06.01.2025 – Wandel allüberall

Ich habe das Handy nicht ausreichend lautlos gestellt und werde so um 9 geweckt, als die ganzen Erinnerungen für Dinge kommen, die im Laufe des Tages zu erledigen sind. Noch ganz schön müde mache ich mich auf den Weg in die morgendliche Routine. Fertig werde ich damit allerdings nicht, denn um 11 muss ich schon aufstehen – Termine, Termine. Es gibt ein italienisches Frühstück: Kaffee, Kekse und Obst und dann bin ich halb 12 aus dem Haus und latsche durch 12 Grad warmes Wetter, der Schnee von gestern ist natürlich komplett weg und mir reicht eine Übergangsjacke. Mein Weg führt mich zu einem Optikertermin.

Ich bin – eigentlich – Brillenträgerin, seit ich ein halbes Jahr alt war. Irgendwann pendelten sich meine Werte auf einem sehr stabilen Niveau ein, das so nah an Normalnull war, dass ich die Brille immer öfter weg ließ – auch aus kosmetischen Gründen – mir aber auch keine Kontaktlinsen machen ließ. Meine allerletzte Brille habe ich mir dann 2008 geholt. Auf den Bewerbungsfotos aus dieser Zeit ist sie noch drauf und auch 2010 trug ich sie laut meinen Fotos noch regelmäßiger. Bald danach hörte das aber auf. In den letzten Jahren hatte ich immer wieder das Gefühl, dass sich die Werte langsam ändern und so nahm ich mir eher halbherzig vor, das Thema nochmal anzugehen. Der Augenarzttermin vor ein paar Monaten war in der Hinsicht unbefriedigend, weil die Werte dort nur „ungefähr“ gemessen wurden und ich an einen Optiker verwiesen wurde, wo man das „genauer“ machen würde. Kopfschütteln.

Jedenfalls ist es heute soweit und ich trete zum Sehtest an. Mein Gefühl trügt mich nicht – ich habe die alten Werte zwar nicht mehr exakt im Kopf, aber sie haben sich rechts ein wenig und links deutlicher verschlechtert. Ich hätte ja bereits vor einer Weile wieder angefangen, meine 2008er Brille zu tragen, aber die ist sowas von außer Mode, das kann ich nicht verantworten. Aber einer neuen bin ich nicht abgeneigt und so verbringe ich die nächsten bestimmt 20 Minuten damit, die vorhandenen Modelle zu scannen, Möglichkeiten einzugrenzen und mich durch das Sortiment zu probieren. Ergebnisoffen übrigens, die Brille soll ja langfristig gefallen, da darf sie auch was kosten. Und obwohl ich mir Mühe gebe und auch die teuersten Marken anprobiere, lande ich am Ende bei einem Modell aus dem günstigsten Preissegment. Das ist dann, mit allen technischen Schikanen ausgerüstet, aufgrund einer aktuellen Rabattaktion nur unwesentlich teurer als die Brille von 2008 – trotz aller Inflation – so dass ich mir das gleiche Modell direkt auch noch als Sonnenbrille ausfertigen lasse. Später am Abend recherchiere ich dann noch online und stelle fest, dass der Rahmen auch noch aus nachhaltigen Materialien produziert ist und mit Bio-Acetat aus Italien – die musste mich ja finden. Nächste Woche kann ich sie abholen.

Nächster Programmpunkt ist der Copyshop, ich habe für einen meiner Kurse etwas in Farbe auszudrucken, das es dann gilt, an Stellen aufzuhängen, wo ich es tagtäglich wahrnehmen kann. Ich hänge es später neben mein Bett, über meinen Schreibtisch, an meine Pinnwand und an den Kühlschrank, bin aber sicher, dass die Version, die ich als meinen Desktop-Hintergrund gesetzt habe, diejenige sein wird, die am Ende den Unterschied machen wird. Egal, der Gedanke zählt.

Als letzten Punkt vor meiner Heimkehr geht es zur Post, endlich das Päckchen abholen, das mir Freitag angeblich nicht zugestellt werden konnte. Darin ist ein neues Fitness-Armband. Für mein bisheriges wird bald der Support eingestellt und es hat auch schon einige Macken. Das neue soll stabiler sein, berechnet mein Schrittziel intelligent statt nach von mir festgelegten starren Zahlen und kann nicht vibrieren, wenn jemand was von meinem Handy will. Evtl. tut das meinem Stresslevel gut? Für den Übergang und um zu gucken, wie sich die Messwerte evtl. unterscheiden, trage ich jetzt erstmal beide parallel.

Wieder zuhause habe ich jetzt endlich Zeit für meine Sprachübungen. Mehr als eine Stunde widme ich der französischen und der italienischen Sprache heute. Danach ist es Zeit für Stollen, Tee und Mandarine. Außerdem breche ich endlich den großen Kanister Quittensaft an, der hier schon seit Wochen steht aber offiziell erst gestern mit der verspäteten Bescherung in meinen Besitz übergegangen ist. Sehr lecker!

Nach dem Essen ist es draußen jetzt richtig sonnig, so dass ich nochmal einen ausführlichen Spaziergang mache, bis es dämmrig wird und danach die Schrittziele beider Armbänder erreicht sind.

Wieder zuhause widme ich mich zweien meiner Kurse, für die Hausaufgaben anstehen, meditiere eine Runde, koordiniere Termine mit der neuen Mitbewohnerin und gucke dann live die Pressekonferenz, die Justin Trudeau zu seinem Rücktritt gibt. Das ist aus diversen Gründen interessant, nicht nur, weil mir die politische Situation da drüben aus Gründen am Herzen liegt und ich zumindest 2015 sehr begeistert von seinem diversen und progressiven Kabinett war. Auch, weil da möglicherweise bald der nächste Trumpist an die Macht kommt und das nächste große Land in den nächsten Wochen, pünktlich zur Trump-Amtseinführung, politisch wenig handlungsfähig sein wird, ausgerechnet auch noch während Kanada den G7-Vorsitz innehat.

Es ist auch sprachlich spannend. Trudeau grüßt und verabschiedet sich auf Quebecois, seine Rede ist in Abschnitte unterteilt, die er erst auf Englisch und dann auf Quebecois vorträgt und die Fragen der Journalist*innen werden in jeweils einer der Sprachen gestellt und von ihm dann erst in dieser, dann in der anderen Sprache beantwortet. Die Fragen selbst werden nicht übersetzt. Ich bin beeindruckt, wie komplett seine Übersetzungen sind. Ich habe sowas ja auch schon gemacht, mit Deutsch und Englisch, und weiß, wie leicht man in der zweiten Sprache dann Abkürzungen nimmt oder etwas vergisst, weil es zu viel Text auf einmal ist. Entweder ist er wirklich sehr schlau (und natürlich geübt), oder seine Antworten werden in Echtzeit übersetzt und ihm dann auf den Teleprompter geschoben. Auf jeden Fall gehört zur kanadischen Spitzenpolitik eine ganze Menge mehr sprachliches Können, als zur deutschen.

(Sidenote: Meine Französisch-Auffrischung zahlt sich aus, ich verstehe zwar nicht jedes Wort, kann aber verfolgen, dass er inhaltlich auf Quebecois wirklich genau das Gleiche sagt, wie auf Englisch. Und mich herrlich über diesen Dialekt amüsieren – Bonn matteng!)

Zwischen Abtritt Trudeau und Wahlbestätigung Trump passt das Kochen des Abendessens. Heute gibt es Pappardelle mit (getrockneten) Steinpilzen.

