05.02.2025 – Ferienprogramm #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Ich wache früh auf, gegen 7, die Katzen merken, dass es hell ist und schauen mal unverbindlich, ob ich noch lebe, lassen sich aber mit ein bisschen Kuschelei befrieden, so dass ich noch nicht aufstehen muss, um sie zu füttern. So kann ich erstmal in Ruhe die Runde durchs Internet drehen, bloggen, mit dem Liebsten telefonieren, Französisch und Italienisch pauken.

Seit ein paar Tagen scheint mein Parteimitgliedschaftsantrag bearbeitet worden zu sein (Der Ortsverband hatte in den letzten Wochen verständlicherweise anderes zu tun.) und jetzt bin ich in einer deutschlandweiten WhatsApp-Gruppe und diversen lokalen Signal-Gruppen gelandet und bekomme ein paar Hintergrunddiskussionen mit, Organisatorisches und Hinweise auf Social-Media-Posts und wie man ihnen je nach Medium am meisten Reichweite verschafft. Die Gruppen finde ich spannend, die Posts, die ich gut und/oder witzig finde, teile und amplifiziere ich. Haustürwahlkampf und Wahlkampfstände werden eher nicht meins, zumal ich bei dieser Wahl ja wahrscheinlich, zumindest bei der Zweitstimme, eine ganz andere Partei wählen werde, die mir nur eins weniger nahesteht aber dringend in den Bundestag gehört. Aber hinterher dann, nach der Wahl, da will ich schon zu lokalen Treffen gehen und mich im Kiez engagieren und so – Demokratiearbeit an der Basis und im Alltag eben. Jedenfalls kommt so noch ein „soziales Netzwerk“ in die tägliche Routine.

Als ich fertig bin und aufstehen könnte, telefoniere ich zu Planungszwecken nochmal mit dem Liebsten, der dann noch das Teilzeitkind dazuschaltet, das gerade Ferien hat und auf der Couch liegt und fernsieht. Wir koordinieren unsere weiteren Pläne für den Tag. Dann aber stehe ich endlich auf und mache Frühstück. Heute gibt es Bagel mit Mandelcreme und Kirschmarmelade, Ingwer-Zitronen-Tee und einen Smoothie aus Banane, Apfel, Orange, Ingwer und Kokoswasser. Beim Essen drehe ich die Rätselrunde durchs Netz und schließe dann direkt noch Organisatorisches am Laptop ab – E-Mail-Verkehr zur Vorbereitung von Behördlichem, das in nächster Zeit erledigt werden will.

Danach dann Duschen und Anziehen und dann bin ich schon um 12 so richtig auf den Beinen und bereit für den Tag. Ich rufe die Freundin in Frankreich an, die auch gerade Tagesfreizeit hat, und wir telefonieren, während ich in der Wohnung herumräume, Haushaltsmaintenance betreibe, im Arbeitszimmer Dinge sortiere und einiges entrümpele. Zwei defekte Klappstühle wandern direkt unten in den Müll, Elektroschrott wird in einer Kiste gesammelt. Währenddessen reden wir darüber, wie es uns in den letzten Wochen ergangen ist, wie wir mit unseren jeweiligen Tagesfreizeiten umgehen, was politisch so los ist in Frankreich, hier und in der Welt, was beruflich perspektivisch so ansteht und die eine oder andere philosophische Diskussion.

Nach zwei Stunden verabschieden wir uns und ich schaue, was ich in den letzten zwei Stunden so in der Welt verpasst habe. Dann letzte Absprachen mit dem Liebsten und mit der Mitbewohnerin, bevor ich meinen Kram zusammen packe und ins trübgraukalte Draußen marschiere. Mein Physiotherapietermin wurde leider heute morgen abgesagt, ich laufe aber trotzdem dorthin und daran vorbei, bis zum Recyclinghof. Da werfe ich meinen Elektroschrott in die entsprechenden Tonnen und laufe noch weiter, bis zum Bahnhof. Von dort nehme ich die S-Bahn nach Südberlin. Das Teilzeitkind ist inzwischen beim Liebsten eingetroffen und er macht jetzt auch Feierabend. Wir sichten kurz die Lebensmittelvorräte und schreiben eine Liste, dann ziehe ich nochmal los und gehe einkaufen.

Ich habe mich nämlich heute freiwillig zum Kochen gemeldet, das Teilzeitkind hilft mit großen Enthusiasmus. Wir basteln eine Version von Eton Mess aus Schlagsahne, TK-Sauerkirschen und verschiedenfarbigen Vogelhochzeitsbaiserschaumvögeln für den Nachtisch. Ansonsten gibt es Mini-Buletten mit Steinpilz-Sauce, Ofenkartoffeln und Erbsen, alles from scratch zubereitet.

Nicht schön aber lecker

Nach dem Essen machen wir es uns mit Chips und Limo (Apfelschorle für die beiden, Ananaslimo für mich) auf der Couch bequem. Wir gucken den ersten Paddington-Film, zur Vorbereitung weiterer Ferienpläne und um uns nochmal der Handlung zu entsinnen. Beim ersten Mal war das Kindelein noch viel kleiner und wir mussten mehrfach unterbrechen und beruhigen, weil Nicole Kidman einfach zu gruselig war. Dieses Mal keine Zwischenfälle, das Kind ist fast 12. Dafür unterbrechen wir das Programm für einen wichtigen Bildungsauftrag.

Mein Bruder hält online einen Vortrag über Permafrost im Allgemeinen und seine Arktis-Expeditionen in die Permafrostregion im Speziellen. Mit Fragestunde am Ende dauert das zwei Stunden und das ist ein ganzes Stück für ein Kind von fast 12 Jahren. Es hilft aber ganz fantastisch durch und lernt viele spannende Sachen. Hinterher gucken wir noch den Film zu Ende und dann geht es gegen 23 Uhr für alle ins Bett.

