09.06.2023 – Putzen und Pizza

Puh, nach den ganzen letzten Tagen (inklusive gestern) brauche ich heute dringend mal weniger Action und weniger Menschen. Dafür werde ich liebevoll von Noosa geweckt, die findet ja auch alle Menschen außer mir völlig überbewertet. Mich findet sie allerdings so großartig, dass ich mich ihrer Liebe oft nicht erwehren kann. So auch heute morgen, als sie sich an mich kuschelt und ihren Kopf für eine gute Viertelstunde auf meinem Gesicht ablegt.

Der Homeoffice-Tag ist trotzdem geprägt von vielen Meetings – allerdings heute mehr menschelnde dabei. Fünf finden statt, das sechste wird kurzfristig abgesagt. So komme ich dann schon gegen 16 Uhr dazu, mich den für diese Woche noch ausstehenden Arbeiten zu widmen. Fertig bin ich kurz vor 18 Uhr, seit auf Arbeit so viel los ist, sind die geruhsamen Freitagnachmittage mit frühem Start ins Wochenende, die es viele Jahre lang gab (nach den ersten Start-up-Zeiten, in denen Freitage mindestens bis 22 Uhr und oft bis nach Mitternacht gingen und dann am Wochenende auch noch was getan werden musste – passé.

Das schränkt mich mehr und mehr in meiner Planung von Wochenenden ein, merke ich. Oft mag ich nicht noch nach der Arbeit nach Südberlin fahren, so dass Wochenenden beim Liebsten dann nur noch von Samstag bis Sonntag gehen. Oder ich komme gar nicht erst auf die Idee, am Wochenende richtig wegzufahren, weil sich das ja gar nicht richtig lohnt, wenn man erst Freitagabend los kann. Muss mich dann wieder erinnern, dass ich sowas auch zu Start-up-Zeiten gemacht habe. Da hat man dann ausnahmsweise mal „früher“ (zwischen 20 und 21 Uhr) und ist dann noch drei Stunden nach Rostock oder Hamburg gegurkt. Heute denke ich freitags um 22 Uhr darüber nach, ob ich noch was gucken oder mich schon bettfertig machen will. Dringend wieder flexibler werden im Kopf!

Anyway, damit ich so viel wie möglich vom Samstag und Sonntag in Südberlin habe, fange ich fast direkt nach der Arbeit mit dem Wohnungsputz an. Da es ja noch lange hell ist, kriege ich das irgendwie mental hin, im Winter wäre das nicht möglich, ich brauche Tageslicht zum Putzen! So ist dann 20 Uhr wirklich Wochenende (wie putzen andere Leute schneller?). Ich bin so platt von der Woche, dass ich die Feierabendlimo (Ingwer-Estragon) auf dem Bett liegend trinke und mir eine Pizza bestelle, die auch die Katzen interessiert (Mortadella, Pistazien, Fior di Latte. Eigentlich wollte ich die Quattro Formaggi mit Feigen, habe mich aber in der Eile vertippt und die ist auch lecker.)

Ich schaue mir einige der re:publica-Sessions an, die ich verpasst habe und dann die Closing Ceremony. Schade, dass es nächstes Jahr wieder in der Station ist, aber die Gründe (zu wenig große Bühnen und fehlende Barrierefreiheit) sind absolut nachvollziehbar. Werde trotzdem die Hoppetosse, den Strand, das viele Grün und das Wasser vermissen. Dafür wird dann diese ganze Woche sehr interessant und ggf. wieder anstrengend werden. Ist zwar alles gut getimed und glücklicherweise ohne Überschneidungen, aber

  • Sonntag 11. Geburtstag des Teilzeitkinds
  • Montag bis Mittwoch re:publica
  • Donnerstag bis Sonntag Immergut

Wird trotzdem anspruchsvoll – logistisch, physisch und mental. Aber ich ziehe das natürlich durch – doing it for the plot, wie großartig ist das denn! Aber ich nehme mir dann diesmal auf jeden Fall komplett frei und habe keine Arbeit neben den Sessions. Wahrscheinlich wäre der Montag nach dem Immergut auch noch gut, aber das sind dann schon wieder ein Fünftel meiner Urlaubstage fürs Jahr… Hui. Auf jeden Fall bin ich dann geistig ebenso raus wie bei einem dreiwöchigen Urlaub, auch schön.

Kurz vor Mitternacht streiche ich die Segel. Als ich aus dem Bad komme, spielt Noosa noch mit ihrem Lieblingsbällchen, aber sobald ich im Bett liege kuscheln sich beide Miezen gechillt an mich und obwohl das ziemlich warm ist bei der Hitze, schlafe ich so lang, tief und fest wie schon lange nicht mehr. Der freie Abend war dringend nötig.

08.06.2023 – Zurück im Alltag

Ich habe natürlich wieder nicht so gut geschlafen, noch bis weit nach Mitternacht Sachen recherchiert und die Namen von Songs vom Konzert gesucht… Alles habe ich noch nicht gefunden, ich möchte meine mitgeschriebene Setlist irgendwann vollständig haben… Und dann wieder Katzis, die sich unterkuschelt fühlen oder viel zu früh denken, dass die Nacht vorbei ist… Aber wenigstens muss ich mich heute nicht so viel bewegen, das wird irgendwie.

Fürs Bloggen bleibt dann morgens aber erstmal keine Zeit, denn noch vor Frühstück und Arbeit bringe ich dem Lieblingsnachbar eine Wärmeflasche, ein Körnerkissen und ein Lavakissen vorbei, mit denen er versuchen will, seine akuten Beschwerden zu lindern. Auf dem Rückweg telefoniere ich mit dem Liebsten und dann sitze ich pünktlich um 9 am Schreibtisch, zum ersten Mal seit einer ganzen Weile, davor war re:publica, davor Bett-Office, davor Büro, davor Balkon-Office… Ungewohnte Situation. Es gibt Müsli und Holunderblütenschorle mit Zitronensafteiswürfel und Balkonminze.

Stop and smell the roses!

