20.05.2025 – Balkon-Office und Fuß-News

Heute wache ich entspannt und ausgeruht vor dem Wecker auf, so soll es ja eigentlich sein. Gemütliche Morgenroutine, ich schaffe sogar beide Sprachen vor dem Aufstehen abzuarbeiten, und dann geht es mit kaltem Tee von gestern (Mate-Zitrone-Zitronengras), Butterbrezel und Apfel direktemang ins Balkon-Office, denn die Sonne lacht. Nachdem es die letzten Tage eher grau und frisch war, ist das eine willkommene Abwechslung. Die Online-Konferenz hält heute wieder einiges bereit, die Sonne ballert und bald muss ich für Getränke-Nachschub sorgen. Jetzt gibt es Iced Matcha Latte, der auch schnell geradezu evaporiert.

Gegen 12 steht die Sonne so hoch, dass es auf dem Balkon sowohl für den Laptop als auch für mich zu heiß wird, für Session 3 wechsle ich an den Schreibtisch. Danach ist Mittagspause. Ich esse den Rest Thunfischsalat von gestern, der inzwischen leckerst durchgezogen ist wieder auf dem Balkon und stelle fest, dass die Sonne jetzt um die Hausecke herum ist und die Temperatur damit wieder angenehm. Also schnell wieder alles vom Schreibtisch nach draußen bringen. Die nächste Session bestreitet eine ehemalige Kollegin von mir und eine weitere ist im Publikum. Das ist sehr schön, wie wir drei plötzlich wieder zusammen in einem Call hängen und uns alle drei sichtlich freuen.

Die nächste Session verpasse ich aus Termingründen und die danach fällt aus gesundheitlichen Gründen aus, so dass der Nachmittag plötzlich konferenzfrei vor mir liegt. Ich muss ja aber auch erstmal zum Orthopäden, um Fuß, Schulter und Ellbogen begutachten zu lassen. Gewohnt, dass ich aktuell länger brauche, laufe ich mit ordentlich Puffer los.

Die Docs sind wirklich Zauberschuhe, mit denen kann ich laufen als wäre der Fuß gesund und erst nach einer Weile gibt es ein Schmerzchen hier und da und ich werde erschöpft und langsamer. Bis zum Orthopäden halte ich gut durch und bin so eine Viertelstunde vor Termin da und komme fast sofort dran. Der Ellbogen ist wieder voll mobil, auch wenn er manchmal noch weh tut, die Schulter hat noch ein paar Einschränkungen und halt auch ab und an Schmerzen. Der Orthopäde sagt, das wird beides etwa ein Jahr anhalten seit Sturz, jetzt also noch so drei Monate, ich könne damit aber soweit alles machen. Der Fuß ist ja noch neuer, das dauert noch ein bisschen. Die Mobilität ist auch noch eingeschränkt und für den gibt es jetzt erstmal Physiotherapie. Nebenbei kann ich mich wieder an sportlicher Betätigung versuchen und nach der Physio wäre Reha-Sport wahrscheinlich eine gute Idee. Ich buche mir also eine Reihe Physiotermine für Juni und Juli, für anderen Sport sorgen nächste Woche erstmal re:publica und Immergut und dann wird man weitersehen.

Da ja kein Konferenz-Zeitdruck herrscht, schaue ich auf dem Heimweg noch im Drogeriemarkt und dem halal Supermarkt vorbei und kaufe ein paar Kleinigkeiten. Als ich wieder oben angelangt bin, fühle ich mich ordentlich durchgesportet und das aktuelle Tagesziel von etwa 6300 Schritten ist auch erreicht. Zur Belohnung gibt es Wassermelone, Aprikosen und Erik-Pflaumen, wieder auf dem Balkon.

Ich erledige noch ein paar Kleinigkeiten und lese nach, was heute auf der Welt passiert ist, bevor ich in die Küche gehe und aus dem Rest Gnocchi von neulich und Bärlauch-Orangen-Pesto von überneulich ein leckeres Abendessen zaubere. Die Menge an Bärlauch vertrage ich gut, ein ganzes Glas Pesto steht noch im Kühlschrank – mal gucken, ob ich das nach und nach verbrauche oder doch verschenke, es ist halt schon sehr lecker.

Pünktlich zur Abend-Session der Konferenz bin ich mit dem Essen fertig und nehme dann von der Couch aus Teil. Feierabend ist gegen 21 Uhr, dann telefoniere ich nochmal mit dem Liebsten und lege mich danach mit Buch in die Badewanne. Anna Funders „Stasiland“ nimmt mit den persönlichen Geschichten der Protagonistinnen langsam Fahrt auf (trotz weiterer Ungereimtheiten bezüglich des Berliner ÖPNV) und ich lese mich ordentlich fest, bis das Wasser langsam zu kalt wird. Kurz nach 23 Uhr liege ich im Bett und lasse mich von den Katzen in den Schlaf kuscheln.

19.05.2025 – Schreibtischtaten und Bandenbildung

Um 7 reißt mich der Wecker aus dem Tiefschlaf, so ein richtiges Montagmorgengefühl. Dabei klingelt er nur so früh, damit ich trotz allem in Ruhe den Tag beginnen kann. Internet wird leer gelesen, ich blogge, mache Französisch und muss dann die Morgenroutine erstmal unterbrechen, weil es sonst doch zu spät wird. Schnell tagfein machen, die Katzen füttern, mir Kaffee und Müsli machen und nebenbei gehetzt mit dem Liebsten telefonieren und dann bin ich ab 9 am Schreibtisch. Ich nehme die nächsten drei Tage an einer Online-Konferenz teil und habe ein straffes Programm.

Zwischen den einzelnen Sessions sind immer nur 15-Minuten-Pausen eingeplant. Die nutze ich für biologisch Notwendiges und typische Homeoffice-Erledigungen: Pflanzen gießen, Katzenklo, Wassernäpfe auffüllen, Abwasch… In einer Pause telefoniere ich mit dem Brüderchen für Geburtstagsplanungen. Die dritte Session nehme ich auf Kopfhörern mit in die Küche, während ich mir einen schnellen Salat zusammenschütte, den ich dann aber wieder am Schreibtisch verzehre.

