04.12.2024 – Zitronen, goldene

Die Katzen verwundern immer wieder – morgens erstmal die Krallen ausfahren um mich zu wecken, dann aber gar nicht auf Frühstück bestehen, sondern sich nach kurzer Kuschelei einfach anders wieder hinlegen und weiterpennen. Ich dann aber auch, unterstützt von Podcasts, die sich in mein Unterbewusstsein graben und meine Träume beeinflussen. Irgendwann ist dann aber richtig wach und dann beginnt der Tag, spätestens als der Liebste zum morgendlichen Check-in anruft. Danach dann wieder gemütliches Herumsandeln im Bett, bis ich wirklich aufstehe ist es fast Mittag, aber ich habe schon das halbe Tagwerk vollbracht.

Ob der späten Stunde gibt es herzhaftes Frühstück, mit Käsebrot, Tomaten (von der nun ehemaligen Mitbewohnerin hinterlassen) und die letzte Kaki. Dazu heute heiße Schokolade mit „Pumpkin“-(Spice?!)-Geschmack aus dem Adventskalender. Dann nochmal konzentriertes Arbeiten an Dokumenten, bevor der Haushalt meine Aufmerksamkeit erfordert – jede Menge Wäsche abnehmen und verräumen, Geschirr desgleichen, Katzenklo säubern, Quittensirup-Flaschen entkleben, Filmjölk-Ansatz verkosten und nochmal Bakterien nachlegen (Vielleicht ist es nicht warm genug in der Küche?), duschen, anziehen, Rucksack packen und dann los.

Mit Tram und U-Bahn geht es Richtung Ellis. Auf dem Weg gucke ich mein Spotify Wrapped an und bin underwhelmed. Sowohl für Top Songs als auch Top Artists scheinen mir zu wenige Plays auszureichen und die Erkenntnisse darüber hinaus sind äußerst schmal. Das Internet sieht das ähnlich, womöglich liegt es wirklich am Feuern der Analyse-Teams, eine andere Theorie besagt, dass Daten verloren gingen und man aus den Resten was zusammengestoppelt hat, das erklärte auch die verspätete Auslieferung. Jedenfalls, ja, ich habe dieses Jahr mal zwei-drei Tage Taylor Swift gehört, um den Hype zu verstehen und zu wissen, wie die Songs heißen, die ich kenne, aber das macht sie noch nicht zu meinem Top Artist und ich brauche auch keine Videobotschaft von ihr.

Der Rest der Top 5 passt dann eher, auch wenn ich es mir nicht eingestehen will: Hanson, Kelly Family, Jimmy Kelly, NOFX (hihi). Liegt aber vermutlich daran, dass ich da aus Nostalgie auch manchmal ganze Alben höre, während andere Artists eher songweise in meinen Playlists liegen. Bei den Top Songs sind auch zwei vorn, die der Beginn meiner „Aufwachen“-Playlist sind, das ist womöglich korrekt, aber langweilig. Witzig und passend ist, dass ich 2.999 verschiedene Songs gehört habe und der Liebste nur 723…

Bei den Ellis dann quasi nachgeholtes Adventskaffeetrinken mit Stollenkuchen (der richtige Stollen ruht jetzt erstmal), Pfefferkuchen aus der Heimat, Apfel und Tee, dazu Gespräche über Familiengeschichte und Politik, alles wie immer.

Ich halte mich aber nur eine gute Stunde auf – Termine, Termine – und fahre dann mit Bus und S-Bahn nach Südberlin weiter. Dort den Liebsten begrüßen und seine neue Brille bewundern, kurz Sachen abwerfen und umpacken und dann geht es schon wieder mit zwei U-Bahnen zurück „in die Stadt“, diesmal nach Kreuzberg. Dort treffen wir den besten Freund des Liebsten samt Gattin in einem vietnamesischen Lokal. Für mich gibt es Guananbana-Saft (aka Soursop aka Sauersack), ein Vorsüppchen und dann Reismehlpfannkuchen mit Garnelen.

