25.07.2023 – Plottwist am Nachmittag

Der Morgen beginnt zu viert im Bett, so wie der Abend gestern endete. Um 7 klingelt der Wecker, ich stehe kurz auf und mache Kaffee für den Liebsten und Kräutertee für mich. Damit liegen wir dann eine knappe Stunde im Bett und lesen uns das Internet vor. Kurz vor 8 muss der Liebste aufstehen und wieder nach Südberlin fahren, wo er um 9 sein erstes Meeting hat. Ich kann noch liegenbleiben, Bloggen und Sprachen üben und stehe erst kurz vor 9 auf. Die Pflanzen muss ich nach dem Regen gestern nicht gießen, die Katzen hingegen füttern. Für mich gibt es auch was – Dinkelbrot mit Apfel-Kürbis-Marmelade, einen Pfirsich und eine Handvoll Kirschen. Und Pfefferminztee mit Quittensaft.

Halb 10 sitze ich am Laptop, triagiere die E-Mails, die über Nacht eingetrudelt sind und starte eine kleine Recherche für meine Chefin. Um 11 das erste Meeting des Tages – mit Mitte, Lichtenberg, Wilmersdorf und Potsdam. Danach telefoniere ich noch mit Lichtenberg zu einem anderen Thema, erst die Spülmaschine ausräumend, dann kurz auf dem Balkon platznehmend.

Zurück am Schreibtisch weiterer Austausch mit Kolleg*innen per Chat, Nacharbeit des Meetings und dann ist es auch schon deutlich Zeit für die Mittagspause. Ich mache mir die Pasta von gestern warm und unterhalte mich beim Essen mit dem Mitbewohner – über seine Wohnungssuche, über seinen Job, über seine Urlaubspläne, über die Bürokratie in Deutschland, über die Situation von Migrant*innen in Deutschland, über die verschiedenen Strategien und Besonderheiten der verschiedenen ethnischen Gruppen und darüber, wie Integration besser gelingen würde. Ich sehe die Bringschuld vor allem bei den Deutschen, er auch bei den Migrant*innen.

Nach dem Essen geht es zurück an den Schreibtisch. Ich habe etwas Korrektur zu lesen und nebenbei eskaliert schon wieder eine Situation ein wenig, die aber erst morgen lösbar sein wird. Blöd. Zwischendurch klingelt noch das Telefon und meine Yoga-Lehrerin ruft an und sagt die heutige Stunde ab, da es urlaubsbedingt zu wenige Anmeldungen gibt. Das ist schade, weil ich dann nur noch einmal hinkann, bevor ich selbst im Urlaub bin und wenn ich zurückkomme ist dann sie im Urlaub. Für die Zeit kann ich mir dann ja noch eine Alternative suchen. Für heute hingegen springt mein Kopf direkt zu meiner To-Do-Liste und sagt: „Barbie“ gucken!

Ich schaue direkt nach, wo es den Film heute Abend zu sehen gibt – quasi überall – und wo es ihn in Originalfassung zu sehen gibt – gar nicht so oft – und wo es dann außerdem noch einen Platz gibt, der nicht direkt vor der Leinwand am Rand ist. Und so ergibt es sich, dass ich heute Abend halb 10 ins Kino gehen werde. Mitten in der Woche! Dann eine globale Kaffeerunde – parallel im Videokonferenzsystem und nebenbei im Chat von meinem Team kommentiert, das die Kaffeerunde organisiert hat. Ich mag diesen Blick hinter die Kulissen ja immer sehr.

Danach habe ich noch eine halbe Stunde Zeit, die Recherche abzuschließen, bevor 17:30 Uhr das Meeting mit meiner Chefin stattfindet. Wir haken in schneller Folge fünf Agendapunkte ab und tauschen uns dann noch ein wenig zu aktuellen Themen und ihrer anstehenden Abwesenheit nächste Woche aus. Um 18 Uhr ist Feierabend. Da ich ja Kinopläne habe, ist mein Kopf auf Popcorn eingestellt, allerdings habe ich ja jetzt Hunger und so spät essen ist ja auch nicht so gut. Also gibt es eben Popcorn (süß und salzig gemischt) zum Abendbrot – ich habe da noch Vorräte vom Adventskalender. Ich verputze die – laut App histaminfreie – Tüte ratzfatz und schaue dazu Essensvideos auf TikTok an. Lauter italienische Leckereien, die ich gerade nicht essen darf.

Gegen 20 Uhr verlasse ich das Haus – ich habe heute noch jede Menge Schritte zu tun! Am Anfang telefoniere ich mit dem Liebsten, dann höre ich Podcast, dann Hörbuch. Ich laufe erst durch die grünen Hinterhöfe, dann durch den einen Park zu einem anderen Park und drehe dort noch eine ausgiebige Runde.

Viertel 10 bin ich am Kino, laufe durch eine Menge pink gekleideter Menschen, lasse mein Ticket scannen und suche dann meinen Platz. Genau dort angekommen habe ich mein Schrittziel erreicht. Außerdem liegt auf dem Boden ein 20-Cent-Stück. Möglicherweise goutiert das Universum meine etwas verrückte Entscheidung.

Den Großteil des Films über habe ich ich ein dickes Grinsen im Gesicht, relativ oft muss ich laut lachen. Es gibt nur wenige Längen, die Schauspieler*innen sind großartig und alles ist bis ins letzte Detail sehr liebevoll gestaltet. Einzig die Meta-Ebene, dass es hier um ein existierendes Produkt eines existierenden Konzerns geht, der den Film auch noch selbst produziert hat, macht mir ein wenig zu schaffen. Das ganze Kino hat jedenfalls sehr viel Spaß, zwischendurch wird mitgesungen, es gibt Szenenapplaus und richtig viel Applaus am Ende. Ich verlasse das Kino nach halb 12 insgesamt sehr zufrieden und laufe zur Tram. Halb 1 liege ich endlich im Bett.

24.07.2023 – Montag, Monsun, Mangold

Wie immer, wenn ich eine oder mehrere Nächte nicht zuhause schlafe, müssen sich die Katzen in der ersten Nacht dann immer erst mehrmals vergewissern, dass ich wirklich da bin und auch noch lebe, obwohl ich mich so lange nicht rühre. Ich schlafe daher unruhig und mit mehreren Unterbrechungen. Zum Glück ist heute normales Homeoffice und Meetings habe ich erst am Nachmittag. Ich kann also gemütlich in den Tag starten. Beim Einnehmen der Nahrungsergänzungsmittel fällt mir auf, dass das Präparat mit Vitamin C und Zink auch Histidin enthält (zur besseren Aufnahme von Zink), das ist aber natürlich in der Histaminkarenz kontraproduktiv, weil es genau zu Histamin abgebaut wird. Ich Schlaubi. Ich nehme diese Tablette also nicht und schreibe mir histidinfreien Ersatz auf den Einkaufszettel.

Zum Frühstück gibt es heute Porridge mit Apfel und Ahornsirup und den Tag über trinke ich eine große Kanne von dem Quittensaft mit Wasser vermischt. Am Schreibtisch wühle ich mich erst durch diverse E-Mails und Chat-Nachrichten und beschäftige mich dann weiter mit den Themen vom Freitag. Pausen, in denen ich auf Rückmeldung warten muss, nutze ich zum Katzenklos durchsieben und für einen kurzen Ausflug zum Supermarkt, für Brot, Obst, Vitamintabletten und diverse Milchprodukte. Wieder zurück beschäftige ich mich mit einer Pressemitteilung, die heute noch rausgehen muss.

