Mit einem leichten bis mittelschweren Demo- und Champagnerkater aufgewacht. Um die Kopfschmerzen kümmert sich eine kalte Mate vom Balkon, die allgemeine Trägheit und latente Unruhe ob des Weltgeschehens bleibt. Ich beschließe, an diesem Sonntag nichts zu müssen, nichts zu planen und mich vorwiegend mit Wollen zu beschäftigen. Nach dem ersten morgendlichen Gang durchs Internet, den Sprachaufgaben, dem Telefonieren mit dem Liebsten und mit meiner besten Freundin usw. mache ich mir Frühstück und gehe damit direkt wieder ins Bett.
Ich lese eine ganze Weile in meinem Buch weiter: Miranda Cowley Heller – The Paper Palace. Das sah ich neulich aus den Augenwinkeln draußen auf einem Fensterbrett liegen, als ich durch den Kiez spazierte. Da war ich aber zu voll bepackt und außerdem war es kalt und regnerisch, also ging ich weiter. Am nächsten Tag lief ich nochmal durch die Straße, sah es immer noch da liegen – inzwischen leicht wellig – und nahm es mit. Es ist gut geschrieben und interessant, aber ich schaffe immer nur kurze Abschnitte und kann mich nicht so richtig hineinversinken. Heute dann mal ein größerer Batzen, so 70 Seiten, immerhin. Zwischendurch immer wieder Schleifen durchs Internet und fleißiges Faven und Reposten von Widerstandscontent in den verschiedenen sozialen Medien.
Und dann denke ich mir, dass so ein „fauler“ Sonntag sich ja auch perfekt zum Filmgucken eignet und ziehe meine Liste der Oscar-Filme hervor. The Six Triple Eight gibt es auf Netflix und beleuchtet ein wenig bekanntes Kapitel der amerikanischen Geschichte – eine Einheit Schwarzer Frauen in der US-Army, die gegen und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit der Sortierung und Auslieferung von Feldpost betraut wurde und dabei nicht nur mit der schwierigen Aufgabe, sondern auch mit strukturellem Rassismus plus natürlich Sexismus zu kämpfen hatte. Die Geschichte ist etwas dramatisiert fürs Kino (vor allem die Liebesgeschichte), aber sonst wahr. Vom Inhalt her sicherlich ein typischer Oscar-Film, historisch interessant und von Kerry Washington gut gespielt. Ob es jetzt filmkünstlerisch auch der große Bringer ist, weiß ich nicht.
Und weil ich dann gerade so bei Arschlöchern und Fehlverhalten in der US-Army bin, gucke ich dann auch noch A Few Good Men nochmal. Der steht auf meiner Liste, weil er eben von Aaron Sorkin ist und ich mich nur noch dunkel daran erinnern kann. Damals (nicht Anfang, aber Ende der 90er) habe ich den mit einem Freund gesehen, der ganz begeistert war und den Film quasi auswendig konnte. Damals haben mich weder Armee- noch Gerichtsthematiken besonders interessiert. Heute gucke ich den nochmal anders und mit viel kulturellem und politischem Kontext und bin deutlich involvierter. Nur schade, dass man hier Tom Cruise als dem Guten zujubeln muss. Aber guter Film jedenfalls.
Zwischendrin habe ich mir nochmal die vorletzte Portion Pasta mit Kürbis hervorgenommen, heute im Ofen und mit Käse überbacken und weiterhin köstlich. Ein kleiner Rest bleibt noch für morgen.
Danach ist es schon zu spät für einen dritten Film, also gucke ich noch eine Folge Parenthood. Na gut, zwei, dann ist die Staffel zu Ende. Na gut, drei, die neue Staffel muss man ja mal antesten…. Bei der vierten oder fünften Folge schlafe ich dann ein…
Ich wache kurz nach 4 aus einem sehr merkwürdigen Traum auf und kann dann irgendwie nicht mehr einschlafen. Höre erst Podcast, mache dann Kreuzworträtsel, lasse dann zwei Folgen Parenthood laufen und gegen 7 gebe ich die Nacht verloren, aber ohne ungewöhnlich müde zu sein. Nun denn. Tee kochen, Internet leer lesen, Französisch machen, Italienisch machen, mit Leipzig chatten, mit Tempelhof chatten, mit dem Liebsten telefonieren – der ist immer noch krank, also auch für heute Planänderungen. Irgendwann stehe ich auf und futtere eine große Portion Vogelhochzeit zum Frühstück – ist ja heute dann auch offiziell soweit.
Danach Haushaltskram erledigen – Katzenklo, Abwasch… Bald darauf geht es ins Draußen – zum ersten Mal seit… Mittwoch? Upsi. Erstmal Biomüll wegbringen und Eimer auswaschen. Dann bringe ich eine große Sammlung Pfanddosen rechtzeitig vor Ablauf der Pflicht weg. Der asiatische Streetfood-Laden macht am Wochenende erst später auf, also muss ich eine größere Runde drehen, werde an zwei Locations abgewiesen und melde dem Kundenservice, dass die von der Karte genommen werden müssen und lande schließlich bei dem Italiener, der die tolle Gorgonzola-Birnen-Pizza hat. Heute jedoch nicht. Also zumindest esse ich sie nicht, sondern gebe nur meine sechs Dosen ab und laufe dann weiter, mit Umweg über den Drogeriemarkt nach Hause.
