Komplexe Kätzchen

Ich habe Nimbin hat ja schon einmal beschrieben, wie die beiden Miezen hier bei uns eingezogen sind. Die Vorgeschichte kennt Ihr aber glaube ich noch nicht. Der Bruder vom Mann und seine Freundin leben auf dem Land in einem Haus mit großem Garten und allerlei Getier. Sie haben Ziegen, Bienen, Kaninchen und Hühner. Und Katzen. Eigentlich nur zwei – eine, die sie mit dem Haus gekauft haben und eine, die bei ihm auf Arbeit auftauchte und ein Zuhause brauchte. Tierlieb sind sie also sehr und so war es auch keine große Sache, als die Nachbarskatze plötzlich bei ihnen in der Scheune Junge bekam.

Der Nachbar selbst ist nicht so tierlieb und hätte sich der Minimiezen sicherlich entledigt. So bekamen sie jedoch ein liebevolles Übergangszuhause, ordentlich Futter und Streicheleinheiten und schließlich neue Wohnorte vermittelt. Um noch mehr “ungeplante” Katzengäste zu vermeiden, brachten die beiden auf eigene Kosten eine weitere Katze des Nachbars zum Tierarzt und ließen sie sterilisieren. Dann fuhren sie zurück nach Hause und sahen auf dem Hof vier kleine halbverhungerte Katzenkinder sitzen. Scheinbar hatte sich ihr großes Herz in der Katzengemeinde des Dorfes herumgesprochen.

Zum Glück hat die fleißige Katzenmama sich der drei Kleinen angenommen (die Vierte hat es leider nicht geschafft) und so zog sie nun insgesamt sieben Kätzchen groß. 
Fünf davon konnten wir vermitteln, die beiden letzten, die sehr aneinander hingen, nahmen wir schließlich selbst mit nach Hause und sie wurden zu Nimbin und Noosa. 

Sie brauchten beide sehr lange, um sich bei uns einzugewöhnen. Nimbin war nach ein paar Wochen soweit, dass er keine Angst mehr vor uns hatte, sein Essen einforderte und manchmal sogar selbst ankam, um sich seine Streicheleinheiten abzuholen.

Bei Noosa hingegen hat es Monate gedauert, bis wir sie anfassen durften. Die ersten Wochen lebte sie unter Betten und Schränken und kam nur zum Essen oder aufs Klo gehen heraus, wenn keine Menschen in der Nähe waren. Auch heute noch hat sie große Angst vor Fremden und versteckt sich schonmal einen ganzen Abend hinter dem Sofa, wenn Besuch da ist. Laute Geräusche, schnelle Bewegungen… alles nichts für diese Mieze. Inzwischen ist sie fast zehn Monate bei uns und seit kurzem dürfen wir sie manchmal kurz hochheben. Aber wirklich nur ganz kurz! Die meiste Zeit ist sie eine kleine Psychokatze – immer zum Sprung bereit.

Vermutlich haben die beiden etwas sehr traumatisches erlebt, bevor sie sich eine neue Mama gesucht haben. Dafür spricht auch, dass bei uns kein Essen stehen bleibt: Andere Katzen haben einen Napf voll Trockenfutter, der im Laufe des Tages leergenascht wird. Bei uns wird sofort alles ratzekahl leergeputzt, egal wie viel es gibt und ob man hinterher kotzen muss. Und wenn man hinterher kotzen muss, dann wird das Erbrochene danach fein säuberlich aufgeschlabbert.

Apropos schlabbern – völlig konträr zu ihrem sonstigen verhalten, kann die kleine Noosamiez auch eine echte Kuschelmieze sein. Kaum liege ich nämlich auf dem Sofa, am besten mit dem Laptop auf den Knien, springt sie aufs Sofa und schleicht vorsichtig – aber ganz vorsichtig! – immer näher an mich heran, schnuppert an mir, schlabbert an meiner Hand, meinem Ohr, was gerade da ist… Und lässt sich dann auf meinen Oberkörper fallen und kuschelt sich gaaaaaanz nah an mich dran. Dann wird geschnurrt ohne Ende und natürlich meinerseits ordentlich gestreichelt. Noosa ist die flauschigste Hauskatze, die ich kenne, mit ganz weichem, ziemlich langem Fell. Dann legt sie sich manchmal auf dem Rücken und macht sich ganz lang und breit, damit möglichst viel zu knuddeln ist. Versucht man dann aber vielleicht, aufzustehen oder sie hochzuheben – dann ist sie ganz schnell verschwunden, über Stock und Stein Tisch und Klavier, lautlos und schnell wie eine echte Wildkatze. Ihre Zuneigung bekommen nur wenige Menschen, die dafür am besten tagelang etwas tun füttern, und nur zu von ihr selbst bestimmten Zeiten. Dann aber, ist sie das Beste, was einem nach einem langen Arbeitstag passieren kann:

One thought on “Komplexe Kätzchen

  1. Da haben Deine Beiden ja auch schon einiges erlebt in ihrem jungen Katzenleben … das hinterlässt natürlich Spuren. Gerade das fast Verhungern am Anfang. Django, der Kater unsere Nachbarin in Vermont kam ja als Straßenkater in die Wohnung und brauchte Jahre und ein nichtschmeckendes Bio-Diätfutter, bis er endlich nur noch so viel fraß wie er hungrig war.
    Bei uns war es am Anfang, daß Linus aggressiv war und Shweta quasi nicht vorhanden. Mittlerweile ist Linus kein bißchen mehr aggressiv und stattdessen sehr sozial, nur Shwetas Anwesenheit bemerkt man trotzdem eher selten. Sie hat ein-zwei Leute, mit denen sie zurechtkommt. Sicherheit erhält sie aus Routine, wenn die gleichen Dinge, jeden Tag zur gleichen Zeit passieren, dann ist sie am Besten gelaunt… kann man leider nicht immer so organisieren. Hier auf Poel kommt noch hinzu, daß der Border Collie, sie den ganzen Tag hüten möchte.

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