Und weiter geht die wilde Fahrt, noch eine Station U-Bahn und ein bisschen laufen und dann sind wir im Festsaal Kreuzberg zur 40-Jahre-Geburtstagsgala der Goldenen Zitronen. Der Liebste und ich sind ein etwa undankbares Proleten-Publikum, weil wir vor allem die alten Sachen mögen und der ganze neuere Kram uns musikalisch etwas zu verkopft und verkünstelt ist, aber die wenigen alten Songs, die gespielt werden, machen viel Spaß. Nur einer führt zu einem noch Stunden nach Konzertende andauernden Rant des Liebsten, aber darüber breiten wir hier mal den Mantel des Schweigens. Mich versöhnt auf jeden Fall der letzte Song, wegen dem ich eigentlich hingegangen bin. Sorry an die vor Ort getroffene Berliner Cousine, die ein richtiger Fan ist und wirklich begeistert war. 😉

Als wir wieder rauskommen ist es kalt und regnet und so nehmen wir uns dann ein Taxi, statt eine Stunde lang mit den Öffis nach Hause zu fahren. Bis wir wirklich schlafen, dauert es dann auch noch eine ganze Weile (Stichwort Rant).

03.12.2024 – Häuslichkeiten

Heute den Gedanken der Zwischen-den-Jahren-Freiheit so richtig embraced und erstmal wieder sehr lange im Bett liegengeblieben – also über die normale Morgenroutine hinaus und direkt noch Korrespondenz und Bankgeschäfte mit erledigt. Dann ist es irgendwann schon halb 12 und so langsam sollten die Katzen mal was essen – und ich auch. Also mache ich die Weihnachtsplaylist an und stehe auf.

Heute gibt es heiße Schokolade mit Vanille im Adventskalender, für die Katzen Fleisch-Mix aus der Tüte. Dann setze ich die gestern gekaufte Milch in einem großen Glas mit einem Esslöffel Schwedenmilch an und hoffe auf baldige Bakterienvermehrung. Weitere Schwedenmilch landet mit Sanddorngelee und Nuss-Müsli in der Frühstücksschüssel.

Der Balkon blüht noch

Nach dem Essen bleibe ich direkt in der Küche und widme mich den letzte Woche gekauften Quitten. Eine hat sich leider schon komplett der Fäulnis hingegeben, aber aus den anderen Dreien mache ich Sirup und Konfekt, allerdings letzteres mit Flotter Lotte statt Pürierstab und dadurch weniger Fummelei beim Schälen und Entkernen. Das darf dann alles auf dem Balkon abkühlen, während ich die Überzuckerung mit Käsebrötchen und dem Rest Raita vom Sonntag bekämpfe.

Auch danach bleibe ich im schöpferischen Bereich und widme mich wieder der Weihnachtsgeschenkbastelei, während im Hintergrund Little Women läuft. Die Version ist nett, kommt aber nicht an die mit Winona Ryder, Claire Danes und Kirsten Dunst heran, mit der ich aufgewachsen bin. Zu wenig linear, zu wenig weihnachtlich. Reicht aber trotzdem als Untermalung, um das Geschenk in der vierten Sitzung endlich fertig zu bekommen. Danach bin ich müde und könnte ein Nickerchen gebrauchen. Da aber gleich mein heutiges Webinar beginnt, mache ich mir stattdessen schnell noch den Rest Pasta von gestern warm und lasse mich dann eine Stunde lang inspirieren und setze fleißig Bücher auf meine Wunschliste.

Kurz nach Webinar-Ende kommt die potenzielle neue Mitbewohnerin auf ein Glas Wein vorbei und wir erörtern das Wie und Wann. Alles noch etwas unklar, aber wir hoffen jetzt einfach mal das Beste. Sucht jemand ein WG-Zimmer in der Nähe der Wuhlheide? Je schneller sich ein*e Nachmieter*in findet, desto schneller kann sie bei mir einziehen…

Nachdem sie wieder weg ist, trinke ich noch die letzten zwei Gläser Wein aus, telefoniere mit dem Liebsten und schaue dann weiter The Bear, bis mir die Augen zufallen und ich ins Bett wechsle.