Dann erstmal auf die Couch und Chillen, bald darauf in einen tiefen Mittagsschlaf fallen. Musste ja so kommen. Als ich wieder wach bin, koche ich mir einen großen Kaffee, bereite mein Demo-Outfit vor, verabschiede die Mitbewohnerin zur Arbeit und warte ungeduldig auf die Crowdfarming-Lieferung. Die kommt gegen 15 Uhr und wird noch begutachtet und verstaut, bevor es sehr warm und bunt angezogen wieder nach draußen geht.
Januar-Edition mit Avocados, Kiwis, Bananen und Orangen. Blutorangen werde ich wohl demnächst zukaufen müssen.
Da die große S-Bahn-Strecke mit Halt Brandenburger Tor zur Zeit nur Schienenersatzverkehr bietet, weiche ich auf U-Bahn und Laufen aus und fahre bis Unter den Linden. Schon ein paar Stationen vorher kristallisiert sich heraus, dass die halbe U-Bahn das gleiche Ziel hat. Zusammen mit vielen anderen schieben wir uns langsam die Linden entlang. Von der russischen zur amerikanischen Botschaft (wie symbolisch), wo die Stars and Stripes immer noch auf Halbmast hängen (doppelt symbolisch) und jemand davor eine große Antifa-Flagge schwenkt (dreifach symbolisch). Durchs Tor hindurch und dann um die Bühne herum verteilen wir uns, über den gesamten Platz und weit die Straße des 17. Juni herunter. Als ich ankomme, zaubern Siegfried & Joy gerade, dann spricht Dr. Seyran Bostancı, die der Liebste und ich letztes Jahr bei einer Veranstaltung zur Darstellung Indigener in den Medien kennengelernt haben.
Ich laufe herum und gucke Transparente und Plakate an, mache Fotos, höre Carolin Emcke zu, Christoph Bautz, Luisa Neubauer. Es sind viele Menschen hier. Es ist bunt und schön und aufbauend, wie so gesetzte, bürgerliche Berliner*innen laut und einstimmig Parolen gegen den Faschismus skandieren, Friedrich Merz die klare Kante zeigen, SPD und Grüne auffordern, ihren Rechtsruck aufzuhalten, Big Tech ablehnen und „Tax The Rich“ fordern. Das sind keine extremen Positionen mehr, das ist ein breiter Konsens. Ich bin ganz ergriffen und vorsichtig optimistisch, dass das alles vielleicht etwas bringt. Auf jeden Fall Mut macht und evtl. auch die Politiker*innen erreicht, die nächste Woche (in der Woche, in der wir der Holocaust-Opfer gedenken), ungeheuerliche neue, gesetzeswidrige Regelungen diskutieren und ggf. verabschieden wollen.
Dieses Jahr finde ich es gar nicht mehr cringe, mit allen zusammen zu singen – „Wehrt Euch / Leistet Widerstand / Gegen den Faschismus hier im Land / Haltet fest zusammen“. Es klingt ehrlich, entschlossen, verzweifelt und alle machen mit. Es ist auch extrem befriedigend, FaSCHISmus und FaSCHISten zu brüllen. Wie Luisa Neubauer sagt: „Verteidigen wir die Brandmauer, als ginge es um Alles, denn es geht um Alles.“ Genau so. Ich nehme an, dass wir nächsten Sonnabend wieder hier stehen werden und ich hoffe, dass zumindest die CDU in den Umfragen ein paar Prozentpunkte verlieren wird mit diesem Kurs ihres Vorsitzenden.
Nach Skandieren, Singen, Lichterschwingen und Gezähltwerden (100.000 laut Veranstalter*innen) laufe ich dann langsam wieder los – aufgrund des SEVs zum Potsdamer Platz. Am Holocaust-Mahnmal vorbei und am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Ich muss schwer schlucken und dann an die Menschen drüben in Amerika denken, die uns schon ein paar Schritte voraus sind in dem ganzen Prozess…
Mit einer vollen Regionalbahn fahre ich nach Tempelhof und laufe dann am ehemaligen SA-Gefängnis vorbei (das Thema bleibt heute) zur besten Freundin des Liebsten, die mich mit veganer Lasagne, Schokodessert und einer Flasche Champagner empfängt.
Der Abend war eigentlich zu viert geplant, aber wir machen auch zu zweit das Beste draus. Gespräche über die Demo, die Politik im Allgemeinen, hüben wie drüben, Arbeit, soziale Medien, den Fall Gelbhaar, den Fall Mischke, den Fall Hanson, Feminismus, DEI… Mit Haareraufen und Lachanfällen und genau wie so ein Abend sein muss.