Ich habe an großen Dingen zu arbeiten, werde aber ständig mit kleinen aufgehalten oder daran gehindert. Dazwischen ein Meeting mit der Kollegin in Paris, bei der wir trotz Überziehens zu wenig Smalltalk und Beziehungspflege kommen, weil es einfach so viele verschiedene Projekte sind, zu denen wir uns abstimmen müssen. Dann mache ich Mittagspause und erledige Dinge. Ich gehe Brot und Erdbeeren kaufen und nehme im Supermarkt noch rote Nelken im Topf für den Balkon mit (mit Gruß an Oma und Opa). Hunger habe ich noch nicht, also sitze ich dann einfach auf dem Balkon, fange an zu bloggen und dann kommt der Mitbewohner dazu, der heute von seinem Chef, der in Baden-Württemberg sitzt, frei bekommen hat. Wir reden über Fronleichnam und darüber wie weird dieses ganze Christentum und seine Spielanleitung sind im Vergleich zu Judentum und Islam.

Zurück am Schreibtisch dann weiter im Text, es gibt viel zu tun aber alles erfordert geistige Fitness und Konzentration, die sich heute nicht so richtig gut einstellen möchte. Als die neue Getränkelieferung kommt, nehme ich mir deswegen sofort eine Mate, mit deren Hilfe ich dann die dringendsten Aufgaben erledigt bekomme. Um 16 Uhr höre ich bei einem globalen Meeting nur zu und schreibe nebenbei einem Kollegen eine recht elaborierte und gut formulierte LinkedIn-Empfehlung. Danach habe ich ein Meeting mit meiner Chefin in Nordengland – auch hier wieder wenig Zeit für Menschelndes, aber dringend benötigte Absprachen, und dann klappe ich um 17:30 Uhr den Rechner zu. Man kann es ja nicht erzwingen.

Jetzt habe ich Zeit, mich um Häusliches zu kümmern. Ich schleppe die Getränkekisten auf den Balkon und verteile sie auf die schattigen Flächen, ich packe die Müslilieferung von gestern aus, ich siebe das Katzenklo durch und bringe den Müll runter, ich räume meinen Konferenzbeutel aus und alles ordentlich auf. Als ich mich gerade zum Weiterbloggen auf den Balkon setzen möchte, klingelt der angekündigte Besuch des besten Freundes des Liebsten. Wir trinken Wasser mit Almdudlersirup, sitzen auf dem Balkon und tauschen uns aus – über das Immergut und die re:publica, über die Danger-Dan-Konzerte vom Wochenende, über den Boys-Club-Podcast und das Stuckrad-Barre-Buch, über Soloalbum vs High Fidelity… Dann kommt der Mitbewohner dazu und die beiden führen ein berufliches Gespräch.

Als der Besuch wieder weg ist, gehen der Mitbewohner und ich in die Küche. Ich mache mir einen Salat aus verschiedenen Blattsalaten und Radieschen, Stullen mit Pastrami und drei Sorten Käse und Joghurt mit Erdbeeren. Er kocht sich ein Hähnchen-Biryani und telefoniert nebenbei. Ich bin zuerst fertig, esse auf dem Balkon und telefoniere mit dem Liebsten und danach mit der Freundin in Frankreich. Der Mitbewohner kommt irgendwann dazu und isst sein Abendbrot. Dann geht er spazieren und ich telefoniere weiter bis mir zu kalt wird (ich trage wegen 29 Grad nur ein dünnes Kleid) und ich nach drinnen gehe. Am Ende des Telefonats sind zweieinhalb Stunden vorbei (relativ kurz für unsere Verhältnisse) und es ist schon halb 12.

Jetzt muss ich mich sputen, damit mein Blogpost noch rechtzeitig heute online geht. Ich schaffe es nach 23:50 Uhr ihn zu posten. Dann mache ich mich bettfertig und gehe schlafen.

07.06.2023 – re:publica Tag 3 und Jimmy Kelly live

Das war eine kurze und unruhige Nacht, der Kopf voller Input, die Nase noch etwas zu, das Licht früh wieder da und die Katzen gelangweilt und unterkuschelt, weil ich gestern den ganzen Tag unterwegs war. Ich habe also wieder viel Zeit für die Morgenroutine und bin dann trotzdem irgendwie erst hektisch aus dem Haus und gute 10 Minuten vor Session-Start vor Stage 3 der re:publica. Es geht darum, wie KI für gute Arbeit eingesetzt werden und dabei negative Auswirkungen auf die Arbeitenden möglichst gering gehalten werden können. Klappt am besten – wen wunderts – da wo es starke Arbeitsgesetze und Mitbestimmungsmöglichkeiten gibt.

Gute Arbeit ist auch das Thema des nächsten Panels auf Stage 1, auch wenn die versprochenen 10 Tipps für eine bessere Arbeitswelt irgendwie nicht gegeben wurden. Nachschauen auf YouTube lohnt sich aber allemal. Einen Ansatz werde ich direkt morgen unserer Head of Diversity, Equity & Inclusion als Anregung weitergeben.

Nach den zwei intensiven Sessions gönne ich mir eine kurze Pause draußen auf dem Deck des Badeschiffs und kümmere mich auf dem Diensthandy um Arbeitsdinge (soviel zu Pause, also: Luftveränderung). Dort findet mich der Neffe 2. Grades wieder, der eine Runde planschen gehen möchte. Ich passe solange auf seine Sachen auf und danach unterhalten wir uns noch ein bisschen und geben uns Updates über unsere Teile der Familie. Dabei profitiert er von meiner Sonnencreme und ich von seinen Radieschen. Dann ziehe ich weiter zum „Tod in der Netzgemeinde“, denn in den letzten Jahren sind so einige gestorben, die ich vermisse. Ich habe aber gerade nicht die richtige Stimmung dafür und dringende Selfcare-Bedürfnisse, daher gehe ich recht schnell wieder, nutze die während Sessions relativ kurzen Schlangen am Klo und der Trinkwassersäule und gehe dann zu Susanne Mieraus Lightning Talk darüber, wie wir die Welt durch stärkere zwischenmenschliche Beziehungen verbessern und die Probleme gemeinsam bewältigen können.