04.02.2025 – Energiemanagement

Die Katzen wecken mich erst, als es draußen schon hell wird, das gefällt mir ganz gut und so bleibe ich dann auch gleich wach. Das wird mich in den nächsten Wochen vermutlich irgendwann in den Hintern beißen, wenn es Früüüüühling wird, aber jetzt gerade ist Helligkeit zum Wachwerden super. Und nicht nur zum Wachwerden, für den ganzen Tag ist Sonnenschein angesagt. Ich plane mir direkt ungewohnte Aktivität in Sachen Hausarbeit in den Tag.

Zur Bestärkung der gefühlten Energie kippe ich noch ein bisschen Placebo hinterher. Auf TikTok bastelt sich eine Creatorin auf Hawaii immer „Adrenal Cocktails“, die angeblich die Nebennieren stärken und damit ein natürlicher Energydrink sein sollen. Ich betrachte das natürlich skeptisch, bin aber für kulinarische Experimente grundsätzlich zu haben, vor allem wenn mir die Zutaten zusagen. Ich presse also vier Crowdfarming-Orangen aus, rühre eine gute Prise Meersalz hinein und fülle 1:2 mit Kokoswasser auf. Die Creatorin rührt dann immer noch Weinstein und Kollagen mit rein, aber ich betreibe hier ja eine Küche und kein Labor. Es schmeckt ganz gut, gesund und interessant. Aber ich habe glaube ich etwas viel Salz dran. Ob es wirklich hilft, möchte ich nicht beurteilen (vermutlich nicht) aber alles fürs Placebo! Ansonsten gibt es Müsli mit Banane, Apfel, Zimt und Erbsenmilch und Ingwer-Zitrone-Tee.

Da die Mitbewohnerin noch schläft, gibt es energieliefernde Musik über Kopfhörer. Ich beziehe mein Bett neu, wasche Wäsche, bringe den Biomüll weg und räume auch sonst auf. Ansonsten erledige ich natürlich meine üblichen Sprachlektionen und die Rätselaufgaben des Tages, verfolge das Weltgeschehen und komme meinen Pflichten im Spiel nach. Um 12 höre ich einem Webinar zu und dann ist auch schon Zeit fürs Mittagessen. Da ich noch eine halbe Dose Baked Beans offen habe, denke ich an Beans on Toast. Es soll aber weniger matschig werden, deswegen gibt es Beans adjacent to Toast und auf den Toast noch vegane Salami und Bockshornklee-Käse, überbacken. Außerdem Romanasalat-Resteverwertung mit Zitronen-Kräuter-Dressing.

Danach lese ich (und nicke ein wenig ein), bis die Mitbewohnerin am Nachmittag dann aufbricht. Jetzt kommt meine Zeit mit dem Staubsauger! Leider habe ich davon nicht mehr allzu viel, so dass ich mich aufs Bad konzentriere und das dann auch direkt noch putze. Der Rest muss warten, denn ich habe ein Abschlussmeeting zu einem meiner Projekte.

Als das vorbei ist, ist mein Energielevel plötzlich komplett unten. Ich versuche es noch mit belgischen Schokomeeresfrüchten wieder hochzuziehen (lecker!), aber der Feierabend ist unumgänglich. Ich sage meine Telefonverabredung ab und lese Marc-Uwe Klings Views zu Ende. Hui, was für ein Buch. Deutschland gerät aufgrund von Empörung über einen Übergriff von migrantisierten Leuten auf ein weißes Mädchen an den Rand eines rechtsextremistischen Putsches. Bisschen sehr nah an der Realität gerade. Und dann geht’s um KI und Tech-Bros, auch viel zu nah an der Realität. Chapeau an Marc-Uwe (muss den duzen, wegen des Kängurus) für Weitsicht, wobei das Buch ja auch erst ein paar Monate alt ist.

Als ich das Buch zuklappe, habe ich noch ein bisschen TikTok-Zeit, bevor ich mich halb 10 nochmal in ein Webinar einwähle. Wieder viel internationaler und kanadischer Content für mich (Kanada, auch grad so ein Atemanhaltthema). Dann aber Webinar und zurück in den deutschen Alltag. Die heutige Lanz-Sendung wird auch angesprochen, die ziehe ich mir danach auch noch rein. Kein Wunder, dass das halbe Land über Migration redet statt der dringenden Themen, das Agenda-Setting in den Medien lässt ja kaum etwas anderes zu, auch wenn am Ende noch die Energiepolitik von Habeck gelobt wird.

Im Bett dann das nächste Buch anfangen, mein Gehirn braucht mehr feminine Energie. 😉

03.02.2025 – Selfcaren (nicht Self-Karen)

Ich wache vor dem Wecker des Liebsten auf, er selbst so richtig erst zehn Minuten, nachdem er ihn ausgemacht hat. Beneidenswert. Dann aber bringt er Kaffee ans Bett und der Tag beginnt gut. Facebook, Instagram, Mastodon, Bluesky, Threads, LinkedIn (wegen Benachrichtigung), Feedreader, Bloggen. Nachdem der Liebste aufgestanden und an die Arbeit gegangen ist Duolingo, Babbel, Handyspiel und Onlinekurs. Dann stehe ich auch auf. Kleine Zuckerwaffel zum Frühstück, Geschirrspüler aus- und einräumen, Pfanddosen von gestern abspülen, ab ins Bad.

Nach 12 gehe ich los, bringe die Pfanddosen im Thai-Restaurant am Platz weg und laufe dann die lange Einkaufsstraße entlang, in der Berlin wie eine westdeutsche mittelgroße Stadt aussieht, wenn da nicht der _gute_ Bubble-Tea-Laden wäre. Es geht ins Fitnessstudio. Dreiviertel 1 lasse ich mich ins Wasser gleiten und schwimme erstmal ein bisschen. Der Arm spielt heute erstaunlich gut mit – es wird, es wird. Eine gute Viertelstunde verbringe ich mit Arm- und Schultermobilisierung, klassischer Wassergymnastik und immer wieder Schwimmen. Dann wechsle ich hinüber ins Dampfbad.