Kurz nach 11 verabschiede ich mich auf den langen Weg nach Hause. Zurück zum Südkreuz, auf die Ringbahn warten, einmal um die halbe Stadt, durch Regen nach Hause laufen. Auf der Bahnfahrt verfolge ich die Berichterstattung zu den heutigen Demos, die Neuigkeiten aus den USA…. und TikTok. Dort wieder Ermutigendes. Creators aus den USA berichten auf klandestine Weise über ICE Raids in ihren Städten – sie erzählen in ihren Videos über Tiere oder Mode, statten sie mit den passenden Hashtags aus und halten währenddessen Zettel mit den tatsächlichen Informationen in die Kamera. Andere – besonders queere Creators, erzählen in langen Videos von sich und bitten die Zuschauer*innen, bis zum Ende zu gucken, zu liken, reposten, speichern und kommentieren – dann schüttet TikTok in den USA nämlich Geld für die Videos aus und der Algorithmus schafft Reichweite. Das Geld wird an die ACLU gespendet oder dafür gesammelt, mit den queeren Angehörigen aus einem roten in einen blauen Staat ziehen zu können. Zumindest in meinem TikTok formiert sich Widerstand. Eine Creatorin spielt „Do You Hear The People Sing“ ab und sinniert darüber, wie TikTok sich gerade zum globalen Widerstand gegen den Faschismus wandelt. Es wäre so schön.
Auf dem Fußweg im Regen höre ich das Lied mehrere Male – ab in die Charts damit – und denke an die vielen Demonstrant*innen in Deutschland, der Slowakei, Serbien und Georgien, die gerade gegen Faschismus und Imperialismus auf die Straße gehen. Vielleicht gibt es ja doch noch ein Quentchen Hoffnung.
Schon wieder gut und ausreichend lange schlafen, schon wieder den ganzen Morgen (und noch viel länger) im Bett verbringen. Als ich gehen 10 Lust auf Essen bekomme, habe ich dabei die Kürbispasta von gestern im Kopf und kein klassischeres Frühstücksprogramm. Also mache ich mir einen Teller davon warm und zupfe noch Basilikum drauf – was soll der Geiz?
Die Telefonate mit dem Liebsten lassen erahnen, dass es mit der avisierten Abendplanung heute nichts wird, Patchwork-Familien-Viren-Pingpong mal wieder und ich bin doch noch gar nicht endgültig mit dem letzten Infekt durch. Noch ärgerlicher ist es für den Liebsten selbst, der ordentlich kränkelt UND seinen Ausgehabend mit Freund*innen zur Record Release Party seines ehemaligen Mitbewohners verpasst. Mein Programm wäre aber auch gut gewesen: Das Teilzeitkind vom Turnen abholen und zum Stammitaliener ausführen und hinterher wie so zwei Hobbylose gottlos random auf der Couch chillen und Unsinn im Fernsehen gucken. (Wir lernen gerade neuen 5.-Klasse-Slang.)
Stattdessen bin ich auf meine eigenen Vergnügungsmethoden zurückgeworfen und beschließe nach einem anregenden Webinar zur Mittagszeit, das Wochenende mit einer großen Portion Faulsein, Parenthood und gutem Essen einzuläuten. Inspiriert von einem Video von Uyen Ninh, die ihren deutschen Freund einen Tag lang vietnamesisch bekocht, wird ein Vietnamesisch-Bestell-Beschluss gefasst und weil ich ja das ganze Geld spare, das ich mit dem Teilzeitkind beim Stammitaliener ausgegeben hätte, gönne ich mir die volle Packung aus drei Gängen mit Getränk. Und zwar gegen 16 Uhr, denn da habe ich gerade Hunger.
Banh Giao gefüllt mit Hackfleisch und Morcheln, Bun Nem, Roter Klebreis mit Sojabohnen, Blaubeeren und Minze, Oolong-Pfirsich-Tee mit Litschi-JellyBanh Giao ausgepackt
Neben also hobbylos und gottlos viel Seriengucken telefoniere ich noch mehrmals mit dem Liebsten und verfolge mit nur einem halben Auge die Politik diesseits und jenseits des Teichs (inkl. Austausch mit Pittsburgh, Petition unterzeichnen, Demoaufrufe teilen und harten „Was erlaube Merz?!“-Gefühlen).
Nimbin braucht erstmal einen Wildberry Lillet
In einer Art Übersprungshandlung bestelle ich mir dann noch vier Blazer (also einen Blazer in vier Farben) zum Anprobieren. Könnte sein, dass ich demnächst in Blazer-Situationen komme und dann wäre Haben ja besser als Brauchen. (Blazer, ich, oha.) Und dann ist gegen 22 Uhr Zeit für Buch und Wanne und später Buch und Bett, denn morgen wird ein langer Tag – die Demokratie braucht mich – Dich auch, such Dir ne Demo oder trag Oma die Einkaufstüten hoch oder sowas!
Ordentlich ausgeschlafen, juhu! Bis auf eine kurze Unterbrechung schlafe ich tatsächlich bis nach 8 durch und fühle mich ausgeruht. Draußen regnet es, das höre ich sofort und bleibe daher gleich noch viel gemütlicher und mit weniger schlechtem Gewissen liegen. Gibt ja auch genug vom Bett aus zu tun. Die Notwendigkeit des Aufstehens ergibt sich erst gegen 11, als sowohl die Katzen als auch ich hungrig werden. Heute mal etwas glamouröseres Frühstück, mit Ei und falschem Kaviar.
