Jetzt also weiter Hitze, aber nicht mehr am See, sondern in der Stadt. Hmm. Heute erstmal Balkon-Office, obwohl das am Morgen noch ganz schön heiß ist. Mit Sonnencreme, Sonnenhut und Maracujawasser ist es aber ganz gut auszuhalten. Den Vormittag über arbeite ich Dinge ab, nach und weg. Zwischendurch schaue ich neidisch auf Nimbin, der es sich heute so richtig gemütlich macht.
In der Mittagspause möchte ich meinen langgehegten Plan umsetzen und im lokalen Einzelhandel um die Ecke neue Schuhe kaufen. Ich stecke also meine Einlagen und ein Paar Socken ein und flipflope los. Im Laden angekommen, schaue ich mich ausgiebig um. Vom Typ her kommen etwa 20 % des Angebots in Frage, aber die, die bezahlbar sind, sind nicht schön und die die schön sind, sind nicht bezahlbar. Das einzige mir genehme Paar muss ich in der richtigen Größe erst lange suchen, weil die dazugehörigen Pakete nicht dort stehen, wo das Ausstellungsstück steht. Als ich nach dem Karton greife, kommt die Verkäuferin zu mir und herrscht mich an, dass das Winterschuhe seien. Stimmt, sind gefüttert, brauche ich nicht. Ich stelle sie also wieder zurück. Auf die Frage, was ich denn so suche, sage ich vage „Sneaker“ und werde dann angeblafft, warum ich dann nicht „dort“ suche. Dort ist, wo ich vorher schon war und wo all die hässlichen Schuhe stehen. Ich überprüfe nochmal, aber nein, da ist wirklich nichts. Ich verabschiede mich knapp und gehe wieder nach Hause. Nach einer kurzen Einkehr beim Supermarkt zum Auffüllen der Vorräte und einem schnellen Sandwich plus reifen Aprikosen zum Mittag gucke ich mich dann im Online-Schuhhandel um, setze Filter und klicke mir innerhalb von 5 Minuten 5 Paar Schuhe zusammen, die in den nächsten Tagen eintreffen werden. Maximal zwei davon werde ich behalten, der Rest geht bequem wieder zurück und bezahlt wird hinterher.
Am Nachmittag dann weiteres Arbeiten an Kleinigkeiten. Pünktlich zum ersten Meeting um 15 Uhr (mit Paris, Südengland und Georgia) setzt Regen ein und ich muss den Liegestuhl parallel zur Hauswand stellen, damit der Laptop nicht nass wird. Nach 25 Minuten ist das Meeting vorbei und der Regen auch schon längst wieder. Um 16:30 ist dann das letzte Meeting (mit Chicago und „sonst Dublin aber heute Rhodos“). Kurz nach 17 Uhr mache ich Feierabend und räume das Balkon-Office weg.
Als erste Amtshandlung des Feierabends hole ich mein Fahrrad aus dem Keller. Der Lieblingsnachbar kommt mit seiner Pumpe vorbei und schaut auch sonst, ob alles gut ist – das Fahrrad war ein knappes Jahr nicht draußen. Dann schließe ich es draußen an und gehe mit dem Lieblingsnachbar auf einen ausgedehnten Spaziergang mit Eis (Mango und Brombeere). Auf dem Rückweg jubelt das FitBit, dass das Schrittziel erreicht ist.
Wieder zuhause bastle ich mir eine Art Okroschka mit Pellkartoffeln, gekochtem Ei, Gurke, Radieschen, lila Möhren, Dill und Buttermilch. Die lasse ich im Kühlschrank nochmal schön abkühlen und dann essen der Mitbewohner und ich auf dem Balkon Abendbrot – er hat Hühnchen mit Reis, völlig überraschend.
Kurz nach 9 ziehe ich mich dann in mein Zimmer zurück und verbringe den Abend mit Katzenkuscheln und TikTok schauen und dann ist irgendwann gegen 23 Uhr Licht aus.
Gerade festgestellt, dass ich am Wochenende mit den Daten der Blogeinträge durcheinandergekommen bin. Die mentale Zeitverschiebung des Über-gestern-Bloggens plus große Hitze hinterließen Spuren. Ist jetzt nachträglich korrigiert...
Wieder erstaunlich gut geschlafen, nach einem Toilettengang kurz gelesen und dann wieder eingeschlafen. Heute ist der Liebste dran mit Kaffee machen und kommt mit Meldung eines hungrigen Kindes zurück ins Bett: Es lagen keine Chipsreste von gestern mehr herum, da wir ja bis zum Schluss unten auf dem Steg gesessen hatten. Ich bringe dem Teilzeitkind auf Wunsch ein Brötchen mit Honig ans Bett und lege mich dann wieder in meins. Wir lesen im Internet herum und schnicken dann aus, wann wir heute vom See aufbrechen wollen/müssen. Der Kompromiss, der schließlich gefunden wird, gefällt niemandem so richtig, aber so ist das mit Kompromissen. Immerhin sind wir sehr gut in Kompromisse finden und das freut uns dann direkt wieder.
Gegen halb 11 wird aufgestanden und unter den Bäumen der Frühstückstisch gedeckt. Nachdem die Tafel aufgehoben und verräumt ist, machen wir uns seefertig und laufen zum Steg. Die Erwachsenen sind noch mit Lesen und Verdauen beschäftigt, während das Kindelein schon plantscht. Sobald die Sonne auf den Steg scheint, steigt das Badebedürfnis dann aber rasant und bald sind alle im Wasser.