Hinterher liege ich im Ruheraum und lese mich ein wenig in meinem nächsten Buch fest: Marc-Uwe Kling: Views. Passt inhaltlich erschreckend gut ins Tagesgeschehen. Als ich anfange zu frösteln, gehe ich in die Recovery Sauna und liege/sitze auch da meine 15 Minuten ab. Dann lese ich weiter. Beim nächsten Frösteln geht’s in die Finnische Sauna. Die 100 Grad gebe ich mir aber nur die Hälfte der Zeit, das ist mir heute zu viel. Danach gehe ich hinaus auf die Dachterrasse, wo bei 6 Grad die Sonne scheint, und lege mich dort kurz auf eine Liege.

Das nächste Frösteln ist dann auch ein Frieren, also schnell nach drinnen, duschen und anziehen. Dann fahre ich mit U- und S-Bahn zurück in den Pberg. Kurzer Einkaufsstopp weil ich Lust auf Aloe-Vera-Drink habe (gibts nur mit Erdbeergeschmack heute), ein babyarmgroßes Stück Ingwerwurzel kommt auch noch mit, außerdem Joghurt und Kokoswasser (will was ausprobieren). Dann schnell nach Hause, Katzen begrüßen und endlich was Richtiges essen.

Dinkelbrot mit: Sardellenaste und Gurke, Dattel-Curry-Aufstrich, Kräuterfrischkäse mit Gurke, Gorgonzola-Aufstrich, veganer Salami mit Tomate, Salat und Bockshornkleekäse. Dazu Crowdfarming-Banane und fancy Getränk

Danach kurzes Ausruhen mit Wordle, Connections, Strands, Spelling Bee und Past Puzzle, während ich (Manchmal bin ich masochistisch veranlagt) Caren Miosga von gestern nachgucke. Ähnlich wie bei Linnemann bei Illner letzte Woche wird diesmal Alice Weidel von drei Erwachsenen argumentativ zerlegt. Also, wenn man sich mit der Materie auskennt und für Vernunft zugänglich ist. Wenn man AfD wählt, war da vermutlich ein gelungener Auftritt der Kanzlerkandidatin, die sich um nichts schert und quasi den Trump gibt. Und deswegen sollte es diese Talkrunden nicht geben, aber der Drops ist wohl endgültig gelutscht.

Um 18 Uhr wähle ich mich in einen Online-Workshop ein, der zwei Stunden gehen soll. Ist dann aber doch nicht ganz, was ich erwartet habe, deshalb gehe ich nach einer halben Stunde wieder. Ich skippe mich einmal durch den Eras-Tour-Konzertmitschnitt auf Disney Plus und bin ein bisschen in awe über die Vielseitigkeit, Kreativität und Power von Taylor Swift (3,5 Stunden Konzert, gefühlt 20 verschiedene Shows), auch wenn ich weiterhin nur mit jedem fünften Song so richtig was anfangen kann. Dann noch eine Folge Parenthood und schon ist es 21 Uhr und die Book-Release-Party von Mike Gayle beginnt auf Facebook (die letzte war im Juli 23, sehe ich gerade).

Mike Gayle kenne und lese ich, seit mir die „alte Freundin“ damals sein erstes Buch in deutscher Übersetzung weitergegeben hat, nachdem sie es gelesen hatte. Da gingen wir noch zur Schule. Ich habe dann auch alle weiteren Bücher gelesen und zwei davon zehn Jahre später in meiner Master-Arbeit verwurstet. Daraufhin nahm ich Kontakt mit ihm auf (über MySpace) und seitdem sind wir (sehr lose) connected. Vor fünf Jahren begann er im ersten Lockdown, jeden Montag auf Facebook live zu gehen und jeweils aus einem seiner Bücher zu lesen und mit den Leuten darüber zu reden. So kam es, dass ich 2020 alle bis dahin erschienen Bücher nochmal gelesen habe und mir bei denen, die ich nur auf Deutsch oder als E-Book hatte, die englische Originalausgabe, von ihm signiert, zugelegt habe. Seit den Lockdown-Zeiten ist das nun heute das dritte Release, das wir alle zusammen feiern und es war sehr schön, die ganzen alten Gesichter (Namen) wieder zu sehen und die alten Insider-Witze zu machen. Die Zeiten fühlen sich ja auch ähnlich furchtbar an wie im Lockdown, passt also.

Gerade als die Party zu Ende geht, kommt meine Mitbewohnerin nach Hause. Wir sitzen ein Stündchen zusammen und erzählen (auf dem Fußboden sitzend, wie so junge Menschen), bis ich müde werde und alles Wesentliche besprochen ist. Dann verabschiede ich mich Richtung Bett, telefoniere noch ein letztes Mal heute mit dem Liebsten und verbringe dann noch ein wenig Zeit auf TikTok, wo aufgrund der aktuellen Ereignisse gerade kanadische Creators noch einen Zahn zulegen und sich generell die Nicht-USA-Welt weiter verbündet, während mit US-amerikanischen Creators Solidarität geübt wird und sich in Deutschland die linke Bubble weiter verdichtet und bestärkt.

Kurz nach Mitternacht ist dann endgültig Schlafenszeit, also bis Noosa neben mir ihr Trockenfutter auf Kissen, Laken und an die Tapete kotzt. Das mache ich im Halbschlaf noch weg und dann heißt es wirklich „Gute Nacht“.