Kichererbsen, Thunfisch, Tomate, rote Zwiebel, Oliven, Kapern, Zitrone, Olivenöl, Oregano, Pfeffer, Paprika edelsüß

Nach sechs Sessions raucht mir der Kopf, es ist inzwischen 17 Uhr. Kurz ein bisschen durchatmen, Italienisch nachholen, und dann heißt es auch schon ausgehfein machen – statt der Abendsession habe ich nämlich noch einen Abendtermin in Schöneberg. Da die BVG bessere Verbindungen kann als Google Maps glaubt, bin ich schon eine Stunde vor Beginn da und nutze die Gelegenheit für einen lange vermissten Besuch im kalifornischen Burrito-Laden.

Quesadilla mit Cilantro-Lime-Chicken, Guacamole, Tomatensalsa und Agua de Jamaica mit Hibiskus und Zimt

Dann startet um 19 Uhr die Veranstaltung mit einem Kennenlernspiel, dann Vortrag, noch ein Spiel zur Auflockerung, noch mehr Vortrag und am Ende viel Austausch, Netzwerken und Pläne schmieden. Ich treffe einige Frauen wieder, einige zum ersten Mal und einige zum ersten Mal live, die ich bisher nur digital kenne. Nebenbei gibt es nicht nur guten und inspirierenden Austausch, sondern auch verdiente Seitenhiebe auf unsere neue Regierung und deren Ansichten zur Arbeitswelt. Ein guter Abend! Gegen halb 10 geht es dann langsam wieder zurück nach Hause und gegen 11 liege ich todmüde im Bett und schlafe schnell ein. Morgen dann weiter, der Wecker ist gestellt.

18.05.2025 – Sonntagsruhe

Am Morgen schlafen die Katzen tief und fest, haben mir aber inzwischen ein Stück Bewegungsfreiheit zurückgegeben. Der Liebste ist wach, aber beschäftigt sich leise und so kann ich mich noch gemütlich einkuscheln und dösen, bevor ich die Augen endgültig öffne und der Welt gestehe, wach zu sein. Denn dann heißt es sofort Kaffee kochen und Katzen füttern, dafür brauche ich die nötige Grundmotivation. Nachdem der Schritt geschafft ist, liegen wir lange gemütlich im Bett, lesen und zeigen uns, was in der Welt vor sich geht, ich blogge und mache Französisch. Dann aber nimmt der Hunger überhand und gegen 11 stehen wir auf und machen Frühstück.

Dazu gibt es unter anderem Rührei mit Nordseekrabben, man gönnt sich ja sonst nichts (außer meistens). Zum Essen zeige ich dem Liebsten die erste Folge Étoile und bin beim zweiten Mal gleich viel entzückter. Er findet es auch auch super, also wird das auf jeden Fall fortgesetzt, entweder zu zweit oder sogar zu dritt auf Deutsch, wir sehen durchaus Anknüpfungspunkte für das Teilzeitkind, das aber mit Palladino-Englisch plus Untertitel für die französischen Teile überfordert wäre.

Jetzt aber gehen wir aber erstmal den Müll runterbringen und eine Runde um den Block, bevor der Liebste zurück nach Südberlin fährt und ich es mir mit den Katzen auf der Couch gemütlich und Italienisch mache. Danach fange ich das nächste Buch an und werde direkt am Anfang von geografischen Ungenauigkeiten irritiert. Danach wird es aber spannend. Allerdings auch nicht so spannend, als das ich über ein ausführliches Sonntagnachmittagsschläfchen erhaben wäre. Als ich daraus endgültig wieder erwache, ist mein Leseeifer fürs erste erloschen und ich empfinde es als spät genug, um die letzte Staffel Pørni anzufangen, die seit ein paar Tagen verfügbar ist. Und direkt auch zu beenden, denn es sind nur sechs Folgen à circa 30 Minuten. Ohne zu spoilern lohnt sich auch diese letzte Staffel wieder sehr und am Ende ist alles rund. Zwischendurch gibt es noch ein Girl Dinner und gegen halb 11 wechsle ich vom Sofa ins Bett.

17.05.2025 – Party mit Vorschlafen

Ich fühle mich ein bisschen wie damals, jung und Partyleben entdeckend. Ich glaube mein Bruder hat es damals vorgelebt, bevor er an den Wochenenden mit seinen Freunden zu Punkkonzerten oder den entsprechenden Dorfdiskos loszog – und meine Mutter hat immer den Mythos debunked, dass man vorschlafen könnte, man könne lediglich bereits erworbene Schlafdefizite ausgleichen. Vermutlich stimmt beides nicht, aber ich mache heute auf jeden Fall letzteres, denn die Katzen machen schon wieder ab 7 Radau.

Ich döse noch ein Stündchen vor mich hin, treffe dann radikale Entscheidungen und werfe den Großteil der Spiele von meinem Handy – die ziehen zu viel Energie, sowohl von mir als auch von der Batterie. Übrig bleiben die Rätsel und ein paar entspannende, bei denen man weder viel denken muss noch suchten kann. Und natürlich die Spiele vom Teilzeitkind, aber an anderer Stelle, so dass ich sie nicht ständig vor der Nase habe und in Versuchung gerate. Dann ganz normaler Morgen mit Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch… Und zum Frühstück machen geht es wieder zurück ins solidarische Bruce-Springsteen-Hören.

Es gibt Porridge mit Rosinen, Rosenwasser, Zimt, Mandelmus und Pistazien, dazu Crowdfarming-Orange und Iced Matcha Latte mit Waldmeistersirup (muss man ja auch mal probieren, is aber nicht so geil). Ich esse auf dem Balkon, in eine Decke eingewickelt, und werde wieder müde. Also zurück ins Bett, mit dem Buch, das ich heute endlich auslesen will. Bruce Springsteen singt leise, die Enten im Buch brüten leise, die Wellen im Buch rauschen sanft und Zack bin ich wieder eingeschlafen. Irgendwann später wache ich wieder auf und lese das Buch wirklich zu Ende. Dann muss ich mich auch schon fast sputen.