Ansonsten viel aufs Wasser gucken, viel Lesen, viel Stille und viel Fische beobachten bzw. einfangen und wieder freilassen.
Die beiden Nachbar*innen Ringo und Natterlie werden auch fleißig beobachtet.
Am frühen Nachmittag gehen der Liebste und ich kurz Sachen packen und das Auto beladen, damit das nicht das Letzte sein muss, was wir hier tun. Danach schwimme ich noch eine letzte Runde und lasse mich in der Sonne trocknen, während das Teilzeitkind noch verschiedene Sprünge und Salti ins Wasser ausprobiert. Zum späten Mittagessen gibt es die restlichen Nudeln mit Bolognese für uns drei und Wassermelone für alle, dann heißt es Aufbruch und verabschieden.
Da wir eine Stunde früher hätten aufbrechen müssen, wenn der Liebste und das Teilzeitkind mich noch nach Hause gebracht hätten, lasse ich mich wieder am Bahnhof absetzen und winke den beiden zu. Mein Zug kommt leicht verspätet und dann sehr überfüllt. Es werden keine zusätzlichen Fahrräder und Kinderwägen mehr mitgenommen, ich kann mich aber gerade noch so reinquetschen. Der übernächste Halt ist dann schon die S-Bahn-Endhaltestelle und weil der Zugführer dringend an Fahrradfahrende und andere appelliert, doch in die S-Bahn umzusteigen, sonst müsse der Zug geräumt werden, kämpfe ich mich durch die Menschenmassen nach draußen und steige am Gleis gegenüber in die S-Bahn, in der es jede Menge freie Sitzplätze gibt.
Am Ende bin ich so eine Viertelstunde später zuhause als ursprünglich gedacht, aber das ist zu verschmerzen. Ich füttere die Katzen, packe meine Sachen aus und setze mich auf den Balkon – Bloggen, Sprachlern-Apps… Dann telefoniere ich nochmal mit dem Liebsten und mache mir dann ein schnelles Abendbrot, das ich zur Lektüre des neuen Mike Gayle esse.
Als das Buch zu Ende ist, ist es dunkel auf dem Balkon. Ich gieße noch schnell die Pflanzen, putze meine Zähne und gehe ins Bett.
Dafür, dass ich erst um 2 im Bett lag, bin ich ganz schön früh das erste Mal wieder wach. Kurz vor 7 stelle ich fest, dass an weiteres Schlafen erst zu denken ist, wenn ich vorher meine Blase entleere. Ich bewege mich sehr vorsichtig und so leise wie möglich, aber irgendwie muss ich das Teilzeitkind damit geweckt haben. Denn gerade, als ich wieder einschlafen will, rüttelt es an meinem Fuß und möchte das Handy des Liebsten entsperrt bekommen, damit es das Hörbuch von gestern Abend weiterhören kann. Wenn‘s weiter nichts ist…
Ich döse wieder weg, das nächste Mal wird gegen halb 9 an meinem Fuß gerüttelt, weil mein Handy zum Spielen eingefordert wird. Auch kein Problem. Gegen halb 10 ist dann der Liebste wach, ich auch, und dann bringe ich Kaffee ans Bett. Bei der Gelegenheit hole ich mir auch mein Handy wieder. Kurz danach kommen mein Bruder und seine Freundin und bereiten gemeinsam mit dem Teilzeitkind das Frühstück vor, das wir unter Bäumen im Wald zu uns nehmen.
Danach zieht es uns dann aber endlich ans Wasser und wir nehmen Position auf dem Steg ein. Es wird gebloggt, gelesen und erzählt und beim Baden kommen heute auch Schwimmflossen, Taucherbrillen, Paddle Boards und Kescher zum Einsatz.
Der Liebste und mein Bruder fahren nochmal kurz los, Pfand abgeben und letzte Dinge einkaufen. Ich schwimme eine ganz ordentliche Strecke, nur um hinterher festzustellen, dass das so gar nicht auf mein Schrittziel einzahlt, hmpf. Am frühen Nachmittag servieren mein Bruder und seine Freundin eine kalte Joghurt-Gurken-Suppe mit ordentlich Dill und Knoblauch, die bei der Hitze genau das Richtige ist.
Zum Abend hin wird der Grill rausgeholt, neben mariniertem Fleisch und Würstchen gibt es Halloumi, Mais, Gemüsebällchen, Lachs, Knoblauchbaguette, Bulgursalat, Wassermelone-Feta-Minze-Salat, Zucchinipuffer mit Joghurt-Dip und zum Nachtisch Eis.
Hinterher sitzen wir wieder auf dem Steg, trinken Strawberry Daiquiris (für die Kinder ohne Rum) und spielen uns gegenseitig Lieder vor. Irgendwann verabschieden sich die Gäste, das Teilzeitkind und der Liebste gehen schlafen und auch der Rest macht heute früher Feierabend – gegen Mitternacht liege auch ich im Bett.
Der Freitag beginnt entspannt und gut ausgeschlafen – ich wache kurz vor dem Weckerklingeln auf, mit einem ganz subtilen Aperol-Spritz-Schädel, aber da kann ich mich gleich schonmal dran gewöhnen fürs Wochenende – und manövriere mich ohne Hektik durch meine Morgenroutine. Kurz nach 9 sitze ich am Schreibtisch, mit Himbeerwasser (also nicht Himbeergeist, sondern Wasser mit TK-Himbeeren) und Brioche – mit Johannisbeergelee bzw. Pistaziencreme).
