Erstmal den fehlenden Schlaf von gestern nachgeholt, dann sieht der Tag gleich viel besser aus. Gleich ganz am Anfang vergewissern der Liebste und ich uns, dass der/die jeweils Andere auch auf Reisen durch die ganze Stadt verzichten will und wir uns ja eh morgen sehen und dann geht der Tag einfach schlumpfig weiter. Gegen Mittag gibt es ein ausführliches Frühstück – leider habe ich Freitag das letzte Ei verbraucht, so dass ich keine angeberischen Eierfotos in die USA schicken kann – aber das wäre ja auch gar nicht nett von mir, nicht? Stattdessen gibt es unter anderem Fischeier und zwischen veganen Schinken und Radieschen ein paar Tupfen Mayonnaise.
Abgesehen von Frühstück, Katzenversorgung und einer Ladung Wäsche findet dann heute nichts Produktives mehr statt. Ausruhen ist ja auch wichtig.
Begleitet wird das erst vom Auslesen des gestern Abend angefangenen Buches: Adam Soboczynski schreibt in „Traumland – der Westen, der Osten und ich“ über sein Aufwachsen in (Polen) Ost und West(-deutschland) und ganz allgemein über das Verhältnis zwischen Ost und West vom Kalten Krieg (und ein wenig davor) bis zur heutigen Putin-Situation. Liest sich gut weg und bringt einige interessante Gedanken mit und auf. Beim Recherchieren des Autors fällt mir auf, dass er nur ein Jahr älter ist als der Liebste (die Erkenntnis drängte sich schon beim Lesen auf), aber ungleich älter, erwachsener, gesetzter und seriöser wirkt. Der Liebste passt schon sehr gut zu mir…
Nach dem Lesen gibt es die Süßkartoffel-Kürbis-Joghurt-Reste von Freitag zum Abendbrot und dann beginne ich eine neue Serie. „Valéria“ spielt in Madrid und Valencia und wurde mir von der Freundin empfohlen, mit der ich Donnerstag Kuchen essen war (und nicht von der in Madrid, die hat nämlich gar kein Netflix). Es geht um vier Freundinnen, ihre Karrieren, Beziehungen, Familiengeschichten, Identitäten, Wohnungssuche, Aktivismus… Bis auf einige Diskrepanzen in punkto Geld und Zeit (wie in fast allen Serien) also ziemlich realistisch.
Ich schaue wieder in Original mit Untertiteln und bin nach kurzer Zeit voll drin, auch wenn es zwischendurch immer wieder seicht ist. Lohnt ich und ich gucke viel länger, als ich sollte…
Diese viel zu kurze und zerstückelte Nacht wird ihnen präsentiert von Nimbin, dem Kotzekater. Als ich das Geräusch das dritte Mal höre und dann beim Umdrehen auch noch mit der Hand reinfasse, werde ich widerwillig richtig wach, mache das Licht an und ergreife Maßnahmen. Nun muss man so einem kleinen Kotzibert ja nicht die Haare halten, aber drei Kotzeflecken entfernen, überprüfen, dass die Wassernäpfe gefüllt sind, ein bisschen lüften, das Katzengras in Erinnerung rufen, Trockenfutter auffüllen und kurze Zeit später das Tierchen (bzw. beide) schnurrend an sich rankuscheln lassen, das wird schon gerne angenommen. Ab da schlafen beide Miezen tief und fest, nur ich wache etwa alle Stunde auf, weil ich so eingekesselt bin und wahlweise Rücken, Knie oder Nacken wehtun.
Um 8 klingelt eh der Wecker, so dass ich kurz davor das Schlafen aufgebe und den Tag beginne. Verkürzte Morgenroutine mit viel Kaffee und schnellem Müsli, dann geht es los zur Jahreshauptversammlung der Partei, die mich kürzlich als Mitglied aufgenommen hat. Ich hatte angesichts der vollen und eher trockenen Tagesordnung noch mit mir gerungen, aber spätestens die Freundin in Madrid hat mich gestern beim Telefonieren dann endgültig überredet, hinzugehen. Kurz nach 10 komme ich an, akkreditiere mich, um mit abstimmen zu können, und suche mir einen Platz am Rand.