In der offiziellen Mittagspause beziehe ich mein Bett neu und sauge Staub, dann mache ich mir Stullen mit Butter, Kräuterfrischkäse und Ziegenfrischkäse, Salat und Gurke. Dazu gibt es noch zwei Schreibtischmöhren (das Konzept Reisemöhre überzeugt). Um Punkt 15:05 Uhr drücke ich bei der Pressemitteilung auf Senden, da meine Chefin zu der Zeit in einem Meeting ist und es nicht selbst tun kann. Alles sehr aufregend. Bis zu meinem ersten Meeting arbeite ich dann noch etwas an den beiden beruflichen Blogtexten der letzten Wochen nach und führe Änderungen an unserem Intranet durch.

Dann kommt ein Meeting mit Madrid, London, Dublin und dem mittleren Westen der USA, in dem wir uns über die Entwicklungen der letzten Wochen austauschen und direkt hintendran unser Team-Meeting, in reduzierter Zahl, weil eine Kollegin im Urlaub ist und wir seit letzter Woche eine*r weniger sind. Ich mag amerikanisches Arbeitsrecht nicht, das geht mir alles immer zu schnell. Das Meeting ist auf 45 Minuten angesetzt, wir überziehen aber gewaltig, weil wir nach dem Besprechen der Aufgaben (bzw. deren Neuverteilung) noch über den Barbie-Film und allgemein über Filme, bei denen man weinen muss, sprechen. Ich setze mir „Barbie“ jetzt ganz ausdrücklich auf meine To-Do-Liste für diese Woche – vor dem Urlaub war sowieso klar.

Gegen 18:15 Uhr klappe ich den Laptop zu. Der Liebste hatte vorher schon Bescheid gesagt, dass er sich etwas verspäten wird und jetzt schreibt er auch noch, dass die U-Bahn nicht fährt. Der Weg mit der S-Bahn dauert länger und auch die S-Bahn fährt unregelmäßig. Ich habe also noch Zeit, eine Runde spazieren zu gehen – immer mit prüfendem Blick auf den Regenradar. Als ich gerade die Wohnung verlassen will, bittet mich der Mitbewohner noch schnell um das Ausfüllen einer Mietschuldenfreiheitsbescheinigung. Nach über zwei Jahren und seit einigen Monaten vollständig im Homeoffice wird ihm sein WG-Zimmer langsam zu klein und eng und er will sich mal auf dem Berliner Wohnungsmarkt umschauen. Wir wissen beide, wie lange so etwas dauern kann, daher mache ich mir da jetzt noch keine allzu konkreten Gedanken. Wenn er viel Glück hat, brauche ich irgendwann Ende des Jahres jemand neues, ansonsten vermutlich irgendwann im Laufe des nächsten Jahres. Darüber mal nachdenken.

Kurze Stippvisite am Kiezteich
Planetarium von hinten

Ich drehe eine meiner üblichen Runden durch Hinterhofgärten und den Thälmannpark. Kurz nach 19 Uhr kann ich den Liebsten von der S-Bahn einsammeln und wir laufen gerade noch rechtzeitig nach Hause, bevor Gewitter, Wolkenbruch, Monsun passieren.

Ich bin sehr froh, dass mein Balkon nicht zur Wetterseite hinaus geht. Eigentlich sind wir ja gerade in der Küche auf der anderen Seite, da schwallt der Regen waagerecht gegen das Fenster. Ich überprüfe kurz, ob der Mitbewohner sein Fenster zugemacht hat, bevor er aus dem Haus ist – hat er – und widme mich dann wieder dem Mangold aus der Biokiste. Den gibt es heute mit Ricotta, Pasta und gerösteten Semmelbröseln.

Bunter Mangold ist so viel schöner als der olle weiße

Nach dem Essen schauen wir die ersten vier Folgen von „Unstable“ – genau unser Humor – und gehen dann gegen halb 11 schlafen. Als ich aus dem Bad komme, muss ich mir erstmal einen Platz im Bett erkämpfen, aber als wir alle gemütlich liegen, schlafen wir zu Christopher Moores „Lamb“ sehr schnell ein und dann diesmal auch fast ohne Unterbrechungen gut durch.

23.07.2023 – Regentag, ein Sommermeerchen

Die Bezeichnung Sonntag ist heute eine gehörige Etikettenfälschung, es müsste eigentlich Regentag heißen. Schon gestern Abend wurde ich bedauert, dass ich ausgerechnet bei so einem Wetter da sei, das sei ja gar kein Sommer. Ich bin hingegen einfach froh, nach ziemlich genau zwei Jahren wieder in Rostock zu sein und ergebe mich der Situation. Immerhin ist es ja nicht wirklich kalt und ich habe sogar eine Regenjacke dabei. Heute morgen schlafen dann alle länger als gestern, ich zum Beispiel bis halb 8. Das bedeutet dann also Aufstehen gegen 10.

Ich mache mir einen Pfefferminztee, begrüße den Hund und setze mich dann mit einem meiner liebsten Kindheitsbücher aufs Sofa – lange nicht mehr hineingelesen! Als die anderen dazu kommen, decken wir den Frühstückstisch. Währenddessen ruft auch der Liebste an und wir versichern uns alle, wie müde wir noch sind. Während des Essens lade ich mein Handy auf – mein Ladekabel hatte heute Nacht anderweitige Verpflichtungen – und angesichts des Wetters ist ja eh keine Eile und wir erzählen einfach sehr lange und gemütlich. Gegen Mittag packe ich dann meine Sachen zusammen, ziehe meine Regenjacke über und wage mich nach draußen. Da der Regen wirklich aushaltbar ist, wähle ich nicht den Weg mit der Tram (Ich muss Straßenbahn sagen, hatte mich mein Cousin beim Frühstück noch ermahnt und Recht hat er! Was hat mich das früher immer aufgeregt, wenn die Berliner*innen nach Rostock kamen und Tram sagten. Allerdings hat die Straßenbahn in der App der RSAG – Rostocker Straßenbahn AG wohlgemerkt – das gleiche Tram-Symbol – mit Beschriftung „Tram“ – wie bei der Beschilderung im Rest des Landes. Aber: Regionalsprachen akzeptieren!), sondern laufe wieder den idyllischen Weg durch die Natur, am Fluss entlang und an den Segelclubs, zum Fähranleger und nehme dann die Fähre nach „drüben“.

Auf der anderen Seite dann ein kurzer Fußweg, eine Station Straßenbahn und dann rein in die S-Bahn und wieder nach Warnemünde. Eigentlich hatte ich ja gedacht, den Regentag im Stammcafé zu verbringen, auf dem Bett sitzend, lesend, mit dem Besitzer und hereinschneienden Bekannten parlierend, aber da der Besitzer ja dieses Wochenende frei hat und ich die histaminarmen Törtchen alle schon durch habe, entschied ich mich kurzerhand doch für mehr Meer. Ich komme kurz vor 15 Uhr in Warnemünde an und lenke meine Schritte zuerst in Richtung eines alteingesessenen Fischlokals, in dem ich schon öfter mit Familie saß und dessen Name gerade eine gewisse Brisanz hat. Leider machen sie erst abends auf.

Schade! Dann pfeife ich also auf Insiderwissen und entscheide mich stattdessen für Location, Location, Location. Ich laufe schnurstracks zum Teepott – durch die Alexandrinenstraße, die etwas weniger überlaufen ist als der Alte Strom – und lasse mir dort einen Tisch möglichst nah am Wasser zuweisen. Spätes Mittagessen mit sowas wie Seeblick.