Beim Essen gucke ich den Livestream aus dem Capitol. Vor vier Jahren guckten der Liebste und ich das auch parallel und waren dann live dabei, als sich die Ereignisse vom 6. Januar zutrugen. Danach war für uns klar, dass Trump nie wieder antreten, geschweige denn gewählt werden kann. Tja. Heute läuft alles geordnet und nach Vorschrift ab und Kamala Harris zertifiziert mit viel Würde das Wahlergebnis. Man würde sich ja eine kleine Spitze oder so eine Mini-Insurrection wünschen, aber natürlich sind die Demokrat*innen brav und der Faschismus kann einkehren. Einzig schön ist, wie Amy Klobuchar und die anderen, die die Ergebnisse aus den einzelnen Staaten vorlesen, Kamala Harris dabei immer mit „Madam President“ ansprechen, Frau Klobuchar tut das mit trotzigem Enthusiasmus.

Den Rest des Abends verbringe ich dann eskapistisch mit diversen Folgen Parenthood und gehe wieder viel zu spät ins Bett.

05.01.2025 – Endlich Weihnachten #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Nimbin miaut gegen 8 Uhr sehr laut und braucht meine Aufmerksamkeit. Streicheln ist dabei wichtiger als Futter, wenigstens das. Ein bisschen blöd ist jedoch, dass ich erst nach 2 im Bett war und so definitiv zu wenig geschlafen habe. Ich füttere die Katzen und mache mir einen grünen Tee, bevor ich mich wieder ins Bett lege und die übliche Runde durchs morgendliche Internet drehe, dann blogge, dann Französisch lerne, dann Italienisch, dann kommen Wordle, Connections, Strands, Past Puzzle, Bandle und mein langjähriges Handyspiel dran. Kurz nach 10 bin ich dann durch und kümmere mich um mein eigenes Frühstück.

Der Plan waren erst Pancakes, dann normale Eierkuchen, dann entscheide ich mich, das Eiweiß vorher zu schlagen, damit es fluffiger wird. Evtl. stimmt auch das (Erbsen-)Milch-Mehl-Verhältnis nicht ganz und weil ich zuerst die falsche Pfanne nehme werden dann beide Eierkuchen keine normtypischen Eierkuchen, so dass ich spontan umdisponiere, die Kuchen in Fetzen reiße und mit Zimtzucker karamellisiere. Hallo Kaiserschmarrn! Dazu gibt es den letzten Rest Quark (Warum wird Quark eigentlich nicht mit wiederverschließbarem Deckel verkauft?) und Sauerkirschmarmelade.

Nach dem Essen telefoniere ich mit dem Liebsten und weil danach noch viel Zeit ist und ich wirklich immer noch sehr müde bin, schlafe ich einfach nochmal ein gutes halbes Stündchen auf dem Sofa. Danach zweiter Versuch, in den Tag zu kommen. Ich rolle die Yoga-Matte raus und gehe das nächste Video an. Heute ist es recht anspruchsvoll, so dass ich nicht nur wegen des kaputten Arms nicht mitkomme, sondern auch einige andere Asanas selbst mit gesundem Arm an mangelnder Flexibilität meines Körpers scheitern würden. Ich überbrücke diese teils mit anderen Übungen, teils mit einer neuen Variante: Von so einer Matte aus sieht man ja den Raum aus ganz anderer Perspektive. Unter anderem fallen einem die vielen Katzenstreukrümel auf, die bereits einen Tag nach dem Staubsaugen schon wieder überall verteilt sind. Statt Mermaid-Posereien laufe ich also zwischendurch mit Kehrschaufel und Besen gebückt durch die Wohnung – das macht auch Flexibilität und Bewegung!

Nach dem Yoga wird geduscht, dann setze ich mich nochmal kurz hin und atme tief durch, bevor es auch schon Zeit ist, zusammenzupacken und loszulegen. Heute ist, nach zwei wegen COVID abgesagten Versuchen, nämlich endlich Weihnachten – also das mit meiner Familie, wir hatten ja schon das mit der Liebstenfamilie und unser Kernfamilienweihnachten. Ich fahre mit Tram und U-Bahn nach Mitte und treffe als erstes bei meinen Eltern ein. Erst Mitbringsel übergeben (Fenchelsamen-Taralli, Crowdfarming-Grapefruits, ein ausgeliehenes Buch), dann Beutel mit Geschenken in die Ecke stellen und Platz nehmen zu Stollen, Plätzchen, Äpfeln und Tee. Der Adventskranz wird nochmal entzündet, aber wir entscheiden uns gegen Weihnachtsmusik.

Wenig später trifft der Liebste ein und bald darauf auch mein Bruder mit seiner Freundin. Jetzt gibt es auch Kaffee und außerdem machen wir zur Feier des Tages eine Flasche vom guten Bellini auf. Und dann ist auch schon Bescherung, die größtenteils daraus besteht, dass wir uns gegenseitig Bücher über den Tisch reichen. Nachdem ich bisher diese Weihnachtssaison erst ein Buch eingeheimst habe, kommen heute nochmal sieben dazu. Außerdem Nachschub meines Lieblingsparfüms, Katzensocken, Dubai-Schokolade, Schokoladen-Meeresfrüchte, Trüffel-Popcorn, Quittensaft und eine Tasche für zukünftige Konzertbesuche (in den 90ern hießen sie Bauchtaschen, heute bestimmt viel cooler) in strahlendem Mangogelb.

Dann legen Mama und mein Bruder letzte Hand ans Abendessen. Es gibt schwedisches Rentierkalb (von meinen kanadophilen Eltern liebevoll Caribou genannt) und mit Bacon gespickte Pute (also quasi Turkey) mit Klößen, Apfelrotkraut, Sauce und einem Auberginensoufflé (das es bei der ehemaligen Parteichefin der kanadischen Grünen auch immer zu Weihnachten gibt), dazu italienischen Primitivo.

Portion 1, später kommt noch ein zweiter Kloß und ein zweites Stück Caribou dazu
Portion 2, auch hier gefolgt vom zweitem Kloß

Pappsatt geht es dann vom Esstisch zurück aufs Sofa, wo erstmal italienischer Grappa und kanadischer Rhabarbergeist gereicht werden. Nach einer Verdauungspause folgt noch ein kanadisches Blaubeer-Joghurt-Sahne-Dessert, das ich leider vergesse zu fotografieren.

Bald darauf macht sich der Liebste auf den Weg, der den längsten Heimweg hat und morgen als erster aufstehen muss. Als er nach anderthalb Stunden witterungsbedingter S-Bahnprobleme angekommen ist, gehen auch mein Bruder, seine Freundin und ich los. Da schmilzt der im Laufe des Abends angenommene Schnee schon langsam wieder. Wir nehmen gemeinsam die U-Bahn und verabschieden uns am Alex. Ich fahre mit der Tram zurück den Berg hinauf. Hier liegt noch mehr Schnee, es ist halt sowohl höher als auch nördlicher und östlicher (kontinentaler)…

Gegen Mitternacht bin ich zuhause und setze mich nochmal kurz mit den Katzen und TikTok auf die Couch, bis ich die nötige Bettschwere erreicht habe. Gegen 1 schlafen wir alle drei tief und fest.

04.01.2025 – Jetzt aber Grund

Nach dem späten Einschlafen schlafe ich heute tatsächlich bis deutlich nach 9. Schön, wenn das so läuft (und die Katzen auch mitspielen). Etwa eine Stunde später bin ich eigentlich gerade am Bloggen, als der Liebste anruft und wir dann erst das Teilzeitkind und dann seine Schwester in die Konferenz holen, um nochmal ausführlich dem Nifftenkind zum Geburtstag zu gratulieren. Das hatte eigentlich gestern schon, aber gestern hatte das Teilzeitkind keine Zeit und zweimal gratulieren ist ja auch besser als einmal. Danach telefonieren der Liebste und ich noch weiter und verschieben dann unser für heute angedachtes Treffen auf morgen.

