04.11.2024 – Wohnungsdinge

In der Nacht ein bisschen Schlaf aufgeholt, aber noch lange nicht genug. Die lieben Katzen wecken mich früh und als ich dann endlich richtig wach bin, schlafen sie schon wieder tief und fest. Immerhin kann ich so dann lange im Bett liegen bleiben und langsam in den Tag finden. Ihr Frühstück bekommen sie trotzdem erst gegen 11, kurz vor meinem eigenen. Das besteht aus Porridge mit Banane, Apfel und Zimt.

Auch danach brauche ich noch eine Weile, um in Schwung zu kommen, aber dann geht es gegen 12 los:

  • Balkon winterfest machen (Liegestühle reinholen, Zitruspflanze reinholen, Getränkekästen an die Hauswand holen)
  • Katzenklo durchsieben
  • Bett neu beziehen
  • Ein wenig aus- und umräumen, ein großer schwarzer Müllsack wird mich noch die nächsten Tage begleiten
  • Staub saugen
  • Wäsche abnehmen, Geschirrspüler aus- und einräumen
  • Müll runterbringen

Dann habe ich Hunger und mache mir Stullen, Kohlrabi und Tomaten zum Mittagessen. Hinterher sitze ich pünktlich am Schreibtisch für einen Videocall. Danach bleibe ich gleich im Arbeitszimmer und vertreibe mir die Zeit mit Ablage (noch unvollendet, vor dem Urlaub war viel los und einiges ist liegengeblieben bzw. muss erst eine neue Ordnung geschaffen werden, in das sie einsortiert werden kann).

Ich wechsle dann aber wieder mit Tee ins Wohnzimmer, denn es stehen gleich zwei WG-Casting-Termine an. Spoiler: Beide Kandidat*innen tauchen nicht auf und sagen auch nicht ab. Das ist jetzt das dritte Mal in Folge, WG-Apps inzwischen schlimmer als Dating-Apps? Oder wie der Liebste meint: Scheint ja doch nicht so schwer zu sein, in Berlin eine Wohnung zu finden. Nun ja, morgen nächster Versuch.

Zum Abendbrot backe ich mir den kleinen Ein-Personen-Kürbis, den ich letzte Woche gekauft habe. Dazu gibt es Kräuterfrischkäse, Pflaumenchutney aus brüderlicher Herstellung und ein so genanntes Mojo Verde, das seinen Weg aus einem kanarischen Souvenirladen hierher gefunden hat, aber keinerlei Koriander enthält. Trotzdem lecker.

Bei der ganzen Wuselei vorhin habe ich That was us gehört, einen Podcast, bei dem drei Darstellerinnen von This is us die Serie rewatchen. Jetzt bin ich angefixt und verbringe den Rest des Abends damit, die bisher besprochenen Folgen nachzugucken. Eine gute Beschäftigung angesichts der Weltlage und zur Beruhigung vor dem morgen beginnenden Wahlkrimi.

03.11.2024 – Kunst die Zweite und zurück nach Hause

Schlaftechnisch eine vernachlässigbare Nacht, findet auch das FitBit. Unbekannte Umgebung, fremdes Sofa, schmerzender Arm und zumindest am Anfang noch ordentlich Kälte in den Knochen… Das wurde nix. Vor halb 8 bin ich endgültig wieder wach und werfe mich mit Verve in die morgendliche Internetroutine – bloß nicht unterkriegen lassen. Nach Bloggen, Französisch und Italienisch drückt die Blase dann so, dass ich aufstehe und den Tag auch in der Kohlenstoffwelt offiziell beginne. Die gastgebende Familie ist ebenfalls wach, die Eltern bauen Möbel auf, das Baby sitzt auf seiner Decke und guckt zu.

Ich nehme dankbar einen Kaffee entgegen und geselle mich dann zum Baby. Es ist in einer sehr angenehmen Lebensphase, sehr genügsam, aber vielseitig interessiert und bereit, Dinge auszuprobieren. Wir beschäftigen uns eine ganze Weile miteinander und dabei macht es nicht nur fein- und grobmotorische Übungen sondern arbeitet auch an seiner Core Body Strength, dem räumlichen Vorstellungsvermögen und außerdem durchblättert es Erziehungsratgeber, Sudoku-Hefte und Ikea-Anleitungen. Nach so viel Stimulation wird es dann müde und legt passend zum Ende der Handwerkerei ein Schläfchen ein, so dass wir zu dritt in Ruhe frühstücken können.

Es gibt Brötchen, Marmelade, selbstgemachte Nuss-Aufstriche, Käse, Mango und importierte Wurstspezialitäten (Mettenden und Weißwurst, mit süßem Senf). Nach dem Essen wird das wieder wache Baby für die Welt draußen flottgemacht und dann ziehen die alte Freundin, das Baby und ich raus in den sonnigen Herbsttag. Wir nehmen die Straßenbahn nach Connewitz und schauen nochmal in der Galerie von gestern vorbei. Die alte Freundin bekommt von meinem Cousin nochmal eine individuelle Tour durch die Kunst während seine Freundin und ich Catch-up spielen bzw. ich als Babysofa fungiere.