Im Kaffeebecher Tee
Zum Ende des Frühstücks wechsle ich an den Schreibtisch, wo um 12 ein Webinar auf mich wartet. Danach bleibe ich gleich noch sitzen, erledige ein paar Dinge, befasse mich mit ein paar Onlinekursen und mache Recherchen.
Da ich noch einen Abendtermin habe, packe ich dann einfach etwas Unterhaltungs- und Entspannungsprogramm in den Nachmittag und stehe gegen halb 4 am Herd und koche. Es gibt Pasta alla zucca nach ungefähr diesem Rezept, mit Crowdfarming-Butternut und Crowdfarming-Zwiebel und letztem Salbei vom Balkon (bereits getrocknet). Weil ich zwischendurch mit dem Liebsten telefoniere, verpasse ich den Schritt des Kürbis zerstampfens, deswegen wird es etwas stückiger, schmeckt aber trotzdem hervorragend.
Müde macht es auch, direkt danach lege ich mich hin und penne weg – aber mit Wecker. Der macht mich dann auch rechtzeitig wieder wach für meinen Termin mit meiner Mentorin – alles über Zoom zum Glück und hilfreich wie immer. Danach ist es schon 21 Uhr. Ich mache mir noch eine Liste der Oscar-nominierten Filme und nehme mir vor, bis zur Verleihung mal wieder so viele wie möglich davon zu sehen. Dann gibt es noch ein bisschen YouTube (die Late Nights von gestern) und das sehr gute Special von Josh Johnson zum TikTok-Drama und Socials-Drama im Allgemeinen. Der ist wirklich wirklich empfehlenswert! Hinten dran dann noch etwas echtes TikTok und dann gegen Mitternacht zurück ins Bett.
Ganz erstaunlich, wie nach dem ersten Ansturm an Horrornachrichten von überm Teich heute so wenig zu hören ist. Also, vergleichsweise halt. Die mutige Bischöfin, das Versetzen von Militär vom Bekämpfen der Brände in Kalifornien an die Südgrenze, die Beurlaubung von DEI-Fachkräften in Regierungsbehörden und der Aufruf an die anderen, ihre Kolleg*innen zu bespitzeln und etwaige klandestine DEI-Aktivitäten zu melden… OK, doch kein richtiger Slow News Day, aber mit weniger medialer Durchschlagskraft.
Mein Tag beginnt daher recht entspannt und mit ausführlichem morgendlichen Programm – Internetrunde, Telefonieren, Bloggen, Italienisch, Französisch, Wordle, Connections, Strands, Spelling Bee, Past Puzzle, Bandle, Handyspiel… Und dafür dann halt recht spätes Frühstück. Die Katzen sind aktuell im Winterschlafmodus, viel Schlafen, viel Kuscheln, wenig Essen, so dass ich mir viel Zeit mit dem Aufstehen lassen kann. Als es soweit ist, gibt es Joghurt mit Banane und Maracuja, einen leicht angedetschten Kremvogel (Eigenschreibweise vom Bäcker) und Sencha-Minz-Tee.
Danach beschäftige ich mich mit einem Onlinekurs und ein wenig Papierkram, bis ich am frühen Nachmittag ein paar Sachen zusammenpacke und mich ins Draußen begebe. Mit Tram und U-Bahn geht es zu den Ellis, um dort ein paar Vögel und Nester vorbeizubringen, Tee zu trinken und zu erzählen. Dann mit U- und U-Bahn weiter zum Bruder, für selbiges. Dann mit Tram und dem Fuß (Schrittziel!) wieder nach Hause, wo ich gegen halb 8 ankomme.
Zum Abendbrot gibt’s die Reste vom Colcannon von gestern, dann versenke ich mich eine ganze Weile in TikTok, Telefonate mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind, YouTube-Videos… Später am Abend gibt es dann nochmal ein Dessert – heiße Feigen aus der Dose mit Vanilleeis und Pfeffer. Habe ich so schon mehrfach in italienischen Restaurants gegessen, allerdings haben die dort eingelegte grüne Pfefferkörner, während ich mit gemahlenem Schwarzen Vorlieb nehmen muss. Schmeckt aber auch sehr gut.
Präsentation im Restaurant auch anders
Gegen 11 geht’s ins Bett und heute schaffe ich tatsächlich noch zehn Seiten im Buch, juhu!
Die nächsten Monate, Jahre, Jahrzehnte (?) werden lang und anstrengend und es ist wichtig, sich die Kraft einzuteilen und nicht zu resignieren. Wissen wir alle, das zu beherzigen wird die Herausforderung. Bei mir jedenfalls sieht das heute so aus:
Wieder zu wenig geschlafen, weil spät eingeschlafen und dann recht früh wieder wach gewesen. Langes im Bett liegen mit allem, was am Morgen dazu gehört. Dabei u. a. neben dem normalen Nachrichtenstrom die Highlights der US-Late-Night-Shows gucken. Fühlt sich wieder ein bisschen an wie in der Pandemie. Ich setze mir bewusst Pausen in den Nachrichtenkonsum.
