Ohne Wecker bis nach 8 geschlafen, aber wohl auch, weil nachts ein wenig wachliegen war. Macht aber nichts, ab jetzt ist eh Adrenalin. Ich lasse mir Zeit mit dem morgendlichen Rumlümmeln im Bett (inklusive Frühstück aus Restequark, Restemoltebeerenmarmelade, Resteapfel und Restetrauben), aber kurz nach halb 11 geht dann der Tag doch endgültig los. Den Rest des „Vormittags“ verbringe ich mit Katzenklo erneuern, Müll wegbringen, Staubsaugen und ein wenig Putzen. Dann fahre ich nochmal zu den Ellis in die Wohnung und schaue, ob ich ihnen Post mitbringen kann – ist aber nichts Wichtiges da.
Auf dem Heimweg dann noch einmal in den Drogeriemarkt – es fällt einer ja doch immer noch etwas ein – und dann zum Mittagessen auf die Couch. Stulle mit Butter und Geitost, wonach die Reste von Butter und Geitost in den Gefrierschrank wandern. Ich erledige ein letztes bisschen Post (die Umständlichkeit deutscher Behörden: Ich bekomme eine E-Mail, dass ich eine Nachricht im Postfach habe, in der Nachricht dann halbe Informationen mit Verweis auf einen Brief, der Brief kommt am nächsten Tag an und antworten kann ich auch nur per Brief).
Irgendwann raffe ich mich auf und beginne zu packen. Der längste Auslandsaufenthalt seit 19 Jahren steht an, das rechtfertigt den größten verfügbaren Koffer, auch wenn ich die meiste Zeit über eine Waschmaschine zur Verfügung haben werde – ich brauche Klamotten von Sommer über Herbst, lasse aber den Wintermantel aus Erfahrung und Platzmangel doch zuhause. Kurz nachdem ich fertig bin kommt der Liebste an und bekommt nochmal eine mündliche Einweisung ins Katzensitting.
Danach gehen wir spazieren und landen schließlich am reservierten sardischen Restauranttisch.
Campari Soda im Aperol Spritz GlasAntipastiRavioli mit Ricotta-Safran-Orangen-Minze-Füllung und Tomatensauce, Pizza mit Salsiccia und SchafskäseSeadas, dazu Mirto
Wir schlemmen und erzählen und in einer der Wartezeiten gucke ich nach, was denn demnächst in Toronto für Konzerte stattfinden. Nachdem ich Hanson ja vor drei Wochen in Oslo knapp verpasst habe, kann ich sie jetzt in Toronto sehen. Ich kaufe direkt ein Ticket, da schließt sich dann auch ein zweiter schöner Kreis, denn das erste und bisher einzige Mal, dass ich sie live gesehen habe, war auch in Toronto, vor 19 Jahren. Damals reine Neugier und aus Prinzip, weil ich in den 90ern Fan war. Das Konzert war dann so gut, dass ich wieder Fan wurde und blieb. Und: Die Tour ist die Jubiläumstour zu dem Album, mit dem sie damals auf Tour waren. Eine schöne runde Sache also.
Nach dem Essen spazieren wir nach Hause und gehen dann so ziemlich sofort ins Bett, halb 11 geht das Licht aus – optimistische acht Stunden vor dem Weckerklingeln.
Aufgewacht und schon wieder gedacht, ich läge mitten in der Nacht wach – es ist auch noch ziemlich dunkel, aber der Berufsverkehr scheint angefangen zu haben. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass der Wecker gleich klingelt. Nun denn. Ich habe nämlich heute zu unchristlicher Zeit noch einen Arzttermin, der letzte, der noch möglich war, bevor ich diesem Land wieder entschwinde. Erstmal jedoch verschaffe ich mir einen kurzen Überblick über die nächtliche TV-Debatte zwischen Harris und Trump. Die Tagesschau faselt etwas von einem Duell auf Augenhöhe, das beunruhigt mich, aber alle anderen Medien und vor allem auch die sozialen sehen Harris klar vorne. OK, damit kann ich in den Tag starten.
Ich nehme Tram und Tram in die Praxis und telefoniere auf dem Weg mit dem Liebsten, der auch noch im Bett liegt. In der Tram beginne ich zu bloggen. Ich bin 15 Minuten vor dem Termin da und sitze bloggend im Wartezimmer, als die beste Freundin ankommt. Heute soll ich nicht zu ihr in die Sprechstunde, sondern nur zum Blut abnehmen. Trotzdem nimmt sie mich noch für ein paar Minuten in ihr Zimmer mit, während sie sich vor dem ersten Patiententermin umzieht und den Rechner hochfährt. Wir erzählen uns kurz unsere Urlaube und verabreden uns dann für wenn ich aus Kanada zurück bin (an Tag 1 habe ich sowieso einen Termin bei ihr, aber für Woche 3 machen wir dann jetzt auch noch privat was aus).
Dann geht es zum Blut abnehmen. Ich halte erst den muskelgezerrten und impfgeschwollenen Arm hin, der gefällt der diensthabenden Dame aber nicht so gut und sie entscheidet sich für den anderen, wo die Vene besser sichtbar ist. Leider durchsticht sie dieSe aber dann gleich doppelt, so dass das Blut nicht in die Ampulle, sondern ins Gewebe drumherum fließt. Sie entschuldigt sich und verbindet den Arm, dann holt sie die beste Freundin dazu, die innerhalb von einer halben Minute professionell die Vene im wehen Arm anzapft und verbindet. Ich bin dankbar und stolz und laufe mit zwei verbundenen Armen wieder raus (der Nichtwehe wird im Laufe des Tages tieflila-blau rund um die Armbeuge, es sieht gruselig aus).