Dann brechen meine beiden Hosts wieder auf und ich unterstütze meinen Cousin und seine Freundin seelisch und moralisch beim Abbau der Kunst – Ausstellung endgültig vorbei. Mit dem Auto fahren wir alles zurück in den Backstage-Bereich der gesammelten Aktivitäten der Beiden, wo ich dann auch noch einen kurze Führung durch die anderen Projekte bekomme.

This is where the magic happens

Dann bringen mich die beiden zum Bahnhof, wo ich mir schnell noch ein Sandwich hole und mich dann auf den langen Heimweg mache. Mit der S-Bahn nach Dessau, dort einen Tee gegen die Novemberkälte (ab morgen Winter- statt Barfußschuhe!), mit dem RegionalExpress zum Alex und dann mit der Tram nach Hause. Die Katzen haben sowohl mich als auch das Essen vermisst und sind erfreut, dass beides sich plötzlich materialisiert.

Ich koche mir Pappardelle mit Wildfenchelpesto und Rosinen, trinke dazu heißen Birnensaft mit Zimt und kuschele mich samt Decke und Katzen auf dem Sofa ein. Telefonat mit dem Liebsten, eine Folge „The Diplomat“ und dann eine RomCom mit Niveau zur Einstimmung auf Dienstag: „The American President“ – Bettgehzeit wieder gegen Mitternacht, das scheint sich einzupendeln, wenn morgens kein Wecker klingelt.

02.11.2024 – Railtrip und Neue Sorbische Kunst

Morgens ist die Welt noch in Ordnung, es ist zwar kalt, aber wirklich schönstes Herbstwetter – ganz unnovembrig, mit blauem Himmel und bunten Blättern. Ich starte gemütlich in den Tag, mit einigen Extras zum sonstigen Morgenprogramm – erweiterte Katzenversorgung, Geschenkeinwickelung und Rucksackpackung. Dann geht es gegen halb 11 hinaus in die Welt. Die aktuelle ÖPNV-Situation in Berlin ist auch heute nervig. Die 15 Minuten Tram zum Alex muss ich komplett stehen, das kommt sonst nur morgens in der dichtesten Rush Hour vor, keinesfalls nach 9 Uhr und schon gar nicht am Wochenende. Heute schon.

Am Alex dann umsteigen in den RegionalExpress, dort immerhin mit etwas Glück (und Nachdruck) einen Sitzplatz ergattert. Auf dem geht es dann wieder entspannt quer durch Berlin und Brandenburg bis nach Sachsen-Anhalt. In Dessau dann fängt der November an. Der Anschlusszug hat Verspätung, es ist grau und windig und kalt und ich stehe eine halbe Stunde frierend auf dem Bahnsteig bevor ich in eine sehr volle Regionalbahn einsteige. Zum Glück trotzdem noch mit Sitzplatz für das letzte Stück nach Leipzig. Hallo Sachsen, altes Haus!

Am größten Sackbahnhof Europas werfe ich schnell eine Brezel mit Kürbiskernen ein (nicht regional, aber mein Körper braucht den Stoff) und fahre dann mit der S-Bahn bis zum MDR, wo ich auf die „alte Freundin“ samt Mann und Kind treffe, die gerade von einem Ausflug zurückkommen. Gemeinsam laufen wir zu ihrer Wohnung und kaufen unterwegs dann noch echt sächsisches Gebäck ein.

Dann erstmal Sofa, Chillen, Geschenk übergeben, Kind bespielen… Es ist seit März doch ein bisschen gewachsen und sitzend und brabbelnd und schäkernd kaum noch als Baby zu klassifizieren. Als die Eltern kurz beschäftigt sind vertreiben wir uns genügsam gemeinsam die Zeit. Während seine Mama dann Risotto fürs Abendbrot kocht, schläft das Kind auf meinem Schoß sogar ein. Sehr kooperativ. Nach dem Essen dann verabschiede ich mich und fahre mit dem Bus nach Connewitz, Kunst gucken.

Heute ist die Finissage der Ausstellung „50 Jahre Neue Sorbische Kunst“ von Bernhard Schipper. Ein wilder Ritt durch (Science) Fiktion, (sozialistischen) Realismus, sorbische Kolonialisationsgeschichte und heutige politische Konfliktlinien in Bautzen und der Lausitz, verknüpft mit ein bisschen Familiengeschichte (Disclaimer: Der Künstler ist mein Cousin).

Es gibt eine ausführliche Führung durch die Ausstellung mit Erklärungen, sozialhistorischen Kontexten und kunstgeschichtlicher Einordnung und hinterher vielen interessanten Gesprächen mit den anderen Besucher*innen (Programmteil: Saufen für die Kunst).

Später, als sich die Reihen langsam lichten, haben mein Cousin und ich dann noch Gelegenheit für Updates aus den letzten und Ausblicke auf die nächsten Monate. Ganz am Ende drehen sich die Gespräche in der letzten Gruppe Verbliebener um Klimawandel, kanadische Sekten und den Sinn und vor allem Unsinn von Bitcoin. Dann wird es Zeit, den Laden dicht zu machen (bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zu ne offener Tür stehen wir seit über drei Stunden in einem unbeheizten und unsanierten Altbau…) und wir fahren in der (wohlig warmen) Straßenbahn zurück ins Zentrum.