Von da geht es direkt weiter zum Gespräch mit Robert Habeck, der ebenfalls versucht, Mut zu machen, dass wir die positiven Veränderungen, die es braucht, nur gemeinsam bewältigen können und eher aufeinander zugehen als aufeinander rumhacken sollten. Hmm ja, sie haben ja alle vermutlich Recht, aber das ist schon auch der anstrengendere Weg, damit umzugehen, näch? Ich gelobe innerlich Besserung, erlaube mir aber weiterhin, Faschos zu verurteilen. 😉

Nach Habeck war es dann schon 15:30 Uhr und mein Magen knurrte wieder. Ich lief zum quasi geheimen zweiten Food Court und holte mir eine Portion Pommes mit grüner Salsa. Unterwegs fallen mir die Schuhe einer Teilnehmerin auf und ich frag nach. Sie kann mir sofort Modell, Marke und Bezugsquelle nennen – ich bin schwer beeindruckt, beim Recherchieren hinterher stolpere ich aber über den Preis (über 100 €) und ich unterlasse einen impulsiven Spontankauf. Stattdessen leihe ich solidarisch meinem Cousin meine Powerbank und ein Ladekabel für eine Session, obwohl mein Akku auch schon langsam zur Neige geht. Seht Ihr, Beziehungspflege! Dann komme ich an der Gedenkwand vorbei, an der denen gedacht wird, die nicht mehr unter uns sind, und füge einen Zettel für Sophie hinzu.

Die nächste Session dreht sich darum, wie sich rechtsextreme Gruppen finanzieren und über welch perfide Wege sie Geld einnehmen. Ich verurteile fleißig innerlich. Danach bekomme ich Powerbank und Ladegerät zurück, hole mir eine hausgemachte Limettenlimo und setze mich in einen Liegestuhl auf dem Deck. Ich arbeite noch ein wenig auf meinem Diensthandy, gucke aufs Wasser, telefoniere mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind… Und breche dann auf, kurz bevor die Closing Ceremony beginnt. Davor hatte ich ein wenig Angst, denn die Closing Ceremony gehört eigentlich untrennbar zur re:publica für mich, es ist nicht vorbei, bis wir gesungen haben! Aber diese re:publica begann ja auch unkonventionell für mich und so ist es irgendwie OK.

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Ich spaziere also bei schönsten Sommerwetter entlang sich kreuzender Kanäle von Alt-Treptow durch Kreuzberg 36 nach Neukölln, ein Spaziergang voller Kontraste: Das Wetter genießende Hipster, Expats und Yuppies, die mit Bieren am Ufer sitzen, auf Wiesen liegen und sich in Schlauchbooten auf dem Wasser treiben. Zelte, in denen Obdachlose hausen. Familien mit und ohne Migrationsvordergrund, die heimlich grillen.

Dealer, die in Gebüschen stehen und auf sich aufmerksam machen. („Nein danke, ich hab noch“, ist meine go-to Antwort). Und dann in Neukölln die Mischung aus den hippen Gentrifizierungsbeweisen, den migrantisierten „Ureinwohner*innen“ und den vielen, vielen Obdachlosen rund um den Herrmannplatz. Irgendwo auf dem Weg ist auch mein Schrittziel übrigens erreicht.

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Und dann bin ich am Huxleys, lasse mein Ticket scannen und meinen Beutel durchsuchen. Ich gebe meine Trinkflasche ab und bekomme eine Pfandmarke und dann darf ich nach oben gehen, wo schon Lina Bó als Vorband spielen, bevor kurz nach 20 Uhr Jimmy Kelly & The Street Orchestra die Bühne stürmen. Es folgt eine Auflistung von Bemerknissen:

-Jimmy ist meines Wissens der einzige Kelly, der eine Vorband hat – weder die Kelly Family noch die anderen solo machen so etwas eigentlich normales und Nachwuchs förderndes

-Auf der Bühne stehen 13 Musiker*innen (zum Finale inkl. Vorband dann 15) und bis auf seine eigene Frau hat Jimmy die alle entweder auf der Straße bei Straßenmusik kennengelernt oder im Internet nach ihnen recherchiert. Alle sind ausgebildete Musiker*innen und sowohl virtuos als auch mit einer wahnsinnigen Bühnenpräsenz, Spielfreude und Showmanship gesegnet. Am Schlagzeug sitzt eine Frau, ein Gospel singendes Paar ist ebenso dabei wie Leute am Akkordeon, der Geige, der Mandoline, diversen Blasinstrumenten etc. etc. Alle Songs werden mit gewaltiger Instrumentalkulisse und mehrstimmigem Satzgesang arrangiert und alle Musiker*innen haben immer wieder Soli und andere Glanzmomente und Showeinlagen.

-Jimmy ist der einzige Kelly, zu dessen Konzerten ich unbesehen jede*n mitnehmen würde, ohne mich zu schämen. Hammergut ist das heute wieder!

-Das Konzert dauert drei Stunden mit nur einer 10-minütigen Pinkelpause. Insgesamt werden 27 Songs gespielt, davon fünf Jimmy-Songs von der Kelly Family, sechs Solo-Songs von Jimmy und 16 Folksongs oder Traditionals aus aller Welt – irisch, amerikanisch, französisch, spanisch, deutsch oder jüdisch, in fünf verschiedenen Sprachen, vom Chanson über den Gospel zum Folksong, alles mit dieser atemberaubend dichten Soundkulisse.

-Das Konzert beginnt mit „I can’t stop the love“, dem Opener des legendären Tough Road Konzerts der Kellys 1994 in der Westfalenhalle, damit sind sofort alle Langzeitfans emotional am Anschlag, auch ich.

-Ich habe meinen Platz zwei Reihen vor dem FOH bezogen. Es gibt Stühle, aber gesessen wird nur ganz selten, bei einigen ruhigen Stücken und in der Pause. Zwischen mir und dem FOH sitzen zwei amerikanische Bekannte des Gospel-Pärchens, die nur wegen der beiden heute da sind und kaum glauben können, was da auf der Bühne so abgeht und wo ihre Freund*innen da hineingeraten sind. Erst sind sie irritiert, wie die Menge von Anfang an abgeht und jubelt, dann unterhalten sie sich viel oder gucken in ihre Handys. Doch je mehr die Party steigt, desto mitgerissener sind sie. Sie sind voller Bewunderung für Jimmys Stimme und wie dieser Mann singen kann, sie loben jede musikalische Großtat der verschiedenen Musiker*innen. Sie sind völlig außer sich, als zu einem irischen Volkslied diese merkwürdigen Deutschen plötzlich mit einer Polonäse durch den Raum tanzen (ich nicht, keine Sorge) und fasziniert, wie einfach alle mitsingen, mitmachen und die ganze Zeit tanzen und ausflippen. Bei den Songs, die Gesangssolos ihrer Freund*innen haben, flippen sie selbst völlig aus und jubeln. Und als dann auch noch ein Gospelpart kommt – mit „I‘ll Fly Away“ und dem Kelly-Song „Lord Can You Hear My Prayer“ gehen sie völlig mit und improvisieren zusätzliche Stimmen und Gospel-Verzierungen hinzu. Ich habe quasi ein Meta-Konzerterlebnis.

