03.08.2024 – Familie, Strand und Meditatives

Der Wecker würde um 8 klingeln, aber ich bin mal wieder schon um 7 wach. Übliche Morgengestaltung, dann schäle ich mich gegen 9 aus dem Bett und betrete als erstes Mal den Balkon. Die ersten Menschen, die ich heute sehe, stehe auf dem Balkon gegenüber und winken – es sind die Musikusine und ihr Mann und nein, das ist nicht überraschend für mich. Ich hatte schon gestern Abend immer wieder Ausschau gehalten, ob sie denn angekommen sind, aber das passierte dann wohl erst, als ich schon im Bett war. Ich versorge die Katzen und die Pflanzen, ziehe mich an und laufe los zu dem veganen Café, in dem ich mit den Beiden, meinem Bruder und seiner Freundin verabredet bin. Der Liebste ist optional, er will erst in Ruhe ausschlafen.

Wir trinken Kaffeegetränke mit Hafermilch, Eistee oder Smoothie, essen Quiche, Waffeln, Grilled Cheese Sandwich oder Brot mit Aufstrichen – alles vegan und superlecker und hübsch angerichtet. Dazu erzählen wir uns von anstehenden und beendeten Reisen (die Musikusine und ihr Mann sind gerade auf der Durchreise von Hiddensee nach Hause) und rundum was sonst so gerade im Leben los ist. Nach guten zwei Stunden sammeln wir alle neun Gepäckstücke der Beiden ein und nehmen alle zusammen die Ringbahn, nur dass wir drei Berliner*innen schon früher aussteigen.

Ich habe etwas Zeit totzuschlagen und schließe mich meinem Bruder und seiner Freundin an beim Bummel durch Friedrichshain und Einkehr im Buchladen. Bei ihrem Supermarkt trennen sich dann unsere Wege und ich laufe weiter durch den neuen Berliner Entertainment District, zur East Side Gallery und dann dahinter ab der Spree entlang.

Dort ist es unerwartet grün und baumreich, das sieht man gar nicht, wenn man auf der Straßenseite entlangfährt – zu Fuß war ich hier seit ewigen Zeiten nicht mehr. Ich laufe die Spree entlang Richtung Westen, muss noch einen kurzen Schlenker machen und lande dann wieder am Strand, wo der Liebste kurz nach mir eintrifft. Passend dazu kommt die Sonne wieder raus.

Wir verbringen hier gute drei Stunden mit Nichtstun, Musik hören, erzählen und jamaikanischem Essen (Jerk Chicken mit Reis oder Dumplings und Gemüse), dann gehen wir gemeinsam zum Bahnhof und fahren wieder in verschiedene Richtungen zurück in unsere Höhlen.

Bei mir steht dann erstmal ein später aber dringend nötiger Mittagsschlaf an, der erst nach 19 Uhr beendet wird – wie immer in letzter Zeit bin ich nach dem Aufwachen dann erst ziemlich matschig. Gegen 20 Uhr raffe ich mich auf und kümmere mich um die ärztlich verordnete Behandlung, dann gibt es noch den Rest Kartoffelsalat mit Käse und Salami (alles Bio) zum Abendbrot. Dazu höre ich ein Hörbuch – das gibt’s bei mir schon seit Monaten zum Einschlafen, aber ich kenne nur Ausschnitte und mir fehlen die Zusammenhänge – für einen Krimi nicht so günstig, das hole ich jetzt nach.

Und weil meine Hände auch Beschäftigung brauchen, hole ich dann endlich mal das Diamond-Painting-Set hervor, dass ich auf Wunsch schon letztes Jahr zum Geburtstag bekommen hatte, schaue mir ein kurzes Tutorial dazu an und bearbeite dann den ersten der vielen Untersetzer, die zum Set gehören. Das macht wirklich Spaß und ist meditativ, ich denke, das mache ich jetzt öfter, um den Kopf auszuschalten.

02.08.2024 – Früher Freitag

Der Wecker klingelt schon wieder früh, weil der Liebste ja vor der Arbeit zurück in seine Höhle nach Südberlin muss. Ich schäle mich mühsam aus der Bettdecke, die von zwei schlafenden Katzen beschwert wird, und mache den Kaffee, der zu den Morgen mit dem Liebsten dazugehört. Dann wecke ich eben diesen in zwei Phasen – der Schlaf ist stark in ihm. Wir lesen im Internet und zeigen uns die Sachen, die wir uns sonst schicken würden. Irgendwann muss er dann aufstehen und los. Ich bleibe liegen, ein Weilchen noch.