Am Südplatz verabschiede ich mich, laufe durch die Kälte zurück zur Wohnung der alten Freundin und schleiche mich gegen Mitternacht ins vorbereitete Bett.

01.11.2024 – Lang gehegter Plan

Als ich vor Wochen (siebeneinhalb!) bei der besten Freundin in der Praxis saß und gerade einen neuen Termin (für vor zweieinhalb Wochen) ausmachte, kamen wir darauf, dass wir uns auch mal wieder in Zivil sehen sollten, überlegten kurz, wann das ginge und verabredeten uns dann für „Wellness“ am zweiten Freitag der Herbstferien, wie so Erwachsene halt. Es trifft sich dann jetzt also so, dass der zweite Freitag der Herbstferien der erste November ist und damit Wellness aus doppeltem Grunde angeraten. Gestern telefonierten wir kurz für die Details (die Freundin hat am Nachmittag spontan noch einen Termin reinbekommen, so dass uns nur der Vormittag bleibt und wir also früh starten müssen) und heute früh soll dann der Wecker rechtzeitig klingeln.

Die Katzen sind mal wieder noch zeitiger, so dass ich den Wecker gar nicht brauche. Ich absolviere fast die komplette Morgenroutine, frühstücke leicht (Banane, Kaki, Kekse, Birnensaft) und packe meine Tasche. Kurz nach halb 9 geht es aus dem Haus und dann mit Tram und S-Bahn nach irgendwo zwischen Mitte und Kreuzberg. Nach kurzer Suche finde ich den Eingang zum Spa, wenig später trifft auch die Freundin ein. Zum Glück haben wir einen Zeitslot reserviert und müssen nicht wie die Spontanbesucher*innen warten, ob und bis etwas frei wird.

Wir ziehen uns um und legen uns erstmal kurz in den Innenpool, der badewannenheiß ist. Die Freundin bleibt unentspannt, also wechseln wir in den salzigen, warmen Außenpool und bleiben da dann erstmal eine ganze Weile und erzählen uns, was so los ist in den letzten Monaten. Das hier wird unsere Base für den Vormittag! Wir unterbrechen das Prozedere immer wieder mal fürs Dampfbad, für die Salzsauna, für das Eisbecken (also, ich nur bis zu den Knien), für die Kräutersauna, für Ruheliegen und für einen kurzen Besuch an der Bar für Hummus, Feta, Oliven und getrocknete Tomaten mit Brot.

Ab 13 Uhr wird es dann langsam voller, aber da müssen wir uns auch schon wieder langsam anziehen – verkürzte Wellness mit hohem Erzählanteil. Aber auch ein guter Einstieg in den November, ich denke, ich mache sowas in den nächsten Monaten öfter, dann auch in der Luxusvariante mit Lesen/Schlafen zwischendrin. Wieder draußen verabschieden wir uns und ich laufe zur U-Bahn. Der Heimweg ist dann das Gegenteil von entspannend. Ich lasse eine U-Bahn (und später eine Tram) wegfahren, weil sie zu voll sind, muss dann in der U-Bahn trotzdem die ganze Zeit stehen und mich über öffiunerfahrene Berlin-Besuchende ärgern… Der Rückweg zieht sich dadurch über eine Stunde.

Zuhause telefoniere ich mit dem Liebsten. Eigentlich wollten wir uns heute Abend sehen, aber sein Arbeitstag zieht sich gerade so in die Länge, dass das nichts mehr werden wird. Immerhin spare ich mir so das Staubsaugen und Bett neu beziehen für den Allergiker. Ich mache mir mein Essen von gestern warm.

Dann höre ich einen Podcast mit meinem ehemaligen CEO (bin immer noch Fan) und schlafe dabei nachhaltig auf dem Sofa ein mit Unterbrechungen etwa zwei Stunden lang, bis es an der Tür klingelt und ein großes Paket Trockenfutter geliefert wird.

Dann gibt es noch ein leichtes Abendbrot (Sojajoghurt mit Apfel und TK-Himbeeren, Schokolade) und zwei Folgen der neuen Staffel The Diplomat, bevor ich mir die dicke Salzschicht aus dem Außenpool abdusche und ins Bett verschwinde. Wellness macht müde.

31.10.2024 – Von Röhren und Schüsseln

Der Wecker würde klingeln, aber die Katzen sind noch früher wach – möglicherweise haben sie einen Zeitumstellungsjetlag, der mir verwehrt blieb? Jedenfalls genügend Zeit zum Wachwerden, fast die gesamte Morgenroutine und ein schnelles Frühstück mit Haferflocken, Kokosjoghurt, kanarischer Banane und kanadischem Ahornsirup. Dann geht es hinaus in den letzten Oktobertag. Auf dem Weg zur Tram telefoniere ich mit dem Liebsten, in der Tram mache ich Italienisch – Tag kann beginnen. Am Alex steige ich dann ganz unzivilisiert in einen Bus um und lasse mich nach 61 bringen.

