09.07.2024 – Badetag

Es ist heiß in Berlin – idealerweise wäre ich schon gestern raus zum Haus am See gefahren, aber da ich morgen noch Verpflichtungen in der Stadt habe, muss ich den Hochsommertag irgendwie hier rumbekommen – die perfekte Situation für eine Wiederholung des Freibadbesuchs von neulich.

Ich stehe nach Müsli-Frühstück recht früh in der Küche und bastle Proviant – Kichererbsensalat, Bagel, Snacks. Dann breche ich kurz nach 10 auf und fahre wieder die Tram-und-Tram-Route. Obwohl immer noch keine Ferien sind, muss ich am Eingang erstmal länger anstehen und wie letztes Mal auch erstmal meinen Ausweis und meine Tasche kontrollieren lassen. Dann geht es hinein und ziemlich schnell bin ich in einer anderen Welt. Heute suche ich mir einen Baum weiter weg vom Geschehen, wo das Gras noch nicht grün ist, lege meine Decke aus und gehe dann erstmal Schwimmen.

Andere Schwimmer*innen in meiner Internetblase werden mich belächeln, aber ich freue mich, dass ich 400 m gut und ohne größere Schwierigkeiten schaffe – macht etwa 20 Minuten. Das Wasser ist deutlich kälter als die Luft und interessanterweise auch zwei Grad kälter als letztes Mal, obwohl die Luft heute wärmer ist. Das Schwimmen darin macht wirklich mal so etwas wie Entspannung, weil der Kopf mit sensorischen Eindrücken beschäftigt ist und wenn er doch wieder zu denken anfängt, konzentriere ich mich eben auf die möglichst korrekte Ausführung der Bewegungen.

Dann ruhe ich mich auf meiner Decke aus und obwohl ich vor gar nicht allzu langer Zeit gefrühstückt habe, esse ich gleich erstmal mit großem Appetit etwa die Hälfte meines Proviants.

Dazu kümmere ich mich um meine Sprachkurse – Sorbisch, Norwegisch, Italienisch. Dann werde ich müde, nehme mir mein Buch und schlafe aber schnell ein.

Nach etwa einer Stunde weckt mich ein Anruf meines Bruders. Wir besprechen die Pläne für morgen und dann bin ich wach genug zum Weiterlesen. Nochmal eine Stunde später gehe ich wieder ins Wasser und schwimme nochmal 400 m/20min. Danach esse ich den Rest des Proviants auf (bis auf ein paar Nüsse) und lese das Buch zu Ende. Spannende Angelegenheit! Ich hatte das ja nur aus so einer Gratiskiste mitgenommen wegen des Titels und habe mich dann erst gefreut, dass es so gut geschrieben ist und erst nach der Hälfte mal nach der Autorin gegoogelt und festgestellt, dass diese Überwinterung vor inzwischen 90 Jahren stattgefunden hat. Das warf nochmal ein ganz anderes Licht auf die Sache.

Als das Buch zu Ende ist, ist meine Lust weiter zu bleiben auch weg – ich möchte meine Badesachen nicht nochmal nass machen, sondern packe schnell zusammen und nehme den gleichen Weg zurück nach Hause. Dort erstmal kurz chillen und Limo trinken auf dem Balkon, dann dusche ich und wasche Wäsche. Jetzt ist noch ordentlich Zeit bis zum Fußballspiel, also setze ich mich wieder raus und fange das nächste Buch an.

Pünktlich vor Anpfiff wechsle ich vor den Fernseher und wärme außerdem den letzten Rest Nudelauflauf auf. Die erste Halbzeit wird unverhofft spannend, in der zweiten schwindet meine Konzentration dann wieder. Macht nix, meine Chancen auf Tippspielgewinn sind inzwischen wirklich niedrig geworden, auch wenn rechnerisch noch alles drin ist. Nach dem unerwartet frühen Ende (ein k.o.-Spiel, das in der regulären Spielzeit endet, tz!) hänge ich die Wäsche auf und verziehe mich dann mit meinem Buch ins Bett.

08.07.2024 – Dinge geregelt kriegen

Das mit dem wieder gut und lange Schlafen üben wir noch. Ich wache weit vor dem vorsorglich gestellten Wecker auf. Der ist gestellt, weil ich heute Vormittag einen Termin habe und trotzdem in völliger Entspannung in den Tag starten möchte. Das klappt jetzt natürlich um so besser. Bei dem Termin handelt es sich um eine Mani- und Pediküre und das ist ganz schön aufregend für mich, weil es erst die zweite in meinem Leben ist – die erste war vor Jahren vor einer Hochzeit in einem Hindu-Tempel, bei der man die ganze Zeit barfuß sein musste. Jetzt passt es gerade mal wieder, es ist Hochsommer und Flip-Flop-Zeit und alle Nägel sind eh kurz vor Handlungsbedarf.