Da hinten könnt Ihr das Meer erahnen!

Nach ausführlichem Studium der Karte entscheide ich mich für das „Warnemünder 3-Gang-Menü“ [sic], das typische lokale Spezialitäten enthält und laut meiner App erfreulich histaminarm ist. Etwaige versteckte Histamine muss das viele Vitamin C aus der Sanddornschorle richten. Einzig die Erdbeeren im Nachtisch stechen heraus, ich bitte schweren Herzens (Erdbeeren!!), die durch anderes Obst ersetzen zu lassen und bin am Ende hin und weg, wie das gelöst wurde – gut, dass zum Haus eine Cocktailbar gehört.

Hummercremesüppchen mit gekochten Krabben und Dill
Gebratener Zander mit Kräuterkruste, Kartoffelstampf und Pfifferlingsrahm – hier musste ich die Tomaten aussortieren und die Zitrone links liegen lassen.
Honig-Panna-Cotta, statt mit Erdbeer-Minz-Salat mit Feige, Sternfrucht, Heidelbeeren, Brombeeren, Physalis, Minze und Melone (die leider auch liegen bleiben musste)

Hui, bin ich gut gesättigt, aber es gibt ja auch heute nichts mehr. Ich brauche dringend einen Verdauungsspaziergang und laufe auf die Mole hinaus, und zwar an das Ende, auf dem früher der Leuchtturm meiner Kindheit stand. Hier stand auch Oma, mit einem weißen Taschentuch winkend, als wir 1990 das erste Mal die Fähre rüber nach Dänemark nahmen. (Oder vermischt sich das dramatisch in meinem Kopf und es war zwei Jahre später, beim zweiten Mal? Es gibt nämlich m. E. Video-Aufnahmen und ich bezweifle, dass wir 1990 schon die Kamera hatten…) Anyway, ich sauge nochmal tief Meeresluft und Möwengeschrei in mich ein und ärgere mich über die laute Musik, die vom Strand hinüberbölkt und über den schwarzen Rauch aus dem Kreuzfahrtschiff. Dann hört der Regen endgültig auf und zum Abschied kommt die Sonne ein bisschen raus und ich bin versöhnt.

Ich verabschiede mich vom Meer, was leichter fällt, weil ich in zwei Wochen am Atlantik sein werde, nehme die S-Bahn zurück nach Rostock und steige in den schon eingesetzten RE5 nach Berlin. Der fährt zwar erst in einer guten halben Stunde, aber so habe ich bereits einen bequemen Sitzplatz sicher. Auf der Heimfahrt höre ich zwei Podcasts und löse ein Kreuzworträtsel, beim Lesen würde ich ganz sicher einschlafen. Kurz vor halb 10 komme ich zuhause an, füttere zwei hungrige Katzen und setze mich dann mit einer köstlichen Quittenschorle auf den dunklen Balkon, um mit dem Liebsten zu telefonieren. Kurz nach halb 11 liege ich, stürmisch beschnurrt und bekuschelt, im Bett und schlafe sofort ein.

22.07.2023 – Volle Kanne Rostock

Ich wache ziemlich genau Punkt 6 Uhr auf, was eigentlich zu früh ist, mir aber Zeit gibt, ganz in Ruhe im Bett zu liegen und all die morgendlichen Dinge zu tun und sogar noch mit dem Liebsten zu telefonieren, bevor ich gegen 9 aufstehe und nach unten gehe. Mein Cousin und ich frühstücken eine gute Stunde gemütlich gemeinsam und reden über dies und das – Familiengeschehnisse, das neue Haus, Urlaubs- und Zukunftspläne, die allgemeine Weltlage… Gegen 10:30 Uhr beginnt er, weiter an Haus und Garten zu werkeln und ich mache mich auf in einen Streunertag in Rostock.

Ich laufe als erstes einmal direkt runter zur Warnow und dann durch grüne Wiesen am Fluss entlang Richtung Nordwesten, das Stadtzentrum gegenüber immer fest im Blick. Dann komme ich nach Gehlsdorf, wo sich die verschiedenen Wassersportvereine mit ihren Marinas, die nur für Mitglieder und deren Gäst*innen zugänglich sind, aneinanderreihen und freue mich an der deutschen Vereinsmeierei durch die Epochen: Rostocker Ruder-Club von 1885 e.V., See- und Segelsportverein der Hansestadt Rostock e.V., Mecklenburgischer Yachtclub Rostock e.V., Rostocker Yachtclub e.V., Segler-Verein Turbine Rostock e.V., Akademischer Segler-Verein zu Rostock e.V. Dahinter kommen noch ein paar Stadtvillen und Grünfläche, auf dem Fluss kraulen die Teilnehmenden des „Warnowschwimmen 2023“, begleitet von Schlauchbooten und Kajaks der DLRG, an mir vorbei.

Von links nach rechts u. a. Petrikirche, Nikolaikirche, Marienkirche und Alter Speicher
Enten und Schwäne chillen auf dem Steg
Rostock, Segelstadt

Und dann bin ich am Fähranleger und bekomme venezianische Gefühle, als ich mit dem mit Solarstrom betriebenen „Warnowstromer“ vaporettoähnlich zum Stadthafen übersetze. Gehört ganz normal zum ÖPNV und ist damit auch in meinem 49-Euro-Ticket enthalten. Tatsächlich habe ich diese Fähre in über 20 Jahren regelmäßiger Rostock-Aufenthalte (inklusive 6 Jahre hier wohnen und plus diverser Kindheitsausflüge) vorher maximal einmal benutzt – als sie noch nicht solarbetrieben war jedenfalls. Ich war aber auch überhaupt sehr selten auf dieser Warnowseite, mal eine Tante in der Klinik hier besucht, mal von hier aus losgesegelt, mal durchgefahren, um Richtung Markgrafenheide oder auf den Darß zu kommen, das war’s. Mein komplettes Rostock-(Er-)Leben spielte sich südlich und westlich der Warnow ab, bis mein Cousin jetzt auf diese Seite zog. Danke, Cousin, für diesen Morgenspaziergang hat sich das schonmal gelohnt. 😉

Hanse-Vaporetto

Dann bin ich wieder in „meinem“ Rostock und vor allem in der KTV. Hier habe ich den Großteil meiner Unizeit über gelebt, hier hat meine Familie viele Jahre lang gelebt, der Großteil meiner Rostocker Freund*innen auch und das kulturelle und soziale Leben spielte und spielt sich vor allem hier ab. Ich spaziere gemütlich Richtung S-Bahn, freue mich an den bunten Häusern, schaue am Stammcafé vorbei, das zwar noch nicht offen hat, aber da der Besitzer ein guter Freund ist, hätte ich auch vorher schon ein Getränk und einen Schwatz bekommen, wenn er denn schon da wäre. Ist aber noch alles zu. Stattdessen treffe ich auf einen anderen Freund, der sein Büro nebenan hat, und sage kurz „Hallo“.