Ich stehe auf, mache mich ausgehfein, stelle das Buch an die richtige Stelle im Regal, packe meine Ausgeh-Shoulderbag, schnappe mir eine Mate zum Wachwerden für den Weg und gehe los ins Draußen. Mit den neuen Stiefeln geht es wirklich ziemlich gut, nur ab und zu tut mal was weh. Mit Tram und Partytram geht es in den Partykiez, umringt von kleinen Grüppchen aufgedrehter junger Leute. Das Ziel ist aber erstmal der Hot-Pot-Laden, wo ich den Liebsten auf eine gepflegte Malatang-Suppe treffe.

Meine fülle ich mit allerlei leckerem Zeug, das man nicht so oft bekommt – Grünschalmuscheln, Morcheln, Algen, Lotuswurzel, Enoki- und Shiitake-Pilze… Ein bisschen Bohnen und Zucchini für die Vitamine und Reisnudeln zum Sattwerden. Dazu gibt es Almdudler. Als wir satt sind, laufen wir ein paar Blocks weiter zu der Kneipe, die der Mann der besten Freundin für die Party zu seinem 40. gemietet hat. Es füllt sich erst langsam, so dass wir in Ruhe mit ihm und der besten Freundin quatschen können. Die Kinder sind auch noch am Start (sie werden kurz vor Mitternacht von den Großeltern nach Hause gebracht). Ich verbringe den Großteil des Abends im Sitzen, trinke zwei kleine Bier, tanze sitzend zur Musik und habe viel Spaß mit dem Liebsten und der besten Freundin. Die Musik ist natürlich großartig, wenn Menschen in meinem Alter und soziokulturellen Kontext runde Geburtstage feiern, dann läuft die Musik aus der Zeit als wir jung waren – von den Spice Girls bis zu We Are Scientists, von Franz Ferdinand bis The Offspring.

Wer aufmerksam mitliest, Mate, Almdudler, Bier… kann sich denken was als Nächstes kommt: Die Kohlensäure kickt, aber so richtig. Histaminalarm, Sodbrennen, Übelkeit und Müdigkeitsattacke… Gegen 1 verabschieden wir uns, nicht ohne noch ein halbes Lied mitgetanzt zu haben („This Fire Is Out Of Control / We‘re Gonna Burn This City!“ oder wie der Liebste sagt: ein Gewerkschaftssong) und fahren mit der S-Bahn nach Hause. Wir kommen wenige Minuten nach der Mitbewohnerin an, begrüßen und füttern noch die Katzen und fallen erschöpft ins Bett. Ich verbringe die Nacht eingeklemmt zwischen dem Liebsten rechts und den Katzen links von mir, alle sehr auf körperliche Nähe bedacht, und finde erst spät in tiefen und erholsamen Schlaf.

16.05.2025 – Words and Music

Erste Nacht mit verdunkelter Balkontür. Hält Nimbin nicht davon ab, ziemlich genau um 3:33 ziemlich laut zu maunzen und Aufmerksamkeit zu verlangen, aber das richtige Aufwachen dann zögert sich sowohl bei mir als auch bei den Katzen etwas heraus. Vor allem sind sie nicht gleich so aktiv und finden es OK, dass ich erstmal noch weitgehend Bewegungsfrei herumliege und ins Telefon gucke. Als ich dann richtig wach und munter bin, schlafen beide Katzen wieder tief und fest – natürlich.

Es ist immer noch etwas kühl draußen, also geht es mit dem Frühstück (Ostfriesentee mit Mascarpone-Sprühsahne, Bagel mit Pistazienmus, Bagel mit Mandelmus und Feigenkonfitüre, erste Aprikosen) erst nochmal zurück ins Bett, statt auf den Balkon. Dann aber stehe ich auf und mache mich tagfein. Wenig später sitze ich am Schreibtisch und habe ein wirklich interessantes Webinar, bei dem ich mich schon auf die Zusendung der Präsentation freue, weil ich aus den Daten noch einiges rausziehen kann. Danach dann der nachgeholte ausgefallene Termin von neulich. Auch wieder nicht ohne technische Probleme (wegen schlechter Internetverbindung auf der Gegenseite wechseln wir aufs Telefon), aber dafür sehr angenehm und inhaltlich ergiebig.

Direkt danach telefoniere ich mit dem Liebsten, dann ruft die Freundin an, mit der ich heute verabredet bin und wir besprechen Details der Planung. Es folgt Stulle zum Mittagessen, kurzes Ausruhen und dann eine längere Putzrunde zu Podcasts. Als ich wieder sitze sehe ich die Reaktion des US-Präsidenten auf die Worte von Bruce Springsteen beim Tourauftakt in Manchester und es läuft mir eiskalt den Rücken runter. Ja, es hat wie immer auch Unterhaltungswert, wie kindisch die Reaktion auf Kritik ist, aber dahinter steckt eine offene Drohung und ein Aufruf zu Lynchjustiz, der sicherlich nicht auf taube Ohren fällt – also wenn Bruce Springsteen überhaupt zurückfliegt und wieder reingelassen und nicht direkt weggesperrt wird. Starke Biermann-Vibes.

Mein Internet ist voller Solidaritätsbekundungen, die ganze Welt hört dieses Wochenende Bruce-Springsteen-Songs (und Taylor Swift, die nur beleidigt, aber immerhin nicht offen bedroht wurde) und mein dritter Konzertbesuch bei ihm in ein paar Wochen ist jetzt also ein politisches Statement. Bin unangenehm gespannt, wie die Geschichte weitergeht und hoffe ein bisschen, dass Bruce in Europa bleibt.

Dann kommt die Freundin an und wir kochen ein Abendbrot, das mit ihren aktuellen Nahrungseinschränkungen konform geht. Dafür hat sie extra Pasta aus Erbsen mitgebracht – für uns beide eine Premiere, aber wirklich lecker und erbsig, auch wenn die Konsistenz nicht wie bei „richtiger“ Pasta ist – ein bisschen wie bei Vollkornnudeln vielleicht, eher mit noch weniger Halt. Dazu gibt es eine „Sauce“ aus Zwiebeln, Crowdfarming-Porree, Salz, Pfeffer und Parmesan und obendrauf nochmal ordentlich gutes Olivenöl. (Ich habe zwei da, ein ziemlich gutes zum Braten und ein noch besseres für kalte Speisen und zum Genuss)

Nachdem es am Nachmittag ein Gewitter mit Hagel und erstmals seit langem ernstzunehmendem Regen gab, ist es jetzt erstaunlich angenehm draußen. Wir mummeln uns warm ein, essen draußen und erzählen viel. Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren mit einem Spritzer frischer Crowdfarming-Zitrone, der die Süße so richtig herauskitzelt. Dazu trinken wir übrigens Ingwer-Zitronen-Tee, auch alles frisch gemacht.