Gegen 11 stehe ich auf, rödel ein bisschen im Haushalt herum und sitze dann pünktlich um 12 mit Frühstück am Schreibtisch für ein Webinar.
Angewärmte sroka/Elster (auf Tipp des Bäckers hin) und die letzte Crowdfarming-Mandarine
Danach größere Haushaltsrunde mit Müll runterbringen, Wäsche waschen, Staubsaugen… Und schon ist es Zeit fürs Mittagessen (Stullen, Crowdfarming-Karotten, Crowdfarming-Fenchel und die nächste Dosis Nachrichten. Bald darauf muss ich ins heute sehr kalte Draußen. Eigentlich ist es nur knapp unter Null, aber es fühlt sich wirklich eisig an – mag an der Gesamtsituation liegen. Ich höre zur Einordnung die neue Folge Pod Save America und dann die Lage der Nation. Komischerweise beruhigt mich die deutsche Situation im Vergleich zur amerikanischen. Ist näher dran, aber (noch) weniger bedrohlich.
Beim Orthpäden bekomme ich leichte Fortschritte in der Mobilität bescheinigt und eine weitere Verordnung für Physiotherapie. Von einer Spritze oder OP möchte man lieber absehen und erstmal weiter auf die – sehr langsamen – Fortschritte hoffen. Ich muss aber mithelfen, sagt er.
Danach gehe ich noch einkaufen im Drogeriemarkt und im Supermarkt und dann bin ich sehr froh, wieder drinnen im Warmen zu sein. Kurze Nachrichtenrunde und dann steht das nächste Webinar an. Hinterher koche ich mir Abendbrot. Es gibt Colcannon aus Crowdfarming-Kartoffeln und Crowdfarming-Kohl, dazu Butter, Salz, Pfeffer, Muskat, Schnittlauch, vegane Schinkenwürfel und ein bisschen Erbsenmilch.
Nochmal ein bisschen Beschäftigung mit der Welt, Telefonieren mit dem Liebsten, Spielen… Der Liebste und ich verschieben unsere 1:1-Gespräche endgültig von WhatsApp zu Signal (WhatsApp ganz aufzugeben eher illusorisch), ich schreibe meiner Abgeordneten, dass sie für den AfD-Verbotsantrag stimmen soll. Ich versuche zu lesen, aber da fallen mir schon wieder die Augen zu und ich mache mich bettfertig. Ein Eskapismus-Podcast rettet mich in den Schlaf.
Frühes Aufwachen, noch bevor der frühe Wecker früh klingelt. Heute nur halbe Morgenroutine im Bett, ich habe Termine. Also einen. Um 8 stehe ich auf, halb 9 habe ich eine Banane gegessen und verlasse mit einem Kaffee das Haus und fahre mit S- und U-Bahn in den Westen. Drüben angekommen laufe ich noch ein paar Schritte und stehe dann in einem jüdischen Café, wo ich einen Freund zum Frühstück treffe. Er ist wie jedes Jahr zur Grünen Woche in Berlin und hat mir wie jedes Mal Vogelhochzeitsgebäck mitgebracht. Wir haben uns viel zu erzählen, besonders viel mal wieder über Politik – natürlich. Wäre schön, in weniger interessanten Zeiten zu leben.
Nach knapp anderthalb Stunden verabschieden wir uns an der Ringbahn und ich fahre zurück, todmüde. Erstmal nochmal hinlegen, Bloggen, Französisch und Italienisch machen und dann heißt es Tee kochen und Punkt 12 im Webinar sitzen. Danach gibt es einen kurzen Schnack mit der Mitbewohnerin und zum Mittagessen gebackene Süßkartoffel mit Salzbutter und Mojo Verde.
Hinterher würde ich gerne nochmal schlafen, aber die Nachrichtenlage raubt mir die Ruhe. Ich telefoniere mit dem Liebsten, verweile mich in den schönen Ecken der sozialen Netzwerke. Und dann geht es los – Inauguration-Berichterstattung auf C-SPAN. Ich erinnere mich an das Gefühl vor vier Jahren, wie erleichtert und enthusiastisch wir waren und zuguckten. An das Gefühl vor acht Jahren, als ich wie versteinert auch im Bett lag und zuguckte. Vor zwölf Jahren war das Internet wohl noch nicht so gut – im Nachhinein schade.
Diesmal nun ist es total absurd. Der geordnete Ablauf, das höfliche Klatschen der „Vernünftigen“ bei Teilen von Zeremonie und Rede, die wahnwitzige Rede und der Jubel von den Anderen. Ab jetzt ist Chaos, gelten keine Voraussagen mehr. Ich schreibe wieder mit meinen amerikanischen Freund*innen und sage meine Abendverabredung ab, das hier ist zu allumfassend, ich könnte mich auf nichts anderes konzentrieren. Als kleinen symbolischen Widerstand bestelle ich mir eine kanadische Poutine, mit Hähnchen-Avocado-Bällchen und Zitronen-Aioli.