Das gibt mir die Gelegenheit, meinen für heute vorher gesetzten Plan – ein bisschen Grund in den Haushalt bringen – zu entzerren und ohne Zeitdruck anzugehen. Konsequenterweise bleibe ich also erstmal liegen und bis ich mit Bloggen, Sprachen lernen und Spielen fertig bin und Frühstück mache, ist es konservativ betrachtet schon längst Nachmittag. Aus dem Frühstück wird daher ein ausgiebiger Brunch.

Bagels mit Avocado & Wildlachs, Paprikacreme & Gouda, Quark & Sauerkirschmarmelade (selbstgekocht noch vom Hasen, Früchte vom Baum im Hof) und Maple Spread, dazu Apfel

Die drei Stunden (großzügig ausgelegt) danach verbringe ich dann mit besagtem Haushalt – nicht ohne zwischendurch immer wieder Pausen einzulegen. Am Ende ist alles aufgeräumt, neue Wäsche hängt zum Trocknen da, der Staub ist weitestgehend weg, Küche und Bad sind hygienisch rein und selbst die restlichen Böden sind gewischt. Zwischendrin war ich auch noch Müll wegbringen und neue Putzschwämme kaufen. Katzengras gibt es auch beim zweiten Versuch diese Woche noch kein Neues, wir hoffen auf die Lieferung am Montag.

Irgendwann nach 17 Uhr also ist das Tagwerk geschafft und ich kann mich wieder dem wichtigen Couchen zuwenden. (Während der ganzen Aktivität habe ich weiter Menschen beim Reden über ihr Wochenende zugehört und bin jetzt voller Inspiration.) Ich gucke, was in der Welt passiert ist, werfe unter anderem einen besorgten Blick nach Österreich (Gibt es irgendwo noch stabile Regierungen und/oder integre Politiker*innen?) und konzentriere mich dann doch lieber wieder darauf, das nun ausfallende chinesische Abendessen zu ersetzen. Ausführliche Recherchen führen mich zu einem Dumpling-Lieferdienst. Ich kann mich nicht zwischen den verschiedenen Sorten entscheiden und nehme dann die Einmal-Alles-Variante plus drei Saucen: Rindfleisch, Hühnchen mit Kimchi, Garnelen, Gemüse und Apfel mit Gerösteter-Sesam-Dip, Chili-Mayo und Ponzu-Zitrus-Sauce. Soooo lecker, das kommt auf Wiedervorlage. Komisch nur, dass man mir für die 25 Dumplings gleich dreimal Stäbchen geliefert hat – so schnell gehen die nun auch nicht kaputt…

Dazu und danach gibt es einen Mocktail aus Apfel-Birnen-Saft und Tonic und den Rest der aktuellen Staffel Virgin River – etwa ab Mitte der Staffel ist es wieder interessanter. Als das durch ist, ist es schon Mitternacht aber ich bin noch nicht bettschwer und schaue daher noch in die erste Staffel von Parenthood hinein, das es endlich auf Netflix gibt. Hatte schon seit langem Lust auf einen Rewatch und habe immer wieder geschaut, ob es irgendwo gestreamt wird. Drei Folgen gebe ich mir noch – objektiv eine viel bessere Serie als Virgin River – und dann liege ich kurz nach 2 im Bett und lese noch, bis mir die Augen zu fallen.

03.01.2025 – Zurück ins Weekend-Feeling, mit Politik, Essen und einem Liefer-Rant

Nach dem so produktiven Donnerstag fühlt sich dieser Tag wirklich wie ein Freitag an. Ich wache leider zu früh auf, aber danach wird es ganz angenehm. Allerdings steht nach gemütlicher Morgenroutine (samt Wiedereinnicken beim Versuch zu meditieren), Liebstentelefonat und Müslifrühstück erstmal ein Gang ins kalte Draußen an. Ich packe mich warm ein, nehme Tee im Thermobecher mit und stapfe dann bei Temperaturen um den Gefrierpunkt noch leicht müde Richtung Behörde in der Nähe. Hier habe ich um 11 einen Termin. Entspanntes, hilfreiches Gespräch mit einer freundlichen Dame, die sich nicht anmerken lässt, wie unangenehm es ist, heute arbeiten zu müssen – und dann noch in Präsenz.

Danach stapfe ich wieder zurück und setze mich gleich noch an den Schreibtisch und klicke mich durch Formulare der Behörde. Dazu trinke ich Glüh-Cider aus heißem Apfel-Birnen-Saft – in dem ich eine Gewürzmischung ziehen ließ, die mich einst aus einem Weihnachtspaket aus Nordengland erreichte – und höre Gwen Stefanis neues Album. Und weil ich dann schon wieder so im Flow bin, erledige ich gleich noch andere Dinge, schiebe Papiere hin und her und mache die Nacharbeit zu einem Webinar von vor Weihnachten. Dann ist es auch schon wieder fast 15 Uhr und ich mache mir Mittagessen und telefoniere das nächste Mal mit dem Liebsten, der auch Feierabend hat.

Vegane Teewurst, Gouda mit Forellenkaviar, Avocado mit Paprika-Creme, Karotten

Und weil dann so dieses Freitags-Feiertags-Wochenend-Gefühl einsetzt, entscheide ich mich, das Putzen auf morgen zu verschieben. Es wird ja auch schon langsam dunkel draußen.

Kurzer Einschub: Der Liefer-Rant

Ich habe in den letzten Tagen zwei Bestellungen getätigt, eine letztes Wochenende, in der Annahme, dass sie nach Neujahr ankommt, eine am Neujahrstag, die laut Händler dann am Sonnabend ankommen sollte. Es passierten die folgenden Dinge in chronologischer Reihenfolge.

  1. Montagmorgen: Bestellung 1 wird auf zwei Sendungen aufgeteilt, die jetzt schon am Montag kommen sollen.
  2. Montagabend: Am Montag wird die Zustellung nicht mehr geschafft, jetzt sollen sie am Dienstag kommen. Stresst mich, weil Silvester ist und ich nicht den ganzen Tag zuhause sein werde.
  3. Silvesternachmittag: Sendungen können heute nicht mehr zugestellt werden.
  4. Neujahr: Sendungsstatus unverändert – ist ja auch Feiertag.
  5. Donnerstag: Sendung 1 soll heute kommen, Sendung 2 wurde beschädigt und muss unverpackt werden. Bestellung 2 soll morgen schon kommen.
  6. Freitag: Sendung 1 wird zugestellt, Sendung 2 selber Status wie gestern (nachdem zwischendurch keine Informationen mehr verfügbar waren). Bestellung 2 konnte leider nicht zugestellt werden und wird in die Postfiliale gebracht. Dort kann ich sie mir abholen. Ab Montag. Nachmittag.

Jetzt weiß ich nicht, was da logistisch dahinter steckt, aber boah ist das nervig. Wenigstens kam die wichtigste Sendung an und die Katzen haben gerade rechtzeitig noch Futternachschub bekommen. Trotzdem unklar warum Bestellung 2 nicht zugestellt werden konnte, während ich zeitgleich Sendung 1 angenommen habe.

Einschub Ende

Es klingelt jedenfalls an der Tür während ich gerade den zweiten Meditationsversuch des Tages unternehme, bei dem ich wieder fast einnicke. Ich nehme beduselt ein vom Schnee leicht angeweichtes Paket Katzenfutter entgegen und gehe dann auf die Couch zurück. Jetzt dringend Schlaf nachholen!

Anderthalb Stunden später bin ich wieder wach und kann mich so langsam mit der Abendplanung beschäftigen. Unterhaltungsmäßig steht viel zur Auswahl. Ich habe mir den Film American Honey herausgesucht, meine Cousine spielt ein Neujahrskonzert, das man im Livestream verfolgen kann und im US-Repräsentantenhaus wird der neue Sprecher gewählt. Ich unterbreche den Film nach einer Weile, um kurz in das Neujahrskonzert reinzugucken, bevor es im Repräsentantenhaus spannend wird. Die namentliche Abstimmung nehme ich mir dann mit in die Küche, während ich aus den Kartoffelresten von gestern mein Abendessen koche.