Gegen halb 10 wird es immer dunkler und frischer draußen und wir wechseln auf die Couch. Die Katzen gesellen sich dazu und so wird es nochmal richtig gemütlich. Irgendwann werden wir ganz schön müde. Die Freundin verabschiedet sich und ich beschließe den Abend mit sehr viel Bruce Springsteen auf den Ohren in der Badewanne.

15.05.2025 – Schuhbidubi

Die Katzen wieder früh wach ob des Lichts, ein Vorsatz zur Verdunkelung der Balkontür im Schlafzimmer wird gefasst und – Spoiler – im Laufe des Tages durchgeführt. Ich absolviere die morgendlichen Tätigkeiten bis einschließlich Bloggen im Bett und bereite dann erstmal Frühstück zu. Es gibt Müsli (Mango-Maracuja) mit einem Rest Joghurt und frischen Erdbeeren, dazu Weißen Tee mit Himbeeraroma und zusätzlichen TK-Himbeeren – in einer großen Kanne mein Getränk für den Tag. Erst setze ich mich mit dem Frühstück auf den Balkon, aber mit Wolken und Wind ist es dort heute tatsächlich zu kalt.

Ich schubse Noosa von meinem Schoß und wechsle nach drinnen auf die Couch, wo sie sofort den Weg zurückfindet. Nach dem Frühstück dann Französisch, Italienisch, Rätsel, dann mache ich mich tagfein und gehe an den Schreibtisch.

Als es mir dort reicht – Zahlen schubsen, Daten zusammensuchen und so – widme ich mich ein wenig dem Haushalt und dann meinen neuen Schuhen. Morgens habe ich sie zum weiteren Einlaufen direkt über die nächtlichen Schafwollsocken gezogen, später bin ich in etwas dickere normale Socken gewechselt. Jetzt probiere ich eine andere Schnürung aus, von Kreuz auf Gerade. Praktisch zum rein- und rauskommen, aber als ich dann damit herumlaufe, sitzen mir die Schuhe etwas zu locker. Aber erstmal drehe ich damit eine Runde draußen – Papier- und Restmüll weg, Altglas weg, Hose aus der Reparatur holen, Pfand weg, ein paar Einkäufe. Ich laufe fast schmerzfrei und ziemlich rund, aber so sind die Schuhe wirklich zu locker. Zuhause wechsle ich nochmal von gerader auf Leiterschnürung und jetzt sitzen sie perfekt.

Ich verräume die Einkäufe, schneide das frische Brot in Scheiben, friere diese ein und mache mir aus den Kanten und dem letzten Stück eingefrorenen Brot ein Mittagessen. Grillschnitte mit veganem Lachsschinken, Apfel und Gouda, Stulle mit veganem Lachsschinken, Stulle mit Kaviarcreme.

Dann werde ich müde und fröstelig und mache die Balkontüren für heut endgültig zu. Ich kuschele mich unter die Decke aufs Sofa, lasse mich von zusätzlichen Katzenkissen wärmen und beschließe, den Rest des Tages angemessen faul zu verbringen.

Ich habe noch zwei Folgen Sing meinen Song nachzugucken – Fanta 4 und MiA. – und hänge dabei meinen Erinnerungen an diese Lieder nach. Kein Wunder, dass Stadion-Paddy sich „MfG“ ausgesucht hat, vor meinem inneren Auge tauchen Bilder auf, wie er das um die Jahrtausendwende herum als Einsprengsel bei „Alle Kinder brauchen Freunde“ oder „One more freakin‘ Dollar“ performt hat? Kann das sein? Ich sehe ihn noch langhaarig und mit Wollmütze mit so langen Ohrbamseln dran auf und ab hüpfen, war das Staffelstein, Ischgl, Erfurt? Ansonsten natürlich viel Nostalgie bei den Fanta-Songs, die sind alle 1a im kulturellen Gedächtnis drin. Schön auch, wie sie darüber reden, dass viele der Abkürzungen in „MfG“ heute nicht mehr relevant sind, etwa „FDP“. Hihi.

Bei den MiA.-Songs habe ich auch ein paar Flashbacks in die eigene Vergangenheit. Erst zu der Kontroverse mit den Deutschland-Fahnen, da habe ich noch zuhause gewohnt, glaube ich. Kann das sein? Ich sehe SPON-Artikel vor meinem inneren Auge und den PC in meinem Kinderzimmer. Könnte hinkommen. (Edit: Müssen Semesterferiek gewesen sein, das war später.) Mein Lieblingslied von Mia. ist „Alles neu“, das hat sich leider niemand ausgesucht, lief aber damals immer auf den Parties im ST. Da lieg dann auch „Hungriges Herz“, aber das fanden wir alle ein bisschen peinlich und schlageresk und ich erinnere mich an Verballhornungen des Textes später bei den Indiesnobs – auf dem Immergut? Auf dem Populario? „Mein hungriges Pferd durchfährt ein bittersüßes Schwert“ und so… Zu „Tanz der Moleküle“ habe ich frisch verliebt und voller Rachegedanken (Revenge Knutsching) bei meinem ersten öffentlichen Auftritt mit dem Indiejungen im M.A.U. getanzt, das hab ich noch mit allen Sinnen vor Augen. Wilde Zeiten waren das 2006. Ach, Musik…

Zwischendrin mache ich mir noch Abendbrot – es gibt Gnocchi (fertige, nicht mal aus dem Kühlregal, aber aus ursprünglich rohen Kartoffeln) in Butter und Balkon-Salbei, verfeinert mit Knoblauch, Peperoncini, Pfeffer und Parmesan.