Um 11 geht es los, mit Formalien und dann einem Gastredner vom Bundesvorstand. Bald darauf beginnen die Mühen der Ebene… Es müssen diverse Posten für das nächste Jahr besetzt werden, der Vorstand wird neu gewählt, andere Posten im Kreisverband selbst sind neu zu besetzen, außerdem Delegiertenposten für diverse andere Gremien. Für jeden Posten stellen sich (großteils) mehrere Kandidat*innen vor, es gibt Rückfragen, Abstimmungen (inkl. technischer Schwierigkeiten) und im Fall von Mehrfachbesetzungen und Delegiertenplätzen auch zwei bis vier Abstimmungen (Frauenplätze, Ersatzplätze für Frauen, offene Plätze, Ersatzplätze für die offenen Plätze)… Es zieht sich. Ich übe mich in Geduld und versuche, meine demokratische Teilhabe wahrzunehmen, in dem ich Kandidat*innen meine Stimme gebe, die eher jung, eher ostdeutsch, eher divers, eher progressiv sind und auch all jenen, die sich explizit für Demokratie und gegen Rechtsruck einsetzen wollen.
Die ganze Zeit über gibt es ein fliegendes Büffet, auf dem immer wieder neue Speisen auftauchen. Zum Mittag gibt es u.a. eine eher orientalisch-indische Linsensuppe und eine italienisch-mediterrane Kichererbsensuppe, außerdem den ganzen Tag über wechselnde Kuchen, Snacks, Obst, Gemüse etc., Wasser (mit Fruchtsirup), Kaffee und Tee. Verpflegung 1+.
Ich sehe einiges an Politikprominenz (aus Bundesvorstand, Bundestag und Abgeordnetenhaus), eine ehemalige Darstellerin aus dem Marienhof, die auch Mitglied des Kreisverbands ist, und dann auch noch einen echten Bekannten aus meinem eigenen Leben – einen Ex-Kommilitonen des Fräuleins, den ich vor sechs Jahren bei ihrer Beerdigung kennengelernt habe. Es gibt ein schönes Wiedersehen.
Im Verlauf des Nachmittags wird klar, dass wir den Zeitplan nicht einhalten werden und der neu gewählte Vorstand beschließt, einen der größten und langwierigsten Tagesordnungspunkte auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Erleichtert mache ich mich so schon gegen 18:20 auf den Heimweg.
Zuhause falle ich völlig erschöpft aufs Sofa, trinke mehr Tee und inhaliere eine Tüte Chips, während ich mich vom Abendprogramm berieseln lasse. Netflix hat eine dänische Dramedy über Liebe, Patchwork und Kinderwunsch für mich vorbereitet, die ziehe ich mir jetzt rein, und zwar richtig im Original mit Untertiteln. Danach noch fix die nächste Staffel Schitt‘s Creek zu Ende, mit nem Podcast mit Bodo Wartke in die Badewanne und dann fange ich im Bett das nächste Buch an, bis mir gegen Mitternacht die Augen zu fallen.
Mein Geisteszustand ist heute wunderbar ausbalanciert, angesichts der Weltlage kann man das ruhig mal erwähnen und feiern. Entspannter Morgen im Bett mit den üblichen Verrichtungen – Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätseleien – und dann mache ich mir erstmal Frühstück. Es gibt frisch gepressten Orangen-Mandarinen-Saft, eine cuppa tea mit Milch und den letzten Bagel mit Käse, Rührei mit veganem Schinken und Schnittlauch und etwas Gewürzketchup.
Hinterher habe ich noch etwas Zeit, telefoniere mit dem Liebsten und lege eine Runde Yoga ein, bevor mein einziger fester Termin ansteht – ein Telefonat mit der Freundin in Madrid. Sie nimmt mich auf einen Mittagsspaziergang durch ihr Viertel und den Retiro-Park mit, während wir uns unsere letzten Monate erzählen. So schön, aber jetzt ist es schon fast ein Jahr her, dass ich dort war! Während sie durch die Gegend läuft, habe ich es mir wieder im Bett gemütlich gemacht, so dass ich mir hinterher folgerichtig erstmal einen Kaffee mache, um ein zweites Mal in den Tag zu starten. Den Nachmittag verbringe ich mit einem Onlinekurs am Schreibtisch.