02.12.2024 – Vier Wäschen für ein Halleluja

Ein bisschen mit dem Gedanken aufgewacht, dass jetzt aktuell so viel Zeit zu haben auch ein bisschen so ist, wie verlängerte Weihnachtsferien. Die herrlich langsame Zeit zwischen den Jahren, nur angenehm verlängert. Das mal ein wenig auskosten, wie Herr Buddenbohn formulieren würde. Entsprechend wird dann auch direkt die nichtkonfessionelle Winterfeiertagsplaylist angeschmissen (Evtl. fehlen mir hier noch Diwali- und Kwanzaa-Songs?) und mit dem heutigen Adventskalender-Inhalt (heiße Schokolade mit Ingwer) plus Kaki, Clementine und Croissant zum Frühstück in die Badewanne gelegt.

Danach setze ich mich gemütlich aufs Sofa und plane den Tag und die Woche vor. Unter anderem werde ich den Tag über gleich vier Maschinen Wäsche waschen, was an sich übertrieben scheint, aber am Ende doch irgendwie Sinn ergibt. Es kam nämlich ein Paket mit neuen Winterklamotten an, außerdem blieb letzte Woche Dreckwäsche liegen, dann ist endlich mal eine Ladung Wollwäsche voll und jemand (nicht hier) hier hat aus Ärger über den Auszug der Mitbewohnerin wo drauf gepinkelt, wo nicht draufgepinkelt werden sollte – macht am Ende vier.

Zwischendrin gibt es eine Mittagspause mit Stulle und Birnen-Fenchel-Salat. Dazu schaue ich mir das Interview von Caren Miosga mit Christian Lindner an, um den Puls zwischendurch auch mal in Wallung zu bringen. Schön aber, wie ihm die Expert*innen leicht passiv-aggressiv sagen, dass er keine Ahnung hat und sich schleunigst schleichen sollte.

Kurz danach kommt Mama vorbei, die in der Nähe beim Sport war, und wir bringen uns bei einer Tasse Tee auf den neuesten Stand. Dann gehe ich noch kurz mit raus und erledige ein paar Einkäufe, aber da ist es schon wieder dunkel. Wieder drinnen habe ich einen lange geplanten Videocall und dann ist es auch schon wieder Zeit fürs Abendbrot. Ich mache aus dem Rest Blumenkohl eine sizilianische Pastavariation mit Sardellen, Pinienkernen, Rosinen und Safran, dazu geröstete Semmelbrösel statt Käse.

Abends schaue ich ein paar Folgen The Bear, das mir gestern nochmal wärmstens empfohlen wurde und dann ist auch bald schon wieder Schlafenszeit. Winterschlaf, so wichtig!

01.12.2024 – Driving Home for Advent

Dieser Sonntag beginnt etwas früher als die letzten Tage, weil ein paar von uns schon um 10 aufbrechen müssen. Frühstück mit allen Schikanen deshalb schon für alle um 9. Als die erste Charge abgereist ist, sitzen wir anderen erstmal noch gemütlich über unseren Heißgetränken und kommen in unserem eigenen Tempo im Tag an. Dann aber heißt es auch für uns anziehen, Sachen packen und das Ferienhaus übergabefertig machen. Das zieht sich bis kurz nach 12 Uhr, dann wird das Auto freigekratzt und es geht bei strahlendem Sonnenschein über diverse Autobahnen zurück nach Berlin.

Dort noch kurze Besichtigung der „neuen“ Wohnung der einen Cousine – sie wohnt da jetzt schon deutlich über ein Jahr, aber wie das so ist bei Menschen in unserem Alter und in der großen Stadt: Ich war noch nie da. Dann laufe ich mit der anderen Cousine zur Bahn, verabschiede mich und fahre mit der S-Bahn zurück in den Pberg.