Dann wieder mit Tram und Tram nach Hause und beim Umsteigen Einkäufe im Drogeriemarkt, zuhause dann Frühstück. Das Resteessenprogramm geht weiter. Restebananen und Resteeier werden mit Restehaferflocken zu Banana Pancakes, dazu Restefeige, ein paar Weintrauben, Ahornsirup und Chai. Schön herbstlich alles und passend zu Kanada. Mir fällt ein, dass ich genau zu Herbstbeginn quasi nach Neuengland (genauer Neuschottland) fahre und sofort fühle ich mich der Internetsubkultur zugehörig, die jetzt nach Pumpkin Spice Latte, Apfelpflücken und Gilmore-Girls-Rewatch verlangt.
Die neue Pfanne ist toll, die ungrazilen Pancakes liegen am Teig
Zum und nach dem Frühstück schaue ich mir dann die komplette Debatte an, inklusive Nachbereitung bei Stewart und Colbert und einigen anderen Analysen. Alles dazu wurde schon von irgendwem gesagt, aber ich musste wirklich laut lachen bei „this…. former President“. Klar, dass es mehr Spaß macht, sich damit zu beschäftigen als mit der unsäglichen Migrationsdebatte hierzulande.
Später dann bastle ich aus Restekartoffeln, Restegurke und Resteapfel einen Kartoffelsalat und lasse ihn durchziehen. Dann schreibe ich ein Katzensitting-Manual zusammen für den Nachbarsjungen (und ein bisschen für den Liebsten, der zwar oft dabei war, aber noch nie alleine verantwortlich), kläre letzte Dinge mit dem Reisebüro, schreibe dem Liebsten zwei Vollmachten, telefoniere nochmal mit der Hausverwaltung wegen des Schimmels (Zuständigkeitenpingpong zwischen Vermieterfirma, Verwaltungsfirma und Handwerkerbetrieb, immer noch)…
Nach dem späten Mittagessen gehe ich nochmal nach draußen, diesmal zum Copyshop, und drucke allerlei Dinge aus. Danach habe ich mir ein Nachmittagsschläfchen verdient und weil die Katzen dabei beide auf mir liegen, tut mir danach erstens die Seite weh und zweitens muss ich noch viel länger liegen bleiben, bis ich die beiden irgendwann dazu kriege, sich wieder zu bewegen, damit ich aufs Klo gehen kann. Früher hielt ich es für einen Witz, dass alte Menschen manchmal unter Katzen sterben, wenn diese ihnen auf der Brust liegen, inzwischen verstehe ich das Problem – zumal wenn es zwei sind.
Am Abend kommen dann der Nachbarsjunge samt Papa vorbei und wir üben nochmal Katzenfüttern und Katzenklo durchsieben. Außerdem bekommen sie einen Schlüssel und wir machen eine WhatsApp-Gruppe auf, es ist ja schließlich 2024. Als die beiden weg sind, esse ich noch ein wenig Stulle (mehr Restevertilgung), telefoniere ausführlich mit dem Liebsten, reserviere uns für morgen einen Tisch und hänge dann noch eine Weile im Internet fest, bevor ich es gegen Mitternacht Richtung Bett schaffe.
So, die heißen Tage sind vorbei, ab jetzt fast norwegische Verhältnisse in Berlin, nur wärmer und mit weniger Regen, wa? Mich weckt heute der Wecker, denn ich habe etwas vor am Vormittag. Erstmal jedoch ausführliche Morgenroutine im Bett und dann Frühstück (Müsli) in ebendiesem. Dann packe ich ein paar Dinge zusammen, denke länger als sonst über meine Kleidung nach (das Wetter, der Anlass) und fahre mit Tram und U-Bahn zum… Büro. Völlig ungewohnt nach den letzten Monaten, ich werde mich aber auch auf absehbare Zeit nicht mehr daran gewöhnen müssen.
Ich werde freudig und teils überrascht begrüßt, mache eine ausführliche Runde und spreche mit allen, die da sind. Es gibt viele Umarmungen und gute Wünsche. Heute sind Gäste da, aus Paris und London, und es gibt sehr viel „Oh hi!!!! And… bye, I guess?“. Mit einer Pariser Kollegin setze ich mich in den Meetingraum, gebe ihr meinen Laptop und meine Zugangskarten und bespreche Bürokratisches. Dann bin ich noch als Gästin zu einem letzten Meeting geladen und kann sehen, dass es doch auch ganz wirklich ohne mich weitergeht. Dann kann ich ja beruhigt gehen, letzte Umarmungen einheimsen und dann die Tür und dieses Kapitel nach 14 (in Worten: vierzehn!) Jahren hinter mir schließen.
Zufällig hat mein Bruder gerade gleich um die Ecke zu tun, also treffen wir uns auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen, das ist der Situation wohl angemessen.
Wir schwatzen eine gute halbe Stunde, dann fährt er weiter zu einem Termin und ich zum Alex. Die letzten Tage haben gezeigt: Ich brauche eine neue Bratpfanne. Die damals vom Hasen da gelassene tut‘s nicht mehr, die, die ich vorher hatte, ist schon lange nicht mehr da und der Ex-Mitbewohner hat seine natürlich auch mitgenommen. Ich laufe also durchs Kaufhaus (dieser Standort bleibt erhalten und ist schon rebranded, die tolle Lebensmittelabteilung leider ganz schön dezimiert und ohne außergewöhnliche Südfrüchte) und gucke mir diverse Pfannen an. Nach Herstellern sortiert, ein merkwürdiges System. Ich werde trotzdem fündig und habe dann eine hochwertige Pfanne samt Deckel für einen okayen Preis, geht doch.