Hier im Kiez bin ich so selten, dass mir beim Laufen durch die Straßen direkt fast alle Male einfallen, bei denen ich schon hier war. Eine Freundin wohnte mal hier, da war ich ab und an, auch zum Katzensitten. Ein Mensch aus dem Internet lebte hier und schrieb von einem Kaffee aus. Mit anderen Menschen aus dem Internet traf ich mich mal in einem Restaurant, mit einer anderen Freundin in einem anderen. Und in der Kirche da war ich mal in einem Konzert, und apropos Konzerte, die Columbiahalle kommt da ja auch gleich – wen hab ich da alles gesehen? (Kellys, Franz Ferdinand, The National, Morrissey?) So in der Art…

Heute komme ich zum in die Röhre gucken, bzw. die Röhre in mich gucken lassen und muss dafür erst in einem riesigen Häuserkomplex (fünf Aufgänge, fünf Stockwerke, wenig Plan) die richtige Praxis finden, dann noch lange an der Anmeldung stehen, bis der Patient vor mir samt Tochterbegleitung versorgt ist. Dann im Wartezimmer warten und schließlich in der Röhre, die sich meine verstauchte Schulter in Ruhe betrachtet, welche nach wenigen Minuten höllisch zu schmerzen anfängt aber ICH DARF MICH JA NICHT BEWEGEN und empfinde schon meine Atmung als eigentlich zu raumgreifend. Immer wieder keine schöne Erfahrung, auch ohne Platzangst.

Hinterher spaziere ich dann durch schönstes Herbstberlin (trotz grauem Himmel) hinüber nach Mitte und versorge die Wohnung meiner Eltern. Leider liegt das FitBit zuhause an der Steckdose, so dass die vielen schönen Schritte ja eigentlich für die Katz sind.

Während des Spazierens schon bekomme ich Hunger und Appetit auf ein Gericht, das ich mir früher in Rostock immer beim Asia-Imbiss geholt habe – Reis mit Bambus, Tofu, Morcheln und anderen Pilzen, getränkt in Sojasauce und Glutamat. Der Jieper wird so groß, dass ich mir auf dem Heimweg in den Pberg (U-Bahn und Tram) eine 2024-, Foodie- und Berlin-gerechte Variante organisiere. Ich bestelle online zur Abholung im Streetfood-Laden um die Ecke hausgemachte chinesische Nudeln mit Chili, Aubergine und Koriander, außerdem gebratene Dumplings mit verschiedenen Saucen, in Mehrweg-Pfanddosen. Bis zur Abholzeit hüpfe ich noch schnell in den Supermarkt und kaufe vorsichtshalber ein paar Halloween-Süßigkeiten (aus leidvoller Erfahrung nicht zu viele und nur solche, die ich auch selbst essen würde). Dann geht’s nach Hause aufs Sofa und zum Mittagessen. Boah ist das lecker!!! Ich lasse knapp die Hälfte für morgen übrig, aber nur aus Vernunftgründen.

Danach ist es Zeit für Mittagsschlaf, und zwar ausgiebigst. Ich erwache wieder, als es draußen langsam zu dämmern beginnt – Sonnenuntergang schon halb 5! Zwischen 5 und halb 7 klingelt es dann fünfmal an der Tür und kleine Gruppen verkleideter Kinder fallen über meine Süßigkeitenschüssel her. Ich bekomme schon Angst, am Ende nichts übrig zu behalten. Zum Schluss sind alle Gummibonbons weg und mir bleibt nur noch Schokolade, immerhin leckere. Dazu mache ich mir noch ein gesundes leichtes Abendessen und dann verbringe ich den Rest des Abends mit den letzten Folgen der zweiten Staffel Kleo.

30.10.2024 – Un mercoledi italiano

(Übersetzung: Ein italienischer Mittwoch, denn dieser Tag ist vorne, mittig und hinten Italienisch angehaucht.)

Der Tag beginnt mit einer guten Stunde Wachliegen zwischen 5 und 6 Uhr, worüber ich nicht sehr amused bin. Dann schlafe ich aber doch nochmal ein und erwache erst, als die Mitbewohnerin des Liebsten die Wohnungstür schließt, zwei Minuten bevor der Wecker des Liebsten klingelt und er aufsteht und uns Kaffee macht. Eine halbe Stunde später sitzt er am Schreibtisch und ich widme mich der ausführlichen Morgenroutine im Bett. Internet leer lesen, Bloggen, Französisch machen, Italienisch machen. Dann noch die wichtigsten täglichen Dinge im Handyspiel erledigen und dann stehe ich auch auf und mache mich für den Tag bereit.

Ich drehe eine kleine Shoppingrunde im nahen Einkaufszentrum und besorge Geburtstagsgeschenke und Milch für den Liebsten, damit er sich des Nachmittags noch Kaffee trinken kann. Dann bringe ich ihm die Milch und hole ihn zum Business Lunch beim Stammitaliener ab. Er isst die Tagliatelle mit Steinpilzen, ich entscheide mich für Orecchiette mit Salsiccia und Friarielli. Den Espresso danach bekommen wir als gute Stammkund*innen aufs Haus.