Bunte-Häuser-technisch eine der besten Straßen in der KTV

Dann laufe ich wirklich zur S-Bahn und fahre durch bis Warnemünde. Instantane Erinnerungen an Kindheitsspaziergänge mit Oma, Sommertage am Strand mit den Kommiliton*innen, spätere Besuche mit dem Indiejungen, Il Professore, dem Hasen, dem Liebsten… Heimatgefühl gepaart mit dem Entsetzen wie sehr Disneyland es hier inzwischen ist. Aber die Nostalgie übertüncht doch das Befremden. Als Nachkommin echter Warnemünder*innen (zugezogen, aber passioniert) laufe ich erst auf den Fischmarkt für ein Fischbrötchen, anstatt zu den Touristenfallen auf der anderen Stromseite zu gehen. Bis mir nach und nach aufgeht, dass keine Form von Imbissfisch irgendwie histaminfrei oder -arm ist. Mariniert oder geräuchert fällt aus und einige Fische gehen auch gar nicht. Essen könnte ich z. B. Scholle, Rotbarsch oder Kabeljau, aber eben nur frisch aus dem Meer geholt und direkt gebraten. Das gibt es hier auch, aber eben als richtiges Gericht zum Hinsetzen mit Beilagen und da es heute noch viel zu essen geben wird, mache ich das nicht.

Stattdessen laufe ich unverrichteter Dinge den Strom entlang zur Mole und von dort an der gleichen Lücke wie seit fast 40 Jahren (wahrscheinlich seit ich laufen kann) hinunter auf den Strand. Schuhe und Socken ziehe ich aus und dann stapfe ich hinunter ans Wasser.

Das Wetter ist maritim-wechselhaft. Strahlendblauer Himmel und Wolken in schneller Folge, um die 20 Grad aber kalter Wind. An gefährlichen Stellen mit Strömungen ist das Schwimmen verboten, aber auch die anderen Flaggen sind gelb-rot bis orange und es sind nicht allzu viele Leute im Wasser. Ich spaziere mit den Füßen im Wasser ein Stück Richtung (Hotel) Neptun und lege mich dann gemütlich in den Sand und tanke Vitamin Sea. Wind, Gischt, Möwengeschrei, Salz- und Algenduft in der Nase und feiner Warnemünder Strandsand zwischen Fingern und Zehen.

Eine gute Stunde liege ich da, mache zwischendurch auch mal die Augen zu und döse. Irgendwann ist die Wolkendecke zu groß und es wird mir zu kühl zum Liegen. Ich laufe noch ein Stück durchs Wasser und dann zurück Richtung Promenade und komme an dem Strandaufgang hoch, den ich sowohl als Kind als auch als Studentin immer benutzt habe.

Auf dem gleichen Mäuerchen wie immer sitzend entsande ich meine Füße und ziehe wieder Schuhe an. Dann geht es die Promenade entlang zum Leuchtturm und zum Teepott und dann den Strom entlang wieder zurück zum Bahnhof.

Mit der S-Bahn fahre ich zurück in die KTV und laufe dann zum Stammcafé. Inzwischen habe ich richtig Hunger. Leider ist mein Freund heute nicht in Dienst, sonst bliebe ich hier wahrscheinlich wie sonst viele Stunden. Stattdessen suche ich mir nacheinander zwei Stücken Kuchen aus (die einzigen beiden histaminarmen), trinke eine Limonade, sitze an einem Tisch draußen und gucke in die Gegend. Eine Bekannte läuft mit ihren beiden größeren Kindern vorbei, ich sehe sie aber zu spät und sie mich gar nicht – wir schreiben uns dazu später noch auf Instagram. Als ich gerade aufbrechen möchte, kommt eine weitere Bekannte mit ihrer Tochter gerade an und holt sich einen Kaffee und wir quatschen einen Moment.

Bestes Café, beste Törtchen, bester Kaffee, beste Atmosphäre
Cheesecake mit Pfirsichtopping, Lavendel-Bergamotte-Limonade
Cheesecake mit Matcha-Topping, Granatapfel und Heidelbeeren
Quittensaft, von der Mama meines Freundes hergestellt, für Zuhause
Die Memes sind einen Tag hinterher. 😁 Schon Bismarck sagte ja, dass in Mecklenburg immer alles 50 Jahre später passiert.

Ich breche gerade rechtzeitig auf, um zu den ersten Regentropfen bereits in der Straßenbahn zu sitzen, die mich durch die Altstadt zurück zu meinem Cousin auf die andere Warnowseite bringt.

Hanseatische Giebel am alten Markt

Als ich ankomme, werden gerade die Einkäufe ausgepackt und dann fangen wir an zu kochen.

Pina, beste Hündin
Ein Lavendelkeks muss vernichtet werden

Es wird eine große Runde heute Abend. Zu meinem Cousin, seiner Freundin, der Hündin und mir stoßen noch sein Bruder – mein Couin – mit dessen Freundin, sein Vater – mein Onkel – mit dessen Freundin, ein anderer Freund aus Rostock und zwei Freund*innen aus Berlin. Wir essen Gemüselasagne, Möhrensalat (beides für mich jeweils in einer histaminarmen Variante als Extraportion), Kartoffelsalat und Aprikosenkuchen (für mich ohne Eis und Vanillesauce).

Ein Feuer brennt im Kamin, eins in der Feuerschale draußen und es wird viel erzählt und gelacht. Gespräche, die ich mitbekomme, drehen sich u. a. um die Arbeitsbedingungen freier Journalist*innen, Bordklos auf Segelbooten, Keramikkurse, Ferienunterkünfte in Dänemark und auf Hiddensee, Puppenspieler zu DDR-Zeiten und heute, neue Trends im Surfsport (Foils und Wings), die Konzertkultur in Rostock nach Corona, Nazis in der Lausitz und im Erzgebirge, gefährliche Strömungen auf Jamaika und in Nova Scotia, Robbenjagd in Grönland, Weiße Haie und Orcas… Es wird nicht langweilig, aber alle sind ziemlich müde und vollgefressen und kurz vor 23 Uhr sind alle Gäst*innen auf dem Heimweg und alle Hiergebliebenen im Bett.

21.07.2023 – Woche beenden und ab anne Ostsee

Um 6 bin ich wach, warum genau kann ich nicht sagen, der Mitbewohner ist nicht da und die Katzen schlafen noch. Na immerhin bin ich einigermaßen ausgeschlafen, da kann ich die Zeit nutzen – für Internet leer lesen, bloggen, Sprach-Apps… Ich schreibe sogar noch erste Arbeitsnachrichten im Bett, bevor ich kurz nach halb 9 aufstehe. Dann Pflanzen gießen, Katzen füttern, mit dem Liebsten telefonieren und Frühstück machen (Rooibos-Espresso mit Honig und Milch, Skyr mit Müsli und Blaubeeren). Gegen 9 sitze ich am Schreibtisch.

Das E-Mail-Thema von gestern zieht sich weiter durch den Vormittag. Ansonsten koordiniere ich ein weiteres Projekt und erledige immer, wenn ich auf Rückmeldung warte, Haushaltsdinge: Zweimal Müll runterbringen, Wäsche abnehmen, Biokiste und ein Katzenfutter-Paket auspacken und verräumen, als sie ankommen, Geburtstagsgabentisch aufräumen…

Das Geburtstagsbild vom Teilzeitkind hängt jetzt über meinem Schreibtisch
Vorfreude aufs Wochenende

Um 11 habe ich ein Meeting mit Südengland. Danach wühle ich mich durch die To Do‘s der Woche, schaue, was ich noch abschließen kann, was verschoben werden muss, weil Zuarbeit fehlt etc. Gegen 13 Uhr mache ich Mittagspause. Ich esse Stullen mit Frischkäse, Salat und dem letzten Schafskäse und knabbere Möhren aus der Biokiste. Außerdem packe ich meinen Rucksack fürs Wochenende. Den Nachmittag über schreibe ich an einem beruflichen Blogpost und an meinem Wochenbericht. Dann ist 16 Uhr nochmal ein globales Meeting, an dessen Ende der CEO ein schönes Wochenende wünscht, was ich dann auch gleich wörtlich nehme.