Abends mache ich mir dann die letzte Crowdfarming-Süßkartoffel und den Crowdfarming-Butternut-Kürbis als Ofengemüse, vermischt mit Sonnenblumenöl, einen Rest Kurkuma-Preserves (noch vom pakistanischen Ex-Mitbewohner), Salz, Pfeffer, Cumin und Koriandersamen. Dazu gibt es Joghurt mit Koriandergrün und grünem Chili. zum Essen schaue ich die Antrittspressekonferenz von Mark Carney, der heute als neuer Premierminister Kanadas vereidigt wurde, sein verkleinertes Kabinett vorstellt und sich ein kleines bisschen mit dem französischen Teil der Interviews quält. Beruhigend, dass doch nicht alle Politiker*innen Kanadas bilinguale Übermenschen sind. (Au revoir, Justin und danke für all den Fisch in den letzten zehn Jahren! Der Dating-Markt in Ottawa freut sich schon über einen attraktiven, charismatischen alleinerziehenden Vater, der plötzlich viel Zeit hat, munkelt man in den sozialen Netzwerken.)
Die Abendgestaltung ist dann mal völlig aus der Art geschlagen – ich mache mir ein Schüsselchen mit Gummibärchen (Sanddorn bzw. Rhabarber-Holunder) und Schokolade zurecht und lese Jonathan Garfinkels „Platz der Freiheit“ zu Ende, das gerade als ich heute einsteige ordentlich an Fahrt aufnimmt und die verschiedenen Handlungsstränge und Zeitebenen miteinander verbindet, inkl. realer Personen wie Noam Chomsky und Micheil Saakaschwili. Ein echter page turner. Als ich den Buchdeckel erschöpft zuklappe, ist es NULL UHR.
Aufwachen im Bett des Liebsten. Ich hatte mich schon gefreut, dass der Wecker aufgrund Stundenausfalls beim Teilzeitkind heute später klingelt, bin aber leider schon vor dem ursprünglichen Wecker wach. Hmpf. Aber wenigstens gibt es drei Minuten nach Weckerklingeln Kaffee ans Bett. Irgendwann ist das Kind aus dem Haus und der Liebste am Schreibtisch, dann verziehe ich mich mit dem Laptop auf die Couch, mache in meinem Onlinekurs weiter und esse kalte Pizza von gestern zum Frühstück – Kenner*innen wissen, dass das eines der besten Frühstücke ist.
Gegen 13 Uhr dann Aufbruch zurück ins pulsierende Zentrum der Hauptstadt, bzw. eigentlich erstmal nach Lichtenberg, wo ich mit einer Freundin verabredet bin und zwischen deren letzten Meeting und ihrem Physiotermin ein gutes Stündchen mit Mango-Matcha und Apple Crumble in einem Café verbringe.
Danach aber geht es zurück in den Pberg und dort dann nach Begrüßung der Katzen gepflegt auf die Couch. Ich schaue mir den Großteil der Bundestagsdebatte über die geplanten Verfassungsänderungen der mutmaßlich zukünftigen KleiKo an – zum Glück kann man heutzutage zurückspulen, es lebe das Internet.
Nach Ende der Debatte ist es spät genug für Abendbrot und ich mache mir einen nordisch inspirierten Stüllchenteller. Dazu und danach schaue ich Thelma & Louise, der schon eine ganze Weile auf meiner Rewatch-Liste steht und gerade in der arte-Mediathek ist. Danach eine Runde telefonieren – Ellis, Bruder, Liebster – dann gucke ich die letzten Folgen von Meghans neuer Show (mit der großen Alice Waters am Ende!!!) und dann noch ein paar Folgen Schitt‘s Creek – bis zur zweiten Simply-The-Best-Folge nämlich. Gegen Mitternacht geht es mit Buch ins Bett.
Heute wird ein Tag mit Nahrung für alle Sinne und Begehrlichkeiten, am Ende werde ich mich ganz accomplished fühlen, wie die Frauen bei Jane Austen oder wie Cher in „Clueless“ sagt: Ein nichtschulisches Buch pro Woche, etwas für Geist und Körper tun und dann auch noch was für die Menschheit oder den Planeten oder so.
First things first, ich stelle mir extra einen frühen Wecker, wache aber noch kurz davor auf – winning! -, churchille dann im Bett vor mich hin und stehe trotzdem schon vor 10 auf. Zum Frühstück gibt es Müsli (White Chocolate Berry) mit Joghurt, Orange und frisch gemachte Golden Milk aus frischem Kurkuma, frischem Ingwer, Zimt, Kardamom, schwarzem Pfeffer, Hafermilch und Honig.