Die Katzen begrüßen mich freudig und hungrig, die Wohnung ist ansonsten wieder leer – vorgestern ist die Mitbewohnerin ausgezogen. So muss ich aber wenigstens nicht gleich alles aufräumen, sondern kann den Tag gemütlich auf dem Sofa ausklingen lassen. Dazu gibt es die erste heiße Schokolade aus dem Adventskalender (mit Haselnuss), südindische gelieferte Leckereien (Samosas mit Kichererbsen-Salat, Joghurt, Tamarindensauce und Koriander-Chili-Chutney und Käse-Chili-Dosa mit Daal, Kokoschutney und Raita), den letzten Folgen This Is Us und dann einer Konzert-Doku über Bruce Springsteen, die Lust auf den nächsten Sommer macht.

30.11.2024 – Warm und Trocken am Brocken

Es ist ganz schön kalt geworden über Nacht. Beim Frühstück wird erstmal aufgearbeitet, wer wann geschnarcht hat und alle Beteiligten verzeihen sich gegenseitig. Dann schmieden wir Pläne für den Tag. Das Wetter soll schön bleiben, daher steht zunächst einmal eine Wanderung an.

In zwei Autos fahren wir ein ganzes Stück um den Brocken herum bis Schierke, von wo aus wir dann tatsächlich hinansteigen – wenn auch nicht ganz bis oben, dem frühen Sonnenuntergang geschuldet. Trotzdem gut, da oben herumzulaufen, die Aussicht und Ruhe zu genießen und einfach zu erzählen. Klimawandel und Borkenkäfer bleiben weiterhin Thema, die Nationalparksbroschüre macht aber zumindest Mut, dass sich die Natur erholt und nach dem Aussortieren der künstlichen Aufforstung dann wieder ein einheimisches natürliches Gleichgewicht herstellen wird.

Auf der Heimfahrt teilen wir uns auf – eine Gruppe fährt nochmal einkaufen, die andere kocht schon mal Tee und Kaffee und heizt die Sauna an. Der Nachmittag und frühe Abend vergeht mit Wellnessprogramm – Badewanne für die einen, Sauna für die anderen, Kamin für alle.

Zum Abendbrot dann Resteessen statt nochmal loszuziehen, um lokale Forelle zu essen. Es gibt mehr Nudeln und außerdem Kartoffelsuppe mit ebenfalls lokalen Halberstädter Würstchen.

Den Nachtisch (Vienetta und Ananas-Kompott) in Erinnerung an Oma und Opa und an die ehemalige Strandeisdiele in Warnemünde gibt es dann auf dem Sofa, während auf dem Fernseher nochmal die alte Doku über die Widerstandsgeschichte unserer Familie läuft.

Danach lassen wir den Abend mit Just One und Hitster ausklingen und gehen wieder in Schichten ins Bett, ich so gegen 1.

29.11.2024 – Harz 7

Erstaunlich gut geschlafen im fremden Bett, so kann das gerne weitergehen hier. Dreiviertel 10 bin ich mit allem fertig, was zum Morgen im Bett dazugehört und gehe nach unten, wo schon zwei von sieben Kaffee trinkend an ihren Laptops sitzen und arbeiten. Ich setze mich mit Tee und Orangen (she feeds you tea and oranges that have come all the way from China) und einem halben Spritzkuchen dazu. Nach und nach steht auch der Rest auf und dann gibt es eine große Frühstücksrunde mit allem Drum und Dran – Eier, Lachs, Tomate-Mozzarella usw.

Insgesamt drei von uns müssen heute arbeiten, aber am Ende haben wir alle fünf unsere Laptops vor uns und tun Dinge. Ich kümmere mich um ein paar Erledigungen, kommuniziere mit alten und voraussichtlich neuen Mitbewohnerinnen und bastle weiter am Weihnachtsgeschenk. Gegen 14 Uhr ist dann Aufbruch ins Draußen. Vier von fünf gehen spazieren/wandern – am Fluss entlang, durch den Borkenkäfer-geplagten Wald, vorbei an riesigen Felsen bis hin zu dem, was hier Wasserfall heißt.