Ich ruhe mich ein wenig aus, telefoniere ein weiteres Mal mit dem Liebsten, packe Mitbringsel zusammen und warte auf den Kurzbesuch des Hasen, der etwas bringen und Post abholen will, bevor er weiter in den Urlaub fährt. Als auch das erledigt ist, sitze ich noch kurz mit den Katzen auf der Couch, dann machen der Liebste und ich einen „Get ready with me”-Call. Er zieht sich für den Abend bei seiner besten Freundin um, ich füttere die Katzen, ziehe Schuhe und Jacke an (dabei war doch grad noch Hitzewelle) und laufe zur S-Bahn. Dort angekommen, verabschieden wir uns.

Ich fahre die zwei Stationen zum nächsten Bahnhof und setze mich in den Zug nach Norden. In den, der eine halbe Stunde länger braucht, aber dank 49-Euro-Ticket für mich kostenlos ist. Dafür ist der Zug nur normal voll, nicht überfüllt und ich finde recht schnell einen Sitzplatz. Auf der Fahrt komme ich ein bisschen in meinem aktuellen Buch („Catch-22“ von Joseph Heller) weiter, aber irgendwann fallen mir die Augen zu. Das ist der Moment, die Stullenbüchse auszupacken, Frischkäsestullen zu mampfen und das Umfeld mit Möhrenknurpseln zu erfreuen.

Irgendwann reicht es mit dem Lesen, dann mache ich noch ein wenig Tschechisch in der App und hinterher Kreuzworträtsel. Ab Neustrelitz ist der Zug deutlich leerer, ich habe den Zweierplatz für mich, höre Musik und gucke in die Landschaft.

Kurz vor Rostock ein spektakulärer Sonnenuntergang, dann kriecht der Nebel über die Wiesen.

Wir kommen mit ein paar Minuten Verspätung in Rostock an, aber ich schaffe es noch, genau rechtzeitig in den richtigen Bus zu hüpfen, der mich zur richtigen Tram bringt, die mich bis fast bei meinem Cousin vor die Tür bringt. Kurz vor 22 Uhr bin ich da. Sein Teilzeitkind ist beim Papa, seine Freundin ist schon im Bett, weil sie morgen arbeiten muss, aber wir beide sitzen mit dem Hund noch ein Stündchen beisammen, trinken Wein (er) und Pfefferminztee (ich) und klönen. Gegen 23 Uhr geht es ins Bett.

20.07.2023 – WordPress-Flöz, Langwieriges und unverhoffte Natur

Der Tag beginnt mit Löwinnen-Toots auf Mastodon, die ich erst nach dem dritten oder so einordnen kann. Gut, dass das Teilzeitkind gerade im Urlaub auf einer Insel weilt, denke ich mir und schreibe ich denn Liebsten. Der ist auch schon von mehreren Stellen zum Thema angeschrieben worden. Sozialmedial ist das mal wieder ein großer Tag – leider habe ich keine richtige Zeit, selbst aktiv mit Wortspielen teilzunehmen. Ich habe Dinge zu tun und das nicht zu knapp. Nachdem Pflanzen und Tiere versorgt sind, mache ich mir Brioche mit zwei Sorten Marmelade zurecht, außerdem einen „Guten-Morgen-Tee“ mit Zitronengras, Zitronenverbene und Zitronenmelisse (merkt man, dass ich Zitrusfrüchte vermisse?) und eine Kanne Pfefferminztee für den Tag.

Dann sitze ich am Laptop und schreibe schon mal eine wichtige E-Mail vor, die ich gestern Abend gerne verschickt hätte, es fehlten aber noch letzte Abstimmungen und die dafür wichtigen Personen waren nicht zu erreichen. Dann habe ich ein kurzes Meeting mit Paris, Valencia und Dublin und direkt hintendran dann mit Lichtenberg. Wir diskutieren noch einmal, passen die E-Mail ein wenig an und dann geht sie raus. Jetzt ist es Zeit, mich an das andere wichtige Projekt heute zu setzen. Ich tauche tief ein in ein WordPress-System, von dem ich bis vor ein paar Monaten nur einen winzigen Teil kannte und nutzte und seit ein paar Monaten ab und zu mal was mit einem anderen Teil zu tun hatte – alles immer noch nur sehr oberflächlich.

Ich kenne mich ja nicht aus. Ich nutze für dieses Blog ein sehr einfaches WordPress-Setting mit nur minimal angepasstem Fertigbausatz-Theme. Ansonsten habe ich ein Grundverständnis von HTML, mit dem ich in den späten 90ern und frühen 00ern private Homepages basteln konnte, aber schon bei CSS war ich damals raus. Hier nun also ein eher komplexeres WordPress-Ding (Christian würde wahrscheinlich nur kurz lachen), bei dem es aus Gründen nun mir zufällt, eine bestimmte Schriftart zu entfernen und gegen eine andere zu ersetzen. Eine Kollegin hatte damit schon mal angefangen, kannte sich aber augenscheinlich noch weniger mit sowas aus als ich.

Jedenfalls verbringe ich jetzt mehrere Stunden – fast den ganzen Arbeitstag – damit, sämtliche Unterseiten und Posts durchzugehen, zu kontrollieren und nach Möglichkeiten zu suchen, die Schriftarten anzupassen. In den tatsächlichen Code muss ich am Ende nie (das sieht auch alles anders aus als damals vor 25 Jahren), aber man glaubt gar nicht, wie viele verschiedene Stellschrauben man da finden und drehen kann und in wie vielen verschiedenen Editoren – am laufenden System und hoffentlich ohne etwas kaputt zu machen. Neben den reinen Texten und dem Theme an sich, muss ich auch jede Menge Grafiken entfernen, auf denen die Schriftart verwendet wurde, was dann wieder andere (Design-)Probleme nach sich zieht. Ich treffe Entscheidungen und muss dann z. B. über 200 Posts durchgehen und ggf. daraufhin anpassen.

Am Ende sieht die Seite deutlich anders aus als vorher, immer noch gut (genug, der ursprüngliche Webdesigner sieht das vielleicht anders) und ohne die Schriftart. Das muss jetzt so für die nächsten Wochen gehen, bis es sowieso einen Relaunch in einem anderen CMS gibt – mal sehen, wie oft und ob ich mit dem dann auch zu tun haben werde. Jedenfalls habe ich über all dem irgendwie vergessen, rechtzeitig Mittagspause zu machen und die dann erst später nachgeholt. Es gibt Kopfsalat mit Radieschen und einem Tahini-Dressing und zum Nachtisch die letzten beiden Cupcakes, dazu Löwinnen-Updates.

Nach der Mittagspause weiter mit WordPress und dann auch wieder weiter in Angelegenheiten der E-Mail von heute morgen, die Telefonate und weitere Abstimmungen nach sich zieht. Während des einen Telefonats kann ich zumindest die Katzenklos durchsieben. Dann nochmal zwei wichtige E-Mails schreiben und dann ist zumindest offiziell Feierabend. Inoffiziell muss ich weiter gucken, ob noch Antworten kommen und falls ja reagieren. Vor diesem Hintergrund beschließen der Liebste und ich, unsere heutige Date Night zu verschieben, so ganz entspannt wird das sonst nicht. Dafür telefonieren wir erst einmal ausführlich und berichten uns von unseren stressigen Tagen.