Und dann ist da noch das zweite Halbfinale vom ESC, wieder viel schönes dabei und ein unterhaltsamer Abend. Da passe ich aber weniger auf, von daher kann ich weniger spannendes dazu beitragen. Ich werde am Samstag interessiert zur Kenntnis nehmen, wer gewonnen hat, und dann ist das Thema auch wieder durch für dieses Jahr. (Trotzdem schön, wie hier so viele Länder friedlich und freundlich miteinander konkurrieren und Spaß haben und es selbst aus einigen der schlimmsten Regime queere oder queer-offene Formationen ins Rampenlicht schaffen und ihren Moment haben…)

14.05.2025 – Ordnung, Fuß und Blind Date

Die Katzen werden sehr früh wach, ich muss endlich die Balkontür im Schlafzimmer verdunkeln (Spoiler: Werde ich heute nicht). Abgesehen davon aber ein ruhiger Morgen mit gemütlicher Bettroutine. Zwischen Bloggen und Sprachen lernen stehe ich auf und mache mir zum Frühstück Grießbrei mit Erdbeeren und Matcha Latte.

Nach den Sprachen endgültiges tagfein machen und dann ist auch schon Zeit für anderthalb Stunden Webinar, wieder viel gelernt. Hinterher telefoniere ich mit dem Liebsten und esse zwischendurch zwei schnelle Käsebrote mit Pflaumenchutney. Wir feuern uns gegenseitig zu ungeliebten Aufgaben an. Meine ist, meinen Schreibtisch aufzuräumen, Ablage zu machen und neue Aktivierungsbriefe für die photoTAN-Apps auf dem neuen Telefon zu bestellen. Geht zum Glück einfach per Klick im Online-Banking. Während all dieser Dinge läuft im Hintergrund die Regierungserklärung live aus dem Bundestag.

Und zwar in einem Stream mit Live-Chat, auf den ich ab und an einen Blick werfe. Hui, zehn Deutsche sind wirklich dümmer als ein Deutscher (und das kommt gar nicht auf die Nationalität an, wurde aber damals von Heiner Müller so formuliert). Rechnet man ein paar offensichtliche Trolle und Bots ab, gibt es immer noch eine erschreckende Menge von Menschen, die wenn Merz über die Ukraine spricht schreiben: „Über Gaza darf er nicht reden.“ oder überhaupt eine Regierungserklärung mit: „Immer nur Reden, der soll mal was tun.“ kommentieren – eine Woche nach dem der Mann ins Amt gestartet ist. Und scheinbar glauben viele, der Kanzler würde die Kommentare live oder später nachlesen, es wird sich viel an ihn direkt gewendet, mit Handlungsaufforderungen. Faszinierend. Immerhin wird dann bei Weidels Erwiderung ordentlich empört kommentiert, scheinbar wird der Chat gut moderiert oder die AfD-Anhänger*innen gucken keinen Stream der ARD.

Anyway, irgendwann ist alles aufgeräumt und sortiert (also soweit, wie es nötig ist, Pareto-Prinzip und so) und ich erledige einige Telefonate und Planungen. Dann habe ich noch etwas Zeit und lese ein wenig in meinem Buch weiter. Und dann ist auch schon Aufbruch, denn ich habe heute noch etwas Spannendes vor. Ich ziehe mich ausgehfein an, wechsle von den einzulaufenden Docs in die eingelaufenen Sneakers, bringe eine Menge Papiermüll weg und mache mich auf den Weg. Leider fallen mir schnell zwei Probleme auf: Der Fuß, der in den Docs super zurecht kommt, hat in den Sneakern direkt wieder Schmerzen. Ich nehme also für eine Station die S-Bahn und bin auch ansonsten sehr humpelig unterwegs. Und mein Datenvolumen für diesen Monat ist alle, ich habe wohl in Ostfriesland und in den vielen Zügen doch mehr verbraucht, als sonst. Zähneknirschend kaufe ich für teures Geld ein GB nach und hoffe, damit die nächsten drei Tage im Draußen zu überstehen, bis es wieder frisches Volumen gibt. Das ist mir so zuletzt im Urlaub passiert und passt gar nicht mehr in mein aktuelles Erleben von WLAN zu WLAN. Verrückt.

Dann aber das Abenteuer. Die Freundin in Madrid hat mir bei unserem letzten Telefonat eine „neue“ App empfohlen. Man meldet sich an, bezahlt für einen gewissen Zeitraum eine Gebühr und kann dann wöchentlich an bis zu zwei Abendessen teilnehmen. Am Abend vorher erfährt man, in welchem Restaurant sie stattfinden und wie die Zusammensetzung der Gruppe nach Nationalitäten und Beschäftigungen ist. Man gibt vorher Präferenzen für Essen, Kosten und Bezirke ab und füllt einen Fragebogen über sich aus, nachdem die Leute gematcht werden, etwa zu Alter, Interessen, Sprachkenntnisse und Intro- oder Extrovertiertheit. Danach stellt die App (vermutlich ein Algorithmus) passende Gruppen zusammen. Pro Woche gibt es einen Termin nur für Frauen und einen für alle Geschlechter. Die Freundin in Madrid war begeistert von ihren Erfahrungen und jetzt probiere ich das auch aus.

Sehr gefreut habe ich mich gestern Abend über die Bekanntgabe des nepalesischen Restaurants, das ich noch nicht kenne und das gar nicht so weit weg liegt. Die Gruppenzusammensetzung sagte: Mexiko, Ukraine, Türkei, Puerto Rico und Deutschland, Dinnersprache Englisch. Drei Menschen aus dem Tech-Bereich, zwei aktuell nicht arbeitend. Typisch Berlin also. Im Laufe des heutigen Tages kam noch eine zweite deutsche Person aus dem Service-Bereich dazu – heute war keine deutschsprachige Gruppe zusammengekommen, sie wurde dann gefragt, ob Englisch auch OK wäre und wurde zu uns gematcht. Dafür tauchte die türkische Person am Ende nicht auf – schade.