Ich bereite eine Rundmail vor und versende sie, stimme mich mit Kolleg*innen ab und recherchiere Dinge. Das einzige Meeting des Tages (ein anderes wird spontan abgesagt), findet telefonisch statt. Erst gehe ich dafür auf den Balkon, aber dort wird es mir schnell zu heiß und ich wechsele aufs Sofa. Dann geht es zurück an den Schreibtisch, Meeting nachbereiten, das gestern besprochene neue Projekt anleiern und im Projektmanagement-Tool anlegen… Recht schnell ist Mittagspause.
Ich mache mir aus drei Eiern und einer Packung Baby-Spinat eine Art Omelette (es zerfällt natürlich), dazu gibt es Taralli mit Fenchelsamen und einen Rest Mojo rojo. Das esse ich auf dem Balkon, wo inzwischen die Sonne um die Hausecke verschwunden ist. Danach kümmere ich mich um Müll, Katzenklos und Sachen packen. Kurz nach 14 Uhr bin ich zurück am Schreibtisch. Der Freitagnachmittag ist meist sehr ruhig, da der Großteil der europäischen Kolleg*innen sanft ins Wochenende gleiten möchte. Hektik kommt dann nur noch aus den USA, heute aber nicht.
Ich bereite Dinge für die nächste Woche vor, lese etwas für einen amerikanischen Kollegen Korrektur und schreibe meinen Wochenbericht. Gegen 17 Uhr klappe ich den Laptop zu, füttere die Katzen großzügig, fülle ihre Wassernäpfe auf und gieße nochmal ein paar Pflanzen, die immer viel pralle Sonne abkriegen. Dann koche ich mir einen Kaffee to go, schnappe mir meinen Rucksack und laufe los zur Tram, die mich zum Zug bringt. Auf der Fahrt in eine brandenburgische Kleinstadt fange ich das neue Buch von Mike Gayle an. Dort angekommen holen mich der Liebste und das Teilzeitkind ab. Wir gehen zusammen einkaufen und fahren dann an den See, wo mein Bruder und seine Freundin uns schon erwarten.
Wir laden aus, dann zieht sich das Teilzeitkind schnell seine Badesachen an und schwups sitzen wir auf dem Steg, bzw. im See. Für die Erwachsenen gibt es erste Biere und Weine. Dann wird das Abendessen serviert – Nudeln mit Bolognese, für einige von uns auch noch Spinat mit Feta.
Die Sonne geht langsam unter, wir sitzen und erzählen. Das Teilzeitkind rollt sich irgendwann mit einer Decke an mich gekuschelt zusammen und döst. Gegen 23 Uhr streichen wir die Segel und gehen nach drinnen. Wir beziehen die Betten und das Kind geht schlafen. Für die Erwachsenen gibt es Gin Tonic mit Johannisbeer-Eiswürfeln und der Abend endet irgendwann gegen 2 Uhr nachts.
Nach den letzten beiden anstrengenden Tagen mit viel Hin und Her und Büro freue ich mich auf einen entspannten Homeoffice-Tag. Nach der Morgenroutine (Internet leer lesen, Katzen kuscheln, Bloggen, Duolingo, Babbel, Telefonat mit dem Liebsten, Pflanzen gießen, Katzen füttern), bei der ich mich heute überhaupt nicht beeilen muss, mache ich mir zum Frühstück einen Smoothie – also eigentlich drei große Gläser voll – aus Bananen, Apfel, Haferflocken, Zimt und Aprikosenwasser. Ich hatte gestern Abend wieder getrocknete Aprikosen in Wasser eingelegt. Dann setze ich mich an den Laptop und erledige erste Dinge. Da ich bis zum Mittag keine Meetings habe und die To-Do-List angenehm leer ist, kümmere ich mich am Vormittag – immer mit einem Auge und Ohr für das Diensthandy und eintrudelnde Anrufe, E-Mails, Nachrichten und Benachrichtigungen – um Haushaltsdinge. Wäsche waschen, Katzenklo durchsieben, Müll wegbringen…
Dann folgt ein produktives Meeting mit meiner Chefin in Südengland. Hinterher gehe ich nach draußen, zuerst in die nächstgelegene Buchhandlung. Leider ist das Buch, das ich brauche nicht vorrätig, also fahre ich mit der Tram zwei Stationen zur nächsten, etwas größeren Buchhandlung. Auch hier habe ich kein Glück, kann das Buch aber in einer anderen Filiale für mich zurücklegen lassen. Auf dem Heimweg kaufe ich noch schnell Olivenöl und Vitamin-D-Tabletten und dann geht es auch gleich weiter mit dem Homeoffice. Ich schmiere mir noch eine Stulle mit dänischer Remoulade, Schafskäse und Gurke und dann wird es Zeit, alles für das Nachmittagsmeeting vorzubereiten. Ich bin Gastgeberin eines deutschlandweiten Meetings, führe durch die Präsentation, moderiere andere Präsentator*innen an, stelle selbst einige Folien vor und moderiere am Ende die Fragerunde.
Danach raucht mir eigentlich der Kopf, ich habe aber noch einiges nachzubereiten, bevor ich guten Gewissens den Laptop zuklappen kann. Dann ziehe ich mich für den Abend um und spaziere zur dritten Buchhandlung heute. Ich lasse mir das Buch in Geschenkpapier einwickeln und laufe wieder zurück in meinen Kiez – das FitBit jubelt laut brummend ob meiner Aktivität. Gegen 19 Uhr treffe ich beim Lieblingsnachbar ein, der gestern Abend endlich aus dem Krankenhaus entlassen wurde und heute seinen Geburtstag auf dem grünen Balkon feiert.