-Und ich tanze, singe und hüpfe wirklich die ganze Zeit mit. Die kurze Nacht, der Konferenztag, der Fußmarsch hierher und all die körperliche Unbill seit dem St. Patrick‘s Day sind plötzlich vergessen. Kein Vergleich zu dieser Zeit vergangenes Jahr, als ich nach der ersten Corona-Infektion noch völlig in den Seilen hing und beim Tocotronic-Konzert auf der re:publica keinen Song stehend geschweige denn tanzend durchhalten konnte!

-Wir haben gesungen, was haben wir gesungen, das hier ist emotional viel besser als die Closing Ceremony und ihr Bohemian Rhapsody (gucke ich mir natürlich trotzdem noch auf YouTube an in den nächsten Tagen)

Kurz nach 23 Uhr und nachdem die Band bei der zweiten Zugabe nochmal so richtig richtig aufgedreht hat, ist das Konzert vorbei. Ich bringe meinen Becher zurück (es gab ein alkoholfreies Hefeweizen, ich weiß, wie man feiert), löse meine Wasserflasche aus und fahre mit U- und Straßenbahn nach Hause. Um Mitternacht liege ich im Bett und habe 22.680 Schritte auf der Uhr – neuer Rekord, seit ich vor zwei Jahren das FitBit gekauft habe.

06.06.2023 – re:publica live und in Farbe \o/

Wie fast immer, wenn ich mir den Wecker früher stelle, wache ich noch viel früher auf. Dieses Mal eine Mischung aus aktiven Katzen und Vorfreude/Aufregung. Es kratzt noch ein wenig im Hals, aber jetzt bin ich wild entschlossen, in die Arena zur re:publica zu fahren und Spoiler: Ich halte den Tag gut durch, huste nie und niese nur einmal. Richtige Entscheidung. Ich absolviere also meine Morgenroutine wie üblich, esse ein schnelles Frühstück mit Pistaziencremetoast und Banane, packe mir meine Utensilien für den Tag in den neuen Immergut-Beutel (und vergesse dabei, die über Nacht geladene Powerbank einzustecken, ich Dusseline.

Dann laufe ich gut gelaunt und mit einer Mate in der Hand los zur S-Bahn, die mich zum Treptower Park bringt. Von da sind es nochmal ein paar Minuten zu Fuß zur Arena und ich bin gut genug zu Fuß, um mich über die re:publica-Taxi-Fahrrad-Taxis zu amüsieren, die ich sonst auch hätte nehmen können. Beim Check-in ist früh morgens an Tag 2 wenig los und so bin ich kurz nach 9 bereits in der Halle und schaue mich um. Kurz schauen, wo alles ist, was für Stände etc. noch so da ist, wo sich der Affenfelsen (diesmal in Form eines Geldstapels) befindet und gehe dann raus ins Außengelände um noch ein wenig Ruhe am Wasser zu genießen und mich auch dort umzuschauen.

Mir läuft direkt eine Freundin über den Weg (eigentlich die Tochter von Freund*innen meiner Eltern, also quasi Familie) und wir setzen uns in Liegestühle am Wasser und quatschen – über Gesundheitliches und dann Berufliches und unsere diesbezüglichen Pläne auf dieser re:publica. Dann brechen wir auf und gehen zu verschiedenen Sessions. Meine erste dreht sich um die langfristige Etablierung von mehr Homeoffice und was das aus Sicht von Gesundheit, Arbeitsschutz, neuen gesetzlichen Regelungen und natürlich auch den Arbeitsalltag so mit sich bringt. Apropos, ich arbeite auch wieder nebenbei remote und bearbeite Anfragen, E-Mails und Projektplanungen nebenbei auf dem Diensthandy. Und der „Second Screen“ Mastodon, früher bei der re:publica ja Twitter, ist natürlich auch mit am Start und ich knüpfe dort den ersten neuen Kontakt dieser re:publica.

Thematisch bleibt es bei der nächsten Session an Deck der Hoppetosse ähnlich, aber der Blickwinkel verlagert sich – es geht kontrovers um digitales Nomadentum und die Auswirkungen der remote Arbeitenden auf ihre neuen Umgebungen, am Beispiel von Lissabon. Danach verbringe ich eine Stunde vor Stage 1 mit Maja Göpel und Mamphela Ramphele zur sozialen Technologie Geld und zu Finanzen im digitalen Zeitalter. Hinterher geht es wieder nach draußen in den Garten des Festsaal Kreuzberg, wo es darum geht, wie man heutzutage digitale Kompetenzen an Schüler*innen und Studierende vermitteln kann und direkt hinter zu einem Workshop darüber wie Geld und unsere Glaubenssätze dazu unseren Umgang damit prägen.

Danach treffe ich mich mit meinem Cousin, der aus Rostock zu Besuch und mit journalistischem Auftrag auf der re:publica unterwegs ist zum Mittagessen. Wir gehen zu einem Imbiss abseits des Geländes und essen ohne langes Anstehen und günstiger vegetarische Köstlichkeiten aus den nahen Osten. Für mich gibt es einen Teller mit Falafel, Halloumi, Makali, Salat und verschiedenen Saucen.

Wir erzählen, wie es uns seit dem letzten Treffen im Herbst ergangen ist, berichten von unseren Teilen der Familie, vergleichen re:publica- und Urlaubspläne und schmieden weitere für die nächsten Tage. Dann muss er wieder ab die Arbeit und ich treffe mich mit einer Freundin und ihrem Kind, die inzwischen angekommen sind. Gemeinsam erkunden wir das Gelände nach kindertauglichen Beschäftigungen und sie beantragt am Stand des Bürgeramtes einen neuen Perso und Reisepass, während ich mit ihrem Kind entdecke, dass die Gummibärchen, die das Innenministerium verteilt, vegan sind.