Halb 9 will ich aufstehen und eigentlich unter die Dusche, da fällt mir ein, dass ich noch mit dem Internetprovider telefonieren muss, je früher desto besser, also mache ich stattdessen das. Für anderthalb Stunden. Mit drei Telefonaten. Mit vier Leuten sprechend. Mit einer guten Stunde nervenzerfetzender Warteschleifenmusik. Nur um dann festzustellen, dass der kompetente junge Mann von letzter Woche weniger kompetent ist, als ich gedacht hatte. Unglaublich frustrierend.

Dann aber Duschen, Frühstücken und Fertigmachen. Ich laufe wieder den ersten Teil des Weges in die Tagesklinik, fahre dann Tram und höre das halbe Leben einer Mitfahrerin, die mit ihrer Mutter telefoniert. In der Klinik Visite, dann Fäden ziehen (auuuuuuuuuuua), dann Behandlung und Einweisung darin, wie ich die Behandlung am Wochenende zuhause fortsetzen kann, bevor es Montag weiter geht. Auf dem Heimweg wieder Dinge einkaufen, diesmal nicht im Drogeriemarkt, sondern im Haushaltswarenladen, aber ich erkenne ein Muster. Zuhause kurzes Ausruhen, bis der Lieblingsnachbar Bescheid gibt, dann ist es Zeit für einen Spaziergang mit Eis – ich nehme völlig untypisch für mich Kinder Bueno, Cappuccino und Pfirsich-Maracuja, aber ich habe Hunger und bin müde, da sind Zitrone, Pistazie und Co irgendwie weniger ansprechend.

Die Runde wird lang, wir haben uns viel zu erzählen, am Ende des Tages zeigt der Schrittzähler über 17.000 Schritte. Wieder zuhause telefoniere ich mit einer Bekannten, dann ein wenig Hauselfentum – Katzenpaket mit Futter und Streu aus- und verräumen, Müll wegbringen und neuen Biomülleimer einweihen, Geschirrspüler ausräumen… Und dann habe ich auch schon frühen Abendbrothunger und mache mir Kartoffelsalat mit Kabeljau und dänischer Remoulade.

Für die Abendunterhaltung greife ich wieder aufs DVD-Regal zurück. Heute gibt es „hoche Literatur“ im Bewegtbild – den Dreiteiler Der Laden. Lange nicht mehr gesehen, neulich hatte ich, als ich faul auf dem Bett lag, mal geschaut, ob der grad in irgendeiner Mediathek ist, war er aber nicht. Gestern dann im unerschöpflichen DVD-Regal entdeckt. Da sage noch wer, es wäre ein Fehler gewesen, die alle aufzuheben und letztes Jahr nochmal einen DVD-Player zu kaufen! Beim Wiedersehen viel nachgedacht – mir war entfallen, dass nur die Mutter sorbisch ist, man hört es aber super im Akzent des Großvaters. Gewundert, dass Esau mit den russischen Soldaten aber so gar nicht kommunizieren kann. Vielleicht muss ich das Buch nochmal lesen, da kommt noch mehr Sorbisches und Niederlausitzer Mundartliches vor, sagt Wikipedia. Vielleicht kann er es da? Wenn nicht ist das ein perfektes Beispiel für die Kolonialisierung. Außerdem: Viel Victim Blaming für gleich vier Frauen, die mit sexualisierter Gewalt zu tun haben, das hatte ich nicht mehr so krass in Erinnerung.

01.08.2028 – Hallo, August

Hui, das wird ein voller Tag – der Wecker klingelt früh und ich kümmere mich als erstes um die Beendigung der Über-Nacht-Anwendung, bevor die normale Morgenroutine beginnt. Dann gemütliches Lesen und Bloggen, Katzen füttern, Weckanruf beim Liebsten und Frühstück. Heute mit Toasterwaffeln, Pflaume und Birne. Zähneputzen und los zur Zahnärztin.

Heute ist die Assistenzzahnärztin dran, Premiere für mich, aber es läuft alles gut. Zwei Füllungen müssen nachgebessert werden, es gibt insgesamt vier Spritzen, der Rest ist halt eher langweilig als unangenehm. Nächste Woche gibt’s die Fortsetzung und dann ist das Thema Zahnärztin für dieses Jahr auch wieder durch.