Mit Pfanne im Rucksack fahre ich nach Hause und lege mich zum Veratmen des Vormittags erstmal auf die Couch. Jetzt nach vorne gucken, es gibt Dinge zu organisieren und zu planen. Fortschritte bei der Reisebuchung, eine überraschend erfreuliche Mail vom Internetprovider mit ausführlicher Entschuldigung, Umsetzung meiner Forderungen und Gutschriften für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Bleibt also nur noch die Baustelle mit dem Schimmel, aber da telefoniere ich morgen hinterher.
Zum späten Mittagessen gibt es Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl, dazu höre ich weiter Podcasts und lese mich durchs Internet. Am frühen Abend dann los zum Yoga, schon wieder nach vielen Wochen Pause. Heute gibt es eine an meinen Arm angepasste Variante und das geht dann erstaunlich gut. Keine Planks und Hunde für mich und einiges anderes muss auch abgewandelt werden. Hinterher schaut sich die Yogalehrerin, die ja auch meine Physiotherapeutin ist, noch ausführlich meinen Arm an und bestätigt meine Laiinnenmeinung, dass da höchstwahrscheinlich nur ein oder mehrere Muskeln gezerrt sind.
Auf dem Heimweg kaufe ich noch einen letzten Liter Hafermilch von dem Urlaub und mache über 12.000 Schritte heute voll. Zuhause dann Schnittchenteller (Girl Dinner? und Restewein in der Badewanne, bevor es nicht zu spät ins Bett geht. Da der Wecker morgen noch früher klingelt, bleibe ich nicht bis zur Debate wach.
Die letzte der heißen Nächte, immer noch mit Arm und Katzen und langem Wachliegen zwischendurch. Aufgewacht vom Anruf des Liebsten, der ja nicht wissen kann, dass ich erst vor kurzem wieder eingeschlafen bin. Da sind es im Zimmer noch 27 Grad, draußen aber deutlich weniger. Dazu Regen wie in Norwegen, nur nicht so doll. Fahren wir also wieder dieses Programm, was? Aus dem Bett zu kommen dauert eine Weile, dann gibt es der Situation angemessenes Frühstück – Reste und Herbstliches allüberall, dazu Wasser, weil es mir für heiße Getränke noch zu warm ist.
Rührei von gestern, sehr reife Avocado, Brot mit vom Besuch übriggebliebenem Frischkäse, vom Besuch übriggebliebene Trauben, ausgeschnittene Fallobstbirne aus dem Innenhof
Nach dem Essen die nächste Waschmaschine – inkl. zweier in Norwegen arg eingesauter Paar Schuhe, in der Hoffnung, dass sie bis Kanada trocken werden. Ich hätte das an den heißen Tagen machen sollen, statt jetzt. Aber ein paar Tage sind ja noch. Dann setze ich mich für einige Stunden an den Schreibtisch, mache Buchhaltung und gucke Tutorials zur Bedienung eines MacBooks. Ich habe zwar seit über zehn Jahren eines, habe das aber bisher vor allem zum Surfen, Streamen, Schreiben benutzt. Ab morgen wird es mein einziger Laptop sein, ohne Windows-Gerät als Backup, ich muss mich noch ein wenig einleben.
Außerdem suche ich meinen Impfausweis und bin völlig überfordert, als ich ihn nicht finde. Vor meinem geistigen Auge liegt er immer sehr prominent herum, in seiner schicken Impfausweishülle mit Wal-Schutzumschlag, den er seit der Pandemie hat. Jetzt gerade ist er unauffindbar, wahrscheinlich irgendwo zwischen Dinge gerutscht. Aber nach Kanada wollte ich ja eh mal in Ruhe ausmisten.
Also geht es dann ohne Impfausweis los in den Westen – Impftermine finden ist ja wieder fast so abenteuerlich wie ganz am Anfang. Ich fahre mit Tram und S-Bahn zum Zoo, treffe dort völlig überraschend eine ehemalige Kollegin, die gerade auf dem Weg ins Kino ist, und laufe dann den Ku‘damm hinunter bis zu einer Apotheke, bei der man online Termine buchen konnte. Komische Gegend hier, dit is nich MEIN Balin. Der fehlende Ausweis ist kein Problem. Ich fülle den Anamnesebogen aus und gebe erstmals eine chronische Erkrankung mit Immunsuppression an – ab jetzt also auch ganz offiziell und nicht nur gefühlt Risikogruppe! Beim Ausfüllen der früheren Impftermine komme ich durcheinander. Vor 1-2 Jahren konnte ich die noch auswendig, aber die Zeit nimmt alles mit.
Erst- und Zweitimpfung im Mai und Juni, das war 2021, bewaffnet mit Wahlhelfendenbeleg, in einer Arztpraxis in Spandau. Dann im November der Booster im Einkaufszentrum um die Ecke, mit elendlanger Schlange, nachdem in Berlin ein Booster schon nach fünf Monaten freigegeben wurde. Der nächste, mit angepasstem Omicron-Impfstoff, dann schon im März, dann schon ohne langes Anstehen, aber in einem Einkaufszentrum in Neukölln. Kurz darauf die erste, heftige Infektion und die monatelange Rekonvaleszenz. Im Herbst dann wieder einen Booster aus dem Einkaufszentrum, kurz bevor da zugemacht wurde, weil die Hausärztin der Meinung war, vier würden reichen. Dann im nächsten März Infektion Nummer 2, nachdem ich mich gerade wieder auf mein Fitnessniveau von vorher berappelt hatte.
