20.02.2025 – Sleepyhead

Ich wache völlig ungewohnt gegen halb 7 auf, das ist eindeutig zu wenig Schlaf aber jetzt gibt es erstmal keinen mehr, sagt mein Kopf. Beginnt der Morgen also früher mit allem, was morgens so dazugehört. Bin dann also auch deutlich früher fertig und mache mir in aller Ruhe einen Smoothie zum Frühstück – Rest Banane, TK-Wildheidelbeeren, Rest Kokoswasser, bisschen Joghurt, bisschen Quittensaft. Schmeckt gut und reicht für zwei große Gläser.

Gestärkter als letzten Donnerstag gehe ich dann los und durchs kalte Draußen und die S-Bahn bis zum Fitnessstudio. Kurz vor 11 bin ich im Wasser und dann gibt es 45 Minuten intensive angeleitete Zappelei mit nur wenig Armschmerzen dabei – yay! Anders als letzte Woche fühle ich mich allerdings dabei in eine Seniorengruppe versetzt. Der Trainer ist ein anderer und bei den Teilnehmenden entdecke ich (mit der Lupe) noch zwei, maximal drei andere unter 50. Der Rest scheint größtenteils über 60 wenn nicht über 70 zu sein. Na wenigstens kann ich so gut mithalten. Hinterher schwimme ich noch ein paar Bahnen, bin aber eigentlich schon rechtschaffen kaputt. Also weiter zum Erholungsprogramm.

Dampfbad, Dusche, Ruheraum, Bio-Sauna, Dusche, Ruheraum, Finnische Sauna, Dusche, Ruheraum. Im Ruheraum lese ich jeweils ein Kapitel eines nächsten Buches – von den Ellis in Vorbereitung auf eine anstehende Reise geliehen bekommen: Thomas King – Indians on Vacation. In der Bio-Sauna und beim zweiten Kapitel ratze ich jeweils ein bisschen weg, der Nachtschlaf fehlt. So ist es dann am Ende auch schon wieder 14:30, als ich das Studio verlasse und mich auf den Heimweg mache. Diesmal ohne Hiobsbotschaften, als ich das Handy aus dem Flugmodus hole. Kurzer Einkauf auf dem Heimweg, dann gibt es zuhause erstmal einen kleinen Snack – ein letztes Hot-Dog-Brötchen mit drei zugekauften Bio-Mini-Wienern, Senf, Ketchup und Röstzwiebeln.

Danach bin ich schon wieder so müde, dass ich erstmal anderthalb Stunden komatös auf dem Sofa einschlafe. Hmmm. Seit 1-2 Tagen melden sich Nase und Nebenhöhlen, heute Morgen gab es leichtes Halskratzen, jetzt diese Schlaferei… Hoffentlich brüte ich nichts aus, ich hätte da jetzt so gar keine Zeit für, der Terminkalender ist gut gefüllt.

Ich telefoniere mit dem Liebsten, gucke ein bisschen durchs Internet und dann ist es auch schon 19 Uhr und Zeit für ein Online-Podiumsgespräch mit Robert Habeck und Franziska Brantner, wo sie vor einem europäischen Publikum (es wird in sechs Sprachen gedolmetscht) zu aktuellen Entwicklungen Stellung nehmen und grüne Visionen präsentieren.

Etwa bei der Hälfte nehme ich hungrig den Laptop mit in die Küche und beginne zu kochen. Es wird ein Risotto mit Zucchini aus der Crowdfarming-Kiste und Krabben (und Safran, Dill, Knoblauch, Basilikum, Gemüsebrühe, Basilikum, Olivenöl, Salz, Pfeffer, Ricotta salata). Statt Weißwein nehme ich Apfelessig, ein bisschen zu viel, ansonsten sehr lecker alles).