Danach lade ich dann erstmal Telefon und Kopfhörer auf und telefoniere mit meinen Eltern. Wir bringen uns auf den neusten Stand und stimmen Termine ab. In anderen Familien-News ist mein Bruder gut im Yukon angekommen und meine Oma wäre heute 101 geworden. Nach dem Telefonat mache ich mir Abendbrot. Es gilt Reste aufzubrauchen und dabei möglichst histaminfrei zu bleiben. Besonders kreativ bin ich dabei aber nicht und ob es angesichts des „Reste“-Vorzeichens wirklich so histaminfrei ist, ist auch noch die Frage. Wirklich leicht verdaulich ist es dann jedenfalls nicht, wie ich feststellen darf: Ich werfe ein zerkleinertes und in Wasser eingeweichtes altbackenes Brötchen mit einer kleinen Zucchini, einer gelben Paprika, einer grünen Paprika, einer Zehe Knoblauch, einem Schwapps Olivenöl und einer großzügigen Prise Meersalz in den Mixer und habe dann zwei große Schüsseln voll Gazpacho zu löffeln/trinken. Dabei entspanne ich mich soweit, dass ich das erste Foto des Tages mache. Im Hintergrund läuft die sehr unterhaltsame „Böhmi brutzelt“-Folge mit Anke Engelke. Beide Gerichte darf ich derzeit nicht essen, hmpf.

So ungefähr alle 10 Minuten schaue ich, ob es eine Reaktion auf die E-Mail gab, aber Spoiler: Da kommt nichts mehr heute. Irgendwann kurz nach 20 Uhr raffe ich mich zu einem Spaziergang auf. Gestern habe ich das Schrittziel nicht erreicht und heute habe ich gerade mal knapp über 1500 Schritte auf der Uhr. Also Podcast auf die Ohren und ab nach draußen!

Ich laufe gute anderthalb Stunden durch die Gegend – erst relativ zielgerichtet bis zum Park, dann aber dort andere Wege als sonst und dann wieder zielgerichtet zurück. Und dann steht man mitten in Berlin halt plötzlich mitten in der Natur (ohne Löwin) und kann das erste Mal heute so richtig durchatmen und loslassen:

Auf dem Heimweg telefoniere ich noch ein weiteres Mal mit dem Liebsten. Zuhause angekommen geht es dann nochmal auf die Couch – zum hundertsten Mal nach der E-Mail gucken, Katzen kuscheln, Tee austrinken, bisschen TikTok… Gegen 23 Uhr mache ich mich schließlich bettfertig.

19.07.2023 – Uff-Tag

Die Nacht ist unruhig, immer mal wieder wache ich auf und liege eine Weile wach. Bei einer der Gelegenheiten versuche ich, mich wieder schläfrig zu lesen. Nicht mit Noosa! Die ist sehr an meiner Aufmerksamkeit und an Körperkontakt interessiert und legt sich immer genau zwischen mein Gesicht und den Kindle, flauscht sich an mein Gesicht und schnurrt laut – auch bei mehrmaligem Seitenwechsel. Ich gebe also das Lesen auf, mache die Augen zu und döse langsam weg – als Noosa das merkt, steht sie auf – ist ja langweilig jetzt – und springt vom Bett, was mich dann wieder hellwach macht. Niedliches Biest, die!

Jedenfalls bin ich ziemlich müde als der Wecker klingelt und mache mich nur widerstrebend fertig fürs Büro, inkl. Rooibos-Mate to go und histaminarme Stulle schmieren fürs Mittagessen. Als ich losgehe, habe ich noch den Gedanken, wieder ins Büro zu laufen – Schrittziel! Challenge! – aber schon nach wenigen Schritten entscheide ich mich für die Tram. Meine Beine sind irgendwie ganz schwer heute und das wäre wirklich anstrengend.

Im Büro angekommen werde ich fast direkt von einem Kollegen beschlagnahmt, Ich kann mir vorher gerade noch Milch ins Blaubeermüsli schütten. Wir besprechen ein Thema ausführlich, zwischendurch rufe ich noch jemand anderes an, dann reden wir weiter… und haben dann nach etwa zwei Stunden einen Schlachtplan. Dann komme ich dazu, meine E-Mails zu lesen und einige zu beantworten, bevor ich einen Call mit Warschau habe. Daraus folgen weitere Absprachen per Chat und dann ist es auch schon langsam Zeit für die Mittagspause.

Mit einem Kollegen bringe ich zwei leere Getränkekästen in den Supermarkt nebenan und kaufe dann von dem Pfandgeld Eis für die Büromannschaft, was dankend angenommen wird. Dann sitzen wir noch mit anderen in der Küche, während ich meine Stulle plus Gurke und Radieschen mümmele.

Nach der Pause geht es direkt ins nächste Meeting – vier vor Ort, einer aus Polen zugeschaltet. Wir überziehen um eine halbe Stunde, dann verabschieden sich drei und wir holen vor Ort noch eine Person dazu. Dann haben wir auch hier ein Ergebnis. Während ich jetzt noch auf Rückrufe warte, meldet sich stattdessen meine Chefin mit einer überraschenden Nachricht, die die nächsten Wochen bis zum Urlaub noch sehr spannend werden lässt. Uff. So langsam bin ich durch mit diesem Tag.

Ich entscheide mich dann, nicht wie geplant noch zum Sport zu gehen, sondern direkt nach Hause. Und dann nach den ersten Metern wieder gegen das tatsächliche Gehen, sondern für die Tram. Kein Tag für körperliche Anstrengungen – ich nehme aber zumindest auf dem Weg von der Tram nach Hause noch einen kleinen Umweg, um wenigstens die 30 Minuten Aktivität für die Challenge voll zu bekommen.

Zuhause füttere ich die Katzen, nehme mir ein alkoholfreies Radler und setze mich in den Liegestuhl. Die nächste Stunde über durchstöbere ich die Essen-Bestell-Apps nach etwas, auf das ich Lust habe und das histaminarm ist. Meistens scheitert es an Tomaten, Soja oder irgendwelchen Saucen und Dips. Am Ende lande ich bei Kufta aus Rind und Lamm (semi-gut laut meiner App, da Hackfleisch generell problematisch sein kann, aber nicht zwingend Histamin enthält), Koriander-Kartoffeln und Labneh. Auch beim Labneh ist sich die App nicht sicher, es käme halt drauf an, welche Joghurtkulturen verwendet werden, aber ich habe da jetzt auch keinen Nerv mehr und bin froh, etwas halbwegs appetitliches gefunden zu haben.

Ich lege mich aufs Bett, telefoniere mit dem Liebsten und fange dann an, eine Folge Succession zu gucken. Nach einer Stunde ruft das Restaurant an, entschuldigt sich für die Verspätung und bietet mir zur Wiedergutmachung ein Getränk oder Baklava an und ich entscheide mich natürlich für Baklava. Gute 10 Minuten später ist das Essen dann da.