Letzten Herbst dann Doppel-Impf mit Grippe, die Apothekerin verliert kein Wort darüber, wie viele COVID-Shots ich schon habe. Dieses Jahr warte ich nicht bis zum Doppel-Impf, erstens wegen angepasstem Wirkstoff, zweitens wegen anstehendem Auslandsaufenthalt, drittens wegen neuer Immunsupression und viertens wegen der Welle um mich herum. Also jetzt COVID und dann im Spätherbst Grippe. Wenigstens hat der ewige Armschmerz dann jetzt auch noch einen Sinn und konzentriert sich plötzlich auf die Einstichstelle.
Auf dem Heimweg kehre ich in mehreren Zeitungsläden ein und suche die Sudoku-Heftchen für meine Mama. Am Hauptbahnhof mehr Glück als am Zoo und soviel, dass ich am Alex gar nicht mehr gucken muss. Überlege, ob ich for shits and giggles noch ein Heft Stufe 14-15 zwischen die mit 10-12 lege, lasse es dann aber. Wusste gar nicht, dass das so eine Wissenschaft ist.
Wieder zuhause dann spätes Mittagessen – nochmal Reste vom Besuch, indisches Hähnchen mit Paprika aus dem Restaurant mitgebracht am ersten Abend. Schmeckt immer noch sehr gut und reicht völlig aus, um meinen Magen zu füllen. Später gibt es dann noch ein Überraschungsei, das sie mir als Überraschung im Kühlschrank hinterlassen haben, an Vanilleeis mit heißen Himbeeren.
Ansonsten soll man sich ja nach der Impfung schonen, ich verbringe also den Abend auf dem Sofa und gucke mich durch meine DVD-Sammlung (Salmon Fishing in the Yemen und Once) und gehe dann einigermaßen früh ins Bett.
Puh, um 3 im Bett nach zwei Cidern und zwei Mexikanern, plus Hitze, Liebsten, zwei Katzen und wehem Arm… Macht wieder ein Kreuzchen auf der Schlechte-Nächte-Liste. Zum Glück gabs zwischendrin eine gute, sonst wäre ich mittlerweile wohl ein Zombie. Sehr gut hingegen danach das lange im Bett Herumlungern mit dem Liebsten, dazu sind wir schon seit langem nicht mehr gekommen, trotz Urlaub neulich. Irgendwann gegen Mittag treibt dann der Hunger aus den Federn – sogar mehr meiner als der der Katzen – und es gibt ein gutes Sonntagsfrühstück.
Dann nochmal zurück ins Bett, man soll die Aktivitäten nach einer Party ja nicht übertreiben. Das nächste Raustreiben kommt dann von des Liebsten Allergie und statt einer weiteren Tablette mit Nebenwirkungen für nur wenige Stunden gehen wir halt stattdessen ins heiße Draußen und schleppen uns bis zum Eisladen.
Nochmal die geröstete Kokosnuss, dazu Blaubeer-Weiße-Schokolade
Wir hocken uns in den Schatten und schlecken, dann bringe ich den Liebsten zur S-Bahn (Zwischenstopp am Späti für kalte Apfelschorle, inkl. Spontanbegegnung mit einem meiner ehemaligen Chefs, der mit seiner Frau in der Straße mit dem Späti wohnt. Wir treffen uns alle paar Monate mal beim Späti, im Supermarkt oder beim Haustierbedarf. Von der Bahn schleiche ich wieder nach Hause und lege mich erstmal auf die Couch und mache Organisatorisches. Nochmal mit dem Buchungssystem rumprobieren und eine weitere Mail ans Reisebüro schreiben, Behördenkram erledigen…
Dann bin ich soweit wieder hergestellt, dass ich ein bisschen Haushaltskram machen kann (Katzenklo, aufräumen, Geschirrspüler, Pflanzen gießen), aber für Saugen und Wischen ist es zu heiß. Ich telefoniere noch mit den Ellis, bespreche meine Anreise und nehme Bestellungen auf, was ich mitbringen soll. Nach fast vier Monaten Abwesenheit aus Berlin fehlt es ihnen an Drogeriebedarf und Sudokus. Das kommt auf meine Liste.
Um 19 Uhr kommt eine Anwärterin auf das freie WG-Zimmer vorbei und wir unterhalten uns eine Stunde lang sehr gut. Auch die Katzen präsentieren sich von ihrer besten Seite und lassen sich beide streicheln. Das könnte also klappen, wenn die Rahmenbedingungen auch passen. Weitere Castings habe ich erst für nach meinem Kanada-Aufenthalt geplant, in der Ruhe liegt die Kraft und bis dahin ist noch genug anderes zu tun.
Für richtiges Abendbrot ist es immer noch zu heiß, ich esse das letzte Cheesy Popcorn vom Filmgucken neulich auf und lasse dabei Ladies in Lavendar mit Maggie Smith, Judi Dench, Natascha McElhone, Miriam Margolyes und Daniel Brühl laufen. Dann ist es gegen 22 Uhr und ich mache mich bettfertig. Neue Nacht, neues Glück.
Heute fängt der Eintrag mal ganz anders an: Ich habe über neun Stunden durchgeschlafen. Bäm. Und dann nachmittags nochmal anderthalb Stunden. Bäm Bäm. Plötzlich ein ganz neues Körpergefühl. Da dem Liebsten auch eher nach Liegen ist, verschieben wir unser Treffen auf den Abend und geben uns dem süßen Nichtstun hin – bei mir nur unterbrochen von ein bisschen Haushalt, aber in Maßen. Stattdessen wie gestern Podcasts, wild durcheinander (Finanzpodcast meiner Freundin, Wochenende-Podcast mit Eric Pfeil, viel amerikanische Politik und zum Ausgleich dann Kaulitz Hills), teils beim Herumwuseln, teils liegend (Bett, Badewanne, Couch).