Später am Abend gucke ich eskapistisch ein paar Folgen Parenthood und scrolle noch ein wenig durch TikTok. Der Widerstandswille ist dort noch groß und der Algorithmus führt mich weiterhin in die richtigen Kreise. Inspiriert vom kurzen US-Ban finden sich dort gerade auch viele Creators aus Europa und anderen nicht-USA-Ländern, solidarisieren sich und wollen gemeinsam für Menschenrechte und gegen Faschismus kämpfen. Ein bisschen Hoffnung daraus ziehen, dass auch das ein Outcome sein kann – neben all dem Schrecklichen, das bereits da ist und noch kommen wird.
Plötzlich ist es schon wieder fast 2 Uhr, Augen zu.
Wieder recht früh aufgewacht, vor dem vorsorglich gestellten Wecker, und dann mit Tee im Bett das Weltgeschehen weiter verfolgen – die Amerikaner*innen sind nicht mehr bei TikTok. Gegen 10 gehen wir hinunter zum Frühstück, wo es heute ordentlich Mett auf dem Buffet gibt – ist ja schließlich ein Wellness-Hotel, nech? Ich hole mir gleich zwei Portionen, außerdem Lachs, Bacon, Grießbrei, Milchreis, das volle Programm.
Trotzdem schaffen wir es, zu 11 auszuchecken und haben dann noch vier Stunden Zeit für den Spa-Bereich. Ausführliches Plantschen im Solebecken, wobei wir über globale Politik, amerikanische Oligarchen und römische Gehaltsstrukturen reden – die anderen Paare in diesem Erwachsenenhotel müssen uns lieben… Dann schön erst ins Dampfbad und dann in die 85-Grad-Sauna – leider verpassen wir aus Timing-Gründen den Gewürzorangenaufguss, der hätte mich interessiert. Hinterher erwische ich nochmal ein freies Wasserbett – hach.
Eine zweite Runde schaffen wir auch noch. Nochmal plantschen, dann Bio-Sauna als Abschluss und zur Regeneration. Dann wieder ernsthaft anziehen, zum ersten Mal seit Freitag, und Abschied nehmen. Draußen ist eitel Sonnenschein und alles promeniert am See entlang.
Wir laufen zurück am Bahnhof, vorbei an einem Bäckereien-Nukleus mit insgesamt fünf Betrieben, die allesamt voll oder zu sind – kein Abschiedskuchen- und kaffee für uns. Stattdessen setzen wir uns auf die Bank einer Bushaltestelle in der Sonne und warten dort, bis es Zeit ist, in den Zug zu steigen. Regionalbahn, RegionalExpress, S-Bahn. Am Ostkreuz trennen sich unsere Wege. 25 Minuten später bin ich zuhause, werde von den Katzen freudig begrüßt, packe meine Sachen aus und liege dann platt auf dem Bett und stelle meinen Briefwahlantrag, bevor Noosa meine Wahlbenachrichtigung zerlegt.
Jetzt habe ich endlich Zeit, mir das USA-lose TikTok anzuschauen. Mir werden plötzlich noch viel mehr Creators aus Europa, Asien, Lateinamerika vorgeschlagen, die Dichte an Kanadier*innen, Australier*innen und Neuseeländer*innen nimmt zu. Es gibt viel Freude über die plötzliche Visibility, ein wenig freundliche Häme über die Abwesenden und dann… plötzlich… sind die nach und nach alle wieder da. TikTok bedankt sich bei „Präsident Trump“ für die Rettung, es mehren sich die Hinweise, dass der „Ban“ für eine Server-Migration genutzt wurde und dass TikTok jetzt zu Meta gehören könnte. Alle sind froh, wieder da zu sein, aber die Angst wächst, dass jetzt auch TikTok von den MAGA-TechBro-Faschismus-Milliardären kontrolliert wird. Die Skepsis ist groß, alle scheinen das Geschehen vorsichtig zu beäugen. Ich sehe keine dankbaren Creators und hoffe, dass das nicht nur am Algorithmus liegt. Man wird sehen müssen, was in den nächsten Wochen passiert. Und dezentrale Alternativen aufbauen…
Plötzlich ist es schon ganz schön spät. Ich gehe noch schnell in die Badewanne, höre davor, dabei und danach Fritze Merz bei Alles gesagt zu (mit Bauchschmerzen, aber ich habe mit ja vorgenommen, mich mit anderen Ansichten erstmal ergebnisoffen auseinanderzusetzen) und mache dann gegen halb 12 das Licht aus.
Ich wache recht früh auf und schaffe allen Internetkram ohne Ton, bevor der Liebste aufwacht. Dann gibt es Kaffee im Bett für Beide und draußen nur Nebel, der See ist nicht in Sicht. Also bleiben wir echt lange liegen und erscheinen dann echt spät zum Frühstück, so dass ich mir vorsorglich gleich alles vom Buffet hole, bevor es evtl. schon abgebaut wird. Aber nur leichte Kost heute, das Abendessen war ja recht mächtig.
