15.09.2024 – Sonntagskuchen, Besuch, Strand und Lektüre

Ausgeschlafen bis ziemlich genau um acht, brutto also zehn Stunden, mit nur sehr kurzen Unterbrechungen. Es wird, es wird. In der morgendlichen Stille dann das Internet leer gelesen, gebloggt, Französisch und Italienisch gemacht, mit dem Liebsten telefoniert… Und irgendwann ist auch der Rest wach und es gibt Frühstück, heute mit Müsli und vielen Beeren, Erdnussbutter und Marmelade, dafür aber drinnen, weil wir früher dran sind und es draußen noch zu frisch ist. Nach dem Frühstück geht es auf die Couch für weitere morgendliche Spielereien – Wordle, Strands, Connections, Past Puzzle, Bandle, mein aktuelles Handyspiel… Nebenbei schreibe ich mit der Schwester des Liebsten, die gerade das Selbe tut – auf der Heimfahrt von Berlin, wo sie mit dem Liebsten frühstückte als ich noch schlief.

Irgendwann ist es dann Zeit, den Tag ernsthaft zu beginnen, mit Duschen und Anziehen und so. Dann packe ich meinen Koffer aus und richte mich langfristig in meinem Zimmer ein – ich bleibe ja eine ganze Weile. Danach ist es warm genug, um draußen auf dem Deck zu sitzen. Die Sonne glitzert auf dem Wasser, in der Ferne kreischen Möwen, eine sanfte Brise weht immer mal über das heißer werdende Decke und ich lese mich im letzten der Bücher fest, die ich auf Empfehlung der norwegophilen Cousine ausgeliehen habe: Linn Ullmann – Das Verschwiegene. Angefangen habe ich das schon vor einer Weile, kam aber nicht richtig rein und mir fehlte auch die Muße zum Lesen. Jetzt klappt es und ich lese mit Unterbrechungen weiter, bis es abends halb 11 ins Bett geht.

Die Unterbrechungen:

Am frühen Nachmittag kommt eine Freundin meiner Eltern zu Besuch, die ich bisher erst einmal, nämlich gestern vor elf Jahren, getroffen habe, wie Facebook mich später erinnert. Sie selbst ist Inuk und hat das Wochenende auf einem Retreat hier in der Nähe verbracht, auf dem First Nations (hier in Nova Scotia vor allem Mi‘kmaq), Settlers (europäischstämmige Mehrheitsbevölkerung) und Immigrant*innen zusammenkommen, um gemeinsam das Land (in diesem Fall von einem Schädling befallene Bäume) und sich selbst zu heilen – durch Gemeinschaft, Gespräche und angeleitete Zeremonien. Sehr spannend. Wir essen Pflaumenkuchen, Scones und Obst. Nach zwei Stunden bricht die Freundin wieder auf, sie hat noch einen langen Heimweg vor sich, lädt uns aber ein, sie demnächst zu besuchen.

Direkt im Anschluss brechen wir auf an den Strand, um uns noch ein wenig zu bewegen. Das bedeutet hier erst einmal eine Viertelstunde Autofahrt durch Wald und kleine Dörfer, dann sind wir am offenen Meer. Weil es langsam Richtung Flut geht, ist der hintere Strandbereich schon schwer erreichbar, so laufen wir nicht die ganze Strecke, sondern kürzen ab und gehen durch das Hinterland, an der Lagune entlang, zurück.

Wieder zuhause gibt es dann einen frühen Sundowner (Viel Orangensaft mit wenig Campari), mit dem ich mich dann wieder zum Lesen aufs Deck zurückziehe.

Nach und nach dämmert es und wird wieder frischer, zwei Chipmunks jagen sich vor meinen Augen über das Deck. Als es zu kalt wird, wechsle ich auf die Couch. Die letzte Unterbrechung ist dann das Abendbrot, Reste von gestern, Salat und Brot. Dann wieder Couch. Am Ende des Tages habe ich knapp zwei Drittel des Buchs geschafft.

14.09.2024 – Zurück im Haus am Meer

Ich schlafe ziemlich gut, mit nur einer Unterbrechung, dafür natürlich Jetlag-bedingt noch etwas kurz – kurz vor 6 ist die Nacht vorbei und ich ziehe die Gardine auf und gucke durch die Bäume aufs Meer. Kurz darauf geht die Sonne auf.

Ich lese mich durchs Internet, blogge, telefoniere mit dem Liebsten, der auch noch im Bett liegt (fünf Stunden Zeitunterschied und es ist Sonnabend), mache Französisch und Italienisch (mit Sorbisch hatte ich seit dem Urlaub ausgesetzt, das muss ich jetzt die Tage mal wieder angehen).