Am frühen Abend dann Aufbruch, schon wieder nach Friedrichshain. Diesmal treffe ich den Liebsten in einem dieser panasiatischen Restaurants, Vietnamesisch-Thai-Sushi, aber da ich da schon ab und zu bestellt habe, weiß ich, dass es gut ist. Es gibt Beeren-Litschi-Limo, Sommerrollen mit Tofu und dann ein Sushi-Set. Der Liebste trinkt Limettenlimo, isst Saté-Spieße und Ente. (Die Art Restaurant ist gut für uns, weil ich gerne Sushi mag und der Liebste mit „Gollum-Fisch“ nichts anfangen kann. Es ist wirklich sehr lecker und wunderhübsch angerichtet ist es auch – entsprechend etwas teurer.
Nach dem Essen gehen wir zum Späti an der Ecke und kaufen ein paar eisgekühlte Getränke, mit denen wir dann die Treppen zur Wohnung des besten Freundes des Liebsten erklimmen – erster Stock, so geht‘s auch! Dort wird heute in den Geburtstag reingefeiert und es sind viele nette Menschen da. Nach fast fünf Jahren mit dem Liebsten kenne ich auch fast alle – weit mehr als die Leute aus den verschiedensten Freundeskreisen jeweils. Innerer Kreis sein ist schön. Die Jüngste bin ich auch mal wieder, das ist auch ganz angenehm.
Um Mitternacht wird gesungen, danach weiter erzählt. Erst gegen halb 3 steigen wir in ein Taxi und fahren zurück in den Pberg. Ich wäre ja wie immer mit der Tram gefahren, aber der Liebste gibt einen aus und so sind wir in 20 Minuten zuhause statt in 40, auch gut. Der Liebste sitzt noch auf dem Balkon, bis die Allergietablette wirkt, ich hänge noch die Wäsche auf, die ich nachmittags verschlafen und dann vergessen hatte und dann legen wir uns kurz nach 3 zu den Katzen ins Bett.
Noch so eine Nacht wie die letzten, ich quäle mich dann gegen 8 aus dem Bett, während der Besuch auch bereits rumwuselt, denn heute morgen steht die Abreise an. Ich trinke einen Chai und recherchiere für die beiden die beste Verbindung zum Flughafen. Einen Slot in der Security-Line hatten wir schon gestern während des Eincheckens gebucht, jetzt gilt es, diesen auch zu erreichen. Da sie vorher noch Tee aus dem Stammcafé und Süßigkeitenmitbringsel aus dem Supermarkt wollen, ist das nicht ganz trivial und irgendwann fange ich an, sie anzutreiben. (Tatsächlich verpassen sie später wie von mir befürchtet den Anschluss am Ostkreuz, können aber dann die Alternative anwenden, die ich ihnen ebenfalls vorausschauend rausgesuchte hatte und kommen rechtzeitig an.)
Als die Beiden weg sind, füttere ich schnell die Katzen und stelle die Waschmaschine an, dann lege ich mich wieder hin. Da ich die letzten Tage über so viel erledigt habe, gibt es heute nichts, was ganz dringend wäre und das passt sehr gut zu meinem körperlichen Zustand. Erst nach einer ganzen Weile stehe ich nochmal auf und mache mir Frühstück – Reste von den Einkäufen des Besuchs, vermischt mit Dingen aus meinen Beständen.
Selbst Lesen ist mir zu anstrengend, ich lasse mich vor allem von Podcasts berieseln. Gegen 14 Uhr stehe ich dann richtig auf, mit Duschen und Anziehen und allem. Am Nachmittag bin ich auf einen Videocall mit Dublin verabredet, wir haben schon eine ganze Weile nicht mehr gesprochen und seitdem ist in unser beider Leben viel passiert, also reden wir eine ganze Stunde, bis mein Gegenüber das Baby wecken muss, damit es pünktlich zum Familienbesuch kommt. Ich hingegen bin mit dem Lieblingsnachbar auf eine Eisrunde verabredet.
Himbeer-Minze und gebrannte Kokosnuss
Wir laufen eine ziemlich große Runde, easy über die 10.000 Schritte und auch wir haben uns viel zu erzählen. Wieder zuhause geht es dann auf die Couch zu mehr Podcasts. Eigentlich könnte ich gefühlt auch direkt ins Bett gehen und schlafen, aber dann raffe ich mich nochmal auf, koche mir Pasta mit Avocado, Tomaten und Knoblauch und halte nochmal eine Weile durch.
Kurz vor 10 mache ich mich bettfertig, um 10 liege ich, schalte das Handy in den Schlafen-Modus und lasse mich von Friedrich Torberg – Die Tante Jolesch in den Schlaf wiegen.
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.
Diese Nacht ist kurz vor halb 6 vorbei, aus immer noch den gleichen Gründen wie die letzten. Diesmal wälze ich mich dann aber nicht ewig hin und her, sondern lese erstmal das nächste Buch zu Ende, dessen Autorin mir meine Cousine zum Thema norwegische zeitgenössische Belletristik empfohlen hatte: Marie Aubert – Erwachsene Menschen. Es ist ziemlich kurz, irgendwo zwischen Kurzgeschichte und Novelle, liest sich gut weg und regt zum Nachdenken an, allerdings potenziell triggernd, siehe Inhaltsangabe. Bei mir geht’s entspannt durch.