02.02.2025 – Alle zusammen gegen den Faschismus

2. Februar – Lichtmess, Murmeltiertag, für uns vor allem: Demotag.

Der Morgen beginnt wie immer ruhig und im Bett, bis ich mit allem durch bin, was am Vormittag so ansteht und der Hunger mich aus dem Bett treibt, ist es schon nach 11. Dann aber Frühstück, für mich heute mit ausführlich gekochtem Chai nach dem Rezept des pakistanischen Ex-Mitbewohners (Zimt, Nelken, Kardamom, Sternanis, Fenchelsamen, schwarzer Tee, Zucker, Erbsenmilch) und Müsli mit Wildheidelbeeren, Crowdfarming-Banane, Crowdfarming-Kiwi, Wildfeigen und Joghurt.

Nebenbei gibt es Podcasts und Koordinierungen, Einrichten des neuen WLAN-Repeaters und dann noch ein bisschen Herumgammeln, zum Kräfte sparen. Kurz vor halb 3 verlasse ich dann das Haus und treffe schon in der Tram die ersten Menschen, die Schilder dabei haben.

An der Friedrichstraße treffe ich den Liebsten und eine Freundin mit ihrem Kind. Gemeinsam laufen wir an der Spree entlang bis zur Reichstagswiese, die noch gar nicht so voll wirkt. Da ist es aber auch noch 20 Minuten vor Start und es hört nicht auf, sich zu füllen. Wir hören den ersten Redner*innen zu, außerdem Mine und Nina Chuba und machen uns dann während Luisa Neubauer spricht schonmal langsam auf den Weg in den Demonstrationszug zum Konrad-Adenauer-Haus „damit wir da z. B. vor der Tagesschau ankommen“. Der ergießt sich sehr, sehr langsam in den Tiergarten, was wohl daran liegt, dass am Ende zwischen 160.000 und 250.000 Menschen dabei sind.

Im Vergleich zu letztem Wochenende kommt bei der Demo weniger zuversichtliche Stimmung auf. Die Menschen sind wütender und enttäuschter. Es wird mehr skandiert als gesungen. Und kälter ist es auch. „Alle zusammen gegen den Faschismus“ wird immer wieder auf die Siegessäule projiziert und von den Massen fleißig aufgenommen. „Say it loud, say it clear, refugees are welcome here“ kommt auch einmal. Mehrmals auch „Ganz Berlin hasst die AfD“, wobei ich mit immer denke „Ganz Berlin (innerhalb des S-Bahn-Rings)“. Ab der Siegessäule hängen an den Laternen AfD-Plakate, von denen nicht wenige von engagierten Demo-Teilnehmenden entfernt werden – jeweils unter großem Jubel und „Runter mit den Anti-Demokraten“-Rufen.

Schon weit vor dem Konrad-Adenauer-Haus geht es nicht mehr weiter, es ist zu voll und die Polizei versucht, die Menschenmassen zu verteilen. Wir nutzen die Gelegenheit, uns langsam Richtung S-Bahn zu bewegen, an diversen Botschaften vorbei. An einer Stelle werden drei offensichtliche rechte Schlägertypen von vier Polizisten bewacht und liefern sich mit den vorbeiziehenden Demonstrant*innen heftige Wortgefechte. Danke Polizei, an dieser Stelle.

Wir fahren mit der S-Bahn nach Südberlin und landen dann auf der Couch des Liebsten. Zum Abendbrot bestellen wir uns antifaschistische Dumplings, linksradikale Nudelsuppe und kommunistische Pekingente und grünem Algensalat (oder so). Den Rest des Abends verbringen wir mit Nachrichtenverfolgung und ein paar Folgen What We Do In The Shadows, bevor es früh ins Bett geht. Schrittziel übererfüllt.

01.02.2025 – Neuer Monat, neue Energie, neues Essen

Okay geschlafen, aber früher aufgewacht als nötig gewesen wäre. Gegen 11 wäre ich mit dem Morgenprogramm fertig und könnte aufstehen für Teil 2, rufe aber nochmal den Liebsten an und dann wird es einfach nochmal ne halbe Stunde später. Dann aber wirklich: Aufstehen und Frühstück machen. Ich brate vegane Schinkenwürfel an und mache aus dem letzten Ei ein Rührei. Dazu gibt es Baked Beans, einen Acocado-Bagel aus der letzten Crowdfarming-Avocado und letzten Tomaten, einen Apfel, eine Crowdfarming-Banane, eine Crowdfarming-Orange und eine Blutorange. Und Ingwer-Zitronen-Tee, selbstgemacht. Angemessene Mahlzeit!

Wenig überraschend könnte ich danach direkt schon wieder Mittagsschlaf, reiße mich aber zusammen und mache stattdessen Haushaltsdinge und Körperpflegedinge. Dann geht es nach ins Draußen – Altglas wegbringen, Pfand wegbringen, ein paar Kleinigkeiten einkaufen.

Es gibt endlich wieder richtiges Katzengras, das Selbstgezogene fanden die Miezen wenig interessant

Wieder zurück mache ich den Gönnjamin und esse als Nachmittagssüß einen kompletten Becher Eis (Salted Caramel Brownie) und DANN ist es wirklich Zeit für den Mittagsschlaf. Als ich wieder wach bin, kümmere ich mich ums Abendbrot. In diesem Video von Uyen Yinh habe ich gestern ein Rezept für vietnamesischen gebratenen Kohl gesehen, das ich heute ungefähr nachbaue – mit leichten Abwandlungen, die ich aber auch aus dem Video habe. Erstmal Zwiebeln anbraten, dann Tomaten (nachgekauft) dazu, dann Kohl (immer noch vom Crowdfarming-Kohl), mit Salz, Pfeffer und Fischsauce würzen. Ingwer und Zitrone gehören auch noch dazu, da ich keinen Ingwer mehr habe, nehme ich den Rest vom Ingwer-Zitronen-Tee heute morgen. Dann noch Schnittlauch (statt Frühlingszwiebeln), Koriander und Sriracha dazu und fertig ist die Gartenlaube. Dazu esse ich die letzten Reisnudeln aus dem Regal. Boah ist das lecker, schmeckt wirklich wie im Restaurant!