Bis auf das Brot esse ich alles auf und bin dann ganz schön voll für so spät am Abend – das Essen kam gegen viertel 10. Dieses Histamin-Dings fängt an zu nerven. Bisher habe ich diese Woche eher mehr Beschwerden als in den Wochen davor und es macht alles so schwierig, was nicht selbst zubereitet ist. Ich bin kurz davor, auf das Testen zu pfeifen und einfach normal weiter zu essen, aber das ziehe ich jetzt schon noch durch. Aber egal was am Ende rauskommt, ich werde nicht langfristig auf all die guten Sachen verzichten, höchstens die Aufnahme ein wenig moderieren. Gegen 22 Uhr nehme ich ein Lavendelbad zum Runterkommen und dann liege ich kurz vor 23 Uhr im Bett.

18.07.2023 – Ein brombeeriger Dienstag

Ich beginne den Morgen wie immer und da ich heute wieder einmal vor dem Weckerklingeln aufwache, auch mit der nötigen Ruhe und kompletten Morgenroutine. Zum Frühstück gibt es Skyr mit Haferflocken, Aprikosen und Blaubeeren und wieder dem Rooibos-Mate-Ersatz.

Den Vormittag über arbeite ich wieder im Balkon-Office. Ich beende die gestern angefangene Aufgabe und habe ein Meeting mit Potsdam, Lichtenberg, Biesdorf und Wilmersdorf. Zwischendurch immer wieder Katzenbespaßung. In der Mittagspause mache ich mir die Abendessenreste von gestern warm und esse nochmal Pellkartoffeln mit Brokkoli, veganer Sauce Hollandaise und Röstzwiebeln. Danach telefoniere ich mit meinem Bruder, der morgen auf eine Expedition aufbricht. Dann räume ich mein Balkon-Office ab und richte das Schreibtisch-Office ein. Die Katzen sind beim Arbeiten im Liegestuhl heute besonders hinderlich und außerdem fehlt mir der zweite Bildschirm. Bevor ich mich aber für den Nachmittag hinsetze, drehe ich draußen noch eine kleine Spaziergangsrunde und nasche ein paar erste Brombeeren direkt vom Strauch.

Mirabellenzeit ist auch schon, aber ich komme noch an meine einfach ran. Den Nachmittag über probiere ich ein neues Tool aus und schaue, ob das für unsere Zwecke passend ist. Zwischendurch habe ich zwei Meetings, eins mit Georgia und eins mit Nordengland. Dann ist auch schon wieder Feierabend. Ich ziehe mich fürs Yoga um und laufe los. Unterwegs hole ich mir noch ein Eis und wähle die vermutlich histaminfreien Sorten Birne und Brombeere. Seeehr lecker!

Beim Yoga ist es heute ganz schön voll, wir sind zu sechst im Raum, maximal eine Person hätte noch reingepasst. Ich hatte schon beim Herlaufen Schmerzen in den Beinen und das zieht sich auch durch die Yoga-Stunde. Bei einigen Asanas halte ich nicht bis zum Ende durch, andere (hallo, Taube!) kann ich heute gar nicht. Trotzdem gut, dass ich mitmache, obwohl ich beim Shavasana in Gedanken sehr wach und bei der nächsten Mahlzeit bin.

Ich laufe nach Hause, erreiche auf dem Weg mein Schrittziel und füttere zuhause als erstes die Katzen. Dann gibt es Stullen zum Abendbrot – Roggenbrot mit Frischkäse, vegetarischer Schinkenspicker (auf Sonnenblumenkernbasis, das erste Gelb in der Histamin-App heute), jungem Schafskäse und Gurke und dazu einen Apfel und eine Apfel-Ingwer-Schorle. Dann noch schnell Wäsche aufhängen, die neue Profi-Zahnseide ausprobieren, Zähneputzen, Pullern und ab ins Bett!

17.07.2023 – Homeoffice und Histaminkarenz

Jetzt geht es also wirklich los, ab heute versuche ich, noch aktiver als bisher, diverse Lebensmittel zu vermeiden, um mal zu gucken, wie es meinem Körper ohne Histamin geht und falls es ihm dadurch deutlich besser geht, versuche ich danach vorsichtig auszuprobieren, was in welchen Mengen geht. Alles immer mit Versuch, denn Histamine sind ein komplexes Ding und nicht vollständig berechenbar, wenn man sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren will – was ich will.

In den letzten Tagen habe ich ja schon Ernährungstagebuch geführt und mich von einer App beschimpfen lassen, wenn ich zu viele „falsche“ Sachen gegessen habe – also solche mit viel Histamin, mit viel anderen -aminen oder solche, die potenziell Histaminliberatoren sind. Jedes Lebensmittel, jede Mahlzeit und jeder Tag wird mit grün, gelb, orange oder rot bewertet. Und das sind in dieser App keine Durchschnittswerte – ein gelbes Lebensmittel und Zack ist der ganze Tag gelb. Ich habe aber für diese Karenzzeit auch die höchste Sensibilitätsstufe eingestellt, wenn man weiter im Prozess ist, kann man das auch lockern.

Jedenfalls wird mein Tag heute schon mit dem Frühstück gelb – ich muss Cupcakes vernichten und da sind Pistazien drin und Nüsse sind in der App generell gelb wegen möglichen Kreuzallergien, auch wenn Pistazien kein Histamin enthalten. Das zweite Gelb des Tages kommt von der Feierabendlimo – aber da geht es um Zucker, der der Darmflora schadete nicht um Histamin, und die App hält halt Limonade generell für sehr zuckerhaltig, auch wenn das für meine Pflaume-Kardamom-Limo gar nicht so zutrifft. Ansonsten esse ich heute nur grüne Sachen – auch wenn ich der App nicht so ganz über den Weg traue, aber an irgendetwas muss man sich ja entlanghangeln.

Statt Tee, Kaffee oder Mate (Koffein ist als Histaminhemmer auch tabu) mache ich mir etwas ganz Wildes als Frühstücksgetränk. Es gibt Rooibos-Espresso, den mir meine Eltern mal aus Südafrika mitgebracht haben, aus der Moka, gesüßt mit Ahornsirup und dann mit Mineralwasser aufgegossen. Das schmeckt so merkwürdig, dass es auch eine Mate oder abseitige Limonade sein könnte und befriedigt so ganz gut das Verlangen nach einem ritualisierten Frühgetränk. Dazu wie gesagt zwei Cupcakes und noch ein paar Aprikosen.

Es gibt wieder Balkonoffice, zum Glück ist es nur noch normal warm (26 Grad oder so). Ich verbringe den Vormittag mit weiteren Recherchen und Abarbeiten von Kleinkram. Dann bringe ich den Grill zurück in den Keller, schwinge mich aufs Rad und fahre zu meiner Zahnärztin. Direkt habe ich wieder mit den Freuden des Radfahrens in der Großstadt zu tun – ein Auto zieht schräg vor mir über den Radweg hinüber, um abzubiegen, statt mir meine Vorfahrt zu gewähren. Ich war allerdings noch weit genug weg, so dass realistisch wohl nichts hätte passieren können, im Recht war ich trotzdem.

Auf dem Zahnarztstuhl läuft es wider Erwarten total gut – die Ärztin hat nichts zu beanstanden bis auf ein wenig Zahnstein, aber da ich ja eh zur Zahnreinigung gekommen bin, passt das. Kein Bohren, kein Röntgen, keine Nachfolgetermine… ein Traum. Auch bei der Zahnreinigung wenig Beschwerden. Ich muss noch ein wenig an meiner Technik arbeiten und die Zahnseide soll ich täglich benutzen, nicht nur alle zwei Tage, ansonsten ist man zufrieden mit mir. Ich dann auch. Ich fahre beschwingt zurück nach Hause, schließe mein Fahrrad an, schaue, ob ich arbeitstechnisch etwas Dringendes verpasst habe (Nein, ein Meeting um 14 Uhr ist inzwischen abgesagt) und mache mir dann zum Mittagessen den letzten gegrillten Maiskolben warm. Dazu gibt es Kräuterbutter, die letzte Focaccia und frische Gurke. Mittagspause mit dem Mitbewohner auf dem Balkon, wir besprechen die Katzensitting-Situation während meines bald anstehenden Urlaubs.