Dann fahre ich mit Tram und Bus zur Philharmonie, wo ich mit Menschen aus dem Berufsverband zu einer Führung mit Hintergrundgespräch inkl. Lunchkonzert verabredet bin. Vorher gibt es spannenden Smalltalk zu aktuellen Entwicklungen mit einer Verbandskollegin, die heute Morgen schon auf die neuesten Trumpschen Strafzölle reagieren musste und einer anderen, deren stadtbekannter Arbeitgeber aktuell ganz schön ins Schlingern geraten ist und wie sich das auf die alltägliche Arbeit auswirkt. Immer wieder spannend! Dann geht es aber bei Kaffee und Brezeln wirklich um die Philharmonie und die Philharmoniker und wie die Dinge dort im Hintergrund laufen. Ein Fun Fact für die Öffentlichkeit: Es gibt eine fest angestellte Person, die regelmäßig die bunten Mosaiken im Fußboden restauriert und Steine ersetzt.
Das Konzert selbst ist auch sehr beeindruckend, klassische Musik kriegt mich ja selten, aber hier funktioniert es – mit nur einer Geige und einem Flügel. Die Lunchkonzerte sind übrigens kostenlos und finden jeden Mittwoch statt, evtl. mache ich das wieder!
Hinterher habe ich etwas Zeit zu vertrödeln und nehme deshalb einen Umweg durch den Tiergarten. Das trifft sich ganz gut, weil genau da dann auch die Freundin aus Frankreich anruft und wir in Ruhe telefonieren können.
Tiergarten mit abhebendem ReiherAbgebranntes Teehaus
Am Bahnhof lege ich auf und fahre mit S- und U-Bahn nach Südberlin ins Fitnessstudio. Erst geht’s ins Dampfbad, dann Schwimmen. Ich schaffe 300 m, bis das Becken zu voll wird, erst nach etwa 100 m meldet sich die Schulter. 45 Minuten AquaFitness, mit ordentlich Armtraining (aua), dann Recovery Sauna und Ruheraum. Die heißere 100-Grad-Sauna klemme ich mir heute, bin schon ordentlich kaputt und es ist auch schon ganz schön spät.
Ich laufe zu Liebstem und Teilzeitkind, wir bestellen gute neapolitanische Pizza und dann habe ich noch anderthalb Stunden politisches Webinar vor mir – Demokratiestärkung durch Teilhabe. Geist, Körper und Gesellschaft und so.
Unangenehmes Gefühl, wenn im Zahnvorrat etwas anders ist, als es soll. Ständig fährt die Zunge hin, immer Angst, dass etwas Falsches dran kommt, Schmerzen beim Trinken… Trotzdem überraschend gut geschlafen. Da die Zahnärztinnenpraxis erst um 12 aufmacht, kann ich trotzdem eine ganze Weile liegen bleiben und zumindest in Ansätzen der Morgenroutine fröhnen. Dann gibt es weiches Brot mit Käse und veganem Schinken (nicht zu hart, nicht zu kalt, nicht zu heiß, nicht zu süß, nicht zu sauer!) und lauwarmen Kräutertee zum Frühstück. Vorsichtig Zähne putzen, ordentlich Mund spülen und dann geht’s nach draußen.
Erstmal fahre ich mit Tram und Tram (und ordentlich laufen zwischendurch, weil eine Tram lahmt und damit den ganzen Verkehr aufhält) zur Praxis der besten Freundin, da auch da wieder ein Besuch ansteht. Untersuchung, Besprechung, Rezeptverschreibung, Blutabnahme, kurze Umarmung zum Abschied und dann weiter, erst zur Apotheke und dann mit Tram und Tram zur Zahnärztin.
Dort heißt es dann erstmal ordentlich lange warten, ich habe ja keinen Termin und außerdem gibt es noch einen Nofall mit echten Schmerzen. Ich vertreibe mir die Zeit mit meinem nächsten Buch, „Platz der Freiheit“ von Jonathan Garfinkel. Als ich drankomme, stellen wir fest, dass das Krönchen noch gut ist und einfach wieder angeklebt werden kann. Und dass die Schmerzen sagen, dass der Zahn noch lebt und ich keine Wurzelkanalbehandlung brauche. Zweimal Yay! Ein bisschen dauert es, aber die Schmerzen halten sich in Grenzen und am Ende bezahle ich nur gute acht Euro. Nimm das, Olivenkern!