Zum Essen schaue ich eine Folge Parenthood (hallo, letzte Staffel!) und dann ist es auch schon Zeit für die Schlussrunde mit allen acht im Bundestag vertretenen Parteien – Spitzenkandidat*in oder Generalsekretär. Statt Habeck ist Baerbock da; Reichinnek ist immer noch krank, also wieder van Aken, statt Merz und Scholz gibt es Linnemann und Miersch, dazu dann Wagenknecht, Lindner, Dobrindt und Weidel. Immerhin mal drei von acht Frauen. Aber hui, acht Leute plus zwei Moderator*innen ist viel zu viel und zu anstrengend, vor allem weil natürlich viel durch- und übereinander geredet wird. Interessant ist, wie links sich SPD und Grüne bei einigen Themen positionieren, wie Baerbock Lindner inzwischen eigentlich siezt, sich aber zwischendurch noch zu einem Du überwindet (für ein sehr gutes Zitat: „Du warst so damit beschäftigt, die Regierung zu sprengen, dass Du gar nicht mehr mitbekommen hast, dass wir noch Politik gemacht haben.“) und wie furchtbar stammtischig Dobrindt ist (und dass feministische Außenpolitik wohl immer noch nicht gut genug erklärt wurde, schon von Heiko Maas damals nicht).

Anstrengend ist das alles und ich bin ganz froh, als es vorbei ist und ich schon wieder hundemüde ins Bett verschwinden kann. Ein Kapitel noch und dann ist wieder Schlafenszeit.

19.02.2025 – Brrrrr, kalt

Grad ist so richtig Winter, das hat ja fast schon was beruhigendes in diesen Zeiten. Gut, dass unter meinem Laken im Winter eine Heizdecke liegt, mit der ich morgens und abends erstmal das Bett warm kriege, um es einschlafgemütlich oder aufstehangenehm zu haben. Aufwachen war gegen 8, ganz ohne äußere Einflüsse, dann liege ich im Warmwerdenden, trinke eiskalte Mate vom Balkon und begucke mir die Welt durch mein Telefon. All die üblichen morgendlichen Dinge kommen dran, danach noch ein Online-Kurs und bis ich dann aufstehe ist es gegen 11. Erstmal Porridge mit Blaubeeren, Zimt und Ahornsirup.

Dazu höre ich weiter im Harari, was interessant, aber ganz schön komplex ist und dann relativ monoton gelesen – die Gedanken schweifen immer wieder ab. Nach dem Essen räume ich lauter Sachen hin und her und um und dann geht es für den zweiten Start in den Tag unter die Dusche und frisch duftend und motiviert an den Schreibtisch, jetzt ohne Hörbuch. Dafür ein paar Dinge hin und her tippen und klicken und dann mache ich einen weiteren Online-Kurs. Kurz nach 16 Uhr dann Aufbruch, noch kein Zeichen von Dämmerung in Sicht aber es wird schon wieder kühler, fürchte ich.

Mit Tram und U-Bahn fahre ich Richtung Ellis, stelle einen Stapel Bücher in der dortigen Bücherzelle ab und kehre dann zu Tee und Kuchen in den Schoß der Familie ein. Letzte Geburtstagsgeschenkübergabe, ein wenig Organisatorisches, viel Gespräch und davon natürlich wieder viel Politik. Gegen Trump und Putin aktuell wirkt die deutsche Wahl schon wieder wie ein harmloses Wohlfühlthema und das will ja was heißen.

Nach knapp zwei Stunden muss ich wieder los und fahre mit der U-Bahn direkt bis in den Pberg, zur Physiotherapie. Die Therapeutin hat heute Geburtstag und ist besonders gut gelaunt. Es folgt eine lange Session auf der Liege mit viel politischer Diskussion, natürlich. Krieg und Frieden vor allem und wie die verschiedenen Parteien dazu stehen und das Phänomen Sahra Wagenknecht als Ganzes. Sehr spannend, wir sollten alle mit viel mehr Leuten über Politik reden. Nach der Diskussion dann nochmal 20 Minuten Wärmeliege und dann geht’s wieder hinaus in die inzwischen dunkle Kälte.

Kurz nach halb 10 bin ich zuhause und mache mir erstmal schnell einen warmen Tee und einen dick belegten Bagel – Butter, Salat, Prosciutto crudo, Ricotta salata – und dazu Radieschen und Apfel. Damit geht es auf die Couch, gucken, was ich im Internet verpasst habe und ein bisschen TikTok-Berieselung. Gegen Mitternacht fallen mir die Augen zu und ich wechsle auf die Heizdecke im Bett.