Danach verabschieden wir uns. Der Liebste geht zurück ans Fließband, ich fahre zurück in den Pberg – aufgrund von Streckensperrungen mit Umweg über Mitte, was mir einen steilen und langen Treppenaufstieg an der Friedrichstraße beschert, wo die Rolltreppe kaputt ist. Die am Alex dann auch, aber da muss ich ja nur treppab. Von hier geht es mit der Tram nach Hause, wo mich zwei ungeduldige Katzen erwarten, die nur mit Futter besänftigt werden können.

Ich habe jetzt Pause, während ich auf zwei Lieferungen warte. Also höre ich weiter im Hörbuch und stelle nebenbei den nächsten Diamon-Painting-Untersetzer fertig. Auch nach langer Pause noch eine angenehme Spielerei. Dann werden erst eine große Ladung Katzenfutter und Katzenstreu geliefert, die es zu verräumen gilt, und wenig später vier Getränkekisten (Mineralwasser – zum Mixen, ansonsten trinke ich aus der Leitung, Tonic, Ginger Ale und Mate), die auf den Balkon gehören. Interessanterweise macht der Arm das gut mit. Danach gönne ich mir aber wieder weniger anstrengende Beschäftigung und mache aus dem Rest Kartoffeln und neulich gekauften Pflaumen nach Omas Rezept Pflaumenknödel zum frühen Abendbrot.

Ich sollte mir merken, dass die Mengenangabei bei großen Pflaumen für genau neun Knödel reicht – die waren auch mein Rekord beim Essen, damals bei Oma. Heute bin ich vernünftig und esse nur vier und friere die anderen ein, genau wie den Rest Pflaumen (entsteint) für zukünftige Vorhaben.

Nach dem Essen ist es Zeit für meine erste Live-Stunde Italienischkurs bei Babbel – durch fleißiges Lernen kann man sich die kostenfrei erarbeiten und ich habe gerade zwei auf Vorrat. Ich nutze sie, um an Grammatikschwächen zu arbeiten – heute geht es um Wochenendplanungen, also Futur semplice und Futur anteriore. Die Gruppe besteht aus sechs Leuten, drei in Deutschland, eine in den USA und zwei in England, der Lehrer ist Italiener und führt den Unterricht auf Italienisch und Englisch, was einen der Teilnehmer zwischendurch dazu bringt, zu bitten, etwas auf Italienisch zu wiederholen, weil er kein Englisch spräche. Man merkt, dass Babbel im Ursprung ein deutsches Produkt ist.

Ich bin die jüngste in der Gruppe (und die einzige mit Katzenbegleitung), alle lernen vor allem zum Spaß, zum Reisen oder weil sie ein Haus in der Toskana haben. Trotzdem ist das Niveau angenehm hoch (Ich hege noch Vorurteile aus Volkshochschulzeiten). Obwohl ich mich nicht vorbereitet habe, komme ich gut mit und habe die grammatikalischen Grundsätze drauf – nur bei den unregelmäßigen Verben sind andere besser im Stoff. Allerdings machen wir dann noch eine Aufgabe, die nicht in den Materialien zur Vorbereitung war und da bin ich die einzige, die das Prinzip komplett durchdringt und sofort richtig anwendet. Philologinnen-High-Five!

Zufrieden melde ich mich für eine Stunde mit Schwerpunkt Vergangenheit für in ein paar Wochen an, klappe den Laptop zu und lasse mir Badewasser ein. Ich höre den letzten Rath-Band zu Ende (zufriedenstellend und zur Reihe passend, aber wie die meisten Serienfinale ein wenig unbefriedigend) und weiche dann noch eine ganze Weile ein, bis ich schrumpelig bin und ins Bett gehe.

29.10.2024 – Produktiver Dienstag mit bestandener Prüfung

Heute habe ich mir nun einen Wecker gestellt, wegen eines Handwerkertermins, wache aber aber trotzdem früher auf, als Noosa sich direkt neben mein Gesicht setzt, mir einen Nasenkuss gibt und mich anschnurrt. Ihr Glück, dass sie auch mit elf Jahren noch kindchenschemasüß und außerdem sehr flauschig ist! Gemütliches Wachkuscheln also, dann Morgenroutine im Bett und irgendwann rechtzeitig Duschen und Frühstücken. Um 9 hat sich der Handwerker angesagt, um 9 sitze ich am Schreibtisch und beginne mein eigentlich für gestern geplantes Tagwerk.

Ich arbeite einen Stapel Post ab, gehe liegengelassene E-Mails durch, plane Termine, fülle meinen Kalender für die nächsten Wochen, aktualisiere meine Buchhaltung und arbeite insgesamt an meiner langen To-Do-Liste, die sich nebenbei stetig weiter entwickelt. (Unterteilt in: Besorgen, Erledigen, Recherchieren, Termine, Wohnung und Soziales – so ergibt es sich heute morgen und evtl. ist das eine tragfähige Struktur für die nächste Zeit). Irgendwann ist es halb 11 und der Handwerker ist immer noch nicht aufgetaucht. Ich rufe ihn an – er hat den Termin verschwitzt, kann aber in einer Stunde da sein.