Ich lasse die beiden beim Samenbomben basteln zurück und gehe zur nächsten Session draußen an der Oberhafenkantine, Hier stehen die Stühle so eng beieinander, dass ich mich auch ohne Pandemiegedanken nicht sehr wohl fühle und eher unkonzentriert der Diskussion zum Einsatz von KI am Arbeitsplatz und den unterschiedlichen Interessenslagen von Unternehmen und Arbeitnehmer*innen folge. Schade. Nach der Session muss ich dann dringend auf den Affenfelsen, um mein Privathandy ein wenig zu laden – das Diensthandy ist auch schon ordentlich runter, das geht aber noch.

Dann geht es zur für mich letzten Live-Session des Tages, dem Vortrag zu Esoterik und Verschwörungstheorien von Katharina Nocun. Auch hier bin ich wieder reichlich abgelenkt von einem ständig ausgehenden Kopfhörer und nebenbei Arbeitsthemen auf dem Diensthandy. Irgendwann muss ich die Zeit finden, einige der aufgezeichneten Sessions nochmal oder überhaupt erstmal anzugucken. Nach dieser Session beschließe ich, nicht noch für den spaßigen Teil des Konferenztages zu bleiben, sondern mir die Session zu Elon Musks schlimmsten Fehlern bei der Twitter-Übernahme von Zuhause aus anzusehen.

Vorher drehe ich aber nochmal eine Runde zum Wasser, um zu gucken, wer da noch ist und laufe meinem Großcousin/Kleincousin/Neffen zweiten Grades buchstäblich direkt in die Arme. Es ist seine erste re:publica (der Jungspund!) sowohl als Besucher als auch als Teilnehmer (er ist mit dem Team einer anderen Konferenz hier, das einige Veranstaltungspunkte beisteuert) und er ist völlig begeistert, aber auch hektisch auf dem Weg zu einer Session. Wir quatschen ein paar Minuten und machen ein Beweisfoto und ziehen dann beide unserer Wege.

Ich nehme den gleichen Weg nach Hause wie am Morgen hin und kaufe unterwegs noch Batterien und Müllbeutel in der Drogerie ein. Dreiviertel 8 bin ich zu Hause, füttere die Katzen, koche mir Rhabarberkompott zum Abendbrot, telefoniere mit dem Liebsten (Das Teilzeitkind hat seinen ersten Tag krank allein zu Hause bei Mama mit Netflix und Hörspielen bravourös gemeistert. Sie werden so schnell groß!) und gehe dann mit Katzen, Kompott und Johannisbeerschorle ins Bett, um mir die Elon-Musk-Session anzusehen.

Vor lauter Freude, dass ich danach nicht erst noch nach Hause muss und Abendbrot machen muss, beschäftige ich mich noch ein halbes Stündchen mit Arbeit, gucke auch da noch eine Aufzeichnung an, und dann heißt es Laptop zu, TikTok mit Essensvideos auf und langsam runterkommen. Gegen 23 Uhr mache ich das Licht aus, aber das mit dem Einschlafen dauert natürlich noch eine ganze Weile. (Lesen wäre sicher besser gewesen, aber dazu war ich zu körperlich erschöpft und geistig aufgekratzt.)

05.06.2023 – re:publica remote

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Ich wache kurz vor dem Weckerklingeln auf und horche in mich hinein – geht es mir besser? Kann ich zur re:publica? Oder sollte/muss ich im Bett bleiben? Zwei Herzen schlagen ach… Mal denke ich: es geht, mal denke ich: besser nicht, mal denke ich: unverantwortlich nach drei Jahren Pandemie! Ich mache einen Schnelltest (immer noch negativ), ich beratschlage mich mit dem Liebsten… Und dann teste ich das System live: Ich stehe auf, gehe ins Bad, ziehe mich an, gieße die Pflanzen, füttere die Katzen, bringe den Müll runter, mache mir Frühstück und… lege mich wieder ins Bett. Mist!

Immerhin mache ich mir eine Mate auf, für das re:publica-Feeling. Dann kümmere ich mich um Sprachlern-Apps und Tagebuchbloggen und nehme mir meinen Laptop für den Livestream von Stage 1 her. Einige der Sessions, die ich heute besuchen wollte, laufen eh auf Stage 1, andere leider nicht – ich hoffe auf Aufzeichnungen. So hänge ich aber nun von 10:45 (das re:publica Team beginnt gewohnt verspätet) bis 20:45 (El Hotzo endet ungewohnt früh) vorm Livestream. Aber der ist halt auch nur ein Tab unter vielen und da es dieses Jahr keinen Bildungsurlaub für die re:publica mehr gibt und ich auch nicht krankgemeldet bin, arbeite ich nebenher ein bisschen und wahrscheinlich auch ein bisschen mehr, als ich es vor Ort in der Arena getan hätte.

Zwischendurch fragt der Mitbewohner, ob ich mal so „10-15 Minuten“ für ihn hätte, er braucht mein neutrales Urteil. Diese 10-15 Minuten brauchen fast eine Stunde, während wir auf dem Balkon sitzen – immerhin frische Luft – und nicht nur zufällig genau bis zu dem Moment, als der Handwerker klingelt, der sich um den Heizkörper in der Küche kümmert, der seit Monaten heizt, obwohl er nicht soll. Ich hatte das bei der Hausverwaltung mehrmals moniert, aber erst beim dritten Mal (ich bin sehr faul geduldig bei sowas) erbarmte man sich und schickte jemanden vorbei, was dann nochmal drei Wochen dauerte.

Der Handwerker dreht manuell den Hahn zu, baut den ferngesteuerten Thermostat ab und einen manuellen Thermostat an, schimpft über die moderne, programmierbare Heizungsanlage und kündigt an, dass das eh bald alles zurückgebaut wird. Das ist enttäuschend, denn ich mag das Programmierbare, das man zukünftig auch per App von unterwegs steuern können sollte. Allerdings klappte es mit dem Heizkörper in der Küche seit Ewigkeiten nicht (der soll eigentlich immer aus sein, in der Küche brauche ich auch im Winter keine zusätzliche Wärme) und zweitens gab es schon seit ebenfalls Ewigkeiten keine Softwareupdates und Erweiterungen mehr zu der Beta-Version, die bei uns installiert wurde.