Auf dem Weg halte ich noch kurz an einem Geldautomat, der leider meine Karte verschluckt. Ich bekomme eine neue zugeschickt, aber komme jetzt auch erstmal schwer an Bargeld – Mist.

Ganz schön kitzelig und teilweise auch schmerzhaft ist dann die Behandlung, aber hinterher sieht alles doch ein bisschen besser aus als vorher, obwohl ich trotzdem unterwältigt bin – sehr viel besser als ich selbst das könnte sind die Nägel nicht geformt, da habe ich mir mehr versprochen. Allerdings sahen die Fingernägel der Dame, die sich um meine kümmerte, auch nicht besser aus als meine im Alltag. Nun denn. Auf Lack habe ich verzichtet – an den Händen mag ich den eh nicht und an den Füßen könnte ich mich schlecht für eine Farbe entscheiden, die dann wochenlang da ist.

Hinterher laufe ich zur Tram und meine frisch gecremten Füße rutschen ganz schön in den Flip-Flops. Ich fahre zur Wohnung meiner Eltern, um mich um Post und Blumen zu kümmern, und nehme von dort noch Basilikum, Knoblauch und ein Buch mit. Auf dem Heimweg noch kurzer Halt am Supermarkt und dabei verschiedenes lernen: Die Bank hat die Karte jetzt gesperrt, also funktioniert auch Apple Pay damit nicht mehr. Hoffentlich kommt die neue bald! Und: An der Kasse Bargeld mitnehmen geht nur, wenn man mit EC-Karte bezahlt, nicht mit Kreditkarte. Hmpf.

Zuhause gibt es dann zum Mittagessen wieder Nudelauflauf, außerdem mixe ich Tonic mit Wasser und TK-Himbeeren für ein erfrischend sommerliches Getränk. Nach dem Essen blättere ich durch das mitgebrachte Buch und lese mich an einigen Stellen fest. Besonders gespannt bin ich aber auf die beiliegenden DVDs, auf denen einige der besprochenen Filme drauf sind. Denen widme ich aber ein anderes Mal, mein Körper verlangt dringend nach Mittagsschlaf – ich lege mich zu Nimbin.

Etwa anderthalb Stunden schlafe ich tief und fest und bin dann beim Aufwachen regelrecht desorientiert. Dann kommt aber nach einer Weile nochmal eine zweite Welle an Energie.

Ich hänge Wäsche auf, ersetze das Katzenstreu in einem der Katzenklos (inkl. Klo gründlich säubern, zweimal Müll wegbringen und neues Streu aus dem Keller hochholen) und entscheide mich dann auch noch, Pfandflaschen wegzubringen und bei der Gelegenheit die Putzmittelvorräte aufzufüllen. Das gibt mir immerhin etwas über 5 € frisches Bargeld – beim Verstauen stelle ich fest, dass ich doch noch etwas im Portemonnaie hatte – hätte mir die ganze Aktion mit der Karte also sparen können… Wieder zuhause mache ich mir zum Abendbrot einen Bagel mit Bärlauch-Feta-Manouri-Creme, Radieschen und Tilsiter und dazu Romana-Salat mit einem Rest Gurke und Zitronen-Olivenöl-Dressing.

Dann schaue ich fern – erst die Doku über den Film von gestern, dann ein YouTube-Feature über den Zauberberg. Ich höre kurz in mich hinein – eigentlich wäre ich heute Abend noch gerne ins Freiluftkino gegangen – aber ich bin eindeutig viel zu erschöpft und schaue stattdessen noch ein paar Folgen Succession, bevor mich die Müdigkeit wieder übermannt.

07.07.2024 – Sonntagsdinge

Viel zu früh gegen halb 7 erwacht, sowohl für die Schlafenszeit als auch für einen Sonntag im Allgemeinen. Ich hoffe noch auf wieder Einschlafen wie gestern, habe aber heute kein Glück – der Kopf schwirrt mal wieder und der Körper ist wahrscheinlich inzwischen insgesamt zu erholt? Ich beschäftige mich weitgehend still, bis der Liebste kurz vor 10 auch endgültig wach ist und Kaffee macht. Gegen 11 ich hungrig in die Küche und suche uns Frühstück zusammen, dass ich zurück ins Bett bringe.

Nochmal zwei Stunden später nehmen wir das Teilzeitkind in Empfang, dass sich aber auch erstmal zu uns legt und von seiner Woche berichtet, bevor es sich zu Teilzeitkinddingen in sein Zimmer verzieht. Wir liegen weiter. Irgendwann gegen 14 Uhr wird es dann langsam Zeit, aufzustehen und sich anzuziehen, denn wir sind ja noch zu Kaffee, Kuchen und Babygucken eingeladen. Wir fahren durch den alten Westen und steigen am Mierendorffplatz aus. Sozialdemokratischer Widerständler, bestätigt Wikipedia meine Annahme, dass ich den Namen irgendwie aus dem Geschichtsunterricht kennen könnte. Schicke Kacheln jedenfalls.