Irgendwann kommen die ersten Reaktionen von Papa auf meine Social-Media-Posts, es wird also langsam aufgestanden. Zu dritt versammeln wir uns im Esszimmer und nach einem kurzen Snack (selbstgebackener Keks von Mama) zu meiner Morgentablette fahren wir erst einmal einkaufen und Besorgungen machen. Im Dorf sind Briefe einzuwerfen und Post abzuholen. In der nächsten Stadt holen wir beim Bäcker Vollkorn-Sauerteig-Brot und Scones mit Him- und Blaubeeren. Dann geht es in Supermarkt 1 für Basilikum, Joghurt und frischen Fisch (Wir entscheiden uns für Schwertfisch), in Supermarkt 2 für den Rest des Wocheneinkaufs. Ich habe den Besorgungen meiner Eltern nur Chips und Ginger Ale zuzufügen, meine „Ich bin wieder da“-Staples. Im Liquor Store holen wir dann noch Bier, Wein und für mich Cider und Gummibonbons.

Dann geht es noch zum Farmstand im Nachbardorf für Eier von glücklichen Hühnern, Streuselkuchen mit Apfel und Schwarzwälder-Kirsch-Cupcakes (die Betreiber der Farm sind Deutsche). Mit unserer Beute fahren wir zurück zum Haus am Meer und dann gibt es gegen 11 Uhr Frühstück auf dem Deck, inzwischen ist es warm genug, nachdem wir uns am Morgen noch etwas Warmes überziehen mussten.

Nach dem Essen (und vertrieben von Zuckerwasser-Tropfen aus dem Hummingbird-Feeder über meinem Kopf) setze ich mich Buch an eine andere Stelle des Decks in die Sonne. Ein wenig lesen, ein wenig Dinge im Internet machen und Podcast hören, viel aufs Wasser gucken. In der Sonne ist es sehr heiß, im Schatten und bei Wind eher kühl. Ich verlagere mehrmals meine Position und ziehe Dinge an oder aus, verbringe aber weite Teile des Tages draußen auf dem Deck und mit Blick aufs Wasser. Später gibt es Kaffee, Tee und Kuchen – die Cupcakes und die Scones.

Dann drehen Mama und ich eine Runde ums Haus. Wir ernten Goldrute, um daraus Tee gegen Blasenentzündungen herzustellen, außerdem Brombeerblätter als Beigabe zu weiteren Tees und Minze, Thymian und Oregano fürs Abendessen. Dann ist nochmal Chillen angesagt, bis wir uns zum Kochen in der Küche treffen.

Es gibt Schwertfisch ungefähr nach diesem Rezept von Fabrizia Lanza, dazu Couscous nach Rezept auf der Packung, getränkt mit den Fischsäften und Zucchini-Paprika-Sellerie-Gemüse mit passierten Tomaten. Und Pinot Grigio.

Nach dem Essen nochmal Chillen auf der Couch, aber so langsam fallen mir die Augen zu. Gegen 22 Uhr liege ich hundemüde im Bett und schlafe schnell ein.

13.09.2024 – Übern Teich

Die Nacht ist unruhig, natürlich. Kurz nach 6 gebe ich das Schlafen auf und koche Kaffee für den Liebsten und mich, der Wecker klingelt 6:30. Wir liegen mit den Katzen im Bett und sind müde, aber ich halt auch sehr aufgeregt. Mein Unterbewusstsein hat nachts noch Entscheidungen zum Kofferinhalt getroffen, die umgesetzt werden wollen. Die Yogamatte kommt raus, sie ist zu schwer, mal gucken, ob ich vor Ort Ersatz besorge. Dafür sollte ich einen Gürtel mitnehmen, für die eine Hose. So Sachen. Gegen halb 8 stehe ich endgültig auf, ziehe mich an und packe zu Ende. Als der Liebste auch fertig ist, gibt es nochmal Futter und Kuscheln für die Katzen und dann verlassen wir gegen 8 die Wohnung. Ich schaue nochmal in den Briefkasten und übergebe meinen Schlüssel dann an den Liebsten.

Wir fahren mit Tram und S-Bahn zum Hauptbahnhof, alles ist pünktlich und die Rolltreppen funktionieren. Erst in der S-Bahn dann die Nachricht über den verspätet bereitgestellten Zug – aber für sowas habe ich ja Zeitpuffer eingeplant. Ich kaufe mir frisch gepressten Saft und zwei Stück Gebäck fürs Frühstück im Zug und dann uns beiden mehr Kaffee, den wir noch gemütlich trinken, bevor der Liebste aufbrechen muss, um rechtzeitig zum ersten Meeting am heimischen Schreibtisch zu sitzen. Ich vertreibe mir noch kurz die Zeit und kaufe eine Zeitschrift, dann gehe ich eine halbe Stunde vor neuer Abfahrtszeit zum Gleis, was total gut ist, denn auch auf Verspätungen kann man sich nicht verlassen – zwischenzeitlich sind es nur noch wenige Minuten und hätte ich bis zur angesagten Zeit gewartet, hätte ich ihn verpasst.