Es wird eine Art pakistanisch-nepalesisches Kartoffelcurry – inspiriert sowohl von diesem oft erprobten Rezept als auch von den Kochgewohnheiten des ehemaligen pakistanischen Mitbewohners. Statt frischen Tomaten gibt es welche aus der Dose, statt frischem Dill weniger und gefrorenen. Ansonsten:

  • Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer und Kurkuma in Öl anbraten
  • Gemörserte Koriandersamen und grüne Chili hinzugeben (bei mir aus dem Glas und ein bisschen zu viel)
  • Gekochte Kartoffeln und Tomaten in Stückchen dazugeben und alles ziehen lassen
  • Mit Salz und Zitrone abschmecken, mit Joghurt (bei mir Quark) servieren.

Sehr lecker, ordentlich scharf, der Quark ist nötig. Nachtisch eine Orange und ein wenig Weihnachtsnaschi.

Johnson erhält im ersten Wahlgang nicht genügend Stimmen, es wird spannend. Während des Wartens auf weitere Entwicklungen springe ich wieder rüber zum Neujahrskonzert und bekomme da noch das Finale mit. Dann zurück ins Repräsentantenhaus. Doch nicht mehr so spannend, Johnson konnte zwei Abgeordnete überreden, ihre Abstimmung zu ändern und wird jetzt doch im ersten Wahlgang Speaker (unvergessen die 15 Wahlgänge letztes Mal).

Dann spricht aber erstmal Hakeem Jeffries für die Demokraten und hält eine gute Rede. Beachtlich, dass er jetzt davon redet, die Arbeiterklasse beschützen zu wollen, nachdem es im Wahlkampf nur um die Mittelschicht ging. Doch was gelernt, die Dems. Dann die Rede von Johnson – Amerika ist das einzigartigste und tollste Land der Welt, weil es so amerikanisch ist und wenn die Amerikaner nur weiter so amerikanisch wie möglich sind, wird die Welt am amerikanischen Wesen genesen oder so ähnlich. Wiederholung sämtlicher Wahlkampfversprechen von Trump, die man jetzt umzusetzen gedenkt, Mauer zu, fossile Brennstoffe, dazu viel Gott und Gebet. Christo-Faschismus endgültig an der Macht, nur wird Angst und Bange. Dann werden erst Johnson und dann die Abgeordneten eingeschworen (unspektakulär) und fertig ist das Gartenhäuschen.

Ich kehre zurück zum Film, der teilweise ein anderes Amerika zeigt. Aber auch wieder nicht so mitreißend. Nebenbei mache ich Kreuzworträtsel und weil das noch nicht fertig ist, als der Film zu Ende ist, läuft danach noch eine Folge Virgin River. Auch das holt mich nicht so wirklich ab. Gegen 1 gehe ich ins Bett und lese dann noch eine halbe Stunde in Weiches Begräbnis. Erstaunlich, dass ich mich aktuell besser auf Bücher als auf Bewegtbilder einlassen kann!

02.01.2025 – Auf, auf

Verrückt, ganz plötzlich sind die selbst auferlegten Ferien mental wieder vorbei und ich habe tatsächlichen Tatendrang. Ganz merkwürdig, wie stark das eigene Empfinden von äußerlichen Faktoren und gemeinschaftlicher Stimmung abhängt. Das Kindelein muss wieder in die Schule, das Jahr ist frisch und los geht’s. Es hilft vielleicht auch, dass ich ganz von allein und ziemlich ausgeruht kurz vor halb 8 aufwache, also direkt bevor jahrelang mein Wecker zur Sicherheit klingelte. Da heute kein Termin ansteht, klingelt er nicht, aber ich bin trotzdem wach und kann mich ganz entspannt der morgendlichen Internetrunde, dem Bloggen, dem Spielen, dem Sprachen lernen hingeben. Mit dem Liebsten wird natürlich auch telefoniert und dann stehe ich gegen 10 auf und koche mir ganz selbstfürsorglich erstmal ein Porridge mit gedünsteten Äpfeln und Rosinen, Zimt, Kardamom und Sternanis, dazu Kräutertee für das sanfte Aufwecken des Magens.

Erst danach schiebe ich das Koffein hinterher, heute in Form von einem Espresso Tonic, werfe die erste Waschmaschine an und sitze dann um 11 mit Getränk, Musik und Kater auf dem Schoß am Schreibtisch. Ich arbeite gute zwei Stunden konzentriert an einem Dokument, das ich für einen Termin morgen benötige. Zwischendrin Wäsche aufhängen, nächste Waschmaschine, nochmal aufhängen. Dann ist es kurz nach 1 und draußen lacht die Sonne.

Ich werfe mich also in Außenuniform, schnappe mir meinen Rucksack und gehe ins Draußen. Spaziergang durch den teils noch silvesterbemüllten Kiez – es scheint allerdings schon ordentlich aufgeräumt worden zu sein – und dann Einkäufe im Drogeriemarkt und im Supermarkt (heute mal ein anderer, das dortige Angebot checken). Schwer beladen kehre ich etwa eine Stunde später zurück. Dann nochmal fix ohne Rucksack hinüber zum Lieblingsnachbarn, der zwischenzeitlich das Dokument für mich gedruckt hat und dann ist es Zeit fürs Mittagessen. Jetzt weniger magenschonend, denn ich hatte neulich die Vision eines selbst gebastelten Hot Dogs und habe eben die passenden Brötchen und vegane Würstchen besorgt. Senf, Röstzwiebeln und saure Gurken hatte ich noch. Schmeckt sehr gut und einer reicht völlig, um das mittägliche Loch zu stopfen.

Irgendwo darunter ist ein Würstchen

Danach wusele ich ein wenig durch den Haushalt – hier wird die nächsten Tage ein bisschen Grund reingebracht werden, und als das Hot-Dog-Koma vorüber ist, setze ich mich wieder an den Schreibtisch. Ich schließe meine Buchhaltung fürs letzte Jahr ab und fange die für dieses Jahr an. Dann beschäftige ich mich nochmal knappe zwei Stunden mit einem Online-Kurs und friemele mir danach Erinnerungen für die Hausaufgaben und die nächsten Einheiten in den Kalender.

Hinterher ist es schon nach 7, aber irgendwie habe ich immer noch Schwung übrig und mache dann halt noch eine halbe Stunde Yoga. Bei dieser Einheit kann ich sogar fast alles mitmachen, wobei ich bei einigen Asanas halt mit dem linken Arm weniger weit komme, als angesagt. Läuft heute einfach. Danach ist endlich Zeit für Abendbrot und Feierabend. Ich mache mir Pellkartoffeln mit Leinölquark und Salat, suche mir einen Film für den Abend aus und telefoniere zum dritten oder vierten Mal heute mit dem Liebsten.

Gegen halb 9 gibt es Essen und dazu und danach gucke ich endlich mal Nomadland. Fängt gut an, aber leider reicht meine Konzentration dann nicht mehr, um den ganzen Film über oben zu bleiben, in der zweiten Hälfte habe ich wieder den Second Screen in der Hand, bzw. wird der Fernseher zum Second Screen. Als der Film vorbei ist, ist es fast 11 und nach einem letzten kleinen Ausflug zu TikTok und einem Dominostein als Betthupferl geht es dann rechtzeitig vor Mitternacht ins Bett, wo ich noch ein paar Seiten im Buch schaffe, bevor mir die Augen zu fallen.