Nochmal nach Hause fahren lohnt sich nicht wirklich, also fahre ich in den Mauerpark, der auf halber Strecke zwischen Zahnärztin und Tagesklinik liegt. Dort setze ich mich hin und mache meine Sprachübungen, während ich die relative Stille und das Grün genieße. Jemand gießt nacheinander ausgiebig mit einem Rasensprenger und lässt alle, die wollen (u. a. eine Gruppe Kinder) darunter tanzen. Großstadtidyll.

Nach einer knappen Stunde wird es Zeit und ich fahre weiter zur Tagesklinik. Heute gibt es mehr Wartezeit bei der Visite, der Oberarzt ist am Start. Danach wieder Behandlung mit insgesamt vier netten Damen – mein Fall scheint sehr interessant zu sein, die wollen alle immer dabei sein, gucken und mithelfen.

Auf dem Heimweg wieder kurzer Stop im Drogeriemarkt – mir fällt auch jeden Tag noch was auf, was ich brauche, der Einkaufszettel gibt immer was her. Zuhause dann erstmal spätes Mittagessen mit Bagel und Apfel, dann diverse Telefonate, Mails und Chats bis zum späten Nachmittag. Es bleibt noch Zeit für eine kurze Runde durch den Haushalt (Katzenklos, Gießen, Saugen, Geschirrspüler ausräumen), dann muss ich schon wieder los – zum Date mit dem Liebsten.

Wir essen Poutine bei einer bekannten Pommeskette, von der ich noch einen Gutschein habe. Beide entscheiden wir uns für die „Montreal“-Variante mit Champignons und Radieschen und bekommen dafür die Namen „Forest Gump“ und „Starfoxx“ zugeteilt. Schönes Konzept, einfach random Namen zu vergeben, statt den Leuten persönliche Daten abzuverlangen, die ihnen vielleicht sogar unangenehm sind. Schön sind auch die Sprüche, die auf einem Bildschirm durchlaufen und uns die Wartezeit verkürzen.

Nach dem Essen decken wir uns noch mit Snacks ein und gehen dann ins Kino um die Ecke. Der Liebste will dringend Deadpool & Wolverine sehen und weil ich schon von mehreren Seiten gehört habe, wie witzig der ist, habe ich mich schnell überreden lassen, obwohl Superheldenfilme jetzt nicht so mein Ding sind. Und ich lache tatsächlich viel, das hat sich gelohnt, obwohl ich die große Leinwand nicht zwingend gebraucht hätte (und die 30 € für zwei Tickets). Zum Abschluss der Date Night gibt es als Absacker noch einen Gin Tonic auf dem Balkon, bis die Allergietablette für den Liebsten wirkt und wir uns zu den Katzen ins Bett kuscheln.

31.07.2024 – Tschüß, Juli

Nicht sehr gut geschlafen, weil es viel zu denken gibt. Dann relativ früh aufgestanden und noch ein bisschen was im Haushalt gemacht, um das Gedankenkarussell etwas einzufangen. Irgendwann Aufbruch in die Tagesklinik.

Die Visite heute wieder mit dem gleichen Arzt wie gestern, dann geht es zur Behandlung, bei der heute gleich drei nette Damen involviert sind, wir erzählen und scherzen angeregt, bis man mich fertig behandelt wieder in die freie Wildbahn entlässt.

Draußen telefoniere ich erst einmal ausgiebig mit dem Liebsten, kaufe dann noch etwas ein und treffe auf dem Heimweg dann eine Entscheidung, die das Gedankenkarussell bremst. Aus der folgen dann eine ganze Menge E-Mails, Chats und Telefonate, die sich den Rest des Tage über erstrecken. Zwischendurch auch nochmal ein Telefonat mit dem inzwischen recht ungeliebten Internetprovider und mehrere mit dem Liebsten, der spannende Abenteuer in und um seine Wohnung erlebt – inkl. Sprung vom Balkon und MacGyver-Einsatz.

Dann ist es plötzlich schon ganz schön spät, ich mache mir Pellkartoffeln mit einem Rest Heringshappen und lege zur Abendunterhaltung The Kids are all right ein, folge aber nicht ganz aufmerksam, weil mir zwischendurch immer wieder Sachen einfallen, die ich schnell nachschauen will, bzw. nochmal mit dem Liebsten telefoniere und Pläne schmiede. Er sagt, er hat mich lange nicht mehr so gelöst und mit mir und der Welt zufrieden gesehen. Den Film kenne ich aber eh und er ist auch in Versatzstücken gut.