So dann gemütliche Zugfahrt nach Frankfurt Flughafen, irgendwo bei Stendal geht es über die Elbe, die noch nix vom anstehenden Hochwasser ahnt. Am Ende kommen wir mit exakt der Verspätung an, die die App am Morgen vorausgesagt hatte, wenigstens das. Ich laufe durchs Terminal in die richtige Abflughalle, checke ein, gehe durch die Security und die Passkontrolle (ohne Kind dabei kann ich diesmal die automatische nutzen und muss nicht anstehen) und liege 37 Minuten später in einem Liegestuhl am Gate. Jetzt zwei Stunden rumbringen bis zum Boarding. Schon im Zug habe ich mein Duolingo auf Französisch umgestellt (zwischen Norwegen und jetzt war es wieder auf Niederländisch) und da ich ja in der Schule sechs und an der Uni ein Jahr Französisch hatte, fliege ich nur so durch die Lektionen. Niedrigschwellige Erfolgserlebnisse, so wichtig. Allzu viel Französisch wird mir in Kanada vermutlich nicht begegnen, es sei denn, wir machen einen Ausflug in die Acadie, aber ich kann ja mit zweisprachigen Beschilderungen und Lebensmittelpackungen üben. Schadet gar nichts, das alles mal wieder vorzuholen. (Zitat aus dem Film Der Ruhm meines Vaters, ständiger Spruch von Marcel Pagnols Vater: „Man soll sich niemals eine Gelegenheit entgehen lassen, sich zu bilden.“)

Das Boarding beginnt pünktlich und geht schnell, der Flieger ist nichtmal halb voll. Man merkt, dass gerade Zwischensaison ist zwischen Sommerferien und Indian Summer und außerdem erst Freitag. Alle Alleinreisenden haben einen freien Platz neben sich, so auch ich. Sobald das Entertainment-Programm verfügbar ist, mache ich mich über die riesige Filmauswahl her. Den Anfang macht Best in Show, den der Besuch neulich empfohlen hat, eine Mockumentary über eine Hundeshow mit unter anderem Eugene Levy und Catherine O‘Hara. Teils sehr brachialer Humor, guckt sich aber gut weg. Dazu gibt es das Standardessen auf diesem Flug: Caserecce mit Tomatensauce.

Als Nächstes gucke ich endlich mal Killers of the Flower Moon mit Robert DeNiro, Leonardo DiCaprio und diversen Cast-Mitgliedern von Reservation Dogs. Toller Film, aber 3,5 Stunden ist echt ein bisschen lang, das hätte man an einigen Stellen straffen können. So bleiben am Ende nur noch knapp 90 Minuten für einen letzten Film, so dass ich zum x-ten Mal meinen Lieblingsfilm, Before Sunset, gucke, der nur 87 Minuten lang ist und mal wieder all the feels herausholt. Der hittet auch jedes Mal different. So gut!

Und Zack!, landen wir auch schon. Um 0:50 deutscher Zeit rollen wir über die Landebahn. Einreise, Toilettengang und Koffer vom Band nehmen dauert eine gute halbe Stunde, nach 40 Minuten sitze ich bei und mit den Ellis im Auto. Es ist halb 9 abends und schon dunkel, im Radio laufen Queen und die Ramones. In einer Stunde und 40 Minuten düsen wir über den Highway nach Hause. Ankunft gegen 3 Uhr morgens deutscher Zeit. Es gibt noch eine Tasse Melissentee und ein paar Pralinen und dann liege ich gegen 4 (23) Uhr im Bett und schlafe bald ein.

12.09.2024 – Letzter Tag in Berlin

Ohne Wecker bis nach 8 geschlafen, aber wohl auch, weil nachts ein wenig wachliegen war. Macht aber nichts, ab jetzt ist eh Adrenalin. Ich lasse mir Zeit mit dem morgendlichen Rumlümmeln im Bett (inklusive Frühstück aus Restequark, Restemoltebeerenmarmelade, Resteapfel und Restetrauben), aber kurz nach halb 11 geht dann der Tag doch endgültig los. Den Rest des „Vormittags“ verbringe ich mit Katzenklo erneuern, Müll wegbringen, Staubsaugen und ein wenig Putzen. Dann fahre ich nochmal zu den Ellis in die Wohnung und schaue, ob ich ihnen Post mitbringen kann – ist aber nichts Wichtiges da.

Auf dem Heimweg dann noch einmal in den Drogeriemarkt – es fällt einer ja doch immer noch etwas ein – und dann zum Mittagessen auf die Couch. Stulle mit Butter und Geitost, wonach die Reste von Butter und Geitost in den Gefrierschrank wandern. Ich erledige ein letztes bisschen Post (die Umständlichkeit deutscher Behörden: Ich bekomme eine E-Mail, dass ich eine Nachricht im Postfach habe, in der Nachricht dann halbe Informationen mit Verweis auf einen Brief, der Brief kommt am nächsten Tag an und antworten kann ich auch nur per Brief).

Irgendwann raffe ich mich auf und beginne zu packen. Der längste Auslandsaufenthalt seit 19 Jahren steht an, das rechtfertigt den größten verfügbaren Koffer, auch wenn ich die meiste Zeit über eine Waschmaschine zur Verfügung haben werde – ich brauche Klamotten von Sommer über Herbst, lasse aber den Wintermantel aus Erfahrung und Platzmangel doch zuhause. Kurz nachdem ich fertig bin kommt der Liebste an und bekommt nochmal eine mündliche Einweisung ins Katzensitting.

Danach gehen wir spazieren und landen schließlich am reservierten sardischen Restauranttisch.