Als ich ankomme, gibt es gerade noch die Reste vom Kuchen aus dem Stammcafé. Die Gäste sind bereits äußerst albern und ausgelassen, was eher an der Konstellation von Menschen als an etwaigem Alkohol liegt. Als wir überlegen, was wir zum Abendbrot essen wollen, schlage ich eine Pizzeria vor, in der ich mit dem Liebsten war und bei der ich in der Zwischenzeit schon zweimal bestellt habe. Wir einigen uns zu sechst auf fünf verschiedene Pizzen und trinken dann einen Aperol Spritz, während wir darauf warten. Dann werden die Pizzen unter großem Hallo brüderlich und schwesterlich geteilt, verkostet und gefeiert – ich habe gut vorgeschlagen.
Kurz vor 22 Uhr machen wir die Lichterkette an und es zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen – morgen ist ja auch noch ein Arbeitstag. Die erste Ladung Gästinnen geht kurz nach 22 Uhr, eine halbe Stunde später bricht auch der Rest auf. Zwei nehmen die Tram in den Wedding, einer fährt mit dem Hoverboard nach Weißensee und ich stakse hinüber in die Parallelstraße. Zuhause gönne ich mir noch ein kurzes Bad und dann ist auch dieser Tag beendet.
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier
Mein Körper nimmt das mit dem #WMDEDGT sehr ernst und möchte für möglichst viel Content sorgen, deshalb weckt er mich schon um 5 und lässt mich erst kurz vor Mitternacht schlafen. Alles für den Plot! Ich erwache neben dem Liebsten und lese erst einmal das Internet leer und blogge. Zehn Minuten vor seinem Wecker um 6:30 Uhr wacht er auch auf und geht uns Kaffee und Orangensaft holen. Es wird ein kurzer Morgen im Bett, denn nicht nur das Teilzeitkind muss zur Schule, auch wir beide müssen für die Arbeit nach draußen und das auch noch früher als normal. Um 6:45 Uhr geht der Liebste schauen, ob er das Teilzeitkind wecken muss, aber auch es ist bereits wach und hat bis jetzt Hörspiel gehört. Für eine Viertelstunde kommt es noch zu uns kuscheln und dann ist Action angesagt.
Um 7 stehe ich auf und gehe ins Bad, das Teilzeitkind zieht sich an und der Liebste deckt ihm den Frühstückstisch und füllt die Brotdose für die Schule. Als ich aus dem Bad komme, isst das Kindelein schnell sein Müsli auf und geht dann selbst ins Bad. Ich packe meinen Kram zusammen, der Liebste liegt nochmal für ein paar Minuten im Bett. Halb 8 verlässt das Kind mit Ranzen und Roller die Wohnung Richtung Schule, der Liebste geht ins Bad und ich sitze auf dem Sofa und beschäftigte mich mit Duolingo.
Dreiviertel 8 verlassen der Liebste und ich gemeinsam die Wohnung, gehen zur S-Bahn und fahren gemeinsam nach Mitte. Das ist in der Konstellation so auch noch nie vorgekommen. Am Potsdamer Platz trennen sich unsere Wege. Er fährt noch ein Stück weiter, zu einer Schulung, bei der er dann auch Frühstück und diverse andere Mahlzeiten bekommt, ich nehme die U-Bahn in Richtung meines Büros. Eine Station vor der Richtigen muss ich aussteigen, weil die Linie immer noch unterbrochen ist. Ich spaziere an der Spree entlang zum Büro und höre Podcast – sehr empfehlenswerte WRINT-Folge mit Michael Lühmann über Ostdeutschland, unbedingt auch hören!
20 vor 9 bin ich im Büro und belege mit einigen anderen Frühstücksbrötchen für das Team. Um 9 poste ich entsprechende Fotos in den Büro-Chat, spiele Musik über eine Bluetooth Box und nehme am allgemeinen Essen und Plaudern teil.
Gegen halb 10 ist alles aufgegessen – 28 Brötchen hatten wir – und ich gehe an meinen Platz. Die nächsten Stunden, bis etwa 13:30 Uhr, arbeite ich an verschiedenen Dingen. Die Präsentation von gestern wird fertiggestellt, ich versende eine Pressemitteilung, ich helfe einer Kollegin in Paris, indem ich Informationen für sie finde, ich bespreche Dinge mit Kolleg*innen hier vor Ort und bereite eine E-Mail inkl. der darin verlinkten Listen und Formulare vor.
13:30 Uhr gehe ich dann zu einem Arbeitsessen mit einem Kollegen zum Vietnamesen neben an. Weil ich noch sehr satt vom Frühstück bin, entscheide ich mich für einen Mangosalat mit Rindfleisch und ein Ginger Ale.
Wir besprechen uns für eine gute Stunde, dann geht es zurück an den Schreibtisch. Mit inzwischen eingetroffenen Informationen beende ich einen weiteren Text und verschicke ihn an den relevanten Personenkreis. Um 15 Uhr habe ich einen Call mit Paris und Atlanta. Mein Meeting mit meiner Chefin in Südengland hingegen muss auf morgen verschoben werden. Um 16 Uhr dann Besprechung/Brainstorming mit zwei Kollegen vor Ort in einer Sitzgruppe. Geht wirklich in dem Fall besser als gestern, als wir es im Chat probiert hatten – wir machen Nägel mit Köpfen und haben einen Plan.