Spannende Erfahrung, mit Leuten zusammengeworfen zu werden, die man nicht kennt und über die man nichts weiß. Aber eigentlich auch wie bei vielen Veranstaltungen, von daher werfe ich mich voll hinein. Zuerst werden die Gesichter mit Namen versehen und den Nationalitäten zugeordnet – man geht von dem aus, was man weiß und arbeitet sich dann vor. Die von der App vorgeschlagenen Gesprächsprompts ignorieren wir. Wir bestellen erstmal und starten dann in eine Vorstellungsrunde, wo jede*r etwas über sich erzählt – wie lange in Deutschland/Berlin, Lebenssituation, Arbeit… Alle so, wie sie Lust haben. Ich bin mal wieder die einzige in Berlin geborene, die andere deutsche Person ist aus Süddeutschland zugezogen, ja aus Baden-Württemberg. Alle wohnen im Prenzlauer Berg, alle sind mindestens mein Alter.

Papadams mit Achar, Sojabohnensalat
Mungbohnen-Raja, vier Sorten Momos (Gemüse, Hühnchen, Lamm und Wasserbüffel)

Schnell finden sich Anknüpfungspunkte – das Wetter in Berlin, Architektur, in London verbrachte Zeiten, öffentlicher Nahverkehr, Pandemieerfahrungen… Eine Person hat ein Projekt in einer Stadt gehabt aus der eine andere kommt, eine dritte war dort mal touristisch unterwegs… Es ist erstaunlich, wie schnell man etwas findet, auch mit völlig Fremden. Das Essen gerät dabei leider etwas in den Hintergrund. Es schmeckt gut, aber ich habe schon besser Nepalesisch gegessen, gerade neulich in Hamburg, zum Beispiel. Die Essen in Madrid, bei denen meine Freundin war, waren anders – spanisch lebhaft, mit Alkohol und hinterher Nummern austauschen. Bei uns geht es ruhiger zu. Kein Alkohol, wir bestellen alle nur jeweils einen Gang und als es am Ende darum geht, in die in der App bekannt gegebene Bar zu wechseln, in der sich alle Gruppen in der Umgebung treffen können, winken bis auf einen alle ab. Man muss zurück zu Kindern oder morgen früh raus und bei mir mahnt mein Fuß, zusätzliche Wege zu vermeiden. Außerdem ist die Bar am Rosenthaler Platz, das ist mir zu hektisch und ungemütlich.

Also höfliche Verabschiedung und Heimweg, kurz nach 9 bin ich schon wieder zuhause. In der App kann ich dann Feedback geben, zum Lokal und zu den Teilnehmenden – geben sich zwei positives Feedback, können sie über die App Kontakt aufnehmen. Die Gruppe war gut zusammengesetzt, wir waren drei Frauen und zwei Männer, das Verhältnis zwischen still und laut war gut austariert, so dass schnell ein Gespräch ins Laufen kam. Mit etwas mehr Zeit hätten sich die Gespräche bestimmt vertieft und vielleicht gibt es ja nochmal Kontaktaufnahmen über die App. Genau so cool wie bei der Freundin in Madrid war es leider nicht, aber ich habe noch drei Monate lang Gelegenheit, es weiter auszuprobieren, wenn Zeit und Kontostand es erlauben.

13.05.2025 – Weiter im Text

Theoretisch ausschlafen gekonnt, praktisch wieder kurz nach 7 wach gewesen. Dafür aber lasse ich mich in der morgendlichen Routine so gar nicht stressen, lese ausführlich das Internet leer, blogge in Ruhe, mache Französisch und Italienisch hingebungsvoll und zaubere mir dann zum Frühstück auf dem Balkon aus letztem Buchweizen und vorletztem Apfel mit Holunderblütenzucker eine ordentliche Gretschka/Kascha/Gretschnewaja Kascha. Dazu Joghurt mit Crowdfarming-Orange und Beerenmate.

Danach mache ich mich tagfein in der Erwartung, dass der Bote mit meinem neuen Telefon bald klingelt. Das Lieferfenster verschiebt sich aber nochmal nach hinten, was mir Gelegenheit gibt, mich darüber zu ärgern, dass das Telefon seit gestern Abend erst von Prag nach Köln, dann von Köln nach Berlin geflogen ist. Sicherlich ergibt das in irgendwelchen Logistik-Zusammenhängen Sinn, aber aufs einzelne Gerät gerechnet eine unheimliche Verschwendung und Umweltsünde.

Als es dann später klingelt. stecke ich gerade mitten in einem Webinar, aber das Annehmen geht ja schnell. Nach dem Webinar packe ich aus, fange schon mal an, zu laden und stecke das Gerät direkt in seine neue Hülle. Die liegt sehr angenehm in der Hand, ich werde mir aber noch neue Handhaltungen antrainieren müssen, denn die neue Hülle hat die Aussparungen anders und drückt mir noch stärker auf den kleinen Finger als die alte. Irgendwas ist ja immer.

Jetzt ist es Zeit nach draußen zu gehen. Ich bringe eben Müll weg und laufe dann zum Handyladen in der Nähe und lasse direkt professionell noch eine Displayschutzfolie aufziehen. Erst jetzt habe ich ein gutes Gefühl dabei, tatsächlich mit dem Telefon zu hantieren. Schon skurril, dass die nicht einfach so gebaut sind, dass sie nicht kaputt gehen, wenn sie unvermeidlich irgendwann runterfallen. Auf dem Heimweg kaufe ich noch Erdbeeren, wenn schon die Kohle aus dem Fenster schmeißen, dann richtig.

Zurück am Schreibtisch mache ich mich ans Einrichten des neuen Telefons. Nachdem sowas ja früher eeeeeeewig gedauert hat, vor allem mit Abschreiben und Wiedereintippen von lauter Telefonnummern – so wurden damals Kontakte aussortiert – und es dann eine Zeitlang superschnell ging, dauert es heutzutage wieder eine ganze Weile. Es wird zum Beispiel direkt ein Betriebssystem-Update notwendig, das sich unvernünftig lange hinzieht. Ich recherchiere kurz und breche den Vorgang dann ab, setze das Gerät nochmal zurück, richte es provisorisch ein, mache das Update (dauert jetzt nur ne gute halbe Stunde), setze es nochmal zurück und übertrage erst dann die Daten vom alten Gerät aufs neue. Während des Updates bastle ich mir aus dem Rest Kartoffeln von gestern plus roter Spitzpaprika, Oliven, Schnittlauch und Oregano einen schnellen Salat.