Zurück am Laptop bestelle ich schnell noch Katzenstreu und -futter nach, damit es da während meiner Abwesenheit keine Engpässe gibt. Dann weiter arbeiten. Um 15 Uhr habe ich ein Meeting mit Madrid und beschäftige mich danach direkt mit der Aufgabe, über die wir da gesprochen haben. Um 17 Uhr dann Team-Meeting mit denen, die nicht im Urlaub sind. Der Kollege aus Chicago ist an der Ostküste wandern, die Kollegin aus Paris ist mit einem Entwicklungshilfeprojekt in Malawi. Wir anderen besprechen, was diese Woche so ansteht, ich führe Protokoll und verteile hinterher Aufgaben im Projektmanagementtool.

Dann ist auch schon Feierabend. Ich telefoniere das zweite Mal heute mit dem Liebsten, danach gehe ich wieder nach draußen – Schrittziel vollmachen, in der Drogerie Besorgungen machen und nebenbei einen Podcast hören, in dem es um die frühen Jahre meiner Firma geht. Wieder zuhause geht es ans Kochen. Es gibt Pellkartoffeln mit Brokkoli, vegane Fertig-Hollandaise und Röstzwiebeln (die beiden letzten Dinge laut meiner App überraschend histaminfrei). Gegessen wird Internet lesend auf dem Balkon.

Während Kartoffeln und Brokkoli kochten, habe ich schon die Katzenklos durchgesiebt und bin dann jetzt mit meinen To Do‘s für heute durch. Mit dem Schrittziel allerdings noch nicht ganz, ich tanze also schnell noch drei Songs vorm Schlafzimmerspiegel durch, dann passt das auch. Jetzt bin ich hin- und hergerissen, ob ich lesen oder fernsehen soll und entscheide mich heldinnenhaft fürs Lesen. Dabei schlafe ich aber total schnell ein und bin erstmal eine halbe Stunde weg und danach nicht mehr wirklich zu etwas zu gebrauchen. Jedenfalls nicht zum mehr Lesen oder aufmerksam etwas Gucken. Also wische ich noch ein wenig durch TikTok und mache mich dann bettfertig. Licht aus ist halb 11.

16.07.2023 – Hochsommersonntag

Auf den heißesten Tag des Jahres folgte eine Tropennacht – es blieb die ganze Nacht über 20 Grad. Und trotz Verdunkelung seit Tagen hat sich mein Zimmer so aufgeheizt, dass der Liebste und ich (und die Katzen) nicht gut oder gar durchgeschlafen haben. Kurz nach 7 bin ich wach, zum Glück waren wir vor Mitternacht im Bett, so dass ich insgesamt recht ausgeruht bin. Der Liebste, der in der Nacht länger wachgelegen hat, schläft bis kurz vor 9. Als er wach wird, mache ich schnell Kaffee und hole kalten Orangensaft aus dem Kühlschrank. Da die Milch nur noch für einen Kaffee reicht, trinke ich meinen kleinen Schluck Espresso mit den Resten der gestern geöffneten Johannisbeerschorle und habe direkt wieder Festivalfeeling im Kopf.

Wir liegen und lesen und schreiben uns mit den Gäst*innen von gestern und für alles andere ist es eh viel zu heiß. Kurz nach 11 siegt dann der Hunger und wir stehen zu einem Restefrühstück auf (zwei Löffel Nudelsalat, gestern gegrillte Bratwürste und Halloumi, aufgebackene Focaccia, je ein Spiegelei und für mich zwei Cupcakes, dazu den Rest Orangensaft). Weil es auf dem Balkon zu warm ist, gibt es das Frühstück drinnen.

Nach dem Essen sitzen wir erst noch ein bisschen rum, dann räumen wir die restlichen Dinge von gestern an ihren Platz, der Liebste macht noch den Grill sauber und ich wasche Dinge ab. Dann spazieren wir ein Stück gemeinsam und ich bringe den Liebsten zur S-Bahn, mit der er in seine kühle dunkle Höhle fährt. Ich selbst kaufe am S-Bahnhof Erdbeeren, setze meine Kopfhörer auf und laufe dann mit Podcast auf den Ohren weiter bis zum Volkspark Friedrichshain. Dort lege ich mich unter einen Baum ins Gras und ruhe mich ein Stündchen aus, bis der Lieblingsnachbar mir ein Signal gibt.

Ich spaziere hinüber zum Krankenhaus und finde den Lieblingsnachbarn und die Freundin, die gestern absagen musste, auf einer Bank vor. Der Lieblingsnachbar hat Eis mitgebracht, ich Cupcakes und eben Erdbeeren. Wir haben einen etwa dreistündigen gemütlichen Plausch und reden zum Glück nur teilweise über Krankheiten. Kurz nach 18 Uhr bringen wir die Freundin noch bis zum Fahrstuhl und laufen dann gemeinsam durch den Park wieder gen Norden. Am Ende des Parks schwingt sich der Lieblingsnachbar auf sein Fahrrad und ich setze wieder die Kopfhörer auf und laufe nach Hause. So habe ich nicht nur das heutige Schrittziel erreicht, sondern auch die gestern fehlenden knapp 3000 Schritte noch nachgeholt.

Wieder zuhause bekommen zunächst die Katzen ihr Abendbrot. Dann bereite ich die Erdbeeren, die die Freundin nicht mehr in der Cupcake-Dose unterbringen konnte, fürs Einfrieren vor. Morgen beginnt meine histaminfreie (realistisch betrachtet histaminarme) Testphase und da sind Erdbeeren leider tabu. Ich vernichte dann gleich auch noch andere Lebensmittel, die sonst in den nächsten Wochen schlecht würden. Der Orangensaft ist schon heute morgen alle geworden, jetzt gibt es die letzte halbe Bratwurst (der Rest ist gestern ungegrillt eingefroren worden) mit unbedenklichem Maiskolben samt Kräuterbutter und Focaccia und irgendwie muss noch eine Dreiviertelflasche Grillo weg.

Ich mische den Wein mit Mineralwasser, Holunderblütensirup und Balkonminze und trinke zwei große Gläser Hugo auf dem Balkon. Dazu schaue ich erst eine Doku („Vom Wir zum Ich“), in der ein britisches Filmteam Jahre nach der Wende die Protagonist*innen wieder besucht, die sie 1987 für eine Doku in Rostock porträtiert hatten. Irgendwo läuft dabei ein Stück der Olsenbanden-Titelmelodie. Es kommt, was kommen musste: Als die Doku vorbei ist, schaue ich noch den ersten Olsenbanden-Film. Wir haben neulich mal festgestellt, dass es fast alle der Filme kostenlos oder für einen schmalen Taler auf Prime zu gucken gibt.

Gegen Ende des Films werde ich schon sehr müde (und Hugo-düsig) und räume nebenbei schon mal auf, putze mir die Zähne und lege mich ins Bett. Als der Film vorbei ist – kurz vor Mitternacht – klappe ich den Laptop zu und schlafe richtig ein.