Kontaktlose Pandemielogistik

Die Pandemie macht vieles anders – einiges leichter, einiges schwerer – und einiges einfach aufregender.

Vor etwa zwei Wochen ging meine Jogginghose kaputt – sie wird seit Beginn der Pandemie deutlich häufiger getragen, als vorher und das Innenfutter riss beim zügigen Einsteigen am Morgen ein. Ich bestellte mir also online eine neue und bei der Gelegenheit gleich noch ein paar andere Basics (Mütze, Unterwäsche, Socken, schöne warme Pullover).

Bei drei Bestellungen ging alles glatt, bei der vierten passte ich nicht auf und erhielt zwei Tage später eine Mail vom Hausmeister unseres Firmenbüros, dass dort ein Paket für mich eingegangen sei. Annahme und Abgabe von Paketen gehörte vor der Pandemie zu den Annehmlichkeiten, die uns Mitarbeiter*innen das Leben erleichterten. Aber jetzt sind wir bald seit einem Jahr im Homeoffice!

Ich überschlug meine Möglichkeiten – während der Arbeitszeit nach Mitte und wieder zurück gurken würde zu viel Zeit verschlingen. Außerdem ist es draußen kalt, das Fahrrad kaputt und in den ÖPNV möchte ich aktuell nicht mehr. Somit fiel auch die Variante aus, für einen Tag im Büro zu arbeiten, wie ich es seit Beginn der Pandemie eine Handvoll Male getan hatte, wenn es nötig war. Das war auch im Frühjahr und Sommer, also in mehrfacher Hinsicht unter besseren Bedingungen.

Zum Glück wohnen meine Eltern nur wenige Gehminuten vom Büro entfernt und erklärten sich bereit, das Päckchen bei einem Spaziergang abzuholen. Von da an war alles ein wenig flexibler, denn das Schicksal der Pullover war nicht mehr von Büroschließzeiten abhängig. Allerdings wohnen meine Eltern logischerweise ebenfalls in Mitte und damit für mich aktuell eigentlich nur im Auto des Liebsten oder mit einem seeeeeeeeehr ausgedehnten Spaziergang am Wochenende erreichbar.

Gut erreichbar hingegen ist für mich mein Bruder, der wohnt nur 20 Gehminuten von mir entfernt. Und hat ein funktionierendes Fahrrad. Es begab sich also, dass er am letzten Wochenende meine Eltern besuchte und dort nicht nur die Pullover, sondern noch ein verspätet geliefertes Weihnachtsgeschenk für mich in Empfang nahm und radelnd hier in den Kiez brachte.

Ich war zu der Zeit nun allerdings beim Liebsten im Süden Berlins und (ohne erkennbaren Zusammenhang) danach die ganze Woche über krank bei mir zuhause. Also verschoben wir eine Übergabe der Waren immer weiter und weiter.

In einem parallelen Handlungsstrang bestellte ich vorletzte Woche für die ganze Kernfamilie Vogelhochzeitsleckereien aus der alten Heimat, die nun diese Woche bei mir ankamen und darauf harrten, auf die drei Haushalte verteilt zu werden. Der Bruder und ich verabredeten also, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Ein Treffen mit Tausch von Pullovern+Buch gegen Süßkram für die beiden anderen Haushalte mit anschließender Fahrradkurierfahrt nach Mitte andererseits.

Allerdings begab es sich dann aber so, dass er am von mir anvisierten Tag (heute) weder zeitlich noch räumlich verfügbar war. Aber: Ich habe einen Zweitschlüssel für seine Wohnung und so spazierte ich also vorhin dorthin, legte Süßkram für ihn wie angewiesen ab und nahm die Dinge für mich mit – fühlte sich sehr konspirativ an!

Zum Glück passen und gefallen beide Pullover, die Rücksendefrist hätte ich wohl inzwischen verpasst. Schon Anfang der Woche fragte der Händler per E-Mail nach, ob ich mit meiner Bestellung zufrieden sei. Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, dass ich dazu nichts sagen konnte, da meine (wirklich schönen, warmen, nachhaltig produzierten) Pullover sich durch meine Schusseligkeit bereits an der dritten Zwischenstation auf dem Weg zu mir befanden… Ich bin aber immer noch ein bisschen stolz auf mich, dass uns diese Lieferkette eingefallen ist und ich das Päckchen am Ende sogar komplett kontaktlos empfangen konnte.

Die Süßigkeiten für die Eltern müssen dann morgen Nachmittag leider per Liebstentaxi nach Mitte, damit sie pünktlich zur Vogelhochzeit da sind. Das erfährt der Liebste dann heute beim Abendtelefonat, wenn er es nicht vorher hier liest… Upsi.

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