Zurück am Platz setze ich den Plan in To Do‘s im Projektmanagement-Tool um. Ab 17 Uhr leert sich das Büro zusehends. Da ich noch Zeit totzuschlagen habe, wende ich mich der jährlichen Compliance-Schulung in vier Modulen zu, die eigentlich erst Ende August abgeschlossen sein muss, aber was weg ist, ist weg. Ich arbeite seit 13 Jahren in dem Laden, die Schulung ist seit mindestens 5 Jahren unverändert. Ich brauche also statt 3 Stunden ungefähr eine, um mich da durchzuklicken und mit fast voller Punktzahl abzuschicken. Komplett volle Punktzahl übrigens bei den Punkten Datenschutz und Harassment. Bin ja nicht umsonst Twitter-sozialisiert (Mastodon-sozialisiert müsste ich jetzt eigentlich sagen, aber die entscheidenden prägenden Jahre davon waren auf Twitter). Die meisten Fehler mache ich bei Korruption, da fehlt mir halt die praktische Erfahrung.
Zwischendurch ruft der Liebste an, der inzwischen wieder zuhause ist und sich in den Feierabend verabschiedet. Ich beschäftige mich noch ein wenig mit Babbel und Duolingo und verlasse dann 18:45 Uhr das Büro. Mit Rucksack und Sporttasche nehme ich die S-Bahn zum Fitnessstudio. Kurz vor halb 8 gleite ich elegant ins Wasser, wo schon die Zufallsfreundin von neulich wartet und mir noch nachträglich zum Geburtstag gratuliert. Dann folgen 45 Minuten heute sehr intensives AquaFitness, nachdem wir total kaputt sind. Eine Kursteilnehmerin spricht mich auf meinen Bikini mit dem Zitronenprint an und fragt, ob ich den aus ihrer Heimatstadt Sorrento habe. Habe ich nicht, aber ich kenne Sorrento natürlich und verstehe die Assoziation. Hätte mich dann gerne noch länger mit ihr über ihre Heimat unterhalten, aber sie ist vor dem Kurs schon 32 Bahnen geschwommen und hat es eilig, loszukommen.
Die Zufallsfreundin und ich trocknen uns ab und gehen in die Sauna. Nach dem ersten Gang duschen wir uns kalt ab, werfen unsere Badesachen in die Trockenschleuder und halten einen Plausch. Dann zweiter Saunagang, aber ich halte nur noch kurz aus, bevor ich rausgehe, mich dusche, föhne und anziehe. Die Zufallsfreundin stößt kurz danach auch zu mir und als wir beide fertig sind, bringe ich sie noch zu ihrem Fahrrad. Dann laufe ich im Hellen (es ist nach halb 10) zur S-Bahn und fahre zurück in den Prenzlauer Berg. Dabei höre ich weiter den Podcast von heute morgen.
Zuhause angekommen, füttere ich zuerst die Katzen und fülle ihre Wassernäpfe auf. Dann hänge ich zuerst meine Sachen zum Trocknen auf, packe meinen Rucksack aus, entferne die Spuren einer Haarballenkotzaktion und gieße die Pflanzen auf dem Balkon, bevor ich mich um mein eigenes Abendbrot kümmere. Ich werfe einen Becher Hüttenkäse und eine Dose Thunfisch zusammen, schneide ein paar Cornichons klein und vermische alles gemeinsam mit Salz, Pfeffer, Dill und Cornichon-Wasser. Dazu gibt es eine Scheibe getoastetes Roggenbrot. Ich mache im Wohnzimmer Licht an, dann ist es auf dem Balkon hell genug, um zu essen und zu sehen, was ich esse.
Ich bin zwar kaputt, aber noch viel zu aufgekratzt und als der Podcast vorbei ist, lese ich daher noch ein wenig im Internet herum, bevor ich mich dann gegen halb 12 bettfertig mache und hinlege. Mit dem „Alles gesagt“-Podcast mit Armin Maiwald auf den Ohren und den Katzen am Körper schlafe ich dann irgendwann kurz vor Mitternacht ein.
Heute wird ein sehr bewegter Tag, ich warne schon mal vor. Keine Erinnerung mehr an das Aufwachen, aber als der Liebste kurz vor halb 8 anruft, bin ich schon wach genug, um ranzugehen und zu telefonieren und kurz vor 8 stehe ich dann selbst auf. Ich ziehe mich an, packe meinen Rucksack fertig, gieße die Pflanzen, stelle den Katzen genug Futter bis morgen Abend hin, schnappe mir eine Mate und meine Sporttasche und mache mich auf den Weg ins Büro. An der Tramtür erkläre ich einer Gruppe Jugendlicher, wie das so geht mit dem Bahnfahren, während ich mich bestimmt durch eine Traube von ihnen hindurch schiebe, um das Innere der Tram zu erreichen, wo jede Menge Platz ist, sogar zum Sitzen, während weniger energische Mitmenschen draußen stehen bleiben, weil sie die Bahn ob des Gedränges an der Tür für voll halten. Werde mir einen Krückstock zum Fuchteln besorgen müssen.
Pünktlich um 9 im Büro angekommen gieße ich mir Milch ins Müsli, schnipple dazu einen Apfel klein und ziehe mir einen Cappuccino. Dann frühstücke ich E-Mails lesend. Um 10 habe ich einen ersten Call mit Warschau. Danach erledige ich Kleinkram, trete unserem firmeninternen Buchclub bei, befreunde mich mit einem Kollegen bei Duolingo und gucke, wie es bei unserer jährlichen Schritte-Challenge läuft, bis 11:30 Uhr das nächste Meeting ansteht, hybrid mit einem Teilnehmer vor Ort und dem Rest in Lichtenberg, Biesdorf, Steglitz und Nürnberg. H
alb 1 geht es direkt vom einen Hybrid-Meeting in das nächste, anderer Meetingraum, mit insgesamt fünf anderen vor Ort in einem Raum für 4, weil in dem größeren die Technik steigt, und Leuten aus Nordberlin, Dublin und Valencia zugeschaltet. Wir überziehen um eine halbe Stunde und dann ist die Luft auch mehr als verbraucht. Soviel zu den Learnings aus der Pandemie. Zurück am Platz packe ich meine Sachen wieder ein, schließe die Sporttasche weg und mache mich dann mit U- und S-Bahn auf den Weg nach Südberlin.