Als der Handwerker weg ist, kehre ich endlich zurück ins Bett und zum Livestream bzw. der Arbeit. Dann ruft der Liebste an und berichtet, dass die Flaschenpost, die das Teilzeitkind letztes Jahr im Urlaub in den Atlantik geworfen hat, gefunden wurde und sich der Finder gemeldet hat. Wie aufregend! Da muss jetzt natürlich zurückgeschrieben werden und vielleicht gibt es im Sommer ein Treffen, wenn wir wieder da sind? (Die Flasche wurde gut 10km Luftlinie entfernt, gefühlt eine Bucht weiter, gefunden, aber tatsächlich liegen diverse kleinere Buchten dazwischen – mit dem Auto fährt man 23 Minuten laut Google Maps – und wenn man das auf der Karte sieht und die Strömungen mit einbezieht, hat sie eine ganze Strecke zurückgelegt und Ebbe und Flut getrotzt, um dorthin zu gelangen.

Der Liebste muss zurück an die Arbeit und ich an den Livestream (Highlights: Igor Levit und Jagoda Marinić, Meron Mendel, Mareice Kaiser). Zum Mittag und Abendbrot gibt es jeweils Pasta mit Brokkoli von gestern, dann ist die Pfanne leer. Nach Ende des Streams teste ich wieder mein System. Ich räume um mein Bett herum auf und die Spuren des Krankseins weg, ich wasche Töpfe und Pfannen ab, ich siebe das Katzenklo durch… Und ich fühle mich dabei deutlich besser als am Morgen! Wenn es so bleibt, kann ich morgen live in die Arena gehen! Ich telefoniere mit meinen Eltern und nochmal mit dem Liebsten und dann schaue ich noch ein wenig auf TikTok herum, bevor gegen 23 Uhr das Licht ausgeht.

04.06.2023 – Reicht langsam mit dem Kranksein

Na super, ich wache auf und bin immer noch eindeutig krank. Nach hauptsächlich Halskratzen und Nase laufen an den ersten Tagen und verstopften Nebenhöhlen gestern ist heute der Hals dran, richtig dick zu sein und ständig abgehustet werden zu wollen. Immerhin wird es nicht langweilig…

Langweilig bzw. nervig wird es aber langsam, die ganze Zeit im Bett liegen zu müssen und das Leben da draußen zu verpassen. Eigentlich wollte ich das Wochenende mit dem Liebsten verbringen, eigentlich wollte ich bei meinen Eltern Holunderküchel essen, eigentlich wollte ich heute zur pre:publica gehen, mich akkreditieren lassen und mit einem Getränk awkward in der Gegend rumstehen wie jedes Jahr (außer 2020 und 2021 weil wegen…). Tja, fällt alles aus. Und gleichzeitig sieht es so langsam so aus, als würde auch ein Teil der #rp23 für mich remote stattfinden müssen. Grummelgrmpf.

Naja, wenn man davon absieht, hat im Bett liegen und nix zu tun zu haben ja auch Vorteile. Katzen kuscheln, lesen, Serien gucken und zwischendurch auch mal einnicken zum Beispiel. Mache ich heute alles. Dazwischen gibt es Mahlzeiten (morgens: Toast mit Johannisbeergelee, Kirschen, Apfel; mittags: Pasta mit Broccoli, selbst gekocht; abends: Stulle mit Pastrami und sauren Gurken) und viel Tee (Ingwer, Zitrone, Honig, Melisse, Minze – später dann das Ganze nochmal mit Apfelsaft und Mineralwasser aufgegossen). Zu lesen gibt es weiter „Patria“, als Serie fange ich heute „Succession“ an – sechs Folgen schaffe ich.

Abends lege ich mich dann nochmal in die Badewanne, bevor es gegen 23 Uhr endgültig Schlafenszeit ist. Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt, dass ich morgen fit genug für re:publica live sein könnte…

03.06.2023 – Bett ohne Office

Ich habe wieder erstaunlich gut geschlafen, aber schon beim Aufwachen wird klar, dass ich weiter im Bett bleiben werde. Die Nase läuft ordentlich, wenn sich nicht gerade die Nebenhöhlen schmerzhaft zuziehen und ich fühle mich insgesamt eher schlechter als besser. Ich verteile die Morgenroutine also gemütlich über den Vormittag. Zum Frühstück gibt es dann Beerenporridge (diesmal in heiß) mit Banane und Erdbussbutter und dazu Tee mit Balkonkräutern (Zitronenmelisse, Pfefferminze, Salbei), Honig, Ingwer und Limette. Bei und nach dem Essen telefoniere ich ausgiebig mit dem Liebsten und wir verschieben unsere Wochenendpläne.

Zwischendrin muss ich eine Pause machen, denn ich höre verdächtiges Kratzen auf dem Laminat. Noosa versucht, eine gelbe Lache verschwinden zu lassen. Klappt aber ohne Streu nicht. Ich wische also erstmal auf und werfe einen Schal, der in die Lache hing und zwei Jacken, die mir bei der Aktion auch noch hineingefallen sind, in den Hygienewaschgang. Dann siebe ich das Katzenklo durch und fülle die Wassernäpfe auf. Hoffentlich war es nur eine Protestnote und kein Krankheitszeichen.

Dann werde ich schon wieder ganz müde und schlafe erstmal anderthalb Stunden tief und fest. Als ich wieder aufwache, habe ich Lust auf seichte Unterhaltung und fange die erste Staffel „And just like that…“ an. Die Folgen sind nicht wahnsinnig lang und es gibt auch nur 10 davon, also gucke ich die Staffel einfach bis zum Abend durch. Zwischendurch gibt es Süßkartoffeln mit Chili sin carne, Käse und Jalapeños zum Mittag und zum Abendessen Stullen mit Pastrami und Käse.

Nach Serienende und Abendessen fallen mir schon wieder die Augen zu und ich döse für eine knappe Stunde weg. Dann wird es draußen langsam dunkel und ich beschließe, nix neues mehr anzufangen, sondern einfach den Katzen Abendbrot zu geben und dann zu schlafen. Hoffentlich ist es morgen besser, ab Montag ist re:publica!

