an und wir besprechen die Lage. Dann mache ich mir und den Katzen Frühstück und hole mir den Laptop – Bett-Office wegen Isolation.

Auf der Arbeit ist es, als wäre gestern Abend irgendwann ein Schalter umgelegt worden – nach wochenlangem Dauerfeuer ist es plötzlich erstaunlich ruhig. Viele sind krank oder schon im Weihnachtsurlaub oder in den letzten Zügen davor, wer noch da ist, arbeitet nur noch letzte Dinge ab und versucht, sich möglichst leise rauszuschleichen. Um 10 habe ich nochmal ein Meeting mit der Runde der letzten Tage (Dublin, Salerno, Paris, Valencia, Madrid – Brüssel hat das Kind krank) zum Debrief. Wir diskutieren und einigen uns auf nächste Schritte, die ich danach schriftlich festhalte und mit den anderen teile. Rausschicken werden wir das Ganze erst im Januar, sonst geht es unter. Die drei anderen für heute geplanten Meetings (Paris, Ostfriesland und Chicago) werden nacheinander jeweils vom Gegenpart abgesagt, worüber ich nicht böse bin. Ich fühle mich zunehmend kränklicher. Noch nicht arbeitsunfähig im Homeoffice, aber zu früheren Zeiten wäre jetzt der Moment gewesen, die Reißleine zu ziehen und das Büro zu verlassen.

Jetzt verlasse ich erstmal das Bett-Office, denn ich habe noch Dinge zu erledigen. Ich muss vor Weihnachten noch ein Rezept abholen und in die Apotheke, außerdem Einkäufe für den quarantänisierten Mitbewohner erledigen und dann auch für mich selbst einkaufen, weil ich jetzt ja doch mindestens vier Tage hier sein werde statt woanders. Und an denen will ich es mir auch noch so gut wie möglich gehen lassen, vorausgesetzt ich verliere nicht den Geschmackssinn, aber selbst dann. Durch Regen und Sturm laufe ich zur S-Bahn, fahre nach Moabit, laufe zur Arztpraxis. Schon auf dem Hinweg merke ich, wie mein Körper mir die typischen Signale aufkommender Krankheit sendet. Halskratzen, Kopf- und Ohrenschmerzen, Schwächegefühl, Frösteln, Bauchschmerzen… Es hilft nix, ich muss da jetzt noch durch.

In der Arztpraxis muss ich warten, weil bei der Patientin vor mir das Karteneinlesegerät streikt und dann erst neugebootet werden muss. Nach 2-3 Minuten Stehen setze ich mich zum Warten hin. Außer mir trägt nur eine andere Person im Wartezimmer Maske, vom Personal niemand. OK, es ist eine Facharztpraxis, keine Hausarztpraxis und ich weiß, dass hier ein strenges Impf- und Testregime im Team herrscht (inkl. regelmäßiger Antikörpertests), aber trotzdem – bei der Krankheitswelle da draußen…?

Mit dem Rezept geht es unten im Haus in die Apotheke, wo ich außerdem noch Paracetamol für den Mitbewohner hole. Dann zurück zur S-Bahn und in den Prenzlauer Berg. Dort hole ich mir im Supermarkt zum ersten Mal seit langer Zeit einen Wagen. Die Einkaufsliste vom Mitbewohner ist nicht kurz – er plant scheinbar, trotz Erkrankung ordentlich zu kochen die nächsten Tage. Meine Prämisse für den Einkauf lautet eher, dass ich damit rechne, krank in meinem Zimmer zu liegen und möglichst nur kurz in der Küche sein will. Also kaufe ich lauter Dinge für schnelles Essen – Brot mit was drauf, Obst, Milch fürs Müsli… Weihnachtliches in Fertigform (Kartoffelsalat, Würstchen, Rotkraut, Klöße), ein paar Luxusgüter (Chips, Eis, Weihnachtsschokolade, Ofenkäse) und einen Salat von der Salatbar für mein heutiges Mittagessen.

Schwer bepackt geht es dann zurück nach Hause. Drei Stunden war ich unterwegs. Oben angekommen bin ich platt, verräume noch schnell die Einkäufe und gehe dann mit dem Salat zurück ins Bett-Office. Endlich Maske ab. Ich habe heute noch eine Kommunikation zu versenden und stupse nochmal die Kollegin in London an, von der ich dafür noch Zuarbeit benötige. Außerdem muss ich die Bitte um ein spontanes Meeting morgen ausschlagen, da wortwörtlich alle, die daran von unserer Seite teilnehmen könnten (selbst die Vertretung der Vertretung) krank sind.