Campari Soda im Aperol Spritz Glas
Antipasti
Ravioli mit Ricotta-Safran-Orangen-Minze-Füllung und Tomatensauce, Pizza mit Salsiccia und Schafskäse
Seadas, dazu Mirto

Wir schlemmen und erzählen und in einer der Wartezeiten gucke ich nach, was denn demnächst in Toronto für Konzerte stattfinden. Nachdem ich Hanson ja vor drei Wochen in Oslo knapp verpasst habe, kann ich sie jetzt in Toronto sehen. Ich kaufe direkt ein Ticket, da schließt sich dann auch ein zweiter schöner Kreis, denn das erste und bisher einzige Mal, dass ich sie live gesehen habe, war auch in Toronto, vor 19 Jahren. Damals reine Neugier und aus Prinzip, weil ich in den 90ern Fan war. Das Konzert war dann so gut, dass ich wieder Fan wurde und blieb. Und: Die Tour ist die Jubiläumstour zu dem Album, mit dem sie damals auf Tour waren. Eine schöne runde Sache also.

Nach dem Essen spazieren wir nach Hause und gehen dann so ziemlich sofort ins Bett, halb 11 geht das Licht aus – optimistische acht Stunden vor dem Weckerklingeln.

11.09.2024 – Debate und Prep

Aufgewacht und schon wieder gedacht, ich läge mitten in der Nacht wach – es ist auch noch ziemlich dunkel, aber der Berufsverkehr scheint angefangen zu haben. Ein Blick auf die Uhr verrät, dass der Wecker gleich klingelt. Nun denn. Ich habe nämlich heute zu unchristlicher Zeit noch einen Arzttermin, der letzte, der noch möglich war, bevor ich diesem Land wieder entschwinde. Erstmal jedoch verschaffe ich mir einen kurzen Überblick über die nächtliche TV-Debatte zwischen Harris und Trump. Die Tagesschau faselt etwas von einem Duell auf Augenhöhe, das beunruhigt mich, aber alle anderen Medien und vor allem auch die sozialen sehen Harris klar vorne. OK, damit kann ich in den Tag starten.

Ich nehme Tram und Tram in die Praxis und telefoniere auf dem Weg mit dem Liebsten, der auch noch im Bett liegt. In der Tram beginne ich zu bloggen. Ich bin 15 Minuten vor dem Termin da und sitze bloggend im Wartezimmer, als die beste Freundin ankommt. Heute soll ich nicht zu ihr in die Sprechstunde, sondern nur zum Blut abnehmen. Trotzdem nimmt sie mich noch für ein paar Minuten in ihr Zimmer mit, während sie sich vor dem ersten Patiententermin umzieht und den Rechner hochfährt. Wir erzählen uns kurz unsere Urlaube und verabreden uns dann für wenn ich aus Kanada zurück bin (an Tag 1 habe ich sowieso einen Termin bei ihr, aber für Woche 3 machen wir dann jetzt auch noch privat was aus).

Dann geht es zum Blut abnehmen. Ich halte erst den muskelgezerrten und impfgeschwollenen Arm hin, der gefällt der diensthabenden Dame aber nicht so gut und sie entscheidet sich für den anderen, wo die Vene besser sichtbar ist. Leider durchsticht sie dieSe aber dann gleich doppelt, so dass das Blut nicht in die Ampulle, sondern ins Gewebe drumherum fließt. Sie entschuldigt sich und verbindet den Arm, dann holt sie die beste Freundin dazu, die innerhalb von einer halben Minute professionell die Vene im wehen Arm anzapft und verbindet. Ich bin dankbar und stolz und laufe mit zwei verbundenen Armen wieder raus (der Nichtwehe wird im Laufe des Tages tieflila-blau rund um die Armbeuge, es sieht gruselig aus).

Dann wieder mit Tram und Tram nach Hause und beim Umsteigen Einkäufe im Drogeriemarkt, zuhause dann Frühstück. Das Resteessenprogramm geht weiter. Restebananen und Resteeier werden mit Restehaferflocken zu Banana Pancakes, dazu Restefeige, ein paar Weintrauben, Ahornsirup und Chai. Schön herbstlich alles und passend zu Kanada. Mir fällt ein, dass ich genau zu Herbstbeginn quasi nach Neuengland (genauer Neuschottland) fahre und sofort fühle ich mich der Internetsubkultur zugehörig, die jetzt nach Pumpkin Spice Latte, Apfelpflücken und Gilmore-Girls-Rewatch verlangt.

Die neue Pfanne ist toll, die ungrazilen Pancakes liegen am Teig

Zum und nach dem Frühstück schaue ich mir dann die komplette Debatte an, inklusive Nachbereitung bei Stewart und Colbert und einigen anderen Analysen. Alles dazu wurde schon von irgendwem gesagt, aber ich musste wirklich laut lachen bei „this…. former President“. Klar, dass es mehr Spaß macht, sich damit zu beschäftigen als mit der unsäglichen Migrationsdebatte hierzulande.