Zurück nach Hause fahre ich mit U-Bahn und Tram, hüpfe noch schnell in den Drogeriemarkt und dann geht es ans Kochen – es ist 15 Uhr und ich habe inzwischen echt Hunger. Es wird eine große Portion Zitronenpasta mit Ricotta salata und gerösteten Pinienkernen. Nach dem Essen erledige ich den Rest der Sprach- und Rätselverpflichtungen des Tages und dann werde ich wieder furchtbar müde und halte ein Verdauungsschläfchen.
Bald darauf geht es dann endlich zum Spaziergang mit dem Lieblingsnachbar, zuletzt haben wir uns um den Jahreswechsel gesehen. Wir laufen zwei Stunden lang durch den Pberg und erzählen uns, was seitdem passiert ist und noch so dies und das drumherum.
Wieder zuhause ist dann schon wieder Zeit für Abendbrot machen. Während die Artischocken kochen mache ich einen Dipp (Öl, Knoblauch, Mayo, Senf, Estragon, Joghurt), beziehe mein Bett neu und räume ein bisschen herum.
Zum und nach dem Essen schaue ich ein paar Folgen Schitt‘s Creek (bis zur legendären Folge mit „Simply the Best“), dann ist es Zeit für Badewanne und schließlich Bett. Der Tag endet wesentlich besser, als er angefangen hat.
Der Tag lässt sich gut an, noch ein letztes Mal Frühlingswetter, wenn auch schon etwas kühler, bevor die Wetteruhr nochmal zurückgedreht wird. Balkontüren auf, erstmal Yoga (immer noch mit angezogener Handbremse, es ist unanständig, für wie viele Asanas man seine Arme und Schultern braucht) und dann Frühstück draußen. Den Onlinekurs fange ich dann auch noch draußen an, aber als die Sonne um die Hauswand rum ist, wird es auf dem Balkon zu kühl und ich wechsle ins Arbeitszimmer.
Am frühen Nachmittag mache ich dann Pause, kümmere mich kurz um ein paar Haushaltsdinge und gehe dann ins Draußen. Meghan hat gestern in ihrer Netflix-Doku Korean Fried Chicken gemacht und seitdem will ich das essen (mit einer kurzen Unterbrechung als ich heute Morgen auf TikTok eine römische Pizza mit Kartoffeln und Rosmarin gesehen habe). Ich laufe also schnurstracks zum asiatischen Streetfood-Laden um die Ecke und gönne mir das Korean Fried Chicken und eine Yuzu-Limonade. Sehr lecker!
Danach mit Weglimo weiter durch den Sonnenschein – hier ist er noch – und Besorgungen machen und zwischendurch nochmal eine Runde in den Park setzen, wie der Rest vom Kiez.
Als ich wieder zuhause bin, die Einkäufe verräumt und meine Yoga-Matte mit Teebaumöl gereinigt habe, überfällt mich unheimliche Müdigkeit und ich schlafe erstmal komatös auf dem Sofa ein. Eine Stunde später fragt der Lieblingsnachbar, ob ich fit für noch einen Spaziergang wäre, aber das muss ich ablehnen. Hoffentlich erwischt mich jetzt k ihr der nächste Virus, denke ich. Stattdessen weiter Meghan gucken und eskapieren in eine Welt, in der Zeit und Energie allein für Essenszubereitung, Blumenarrangements und schöne Dinge da sind. Das bringt mich dann später am Abend noch zu meinem Abendbrot – Rosmarin-Bruschetta, Crudités, Oliven und Avocado-Dip. Viel weniger schön angerichtet als bei Sussexes, aber wirklich lecker.
Der Stein einer der Oliven knockt mir dann noch eine Füllung aus dem Zahn, was dem Abend irgendwie eine unschöne Wendung gibt. Morgen dann also auch noch zur Zahnärztin!
Der heutige Sonntag läuft größtenteils ab wie früher wobei „Früher“ hier einen Zeitraum in den ersten ein-zwei Jahren der Pandemie bezeichnet. Ich wache im Bett des Liebsten viel zu früh auf – nicht mehr, weil das Teilzeitkind nachts wach wird oder zu uns ins Bett klettert, sondern heute, weil der Arm weh tut und ich keine gute Position finde. Dann wacht der Liebste irgendwann auf und macht Kaffee und das Teilzeitkind kommt immerhin schon gegen 9 und mich fragt, ob ich auch Pancakes möchte.