Die Cousine des Liebsten empfängt uns in ihrer Wohnung, Baby und Vater sind noch Spazieren. Also erzählen wir erstmal – wir haben uns etwa ein Jahr nicht gesehen – und beschäftigten uns auch schon mal mit dem Kuchen. Dann Ankunft Baby – schon fast zehn Monate alt, das Winken von Queen Lizzie abgeguckt (die kurz vor der Geburt des Babys starb, hmmmmm) und ganz allgemein ein Sonnenscheinchen. Bin dann jetzt zum zweiten Mal Tante, wenn auch hier nur zweiten Grades – der Liebste bringt da ungeahnte Vorteile mit sich.

Wir haben einen schönen Nachmittag zusammen und freuen uns schon auf das nächste Treffen, vermutlich dann wieder traditionell zu Weihnachten? Kurz nach 17 Uhr machen wir uns auf dem Heimweg und überlassen die Familie den Abendbrotvorbereitungen. Der Liebste und das Teilzeitkind fahren zurück nach Südberlin, wo sie ein Date mit einem Dönerteller haben, und ich nehme die Ringbahn nach Hause zu den Katzen, die schon erwartungsvoll miauen. Der Mitbewohner hat geputzt, echt italienisch mit Chlor, und dann die Wohnung verlassen. Ich sorge entschlossen für Durchzug, es dauert aber trotzdem noch stundenlang, bis sich der Geruch verzogen hat. Arme Miezen.

Wir chillen erstmal eine Runde auf dem Bett, bis die Küche wieder betretbar wirkt, dann mache ich mich ans Abendbrot. Ich brate die übrige Bio-Fleischwurst an und mache aus Nudeln, Erbsen, Fleischwurst, dem Rest Tomatensauce und Parmesan einen Nudelauflauf, wie man ihn manchmal in italienischen Restaurants auf der Karte sieht (bzw. bei so Pizza-Lieferdiensten). Passend dazu schaue ich dann einen italienischen Film, Der Garten der Finzi Contini, weil ich heute Morgen bei Herrn Buddenbohm gesehen habe, dass der gerade in der arte-Mediathek ist. Ich habe das Buch vor Jahren gelesen, kenne aber den Film noch nicht. Ich schaue ihn auf Italienisch. Leider gibt es keine italienischen Untertitel, also mache ich wohl oder übel die deutschen an, denn sonst hat er automatisch französische und das verwirrt mein armes Köpfchen dann doch zu sehr. Übrigens versteht mein Kopf scheinbar geschriebenes Französisch schneller als gesprochenes Italienisch (unfassbar nach all den Jahren) und fokussiert sich da sehr schnell drauf.

Apropos Französich – Frankreich ist dem Faschismus nochmal von der Schippe gesprungen, ein Glück. Meine Timelines jubeln, die deutschen Medien freuen sich etwas vorsichtiger. Auch meine französische Kollegin ist zwar erleichtert, aber trotzdem entsetzt von der Gesamtsituation, die die letzten Wochen seit der Wahlankündigung gebracht haben. Hoffen wir das Beste.

Nach dem antifaschistischen Film dann noch etwas „hippiemäßiges“, wie der Liebste sagt: Bob Marley – One Love. Ich verstehe Patois immer noch so schlecht wie damals auf Jamaika und sehe nach der Pandemie-Erfahrung Marleys Weigerung, sich bei der Krebstherapie aus religiösen Gründen gegen ärztlichen Rat zu verwehren inzwischen noch eins kritischer (ebenso wie seine Gewalttätigkeit), aber die Bilder und die Musik sind natürlich schön.

Gegen 23 Uhr bin ich noch nicht ganz schlafmüde und schaue dann noch eine Folge Succession, bevor die Vernunft mich zu Buch und Bett treibt. Schlafen dann wieder erst so gegen 1.

06.07.2024 – Programmreicher Sonnabend

Ich erwache sehr früh, vor halb 7 und beschäftige mich ein Stündchen still, bevor ich zum Glück nochmal für zwei Stunden einschlafe. Dann gemütliches Wachwerden und Herumtrödeln im Bett, mit zwei Liebstentelefonaten dazwischen, bis es irgendwann kurz vor 12 Zeit zum Aufstehen und Frühstücken wird. Es gibt herzhafte Stullen, den Rest Wassermelone und Sanddornschorle auf dem Balkon – es ist heiß heute. Ab dann wird es emsig.