Später dann bastle ich aus Restekartoffeln, Restegurke und Resteapfel einen Kartoffelsalat und lasse ihn durchziehen. Dann schreibe ich ein Katzensitting-Manual zusammen für den Nachbarsjungen (und ein bisschen für den Liebsten, der zwar oft dabei war, aber noch nie alleine verantwortlich), kläre letzte Dinge mit dem Reisebüro, schreibe dem Liebsten zwei Vollmachten, telefoniere nochmal mit der Hausverwaltung wegen des Schimmels (Zuständigkeitenpingpong zwischen Vermieterfirma, Verwaltungsfirma und Handwerkerbetrieb, immer noch)…

Nach dem späten Mittagessen gehe ich nochmal nach draußen, diesmal zum Copyshop, und drucke allerlei Dinge aus. Danach habe ich mir ein Nachmittagsschläfchen verdient und weil die Katzen dabei beide auf mir liegen, tut mir danach erstens die Seite weh und zweitens muss ich noch viel länger liegen bleiben, bis ich die beiden irgendwann dazu kriege, sich wieder zu bewegen, damit ich aufs Klo gehen kann. Früher hielt ich es für einen Witz, dass alte Menschen manchmal unter Katzen sterben, wenn diese ihnen auf der Brust liegen, inzwischen verstehe ich das Problem – zumal wenn es zwei sind.

Am Abend kommen dann der Nachbarsjunge samt Papa vorbei und wir üben nochmal Katzenfüttern und Katzenklo durchsieben. Außerdem bekommen sie einen Schlüssel und wir machen eine WhatsApp-Gruppe auf, es ist ja schließlich 2024. Als die beiden weg sind, esse ich noch ein wenig Stulle (mehr Restevertilgung), telefoniere ausführlich mit dem Liebsten, reserviere uns für morgen einen Tisch und hänge dann noch eine Weile im Internet fest, bevor ich es gegen Mitternacht Richtung Bett schaffe.

10.09.2024 – Zeitenwende

So, die heißen Tage sind vorbei, ab jetzt fast norwegische Verhältnisse in Berlin, nur wärmer und mit weniger Regen, wa? Mich weckt heute der Wecker, denn ich habe etwas vor am Vormittag. Erstmal jedoch ausführliche Morgenroutine im Bett und dann Frühstück (Müsli) in ebendiesem. Dann packe ich ein paar Dinge zusammen, denke länger als sonst über meine Kleidung nach (das Wetter, der Anlass) und fahre mit Tram und U-Bahn zum… Büro. Völlig ungewohnt nach den letzten Monaten, ich werde mich aber auch auf absehbare Zeit nicht mehr daran gewöhnen müssen.

Ich werde freudig und teils überrascht begrüßt, mache eine ausführliche Runde und spreche mit allen, die da sind. Es gibt viele Umarmungen und gute Wünsche. Heute sind Gäste da, aus Paris und London, und es gibt sehr viel „Oh hi!!!! And… bye, I guess?“. Mit einer Pariser Kollegin setze ich mich in den Meetingraum, gebe ihr meinen Laptop und meine Zugangskarten und bespreche Bürokratisches. Dann bin ich noch als Gästin zu einem letzten Meeting geladen und kann sehen, dass es doch auch ganz wirklich ohne mich weitergeht. Dann kann ich ja beruhigt gehen, letzte Umarmungen einheimsen und dann die Tür und dieses Kapitel nach 14 (in Worten: vierzehn!) Jahren hinter mir schließen.

Zufällig hat mein Bruder gerade gleich um die Ecke zu tun, also treffen wir uns auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen, das ist der Situation wohl angemessen.

Wir schwatzen eine gute halbe Stunde, dann fährt er weiter zu einem Termin und ich zum Alex. Die letzten Tage haben gezeigt: Ich brauche eine neue Bratpfanne. Die damals vom Hasen da gelassene tut‘s nicht mehr, die, die ich vorher hatte, ist schon lange nicht mehr da und der Ex-Mitbewohner hat seine natürlich auch mitgenommen. Ich laufe also durchs Kaufhaus (dieser Standort bleibt erhalten und ist schon rebranded, die tolle Lebensmittelabteilung leider ganz schön dezimiert und ohne außergewöhnliche Südfrüchte) und gucke mir diverse Pfannen an. Nach Herstellern sortiert, ein merkwürdiges System. Ich werde trotzdem fündig und habe dann eine hochwertige Pfanne samt Deckel für einen okayen Preis, geht doch.

Mit Pfanne im Rucksack fahre ich nach Hause und lege mich zum Veratmen des Vormittags erstmal auf die Couch. Jetzt nach vorne gucken, es gibt Dinge zu organisieren und zu planen. Fortschritte bei der Reisebuchung, eine überraschend erfreuliche Mail vom Internetprovider mit ausführlicher Entschuldigung, Umsetzung meiner Forderungen und Gutschriften für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Bleibt also nur noch die Baustelle mit dem Schimmel, aber da telefoniere ich morgen hinterher.