Danach ist das Schrittziel erreicht und es gibt Kaffee, Kakao und Quarkbällchen. Zwei von fünf brechen zum Einkaufen auf, der Rest macht es sich auf den Sofas bzw. in der Badewanne gemütlich. Dann kehren die Beiden zu dritt zurück, mit einem Rostocker Cousin im Gepäck. Jetzt ist es an der Zeit, mit der Abendbrotzubereitung zu beginnen. Wir schnippeln Salat und belegen insgesamt vier ausgedehnte Fertig-Pizzateige mit allem was das Herz begehrt und mit der Ankunft des zweiten Rostocker Cousins sind wir dann auch für dieses Mal vollständig und schaffen die Pizzen fast – Grüße an den Münchener Cousin gehen raus, mit Dir hätten wir alles verputzt!

Zwei von vier Pizzen

Dazu gibt es dann noch diverse Getränke und Snacks und Gespräche – Familiäres, Politik, WG-Leben, Berufliches… Gegen Mitternacht verabschieden sich die Männer ins Bett, die Frauen sitzen noch. Kurz vor 2 mache ich den Abflug, am Ende bleiben die drei Schwestern übrig.

28.11.2024 – Schon wieder on the road

Ich wache unnötigerweise gegen 6 schon auf, über die Gründe breiten Noosa und ich den Mantel des Schweigens, beide Seiten haben sich da nicht mit Ruhm bekleckert. Dafür kuscheln wir dann aber ausgiebig, auch mit Nimbin, während ich noch lese, blogge, Italienisch und Französisch mache und zwischendurch mit dem Liebsten telefoniere. Gegen halb 10 stehe ich dann auf und mache für alle drei Frühstück, bevor eine Haushaltsrunde ansteht (und sowas kann ich besser als der schwarzrote Berliner Senat).

Geschirrspüler ausräumen, Katzenklo komplett entleeren und einweichen, zwei Runden Müll rausbringen (durch grauen Novemberregen), Wäsche zusammenlegen, Biomülleimer abwaschen und neu aufsetzen, Katzenklo wieder in Gang bringen, Pflanzen gießen, Katzenbrunnen auffüllen, abwaschen. Verschnaufen, verschnaufen, verschnaufen. Dann ist irgendwann auch die Mitbewohnerin wach und ich zeige ihr, was sie heute und morgen in meiner Abwesenheit noch mit den Katzen anstellen muss, bevor sie dann morgen Nachmittag auszieht.

Jetzt ist Laptop-Zeit angesagt, es gibt Dinge zu erledigen – Buchhaltung, Papierkram, Behördenschnickschnack. Und dann Arbeit am zweiten Weihnachtsgeschenk der Saison. Dann kommt sich die Mitbewohnerin verabschieden, die einen Termin außerhalb hat und erst zurück kommt, wenn ich schon weg bin. Herzliche Umarmung und beste Wünsche auf beiden Seiten.

Dann habe ich noch anderthalb Stunden Luft, da passen locker zwei Folgen This Is Us rein.

Und dann ist schon wieder Action-Mode: Durch die Wohnung wuseln, Sachen packen, Gepäck nochmal umpacken, um der Arm-Situation gerecht zu werden. Dreiviertel 4 verlasse ich die Wohnung mit einem schweren Rucksack auf dem Rücken, einer schweren Tasche rechts und einer leichten Tasche links und laufe durch nasses Novemberwetter, das gerade auch schon richtig dunkel wird, zur S-Bahn. In Friedrichshain werde ich das Gepäck los – es wandert ins Auto – und gehe mit den beiden Berliner Cousinen noch in den Supermarkt. Dann sitzen auch wir im Auto und fahren dreieinhalb Stunden im Dunkeln und bei Regen erst durch die Stadt und dann über insgesamt fünf Autobahnen bis in den Harz. Dabei laufen viereinhalb CDs.

An unserem Ferienhaus angekommen machen wir erst einmal einen Rundgang und packen dann die Lebensmittel aus. Wir schnippeln zu dritt Gemüse, dann übernehme ich das Kochkommando und mache Tagliatelle mit einer Tomaten-Gemüse-Sauce, während die beiden nochmal losfahren und meinen Bruder und die Potsdamer Cousine vom Bahnhof abholen.

Großes Hallo, Pasta, Wein und Gespräche. Nach dem Essen spielen wir noch mehrere Runden Just One. Dann werden die Zimmer verteilt und gegen halb 1 liegen alle in den Betten. Hinter dem Fenster rauscht der Fluss und ich bin gespannt, wie das alles morgen aussieht, wenn es hell wird.