01.01.2025 – Anfang

Ich wache zu früh auf, natürlich. Auf einer Luftmatratze neben dem Liebsten, das Teilzeitkind liegt anderthalb Meter weiter auf dem Bett. Daneben liegt sein Handy und das spielt leise, aber laut genug, Harry Potter und der Feuerkelch, gelesen von Rufus Beck. Irgendwann in der Nacht hat das Kind sich das angemacht und wie fast immer vergessen, einen Sleeptimer einzustellen. Ich schleiche mich schnell aufs Klo und mache auf dem Rückweg das Hörbuch aus. Dann lege ich mich nochmal hin und versuche, wieder einzuschlafen. Das klappt mehr schlecht als recht, aber ich muss doch wieder weggewesen sein, als der Liebste sich nochmal Stunden später das erste Mal rührt. Wenig später steht er auf und gesellt sich zu den anderen erwachsenen Frühaufstehern in der Küche. Alle Kinder und Teenager schlafen noch.

Bald darauf krabbelt das Teilzeitkind zu mir auf die Luftmatratze und schnappt sich mein Handy zum Spielen, ich lade derweil sein eigenes wieder auf, das nur noch 1 % Akku hat. Der Liebste kommt, bringt mir Kaffee und dem Kind O-Saft, und geht wieder nach unten. Ich folge ihm bald, denn ohne Handy habe ich hier oben nicht mehr viel zu tun. Unten werden noch Spuren der Nacht beseitigt, diverse Kaffees zubereitet und nach und nach die Leckereien fürs Frühstück herausgeholt. Alle sehen ein wenig lädiert aus, können aber schon wieder Witze machen.

Graved Lachs, Heringssalat, viele Vitamine

Nach und nach wird es in der Küche voller. Das Frühstück zieht sich angenehm lange hin und als wir irgendwann die Tafel aufheben ist es schon gegen 14 Uhr. Wir packen unsere Siebensachen, verabschieden uns und fahren zurück nach Berlin. Die Beiden setzen mich zuhause ab und ich wünsche den Katzen ein gesundes neues Jahr. Sie scheinen die Nacht gut überstanden zu haben, freuen sich aber über Futternachschub und Kuscheleien.

Ich versorge mich mit Getränken und Unterhaltung und begebe mich auf die Couch. Für einen Neujahrsspaziergang bin ich heute zu müde, außerdem dämmert es schon. Ich blogge, mache Italienisch und Französisch, schreibe mir statt Vorsätzen je eine „Need To Do“- und eine „Want To Do“-Notiz ins Handy. Einen der Want-Punkte gehe ich gleich an, mit Online-Recherchen und Termin-Abgleichen mit einer Freundin. Dann lege ich mich in die Badewanne, wasche den Dreck des alten Jahres ab, meditiere und schmiede weiter Pläne fürs Neue. Alles nur willkürlich, dieses Jahreswechsel- und Neuanfangsgefühl, aber weil so viele mitmachen, gibt es doch ein bisschen Extraschwung, den man ja mitnehmen kann.

Frisch gewaschen geht es zurück aufs Sofa, wo ich das erste Buch des Jahres auslese: Johanna Adorján: Ciao. Eine schöne Satire, bei der ich immer wieder schmunzeln muss und obwohl das Buch schon drei Jahre oder so alt ist, passt es immer noch sehr gut in aktuelle Debatten, etwa um alternde blondgelockte Moderatoren.

Dann esse ich aus Vernunftsgründen noch etwas, bleibe aber bei leichter Kost. Es gibt Couscous mit Spinat, nur mit Salz, Estragon und gutem Olivenöl gewürzt. Optisch kein Bringer, aber schmeckt gut und tut dem Verdauungsapparat auch gut.

Ich telefoniere noch einmal mit dem Liebsten, der das Kind heute früh ins Bett stecken muss, weil die Ferien schon wieder vorbei ist – ganz Berlin und Brandenburg sind empört über diesen Unfug. Dann fange ich direkt das nächste Buch an, den Schwung mitnehmen und so. Es wird Fang Fangs „Weiches Begräbnis“, das in der Onleihe gerade verfügbar ist. Ich lese bis etwa 11 auf der Couch, mache mich dann bettfertig, schaffe noch ein paar Seiten im Bett und mache dann kurz vor Mitternacht das Licht aus.

31.12.2024 – Der letzte Rest

Das war nicht so klug mit dem vielen Popcorn gestern und dem späten, unruhigen Schlafen, denn erstens bin ich schon um 7 wieder wach und zweitens habe ich den ganzen Tag über immer wieder Bauchschmerzen. Und das zu Silvester, hmpf. Ich starte dann auch sehr langsam in den Tag, wechsle irgendwann vom Bett auf die Couch und sammle auf dem Weg noch Müsli, frisch gepressten O-Saft und Tee in der Küche ein. Gegen Mittag raffe ich mich nochmal auf und gehe in den Supermarkt, ein paar Kleinigkeiten für die Party am Abend besorgen. Im Supermarkt herrscht natürlich Krieg und ich stehe ewig an der SB-Kasse an, aber ich höre nebenbei auch Podcast und habe es ja nicht eilig.

Danach weiter Herumsumpfen auf der Couch, während der Liebste und das Teilzeitkind in Südberlin Jambalaya kochen. Ich lasse mich von TikTok berieseln, veröffentliche meinen Jahresrückblick und bekämpfe die Bauchschmerzen mit Kirschkernkissen plus Katze drauf, mehr Tee und Fenchelsamen. Dann gibt es nochmal eine vorsorgliche zweite Stullenmahlzeit, bevor ich meine Siebensachen packe und mich in die bereits dunkelnde Silvesternacht wage. Es ist kurz vor 17 Uhr.

Ich fahre mit Tram und Tram fast bis in den Partykiez und lande beim besten Freund des Liebsten. Hier gibt es erstmal Kaffee und noch allseits letzte Partyvorbereitungen und Kostümverbesserungen. Als der Liebste und das Teilzeitkind eintreffen, ziehe auch ich mich um. „Peace & Love am Palmenstrand“ lautet das Motto, das von den Gäst*innen auf vielerlei Weise interpretiert wird. Der Liebste und das Teilzeitkind machen einen auf Beach Party, sein bester Freund geht als Hai, ich bin hippiesk aber auch strandtauglich gekleidet. Wir setzen uns in drei Autos und fahren hinaus nach Brandenburg, wo schon mal der Strand im Wohnzimmer ausgelegt wurde.

Hier treffen wir auf weitere Hippies, Surfer und einen Taucher samt Sauerstoffrucksack. Altersstufe grob zwischen 8 und 50, insgesamt etwa 40-50 Personen (?). Die Tanzfläche ist von Anfang an gut besucht, das Buffet reichhaltig, die Stimmung gut. Ich mache mit meinem Bauch immer mal wieder Pausen und halte mich auch beim Alkohol weitestgehend zurück. Wie immer sind die Teenies schon den ganzen Abend über draußen am Zündeln. Kurz vor Mitternacht kommen wir anderen dazu. Es gibt Sekt für alle Großen, Wunderkerzen für alle und wer Lust hat, bedient sich an den reichhaltigen Pyro-Vorräten. Ich habe keine Lust, stoße aber natürlich um Mitternacht an und gucke ein bisschen Feuerwerk.

Gemischte Gefühle bei diesem Jahreswechsel. Angesichts der Weltlage will sich kein großer Enthusiasmus einstellen, es ist mehr so ein „Muss ja“ in mir. Nach einer Weile gehen wir wieder rein und ab da wird es besser. Eine Klampfe wird rausgeholt und wir singen gemeinsam erst „With A Little Help From My Friends“ und „All You Need Is Love“ – fast alle machen mit und scheinbar ist das mit dem Zusammenhalt und Mit- statt Gegeneinander doch eine weiter verbreitete Stimmung, als ich bisher angenommen habe. Um danach wieder in den Partymodus zu kommen, wird als drittes „Rhythm Is A Dancer“ angestimmt. Direkt danach kommen wieder fette Bässe aus den Boxen und es wird nochmal ordentlich getanzt. Je nach Musik bin ich aktiv oder beobachtend dabei.