Ich räume in meinem Zimmer umher (und sauge ein wenig Staub), um Platz für eine Möbelaufbausituation zu schaffen, bringe den Kompost herunter und reinige den Eimer (inkl. schon wieder diverser Fruchtfliegen in diversen metamorphosen Zuständen. Dann koche ich eine große Kanne Kaffee und lasse den Liebsten herein. Wir trinken beide Kaffee auf Eis – er mit Hafermilch und ich mit Tonic – und hören Musik, während wir das Geburtstagsgeschenk meiner Eltern aufbauen. Fairerweise muss man sagen, dass der Liebste hauptsächlich baut und ich zuarbeite, anreiche usw. Allerdings hat er besagtes Stück auch schonmal aufgebaut und kann sich so schneller in die Anleitung reindenken als ich. Außerdem ist es sein Akkuschrauber… 😉

Zukünftig weniger Chaos rund ums Bett dank doppelter Abstellfläche und etwa zehnmal mehr Stauraum. Außerdem bessere Lichtverhältnisse.

Nach etwa anderthalb Stunden sind wir fertig. Der Liebste geht nochmal duschen, dann treffen wir den Lieblingsnachbar, der heute Geburtstag hat, auf ein Eis. Für mich gibt es Sorbet – Grapefruit und Kirsch mit Schokostückchen.

Wir schlecken und erzählen und spazieren noch eine Runde, bis erste Tropfen vom Himmel kommen. Dann geht es wieder nach oben und ans Auf- und Einräumen der neuen Zimmergestaltung plus nochmal Saugen, Müll runterbringen, Katzenklos sauber machen und Sachen packen. Inzwischen unwettert es richtig und wir sitzen mit Mate und Radler auf dem Balkon und warten ab. Als der Regenradar günstig aussieht, laufen wir mit Umweg über den Supermarkt los und fahren mit zwei S-Bahnen nach Schöneberg, wo ein Freund des Liebsten zur Sommerparty eingeladen hat.

Auf dessen Dachterrasse wird wie beim letzten Mal gegrillt und wieder ist es eine große, linke, queerfeministische Gesellschaft. (Ich wollte linksgrün schreiben, aber der Liebste wies darauf hin, dass dort niemand grün ist.) Bei der Gelegenheit treffe ich auch endlich mal zwei jahrzehntelangjährige Freund*innen des Liebsten, die ich bisher nur aus Erzählungen bzw. virtuellen Kanälen kenne. Sehr schön. Wir plaudern bei Salaten, Halloumi und Maiskolben – der Liebste auch bei Würsten – und verfolgen nebenbei die stattfindenden Fußballspiele. Besonders das zwischen Niederlande und Türkei ist interessant, da es erstens in Berlin stattfindet und zweitens alle dafür sind, dass die Türkei jetzt rausfliegt, nachdem es gestern schon die Deutschen getroffen hat. Man erhofft sich eine ruhigere letzte EM-Woche dadurch. Der Plan geht auf, der Himmel bleibt auch trocken und so halten wir es noch eine ganze Weile auf der Dachterrasse aus, bis wir uns auf den Heimweg nach Südberlin machen.

05.07.2024 – Gemäßigtes Tempo #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Früh davon aufgewacht, dass der Mitbewohner ungewöhnlich früh wach ist. An den meisten Tagen geht er irgendwann zwischen 8 und 9 in die Küche, macht sich Kaffee und Müsli und verschwindet dann zu um 9 in seinem Zimmer an den Schreibtisch. Heute ist er schon gegen halb 8 am Start – wichtige Präsentation später, viel Aufregung. Na gut, bin ich halt wach und spüre in mich hinein. Meine Nebenhöhlen scheinen ein wenig zu zu sein. Ich mache den ersten COVID-Test seit einer ganzen Weile (negativ) und beschließe, es heute ruhig angehen zu lassen. Viel Alternativen habe ich ja aktuell eh nicht.

Als ich mit Internetrunde, Bloggen, Sorbisch, Norwegisch und Italienisch durch bin (und zwischendurch mit dem Liebsten telefoniert habe), mache ich mir Frühstück. Es gibt zwei Käsebrote mit Marmelade (Feige bzw. Erdbeere), letzten Joghurt mit Sanddornsaft und Aprikosen, Wassermelone und Mango-Ananas-Tee. Ich esse erst auf dem Balkon, aber es ist ganz schön frisch und außerdem wollen die Katzen auf meinen Schoß, also nehme ich doch alles mit ins Bett.