Später im Bett lese ich Tom Feltons „Jenseits der Magie“ aus und weiß jetzt ein bisschen mehr über britische Schauspieler*innen, die Dreharbeiten zu Harry Potter und die schönen und weniger schönen Seiten von Los Angeles. Kann man gut lesen, sehr wholesome.

30.07.2024 – Klinik und Fluss

Heute geht es nach gemütlichem Morgen (Frühstück drinnen, auf dem Balkon ist es um diese Zeit zu heiß) wieder in die Klinik und wieder laufe ich ein Stück des Weges. Anders als gestern, hält sich die Wartezeit heute in Grenzen und findet außerdem auf solch stylischem Stuhl statt:

Heute erstmals Visite, ich bin als vierte Patientin dran (Männer und Frauen werden hier in unterschiedlichen Zimmern verarztet). Heute ist ein anderer Arzt am Start, außerdem die PJlerin von gestern und noch eine andere Dame. Gute Nachricht: Der Befund der Untersuchung von letzter Woche ist da und ich habe von den beiden zur Auswahl stehenden Krankheiten die weniger blöde Diagnose. Dann muss ich nochmal kurz warten, während mit dem Oberarzt Rücksprache gehalten wird (Vermutlich ist das der Arzt von gestern? Alles etwas unübersichtlich mit den vielen Menschen und die Webseite ist dazu nicht ganz aktuell.)

Dann darf ich ins Behandlungszimmer und die nette Dame von gestern lobt meine Durchführung der über-Nacht-Anwendung und geht dann selbst ans Werk und versorgt mich kompetent und zugewandt.

Nach der Behandlung ist für heute schon wieder Schluss und ich nutze die unverhofft freie Zeit, um bei den Ellis nach Post und Blumen zu sehen. Dabei nehme ich den langen, schönen Fußweg am Fluss entlang.

Etwa in der Mitte mache ich Pause unter einem Baum im Park, esse meinen mitgebrachten Bagel (heute selbst geschmiert). Die Stadt ist voller Tourist*innen, außerdem fallen mir unter den Brücken ganze Wohnlandschaften inkl. Sitzecken und Zelten auf. Ein anderes Phänomen sind viele Vans und Bullis, die abseits der Tourigebiete am Fluss stehen und in denen teilweise ganze Familien instatauglichen Urlaub zu machen scheinen. Van Life ist real (selbst in meinem Viertel sah ich gestern einen Bus-Urlauber mit Hund, der es sich neben seinem Gefährt in einem Klappstuhl gemütlich gemacht hatte, direkt auf dem Asphalt).

Nach dem Stop bei den Ellis nehme ich dann U-Bahn und Tram nach Hause und falle völlig erschöpft auf die Couch – Zeit für Mittagsschlaf! Als ich wieder erwache fühle ich mich müde und matschig und sage den heutigen Yoga-Termin an. Stattdessen gibt es Telefonate mit dem Liebsten, den Rest Pasta von gestern und als Abendunterhaltung passend zum US-Wahlkampf Man of the Year aus dem DVD-Regal. Dann wieder Über-Nacht-Abwendung vorbereiten und ab ins Bett.

Empfehlenswert:

  • Bekannte von mir sind gerade mit ihren vier Kindern im Urlaub auf RV-Tour durch US-Nationalparks und bloggen beeindruckend darüber
  • Die Daily Show von Montag hatte einen großartigen Monologue von Jon Stewart, der die wichtigste Woche der jüngeren US-Geschichte verpasst hat und dann ein tolles Interview mit Pete Buttigieg

29.07.2024 – Laufen, Sitzen, Warten

Nach unruhiger Nacht (anhängliche Katzen, Gedankenkarussell) klingelt der Wecker schon halb 7, damit ich den Tag gemütlich beginnen kann und trotzdem rechtzeitig aus dem Haus komme. Ich lese und blogge im Bett, dann werden die Katzen, die Pflanzen und ich gefüttert bzw. getränkt, bevor ich meinen Kram für den Tag zusammenpacke und losgehe. Im Laufen telefoniere ich mit dem Liebsten, dabei fällt mir auf, dass ich vergessen habe, mir Stullen zu schmieren. Also auch noch Proviant einkaufen unterwegs. Kurz vor 9 stehe ich dann bei der Krankenkasse und warte auf Einlass, zwei nach 9 habe ich einen Stempel auf meiner Verordnung und laufe weiter zur Tram, die mich in die Klinik bringt.