Natürlich! Wir stehen also für einen Sonntag extrem früh auf und schon kurz vor 10 gibt es Frühstück. Pancakes vom Teilzeitkind zubereitet, die Äpfel habe ich in Butter gedünstet, die Würstchen hat der Liebste gebraten und den Ahornsirup haben wir aus Kanada mitgebracht.
Nach dem Essen wird eine ausführliche Aufräum- und Putz-Session eingelegt, wobei das Teilzeitkind (auch das eine sehr neue Entwicklung) das Bad übernimmt und auf Hochglanz bringt. Der Liebste kümmert sich um Müll, Wäsche und Fußböden, ich um die Küche. Danach ist erstmal eine Runde Chillen angesagt, bevor wir alle gemeinsam erst raus in den Park gehen und dann zur Stammkonditorei, wo wir wie damals in der Pandemie lange draußen in der Schlange stehen müssen. Es dürfen aber inzwischen mehr als 12 Kund*innen gleichzeitig im Laden sein.
Auf dem Heimweg läuft uns eine bekannte Internetpersönlichkeit über den Weg, die ich schon seit Ewigkeiten von „Twitter“, Blog, Medien, Buch, re:publica und Co. „kenne“. Sie mich jedoch eher nicht, meine Reichweite ist ein Bruchteil davon. Trotzdem ein weiteres nostalgisches Momentum heute.
Apfelsinensahnetorte und Himbeerpassionsfruchttorte
Dann gibt es Kaffee und Torte und Gespräche und noch ein bisschen mehr Aufräumen und Sommerurlaub planen, bevor ich mich am späten Nachmittag auf den Heimweg mache. In der Frühphase der Pandemie hätten die Beiden mich mit dem Auto gebracht, heute nehme ich ganz entspannt die S-Bahn. Zuhause dann Katzen begrüßen und versorgen und Rucksack auspacken, bevor es mit dem Laptop auf die Couch geht.
Ich habe nämlich noch einen Call mit meiner Mentorin, bei dem wir uns anderthalb Stunden über das Leben und die Entwicklungen der vergangenen und nächsten Wochen austauschen.
Kurz nach 9 noch ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten und dann gibt es bis nach Mitternacht den Livestream von der Liberal Convention in Ottawa, mit kurzen Ansprachen der vier Kandidat*innen für die Trudeau-Nachfolge, einer Abschiedsrede von Trudeau, einer Mutmach-Rede von Chrétien und dann dem Ergebnis der Abstimmung: Mark Carney ist erwartet aber mit überraschend hoher Zustimmung der neue Anführer der Partei und wird in den nächsten Tagen oder Wochen das Amt des Premierministers von Trudeau übernehmen. Bemerkenswert ist, dass in sämtlichen Ansprachen Trump viel mehr Raum einnimmt als Poilievre, der in der anstehenden Wahl Carneys Gegner sein wird. Die kanadische Seele ist in Aufruhr, die Gefahren sind real und jetzt werden wir alle beobachten können, ob (und hoffentlich dass!) sich Kanada behaupten wird. Elbows up!
Noch so ein Frühlingstag heute. Und Fe(ministischerKampftag)iertag ist auch. Zur Feier desselben lädt der Liebste das Teilzeitkind und mich erstmal zum Frühstück ein, was bedeutet, dass ich mich schon knapp (zwei Stunden) nach dem Aufwachen auf den Weg nach Südberlin mache.
Beim Essen schmieden wir Pläne. Ein Demogang wird vom Kind abgewählt, ebenso ein Ausflug ins Grüne/an den See. Aber Ausflug darf schon sein, also geht es nach einer kurzen Verdauungspause zuhause gemeinsam auf die größte innerstädtische Freifläche Europas (der Welt?), wo ganz eindeutig schon fast Sommer ist. Es wird gegrillt, gekubbt, geskatet usw.
Der Liebste zeigt uns seine ehemaligen Wirkungsstätten – die Landebahn, auf der er das Kindelein als Baby immer in den Schlaf geschaukelt hat, den Spielplatz, wo es zum ersten Mal von der Schaukel gefallen ist, die Eisdiele, wo es immer eine Kugel Vanille im Becher bekam und auch das Haus, wo es seine ersten Lebensjahre verbrachte.