Nach dem Essen mache ich was ganz verrücktes: Ich verbringe den Abend mit Lesen. Ein Buch. Aus Papier. Kelly Bishops Biographie The Third Gilmore Girl habe ich schon gestern oder vorgestern angefangen, bin aber aus Einschlafgründen nicht weit gekommen. Heute dann aber, und zwar bis zum Schluss. Sehr schönes Buch. Möchte direkt nochmal A Chorus Line sehen (Wobei die nur den Tony für die Bühnenversion bekommen hat und ich nur den Film gesehen habe, in dem sie nicht mitspielt. Aber sie hat den Stoff mit entwickelt.), nochmal Dirty Dancing gucken und dabei auf Majorie achten, nochmal Bunheads gucken (mit dem Wissen, was zu der Zeit in ihrem Leben los war). Gilmore Girls habe ich oft genug gesehen, aber vielleicht ist demnächst nochmal A Year In The Life dran. Und natürlich ihre Szenen aus Marvelous Mrs Maisel. Uuuund wir warten natürlich alle auf die neue Amy-Sherman-Palladino-Serie, richtig?

31.01.2025 – Bett mit Krimi

Nachdem gestern genug für drei Tage los war, sind heute die Akkus leer, aber ich habe auch keine Termine. Also bleibe ich einfach im Bett liegen. Am Morgen nach der üblichen Internetrunde Nachbereitung der gestrigen Termine, Kontaktanbahnungen nachfassen, Verbindungen intensivieren, Teilnahme an einer Veranstaltung organisieren, Termine machen… Nebenbei Frühstück.

Kaffee mit Kakao und Erbsenmilch, Pfefferminztee, Brot mit Curry-Dattelaufstrich, Brot mit Sauerkirschmarmelade, Crowdfarming-Banane, Apfel, letztes Vogelhochzeitsnest

Dann trudelt des Teilzeitkindes Zeugnis ein, das erste auf dem Gymnasium, das verlangt umgehend Glückwünsche. Ähnlich wie bei mir damals sind aus einigen Einsen Zweien geworden, aber alles nicht dramatisch, vor allem wenn man sich die Anzahl der Tests etc. anguckt, die diesen kleinen Menschen zugemutet werden.

Der Großteil vom Rest des Tages ist dann dem Parlamentskrimi im Bundestag gewidmet. Während der Sitzungspause höre ich Alles gesagt mit Olaf Scholz (auch später zum Einschlafen, das geht diesmal besonders gut…) und spende Geld an die Gesellschaft für Freiheitsrechte, die jetzt auf eigene Kappe das juristische Gutachten für ein eventuelles AfD-Verbot erstellen will.

Und dann verfolge ich die Reden mit mal mehr, mal weniger Blutdruck. Am Ende ergebe ich mich in das Schicksal, dass das unbedachte, unnötige, ineffiziente und rassistische Gesetz wohl durchkommen wird, nur um dann völlig überrascht eines Besseren belehrt zu werden. Dann erstmal Abendbrot.

Sandwich mit Frischkäse, Salat, letztem Kochschinken, letztem Käse, Apfelmeerrettich, dazu Tomaten und Crowdfarming-Avocado mit Forellenkaviarcreme bzw. Mojo verde

Den Rest des Abends Nachberichterstattung, Durchsehen der namentlichen Abstimmung, Verwunderung, dass so wenige Abgeordnete der FDP mit Nein stimmten (und bei der CDU keine). Ich gucke heute, Tagesschau, Brennpunkt, Tagesthemen, sogar die heute Show. Nebenbei schaue ich, was das Netz schreibt und wie konservative Medien über das Geschehen berichten (Spoiler: Merz hat’s nicht geschafft, aber das liegt an den bösen Grünen und der SPD) und bereite mich seelisch und moralisch auf die Demo am Sonntag vor.

Irgendwann dann Wechsel zu Parenthood um Runterzukommen, aber es dauert dann doch wieder bis 2 oder so, bis ich einschlafen kann. Da ist dann schon Februar.

30.01.2025 – Zickezacke

Die Nacht hat ein großes Loch zwischen kurz vor 2 und kurz nach 4, also von da, wo ich aufs Klo musste, bis da, wo ich mich traue, einen Einschlafpodcast anzumachen, der für den Liebsten nicht zum Aufwachpodcast werden soll. Dazwischen viel Lesen und Wälzen und Kreuzworträtsel machen. Um 6 dann klingelt möglicherweise der Wecker, jedenfalls steht der Liebste auf und macht Kaffee. Das Teilzeitkind muss heute wegen eines Ausflugs noch eine halbe Stunde früher in der Schule sein. Ich kann liegen bleiben und weiter dösen – einschlafen klappt nicht mehr.

Als das Kindelein aufgebrochen ist, legt sich das Liebste nochmal zu mir, muss dann aber bald selbst ins erste Meeting. Ich setze mir Kopfhörer auf, trinke Kaffee, drehe meine Runde durchs Internet, blogge und mache Französisch und Italienisch. Dann ist es auch für mich irgendwann Zeit aufzustehen und loszugehen. Ich fahre mit der S-Bahn und gehe statt Frühstück direkt zum Mittagessen über, bei einem Treffen mit Mitgliedern meines Berufsverbands. Es gibt spannende Einblicke in die Hintergründe zu politischen Entscheidungen und – sagen wir – alternative Sichtweisen auf das Geschehen der letzten Tage. Und es gibt Maronensuppe und Spaghetti mit Krabben, beides sehr gut.