Zum späten Mittagessen gibt es Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl, dazu höre ich weiter Podcasts und lese mich durchs Internet. Am frühen Abend dann los zum Yoga, schon wieder nach vielen Wochen Pause. Heute gibt es eine an meinen Arm angepasste Variante und das geht dann erstaunlich gut. Keine Planks und Hunde für mich und einiges anderes muss auch abgewandelt werden. Hinterher schaut sich die Yogalehrerin, die ja auch meine Physiotherapeutin ist, noch ausführlich meinen Arm an und bestätigt meine Laiinnenmeinung, dass da höchstwahrscheinlich nur ein oder mehrere Muskeln gezerrt sind.

Auf dem Heimweg kaufe ich noch einen letzten Liter Hafermilch von dem Urlaub und mache über 12.000 Schritte heute voll. Zuhause dann Schnittchenteller (Girl Dinner? und Restewein in der Badewanne, bevor es nicht zu spät ins Bett geht. Da der Wecker morgen noch früher klingelt, bleibe ich nicht bis zur Debate wach.

09.09.2024 – Endlich wieder Impfarm?

Die letzte der heißen Nächte, immer noch mit Arm und Katzen und langem Wachliegen zwischendurch. Aufgewacht vom Anruf des Liebsten, der ja nicht wissen kann, dass ich erst vor kurzem wieder eingeschlafen bin. Da sind es im Zimmer noch 27 Grad, draußen aber deutlich weniger. Dazu Regen wie in Norwegen, nur nicht so doll. Fahren wir also wieder dieses Programm, was? Aus dem Bett zu kommen dauert eine Weile, dann gibt es der Situation angemessenes Frühstück – Reste und Herbstliches allüberall, dazu Wasser, weil es mir für heiße Getränke noch zu warm ist.

Rührei von gestern, sehr reife Avocado, Brot mit vom Besuch übriggebliebenem Frischkäse, vom Besuch übriggebliebene Trauben, ausgeschnittene Fallobstbirne aus dem Innenhof

Nach dem Essen die nächste Waschmaschine – inkl. zweier in Norwegen arg eingesauter Paar Schuhe, in der Hoffnung, dass sie bis Kanada trocken werden. Ich hätte das an den heißen Tagen machen sollen, statt jetzt. Aber ein paar Tage sind ja noch. Dann setze ich mich für einige Stunden an den Schreibtisch, mache Buchhaltung und gucke Tutorials zur Bedienung eines MacBooks. Ich habe zwar seit über zehn Jahren eines, habe das aber bisher vor allem zum Surfen, Streamen, Schreiben benutzt. Ab morgen wird es mein einziger Laptop sein, ohne Windows-Gerät als Backup, ich muss mich noch ein wenig einleben.

Außerdem suche ich meinen Impfausweis und bin völlig überfordert, als ich ihn nicht finde. Vor meinem geistigen Auge liegt er immer sehr prominent herum, in seiner schicken Impfausweishülle mit Wal-Schutzumschlag, den er seit der Pandemie hat. Jetzt gerade ist er unauffindbar, wahrscheinlich irgendwo zwischen Dinge gerutscht. Aber nach Kanada wollte ich ja eh mal in Ruhe ausmisten.

Also geht es dann ohne Impfausweis los in den Westen – Impftermine finden ist ja wieder fast so abenteuerlich wie ganz am Anfang. Ich fahre mit Tram und S-Bahn zum Zoo, treffe dort völlig überraschend eine ehemalige Kollegin, die gerade auf dem Weg ins Kino ist, und laufe dann den Ku‘damm hinunter bis zu einer Apotheke, bei der man online Termine buchen konnte. Komische Gegend hier, dit is nich MEIN Balin. Der fehlende Ausweis ist kein Problem. Ich fülle den Anamnesebogen aus und gebe erstmals eine chronische Erkrankung mit Immunsuppression an – ab jetzt also auch ganz offiziell und nicht nur gefühlt Risikogruppe! Beim Ausfüllen der früheren Impftermine komme ich durcheinander. Vor 1-2 Jahren konnte ich die noch auswendig, aber die Zeit nimmt alles mit.

Erst- und Zweitimpfung im Mai und Juni, das war 2021, bewaffnet mit Wahlhelfendenbeleg, in einer Arztpraxis in Spandau. Dann im November der Booster im Einkaufszentrum um die Ecke, mit elendlanger Schlange, nachdem in Berlin ein Booster schon nach fünf Monaten freigegeben wurde. Der nächste, mit angepasstem Omicron-Impfstoff, dann schon im März, dann schon ohne langes Anstehen, aber in einem Einkaufszentrum in Neukölln. Kurz darauf die erste, heftige Infektion und die monatelange Rekonvaleszenz. Im Herbst dann wieder einen Booster aus dem Einkaufszentrum, kurz bevor da zugemacht wurde, weil die Hausärztin der Meinung war, vier würden reichen. Dann im nächsten März Infektion Nummer 2, nachdem ich mich gerade wieder auf mein Fitnessniveau von vorher berappelt hatte.

Letzten Herbst dann Doppel-Impf mit Grippe, die Apothekerin verliert kein Wort darüber, wie viele COVID-Shots ich schon habe. Dieses Jahr warte ich nicht bis zum Doppel-Impf, erstens wegen angepasstem Wirkstoff, zweitens wegen anstehendem Auslandsaufenthalt, drittens wegen neuer Immunsupression und viertens wegen der Welle um mich herum. Also jetzt COVID und dann im Spätherbst Grippe. Wenigstens hat der ewige Armschmerz dann jetzt auch noch einen Sinn und konzentriert sich plötzlich auf die Einstichstelle.