Das Glas Sekt fehlt auf dem Bild
Nach dem Gelage müssen wir uns nochmal kurz hinlegen und verdauen und dann geht es gegen 12 hinunter in den Wellnessbereich. Der ist schon deutlich voller als gestern Nachmittag, Wochenende halt. Wir drehen eine Aufmunterungsrunde im Solepool (32 Grad), weiten unsere Atemwege im Dampfbad (45 Grad) gehen dann in die Bio-Sauna (64 Grad) um uns langsam an Wärme zu gewöhnen. Danach erstmal Ausruhen. Leider ist heute den ganzen Tag kein Wasserbett frei, stattdessen entdecken wir den Waldbade-Raum für uns, lümmeln auf zwei gegenüber gestellten Sesseln, so dass wir beide die Füße hochlegen können, hören meditative Musik, gucken ins Grüne und lesen unsere Bücher.
Die zweite Runde führt uns vom Solepool in die Oktogon-Sauna (85 Grad), wo kurz vorher ein Eukalyptus-Aufguss stattgefunden hat. Dann gehen wir zurück zum Waldbaden. Ich lese Fang Fangs „Weiches Begräbnis“ zu Ende und döse dann vor mich hin. Die dritte Runde ist Solepool und Finnische Sauna (90 Grad), das ist dann erstmals so heiß, dass der noch angeschlagene Organismus keine 15 Minuten mitmachen will. Nach 10 gehen wir raus, kühlen uns ab, chillen ein bisschen im Abklingbecken und waldbaden ein letztes Mal für heute. Dann hoch aufs Zimmer, anziehen und hinüber ins italienische Restaurant, worauf wir uns sehr freuen, denn beim letzten Mal war das wirklich sehr lecker.
Wir haben ein Angebot gebucht, in dem zwei 3-Gänge-Menüs inklusive sind. Gestern im rustikalen Restaurant konnten wir diese frei von einer reduzierten Karte auswählen. Heute liegt eine fertige Menükarte auf dem Tisch (immerhin mit einer vegetarischen Variante fürs Hauptgericht) – keine Auswahl! Wir sind ein wenig angepisst, zumal auf der regulären Karte echt leckere Dinge stehen, die im Warenwert vermutlich unter dem liegen, was auf der Menükarte steht. Und weil es halt gestern anders lief. Und weil wir uns so gefreut hatten auf das tolle Essen. Der Liebste ist noch weniger amused als ich (und das will was heißen), isst sich aber überraschend tapfer durch die Broccolicremesuppe. Dazu gibt es Kalamansi Spritz.
Zum Hauptgang gibt es Weiderind mit gebackenen Kartoffelspalten und Ratatouille. Der Liebste mag kein Ratatouille und weil die angebotenen Alternativ-Beilagen ihm auch nicht zusagen, isst er halt die Fregola mit Waldpilzen und ist wenig begeistert von der Zubereitung. Dazu trinken wir Negroamaro.
Der Nachtisch ist dann wieder für beide OK – Crème brûlée mit Kirschen, für den Liebsten noch einen Grappa, aber die Laune ist ziemlich im Keller nach dem unterwältigenden Abendessenerlebnis.
Wieder auf dem Zimmer schreibt der Liebste noch eine sehr kritische, nicht öffentliche Bewertung, bevor er sich mit mir in das TikTok-Rabbithole begibt. Es ist der letzte Abend für die amerikanischen User*innen auf TikTok.
Es gibt nostalgische Contentrückblicke, emotionale Abschiede und viel Witziges über die Interaktionen zwischen Amerikaner*innen und Chines*innen auf RedNote, die beiden Regierungen nicht gefallen dürften. Die Amerikaner*innen lernen, dass das Leben in China (bis auf Rechte und Freiheiten) komfortabler und fortschrittlicher ist als in den USA, die Chines*innen lernen, dass was sie über die USA in der Schule lernen (Armut, fehlende Gesundheitsfürsorge, schusssichere Schulranzen) gar keine Propaganda ist, kommen dafür aber mit LGBTQIA-Themen in Berührung. Kreator*innen spekulieren darüber, ob sich die 170 TikTok-User*innen in den USA jetzt auflehnen werden, dass China bald getrennte Server für die amerikanischen RedNote-User*innen einrichtet, um seine Bevölkerung wieder abzuschirmen, Idealist*innen träumen von einem Niederreißen der „digitalen Berliner Mauer“ und einer neuen internationalen Solidarität der Menschen im Westen, in China, im arabischen Raum und in den Entwicklungsländern… Es ist faszinierend und unterhaltsam.
Passend zum Abend gucken wir uns moderne chinesische Entertainment-Versionen der Internationalen an (hier und hier) und ich bin ein wenig traurig, dass beim ESC nur originale Songs antreten dürfen. Eine Eurovision-Version während der Abstimmungspause wäre aber doch vielleicht drin?
Die bittere Realität scheint aber zu sein, dass der TikTok-Ban von Big-Tech-Interessen getrieben war. TikTok selbst erwartet, dass Trump das Ganze zurückfährt oder aussetzt. Trump wird vermutlich dafür sorgen, dass Musk oder Zuck o.ä. die App kaufen kann (und/oder sich TikTok den neuen Regeln unterwirft) und dann haben nicht nur die Amerikaner*innen, sondern wir alle ein weiteres soziales Netzwerk (mit seinen Community-Effekten und Mobilisierungsmöglichkeiten) an die Oligarchen/Faschisten verloren. AOC gehört übrigens zu der Mehrheit der Abgeordneten, die gegen den Ban gestimmt haben, weil die Unterlagen, die ein angebliches nationales Sicherheitsinteresse belegen sollten, nicht überzeugend waren.