Die Pasta sah spektakulärer aus, aber scheinbar hat meine Kamera doch nicht ausgelöst

Nach kann anderthalb Stunden löst sich die Runde auf und ich gehe weiter ins Kulturkaufhaus und stöbere nach einem Geburtstagsgeschenk für die beste Freundin. Dann fahre ich mit S-Bahn und Tram zurück in den Pberg, begrüße die Katzen und die Mitbewohnerin und lege mich erstmal für ein Mittagsschläfchen hin. Zwei Stunden habe ich insgesamt, bis ich wieder los muss. Der Wecker reißt mich hoch, ich wickle das Geschenk ein, ziehe mich wieder seriös an (erster offizieller Blazer-Tag heute) und schnappe mir eine Weg-Mate vom Balkon, die mich wie gewünscht wieder auf Touren bringt.

Ich fahre mit Tram und S-Bahn zurück in den Westen, diesmal nach Charlottenburg, und laufe zum Büro einer Anwaltskanzlei, wo ein Neujahrsempfang mit Kanada-Bezug stattfindet. Ich krame alle meine Networking-Skills zusammen und unterhalte mich mit diversen Menschen – die Anwälte aus der Kanzlei, ein deutsches Paar, das persönlichen Austausch zwischen Unternehmerinnen in Deutschland und Kanada organisiert, die Frau eines schweizerisch-kanadischen Malers, die „Geschäftsträgerin a. i.“, die die kanadische Botschaft in Berlin anführt, seit der ursprünglich berufene Botschafter leider im letzten Jahr verstorben ist, mehrere Botschaftsmitarbeiterinnen, die ich schon bei einer Veranstaltung im letzten Jahr kennengelernt habe, ein deutsches Paar, das in Toronto lebt und arbeitet und eine Work-and-Travel-Alumna.

Es geht natürlich um Kanada, aber auch um die aktuellen politischen Entwicklungen, hüben wie drüben, USA, Kanada, Deutschland, und wie sich das auf die Zukunft auswirken kann. Alle wirken vom Mindset her dort, wo ich auch stehe. Es wird viel von gemeinsamen Werten der EU und Kanadas geredet, für die man einstehen muss und dass der persönliche Austausch fundamental ist. Ich trinke ein Bier aus New Brunswick, esse Finger Food und räume beim Kanada-Quiz bei zwei Fragen Preise ab (ich kann etwa 70% der Fragen richtig beantworten, bin bei zweien aber die Schnellste).

Bevor ich dann weiter muss – Termine, Termine – sammle ich noch eine Runde Visitenkarten ein, so dass ich mich gleich in der S-Bahn über LinkedIn vernetzen kann. Mit der fahre ich nämlich zurück in den Osten, nach Fhain. Hier feiert die beste Freundin in einer italienischen Bar ihren Geburtstag. Es gibt leckere Antipasti und guten Wein sowie gute Gespräche aus der eigenen Bubble (besorgte linksgrünversiffte Frauen Anfang 40 mit ähnlichem Medienkonsum).

Gegen halb 12 löst sich die Runde auf, die anderen haben alle schulpflichtige Kinder zuhause und müssen früh raus. Ich laufe zurück zum Ostkreuz und will mit der Ringbahn zurück in den Pberg. Natürlich gibt es eine Sperrung auf der Ringbahn – Polizeieinsatz – und die Bitte, stattdessen die BVG zu nutzen. Ich will stattdessen mit der Stadtbahn zum Alex, aber es gibt eine Sperrung auf der Stadtbahn und die Bitte, doch die Ringbahn zu nutzen. Zum Glück kommt dann irgendwann doch eine Ringbahn und bringt mich genau eine Station weiter, so dass ich in die U-Bahn umsteigen kann, mit der ich zum Alex komme. Von da geht es mit der Tram nach Hause. Unterwegs schaue ich das Aufeinandertreffen von Habeck und Linnemann bei Illner nach, was mich dann auch noch bis nach Hause und ins Bett bringt. Von 1-2 noch leichte Lektüre, dann werden meine Augen schwer genug zum Einschlafen.

29.01.2025 – Doomwatching Bundestag

Erstaunlich früh aufgewacht, weil ich träumte, dass mir jemand ins Ohr flüstert. Entweder hat Noosa zu nah an meinem Gesicht geatmet, Nimbin sich ungünstig gedreht oder die Mitbewohnerin sich im Schlaf bewegt (auch ihre Tür steht beim Schlafen offen, weil Nimbin sie gerne besuchen kommt). Oder es war der kalte Atem der sich wiederholenden Geschichte.

Der Morgen verläuft wie immer – Internetrunde, Französisch, Italienisch, Liebstentelefonat usw. Dann gibt es Frühstück, heute mit Grießbrei, Zimt und Feigenkompott, und frisch gepressten Blutorangensaft.

Um 12 gibt es ein Webinar am Schreibtisch für mich und ab danach verfolge ich das Geschehen im Bundestag live. Regierungserklärung, Debatte, Fragestunde und Abstimmung. Es kann einer Angst und Bange werden. Und wird es auch. Auch, weil ich zwischendurch für Olaf Scholz klatschen möchte. Habeck sowieso. Und dann überraschend auch Lars Klingbeil. Heidi Reichinnek hat den beeindruckendsten Redebeitrag, das überrascht mich wiederum nicht. Ich tendiere inzwischen immer mehr dazu, meine Zweitstimme der Linken zu geben – es wird diese Kraft brauchen unter einem Kanzler Merz und außerdem hilft jede zusätzliche Partei im Parlament, den Anteil der AfD kleiner zu halten. Und: Sehr viele in meinem Umfeld (on- wie offline) kommen zum gleichen Ergebnis, vielleicht reicht es also doch sogar für die 5 Prozent. Man kann für die eine Partei Mitgliedsbeitrag zahlen und die andere wählen, auch das ist Demokratie.