Nach dem Essen lese ich das „Mann vom Meer“-Buch zu Ende, das ging erstaunlich schnell. Als nächstes versuche ich mich mal an dem To Do, das ich schon länger auf der Liste habe. Ich will Bücher aussortieren, die ich nicht oder nicht wieder lesen werde und an denen ich auch sonst nicht hänge oder denen ich keinen gesteigerten kulturellen Wert beimesse. Ziel: Weniger Ballast, mehr Platz im Regal, evtl. etwas Geld damit verdienen. Ich gehe die ersten Paar Regalfächer durch und schaue, was davon sich über die üblichen Ankaufplattformen loswerden ließe. Es ist aber eher ernüchternd, die wenigsten Bücher werden dort gesucht und nur bei zweien gäbe es überhaupt einen Wert von über einem Euro bei Ankauf. Ich lasse das Ganze also erstmal wieder und nehme mir stattdessen vor, immer wenn ich zu meinen Eltern oder zum Liebsten fahre, einen Stapel Bücher für die dortigen Bücherzellen mitzunehmen. Überprüfen kann ich ja trotzdem und wenn ich dann mal einen größeren Stapel Verkaufbares zusammenhabe, tue ich das.

Jetzt ziehe ich mich endgültig an und gehe eine Runde nach draußen. Es stehen ein paar Besorgungen an und ich möchte auf dem Weg mal an den Brombeeren vorbeischauen und gucken, ob da so früh im Jahr schon was zu holen ist.

Ich finde eine kleine Handvoll reife zum Naschen, besonders weiter oben. Anscheinend waren hier schon Kinder oder Hunde am Werk.

Dann geht es weiter zum Einkaufen. Im Bio-Supermarkt haben sie gerade aus Jubiläumsgründen praktische Einkaufstaschen, von denen aufgrund des schicken Artischocken-Aufdrucks eine in meinen Korb wandert. Ich denke darüber nach, dass ich eine Vorliebe für Blüten und Knospen habe und wirklich sehr gerne Artischocken, Kapern und Zucchiniblüten esse – am liebsten jeweils frittiert. Außerdem gibt es gerade Stachelbeeren und ich kaufe mir eine kleine Schale – meine ersten in dieser Saison.

Im Drogeriemarkt kaufe ich Mitbringsel für einen Baby-Antrittsbesuch am Wochenende (das Baby ist allerdings schon fast zehn Monate alt, man kommt ja zu nichts) und dann gehe ich schon wieder nach Hause.

Dort koche ich inzwischen sehr hungrig die berühmte Tomatensauce von Marcella Hazan unter Verwendung einer der Tropea-Zwiebeln, die die Mamma vom Mitbewohner letzte Woche gekauft hat. Blöderweise merke ich zu spät, dass ich keine Butter mehr im Tiefkühlschrank habe und die offene nicht mehr reicht. Also muss ich mit Olivenöl auffüllen und es riecht alles nicht ganz so verführerisch wie beschrieben. Also denke ich mir nach einer Weile, dass ich ja auch sonst noch abwandeln kann und gieße etwas Kochwein dazu (es gibt noch Geburtstagsreste) und verfeinere mit Oregano und süßen Peperoni.

Der Mitbewohner hat inzwischen Feierabend und Wochenende und serviert zu diesem Anlass einen Campari Soda, von dem mir gleich leicht im Kopf wird. Ich esse die Riesenportion Mezze Linguine ohne Schwierigkeiten auf und habe noch eine große Portion Tomatensauce für später mal übrig. Dazu gibt es dann Wasser mit Himbeersirup, Limette und Orange.

Es ist dann noch etwas Zeit bis zum Anpfiff. Ich liege auf der Couch und lese in einem anderen Mammutprojekt weiter – nach der kurzen „Erholung“ mit Mann jetzt also wieder Grass. Das geht immer nur mit ausreichend Muße und ohne Bettschwere. Ich schaffe ein halbes Kapitel, dann habe ich eine Ausrede weil die Fußballsache losgeht. Ich bin hin- und hergerissen und würde es diesem deutschen Team sogar gönnen, aber am Ende finde ich es auch ein bisschen amüsant, dass Spanien gewinnt (vor allem wegen der lauten Schreie aus dem Hinterhof, für mein Tippspielergebnis ist es nicht so gut). Der Liebste und ich hatten uns so auf Elfmeterschießen gefreut und dann…

Beim zweiten Spiel haben wir da mehr Glück, dafür ist das Spiel vor dem Elfmeterschießen echt ziemlich langweilig. Ich spiele nebenbei die ganze Zeit auf dem Handy. Als Frankreich gewonnen hat ist es kurz vor Mitternacht und ich mache mich bettfertig. Dort fange ich dann noch eine leichte Lektüre für Zwischendurch an, der Grass ist weder inhaltlich noch physisch leicht genug fürs Bett. Das liest sich wirklich gut weg und ist interessant, aber irgendwann fallen mir die Augen zu.