Auf dem Heimweg kehre ich in mehreren Zeitungsläden ein und suche die Sudoku-Heftchen für meine Mama. Am Hauptbahnhof mehr Glück als am Zoo und soviel, dass ich am Alex gar nicht mehr gucken muss. Überlege, ob ich for shits and giggles noch ein Heft Stufe 14-15 zwischen die mit 10-12 lege, lasse es dann aber. Wusste gar nicht, dass das so eine Wissenschaft ist.

Wieder zuhause dann spätes Mittagessen – nochmal Reste vom Besuch, indisches Hähnchen mit Paprika aus dem Restaurant mitgebracht am ersten Abend. Schmeckt immer noch sehr gut und reicht völlig aus, um meinen Magen zu füllen. Später gibt es dann noch ein Überraschungsei, das sie mir als Überraschung im Kühlschrank hinterlassen haben, an Vanilleeis mit heißen Himbeeren.

Ansonsten soll man sich ja nach der Impfung schonen, ich verbringe also den Abend auf dem Sofa und gucke mich durch meine DVD-Sammlung (Salmon Fishing in the Yemen und Once) und gehe dann einigermaßen früh ins Bett.

08.09.2024 – Sunday Funday

Puh, um 3 im Bett nach zwei Cidern und zwei Mexikanern, plus Hitze, Liebsten, zwei Katzen und wehem Arm… Macht wieder ein Kreuzchen auf der Schlechte-Nächte-Liste. Zum Glück gabs zwischendrin eine gute, sonst wäre ich mittlerweile wohl ein Zombie. Sehr gut hingegen danach das lange im Bett Herumlungern mit dem Liebsten, dazu sind wir schon seit langem nicht mehr gekommen, trotz Urlaub neulich. Irgendwann gegen Mittag treibt dann der Hunger aus den Federn – sogar mehr meiner als der der Katzen – und es gibt ein gutes Sonntagsfrühstück.

Dann nochmal zurück ins Bett, man soll die Aktivitäten nach einer Party ja nicht übertreiben. Das nächste Raustreiben kommt dann von des Liebsten Allergie und statt einer weiteren Tablette mit Nebenwirkungen für nur wenige Stunden gehen wir halt stattdessen ins heiße Draußen und schleppen uns bis zum Eisladen.

Nochmal die geröstete Kokosnuss, dazu Blaubeer-Weiße-Schokolade

Wir hocken uns in den Schatten und schlecken, dann bringe ich den Liebsten zur S-Bahn (Zwischenstopp am Späti für kalte Apfelschorle, inkl. Spontanbegegnung mit einem meiner ehemaligen Chefs, der mit seiner Frau in der Straße mit dem Späti wohnt. Wir treffen uns alle paar Monate mal beim Späti, im Supermarkt oder beim Haustierbedarf. Von der Bahn schleiche ich wieder nach Hause und lege mich erstmal auf die Couch und mache Organisatorisches. Nochmal mit dem Buchungssystem rumprobieren und eine weitere Mail ans Reisebüro schreiben, Behördenkram erledigen…

Dann bin ich soweit wieder hergestellt, dass ich ein bisschen Haushaltskram machen kann (Katzenklo, aufräumen, Geschirrspüler, Pflanzen gießen), aber für Saugen und Wischen ist es zu heiß. Ich telefoniere noch mit den Ellis, bespreche meine Anreise und nehme Bestellungen auf, was ich mitbringen soll. Nach fast vier Monaten Abwesenheit aus Berlin fehlt es ihnen an Drogeriebedarf und Sudokus. Das kommt auf meine Liste.

Um 19 Uhr kommt eine Anwärterin auf das freie WG-Zimmer vorbei und wir unterhalten uns eine Stunde lang sehr gut. Auch die Katzen präsentieren sich von ihrer besten Seite und lassen sich beide streicheln. Das könnte also klappen, wenn die Rahmenbedingungen auch passen. Weitere Castings habe ich erst für nach meinem Kanada-Aufenthalt geplant, in der Ruhe liegt die Kraft und bis dahin ist noch genug anderes zu tun.

Für richtiges Abendbrot ist es immer noch zu heiß, ich esse das letzte Cheesy Popcorn vom Filmgucken neulich auf und lasse dabei Ladies in Lavendar mit Maggie Smith, Judi Dench, Natascha McElhone, Miriam Margolyes und Daniel Brühl laufen. Dann ist es gegen 22 Uhr und ich mache mich bettfertig. Neue Nacht, neues Glück.

07.09.2024 – Liegen, Essen, Feiern

Heute fängt der Eintrag mal ganz anders an: Ich habe über neun Stunden durchgeschlafen. Bäm. Und dann nachmittags nochmal anderthalb Stunden. Bäm Bäm. Plötzlich ein ganz neues Körpergefühl. Da dem Liebsten auch eher nach Liegen ist, verschieben wir unser Treffen auf den Abend und geben uns dem süßen Nichtstun hin – bei mir nur unterbrochen von ein bisschen Haushalt, aber in Maßen. Stattdessen wie gestern Podcasts, wild durcheinander (Finanzpodcast meiner Freundin, Wochenende-Podcast mit Eric Pfeil, viel amerikanische Politik und zum Ausgleich dann Kaulitz Hills), teils beim Herumwuseln, teils liegend (Bett, Badewanne, Couch).