Und dann geht es daran, alle Apps einsatzfähig zu machen – einige sind ganz einfach da, ich bin eingeloggt und alles passt. Bei anderen muss ich mich neu einloggen und verifizieren. Wieder andere wurden nicht übertragen und müssen neu aus der Cloud runtergeladen werden. Und bei allem, was mit Geld zu tun hat, sind nochmal zusätzliche Schritte notwendig. Ich werde das alte Handy noch eine Weile in Betrieb halten müssen, um meine photoTAN-Apps zu nutzen, bis auch das funzt. Jetzt ist das Handy jedenfalls einsatzfähig – etwa sieben Stunden nach Erhalt, reine Einrichtungszeit locker vier Stunden. Ich setze mich noch eine Weile nach draußen auf den Balkon, trinke Acqua Sale e Limone und telefoniere mit dem Liebsten.

Später wechsle ich nach drinnen, esse Käsebrot und Erdbeeren und schlage etwas Zeit tot, bis um 21 Uhr das erste Halbfinale des ESC beginnt. Das Finale am Sonnabend werde ich verpassen, weil wir da auf einem 40. Geburtstag sind (der Mann der besten Freundin, der junge Hüpfer!), aber wenn ich beide Halbfinale gucke, habe ich ja trotzdem alle Acts gesehen. Donnerstag steht noch nichts an, das sollte klappen.

Erstes Foto mit dem neuen Telefon – der Mond kurz vor Mitternacht

12.05.2025 – Ein Tag voller Dinge

Diesen Montagmorgen wird die Routine ordentlich durcheinandergewürfelt, weil der Wecker nämlich erstens überhaupt und zweitens schon halb 7 klingelt. Und das, wo ich grad wieder unruhiger schlafe, denn als Linksschläferin mit Schulter, Ellbogen und Fuß kaputt, jeweils links, hat man es nicht leicht. Trotzdem werde ich erstaunlich schnell wach, da hilft der Termin im Draußen. Vorher aber noch ein Brot mit Büffel-Weichkäse und Feigenmarmelade und ein Matcha Latte für unterwegs.

Mit Tram und Tram (und Tram und Tram, bin aus Versehen einmal falsch umgestiegen) geht es zur Praxis der besten Freundin, Kontrolle, zwei Medikamente auf die Karte laden, Termin für Laboruntersuchung machen. Nächster Halt dann Apotheke, jetzt sind die Vorräte wieder aufgefüllt. Dann mit der nächsten Tram weiter nach Mitte. Hier macht in einer knappen Stunde der Laden auf, in dem ich mich mit den Zauberschuhen versorgen will, die machen sollen, dass ich in zwei Wochen das Immergut trotz Fuß gut überstehe. Vorher aber erstmal sitzen und ausruhen, ich bestelle mir in einem Café eine Holunder-Minz-Limo und lausche den Menschen um mich herum – eine wilde Mischung aus Tourist*innen, alteingesessenen Originalen, (Lebens-?)künstler*innen und einem Start-up-Dude, der über Viability, Confidence und Case telefoniert – auf Deutsch.

Kurz nach 11 stehe ich dann im Laden und lasse mich beraten, meine vorherigen Recherchen waren ziemlich gut, ich gehe kurz danach gut versorgt wieder raus und zur nächsten Tram, die mich dann nach Hause bringt. Das Schrittziel (das neue Fitnessband macht das dynamisch, aktuell sind wir nur bei knapp 6000) ist erreicht, als ich zuhause einchecke. Ich packe meine neuen Schuhe aus, ziehe die Einlaufsocken und dann die Schuhe an und weite den Rest des Tages fleißig das Leder.

Dabei telefoniere ich erst mit dem Liebsten, dann kümmere ich mich um die nächste Baustelle. Pünktlich nach zwei Jahren macht der Akku meines Telefons langsam schlapp und obwohl ich keine der Apps genutzt habe, die wirklich viel Energie ziehen, ist er in knapp sechs Stunden von 100 auf 23 Prozent runter. Das ist im Alltag OK, wenn ich eh die meiste Zeit drinnen bin, aber nicht, wenn in zwei Wochen re:publica und Immergut anstehen. Also beiße ich in den sauren Apfel (höhö), bestelle das aktuelle Modell und gebe das vorherige Modell in Zahlung. Das jetzige behalte ich für Notfälle, gute alte Tradition. Nervig ist, dass ich das alte nochmal kurz einrichten muss, um an die Seriennummer zu kommen, die nicht draußen dran steht. Anyway, neues Handy dann also morgen, in der gleichen Farbe wie die neue Brille, ein bisschen Nerdigkeit muss sein.

Zum späten Mittagessen gibt es dann Pellkartoffeln, Cornichons und Kräuterquark mit Leinöl allem, was Balkon und Tiefkühlfach so zu bieten haben (außer Koriander und Rosmarin): Dill, Schnittlauch, Basilikum, Thymian, Petersilie, Liebstöckel, Estragon, Minze, Zitronenmelisse und Salbei. Dann kümmere ich mich endlich um meine Französisch- und Italienischlektionen, heute Morgen war ja keine Zeit.

Hinterher mache ich mir nochmal eine große Tasse Ostfriesentee mit Kluntjes und Mascarpone-Schlagsahne und lese eine Weile in meinem Buch (James Rebanks – The Place of Tides) weiter, es geht um Eiderdaunengewinnung auf norwegischen Inseln und das Leben am Meer im Allgemeinen, auch um norwegische Geschichte und deutsche Besatzung usw.

Zwischendrin kommt eine Ladung Katzenstreu und Katzenfutter an, die ich auch noch verräume. Netter Plausch mit dem DHL-Fahrer, der gut gelaunt und mit einem Augenzwinkern sagt: „Gut, dass sie nur im zweiten Stock wohnen!“ Der Karton ist mal wieder beim Transport gerissen, diesmal immerhin nicht die Katzenstreu-Säcke. Werde ich wohl ein weiteres Mal die schlechte Verpackung monieren.

