ÖPNV-Odyssee oder Warum die BVG die S-Bahn kaufen soll

Heute musste ich mir einen Bubble Tea kaufen. Es ging einfach nicht anders, knappe 90 Minuten lang ging eine Sache nach der anderen schief und ich brauchte dringend etwas, um mich wieder aufzumuntern. Jasmin-Tee mit Guavensirup und Litschi-Bobas does the trick – erinnert mich nämlich an den tollen Sommer vor der fiesen Schmierenkampagne, in dem ich in jeder Mittagspause in den wundervollen Laden um die Ecke gehen konnte… Aber ich schweife ab.

Heute also Megastress wegen den Öffis. Letzten Freitag wurde ich in der Bahn ohne meine Monatskarte “erwischt”, die ich dem Mann geliehen und dann irgendwie vergessen hatte. Naja, macht ja nix, 7 € halt, hab ich mir gedacht. Heute also machte ich mich in der Mittagspause auf den Weg, meine Schulden zu bezahlen (warum man nicht online einfach ein Formular ausfüllt, bzw. die Kontrolleure einfach mal übers Netz abfragen können, ob ich eine Karte für den entsprechenden Monat habe, ist mir ein Rätsel). 
Dummerweise liegen Arbeit und BVG so ungünstig zueinander, dass man nur mit Umsteigen und/oder beachtlichem Fußweg hinkommt. Also schonmal ungünstig, wenn man nur eine Stunde Zeit hat und ausgerechnet heute der Mann mal nicht mit meinem Fahrrad ins Büro gefahren ist. Also stiefelte ich zum Bus, mit drei Minuten Puffer. Als aber nach acht Minuten immernoch kein Bus im Sicht war, gab ich auf und stieg in die U2 und später in die U8 (Berliner wissen, wie weit man dazwischen laufen muss). Von der Jannowitzbrücke lief ich zur BVG und wurde dort von dem nächsten Bus der Linie (also mehr als 20 min später) überholt. Grmpf. 
Der “nette” Mann von der BVG schüttelte nur sekundenlang vielsagend den Kopf, anstatt zu sagen, was Sache ist: Ich war in der S-Bahn kontrolliert worden, also müsse ich auch zur S-Bahn, um zu bezahlen – am Ostbahnhof. Da dachte ich das erste Mal: Drecksläden! Dann spielte ich mit dem Gedanken, zurück zur Jannowitzbrücke zu laufen, um dann eine (in Worten: eine) Station mit der S-Bahn zum Ostbahnhof zu fahren. Nix da! Das kann ich auch laufen.
Alter Schwede, die Strecke zieht sich, vor allem, wenn man unter Zeitdruck steht. Kurz vor dem offiziellen Ende meiner Mittagspause kam ich an und durchsuchte das Gebäude erstmal nach dem richtigen Schalter. Da legte ich dann meinen Zettel und die tolle Plastikkarte vor und was macht der Typi? Nicht etwa einscannen oder meine Daten in seinen Computer geben, nein, er RUFT BEI DER BVG AN, gibt meine Kundennummer durch und lässt nachgucken, bis wann die Karte gültig ist. Doppelgrmpf!
Dann habe ich bezahlt und einen Beleg bekommen, den ich noch ein halbes Jahr aufheben soll, falls in ihrem System (welches System?) ein Fehler auftritt und ich eine Mahnung bekomme. Yippieh. Jetzt aber schnell zurück ins Büro, auf dem dann schnellsten Weg: Mit der S-Bahn zurück zum Alex und dann wie üblich mit der U2 weiter. Also in diesem Ostbahnhof erstmal das S-Bahngleis gesucht: Na logisch, komplett am anderen Ende. (Wahnsinn, wie das früher mal ein funktionierender Hauptbahnhof gewesen ist, bei der Übersichtlichkeit und Erreichbarkeit).
Sagte ich “das S-Bahngleis”? Ha! Es führt nur eine S-Bahnstrecke da durch, in zwei Richtungen. Vernünftige Planer würden also beide Richtungen am selben Bahnsteig abfertigen, schon aus Benutzerfreundlichkeit. Machen die am Ostbahnhof aber nicht. Habe ich natürlich erst bemerkt, als ich die Treppen hochgelaufen war und nur eine S-Bahn raus in die östlichen Prärien vorfand. Dreifachgrmpf.
Also Treppe runter, Treppe hoch, zwei Stationen S-Bahn, elendlanger Umsteigeweg zur U2 (unterwegs dann zwangsläufig der Bubble Tea am einzigen noch erhaltenen Laden entlang meines täglichen Weges und gefühlt auch sonst im Stadtzentrum, mit den extrem arbeitsunfreundlichen Öffnungszeiten 12-19 Uhr) und dann die vier Stationen zurück ins Büro. Nach 90 Minuten völlig abgekämpft, frustriert und mit drückender Blase wieder zurück in den heiligen Hallen. Bubble Tea-Anstich.
All das hätte ich mir sparen können, wenn BVG und S-Bahn für ihre gemeinsamen Tickets auch ein gemeinsames System hätten. Vorzugsweise übers Netz nutzbar, damit man wegen so Popelkram nicht persönlich erscheinen muss. Und superduperdoll wäre, wenn der Kontroletti einfach auf dieses System zugreifen könnte, dann wüsste er, dass ich bezahlt habe und alles wäre dufte und unkompliziert. 
Getrennte Systeme waren in dieser Stadt noch nie eine gute Idee. Es ist 2014. Nach 25 Jahren ist es Zeit für den nächsten Mauerfall. (Und die Nutzung der uns zur Verfügung stehenden Technik.)
Amen. Und Prost.

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