Cole Slaw, Avocado-Toast und Tomaten an furchtbarer Lindner-Rede

Während der Fragestunde an Özdemir und Schulze packe ich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg. Als ich gerade meinen Müllsack in die Tonne schmeiße, verkündet Göring-Eckardt das Abstimmungsergebnis. Fuck. Es ist wirklich passiert. Die CDU stellt ohne Not einen Antrag auf Maßnahmen, die unwirksam, rechtswidrig und populistisch sind und lässt sich dabei von der AfD unterstützen. Die FDP spielt mit und das BSW enthält sich – zack, Tabubruch hingelegt, Brandmauer weg, schwarz-blauer Kooperation auf allen Ebenen Tür und Tor geöffnet. Ich dachte, wir hätten noch vier Jahre Zeit, die Sache zu drehen, aber da habe ich mich wohl geirrt.

Ich laufe zur S-Bahn und höre jetzt lieber laute Musik, irgendwas Lebensbejahendes gegen Nazis. Ringbahn, U-Bahn und dann zu Fuß zur Abendverabredung mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind. Der Stammitaliener hat Ruhetag, deshalb probieren wir einen anderen aus. Unsere Reservierung hat nicht geklappt, aber wir dürfen in dem Raum mit dem großen Tisch Platz nehmen, an dem sonst Feiern ausgerichtet werden. Ein Privatgemach nur für uns – juhu. Nach ca. fünf Minuten beschwert sich das Teilzeitkind, dass wir nicht immer über Politik reden sollen, wenn wir Essen gehen und das hilft dann ein bisschen.

Wir sprechen über die Schule, Klassendynamiken, vergleichen unsere Erlebnisse von früher mit denen des Kindeleins und schmieden Pläne für die anstehenden Winterferien. Und essen – Fotos leider nicht so gut, da die Lichtverhältnisse mehr so gemütlich sind.

Rindercarpaccio
Tagliolini mit Trüffeln
Panna cotta mit Himbeeren

Auch das Teilzeitkind fotografiert inzwischen jeden Gang – ich habe wohl geinfluenced. Nach einem Absacker laufen wir nach Hause, es ist schon halb 10. Alle machen sich direkt bettfertig und legen sich hin – das Teilzeitkind etwas fertiger als wir, wir müssen noch ein wenig doomscrollen. Ich gucke mir die namentliche Abstimmung an, bin entsetzt über nur eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen bei CDU und FDP und mal wieder positiv überrascht von Volker Wissing. Der Mann hat sich in meiner Wahrnehmung in den letzten drei Monaten komplett gewandelt.

Im US-Senat wird nebenbei RFK Jr. gegrillt, auch das verdient ein wenig Aufmerksamkeit. Und dann zum Runterkommen noch das neueste Josh-Johnson-Special, da schlafen wir dann aber wirklich ein.

28.01.2025 – Mehr so Kram halt

Ich erwache kurz vor 9 und habe also brutto etwa neun Stunden geschlafen – der Wahnsinn. Netto war es auch nicht viel weniger, ich strotze quasi vor Energie. Also innerlich, äußerlich bleibe ich trotzdem erstmal liegen, telefoniere mit dem Liebsten und drehe die morgendliche Runde durch meine Apps, inkl. wieder ungefähr eine Stunde Französisch und Italienisch. Gegen halb 12 stehe ich dann auf und mache Frühstück für alle Anwesenden (die Mitbewohnerin ist arbeiten). Für mich gibt es dabei Obstsalat aus Banane, Kiwi, Orange (alles Crowdfarming), Apfel und Blutorange – mit einem Schuss Ahornsirup – und dazu ein Dubai-Sandwich. Muss ja jetzt quasi so heißen.

Sandwich vor Klappung, dazu weißer Tee

Mit all dem geht es an den Schreibtisch, wo ab 12 ein Webinar ansteht. Danach gucke ich die Late Nights von gestern nach (immer nur den Monologue) und erledige ein paar Dinge. Dann verbringe ich einiges an Zeit damit, eine Anti-Nazi-Playlist zu hören und dabei im Arbeitszimmer herumzuräumen und finde dabei völlig unverhofft meinen Impfausweis wieder, den ich seit September immer wieder gesucht habe. Er liegt etwa drei Zentimeter von dort entfernt, wo er hingehört, ist aber unter eine Kiste gerutscht. Kann ich gleich COVID-Impfung Nr. 7 nachtragen, das Klebchen von der Grippeimpfung ist irgendwie Verschütt gegangen.

Bei der Gelegenheit stelle ich auch noch fest, dass ich mir von der Krankenkasse einen Bonus auszahlen lassen kann, dass mein Stromvertrag gar nicht so teuer ist, wie ich dachte und ein Wechsel für 2 Euro weniger im Monat mir zu anstrengend ist und dass ich durch eine an mit vorbeigegangene Aktion auf meinem aktuellen Tagesgeldkonto grad mehr Zinsen bekomme, als bei der Konkurrenz und also auch da kein Wechsel nötig ist. Ein guter Tag für die Trägheit also.

Am späten Nachmittag stelle ich mich in die Küche und bastle mir aus Crowdfarming-Kohl und Crowdfarming-Karotten einen Cole Slaw – Dressing aus Joghurt, Senf, Mayo, Zitronensaft, Dill, Petersilie und Schnittlauch – angelehnt an Ranch Dressing also. Der darf dann ziehen, während ich nochmal zwei Stunden in einem Webinar hocke. Dann mache ich mir open-faced Sandwiches (Butter, Romana-Salat, Kochschinken, Butterkäse) dazu und esse Abendbrot.

Währenddessen kommt die Mitbewohnerin nach Hause und wir haben endlich mal Zeit, ein bisschen ausführlicher zu quatschen. Inkl. Orgakram rund um die Katzen, WLAN und den Haushalt. Der Abend endet mit Parenthood und TikTok – Kräfte sammeln für morgen wieder Gruselpolitik.

27.01.2025 – Stullenzeit, Streik, Staatstragendes

Die ersten Stunden des Tages werden wie fast immer im Bett verbracht. Eine Mate hilft beim Wachwerden, dazu das Schöne und weniger Schöne der Welt im Internet, Telefonat mit dem Liebsten, Bloggen, Französisch, Italienisch… Gegen 11 stehe ich auf und mache den Katzen und mir Frühstück. Für mich gibt es Kaffee (entkoffeiniert, die Mate hat gereicht) mit Kakao und Erbsenmilch und dazu Joghurt (Kuhmilch) mit Crowdfarming-Kiwi, Apfel und Studentenfutter.