Nun denn. Ich mache noch ein bisschen weiter und fange dann mit Duolingo und Babbel an, bis er klingelt. Kurze erfassende Runde durch die Wohnung – vergleichbar mit der, die schon im März stattfand, mit anderem Handwerker und danach irgendwo im Sumpf zwischen Hausverwaltung und Eigentümerfirma versunken. Jetzt also neuer Versuch. Ab Ende der Woche soll ich der Eigentümerfirma auf die Nerven gehen, bis dahin haben sie das Angebot des Handwerkers bekommen. Spaß mit Wohnungskonzernen, wo bleibt nochmal die Enteignung, lieber Senat?

Ich beende meine Duolingo- und Babbelpflichten, streiche noch ein paar letzte Items von der To-Do-Liste und beschließe dann, dass das an Produktivität für einen Tag reicht. Also wieder Hörbuch an und auf die Couch. Zwischendurch Wäsche aufhängen und Mittag machen/essen, dann ein dringend benötigtes Mittagsschläfchen (mehr so am Nachmittag).

Kartoffelsalat und verunglücktes Spiegelei mit etwas Ketchup

Am späten Nachmittag dann Aufbruch in den Westen – mit Tram, S-Bahn und am Ende Fuß (fürs Schrittziel). Kurz nach 18 Uhr treffen der Liebste und ich uns in dem Hotel, wo seine Mama samt einer Freundin wohnt und dann gehen wir zum Italiener nebenan. Die beiden Damen berichten von ihren Berlin-Abenteuern inklusive der heutigen Besucherführung beim BND samt interessanten Einblicken ins Agentenleben. Spannend! Dann sind wir dran, unsere Hausaufgaben abzuliefern. Der Liebste referiert zufriedenstellend über Sahra Wagenknecht und die Gefahr für die Demokratie, die von ihr ausgeht, dann werde ich zu meiner Meinung zu Jens Wonneberger befragt und kann auch überzeugen. Puh!

Bruschettchen an Negroni
Spaghetti alle vongole, dazu Pinot Grigio
Dessertvariation mit Panna Cotta, Tiramisù und Tartufo, danach Limoncello

Danach sprechen wir noch in einem Rundumschlag über die aktuelle politische Situation, die SPD, die Nazis, die USA, Russland und Israel. Gegen 21 Uhr sind wir fertig und können uns verabschieden. Der Liebste und ich nehmen die U-Bahn nach Südberlin und gehen angenehm angeheitert früh ins Bett.

28.10.2024 – Montagsdrööööööhn

Ein Tag voller Kausalketten und Pfadabhängigkeiten. Der ursprüngliche Plan war ja gewesen, heute viel abzuarbeiten und zu planen, was ich in den letzten Tagen (Wochen?) auf heute geschoben hatte. Dann recherchierte ich gestern auf einen Tipp meines Bruders hin nach Akutsprechstunden von Orthopäd*innen in meiner Nähe und ging mit dem Bewusstsein ins Bett, dass eine heute von 8 bis 9 stattfinden würde – allerdings ohne mir den Wecker dafür zu stellen, Mittwoch wäre ja auch noch eine.

Auftritt Uhrenumstellung und früh erwachende Katzen (und Unterbewusstsein?): Ich bin kurz vor 6 wach und nehme das als Zeichen. Also nicht nochmal einschlafen, sondern vorgezogene Morgenroutine. Um in Schwung zu kommen, mache ich irgendwann das Radio an, das von einer Lesung von Volker Kutscher berichtet. Richtig! Der letzte Gereon-Rath-Band ist gerade rausgekommen! Ich lade mir direkt das Hörbuch runter und setze mir die Kopfhörer auf.

Und dann verlasse ich halb 8 das Haus und laufe durch einen erstaunlich hellen Herbstmorgen rüber ins Plattenbauviertel zu einem Ärztehaus, das sicherlich mal aus einer Polyklinik entstanden ist. Ich bin die zweite Patientin der Akutsprechstunde, trage meinen Unfallhergang von vor inzwischen über zwei Monaten vor und beschreibe meine Symptomlage seitdem. Der kompetente Orthopäde erklärt mir freundlich aber bestimmt, dass ich wohl des Wahnsinns wäre, so lange zu warten, bis ich damit zum Arzt gehe. Dann untersucht er mich eingehend und ordnet weitere Untersuchungen an.

Im nächsten Schritt laufe ich ein Stück weiter zu einer Radiologiepraxis, mache einen MRT-Termin für Donnerstag und sitze dann eine gute Stunde im Wartezimmer, bis ich zum Röntgen aufgerufen werde. Diese Prozedur ist dann ziemlich furchtbar, es werden diverse Bilder gemacht, in Stellungen, die unfassbar wehtun, ich muss viel veratmen. Dann wieder Sitzen und Warten und schließlich mit Bildern und Befund zum Orthopäden. Der ist dann zumindest soweit beruhigt, dass nichts gebrochen ist (oder falls etwas gebrochen war inzwischen gut verheilt ist). Schulter verstaucht, Ellbogen geprellt. Mal gucken, ob das MRT weitere Hinweise liefert, was sonst noch kaputt sein könnte. Bis dahin: Schmerzmittel in entzündungshemmender Dosierung und: „Alles, was nicht wehtut ist erlaubt. Alles was wehtut ist nicht erlaubt. Verhalten Sie sich entsprechend.“

Nach der ganzen Röntgerei (und dem Weglassen der Schmerzmittel seit gestern, weil der Verdauungsapparat rebellierte) tut alles sehr viel weh. Ich laufe also fast schnurstracks nach Hause (mit kurzem Stopp in der Apotheke und am Supermarkt), werfe Schmerzmittel ein und mache mir dann ein sehr frühes Mittagessen, mit dem ich mich schon kurz vor 12 aufs Sofa begebe.