In der leeren Wohnung des Liebsten mache ich mir die vorgefundenen Reste von Abendessen warm – gebratene Kartoffeln und Möhren und ein einsames Nürnberger Würstchen, esse den letzten Litschi-Kokospudding aus dem Kühlschrank, telefoniere kurz mit meinen Eltern und setze mich dann wieder an die Arbeit.
Ich koordiniere Dinge, bearbeite eine Präsentation weiter, übersetze einen Text… Irgendwann zwischendrin dreht sich ein Schlüssel im Schloss und das Teilzeitkind kommt aus der Schule. Es erzählt kurz von den heutigen Bundesjugendspielen, macht dabei mehrere Handstände und verschwindet dann in seinem Zimmer. Der Liebste schreibt, dass es aber kein YouTube gucken dürfe, ohne zu fragen. In dem Moment ruft es, dass es mir gleich ein Video zeigen will, sobald ich Zeit habe. Ich einige mich mit dem Liebsten, dass ich die Regel nicht kenne und er das Thema später aufgreifen wird. Um 5 klappe ich den Rechner zu und lasse mir auf YouTube zeigen, wie Apache 207 und noch ein anderer sein Lied mit Udo Lindenberg parodieren und dabei verschiedene Stimmen und Dialekte nachahmen.
Dann gegen das Teilzeitkind und ich los zum Zahnarzt. Unterwegs schlägt es unentwegt Räder, außer dort, wo es zu voll ist. Wir reden über die Bundesjugendspiele und unsere Wochenendpläne und die Montagsdemonstration an der wir vorbeilaufen. Dann klettert das Teilzeitkind mutig auf den Zahnarztstuhl, stellt Nachfragen, lässt sich jeden Schritt erklären, bittet darum, einen Wackelzahn gezogen zu bekommen und freut sich über die Kälte des Betäubungssprays. Hinterher darf es sich zwei Belohnungsspielzeuge aus dem Automaten ziehen, während ich einen Folgetermin für Januar ausmache.
Dann laufen wir zu einem Italiener in der Nähe (zwischendurch habe ich mein Schrittziel erreicht) und bestellen Dinge zum Mitnehmen für das Abendessen. Während wir warten, trinkt das Teilzeitkind eine Apfelschorle. Wieder zuhause erwartet uns der Liebste bereits. Es gibt Bruschetta für alle und dann für mich Spaghetti mit Tomatensauce, Krabben und Kapern. Der Liebste und das Teilzeitkind teilen sich eine Pasta mit Sahnesauce, Pilzen und Filetspitzen und eine Pizza Margherita. Beim Essen erzählt das Teilzeitkind von dem Video und fragt, ob Michael Jackson berühmt ist. Der Liebste schimpft, weil es mich nicht gefragt hat, bevor es YouTube geguckt hat und belehrt mich offiziell, dass vorher gefragt werden muss. Ich nicke eifrig und beflissen.
Nach dem Essen geht das Kind Hörspiel hören und wir machen es uns auf dem Sofa gemütlich und erzählen uns vom Tag. Aber eigentlich sind wir beide müde und wollen nur noch in unsere Handys gucken. Gegen 8 schicken wir ein müdes Kind ins Bett, da ist der Liebste zwischendurch schon das erste Mal eingeschlafen. Wir halten dann danach aber noch bis kurz vor 11 durch, bevor auch wir ins Bett gehen.
Eigentlich habe ich gar kein großes Problem mit Montagen, ich mag meine Arbeit ja allermeist, das einzig Störende ist, dass meine Zeig dann fremdbestimmter und enger getaktet ist, als am Wochenende – denke ich am Morgen mal wieder, als ich im Bett liege und es gar nicht schlimm finde, heute arbeiten zu müssen. Aber ich bin ein langsam und schaffe deswegen nicht die gesamte Morgenroutine, bevor ich am Schreibtisch sitze. Der Liebste leidet heute mehr, der hat die halbe Nacht wach gelegen und ist hundemüde.
Ich hingegen sitze um kurz nach 9 mit weißem Tee und Müsli am Schreibtisch. Erst gilt es ein paar technische Probleme zu lösen, dann kann ich losarbeiten. Meine Prioritäten für die Woche sind ziemlich klar, aber umfangreich. Halb 11 unterbreche ich für einen Call mit Bochum, der Umfang wächst. Um 13 Uhr ist Mittagspause, aber da ich so lange an meinem Müsli gegessen habe, bin ich noch gar nicht hungrig. Ich zupfe welke Blätter von meiner Pfefferminzpflanze ab und setze mich dann in einen Liegestuhl und beschäftige mich ausgiebig mit Duolingo und Babbel, bis die Pause vorbei ist.
Um 14 Uhr der nächste Call, mit Bochum und Potsdam, der Umfang wächst nochmal. Ich beginne wieder, etwas davon abzutragen, bis zum nächsten Call mit Potsdam, Lichtenberg und Hamburg. Dann ist nochmal ein Stündchen Zeit fürs Abtragen, bis zum finalen Call des Tages, mit Paris, Atlanta, Chicago und Südengland.