Dann packe ich meinen Kram zusammen, bringe Papiermüll weg und will eigentlich direkt los ins Fitnessstudio, sehe aber gerade noch rechtzeitig, dass dort dann ein AquaFitness-Kurs stattfindet, den ich mir noch nicht zutraue. Also drehe ich meine Tagesplanung um und fahre erstmal nach Moabit. Trotz BVG-Streik ist die S-Bahn um diese Uhrzeit angenehm leer.

Es ist Holocaust-Gedenktag. Am Deportationsmahnmal brennen Grablichter. Ich laufe durch die Straßen und achte auf zwei Dinge: Erstens, keine Stolpersteine in Sicht. Entweder lebten hier im Arbeiterviertel nicht so viele Juden und Jüdinnen oder die heutigen Bewohner haben nicht das Geld/die Muße, welche verlegen zu lassen. Das Zweite sind die Wahlplakate. Hier hängen hauptsächlich MLPD und Linke, ab und zu rutschen mal die Grünen oder die SPD dazwischen. Scheint also vielleicht immer noch ein Arbeiterviertel zu sein. Ich gehe zu meiner Facharztpraxis, hole ein Rezept ab (so richtig auf Papier noch) und löse es in der Apotheke unten im Haus ein. Dann laufe ich zur nächsten S-Bahn-Station. Auf dem Weg dorthin, ab der großen Straße, hängen dann auch wieder FDP und CDU. BSW und AfD sind hier nicht vorhanden. Merkwürdiges Biotop.

Auch diese S-Bahn ist noch angenehm leer und ich fahre mit ihr bis zum Ostkreuz. In der Umkleide ziehen sich gerade lauter Damen nach dem AquaFitness-Kurs wieder an. Als ich ins Wasser steige, habe ich viel Platz. Ich schwimme zwei vorsichtige Bahnen mit nur leichten Schmerzen, dann mache ich ausführliche vorsichtige Gymnastik mit Gewichten für den Arm und etwas zackiger für den Rest von mir. Im Wasser geht das wirklich schon ganz gut! Noch zwei vorsichtige Bahnen zum Schluss und dann wechsle ich vom Pool ins Dampfbad, das auch heute wieder ziemlich heiß eingestellt ist.

Im Ruheraum lese ich dann weiter im Buch, auch das geht langsam besser voran. Unter anderem ist von Picknicks mit Sandwiches die Rede. In der Bio-Sauna meditiere ich dann ein wenig über diese Sandwiches und mir fallen Stullensituationen aus meiner Kindheit wieder ein. Wie ich Oma E. mal fast den gesamten gekochten Schinken weggefuttert habe, weil ich den so lecker fand. Wie ich bei einer Freundin im Nachbardorf zu Besuch war und dort eine Weißbrotstulle mit Frischkäse und Wurst nach der anderen verdrückt habe (und dazu Wassermelone), wie ich beim Abendbrot oft Achtelschnitten gegessen habe mit Edamer, mit Quark und Ketchup und Kräutern der Provence, mit Leberwurst und Ketchup… Ich merke, dass das Frühstück schon lange her ist.

Im Ruheraum lese ich weiter und so langsam nimmt die Geschichte wirklich Fahrt auf, bei der knappen Hälfte des Buches erkenne ich, worum es eigentlich geht, endlich. Dann noch die Finnische Sauna, in der ich weiter Stullengedanken hege, und nochmal Ruheraum. Nach knapp drei Stunden verlasse ich das Fitnessstudio und laufe direkt in den nächsten Supermarkt. Ich kaufe unter anderem Sandwichbrot (Sauerteig-Kasten-Weißbrot), Salat, Frischkäse und gekochten Schinken und gehe dann weiter zur S-Bahn. Als ich gerade die Rolltreppe hochkomme, steht eine schon recht volle Bahn da, die ich großzügig wegfahren lasse – ein Fehler, wie sich herausstellt.

Wegen Streik und umgestürzten Bäumen und Personen im Gleis kommt die nächste Bahn erst zehn Minuten später. Sie wird zwar gerade erst eingesetzt, so dass sie komplett leer ist und ich einen Sitzplatz bekomme, aber dann steht sie auch noch 20 Minuten, bis sie losfahren kann – es gibt auch noch ein technisches Problem, für das sich der Fahrer in schönstem Berlinerisch etwa dreimal ausführlich entschuldigt. Ich bin es zufrieden zu sitzen und weiter zu lesen, aber als ich dann endlich aussteigen und nach Hause laufen kann, regnet es in kalten Strömen und ich komme völlig durchnässt zuhause an. Das bescheidene Frühstück ist da schon fast acht Stunden her.

Ich mache mir erstmal den Rest Nudel-Kürbis-Auflauf warm und packe nebenbei alles aus und gebe den Katzen Abendbrot. Zum Essen telefoniere ich mit dem Liebsten, trinke ein Bier und schaue eine Folge Parenthood. Nach dem ersten Gang mache ich mir den zweiten – leicht angetoastetes Sandwich-Brot mit Butter, Salat und gekochtem Schinken, dazu Tomaten. Ein Gedicht. In den nächsten Tagen dann hier also viel Sandwich-Content, denke ich.

Nach dem Essen geht es in die Badewanne, wo ich in knapp zwei Stunden dann Miranda Cowley Hellers The Paper Palace zu Ende lese (und auf weitere kulinarische Ideen komme…). Gutes Buch, nachdem man erstmal hineingefunden hat! Kurz nach 11 liege ich im Bett, schnappe mir das nächste Buch und bin dann aber schon nach ein paar Seiten tief im Land der Träume.