02.06.2023 – Bett-Office und Burger

Hmm tja, die Erkältung ist immer noch da und immer noch nicht so, dass ich nicht arbeiten könnte – also noch ein Tag Bett-Office und dann ist eh Wochenende. Ich bin etwas langsam bei der Morgenroutine, deshalb verschiebe ich das Bloggen auf später. Alles andere ist aber erledigt, als ich kurz nach 9 den Laptop aufklappe und 9:15 Uhr ins erste Meeting gehe. Das ist unsere monatliche virtuelle Kaffeerunde, bei der heute alle von Zuhause aus dabei sind, alle in Berlin/Potsdam sind und fast alle stattdessen Tee trinken. Die Gespräche drehen sich um Tee, um asiatische Süßspeisen, das neue Foo Fighters Album, legendäre Ärzte-Konzerte im SO36 und dann gegen Ende nochmal ein wenig um Arbeitsdinge.

Danach bleibe ich mit einem Kollegen gleich im Raum und wir halten unser wöchentliches Meeting ab. Als das vorbei ist, schreibe ich ein paar E-Mails, chatte mit einer Kollegin in Dublin und lektoriere einen internen Newsletter. Zwischendurch nehme ich die Biokiste entgegen, die heute auch von King Charles eigenhändig erstellten Möhrengouda enthält. Dann gibt es nochmal ein einstündiges Meeting mit zwei Kolleg*innen hier in Berlin, auch die sitzen jeweils zuhause. Gegen 13 Uhr mache ich Mittagspause. Ich blogge, esse den Rest Mangosalat von gestern und lasse mir dann Zeit, wieder ins Arbeiten zu kommen, da ich auf Zuarbeit aus Chicago und Atlanta warten muss und die schlafen ja noch selig.

Also nehme ich mir weitere Bookmarks vor und schaue mir Webinar-Aufzeichnungen an, zu denen ich nur noch zwei Wochen lang Zugang habe, dann endet das Weiterbildungsprogramm, an dem ich teilgenommen habe, endgültig. Ich beschäftige mich mit bis Atlanta wach wird. Eine Stunde später ist auch Chicago am Start und versendet eine E-Mail nach der anderen, die alle gelesen werden wollen. Um 17:30 Uhr nehme ich dem Kollegen in Chicago noch eine Aufgabe ab, da heute zwei aus dem Team fehlen und von ihm vertreten werden. Dadurch mache ich dann erst 18:30 Uhr Feierabend, aber das ist OK, ich liege ja eh im Bett und habe nicht mehr viel vor.

Ich denke kurz darüber nach, etwas zu kochen, beschließe dann aber, dass ich nicht lange in der Küche stehen möchte und bestelle mir stattdessen einen veganen Burger (Linse-Hirse, mit extra Käse und Avocado) und Süßkartoffelpommes mit Chili sin carne, Käse und Jalapeños. Den Burger esse ich auf, die Pommes koste ich und hebe sie mir dann für morgen auf.

Ansonsten schaue ich die „Queen Charlotte“-Staffel von Bridgerton zu Ende und bin damit bis nach 23 Uhr beschäftigt. Danach heißt es dann direkt Zähne putzen und Licht aus.

01.06.2023 – Sommererkältung also

Yay, es ist Juni. Geburtstagsmonat, meteorologischer Sommerbeginn, fluffige Mitte 20 Grad draußen. Läuft bei mir – vor allem die Nase. Allerdings geht es mir nach einer von Nase und Katzen mehrfach unterbrochener Nacht erstaunlicherweise zumindest nicht schlechter als gestern. Ich beschließe, arbeiten zu können und das aber vorsichtigerweise trotzdem vom Bett aus zu tun. Nach der Morgenroutine koche ich mir also eine große Kanne Tee mit der leckeren Schokoladenminze vom Balkon und klappe den Laptop auf.

Am Vormittag habe ich nur zwei kurze 1:1 Meetings, beide mit Dublin, aber mit verschiedenen Personen, eine davon zuhause, eine im Büro. Ansonsten arbeite ich Dinge ab, gestalte einen One Pager und bereite ein Mailing an die Senior Managers vor. Mittags mache ich mir etwas schnelles, leichtes und gesundes zum Mittagessen, nämlich einen Zucchini-Salat mit Olivenöl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Grana Padano (in Ermangelung von Parmesan, schmeckt aber auch), den ich in den vergangenen Tagen sowohl auf Rachels Instagram als auch später in einem TikTok-Video einer Creatorin bezieht, die sich auf das Rezept bei Rachel bezieht. Jetzt ist sie also sogar schon TikTok-berühmt! (Hier übrigens der Blogpost zu meinem bisher letzten Treffen mit Rachel vor 4 Jahren in Testaccio.)

Bis hierhin habe ich das Gefühl, dass sich mein Zustand kontinuierlich weiter verbessert, aber ab dem Nachmittag schwellen die Schleimhäute wieder an und es wird schwerer, mich zu konzentrieren. Ich muss noch etwas mit einem Kollegen in Chicago klären und überbrücke die Wartezeit damit, Bookmarks abzuarbeiten, mit denen ich mich mal beschäftigen wollte, wenn ich Zeit habe. Dann um 17 Uhr kurze Abstimmung mit dem Kollegen. Gegen 17:40 klappe ich den Laptop zu.

Ich habe dummerweise heute noch etwas zu erledigen und gehe deshalb aus dem Haus. Mit S- und U-Bahn fahre ich in den Wedding und hole dort die Ikea-Tasche mit meinem Zelt, Schlafsack etc. ab, da meine Bekannte morgen mit dem Bulli raus ins Grüne fährt und das alles sonst in ihre Wohnung im Dachgeschoss bugsieren müsste. Für den Rückweg mit Gepäck gönne ich mir dann aber ein Taxi. Zuhause trage ich die Sachen dann auch nicht hoch, sondern nur runter in den Keller und dann bin ich auch durch mit dem Tag. Ich trinke eine Feierabendlimo im Liegestuhl auf dem Balkon (Dattel-Granatapfel) und bestelle mir Mangosalat und Pho in Mehrwegdosen zum Abendbrot. Dazu gibt es Almdudlerschorle mit Schokoladenminze und nun endlich weitere Folgen Queen Charlotte.

