03.04.2024 – Alternatives Valencia

Man könnte sagen, ich hätte sehr gut geschlafen, hätte ich nicht von halb 5 bis halb 6 wachgelegen und gelesen. Brutto allerdings von 11 bis 7, dem Weckerklingeln. Bloggen, Telefonieren, Duschen, schnelles Frühstück (letzte gezuckerte Erdbeeren mit Müsli und Hafermilch, Pfirsichsaft) und dann bin ich zu Fuß auf dem Weg ins Büro, gleiche Strecke wie gestern. Diese führt größtenteils an einer vielbefahrenen Straße entlang, alles andere wären große Umwege, von daher sind die Kopfhörer nötig, um den Lärm ausblenden zu können und die schönen grünen Bäume und den blauen Himmel genießen zu können – heute werden 26 Grad.

Im Büro ist es heute weniger voll als gestern, da niemand Büropflicht hat. Trotzdem sind etwa 15 Leute da – es sind eben doch fast dreimal so viele Mitarbeiter*innen in Valencia als in Berlin, das zeigt sich dann. Es ist ja eigentlich auch meetingfreier Mittwoch, so dass ich größtenteils einfach ruhig durcharbeiten kann.

  • Vorbereitung eines internen Events mit Kommunikationsplan und Austausch mit Kolleg*innen
  • Fertigstellung eines Projekts mit Versand des letzten ausstehenden Schriftstücks
  • Versand einer internen Mail an das deutsche Team mit einer Stellenausschreibung
  • Korrekturen an einem Blogartikel, der von anderen ins Deutsche übersetzt worden und schon live gegangen war
  • Lektorieren einer anderen Übersetzung, rechtzeitig
  • Aktualisierung einer internen Liste mit Mailverteilern und Abgleich mit verschiedenen Quellen
  • Mit meiner Chefin besprechen, in welchem Ausmaß ich meine KPIs im ersten Quartal erfüllt habe – wir sind uns einig
  • Weitere Arbeit mit dem Team an der Festlegung der Projekte und KPIs fürs zweite Quartal
  • Absprache und kurze Schulung zum Intranet für zwei Kollegen in Prag und Dublin (das einzige Meeting heute!
  • Anschauen eines Tutorials

In der Mittagspause hole ich mir eine Etage drunter ein Thunfisch-Sandwich mit Oliven und esse das dann gemeinsam mit einer Gruppe italienischer Kolleg*innen. Wir sprechen Italienisch mit englischen Einwürfen, bis ein französischer Kollege dazukommt, dann wechseln wir alle zu Englisch, normalerweise hätten sie sich auf Spanisch unterhalten, aber sie nehmen Rücksicht auf mich.

Mit den beiden neuen deutschsprachigen Kolleginnen unterhalte ich mich heute auch wieder. Die eine ist erschreckend jung, hat ihre Ausbildung erst kurz vor der Pandemie begonnen. Ich erzähle ihr nicht so im Detail, dass ich nächsten Monat 14jähriges Firmenjubiläum feiere.

Ich mache dann schon um 17:30 Feierabend, denn ich habe noch große Pläne. Bei schönstem Wetter laufe ich einmal fast komplett durch den Valencia durchziehenden Park (nebenbei Telefonat mit dem Liebsten und die erste halbe Stunde noch letzte Absprachen mit dem Team im Chat) bis zu einem Baobab-Wäldchen.

Hier bin ich mit einer ehemaligen Kollegin verabredet, die auch Yoga-Lehrerin ist und mittwochs zum Feierabend hier Kurse gibt. Wir sind heute nur zu dritt und sie hat mir eine Yoga-Matte mitgebracht. Es ist meine zweite Session mit ihr, die erste war während der Pandemie online, ich nahm vom Kinderzimmer des Teilzeitkinds aus Teil. Diesmal also live, mit Live-Korrekturen und in schönster Umgebung. Das ist toll! Ich kann die anderen Menschen im Park sehr gut ausblenden (die Geräusche nicht so). Das Yoga ist ähnlich sanft wie bei meiner Klasse in Berlin, nur werden die Positionen etwas länger gehalten, als ich gewohnt bin. Beim Shavasana komme ich in dieser Umgebung nicht ganz zum Abschalten, aber ich widerstehe der Versuchung, einfach in die Bäume zu gucken.

Nach der Session zeigt mir die Ex-Kollegin noch ein bisschen ihr Valencia. Wir laufen durch Altstadtgassen und sie bestellt uns einen Tisch fürs Abendessen (für 21 Uhr), davor trinken wir noch etwas – sie ein Bier und ich ein Agua de Valencia in der Außengastronomie, es ist immer noch hell und warm.

Zum Essen geht es dann zu einem linken Kulturverein, der seinen Mitgliedern (ich trete schnell bei, kostet nichts), ein veganes Überraschungsmenü anbietet. Wasser und Tee sind umsonst und am Ende zahlt man, was man denkt und sich leisten kann.

Marinierte rohe Zucchini auf Brot
Gegrillte Aubergine mit Honig und Sesam
Reis mit Zeug und Seidentofu
Glutenfreier Brownie mit Karamell

Wir essen und reden und haben uns viel zu erzählen. Nach guten anderthalb Stunden zahlen wir 15 € pro Person, ich wollte erst mehr geben, aber die Ex-Kollegin, die mit den Gegebenheiten besser vertraut ist, meinte das sei zu viel. Danach bringt sie mich noch zu meiner Tram-Station. Leider fährt eine Tram gerade ab, als ich ankomme, auf die nächste muss ich eine Viertelstunde warten. Dann geht es durch das dunkle Valencia zurück in mein Viertel am Hafen. Gegen Mitternacht liege ich glücklich und zufrieden in meinem Bett.

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