Pellkartoffeln, Quark, Leinöl, Sil

Ich würde jetzt gerne ohne Kopfhörer weiter „Rath“ hören und dabei sanft in den Mittagsschlaf gleiten, habe aber die Rechnung ohne die Bauarbeiten gemacht, die unangekündigt im Nachbarhaus stattfinden. Jemand bohrt (oder macht ähnliches) extrem und langanhaltend laut, über Stunden. Die Katzen sind genervt, aber gewöhnen sich scheinbar daran. Ich kann es nicht. Ich kann auch mit Kopfhörern kaum der Handlung folgen und verziehe mich ins Bett, um wenigstens ein Zimmer mehr Abstand zu haben. Kurz nach 13 Uhr macht der Lärm eine Mittagspause und ich döse fast weg, aber viel zu schnell geht er weiter. Auch das Telefonieren mit dem Liebsten wird davon beeinträchtigt. Ich könnte die Wände hochgehen, male mir Horrorszenarien für die nächsten Tage aus und wäge ab, ob ich doch wieder rausgehe. Aber nein, mir tut grad alles weh, ich will mich ausruhen. Also halte ich aus und irgendwann ist der Lärm dann vorbei.

An der Stelle ist vom ursprünglichen Tagesplan dann schon nicht mehr viel übrig. Während des Lärms hätte ich mich nicht konzentrieren können, jetzt lohnt es auch kaum mehr. Also mache ich nur das, was absolut zwingend heute nötig ist – Katzenstreu auswechseln, Staub saugen, Fußböden wischen (und im Zuge dessen zweimal zum Müllplatz gehen) und eine Überweisung tätigen und eine entsprechende E-Mail verfassen. Das reicht für einen Tag, beschließe ich.

Der Rest des Nachmittags und Abends ist dann wieder liegen, mit dem Liebsten telefonieren, Abendbagel essen und bis fast Mitternacht weiter Hörbuch hören.

27.10.2024 – Sonntägliches

Vom Gefühl her schön viel geschlafen (und ja auch eine Stunde mehr als der Blick auf die Uhr vermuten lässt), aber das FitBit sieht das anders und zählt weniger Stunden als mein Gefühl. Nun denn. Glauben wir dem Gefühl. Übliche Morgendinge, irgendwann Telefonat mit dem Liebsten, dann aufstehen und Sonntagsfrühstück, mit Ei und so.

Arbeitsames lasse ich heute bleiben, der Rest vom Haushalt kommt morgen dran, heute ist Sonntagsruhe. Überhaupt habe ich alles, was nach Produktivität, Erledigung und Organisation klingt innerlich auf „ab Montag“ geschoben, um ein bisschen Struktur in das Ganze zu bringen. Eine richtig scharfe Trennung gibt das Leben aber natürlich nicht her, Kleinigkeiten an Organisiertheit schleichen sich doch immer wieder ein. So telefoniere ich mit dem Bruder und wir verabreden uns für den Nachmittag, außerdem reserviere ich einen Tisch für Dienstag (das Essen mit Hausaufgaben mit der Liebstenmama) und trage Konzert- und Ferientermine in den Kalender ein.

Am späten Mittag (?) gehe ich nach draußen. Bis hierhin war draußen blauer Himmel gewesen, jetzt zieht es sich zu. Trotzdem sind die Straßen voller Menschen und vor den gastronomischen Einrichtungen wird gesessen und erzählt – vielsprachig, wir sind hier in Berlin. Trotz der vielen Sprachen aber wirkt das alles optisch sehr homogen. Berlin so white und das nicht nur im Prenzlauer Berg. Habe das schon mehrmals in Podcasts thematisiert gehört und auch von der Freundin des Pittsburghers, die beim Spazieren durch Toronto anmerkte, dass sie sich dort wohler fühle als in Berlin, weil dort die Nichtweißen sichtbar nicht die Minderheit sind. Berlin als divers, offen und multikulturell zu empfinden ist also auch so ein weißes Privileg.

Am Altglascontainer interessante Begegnung mit Obstkonserven aus den letzten zwanzig Jahren, sauber beschriftet und sortiert nach Pflaume oder Pfirsich – vermutlich nach einer Haushaltsauflösung? Sollen sich das Leute hier mitnehmen, die sie gebrauchen können oder war jemand nicht in der Lage, sie entweder zu leeren und das Glas zu entsorgen oder das Ganze in den Restmüll zu geben? Bin unschlüssig, wie ich das finde.