Um 18 Uhr ist Feierabend und genau da schreibt meine Freundin aus Frankreich, ob wir nicht telefonieren wollen und da ich daran auch schon gedacht hatte, sage ich zu. Vorher nochmal kurz virtuelles Abklatschen mit dem Liebsten, der nach einem langen Tag gerade das Teilzeitkind vom Basteln abholt. Dann Telefonat, während ich anfange, meinen Rucksack für morgen zu packen, die Wäsche abnehme, den Müll runterbringe, beim Lieblingsnachbar die Blumen gieße, abwasche und Abendbrot koche. Nach knapp zwei Stunden sind wir fertig und ich esse Kartoffelbrei mit Kohlrabigemüse und Lollo rosso mit Gurken.
Dazu schaue ich auf Netflix ein Comedy-Special von Mae Martin, das sehr gut ist. Genau rechtzeitig um 9 ist es beendet und ich trete dem Livestream von Mike Gayle auf Facebook bei, anlässlich des Erscheinens seines nächsten Buches diese Woche. Großes Hallo unter denjenigen, die damals bei den montäglichen Lockdown Readings dabei waren, persönliche Begrüßung durch den Autor, Insiderwitze und Vorfreude auf das Buch. Wahrscheinlich hole ich mir die Kindle-Version, um es schnell und unkompliziert lesen zu können, und dann bestelle ich mir bei ihm nochmal dieses und das letzte direkt, signiert, um meine Sammlung zu vervollständigen (es ist das 19., das erste erschien vor 25 Jahren, wir sind beide älter geworden).
Um 10 ist der Livestream vorbei. Ich gehe noch schnell im Dunkeln raus auf den Balkon und gieße die Pflanzen, dann lege ich mich mit dem „Alles gesagt“-Podcast mit Armin Maiwald erst in die Badewanne und dann kurz vor 11 ins Bett.
Nachdem wir gestern erst gegen 1 im Bett waren, bin ich ein wenig genervt davon, schon kurz nach 7 aufzuwachen. Ich schaffe es aber überraschenderweise, wieder einzuschlafen und als der Liebste aufsteht, um Kaffee und O-Saft zu holen ist es dann schon fast halb 10. Wir verbringen den Morgen gemütlich im Bett und stehen erst gegen 12 zum Frühstück auf. Während des Tischdeckens telefonieren wir mit den Liebsteneltern und dann noch kurz mit der Teilzeitkindmama und dann gibt es wieder Spiegelei, Baguette, Kräuterbutter und Aufstrich.
Wir räumen noch gemeinsam auf und gehen dann unseren unterschiedlichen Plänen für den Tag nach. Beim Liebsten steht Zocken und abends ESports gucken an, ich bin am Nachmittag mit einer Freundin und ihren Kindern zum Sonntagseis verabredet. Ich beschließe, die Zeit bis dahin für ein wenig Heimattourismus zu nutzen und spaziere entlang der Strecke, auf der ich während der Pandemie und vor meinen eigenen Covid-Infektionen einige Male mit dem Fahrrad zum Liebsten gefahren bin, Richtung Eisladen zu spazieren. Dabei lasse ich heute die Begleitmusik weg und mich ganz auf die Umgebung ein. Mit wachem, touristischen Blick laufe ich durch den Kiez des Liebsten und bleibe an jeder Gedenktafel stehen. Gründung der Wandervogel-Bewegung, Gründung der Freien Universität, Denkmal für Maueropfer…
Zum Glück ist Sonntag und die Einkaufsstraße ist einigermaßen leer. Spazierend ist sie viel weniger anstrengend, als wenn man halt durch muss und alles voller Shopper*innen ist. Und ich bin ja touristisch unterwegs und schaue mir das Ganze sozusagen als fremde, interessante Kulturlandschaft an. Der nächste erwähnenswerte Abschnitt ist dann eine sehr grüne, ruhige Straße in Friedenau mit vielen Bäumen, reich bepflanzten Vorgärten und villenartigen Gebäuden. In einem Paralleluniversum als Hausfrau und Mutter eines gut verdienenden Arztes oder Anwalts würde ich hier bestimmt gerne mit Kindern und Hund leben. Kurz dachte ich, so mit Mitte 50 könnte das auch in diesem Universum was für mich sein, aber das ist in 15 Jahren und wenn ich mir meine Entwicklung von vor 15 Jahren bis heute anschaue, ist es unrealistisch, dass ich in 15 Jahren so anders bin. Und bezahlbarer wird es bis dahin sicher auch nicht.
Dann geht es unter der A100 hindurch und nach Schöneberg hinein. Im Volkspark Wilmersdorf (sollte der nicht in Wilmersdorf sein?) suche ich vergeblich nach einer Trinkwassersäule, um meine Wasserflasche aufzufüllen. Aber dafür gibt es dann einen Teich und eine Wiese und ich lasse mich nieder und ruhe mich aus.
Bis zum Eisladen sind es nur noch 15 Minuten und ich habe noch anderthalb Stunden aus. Also mache ich es mir hier auf der Wiese bequem und fange mein nächstes Buch an – Fabrizia Lanzas neues Werk „L‘ultimo dei Monsù“. Es ist auf Italienisch, ich verstehe also nur in groben Zügen und bleibe immer wieder an unbekannten Worten und grammatikalischen Konstruktionen hängen. Oder an den Gedanken dahinter, Reiseerinnerungen, an Fabrizias Familienstammbaum und an neuen Reisegedanken. Als ich schließlich aufbreche, habe ich laut Kindle 10 % des Buches geschafft. Immerhin.