Kurz nach 22 Uhr befolge ich den Ratschlag der irischen Kollegin von heute morgen (die andere ist Südtirolerin) und mache mir einen Hot Toddy als Schlummertrunk. Außerdem gibt es wieder Nasenspray, Schmerztablette und Erkältungssalbe und dann wird diese Nacht erstaunlich gut und fast durchgeschlafen.

31.05.2023 – Büro und Abbau

Ich habe mir extra den Wecker auf eine halbe Stunde früher gestellt, damit ich mich nicht hetzen muss und trotzdem pünktlich im Büro bin. Prompt wache ich nochmal eine halbe Stunde früher als das auf – diesmal nicht von den Katzen, sondern einfach vom Licht geweckt, das sich drei Wochen vor der Sommersommenwende auch durch das Abhängen der Balkontür mit einer dunklen Decke nicht mehr aussperren lässt. Da ich aber gut geschlafen habe und mich fit fühle, stört mich das gar nicht und ich habe einfach noch mehr Ruhe für die Morgenroutine.

Neben dem üblichen täglichen Dingen muss ich heute noch meine Sporttasche fertig packen (das Saunahandtuch hing noch auf dem Wäscheständer), den Bürorucksack packen, Erdbeeren fürs Müsli schnippeln und beides einpacken und Müll runterbringen. Nebenbei telefoniere ich auch noch mit dem Liebsten und dann stapfe ich los zur Tram, mit Sonne im Herzen, Musik auf den Ohren und Mateflasche in der Hand. Ich freue mich, wie gut es mir gerade physisch und mental geht und werde direkt ängstlich, dass sich das jetzt bestimmt bald wieder ändern kann. Little did I know.

Im Büro angekommen begrüße ich die anwesenden Kolleg*innen, gieße mir Milch ins Müsli und ziehe mir einen Triple Cappuccino an der Kaffeemaschine. Dann lese ich meine E-Mails und arbeite relativ konzentriert an meinen Projekten – auf unserer Seite des Großraumbüros sind wir heute nur zu zweit, so dass es wenig Unterbrechungen gibt. Ich telefoniere mit einigen nicht Anwesenden, bespreche Details mit Anwesenden und dann habe ich 12:30 ein Meeting mit Paris. Hinterher gehe ich ins Einkaufszentrum nebenan und hole für mich und einen Kollegen etwas vom Vietnamesen und für mich einen Bubble Tea.

Wir essen gemeinsam mit noch anderen Kolleg*innen in der Küche und tauschen uns über die aktuellen Entwicklungen und Transformationsprozesse aus. Zurück am Schreibtisch wird dann das einzige andere Meeting des Tages abgesagt, stattdessen habe ich Zeit für meine Aufgaben. Ich organisiere Dinge, lese einen Textentwurf und gebe Kommentare ab, übersetze einen Fragenkatalog und verschaffe mir Zugang zu Archivdokumenten, die ich für eine Aufgabe brauche.

Im Laufe des Nachmittags fängt meine Nase immer stärker zu laufen an und mein Hals kratzt. Na toll. Bekomme ich jetzt auch Heuschnupfen? Habe ich ein Katzenhaar ungünstig eingeatmet? Habe ich mir auf dem Immergut doch Covid eingefangen? Im Büro liegen noch zwei Sorten längst abgelaufene Schnelltests herum. Einer funktioniert noch, zeigt aber direkt ein uneindeutiges Ergebnis, das zumindest Interpretationsspielraum lässt. Ein anderer funktioniert nicht mehr – die Testflüssigkeit ist komplett verdampft. Langsam zieht sich mein Kopf zu.

Ich telefoniere kurz mit der besten Freundin und sage unsere Sportverabredung für den Abend ab. Dann packe ich kurz vor 18 Uhr meine Sachen und fahre wieder nach Hause. In der Tram, im Treppenhaus und in der Wohnung setze ich eine Maske auf – man weiß ja nie. Auf dem Balkon mache ich dann noch zwei nicht abgelaufene Schnelltests. Der eine zeigt auch erst ein fragwürdiges Ergebnis, der zweite bleibt aber klar negativ und nach einigen Minuten ist auch der erste Test wieder schneeweiß. Puh. Trotzdem fühle ich mich langsam kränker und beschließe, schnell noch ein paar Dinge wegzuschaffen, falls ich wirklich bald flachliege.

Ich siebe das Katzenklo durch, wasche mein Kochgeschirr von gestern ab, stelle die Spülmaschine an und sauge Katzenhaare in meinem Zimmer weg – im Rest der Wohnung hat das der Mitbewohner kürzlich getan. Dann mache ich mir einen Teller mit Käsewürfeln (Waldmeisterkäse und Grana Padano), Tomaten und Kirschen zurecht und lege mich samt Feierabendlimo (Orange-Vanille) ins Bett. Ich esse und trinke, telefoniere mit dem Liebsten, gucke ein wenig TikTok… Inzwischen reicht meine Konzentration nicht mehr für Lesen oder Seriengucken. Gegen 10 putze ich mir die Zähne und mache mich schlaffertig.

Und dann liege ich wach. Putze mir dauernd die Nase, bekomme einen trockenen Hals vom durch den Mund Atmen, höre einen Podcast nach dem anderen, gucke dummerweise nochmal in die Arbeitsmails und lese etwas über eine Entwicklung, die mich die nächsten Tage und Wochen noch beschäftigen wird, so ich denn nicht ernsthaft krank werde und wie blöd wäre das denn eigentlich, jetzt wo so viel Dringendes zu tun ist, auch andere im Team fehlen und außerdem ja nächste Woche re:publica ist… Ihr könnt es Euch vorstellen.

Kurz nach Mitternacht muss ich nochmal aufs Klo und starte danach einen Reset-Versuch. Nase so gut wie möglich ausleeren, Nasenspray benutzen, Schmerztablette einwerfen und Dekolleté und Stirn mit der pakistanischen Erkältungssalbe des Mitbewohners einschmieren , die für dauerhaftes Inhalieren von atemwegsbefreienden Substanzen sorgt. So kann ich endlich erstmal einschlafen, auch wenn die Nacht unruhig wird.