27.11.2024 – Vor und zurück

Nach dem es gestern so gut lief, muss heute natürlich ausgeglichen werden – das Universum im Gleichgewicht oder so. Die Nacht ist unruhig und kurz, weil Noosa und Nimbin finden, sie bräuchten gemeinsam genauso viel Platz im Bett wie der Liebste und ich dann eben zwischen beiden Parteien schlafe, mit dem wehen Arm. Ab 5 geht nichts mehr. Halb 7 stehe ich auf und mache dem Liebsten Kaffee, um 7 bricht er auf zur Arbeit und ich drehe mich nochmal um und schlafe komatös erst bis halb 9 und dann bis 10. Bis ich mich zum Aufstehen aufrappeln kann, ist es schon fast 12, da bin ich dann aber schon mit Italienisch, Französisch, Bloggen und Internet leer lesen durch. Die Katzen genießen die Sonne auf dem Balkon.

Frühstück Italian style – Kaffee, Kekse, Obst (Kaki und Apfel) und dann muss ich auch schon los. Mit der Tram geht es zu einem Bürgeramtstermin in Lichtenberg. Ich bin zwei Minuten vor Termin da, werde pünktlich aufgerufen und bin zwei Minuten später wieder draußen. Wenn man erst mal einen Termin hat, ist das System extrem effizient. Zum Mittag bin ich mit einem Freund verabredet, der in Lichtenberg wohnt. Ich laufe durch ein Plattenbauviertel. Wir treffen uns am Supermarkt und holen uns dort was. Dann geht es weiter zu ihm – ein moderner Neubau mitten und ganz versteckt zwischen der alten DDR-Platte.

Wir erzählen, während das Essen sich wärmt – ich habe Ofenkäse und Butterbrezel, der Freund macht sich Spiegeleier mit Chilis und ein Burger-Patty.

Kurz nach dem Essen ist dann schon wieder Aufbruch. Tram und S-Bahn bringen mich zurück in den Pberg, ich habe wieder Physiotherapie. Heute machen wir keine Übungen, sondern ich bekomme manuelle Therapie, ausführliche Gespräche und Tipps und liege dann hinterher wieder auf den Heizkissen, diesmal gleich 20 Minuten, weil ich keine Anschlusstermine mehr habe.

Auf dem Heimweg ist es schon stockdunkel. Ich halte an einem Späti an, bei dem ich auf dem Hinweg im Augenwinkel Quitten entdeckt habe, und nehme mir welche mit. Die dürfen jetzt erst einmal eine Weile die Wohnung parfümieren und dann habe ich auch schon Ideen, was ich noch damit anstellen kann.

Den Rest des Nachmittags und den Großteil des Abends liege ich platt auf der Couch – immer noch müde und nach wieder 10.000 Schritten ordentlich erschöpft. Ich schaue mir gleich zwei lange Interviews mit Angela Merkel zu ihrem Buch an, eins von Hazel Brugger (das Unterhaltsamere und Unerwartetere) und eins von Anne Will. Zwischendurch bastele ich mir schnell einen Reste-Kartoffelsalat mit Gurke, Dill, Zitrone und saurer Sahne. Kurzer Schnack mit der Mitbewohnerin und dann geht es gegen 10 mit This Is Us in die Badewanne und bald darauf ins Bett – heute mit zusätzlichem Wärmekissen für Schulter und Arm.

26.11.2024 – Ein sehr okayer Tag

Ich verwende „sehr okay“ hier wie der Liebste, wenn er ein Essen als „äußerst mittelmäßig“ bezeichnet. Er kommt aus Ostwestfalen, das ist quasi das größtmögliche Kompliment. Der Tag ist gelinde gesagt fantastisch, auch wenn die Erkältung natürlich immer noch nicht weg ist. Es fängt schon mal damit an, dass kein Wecker klingelt und dass die Sonne scheint (Ich wache trotzdem vor 7 auf, danke Katzis).