Das Kindelein wird sichtlich müder und kuschelt sich irgendwann auf meinen Schoß, bevor es gegen halb 2 Richtung Bett verschwindet, um sich „nur mal kurz auszuruhen“. Als ich kurz nach 2 ebenfalls die Segel streiche, schläft es tief und fest. Kurz nach halb 5 geht unten die Musik aus, der Liebste gesellt sich zu uns und auch alle verbleibenden Party People verschwinden in ihren Schlafstätten.

Was auch immer 2025 passiert, wir haben unser Bestes gegeben, um es standesgemäß zu beginnen.

Jahresendfragebogen und Kulturkonsum 2024

Weil es dazu gehört und mein Feedreader schon schön voll davon ist, hier auch mein Jahresrückblick.

Der Glückskeks zum Sushi neulich
  • Zugenommen oder abgenommen? Ich wiege mich immer noch zu selten, um dazu zuverlässige Aussagen treffen zu können. Im Vergleich zu von vor zehn Jahren definitiv zu-.
  • Haare länger oder kürzer? Kürzer, diesen Herbst wurden zum ersten Mal seit zehn Jahren die Spitzen geschnitten.
  • Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Ich habe fest vor, das demnächst mal überprüfen zu lassen und mir auch wieder eine Brille zu holen. Die letzte ist von 2008 und leider komplett aus der Mode.
  • Mehr bewegt oder weniger? Unklar… Ein paar Monate im Sommer mehr, dann verletzungsbedingt erstmal weniger, zum Ende des Jahres dann wieder mehr aber zwischen den Jahren kaum? Auf der Silvesterparty heute wird auf jeden Fall getanzt.
  • Mehr Kohle oder weniger: Theoretisch ein bisschen mehr, da ich solide Rückzahlungen für Neben- und Heizkosten bekommen habe, aber am Ende wahrscheinlich weniger, da ich dafür auch lange die Miete allein gezahlt und mehr für Reisen ausgegeben habe…
  • Der hirnrissigste Plan? Schon wieder beim „Wandern“ – mal eben über den Graben zwischen Wiese und Feld springen, als wäre ich eine Gazelle. Von den Folgen zehre ich heute noch.
  • Die gefährlichste Unternehmung? Eben diese.
  • Die teuerste Anschaffung? Viel Geld in Reisen und Weiterbildung gesteckt, also eigentlich eher investiert als angeschafft.
  • Das leckerste Essen? Mal wieder so viele… Spontan fallen mir die Rentierpizza in Oslo, die Seafood Boil im Wedding und mein Sushi vor ein paar Tagen ein.
  • Der interessanteste Wein: Da sticht glaube ich dieses Jahr keiner heraus, das ist dann aber ein Ansporn für nächstes.
  • Das beeindruckendste Buch? Da waren viele gute dabei (siehe unten), aber keins, was mich wirklich umgehauen hat. Am meisten vielleicht noch Charmaine Wilkerson – Black Cake.
  • Der berührendste Film? Nuovo Olimpo.
  • Das beste Lied? „Azzurro“ live von der Crucchi Gang und der gesamte Soundtrack von „Bei uns heißt sie Hanka“.
  • Das schönste Konzert? Mit den bekannten Bauchschmerzen Hanson, ansonsten zweimal die Crucchi Gang.
  • Die meiste Zeit verbracht mit? Meinem Handy – wie letztes Jahr.
  • Die schönste Zeit verbracht mit? Dem Meer – wie letztes Jahr.
  • Vorherrschendes Gefühl 2024? Alles wird sich ändern.
  • 2024 zum ersten Mal getan? Einfach so zum Arbeiten in Madrid und Valencia gewesen, die Freundin in Madrid in echt gesehen, Valencia kennengelernt, mich nachhaltig verletzt, harte Verhandlungen in eigener Sache geführt, Diamond Painting ausprobiert, ein ganzes Jahr Tag für Tag gebloggt, alleine ins Freibad gegangen, alleine in einem Flughafenhotel übernachtet…
  • 2024 nach langer Zeit wieder getan? In Toronto gewesen, Hanson live gesehen, J., J., P. und M. getroffen, in Norwegen gewesen, auf einer großen Fähre gewesen, in Madrid gewesen, meine Eltern mit Maske getroffen, längere Zeit nicht gearbeitet, längere Zeit die Wohnung alleine bewohnt…
  • Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können? 1. Krankheiten von mir und anderen. 2 Alter und neuer Faschismus in all seinen Ausprägungen. (Die beiden bleiben vom letzten Mal stehen.) 3. Mitbewohner*innen-Wirrwarr.
  • Drei Dinge, auf die ich nicht hätte verzichten wollen? 1. Dach überm Kopf und gutes Essen, 2. Liebe Menschen, 3. Das Internet.
  • Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Wir dürfen den Faschismus nicht siegen lassen.
  • Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Vermutlich schon wieder Tickets für den Liebsten, diesmal für die Abschiedstour von NOFX.
  • Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Ich mir selbst Zeit. Sehr viel Zeit.
  • 2024 war in einem Wort? Weltbewegend.

Kulturkonsum:

Konzerte

  1. Immergut Festival
  2. NOFX Abschiedssause auf der Zitadelle Spandau
  3. Smashing Pumpkins & Interpol in der Wuhlheide
  4. Xaver Varnus in der Kirche in Lunenburg
  5. Hanson in der Danforth Music Hall in Toronto
  6. Goldene Zitronen im Festsaal Kreuzberg
  7. Die Wallerts im SO36
  8. Teilzeitkind-Chor in der Kirche in Südberlin
  9. Crucchi Gang in der Columbiahalle

Theater/Kabarett/Comedy

  1. Flamenco-Show im Nachbarschaftskulturzentrum in Madrid
  2. Matteo Lane im Tempodrom
  3. Fiete & Schiete in der Bühne 602 in Rostock
  4. „Der Schimmelreiter / Hauke Haiens Tod“ im Deutschen Theater

Filme

  1. Dodgeball (Rewatch)
  2. Elemental 
  3. The Sting (Rewatch)
  4. Groundhog Day (Rewatch)
  5. The Greatest Night in Pop
  6. Good Grief
  7. August: Osage County (Rewatch)
  8. Eat Pray Love (Rewatch)
  9. The Guilt Trip
  10. Downton Abbey: A New Era
  11. Along for the Ride
  12. Happy New Year
  13. The Switch
  14. The Rebound
  15. The Incredible Jessica James
  16. Maestro
  17. Nyad 
  18. Oppenheimer
  19. The Marvels
  20. Nuovo Olimpo
  21. Irish Wish
  22. American Symphony
  23. Chocolat (Rewatch)
  24. Late Night
  25. Are You There God? It‘s Me, Margret
  26. Only you
  27. Love, Simon
  28. The Lobster
  29. C‘è Ancora Domani 
  30. The Zone Of Interest
  31. Ticket To Paradise
  32. Der Herr Der Ringe – Die Rückkehr Des Königs )Rewatch)
  33. Meet Joe Black (Rewatch)
  34. Das Leuchten Der Rentiere
  35. Morning Glory
  36. Smoke (Rewatch)
  37. Blue In The Face (Rewatch)
  38. (500) Days Of Summer (Rewatch)
  39. 2 Days In Paris (Rewatch)
  40. Where The Crawdads Sing
  41. Witaj Heißt Ich Grüße Dich
  42. Bei Uns Heißt Sie Hanka
  43. Die Manns (Rewatch)
  44. Der Zauberberg
  45. Der Garten Der Finzi-Contini
  46. Bob Marley: One Love
  47. Wonka
  48. A Family Affair
  49. Spieleabend
  50. Es ist nur eine Phase Hase
  51. One for the Road
  52. The Martian
  53. Elling (Rewatch)
  54. Man of the Year (Rewatch)
  55. The Kids are all right (Rewatch)
  56. Deadpool & Wolverine
  57. A Fish Called Wanda (Rewatch)
  58. Ladies in Lavendar (Rewatch)
  59. Salmon Fishing in the Yemen (Rewatch)
  60. Once (Rewatch)
  61. Best in Show
  62. Killers of the Flower Moon
  63. Before Sunset (Rewatch)
  64. Marry Me
  65. The Miracle Club
  66. Let Them All Talk
  67. Barbie (Rewatch)
  68. Downton Abbey (Rewatch)
  69. Downton Abbey – A New Era (Rewatch)
  70. Inside Out 2
  71. The American President (Rewatch)
  72. Little Women
  73. Our Little Secret
  74. Love The Coopers
  75. The Holiday (Rewatch)
  76. Free Guy
  77. Beatles 64
  78. Fever Pitch US (Rewatch)
  79. Fever Pitch UK (Rewatch)
  80. Harry und Sally (Rewatch)
  81. Twas The Text Before Christmas
  82. The Merry Gentlemen
  83. A Royal Date For Christmas
  84. Catering Christmas
  85. The Bridge 1
  86. The Bridge 2
  87. The Family Stone (Rewatch)
  88. Mio, mein Mio (Rewatch)
  89. Vaiana
  90. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (Rewatch)