04.07.2024 – Schlottenburg

Erstaunlich früh aufgewacht heute und dann zumindest den Morgen und Vormittag über viel Zeit gehabt, trotz anberaumten „Termins“. So viel Zeit, dass es nach dem Frühstück (Sanddorn-Joghurt mit Müsli, Orangensaft, Espresso Tonic) noch für Bett neu beziehen, Zimmer aufräumen und Wohnung saugen reicht. Damit bin ich dann gegen 12 fertig und mache mich auf den Weg Richtung Charlottenburg, wo ich eine Verabredung zum Mittagessen habe.

Spinat-Ingwer-Wantans mit Erdnusssauce, Papaya-Salat mit Tofu, Hibiskus-Nelken-Drink

Ich treffe mich mit einer ehemaligen Kollegin am Savigny-Platz (Hier bin ich so gut wie nie, mal wieder schön!) und wir haben uns viel zu erzählen, über Vergangenes, Aktuelles, Gesundheitliches und Karrierewege. Als sich unsere Wege trennen, beschließe ich, noch ein wenig durch diese Gegend zu spazieren und hole mir dazu einen Bubble Tea.

Kirschtee mit Aloe Vera und Litschi-Boba, wenig Zucker, wenig Eis

Ich laufe die Kantstraße hinunter Richtung Lietzensee und schreibe einer Freundin, die hier in der Nähe wohnt. Daraus ergibt sich dann, dass ich noch vor dem Lietzensee abbiege und sie mit ihrer Mama und ihren beiden Kindern an deren Kita treffe. Dann gehen wir gemeinsam Besorgungen machen, teilen uns zu fünft eine riesige Kugel Mangoeis, spielen im Innenhof und gehen dann nach oben in die Wohnung, zu Tee und weiteren Spielen. Als die anderen sich zum frühen Abendbrot niedersetzen, breche ich auf und nehme die S-Bahn nach Hause.

Die Katzen haben mich vermisst und wir verbringen eine kuschelige Zeit zusammen auf der Couch, während ich Stullen zum Abendbrot esse und gucke, was den ganzen Tag über so in der Welt passiert ist. Weil mir fröstelig ist, lege ich mich danach in die Badewanne und dann schon gegen 21 Uhr ins Bett. Eine gute Stunde verbringe ich noch mit Lesen, mit dem Liebsten telefonieren und einem Auge auf den UK-Wahlen, aber ich will dann doch nicht mehr bis zu den Exit Polls warten, sondern mache kurz nach 22 Uhr das Licht aus und hoffe auf langen, erholsamen Schlaf, der dir möglicherweise aufkommende Erkältung in Schach halten kann.

03.07.2024 – Kur zuhause

Für heute habe ich wieder einen Programmpunkt geplant, am späten Vormittag geht es zu kurähnlichen Aktivitäten ins Fitnessstudio – erst AquaFitness, dann ein bisschen Schwimmen, dann Dampfbad, dann zwei Saunagänge. Ein bisschen wie in einer antiken römischen Therme, nur dass alle versuchen, möglichst wenig miteinander zu sprechen und dass ich zwischen den Saunagängen im Ruheraum auf dem Kindle lese. Auf dem Heimweg schreibe ich einer besorgten Kollegin, die mir schon längere Zeit zu einer Kur geraten hatte, dass ich sozusagen Kur zuhause mache.

Dann wird gekocht. Durch das WG-Leben plus in der letzten Woche Besuch gibt es aktuell vier Packungen Eier im Kühlschrank. Ich schnappe mir die mit dem frühesten Mindesthaltbarkeitsdatum, koche alle sechs und bastle mir einen Eiersalat daraus – mit Kapern, sauren Gurken, Dill, Remoulade und Kaviarcreme. Dazu gibt es den Rest Sockeye-Wildlachs mit ordentlich Meerrettich, auf Brot, und den Tonic-Mocktail von neulich.

Müde und pappsatt lege ich mich danach hin und schlafe erstmal ein. Dann lese ich erst The Land Where Lemons Grow zu Ende (es fehlten nur noch die Kapitel über den Karneval von Ivrea und über Cedri/Zitronatzitronen) und dann endlich auch den Zauberberg. Jetzt kann ich endlich ohne Spoiler den Wikipedia-Artikel durchlesen, den ich hier ständig verlinke! Dabei stoße ich auf die beiden Verfilmungen – in der ersten wird Hans Castorp vom Vater eines Bekannten gespielt, die zweite kann man sich auf YouTube ansehen, was ich direkt tue. Gibt dem ganzen Erlebnis nochmal einen ganz anderen Spin, als Film ist das alles viel aufgeregter, spöttischer und lebendiger, als was mir die Stimme in meinem Kopf vorgelesen hat.