Am frühen Abend dann Aufbruch, schon wieder nach Friedrichshain. Diesmal treffe ich den Liebsten in einem dieser panasiatischen Restaurants, Vietnamesisch-Thai-Sushi, aber da ich da schon ab und zu bestellt habe, weiß ich, dass es gut ist. Es gibt Beeren-Litschi-Limo, Sommerrollen mit Tofu und dann ein Sushi-Set. Der Liebste trinkt Limettenlimo, isst Saté-Spieße und Ente. (Die Art Restaurant ist gut für uns, weil ich gerne Sushi mag und der Liebste mit „Gollum-Fisch“ nichts anfangen kann. Es ist wirklich sehr lecker und wunderhübsch angerichtet ist es auch – entsprechend etwas teurer.

Nach dem Essen gehen wir zum Späti an der Ecke und kaufen ein paar eisgekühlte Getränke, mit denen wir dann die Treppen zur Wohnung des besten Freundes des Liebsten erklimmen – erster Stock, so geht‘s auch! Dort wird heute in den Geburtstag reingefeiert und es sind viele nette Menschen da. Nach fast fünf Jahren mit dem Liebsten kenne ich auch fast alle – weit mehr als die Leute aus den verschiedensten Freundeskreisen jeweils. Innerer Kreis sein ist schön. Die Jüngste bin ich auch mal wieder, das ist auch ganz angenehm.

Um Mitternacht wird gesungen, danach weiter erzählt. Erst gegen halb 3 steigen wir in ein Taxi und fahren zurück in den Pberg. Ich wäre ja wie immer mit der Tram gefahren, aber der Liebste gibt einen aus und so sind wir in 20 Minuten zuhause statt in 40, auch gut. Der Liebste sitzt noch auf dem Balkon, bis die Allergietablette wirkt, ich hänge noch die Wäsche auf, die ich nachmittags verschlafen und dann vergessen hatte und dann legen wir uns kurz nach 3 zu den Katzen ins Bett.

06.09.2024 – Frei-Tag

Noch so eine Nacht wie die letzten, ich quäle mich dann gegen 8 aus dem Bett, während der Besuch auch bereits rumwuselt, denn heute morgen steht die Abreise an. Ich trinke einen Chai und recherchiere für die beiden die beste Verbindung zum Flughafen. Einen Slot in der Security-Line hatten wir schon gestern während des Eincheckens gebucht, jetzt gilt es, diesen auch zu erreichen. Da sie vorher noch Tee aus dem Stammcafé und Süßigkeitenmitbringsel aus dem Supermarkt wollen, ist das nicht ganz trivial und irgendwann fange ich an, sie anzutreiben. (Tatsächlich verpassen sie später wie von mir befürchtet den Anschluss am Ostkreuz, können aber dann die Alternative anwenden, die ich ihnen ebenfalls vorausschauend rausgesuchte hatte und kommen rechtzeitig an.)

Als die Beiden weg sind, füttere ich schnell die Katzen und stelle die Waschmaschine an, dann lege ich mich wieder hin. Da ich die letzten Tage über so viel erledigt habe, gibt es heute nichts, was ganz dringend wäre und das passt sehr gut zu meinem körperlichen Zustand. Erst nach einer ganzen Weile stehe ich nochmal auf und mache mir Frühstück – Reste von den Einkäufen des Besuchs, vermischt mit Dingen aus meinen Beständen.

Selbst Lesen ist mir zu anstrengend, ich lasse mich vor allem von Podcasts berieseln. Gegen 14 Uhr stehe ich dann richtig auf, mit Duschen und Anziehen und allem. Am Nachmittag bin ich auf einen Videocall mit Dublin verabredet, wir haben schon eine ganze Weile nicht mehr gesprochen und seitdem ist in unser beider Leben viel passiert, also reden wir eine ganze Stunde, bis mein Gegenüber das Baby wecken muss, damit es pünktlich zum Familienbesuch kommt. Ich hingegen bin mit dem Lieblingsnachbar auf eine Eisrunde verabredet.

Himbeer-Minze und gebrannte Kokosnuss

Wir laufen eine ziemlich große Runde, easy über die 10.000 Schritte und auch wir haben uns viel zu erzählen. Wieder zuhause geht es dann auf die Couch zu mehr Podcasts. Eigentlich könnte ich gefühlt auch direkt ins Bett gehen und schlafen, aber dann raffe ich mich nochmal auf, koche mir Pasta mit Avocado, Tomaten und Knoblauch und halte nochmal eine Weile durch.

Kurz vor 10 mache ich mich bettfertig, um 10 liege ich, schalte das Handy in den Schlafen-Modus und lasse mich von Friedrich Torberg – Die Tante Jolesch in den Schlaf wiegen.