Bücher5 mehr als letztes Jahr. 25 von Frauen, 20 von Männern, eins paritätisch, yay!

Teils sind das Hörbücher, teils E-Books, teils Papier. Besonders Gute haben ein Sternchen.

  1. Paul Bokowski – Schlesenburg.
  2. Sara Weber – Die Welt geht unter und ich muss trotzdem arbeiten?
  3. Mary Taylor Simeti & Maria Grammatico – Bitter Almonds.
  4. Rachel Roddy – An A-Z of Pasta.
  5. Christoph Hein – Der Tangospieler.
  6. Karin Smirnoff nach Stieg Larsson – Verderben.
  7. Donna Leon – Blutige Steine.
  8. Terry Pratchett – Hogfather.
  9. Sebastian Hotz – Mindset.
  10. Joan Didion – The Year of Magical Thinking.
  11. James Hawes – The shortest History of Germany.
  12. Charmaine Wilkerson – Black Cake.*
  13. Bonnie Garmus – Lessons in Chemistry.
  14. Donna Leon – Wie durch ein dunkles Glas.
  15. Helena Attlee – The Land Where Lemons Grow. The Story of Italy and its Citrus Fruit.
  16. Thomas Mann – Der Zauberberg.
  17. Volker Weidermann – Mann vom Meer. Thomas Mann und die Liebe seines Lebens.
  18. Christiane Ritter – Eine Frau erlebt die Polarnacht.
  19. Thomas Harding – Sommerhaus am See. Fünf Familien und 100 Jahre deutscher Geschichte.
  20. Christiane von Hardenberg – Mach mehr aus deinem Geld! Alles, was man über Vermögensaufbau wissen muss.
  21. Manja Präkels – Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß.
  22. Vanessa Giese – Die Frau, die den Himmel eroberte.
  23. Tom Felton – Jenseits der Magie.
  24. Donna Leon – Wie die Saat, so die Ernte.
  25. Jón Kalman Stefánsson – Dein Fortsein ist Finsternis.*
  26. Donna Leon – Ewige Jugend.
  27. Grit Lemke – Die Kinder von Hoy.
  28. Lars Mytting – Die Birken wissen‘s noch.*
  29. Marie Aubert – Erwachsene Menschen.
  30. Linn Ullmann – Das Verschwiegene.
  31. Kimberly Brubaker Bradley – Das Gras unter meinen Füßen.*
  32. Alex Capus – Susanna.
  33. Arne Semsrott – Machtübernahme.
  34. A.E. Johann – Ans dunkle Ufer.
  35. Stefanie Sargnagel – In der Zukunft sind wir alle tot.
  36. Jens Wonneberger – Sprich oder stirb.
  37. Jens Wonneberger – Weltliteratur.
  38. Volker Kutscher – Rath.
  39. Uwe Wittstock – Februar 33. Der Winter der Literatur.
  40. Adriana Altaras – Besser allein als in schlechter Gesellschaft.*
  41. Hendrik Bolz – Nullerjahre.
  42. Paula Irmschler – Alles immer wegen damals.
  43. Angela Merkel – Freiheit.
  44. Andrea Paluch und Robert Habeck – Hauke Haiens Tod.
  45. Dmitrij Kapitelman – Eine Formalie in Kiew.
  46. Helga Schubert- Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten.

Serien(staffeln)

  • The West Wing 4, 5, 6, 7
  • Reservation Dogs 3
  • One Day
  • Loudermilk 1-3
  • Succession 1-3
  • Der Laden (Rewatch)
  • Downton Abbey 1-6 (Rewatch)
  • Nobody Wants This 1
  • And Just Like That… 2
  • Kleo 2
  • The Diplomat 2
  • This Is Us 1-6 (Rewatch)
  • The Bear 1, 2, 3
  • Ronja Räubertochter 1

30.12.2024 – Halb raus aus dem Bermuda-Dreieck

Gut geschlafen, bis kurz vor 9 der Liebste anruft – er sitzt schon eine ganze Weile am Schreibtisch und das Teilzeitkind feriengesetzgemäß vor dem Fernseher. Bin ich dann jetzt also auch wach. Und da ich heute wieder raus will aus dem Bermuda-Dreieck des Nichtstuns zwischen den Jahren, gehe ich als erstes raus auf den Balkon und hole mir eine eiskalte Mate, um den Wach-Effekt zu verstärken. Außerdem schmeiße ich wieder das Massagekissen an und lasse Nacken, Schultern und unteren Rücken nacheinander durchkneten, während ich die Runde durchs Internet drehe und sämtliche anderen morgendlichen Routinen erledige.

Irgendwann bin ich damit durch und mache dann etwas ganz verrücktes – nämlich noch vor dem Frühstück eine Runde Yoga. Wieder kann ich wegen Arm nur einen Teil der Asanas mitmachen, aber schon auf der Matte zu sein und mich darauf einzulassen tut gut. Inzwischen hat sich der Arm auch von den vielen Wasser-Übungen neulich erholt, so dass ich eine nächste Mobilierungsrunde wagen kann. Erst danach gibt es Frühstück – erst für die Katzen, dann für mich.

Die Crowdfarming-Avocados reifen erstaunlich langsam nach. Dazu Stollen, Apfel und weißer Tee

Nach dem Essen erledige ich Haushaltsdinge – das Chaos der letzten Rumsumpftage wird beseitigt, das Bett neu bezogen, der Müll runtergebracht, Wäsche zusammengelegt und neue gewaschen (Rauhnächte nicht bei mir). Dann ruft der Lieblingsnachbar an und wir drehen eine kurze Spazierrunde durch den Kiez. Er rekonvalesziert noch von einer Erkältung, mein Körper ist vom vielen Liegen noch ganz steif und außerdem ist ja immer noch schlechte Luft da draußen. Wir verschieben den ausführlichen Spaziergang ins neue Jahr, kehren aber noch kurz beim Haustierbedarf ein. Ich habe zwar Katzenfutternachschub bestellt, es ist aber unklar, ob der noch rechtzeitig eintrifft. Das von mir favorisierte gesunde Futter ist nicht vorrätig, also kaufe ich ein paar Tütchen weniger gesundes, aber hoffentlich leckeres, zur Überbrückung und als Ausgleich für das viele Feuerwerk.