9:40 bin ich nach einigem Suchen bei der richtigen Anmeldung und ziehe eine Wartenummer, die aber falsch ist, wie sich herausstellt, als ich nach 20 Minuten aufgerufen werde – Tagesklinik ist also nicht ambulant, sondern stationär. Hätte ich das selbst am Automaten ausgewählt, hätte ich das auch gesehen, da wird es nämlich explizit so aufgeführt. Leider hat mir ein Mitarbeiter der Charité schon nach ambulant oder stationär gefragt, bevor ich überhaupt am Display war und dann für mich gedrückt (und dem Herrn vor mir extra noch erklärt, dass ambulant wäre, wenn man nicht demnächst eine OP hätte). Ich ziehe dann jedenfalls nochmal eine Nummer und warte dann über eine Stunde, dass diese aufgerufen wird.

Nach einer Weile hole ich meine Kopfhörer hervor und nutze die Zeit für Sorbisch-Norwegisch-Italienisch. Die Aufnahme selbst geht dann recht schnell und ich kann mich mit meiner Patient(innen?)akte auf die Suche nach meinem Bestimmungsort machen. Spoiler: Er ist nicht dort, wo ich letzte Woche war und dann auch noch nicht dort, wo ich als nächstes denke, dass er ist. Beim dritten Versuch bin ich richtig und habe noch 10 Minuten bis zu meinem Termin zu überbrücken. Ich werde in den Wartebereich geschickt, nehme mir dort einen Kaffee (es gibt auch Tee und Wasser) und esse etwas von meiner Laugenstange mit Käse – das Frühstück ist schon über vier Stunden her.

Dann heißt es wieder warten. Ich lese, mache Kreuzworträtsel, bin froh, dass es hier WLAN gibt… Irgendwann werde ich zur Arztaufnahme gerufen. Eine PJlerin misst meinen Blutdruck und erfasst nochmal Daten, dann kommen die Assistenzärtin von letzter Woche und ein anderer Facharzt von letzter Woche dazu, der bekommt berichtet und darf auf nochmal gucken. Ich bekomme nochmal erklärt, was in dieser Woche alles passieren soll, dann werde ich zurück in den Wartebereich geschickt.

Wieder sitze ich etwa eine Stunde herum, dann werde ich ins nächste Zimmer gerufen, wo die Assistenzärztin und eine weitere Dame vom medizinischen Personal warten. Es wird nochmal geguckt, dann eine Anwendung ausgewählt, mir erklärt und für Zuhause mitgegeben. Wiederherstellung morgen, die Befunde von letzter Woche sind auch noch nicht da. Völlig verdattert stehe ich also kurz nach 14 Uhr schon wieder draußen und mache mich dann mit einem Umweg über die Drogerie auf den Heimweg.

Kurz nach 3 bin ich zuhause und setze mich mit dem Rest Laugenstange, eisgekühlter Limo, Buch und Katzen auf den schattigen Balkon, bis mir die Augen zufallen. Dann erstmal ausgiebiger Mittagsschlaf, bis der Mitbewohner nach Hause kommt. Wir besprechen ein bisschen seine Umzugsmodalitäten und sortieren Küchenkram auseinander. Dann kommt der Lieblingsnachbar vorbei und leiht mir einen Router, mit dem wir die nächsten Wochen internetmäßig überbrücken können, sobald die Datenkarte vom Provider eingetroffen ist (bisher nicht, dabei sollte sie spätestens heute kommen).

Dann bin ich ausreichend munter für noch ein wenig Aktivität – ich imprägniere meine Regenjacke neu, siebe die Katzenklos durch und retourniere die nun nicht mehr gebrauchten Geräte über die Packstation an den Provider. Dann koche ich mir Abendbrot und telefoniere nebenbei mit meinem Bruder. Das Gericht ist inspiriert von Rachels Kolumne über Pasta alla Nerano, die es auch gerade bei den Kaltmamsells zu essen gab. Ich habe allerdings nur zwei Sorten Käse und nehme es auch mit den verschiedenen Zubereitungsschritten nicht so genau, trotzdem sehr lecker.

Die Abendunterhaltung kommt anlässlich der eingeschränkten Internetsituation aus dem DVD-Regal. In Vorbereitung auf Norwegen schaue ich seit langem mal wieder Elling, der relativ gut gealtert ist. Gegen halb 11 ist der Film vorbei, ich telefoniere nochmal mit dem Liebsten und bereite dann meine Anwendung für die Nacht vor. Kurz darauf ist das Licht aus und ich schlafe schnell tief und fest.