Die Aussichten sind trübe, aber vom Unterhaltungswert her ist der Abend zumindest gerettet und das ist ja auch schon was.
Ich erwache kurz vor 8 und spüre zum Glück direkt eine deutliche Verbesserung im Erkältungszustand. Hätte ich keine Pläne, wäre heute sicherlich ein Tag, um bisschen rauszugehen und statt Bett auf der Couch zu sein und auch wieder produktive Dinge zu tun. So aber bleibe ich noch ein wenig liegen, tue die üblichen morgendlichen Dinge, klatsche virtuell mit dem Liebten ab, dem es genauso geht, und dann stehe ich gegen 10 auf, ziehe mich an, frühstücke Haferflocken mit Studentenfutter, Erbsenmilch, Banane und Maracuja sowie einen Apfel plus Ingwertee, erledige den Abwasch der letzten Tage, durchsiebe das Katzenklo, packe meine Sachen und verlasse kurz vor halb 12 das Haus.
Ich treffe den Liebsten am Ostkreuz. Wie es sich für so gesetzte Berliner*innen in der Rekonvaleszenz gehört, holen wir uns beim Haferkater noch je einen Ingwer-Zitrone-Tee und eine vegane Stulle. Dann nehmen wir die S-Bahn nach kurz hinter der Stadtgrenze, einen RegionalExpress in eine Kleinstadt weiter, eine RegionalBahn in eine weitere Kleinstadt und dann laufen wir noch 20 Minuten – am See entlang – zu unserem Hotel für dieses Wochenende. Kurz vor 14 Uhr sind wir da, wo wir letztes Jahr bereits zwei Tage und eine Nacht verbrachten. Diesmal dann zwei Nächte – unser Weihnachtsgeschenk für einander.
Wir können direkt unsere Zimmer beziehen, ruhen uns kurz von der Anreise aus und gehen dann hinunter in den Wellnessbereich. Erstmal eine Runde durch den Außen-Solepool, der verlässlich gute Laune und gutes Befinden macht. Dann setzen wir uns ins Dampfbad, das um diese Zeit noch komplett leer ist und unseren Atemwegen gut tut. Hinterher geht’s in die Steinsauna (53 Grad), in der wir auch alleine sind. Dann ist es Zeit für den Ruheraum, wo mein favorisiertes beheiztes Wasserbett frei ist. Ich lese kurz und schlafe dann erstmal eine halbe Stunde tief und fest. Wir bleiben noch anderthalb Stunden weiter liegen und lesen – man soll es ja nicht gleich übertreiben, gerade mit abklingelnder Erkältung.
Doch dann werfen wir uns nochmal kurz in die Sole-Fluten, um die Lebengeister nochmal zu wecken und gehen dann zum Aufwärmen in die Bio-Sauna (65 Grad, für unsere Verhältnisse immer noch knapp über lauwarm, auch fast komplett leer). Von da geht es zurück aufs Zimmer – duschen und chillen, bis es um 20 Uhr Zeit fürs Abendbrot ist. Wir haben ein 3-Gänge-Menü im rustikalen Restaurant gebucht (morgen geht’s ins italienische).
Wir starten mit Prosecco, dann gibt es für mich Rote-Bete-Carpaccio mit Yuzu, Ziegenkäse und Wildkräutern, für den Liebsten Ceasar‘s Salad. Zum Hauptgang für mich Pilzpfanne mit (angebratenen) böhmischen Knödeln, für den Liebsten Pulled Pork Burger, dazu für beide Schwarzbier (er groß, ich klein). Hinterher Apfelcrumble mit Joghurteis und Espresso für beide, der Liebste traut sich noch einen Grappa (Tresterbrand) hinterher zu schütten.
Danach schleichen wir uns zurück ins Bett und sind rechtschaffen platt. Wir verbringen noch ordentlich Zeit mit unseren Endgeräten – u. a. gehe ich nochmal konzentriert durch meine TikTok-Followings und räume auch die letzten Amerikaner*innen rüber zu Instagram bzw. YouTube. (Demnächst bestimmt dann nochmal von Insta nach YouTube oder wenn Alphabet fällt noch weiter?) Sehr melancholische Stimmung da, überall verabschieden sich Leute oder werden selbst verabschiedet. Nur eine mir wichtige Creatorin kann ich erstmal nicht weiter verfolgen, da sie bisher keine anderen Kanäle nutzt. Eine Musiklehrerin, die mit ihren Schüler*innen regelmäßig Musikratespiele zu Musik aus den 80ern und 90ern macht und sich (nicht die Kinder) dabei filmt und die Welt mitraten lässt – bisher jedenfalls.
Irgendwann ist es gegen 1, der Liebste ist schon mehrfach eingeschlafen und mir fallen jetzt auch langsam die Augen zu. Mal gucken ob wir uns morgen schon heißere Saunen zutrauen können…