Ich hoppele fröhlich im Bett liegend durchs Internet und rolle dann irgendwann tatsächlich meine Yoga-Matte aus und gucke was geht.

Von den Übungen im Video kann ich nur einen Bruchteil richtig mitmachen, aber schon die Stimmung hilft mir, mich besser zu fühlen. In den Zeiten, wo ich nicht mitkomme, mache ich stattdessen Übungen, die mir die Physiotherapeutin gestern gezeigt hat. Nicht ohne Schmerzen, aber nach und nach gehen sie zumindest einfacher.

Danach gibt es Frühstück – „Peanut Butter & Jelly“-Brote mit Erdbeerkonfitüre und Sanddorngelee und eine reife Kaki. Mit Blick auf meinen Terminkalender und das Wetter beschließe ich, mein mittägliches Webinar über das Handy zu verfolgen und dabei eine stramme Runde spazieren zu gehen. Könnte man fast als Walking bezeichnen, was ich da mache, aber die Armbewegungen sind mir noch ein bisschen unangenehm und peinlich, die lasse ich weg, sobald irgendwo Menschen zu sehen sind. Tempo und Gang passen aber schonmal einigermaßen.

Das Webinar ist schon vorbei, aber ich kehre erst wieder nach Hause zurück, als das Schrittziel erreicht ist und die Sonne langsam hinter Wolken verschwindet. Dann kurz verschnaufen (keine 20 Minuten), bevor es klingelt und das dritte und wahrscheinlich letzte WG-Casting der Woche der Woche ansteht. Die Kandidatin und ich haben von Anfang an einen sehr guten Draht zueinander und quatschen nach den Formalitäten noch sehr lange mit einer Tasse Tee. Gut möglich, dass das klappt.

Als sie weg ist, mache ich mir Reste von gestern zum Mittagessen warm – nochmal Pellkartoffeln mit Blumenkohl, verfeinert mit Röstzwiebeln. Danach hätte ich eigentlich Platz im Zeitplan für weitere Produktivität, aber ich bin auch sehr müde und erschöpft von so viel frischer Luft und Bewegung. Ich packe noch die eben angekommene Crowdfarming-Kiste aus und lande dann auf dem Bett und ruhe mich aus, bis kurz vor 7 dann der Liebste klingelt.

Wir feiern das Wiedersehen nach knapp drei Wochen ordentlich. Es gibt Aperol Spritz, Käse, Oliven und Taralli zum Aperitif, dann klingelt der Lieferfahrer und bringt Carpaccio, Burrata, Tagliatelle alla Bolognese und Spaghetti mit Trüffelcreme und Steinpilzen. Das Restaurant packt uns noch eine Panna Cotta mit Karamellsauce und eine Handvoll Gianduia-Pralinen kostenlos mit drauf. Hachz.

Nach dem Essen machen wir es uns mit einem Fläschschen Primitivo und den Katzen auf dem Sofa gemütlich, erzählen und schmieden Pläne. Dann geht es schon gegen 23 Uhr ins Bett, denn morgen klingelt der Wecker wieder früh.

25.11.2024 – Okayness fast erreicht

Hui, die Nacht war kurz mit spät einschlafen und früh aufwachen, da hilft nur sehr viel Tee am Morgen – Weißer mit Himbeere in diesem Fall. Gestern scherzte ich noch mit der Freundin in Madrid, wie anstrengend mein Leben doch ist, weil ich morgen einen Physiotermin UND ein Seminar habe, aber seit dem Telefonat ist einiges passiert und mein Tag wird jetzt auch objektiv ganz schön voll und intensiv.

Zum Frühstück gibt es Müsli mit Restemango und Hafermilch und die letzte Bagel-Hälfte mit Erdbeermarmelade und dann geht es los mit Zeugs machen. Erstmal kurz die Küche auf Vordermann bringen, im Wohnzimmer aufräumen, das Bett neu beziehen und das Katzenklo durchsieben. Dann bricht die Mitbewohnerin zu einem Termin auf und ich wirbele einmal mit dem Staubsauger durch die Wohnung und wische hinterher noch Bad und Küche. Dann klingelt es auch schon und der erste WG-Casting-Termin der Woche findet statt. Immer wieder spannend, was für unterschiedliche Menschen und Lebensentwürfe man dabei so kennenlernt und was für Gemeinsamkeiten man plötzlich mit Leuten findet, wo auf den ersten Blick keine sind. Wir quatschen eine knappe Stunde, dann verabschiedet der Kandidat sich Richtung Büro, mit Restaurantempfehlungen fürs Mittagessen im Gepäck – sein Büro liegt nämlich da, wo meins zehn Jahre lang war.