Eine Katze wird Gassi geführt und hat sichtlich SpaßPopcorn-Honeycomb und Mohn-Kirsche
Nach zwei Runden übers Feld habe ich an beiden Füßen Blasen von den jahreszeitgemäßen Halbschuhen und alle sind ausreichend kaputt. Wieder zuhause gibt es eine ausführliche Chillung und das Teilzeitkind und ich schauen weite Teile des Eras-Konzerts von Taylor Swift und fachsimpeln über die feministischen Botschaften.
Zum Abendessen gibt es vom Liebsten gezauberte Pasta und eine Weltall-Doku, dann verschwinden alle erstaunlich schnell und müde in ihren Betten.
Entspanntes, ausgeschlafenes Aufwachen gegen 8, kurz das Internet leer lesen, mit dem Liebsten telefonieren und dann ist 9:15 schon ein Webinar, bei dem es um passende Alternativen für X in der Kommunikationsstrategie von wissenschaftlichen Institutionen geht. Gar nicht so trivial, denn obwohl die Reichweite von X in Deutschland z. B. nie sehr groß war, hing doch die gesamte Wissenschafts- und Medienbubble dran, und das weltweit. Ähnlich, wie man z. B. in der kanadischen Arktis (und anderswo) kaum ohne Facebook auskommt, weil das die die gesamte digitale Infrastruktur ist, die viele Menschen dort haben.
Für die Institutionen in Deutschland jedenfalls werden neben den üblichen Verdächtigen Mastodon, Bluesky und Threads auch YouTube und LinkedIn diskutiert (je nach Ziel und -gruppe) und teilweise auch Reddit und – „ganz neu“ – Substack. Ich fremdele mit letzterem ja ein bisschen, seit dort nicht mehr nur mir persönlich bekannte schreibende Menschen ihren Content parken, sondern plötzlich auch Journalist*innen, Politiker*innen und sonstige Personen des öffentlichen Lebens und es neben Text auch Video und Co. gibt. Alles etwas unübersichtlich, aber ja, vielleicht muss ich mir das nochmal genauer angucken. LinkedIn ist übrigens dezidiert apolitisch und der CEO hat sich grad bei Colbert recht deutlich gegen Trump und die Tech-Broligarchie ausgesprochen. Man wundert sich manchmal (positiv).
Nach dem Webinar die übliche morgendliche Churchillei im Bett. Bloggen und Sprachen lernen. Mein Duolingo-Score für Französisch wächst und wächst und wächst, ich habe schon die Hälfte von A2 durch (nachdem ich im September beim Urschleim angefangen habe). Im Italienischen immer direkt hinterher sehr ähnliche Themen, das macht es etwas kompliziert, die Vokabeln im Kopf zu sortieren. Als ich mit allem fertig bin, merke ich, dass draußen der Frühling ausgebrochen ist (nur echt mit diesem Ohrwurm – und diesem). Ich stelle die Heizungen ab und reiße die Balkontüren auf. Die Katzen chillen schon mal in der Sonne (und weihen die Saison des Draußenklos ein) und ich mache mir schnell noch das erste Balkonfrühstück.
Dieser vegane Schinken (auf Erbsenbasis) bedeutet, dass ich nie wieder gekochten Schweineschinken kaufen muss, nur ggf dicker belegen, da dünner geschnitten)
Ich sitze barfuß und im T-Shirt in der Sonne und friere nicht. Dazu läuft Immergut-Musik und gedanklich bin ich schon in der schönsten Jahreszeit, die bekanntlich mit der Erdbeersaison, diversen Feiertagen und Geburtstagen korreliert. Aber jetzt kommt ja erstmal noch Bärlauch, Rhabarber, Waldmeister und Holunderblüten. (Wobei anderswo ja gerade noch Blutorange und Artischocke ist, apropos, ich muss mir nächste Woche dann mal Artischocken kaufen, man kommt ja zu nix.) Instantan jedenfalls gute Laune und der ganze Mief von Winter und Weltpolitik ist aus dem Kopf verbannt.