Dann das Übliche am Morgen: Internet durchlesen, Bloggen, Spielen, mit dem Liebsten telefonieren… Irgendwann höre ich, dass der Besuch wach ist und stehe auch auf. Ich koche eine große Kanne Espresso und trinke meinen als Espresso Tonic auf Eis (es ist immer noch hochsommerlich heiß, heute aber mit angenehmem Wind). Bis die anderen bereit sind zu frühstücken snacke ich vom Cheesy Popcorn von gestern und bastle mir eine Übersicht über meinen anstehenden Kanada-Aufenthalt und wer sich in dieser Zeit wann um meine Katzen kümmern wird. Das Nachbarskind übernimmt den Großteil, ist aber zwischendurch auf Klassenfahrt, da muss der Liebste ran. Der Liebste und der Lieblingsnachbar werden zudem meinen Briefkasten im Auge behalten.
Dann gibt es Frühstück, für mich wieder Brot mit Geitost bzw. Moltebeerenmarmelade, dazu Apfel. Bis ich zu meinem Termin los muss, erzähle ich noch mit dem Besuch, wir schmieden Pläne für den Nachmittag, ich versuche, mein Flugticket herunterzuladen (klappt immer noch nicht, also Mail ans Reisebüro), mache Inventur bei Katzenfutter und -zubehör und gebe eine Nachschubbestellung auf. Danach fahre ich mit Tram und Tram zu meiner Zahnärztin. Meine am Montag abgeholte neue Knirschschiene muss nochmal angepasst werden und wir werkeln da eine Weile dran rum, bis es einigermaßen passt. In der Nacht auf gestern war ich wegen Schmerzen aufgewacht und musste die Schiene rausnehmen und ein Schmerzmittel nehmen, um irgendwann wieder einschlafen zu können…
Dann wieder nach Hause und auf Handwerker warten. Das vor einigen Jahren installierte programmierbare Heizungssystem wird wieder zurückgebaut, Betatest gescheitert. Jetzt haben alle Heizkörper wieder manuelle Bedienung, um die man sich einzeln kümmern muss. Aber sicherlich nicht vor Ende Oktober, wenn ich von letztem Jahr extrapolieren kann. Die Wartezeit bis zur Ankunft der beiden Herren überbrücke ich mit der Rettung meines Duolingo-Streaks, Worlde, Strands, Connections und Past Puzzle.
Nachdem die Handwerker gegangen sind, gehe ich los und treffe den Besuch an dem Dönerladen, an dem sie ihr Mittagessen einnehmen. Ich trinke einen Waldmeister-Durstlöscher, Hunger habe ich keinen. Wir laufen weiter zu einem indonesischen Café, die beiden holen sich Matcha-Kreationen und ich eine sehr leckere Zitronen-Rosen-Limonade.
Nächster Halt ist eine Post“filiale“ in einem Späti. Die Beiden müssen noch eine Postkarte nach Hause schicken, bevor sie morgen wieder in den Flieger steigen. Dann fahren wir mit der Ringbahn nach Neukölln und starten eine längere Wanderung durch das diverse Berlin. Erst die Karl-Marx-Allee entlang bis zu den Arkaden (Toilettenboxenstopp) unter Bewunderung der typisch arabischen Geschäfte und Spezialitäten, dann quer rüber zur Sonnenallee, ähnlich. Bedrückend sind die vielen vielen Palästina-Flaggen und der Gedanke, dass man hier (aktuell?) nicht mit Kippa oder Davidstern durchlaufen könnte. Vom arabischer Neukölln geht es dann ins Hipster-Neukölln bzw. Kreuzkölln (ein Block nördlich der Sonnenallee ist man in einer anderen Welt). Wir laufen über den Kanal rüber nach Kreuzberg. Hier machen wir dann nochmal einen Stopp in einem Café – der Pittsburgher ist immer noch erkältet und braucht eine Pause und einen Tee. Für mich und seine Partnerin gibt es hausgemachte Basilikum-Ingwer-Limonade, alles serviert von einer fließend deutsch sprechenden Dame, mit einer Frau verheiratet und mit eindeutigem amerikanischen Akzent.
Dann laufen wir durch den Görli, werden aber von keinem der offensichtlichen Drogendealer angesprochen – wir sind zu offensichtlich zielgerichtet zügig unterwegs, denke ich – und sind dann zurück im Touri-Bereich der Stadt. Wrangelkiez, Oberbaumbrücke, East Side Gallery, mit ausreichender Zeit für Fotos. Dann an der Uber Arena und dem entsprechendem Drumrum vorbei zur Warschauer, wo wir nochmal für zwei Stationen eine Tram nehmen. Auf dem Weg zur Abendverabredung erkunden wir noch einen Hinterhof (bzw. drei oder vier Hinterhöfe eines Hauses), dann landen wir in einem Ramen-Restaurant in der Boxhagener.
Hier treffen wir den Liebsten und das Teilzeitkind und später noch einen gemeinsamen Freund vom Pittsburgher und mir, der vom Elternabend seiner Tochter kommt und den erstaunten Amis von seiner eben abgeschlossenen Vater-Kinder-Kur an der Ostsee berichtet. Ich esse Gyoza und Ramen und trinke ein Radler aus japanischem Bier und Yuzu-Limonade, definitiv der leckerste Teil des Abends.