Um 17 Uhr dann, der Tee zeigt inzwischen volle Wirkung, nochmal anderthalb Stunden Webinar, diesmal sehr interaktiv, ich spreche in Breakout Rooms mit insgesamt sieben anderen Teilnehmerinnen, die ich noch nicht kenne. Danach bin ich immer noch ganz aufgekratzt und räume meine Tabs auf, schreibe E-Mails und Nachrichten und betreibe Recherchen. Dann bringe ich noch den kaputten Karton zum Müll und laufe so das erste Mal in den neuen Schuhen draußen rum – erstaunlich, wie gut das geht. Viel schneller und sicherer als in den Sneakers, die ich vor allem gekauft hatte, weil ich da mit Schiene reinpasse. Ich bin guter Dinge, was das Festival angeht.

Erst kurz vor 8 beschließe ich Feierabend, mache mir Brote mit Crowdfarming-Avocado und Gouda und beschließe den Tag mit ein paar Folgen Yellowstone, bevor ich das Leder der Schuhe nochmal behandle und mich dann ins Bett begebe.

11.05.2025 – Wholesome Sunday

Heute mal bis fast halb 8 geschlafen, höhö. Jedenfalls ist der Liebste schon wach, als ich die Augen aufschlage und macht wenig später Kaffee. Das Teilzeitkind stellt sich auch schon hinter die Dusche – was da los, es ist doch Sonntag?? Wenig später hören wir es telefonieren und erfahren danach: Mama angerufen zum Muttertag. Na gut. Dann hören wir aus der Küche Schneidegeräusche und als der Liebste den zweiten Kaffee macht, kommt er mit Infos zurück: Das Kind macht irgendein Joghurt-Dings mit Beeren. Ab da bin ich ein wenig aufgeregt. Gegen 10 dann stehen wir auch auf und gehen in die Küche. Das Joghurt-Ding mit Beeren sind so Häufchen, die jetzt im Tiefkühlschrank sind, auf dem Herd ist Schokolade zum Schmelzen im Wasserbad vorbereitet. Erstmal gibts aber Frühstück.

Danach zieht sich der Liebste zu Kontemplation (aka Zocken) zurück, das Kindelein will Schokolade schmelzen und mich überkommt ein Gefühl von geradezu mütterlicher Verantwortung und ich will helfen. Dadurch machen wir auch erstmal alles falsch, weil ich die Versuchsanordnung ändere, aber später google ich und dann ist die (das?) Bain-Marie richtig aufgestellt. Der zweite Fehler passiert dann, weil die Schokolade zu heiß wird und die falsche Konsistenz kriegt. An der Stelle will das Kind aufgeben, aber ich insistieren, dass das noch zu retten ist. „Du hast das doch im Griff, oder? Dann kann ich ja solange in mein Zimmer gehen…“ Und dann stehe ich da also alleine fluchend am Herd und bin an meiner Ehre gepackt. Fühle mich sofort mit Müttern solidarisch und sehe meine eigene vor mir, die ich garantiert in ähnliche Situationen gebracht habe. Es folgen mehrere Iterationen von Mikrowelle, dann ist die Masse zumindest einigermaßen gleichmäßig weich, dann geht es zurück auf den Herd und mit mehreren Iterationen Milchzugabe und Schneebesen habe ich bald etwas, das wie geschmolzene Schokolade aussieht und kann das Kind rufen. Es kommt beim fünften Mal, war beschäftigt.

Drei Tafeln billige Vollmilchschokolade – was das Taschengeld so hergibt

Beim Ablösen der gefrorenen Erdbeer-Joghurt-Haufen schneidet sich das Kind in den Finger und wird von mir verarztet (und blutet ein Geschirrtuch voll, weil es ungeduldig ist), dann überzieht es die Haufen mit Schokolade. Die wandern dann wieder in die Kühlung und ich habe Pause und kann aufräumen und die Küche wieder vorzeigbar machen – yay! Kein emanzipatorischer Tag bisher.

Dann erstmal ausführlich Duolingo und Babbel auf der Couch, bis die Schokolade fest ist und wir das Meisterwerk zu zweit aufessen (der Liebste hat kein Interesse). Das Kind beginnt nun mit den Hausaufgaben und der Liebste und ich stürzen uns in Juniplanungen. Bald wird es Zeit, sich stadtfein zu machen. Wir gehen zu dritt los zur Eisdiele und holen uns das zweite Eis des Tages.

Dann kehrt das Kind zurück nach Hause und wir nehmen die S-Bahn zum Brandenburger Tor: Kundgebung für ein AfD-Verbot. Es ist heiß in der Sonne und wir setzen uns erst in den Schatten, dann stößt eine ehemalige Kollegin dazu und passend zum Start der Kundgebung stehen wir dann auch in der Menge, lassen uns zählen, klatschen und skandieren, was zu skandieren ist.

Es ist weiter heiß und der Fuß mag das lange stehen nicht, also brechen wir nach einer halben Stunde wieder auf. Der Liebste bringt mich noch zur U-Bahn und fährt dann zurück nach Südberlin. Ich steige am Alex in die Tram um und bin bald zuhause bei den Katzen. Kurz verschnaufen, dann beginnen die Arbeiten dort: Katzen füttern, Katzenklos reinigen, Katzennäpfe auffüllen, Pflanzen gießen, Rucksack auspacken. Dann erst ist richtig Ausruhen.

Tonic mit TK-Himbeeren, Minze und Melisse an Buch

Noch ist es warm genug zum Draußen sitzen, bald aber muss ich nach Drinnen wechseln und kümmere mich dann auch erstmal ums Abendessen. Ich mache mit Pasta mit Paprika (und Knoblauch, Thymian, Schnittlauch, Peperoncini, Tomatenmark und einem Schuss Essig) und aus dem letzten Crowdfarming-Fenchel einen Salat mit Orange und Salzkapern.

Bei all diesen Tätigkeiten höre ich Politik-Podcasts (Pod Save America und Anne Will), aber nach dem Essen geht es wieder zum Buch und damit in die Badewanne. Im Bett lese ich auch noch weiter und dann geht gegen 23 Uhr das Licht aus, morgen klingelt der Wecker früh.