28.07.2024 – Südberlin und Strand

Das Thema mit dem Im-Bett-Liegen-Bleiben drehen wir heute nochmal auf 11. Allerdings fange ich schon kurz vor 5 an, als ich aufwache und erstmal nicht mehr einschlafen kann – irgendwas zwischen zwei und drei Stunden wälze ich mich hin und her, lese sehr viel, lasse die Augen zufallen und bin dann wieder wach. Der Liebste lässt sich zum Glück nicht stören. Irgendwann schlafe ich doch nochmal an, bis kurz nach 10. Dann ist die Nacht endgültig vorbei und kurz danach wacht auch der Liebste auf und macht Kaffee und O-Saft.

Dann alles wie gestern, nur dass wir diesmal bis nach 14 Uhr im Bett bleiben (draußen eh Regen und Gewitter) und dann direkt Brunchen. Kurz nach 15 Uhr sind wir auch schon bereit für den Tag und verlassen das Haus Richtung Strand an der Spree. Dank Stadtbahnsperrung dauert das etwas länger als gedacht, aber irgendwann sind wir da. Wir rücken uns zwei Liegestühle zurecht, holen uns zwei Getränke und sitzen dann einfach im Sand, lauschen der Musik, genießen die Sonne und fühlen uns instantan wie im Urlaub. Selbst die verschiedenen Sorgen, die mich seit kurz vor 5 beschäftigt haben, machen mal kurz Pause.

Wir gucken in die Wolken, erzählen ein wenig, lassen die Gedanken schweifen und freuen uns des Mini-Urlaubs. Das machen wir definitiv demnächst nochmal! Als ich hungrig werde, hole ich mir etwas zum frühen Abendbrot – Potato Twisters, Kochbananen, Gemüsereis, Bohnen, Süßkartoffeln. Leider ist die versprochene Cassava gerade nicht vorrätig, aber wir wollen ja eh bald wiederkommen.

Nach dem Essen und einer zweiten Runde Getränke brechen wir kurz nach 19 Uhr wieder auf. Am Ostkreuz trennen sich unsere Wege. Der Liebste fährt zurück in den Süden, ich in den Norden, wo mich die Katzen erwarten. Ich beziehe noch fix das Bett neu und lege mich in die Badewanne und wasche mir ganz vorsichtig die vernarbenden Wunden – scheint alles gut zu gehen.

Dann liege ich gegen halb 10 im Bett und lese bis kurz nach Mitternacht Die Frau die den Himmel eroberte zu Ende. Ich bleibe dabei, historisch sehr spannend, literarisch leider nicht ganz meins. Hinterher bin ich immer noch nicht richtig müde, obwohl morgen der Wecker früh klingeln wird. Ich fange ein neues Buch in der Onleihe an, bin aber immer noch aufgedreht. Also doch wieder eine Tablette zum Einschlafen (Dafür komme ich wieder ohne Schmerztablette aus, yay!) und dann klappt es einigermaßen…

27.07.2024 – Südberlin und Peru

Die Morgen an denen weder die Anwesenheit von Katzen im Bett oder dem Teilzeitkind im Nebenzimmer (längst vorbei die Zeiten, als es allnächtlich und dann allmorgendlich zu uns krabbelte) suggerieren, dass es Verpflichtungen außerhalb des Bettes gäbe, die kosten wir aus. So auch heute – Kaffee, O-Saft, Internet, Wir. Das lässt sich stundenlang aushalten. Irgendwann schälen wir uns dann aber doch aus den Laken, weil noch ein paar To Do‘s anstehen.

Erst pumpen wir die Luftmatratze auf, die wir fürs Zelten gekauft haben (geht), dann gehen wir nochmal los in die Stadt, weitere Ausrüstung kaufen – aber nicht, bevor ich nicht ein paar Salzstangen gegen hangriness geknabbert habe. Wir arbeiten uns durch zwei Läden und holen auf dem Heimweg noch Tabouleh vom Markt, dann ist es endlich Zeit fürs Brunchen.

Hinterher kümmere ich mich um meine Sprachkurse und halte einen ausgedehnten Mittagsschlaf, während der Liebste zockt und unverhofft zu einem Streamer ins Team gelost wird – „Ich war grad im Fernsehen!“. Am frühen Abend dann fahren wir nochmal los, heute gehen wir mal woanders essen als beim sommerpausierenden Stammitaliener. Ich habe ein peruanisches Restaurant ausgesucht, leider nicht das von vor fast genau zehn Jahren, das war ausgebucht, aber dafür eins, dass auch mexikanische, argentinische und spanische Speisen anbietet, so dass der Liebste auf jeden Fall etwas finden wird.