Der Liebste und das Teilzeitkind brechen früh wieder auf nach Südberlin, wir anderen essen noch gemütlich auf und laufen dann weiter zu einem Biergarten. Ich nehme nur einen Cranberry-Saft. Wir sitzen noch bis kurz vor 23 Uhr (im T-Shirt, niemand hat etwas zum Überziehen mitgebracht, es wird auch nicht benötigt) und erzählen – was in unseren Leben so passiert ist seit dem letzten Mal und viel über die Unterschiede zwischen den USA und Deutschland in punkto Arbeitsrecht, soziales Netz, Gesundheitssystem… Dann geht es für uns drei mit U- und S-Bahn zurück in den Pberg und gegen Mitternacht (nach Katzenfütterung) direkt ins Bett. Das FitBit zeigt 23.747 Schritte nach etwas über vier Stunden Schlaf…
Nacht: Abgehakt – guter Schlaf dann demnächst mal wieder. Dafür lässt sich aber heute der Morgen gemütlich an. Nach und nach trudeln der Besuch und ich in Wohnzimmer ein, trinken Tee, essen Müsli und versuchen, für alle halbwegs erträgliches Internet zu basteln. Aufgrund der aktuellen Situation geht das nur über einen Hotspot von meinem Telefon, allerdings nur, wenn sich das Telefon nicht ins WLAN einwählt, denn das hat gerade keine Daten. Es ist alles etwas frustrierend und während ich dann länger mit der Hausverwaltung telefoniere (wenn mal mehrfach nachhakt, bewegt sich womöglich demnächst etwas in Richtung Schimmel, zumindest wird mir das jetzt zugesichert), ist der Hotspot wieder aus.
Wir finden dann eine halbwegs okaye Zwischenlösung, aber da ich den Hotspot dann in meinem Arbeitszimmer brauche, geht der Besuch doch nochmal in ein Café mit WLAN, um selbst was am Laptop erledigen zu können. Da befinde ich mich schon in den Tiefen meiner Steuererklärung, die ich am Ende zwei Tage nach Frist abgebe, mal gucken, ob das ohne Abzug von der Erstattung durchgeht. Früher ging nicht, da die letzten Unterlagen erst während des Urlaubs eintrudelten. Um danach was Schönes zu machen, checke ich schonmal für Rail&Fly nächste Woche ein und versuche dann, mir mein Flugticket in die App zu laden – das klappt aber nicht und ich muss nochmal ans Reisebüro schreiben – also doch weniger entspannend als gedacht.
Dann kann ich mich auch gleich dem nächsten To Do für heute widmen und schreibe zwei Briefe an den Internetprovider, der eine kurz und knackig, der andere wird vier Seiten lang, so komplex ist die Lage inzwischen. Witzigerweise trudelt während des Schreibens nochmal ein unerwartetes Datenpaket für das WLAN ein, so dass die nächsten Tage jetzt hoffentlich ohne Hotspot funktionieren werden. Als ich mit allem Papierkram fertig bin, ziehe ich das alles auf einen USB-Stick, trinke nochmal ordentlich, creme mich dick mit Sonnencreme ein und gehe ins 34 Grad warme Draußen.
Mit Musik auf den Ohren spaziere ich zum Cooyshop und drucke alles aus, dann geht es weiter zur Post, wo ich all das Papier auf drei Briefumschläge verteile, am Automaten Briefmarken ziehe und die Briefe einwerfe. Dann noch kurz in den Drogeriemarkt und in den Supermarkt, ein paar fehlende Dinge nachkaufen, und dann kommt der lange Marsch durch die Hitze nach Hause und die Treppe hoch.
Dort gibt es dann ein spätes Mittagessen aus Tomate-Mozzarella, Dinkelbrot und Feigen, dazu kalten Sencha mit Wild Berry gemischt. Kurzer Schnack mit dem Besuch, dann zieht es mich ein Stündchen ins Bett zur Siesta. Gegen 18 Uhr stehe ich wieder auf und koche Schmorgurken mit veganem Hack und Salzkartoffeln – zum später essen, noch ist es zu heiß – den Touris mal regionale, saisonale Küche näherbringen und mir hilft das Kochen auch, ein bisschen runterzukommen.
Dann wieder quatschen Pläne machen mit dem Besuch, bis gegen 20 Uhr die Nachbarn von unten vorbeikommen. Deren Kind wird hoffentlich bald bei mir Katzensitter und wir machen mal ein erstes Kennenlernen der Katzen und Aufgaben. Nimbin und Noosa verhalten sich vorbildlich und lassen sich am Ende sogar beide streicheln, das könnte klappen!
Danach gibt es dann Essen, mit je einem Glas Grauburgunder dazu. Hinterher noch Filmabend – aus der DVD-Kollektion, Streamen frisst zu viele Daten – mit Popcorn. Der Pittsburgher und ich zeigen seiner Partnerin, die etwas jünger ist – genug, damit wir ständig Witze über unser Alter machen können und einige popkulturellen Referenzen von uns bei ihr nicht landen – Ein Fisch namens Wanda. Wie erwartet sind nicht alle Witze gut gealtert, aber er ist trotzdem immer noch sehr unterhaltsam. Ein paar britische Besonderheiten müssen wir auch noch erklären – die Perücken, dass „chips“ „fries“ sind und so, aber wir haben auf jeden Fall alle Spaß.
Nach dem Film verteile ich noch Mückenstich- und Erkältungsmedikamente – nach dem Urlaub bin ich ja sowas von im Training – und liege dann erst kurz nach Mitternacht im Bett. 27 Grad im Zimmer, 24 Grad im Draußen – die Balkontür bleibt weit offen!
Ziemlich furchtbar geschlafen wieder wegen einer Mischung aus Armweh und Kopfchaos, unterstützt von den Katzen, die so kuschelig sind, dass sie jede Position in der der Arm halbwegs gut liegt in kürzester Zeit zunichte machen. Konsequenterweise dann von 4 bis 6 wachgelegen und danach nur noch bis kurz nach 7 weiter gedöst, halb 8 hätte eh der Wecker geklingelt, denn dieser Tag ist pickepackevoll durchgeplant.