So, erstmal tief durchatmen jetzt. Dann Mittagessen machen – es gibt weiter Reste. Syrisches Reisgericht von gestern mit Minzjoghurt und Baked Beans. Ungewohnte Kombination, aber ernährungswissenschaftlich ziemlich ausgewogen.

Kurzer Check-in mit der zurückgekehrten Mitbewohnerin. Ihr Abflug ist jetzt also am Freitag. WG-Dauer sechs Tage – das ist ein neuer, trauriger Negativrekord. Aber so ist das mit dem Leben, es schlägt oft unverhoffte Wendungen. Nochmal tief durchatmen und dann klingelt der zweite WG-Casting-Kandidat der Woche. Wieder ungefähr eine Stunde lang Wohnung zeigen, vorsichtiges Abklopfen und dann entspanntes Plaudern. Wieder ein völlig neuer Mensch und so ganz anders. Ich stelle mir dann immer eine Weile vor, die Person würde dann wirklich einziehen und wie das Zusammenleben so wäre und finde das kurz toll und dann wird’s irgendwann wieder normal und das kritische Abwägen der Fakten beginnt. Ein bisschen wie Dating und ähnlich anstrengend.

Wir abschieden uns, dann habe ich nochmal eine halbe Stunde Pause und dann muss ich los zum ersten Physiotermin. Endlich passiert da mal wieder was mit dem blöden Arm! Auch schön, die Yoga-Lehrerin/Physiotherapeutin wieder zu sehen, jetzt wo der Kurs erstmal geendet ist. Wir versuchen ein paar Übungen, mit denen ich jetzt Hausaufgaben machen werde. Außerdem gibt sie mir Tipps, wie und in welchem Rahmen ich mein Sportprogramm langsam wieder aufnehmen kann. Juhu! Zum Schluss noch 15 Minuten auf dem Wärmekissen liegen und dann laufe ich beflügelt durch das dunkle Berlin zurück. Die Aussicht darauf, bald wieder mehr so leben zu können, wie ich es mir für diese Lebensphase erträumt hatte, hebt meine seit Wochen miese Stimmung ungemein. Jetzt muss nur noch diese Dreckserkältung endlich richtig weg sein, aber das dauert wohl noch ein Weilchen.

Fast pünktlich um 18 Uhr bin ich zurück zu Hause und setze mich direkt für anderthalb Stunden Webinar an den Schreibtisch. Es gibt viel Input und Austausch und Anknüpfungspunkte für weitere Recherchen. Und Nimbin macht fleißig Katzenmeetingdienst und erfreut die anderen Teilnehmerinnen.

Nach dem Webinar wird dann endlich Abendbrot gekocht. Es gibt Blumenkohl mit Mehlschwitze an Pellkartoffeln.

Beim Kochen telefoniere ich mit dem Liebsten, beim Essen mit einem Freund – insgesamt dann auch wieder ne Stunde. Dann ist der Sozialakku endgültig alle.

Ich schaue noch die Doku zu Jamel rockt den Förster, die gerade durch alle meine Kanäle gereicht wird und in der ARD-Mediathek zu finden ist. Schwanke wie immer zwischen auch mal hinfahren wollen und der Angst, das genau dann was passiert.

Kurz nach 10 mache ich mich bettfertig und schaue dann zum Runterkommen noch ein bisschen This Is Us und dann ist endlich mal wieder vor Mitternacht Schlafenszeit.

Tagesbilanz: Schrittziel locker erreicht, Rotzelevel immer noch beachtlich, Hustenlevel außer abends händelbar. Onwards and upwards!