Als ich mit Essen fertig bin, klingelt es. Die Lieferung mit 6x 18 kg Katzenstreu, die ich Anfang der Woche erwartet hätte und die dann für morgen angesagt war, ist jetzt da und der DHL-Mann bittet mich, runterzukommen und beim Tragen zu helfen. Tolles Timing, der Mitbewohner ist krank und in Quarantäne, der Lieblingsnachbar, der helfen könnte, ist im Büro. Also gehe ich mit Maske runter, beschließe, dass das ganze Katzenstreu in den Keller kommt, quittiere den Empfang und habe dann sechs große, schwere Pakete im Treppenhaus stehen und den Weg versperren. Ich trage eins nach dem anderen in den Keller. Mit zwischendurch absetzen und zum das letzte wird dann nur noch „gekipprollt“.

Bis ich wieder oben bin ist locker eine halbe Stunde vergangen. Ich liege wieder im Bett und atme schwer. Aber gut, dass das jetzt erledigt ist, bevor ich richtig krank bin. Die Kollegin aus London meldet sich und ich kann meine E-Mail abschicken. Dann noch ein bisschen Chatterei mit dem Team – inkl. der beiden, die eigentlich Urlaub haben aber scheinbar nicht loslassen können. Kurz nach 17 Uhr ist der Liebste da, um die Weihnachtsgeschenke abzuholen. Wir stehen mit Abstand und Masken im Treppenhaus, er bekommt einen Koffer und einen Beutel voller Geschenke für seine Familie, ich bekomme eine Dose Mangosaft und eine neue Teetasse, die er unterwegs besorgt hat, um mich aufzumuntern. Nach fünf Minuten fährt er wieder nach Südberlin.

Ich melde mich von der Arbeit ab, gucke dann ein wenig im Internet umher und schaue mir die Aufzeichnung eines Webinars aus dem Adulting-Projekt an, das ich am Sonnabend verpasst hatte. Danach kurzer Social-Media-Check, der mich auf die Idee bringt, mir Beef Noodles zu bestellen (Auf die vielen heute gekauften Sachen habe ich keine Lust…) Ich nutze die Gelegenheit, endlich mal bei Wen Cheng zu essen. Immer wenn ich da vorbeigehe, ist da eine lange Schlange, geliefert wird das Essen in weniger als 30 Minuten.

Als mein Bruder fragt, wie es mir inzwischen geht, beschließe ich, den nächsten Schnelltest zu machen. Genau als ich einen sehr leichten zweiten Strich ausmachen kann, ist das Essen da. Ich fotografiere erstmal den Strich, sage dem Liebsten, der Familie, dem Lieblingsnachbarn, dem Mitbewohner und Mastodon Bescheid, und dann esse ich und telefoniere dabei mit dem Liebsten, der wieder zuhause ist, noch einkaufen war und jetzt einen Dönerteller verspeist. Immerhin essen wir zusammen Abendbrot.

Das Essen ist sehr lecker, aber auch sehr scharf, obwohl ich nur den mittleren Schärfegrad auf einer Fünferskala gewählt habe. Ich schaffe nicht alles. Wenig später mache ich noch zwei Tests zur Kontrolle, die beide negativ bleiben. Ich schiebe das auf das Essen und die noch geringe Viruslast und beschließe, es morgen früh nochmal zu probieren. Unterdessen mehren sich die Sorgen, ob der Liebste und das Teilzeitkind morgen mit dem Zug fahren können, oder der Sturm einen Strich durch die Rechnung machen wird. Alternativen von Mietwagen bis Absagen werden diskutiert, die Stimmung ist allseits trübe.

Heute jedoch kann man nichts mehr tun als abwarten. Ich schaue das neue Trevor-Noah-Special auf Netflix, das weniger witzig ist, als er im Juni live war, und danach (weil es zu spät für einen Film ist) noch diverse Folgen „Feel Good“, bevor ich Zähne putzen gehe. Dann lese ich noch, bis mir die Augen zufallen und ich gegen 1 einschlafe.