Noch später am Abend schaue ich zwei Folgen Succession, man will ja auch da vorankommen. Und dann fange ich vor dem Einschlafen noch das nächste Buch an – ich bleibe im Thema, denn es liegt noch was zum Anlegen auf meinem Bücherstapel: Mann vom Meer. Da fällt dann gleich am Anfang wieder vieles zusammen – Hiddensee, das Schreiben vom Zauberberg, die Liebe zur Ostsee, Elisabeth Mann Borgese, die ich mir immer in ihrem Haus am Strand in Nova Scotia vorstelle… So schläft es sich schön ein.

02.07.2024 – Hallo Trägheit, my old friend

Von der gestrigen Hirn-Überaktivität heute fast schon ins Gegenteil, überbordende Trägheit, gekippt – das ist so auch nicht ideal, es gilt den sweet spot zu finden. Ganz stimmt es auch gar nicht, denn ich nehme heute fast zwei Stunden lang an einem Videocall teil, putze die Katzenklos, nehme eine IKEA-Lieferung an (Aufbau und Bilder demnächst) und mache mir leckeres Essen.

Müsli mit Sanddornquark, Wassermelone, Tee mit Hafermilch, O-Saft
Heilbuttfilet mit Knoblauch, Dill und Zitrone aus dem Ofen, dazu Reis mit Erbsen – does not photograph well aber schmeckt gut
Stulle mit Käse und Tomate, Stulle mit Räucherlachs und Gurke, Aprikosen

Dazwischen heute viel im Zauberberg weitergelesen und quasi als Sekundärliteratur nach über 20 Jahren nochmal Die Manns angeschaut. Das habe ich damals in der Abizeit mehrfach gesehen, zuletzt am Tag vor dem Deutsch-Abi. So konnte ich meinen recht fadenscheinigen Aufsatz über Klaus Manns Mephisto mit jeder Menge biographischer Details anfüttern, was meine damalige Deutschlehrerin dazu brachte, mir komplett unverdiente 13 Punkte zu geben (und mir das auch noch zu sagen). Die Zweitkorrektur brachte realistischere 7 Punkte, woraufhin die Drittkorrektur anstand und ich schließlich 8 bekam – ganz schön schlecht für ein Leistungkursfach, das zog meinen Schnitt ganz schön nach unten. Wir wollen das aber nicht dem Film anlasten, der ist gut.

Ein bisschen Fußball gibt es auch – das Oranje-Spiel habe ich fast komplett gesehen. Beim zweiten Spiel fand ich die Manns dann insgesamt wieder spannender, bekam aber durchs Feuerwerk dann durchaus mit, dass die Türkei den neuen Geheimfavoriten aus dem Turnier gekickt hat.

01.07.2024 – Cool down

Nicht nur gehen sowohl die Temperatur als auch jede Menge Regen runter, ich befinde mich jetzt auch in einer Cool-down-Phase. Während die letzten beiden Wochen noch voller Aktivitäten und Vorbereitungen und Feiereien waren, liegt jetzt eine längere Strecke ohne größere geplante Vorkommnisse vor mir, was mir hoffentlich Gelegenheit geben wird, endlich ein bisschen abzuschalten, zu entspannen, den Stress hinter mir zu lassen und im Hier und Jetzt zu sein. To be statt to do wäre das Ziel.

Wie dringend das nötig ist, merke ich, als ich nach dem Frühstück auf dem Balkon sitzen bleibe und mich um meine Sprachkurse kümmere – sollte ja eigentlich eine entspannende Tätigkeit sein, ich gehe schließlich meinen Interessen nach, ganz ohne externe Motivation. Und ja, es macht Spaß, aber auch: Ich versuche, möglichst keine Fehler zu machen und so schnell wie möglich durchzukommen, klicke oft schon weiter, sobald das erlösende Häkchen da ist, ohne mir alles in Ruhe durchzulesen oder mir die Lösung nochmal anzuhören. Ich optimiere auf Zwischenergebnisse und Zeit, nicht auf langfristigen Lernerfolg. Und während das passiert, bin ich im Kopf immer schon drei Schritte weiter:

„Was steht als nächstes an, welche Reihenfolge an Schritten ist am sinnvollsten, wäre es nicht viel entspannender, wenn ich noch irgendwie Yoga, Meditation und einen Spaziergang einbaue? Was wollte ich nochmal alles machen, wenn ich endlich Zeit habe? Wie kann ich die frei gewordene Zeit so optimieren, dass ich das Meiste raushole? Achso, ich lerne ja gerade Norwegisch, da war was. Und außerdem wollte ich ja aufhören mich zu optimieren! Du musst Dich jetzt wirklich mal effizient entspannen, Mensch!“ Und so geht das immer weiter.