Ich laufe am Rathaus Schöneberg vorbei und dann durch einen weiteren Park zur Wohnung meiner Freundin. Sie und die Kinder (5 und 8) sind bereits unten, also können wir direkt weiter zum Eisladen und nebenbei erzählen – wir haben uns schon wieder ein gutes Jahr nicht live gesehen (die Kinder sogar mehr als drei Jahre), aber das macht für das Gespräch so gar nichts aus. Mit dem Eis (für mich gibt es Erdnuss mit Brownie und Orangenquark mit Schokostückchen und Rum-Cranberries) geht es wieder in den Park, auf einen Spielplatz. Die Kids toben herum und wir unterhalten uns, immer wieder von Kinderwünschen oder -tränen unterbrochen aber trotzdem alles soweit unterkriegend. Nach insgesamt anderthalb Stunden ist es Zeit für den Aufbruch.
Ich begleite die drei noch nach Hause und gehe dann zur S-Bahn und fahre zurück in den Prenzlauer Berg. Schnell noch mit dem Liebsten telefonieren, bevor das ESports-Turnier losgeht, dann beim Lieblingsnachbar Blumen gießen. Dann kümmere ich mich um die eigene Wohnung. Eskalierendes Katzenstreu eindämmen, einen Haarballenkotzefleck beseitigen, Katzen füttern, Wassernäpfe auffüllen, Pflanzen gießen… Dann nehme ich mir eine Limo (Pflaume-Kardamom) und ruhe mich auf dem Balkon aus.
Ich höre einen Podcast, in dem eine Bekannte zum kurzen Leben und Tod ihres dritten Kindes interviewt wird und nutze diese Ablenkung (das Adrenalin?), um schnell noch nebenbei die beiden Katzenklos durchzusieben und mir Abendbrot zu machen. Es gibt Brioche mit Hummus bzw. Paprika-Aufstrich und zwei Sorten Käse und dazu die Reste von eingelegten Artischocken, getrockneten Tomaten und Oliven und außerdem drei Radieschen. Damit lege ich mich aufs Bett und suche mir bei Netflix einen dänischen Film aus – „A beautiful life“. Das erinnert mich wieder daran, dass über 90 % Übereinstimmung auf Netflix nicht zwingend für einen guten Film spricht, sondern eben dafür, dass ich gerne Filme gucke in denen es um Musik geht und auch gerne Content aus Skandinavien sehe. Der Film ist mehr so mittel, aber die Protagonist*innen sind hübsch und es gibt natürlich ein Happy End.
Dann ist es halb 11 und ich gehe Zähneputzen, den Katzen noch einen Snack hinstellen und dann wieder ins Bett. Licht aus!
Die erste Hälfte des Jahres ist abgeschlossen und ich finde, wir haben das insgesamt gut hinbekommen. Mögen einige Dinge (Arbeitsdrama, Gesundheitsdramen) in dieser ersten Hälfte verbleiben und die zweite entspannter aussehen! Bisher lässt es sich gut an: Schlafen bis gegen 8, gemütliches im Bett herumlungern im Bett zu zweit, Teilzeitkind nicht da, Mitbewohnerin nicht da, quasi sturmfrei. Es gibt Kaffee und O-Saft, gegenseitiges aus dem Internet vorlesen und keinerlei Zeitdruck, aufzustehen.
Irgendwann kommt dann der Hunger dazwischen, gehen 11 oder so. Wir stehen auf, decken den Frühstückstisch und essen, was da ist, denn niemand hat Lust, vorher noch einkaufen zu gehen. Für mich gibt es Aufbackbaguette mit Spiegelei, Kräuterbutter, einen Rest Nutella, einen Rest Erdbeeren und einen Kokospudding mit Honigmelonengeschmack, für den Liebsten statt dem Süßkram noch Salami und Gruyere. Alleine mit den Getränken und dem Frühstück habe ich schon gegen die Auflagen einer histaminarmen Ernährung verstoßen, die ich demnächst mal für 1-2 Wochen aufprobieren soll. (Thread dazu hier).
Nach dem wir beim Essen mal wieder sämtliche Probleme der Welt zumindest in der Theorie gelöst haben, geht der Liebste eine Runde zocken und ich beschäftige mich ausführlich mit meinen Sprachlernsachen-Apps, bevor ich in Fernando Aramburus „Patria“ weiterlese und dazu passend baskische Volkslieder höre.Am Nachmittag machen wir einen Spaziergang durch den Park und gehen dann einkaufen. Wieder zuhause wird für ein spätes Mittagessen/frühes Abendessen gekocht.
Es gibt Pfannengemüse aus Frühkartoffeln, Möhren und Paprika, dazu Halloumi und für den Liebsten noch Geflügel-Cevapcici (fertig, aber immerhin Bio) und Romana-Salat mit einer Vinaigrette plus süßem Senf und Limettensaft).
Nach dem Essen machen wir es uns auf dem Sofa bequem und schauen die ersten beiden Folgen „Ms. Marvel“ zusammen. Dann hat der Liebste wieder Live-ESports zu gucken und ich lese gemütlich „Patria“ aus – zur Jahreshalbzeit das 25. Buch, ein ganz guter Schnitt. Es ist dann schon so 23 Uhr, als wir beide fertig sind und noch zwei Folgen „Ms. Marvel“ schauen, bevor es endgültig Schlafenszeit ist.