Berlin schön herbstlich zu finden ist wahrscheinlich auch ein Privileg materieller Art – keine Angst vor Kälte zu haben und außerdem Zeit, am Sonntag zu flanieren.

Dort, wo der Prenzlauer Berg am vollsten und hipsterigsten ist – voller Touristen, Expats und (ehemaligen) Partyberliner*innen mit Kinderwägen – treffe ich den Bruder und seine Freundin, die in der Gegend zu tun hatten. Wir laufen schnell weiter in ruhigere Gefilde und kehren in dem Café ein, in dem ich neulich mit dem Pittsburgher und seiner Freundin war. War Cheesecake und Peach Pie Latte bekommt der Bruder endlich seine verspäteten Geburtstagsgeschenke und dann erzählen wir uns die letzten Wochen und planen die nächsten.

Hinterher gehen wir noch ein Stück gemeinsam, bis sie zur Tram abbiegen, und dann laufe ich wieder nach Hause. Ich mache mir einen Tee, verziehe mich auf die Couch und schaue eine Weile in das nächste Jens-Wonneberger-Buch rein. Nach etwa einem Drittel (es ist ja zum Glück wieder sehr dünn) habe ich genug für heute und telefoniere stattdessen „kurz“ mit der Freundin in Frankreich. Kurz bei uns heißt immerhin eine Stunde und 38 Minuten. Dann sind wir wieder auf dem neuesten Stand und haben beide sowas wie einen Plan.

Zur Belohnung gibt es die letzten drei Folgen der zweiten Staffel „And Just Like That…“ (Fünf Jahre? Really??) und danach schaue ich noch „Inside Out 2“, bis es Zeit wird, ins Bett zu gehen – die nächsten Jahre mit dem Teilzeitkind werden spannend, es wird ja „bald“ schon 12. ZWÖLF!!!!! (In zwölf Jahren übrigens wird der Liebste 60, das fiel uns neulich auf und beschäftigt ihn noch mehr als mich.)

26.10.2024 – Ganz langsam

Hurra, hurra, ein Tag mit nichts vor! Also nicht gar nichts, aber zumindest nichts mit festen Uhrzeiten dran. Langes gemütliches Herumsandeln im Bett mit Erledigung aller digitalen Erledigungen und Telefonat mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind, das heute den zweiten Teil der Herbstferien – jetzt mit Mama – antritt. Dann mache ich erst den Katzen und dann mir ein ganz reguläres Frühstück (ein Tütchen für die Beiden, Müsli, Apfel und Tee für mich). Sie sehen schon nicht mehr ganz so rundlich aus, wie als ich vor zwölf Tagen aus Kanada zurück gekommen bin. Ab jetzt herrscht hier wieder strenges Regime und Leckerli-Knappheit! (Dafür freuen sie sich über mehr Kuschelzeiten.)

Dann noch Wäsche waschen, Bett frisch beziehen, Katzenklos säubern, Pflanzen gießen und vertrocknete Pflanzen vom Balkon entsorgen. Bis die Wäsche fertig ist, arbeite ich an einer Hausaufgabe:

Die Liebstenmama, die nächste Woche ein paar Tage in der Stadt ist und uns am Dienstag zum Essen einladen will, erteilt Aufträge. Mit dem Liebsten (der Arme!) will sie über Sahra Wagenknecht sprechen, mit mir über Jens Wonneberger. Sie trägt nämlich demnächst in ihrem Bücherzirkel über ihn vor und möchte meine Meinung („Egal aus welcher Sicht: Jugend, regional, literarisch, inhaltlich“) hören. Mit Jugend kann ich nicht dienen, aber er kommt regional zumindest aus einer ähnlichen Ecke wie ich und ich habe von ihr schon zwei Bücher von ihm geschenkt bekommen. Das über das sie vorträgt, habe ich vor zwei Jahren gelesen, das andere liegt noch auf meinem Bücherstapel. Da habe ich also noch zu tun bis Dienstag und lege gleich mit der Wiederlektüre los.

Nachdem ich die Wäsche aufgehängt und die nächste Maschine angestellt habe, setze ich die Lektüre in der Badewanne fort. Schön, dass die Mittagsfrau ihren Auftritt in dem Roman hat, da kann ich bei „regional“ dran anknüpfen! Sprachlich klingt er halt auch wie ein Ost-Literat. Für mehr fundierte „Meinung“ werde ich dann aber auch noch das andere Buch lesen müssen – zum Glück sind sie schön dünn. Als meine Haare fast trocken sind, ziehe ich eine Mütze über und gehe nochmal in den Supermarkt, den Kühlschrank auffüllen.

Wieder zuhause liege ich mit den Katzen auf der Couch und lese das Buch zu Ende. Die Eltern posten Fotos vom Schwarzwälder-Kirsch-Cupcake (auch in Nova Scotia ist Samstag) und ich mache mir als Ersatz heiße Kirschgrütze mit Vanilleeis und Honigkeksen zum „Abendbrot“.

Danach ist es genug mit Intellektualität für heute – den Rest des Abends verbringe ich ohne schlechtes Gewissen mit weiteren Folgen „And Just Like That…“ und bin dann gegen Mitternacht im Bett.