Kurz nach 9 verlasse ich das Haus und fahre mit Tram und Tram zu einer Arztpraxis, die Fahrt nutze ich zum Schreiben und Beantworten organisatorischer Nachrichten. In der Praxis muss ich kurz warten, werde dann untersucht und hole mein nächstes Rezept ab, dann Terminabsprachen für nächste Woche und in 7 Wochen und Einscannen der Unterlagen aus der Tagesklinik. Nächste Station Apotheke und Medikament abholen. Großer Punkt von der To-Do-Liste dieser Woche abgehakt.
Dann habe ich knapp zwei Stunden Zeit bis zum nächsten Arzttermin und fahre mit der nächsten Tram weiter ins Herz von Friedrichshain, wo es einen Laden meines Internetproviders gibt, der allerdings abweichend von den regulären Öffnungszeiten zu hat. Also laufe ich weiter und nehme die S-Bahn zum Ostbahnhof, wo der nächste solche Laden ist. Dort muss ich kurz warten, dann kann ich mit jemand Kompetenten sprechen – nur unterbrochen vom Baustellenlärm und von einem weiteren Kunden, der nach mir ankommt und mehrfach meint, er könnte sein Anliegen ja irgendwie zwischen meinem unterbringen und mehrfach zurechtgewiesen und vertröstet werden muss.
Wir sprechen etwa eine halbe Stunde über die Dilemmata, die ich nun seit Juni mit dem Provider habe und ich komme zumindest mit etwas mehr Durchblick und einem Plan wieder raus. Der beinhaltet das Schreiben zweier Briefe, was ich auf morgen vertagen muss, und ein weiteres Telefonat mit der Hotline, das jetzt eigentlich noch vor den Arzttermin passen könnte. Ich nehme die S-Bahn zurück und laufe dann Richtung Arztpraxis, statt wieder die Tram zu nehmen. Laufend rufe ich die Hotline an, beim ersten Versuch werde ich nach Durchspielen der Eingangsfragen und einigen Minuten Warteschleifenmusik aus der Leitung gekickt.
Beim zweiten Versuch erreiche ich jemanden und schildere mein Problem, er verbindet mich mit der vermeintlich richtigen Abteilung und schiebt mich zurück in die Warteschleife. Der nächste Kandidat kann eine meiner Fragen beantworten und schiebt mich dann in die Warteschleife zur nächsten Abteilung. Der dritte schließlich bearbeitet kompetent auch mein anderes Anliegen. Dieses Trara werde ich jetzt möglicherweise regelmäßig haben (alle zwei Wochen, außer während ich in Kanada bin), bis mein neuer Internetanschluss steht. Das könnte schon in drei Wochen sein, evtl. zieht es sich aber auch noch monatelang hin, meinte der Mitarbeiter im Laden. So viel Liebe, nicht.
Ich lege auf, als ich an der Praxis ankomme und bin zwei Minuten vor Termin drin. Der dauert etwa eine Viertelstunde, dann laufe ich weiter zu meinem Bruder – inzwischen übrigens von der Hitze und den vielen Schritten schon das erste Mal heute komplett durchgeschwitzt. Der Bruder wohnt im fünften Stock Altbau unterm Dach, ohne Fahrstuhl. Ich schaffe es nur mit Pausen nach oben und brauche dann erstmal kalte Cola und Luft zufächeln. Wir erzählen uns erstmal, was die letzten drei Wochen während meines Urlaubs so passiert sind, dann bekomme ich eine kurze Pause, genieße das kostenlose WLAN und telefoniere mit dem Liebsten.
Schließlich machen wir uns ans Werk und erledigen gute drei Stunden lang gemeinsam Papierkram, den wir jedes Jahr erledigen müssen. Einiges davon können wir ganz gut, bei anderen werden wir heute ein bisschen schlauer. Die Frage ist nur, ob die Schläue bis nächstes Jahr vorhält, oder ob wir das bis dahin wieder vergessen haben. Danach ist wieder eine gute Stunde Pause, die mit Chillen und Internetnutzung vertrieben wird. Die Wohnung ist inzwischen ebenso heiß wie das Draußen, aber immerhin kann man dann die Fenster öffnen und mit einem Ventilator frischere Luft durch die Zimmer wirbeln lassen.
Um 18 Uhr sitzen wir zur Belohnung fürs Tagwerk beim Stammitaliener meines Bruders. Ich bin schon wieder durchgeschwitzt und außerdem müde, viel passt heute nicht rein. Wir teilen uns Antipasti und einen halben Liter sizilianischen Weißwein (von dem ich aber nur ein Glas trinke), dann gibt es mit Lachs gefüllte Mezzelune mit Pfifferlingen, ich schaffe die Portion nicht ganz. Hitze, Müdigkeit, Histamin und meine Medikamente scheinen da zusammenzuwirken.
Nach dem Essen (und einem eisgekühlten Limoncello aufs Haus) spazieren wir noch durch den früh und schnell dunkel werdenden Kiez (eine Stunde früher als zuletzt in Norwegen), bis ich mit Tram und Tram zurück in den Pberg fahre. Dort Katzen füttern, Medikament einwerfen, chillen, bis der Besuch von seinem Tagesausflug aus Potsdam zurückkehrt. Der Pittsburgher jetzt mit Maske, da er sich erkältet fühlt. Morgen früh wird getestet. Wir erzählen uns unseren Tag, trinken Tee (die Beiden) bzw. Wasser mit Melissensirup (ich), reden über Politik in Berlin, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA und gegen halb 11 fange ich an, mich bettfertig zu machen.