Gegen 14 Uhr ist die Sonne um die Hausecke verschwunden, ich ziehe mir was über und bleibe trotzdem draußen. Erst packe ich den neuen Katzenbrunnen aus (ein schwieriges Unterfangen, weil der quasi von Styropor umschlossen ist, dem ich mit Schere, Messer und Gewalt zu Leibe rücken muss), baue ihn auf und beobachte die interessierte, aber ängstliche Reaktion der Katzen. Der stromsparende Bewegungsmelder macht, dass er für die Miezen unberechenbarer ist als der Vorgänger – und er sprudelt höher und lauter. Erst spät am Abend traut sich Noosa, daraus zu trinken. Nimbin bleibt skeptisch.
Nach dem Brunnen erste Arbeiten am Balkon als zweitem Wohnzimmer – alte Pflanzen und Pflanzenreste entsorgen, mehrjährigen Pflanzen Luft und Wasser geben und sie ggf. beschneiden, Getränkekästen von der warmen Hauswand wieder an die Brüstung stellen, weil sie da weniger Sonne abbekommen… Mit neuen Pflanzen und den Liegestühlen warte ich noch, bis das Wetter stabiler wird. Bis dahin bleibt auch der Zitrusbaum noch drinnen. Trotzdem hat es schon was heimeliges, verheißungsvolles.
Ich setze mich dann nochmal mit einer Mate raus und genieße die Rückkehr des zweiten Wohnzimmers, da ruft die beste Freundin an, die grad eine halbe Stunde zu vertrödeln hat und ebenfalls draußen ist und sich darüber freut und wundert, wie gut gelaunt plötzlich alles ist. Wir sparen die Weltpolitik aus und reden über Alltagsdinge, anstehende Augaben und Urlaubspläne. Demnächst werden wir zusammen essen gehen, das ist doch ein Plan!
Dieser ganze plötzliches Jahreszeitenwechsel hat meinen eigentlichen Plan für heute ganz schön durcheinandergewirbelt, daher beschließe ich, die eigentlich geplante Abendveranstaltung sausen zu lassen. Dann habe ich jetzt auch noch ein bisschen Zeit und mache mir Pellkartoffeln mit Leinölquark und „Schluppen“. Normalerweise wären das Frühlingszwiebeln (wie passend), aber die letzte Crowdfarming-Zwiebel treibt ausführlich aus, also schneide ich von der einen Trieb ab.
Die Kartoffeln selbst sind auch von Crowdfarming und sehr hell – ähnlich wie die, die man in kanadischen Supermärkten gemeinhin bekommt und schmecken ganz anders. Sind dann aber jetzt auch alle, demnächst dann wieder die Standardvariante (vermutlich Linda?)
Zum Essen gibt es das nächste Webinar, über ganzheitliche Ansätze, die Weltsituation zu verbessern. Achtsamkeit für sich selbst, die Menschen drumherum und die Umwelt insgesamt als Basis für Resilienz, Verständigung und konstruktives Handeln zum Klimaschutz und generell einer nachhaltigen Entwicklung in allen Lebensbereichen (Politik, Arbeit, Frieden usw.). Klingt alles bisschen abstrakt und esoterisch, aber wird von angesehenen wissenschaftlichen Institutionen gefördert. Die Basics klingen jedenfalls gut.
Hintendran schaue ich mir noch einen Vortrag von Angela Merkel von heute bei der WTO an, inklusive Diskussion danach. Es geht um den Frauentag, weibliche Führungspositionen in der Weltpolitik und -wirtschaft und immer wieder um die aktuelle Tagespolitik. Ich lerne, dass die aktuelle Chefin der WTO aus Nigeria kommt (und überhaupt eine Frau ist), finde den Moderator anstrengend und habe Mühe, den Ausführungen von Merkel zu folgen, da sie auf Deutsch spricht, aber mehr schlecht als recht simultan übersetzt wird und der Originalton komplett ausgeblendet wird.
Hinterher ist es Zeit für Buch und Badewanne – ich lese Thomas Kings „Indians on Vacation“ zu Ende. Im Bett dann noch kompletter Eskapismus mit Meghan Markle, Duchess of Sussex (Mountbatten-Windsor?) ihrseiner neuen Netflix-Show. Lifestyle, Deko, Essen, Trinken in unheimlich schön und wholesome und wäre sie nicht sie wäre es wahrscheinlich total langweilig, aber so ist es ein bisschen faszinierend – und macht schläfrig.