Ein bisschen hilft, als sich Noosa auf meinen Schoß setzt, kurz bevor ich meinen nächsten Programmpunkt abspielen will und ich dann doch noch etwas länger sitzen bleibe. Zumindest, bis es mir auf dem Balkon zu kühl wird. Dann gehe ich doch rein, lasse mir ein Bad ein und höre mir in der Wanne einen TED-Talk zu Selfcare an. Danach geht es dem Kopf ein bisschen besser. Ich bleibe auch noch eine ganze Weile im Bademantel auf dem Bett liegen und zwinge mich geradezu dazu, erst noch auf dem Handy zu spielen und mit drei Kolleg*innen zu schreiben (ausschließlich über Nicht-Arbeitsdinge, es geht um Konzerte, Wahlergebnisse und hoffentlich bald anstehende Berlinbesuche), bis ich mit meinem Tag weitermache.

Dann kommt Lebensmittel durchsortieren, Essensplan machen, Einkaufen und Mittagessen – es gibt Kartoffelsalat mit geräuchertem Sockeye-Wildlachs, hausgemachtem Honig-Senf-Dressing und Holunderblütenwasser.

Danach lege ich mich wieder hin, lese ein paar Seiten im Zauberberg und schlafe dann für anderthalb Stunden tief und fest ein. Jetzt bin ich ganz zufrieden mit mir und meiner Entspannung und verschiebe meine anderen für heute geplanten Aktivitäten mit angemessener Trägheit auf irgendwann später.

Als ich wieder richtig munter bin, ist es gar nicht mehr lange bis Fußball, also bleibe ich einfach liegen und lese weiter. Die beiden Fußballspiele schaue ich mit mehr oder weniger Konzentration an, während beide Underdogs leider verlieren. In der Pause dazwischen mache ich mir Abendbrot – ich habe trockenes Brot eingeweicht und mache daraus jetzt mit Büffelmozzarella, Tomaten und Basilikum eine Art Salat – sehr lecker!

Weiter gelesen wird auch noch, im Zauberberg und in den Nachrichten – in den USA wird gerade die Demokratie abgeschafft und Trump bekommt ordentlich Aufwind. Das zusammen mit Frankreich, Italien, Slowakei und nicht zuletzt der AfD macht keine gute Laune.

Kurz vor Mitternacht ist das Elfmeterschießen vorbei und ich gehe Zähneputzen und ins Bett.

30.06.2024 – Ganz langsam

Unruhige Nacht und früh aufgewacht, aber alle drei. Als der Liebste kurz vor halb 7 (an einem Sonntag!) aufsteht, um Kaffee zu kochen, ist das Teilzeitkind schon aus den Federn und bereitet sich auf einen Ausflug vor. Ich trinke meinen Kaffee aus und geselle mich dazu – alles eingepackt? Eine gute Stunde später wird das Kindelein abgeholt und wir verziehen uns nochmal ins Bett. Irgendwie bin ich aber jetzt grad wach und relativ energiegeladen, also stehe ich doch wieder auf und räume die Küche auf, während der Liebste wieder einschläft. Ich frühstücke erst Kuchen und dann Nudelsalat und Orangensaft und kümmere mich auf dem Sofa ausgiebig um meine Schlafstudien. Der Liebste kommt dazu, frühstückt Jambalaya und dann liegen wir wieder beide im Bett und ICH schlafe nochmal ein. Zweites Frühstück ist dann Jambalaya und Espresso Tonic und dann habe ich wieder einen Energieschub, ziehe mich an, packe meinen Kram zusammen und fahre nach Hause – immer achtsam sein mit der Energie!

Zuhause erwartet mich eine Wohnung mit nur noch einem (schlafenden) Italiener – der Besuch ist gestern abgereist. Dafür sind Fruchtfliegen eingezogen, um deren Bekämpfung ich mich erstmal ausgiebig und mit Funny-Van-Dannen-Ohrwurm kümmere. Der Rest des Tages wird dann wieder ganz geruhsam.

Ich verbringe den Nachmittag und Abend auf meinem Bett vor der aufklappbaren Glotze und schalte munter zwischen Fußball (England-Slowakei im letzten Drittel spannend und am Ende leider unglücklich für die Slowaken, Georgien-Spanien durchgehend spannend, schade Georgien!), Succession und Kaulitz & Kaulitz hinterher (nach Lektüre dieser guten Einordnung im Musikexpress).

Kapitalismus-TV in drei sehr unterschiedlichen Ausprägungen, davon Succession die unangenehmste, dafür aber wenigstens fiktional. Zwischen all dem auch noch erste Hochrechnungen aus Frankreich, die auf die Stimmung schlagen. Da hilft dann wirklich nur noch K&K-Eskapismus, der wirklich überraschend unterhaltsam ist. Sehr wholesome, die Beiden. Und bei dem Nachnamen und der Herkunft sind die ja auf jeden Fall auch eigentlich Sorben, von daher all power to them!