Erstmal gibt es einen Pisco sour als Aperitif, so gestärkt brüten wir über den Speisekarten. Ich bleibe rein peruanisch, mit dem vor zehn Jahren als gut befundenen Rinderherz – hier nicht gegrillt, sondern in der Pfanne brutzelnd und mit Kartoffeln und Dips -, der Liebste entscheidet sich erstmal für einen Tapas-Teller.

Zum Hauptgang gibt es dann eine weitere Runde peruanische Getränke – ein Bier aus Cusco für den Liebsten und eine Chicha morada für mich, dazu für den Liebsten Lomo saltado und für mich Ceviche de pescado, u. a. mit Riesenmais. Alles ist unglaublich lecker!

Anders als in dem Restaurant von vor zehn Jahren ist die Dessertkarte nicht so überzeugend, aber wir sind auch eh satt und laufen durch Sommerregen nach Hause. Kurz überlegen wir noch, auf dem Heimweg ins Kino zu gehen, aber dann ist der Couch-Magnet doch zu stark. Wir suchen uns einen Klassiker aus und gucken die 1993er Disney-Version von Die drei Musketiere, auf Deutsch, weil wir den damals beide auf Deutsch gesehen haben und der Liebste auch heute noch vieles mitsprechen kann. Mit Bryan Adams, Sting und Rod Stewart im Ohr gehe ich dann mit Buch ins Bett, während der Liebste nochmal am Rechner aufdreht.

26.07.2024 – Erledidings und Vorbereitungen

Mal wieder gut geschlafen zur Abwechslung, aktuell brauche ich die Schmerztablette am Abend vor allem für die beiden Nähte, bzw. die Fäden darin, die ziepen (und für die Gesamtsituation, wegen der sie notwendig wurden), der Zusammenstoß mit der Parkbankstraße ist überstanden. Ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten vor seinem ersten Meeting, dann gemütliches Herumsandeln im Bett. Internet leer lesen, Bloggen, Frühstück machen.

Apfel, Pfirsich, Aprikose, Pflaume, Chai, Müsli mit Hafermilch, Blutorangensaft

Beim Essen Sorbisch, Norwegisch und Italienisch, danach Podcast hörend eine Runde Handyspiel und dann raffe ich mich auf. Die Katzenklos sind mal wieder dran, dann Duschen und mentale Kräfte sammeln für das Telefonat mit dem Internetprovider, denn natürlich hat sich noch immer niemand gemeldet. Diesmal aber habe ich anscheinend eine noch kompetentere Person am Apparat, die das Problem mit dem Vertrag löst und eine zufriedenstellende Lösung für die Zwischenzeit findet. Bekommt hinterher eine gute Bewertung von mir und diesmal dauert es auch nur eine halbe Stunde. Ich berichte dem Mitbewohner die frohe Kunde und mache dann weiter mit den Erledigungen.

Die Änderungsschneiderei hat leider Urlaub, so dass ich unverrichteter Dinge wieder abziehe, dafür ist die Schlange an der Post erfreulich leer und ich kann endlich mal ein lange vorgenommenes Briefchen versenden. Wieder zuhause gibt es den Rest Pappardelle al castello und dann einen leicht komatösen Mittagsschlaf aus dem ich nur langsam wieder herausfinde. Dann Pflanzen gießen und Packen fürs Wochenende. Mit Tram und U-Bahn geht es erst zu den Ellis, nach Blumen und Post gucken, dann mit Bus und S-Bahn weiter zum Liebsten.

Ich ruhe mich kurz aus und blättere durch das Klassenabschiedsbuch des Teilzeitkinds – auch 2024 gibt es noch Leute die Gelb auf Weiß für Überschriften für eine gute Idee halten. Als ich mich akklimatisiert habe, gehen wir raus vor das Haus und bauen unser neues Zelt zum ersten Mal auf – gucken wie es funktioniert, ob alles da und heil ist, und dann gleich mal imprägnieren gegen norwegischen Sommerregen.