Das nimmt im Laufe des Tages immer weiter zu – angefangen hat es ja schon vor Weihnachten. Wieder zuhause bin ich dann rechtschaffen platt und finde, dass es aktivitätsmäßig jetzt auch schon wieder reicht. Ich mache mir den Rest Nudeln von gestern warm, setze mich noch kurz für Erledigungen an den Laptop und versuche mich dann an einer neuen Serie, die mich aber heute nicht fesseln kann. Außerdem wird mir ziemlich kalt. Da ich heute eh noch in die Badewanne will, ziehe ich das jetzt einfach vor und mache mir außerdem noch einen wärmenden Hot Toddy mit dem vorletzten Rest einer Whisky-Flasche, die hier schon seit dem Irland-Urlaub vor zehn Jahren steht.

Ich liege etwa zwei Stunden in der Wanne (mit einmal heißes Wasser nachfüllen) und lese Helga Schuberts „Vom Aufstehen“ zu Ende. Sehr schön geschrieben, wo es um Alltag, Kindheitserinnerungen und die Beziehung zu Menschen geht, an anderen Stellen weniger mitreißend. Nach der Wanne ist es erst halb 9 und ich gehe im Schlafanzug nochmal auf die Couch. Zum „Abendbrot“ gibt es salziges Popcorn und den letzten Rest aus der Whisky-Flasche mit Ginger Ale. Dazu schaue ich endlich in die neueste Staffel Virgin River rein, aber auch die weiß mich nicht richtig zu fesseln, sondern läuft eher im Hintergrund mit.

Kurz vor Mitternacht wechsle ich dann hinüber ins frisch bezogene, warme Bett (morgens hatte ich endlich die Heizdecke unters Laken appliziert) und fange das nächste Buch an, das mir neulich am Wegesrand im Pberg zugelaufen ist. Es liest sich gut und irgendwann ist es schon 1. Da mache ich das Licht aus, kann aber noch lange nicht einschlafen. Popcorn ist zwar an sich nicht schwer, aber durchaus voluminös – vielleicht liegt es daran.

29.12.2024 – Immer noch im Dreieck

Habe ich gestern möglicherweise schriftlich bedauert, dass ich heuer nur so wenige terminfreie Tage zwischen den Jahren habe? Soll man wohl nicht machen…

Vom langsamen Hellerwerden des Draußens geweckt worden und sehr kuschelig mit den Katzen in den Tag gestartet. Es ist gar kein Problem, an die drei Stunden liegen zu bleiben und in den verschiedenen Ecken des Internets nachzusehen, was sich so getan hat, die täglichen Rätsel und Spiele durchzuarbeiten und das Soll in Babbel und Duolingo zu erfüllen. Nachdem ich mir neulich zum Black Friday schon das Babbel Lifetime Abo gegönnt habe (alle Sprachen, für immer, leider ohne die Live-Stunden), kommt heute dank Supersonderneujahrsangebot wieder Super Duolingo dazu. Das haben die gut vorbereitet, da sie die Möglichkeiten beschränkt haben, sich durch Üben Herzen zu erspielen und das Wiederaufladen der Herzen verlangsamt haben, so dass ich oftmals nicht genug Herzen für die Tagesaufgaben hatte und ich mich in meinem Lernpotenzial eingeschränkt sah. Dafür dann jetzt aber mit 60 % Rabatt, das kann ich mir dann doch gönnen, für etwas das ich täglich mit viel Verve betreibe. (Gerade vorm Bloggen noch bei Paul gesehen, dass es das hier gibt. Vielleicht gönne ich mir das dann nächstes Jahr mal – ich nähme auch Geschenke an!)

Außer der Internetrunde telefoniere ich auch mit dem Liebsten, lasse mir den verspannten Nacken vom Massagekissen wärmen und massieren und höre mich durch einiges im Und was machst Du am Wochenende?-Podcast, der unumwunden zu empfehlen ist und mich in den Shownotes schon wieder auf viele neue Wege führt. Als die Blase drückt stehe ich dann doch mal auf, füttere die Katzen und dann mich.

Mango, Mandarine, herzhafte Brote, Kräutertee

Bald darauf kommt die Nachricht, dass ein immer noch positiver Schnelltest auch den Zweittermin für die Familienweihnacht platzen lässt. Kurze Videokonferenz mit der Kernfamilie zur Entwicklung von Maßnahmen. Mama wird das bereits aufgetaute Tier zubereiten und dann wieder einfrieren. Der nächste mögliche Termin ist nächsten Sonntag, bis dahin sollte der Test dann auch wieder negativ sein. Daumen sind gedrückt. Ich informiere den Liebsten und das Teilzeitkind. Das Kindelein kann so mehr Zeit mit seiner Nachmittagsverabredung verbringen, der Liebste und ich können einen weiteren Tag herumschlumpfen – auch OK.

Zum Herumschlumpfen gehört ein bisschen Jahresplanung zu dessen Behufe ich u. a. mit dem Bruder schreibe und mit einer Rostocker Freundin telefoniere. Mein Mai/Juni wird interessant werden – hoffentlich in besserer Manier als dieses Jahr. Dann öffne ich die ARD-Mediathek, um einer Empfehlung aus den Podcasts-Shownotes zu folgen, sehe dann aber direkt die neue Ronja-Räubertochter-Serie aufploppen, auf die ich noch mehr Lust habe. Also los! Der Anfang ist Bild für Bild fast ein Remake der alten Verfilmung, die ich unzählige Male gesehen habe – selbst die Figuren sehen fast gleich aus.

Dann aber kommen nach und nach die Unterschiede. Ich bin kurz irritiert, dass Ronja blond ist und dann ganz froh, dass die Haare mit dem Alter nachdunkeln. Trotzdem hat sie dann die Birk-Frisur, was irritierend ist, während Birks Haare glatt und nicht rot sind. Cool ist, dass weitere Perspektiven und Handlungsstränge hinzukommen, auch wenn mir noch nicht ganz klar ist, wohin das am Ende führt. Ich bin jedenfalls sehr froh über viel Fan-Service (die Musik baut auf der von damals auf, nur die Räubertanzmusik ist richtig anders) und sehr erleichtert, als die Rumpelwichte auftauchen und „Wiesu denn bluß“ sagen und dass die Räuber weiterhin nackt durch den Schnee springen – möglicherweise hier aber ein Logikfehler, denn vorher badet Ronja drinnen und es gibt einen Brunnen, wieso dann das Schneebad? Ein zweiter Logikfehler scheint mir in der Geschichte um Mattis und Borka als Kinder zu liegen, aber ich will nicht spoilern. Egal, die sechs Folgen vergehen wie im Flug und jetzt müssen wir wohl alle bis zur neuen Staffel warten, damit Birk und Ronja endlich in die Bärenhöhle kommen.

Irgendwo mittendrin ereilt mich das nächste Hüngerchen, das auch nicht durch Weihnachtsnaschi befriedigt werden kann. Also mache ich mir Pasta mit Cannelini-Bohnen (und Knoblauch, Zwiebeln, Rosmarin, Peperoncini und etwas Tomatenmark) als spätes Mittag- bzw. frühes Abendessen. Dazu gibt es Wasser mit frischer Maracuja.

Und wie ich dann grad so am Serien wegbingen bin, gucke ich danach auch noch die dritte Staffel The Bear zu Ende und warte jetzt auch hier auf die nächste. Im Hinterkopf formieren sich derweil immer wieder reflektierende Jahresendgedanken, es wird wohl am Datum liegen. Möglicherweise kommt da die Tage noch was…

Als sehr späten Nachtisch gibt es dann noch heiße Pflaumen mit Vanilleeis und dem Rest Zimt-Marzipan-Eierlikör.

Danach geht es ins Bett, mit dem nächsten Buch vom Stapel. Ich schaffe die ersten paar Vignetten, dann holt mich gegen 1 Uhr endlich der Schlaf ein, der es tagsüber beim Bingen schon zwei-, dreimal versucht hatte.