Wenn es ernst wird, spannen wir noch besser ab

Das Zelt ist riesig – das Teilzeitkind wird drin stehen können – hat aber zur Schlafkabine auch ein Vorzelt, dass bei schlechtem Wetter als Aufenthaltsraum dienen kann. Der Aufbaumechanismus ist anders als bei allen Zelten, die ich vorher so aufgebaut habe. Hoffentlich kriegen wir da schnell Routine rein, sonst plädiere ich für möglichst wenige Zelt-Standorte und gerade bei schlechtem Wetter für Hüttenübernachtungen. Nach dem Abbau geht der Liebste noch kurz notwendiges einkaufen, dann gibt es Abendbrot und die Eröffnung der Olympischen Spiele (zeitversetzt, weil alles länger gedauert hat mit dem Zelt).

Halloumi, vegane Cevapcici, Bulgursalat, Zaziki, Oliven

Die fast vierstündige Show ist beeindruckend und die meiste Zeit über unterhaltsam, am Ende dann doch ganz schön länglich. Unsere Kommentare haben viel mit der „Rückkehr des Königs“ zu tun, den meisten Spaß haben wir relativ am Anfang an den Referenzen auf die französische Revolution – Guillotine, kopflose Marie-Antoinette, das Haus spritzt Blut! Als wir mit Gucken fertig sind, ist es nach Mitternacht und ich gehe mit Buch ins Bett, während der Liebste noch „echten Sport“ nachgucken muss – irgendwo ist immer ein PUBG-Turnier…

25.07.2024 – Arztbesuch 4/4

Das wird heute der vierte Tag diese Woche mit der vierten Arztpraxis. Zum Glück aber erst mittags, vorher kann ich mich ausgedehnt der morgendlichen Muße widmen – inkl. dem Newsjunkietum Rechnung tragen und die gestrige Rede von Joe Biden aus dem Oval Office nachgucken. Gut, die USA scheinen gerade ohne meine Hilfe klar zu kommen. Dann kann ich mich ja wieder dem alltäglichen Kleinkram widmen, was?

Frühstück auf dem Balkon mit drei Vertretern aus der Prunus-Familie

Kurz nach 12 breche ich dann auf – erst noch Besorgungen im Drogeriemarkt machen und dann weiter zur Zahnärztin. Traditionell kümmere ich mich seit einigen Jahren immer im Sommer vor dem Urlaub um die jährlichen Vorsorgetermine – Gynäkologin ist in zwei Wochen dran, Zahnärztin heute. Während der Zahnreinigung (jetzt neu im Massagesessel!) wird nur minimal geschimpft, aber ich muss nochmal wiederkommen, um eine Stelle kontrollieren zu lassen und evtl. eine Füllung nachzubessern. Nun denn.

Danach laufe ich weiter zu meinem Bruder, der nur eine Straßenbahnstation weiter wohnt – unterwegs nochmal Drogerie für Zahnpflegeprodukte. Dann geht es die vielen, vielen Treppen hoch in den fünften Stock (Altbau!). Erstmal alles abwerfen und in den Sessel setzen, wieder zu Atem kommen und mit dem Atem die schmerzenden Beine veratmen. Dann gibt es (die halbe Stunde nach Fluoridisierung ist gerade rum) eine kalte Cola aus dem Kühlschrank und vegetarische Gemüsebällchen zum Mittag.

Wir haben ein bisschen was gemeinsam zu arbeiten und beschäftigen uns dann den Rest des Nachmittags mit individuellen Erledigungen. Ich absolviere mein Pensum in Sorbisch, Norwegisch und Italienisch, bringe mein Haushaltsbuch auf den neusten Stand kümmere mich um notwendige Korrespondenz. Dann noch ein bisschen Chillen und schon ist es Zeit, wieder loszuziehen. Wir treffen die Freundin des Bruders auf dem Heimweg von der Arbeit im indischen Restaurant um die Ecke.

Mango-Guaven-Ananas-Litschi-Saft
Gemischte Pakoras als Vorspeise
Okra-Curry, Raita, Bhatura und Reis

Es gibt viel zu erzählen und da das Service-Personal nach Indian Standard Time arbeitet, gibt es dafür auch viel Zeit. Zwischen Abräumen und Bezahlen liegen zum Beispiel fast 40 Minuten. Das Essen ist aber sehr gut. Nächste Station ist der Keller der Beiden, wo ich weitere Ausrüstung für unseren anstehenden Camping-Trip mitnehme – so langsam haben wir fast alles beisammen. Dann laufen die Zwei hoch in den 5. Stock und ich zur Tram.

Zuhause noch Katzen versorgen, mit dem Liebsten telefonieren, elektronische Unterhaltungsmedien und dann irgendwann beim Lesen einschlafen.