18.02.2025 – Heute kaum Politik

Zur morgendlichen Bettlektüre mache ich mir heute recht zeitnah einen Kaffee mit (Mandel-)Milch und Kakao und dann fühle ich mich wieder sehr churchillig, wie ich so die erste Tageshälfte liegend residiere, die Geschehnisse der Welt verfolge, mein Gestern aufschreibe, mit den Liebsten telefoniere, Französisch lerne und Italienisch lerne. Ich sinniere auch darüber, wie sich meine Stimme in diesen Sprachen verändert. Auf Englisch rede ich glaube ich ähnlich wie im Deutschen, vielleicht etwas schnodderiger in Aussprache und Wortwahl, das macht der große popkulturelle Einfluss. Auf Französisch klinge ich glaube ich sehr gewählt, weil ich so aufpassen muss, bei der Aussprache keine Fehler zu machen und dabei dann absolut nicht frei – wirkliches Reden auf Französisch habe ich seit der Uni nicht mehr gemacht und auch da immer mit der inneren Lehrerin im Hinterkopf. Auf Italienisch kann ich loslabern, mache dabei auch Fehler, die mir aber Wurscht sind, solange ich die Aussprache für richtig halte, die aber für meinen Sprechapparat leichter ist als beim Französischen. Dafür wird meine Stimme automatisch etwas höher und vor allem rauher, diese spezielle italienische Reibeisigkeit stellt sich ein, die neben Gianna Nannini auch eine ehemalige Kollegin und mein ehemaliger Mitbewohner haben (und noch viele andere mehr).

Weiter geht der Tag dann am Schreibtisch, mit quasi italienischem Frühstück – Obst und Kekse. Ich erledige ein paar Dinge am Laptop und habe dann ab 12 ein Webinar. Danach ist dann Zeit für Erledigungen in der Kohlenstoffwelt. Dabei fange ich ein neues Hörbuch an, das mir in der letzten Woche erst von meiner Physiotherapeutin und dann von Robert Habeck (bei „Alles gesagt“) empfohlen wurde. Wenn die zwei sich einig sind, wer bin ich zu widersprechen? Ich durchsiebe das Katzenklo, räume den Geschirrspüler aus, wasche ab und bringe Müll weg. Dann ist es Zeit für eine Runde durch den Kiez. Inzwischen sind die Temperaturen Richtung Gefrierpunkt geklettert, die Sonne strahlt, der Himmel ist blau, die Wege sind größtenteils geräumt und am Rand glitzert der Schnee – schön.

Ich spaziere erst zu dem Wahllokal in dem ich Sonntag helfen werde und inspiziere die Gegend. Trotz Plattenbauviertel gibt es vor allem Wahlplakate von der SPD auf dem Weg, nur kurz vor dem Lokal hängt die Linke, das muss vielleicht am Wahltag weg, weil zu nah dran. Ansonsten gibt es ein Stück weiter weg dann auch die Grünen und erst ziemlich weit weg an der großen Straße auch CDU und BSW. Mal gucken, ob sich das in der Auszählung so widerspiegelt.

Die nächste Station ist der italienische Supermarkt (Ich bleibe im Thema), wo ich ein paar Vorräte wieder auffülle – Pasta, Olivenöl (zwei Sorten, ein günstigeres zum Braten und ein teureres für kalte Gerichte), Kakao, Bottarga, Ricotta salata, außerdem noch Crudo und Panna de cucina. Damit geht es dann wieder nach Hause. Ein kurzer Schnack mit der Mitbewohnerin, Einkäufe auspacken und dann erstmal spätes Mittagessen mit Stullen und dem Rest Salat von gestern.

Danach Papierkram, bis es Zeit für das nächste Webinar ist. Gegen 19 Uhr beschließe ich Feierabend, telefoniere nochmal mit dem Liebsten und lese dann den Mike Gayle zu Ende. Kurz nach 9 habe ich genug Hunger fürs Abendbrot und mache mit den Rest Pasta alla Norma von gestern warm, heute dann komplett mit Ricotta salata.

Der Rest des Abends vergeht unter Chats mit Freund*innen und den letzten Folgen der vorletzten Staffel Parenthood. Bettzeit dadurch dann erst so halb 2.

17.02.2025 – Der Montag und die Meta-Ebene

Wieder eine gute Nacht – so soll es sein – und ein gemütlicher Morgen im Bett. Nach Lesen, Bloggen, Telefonieren, Französisch und Italienisch stehe ich auf und setze mich mit Frühstück (selbst gemischtes Müsli, Joghurt, Apfelmus, Banane, Tee) an den Schreibtisch. Dinge tun, Recherche, Dokumente bearbeiten, Buchhaltung… Dann wird es Zeit für das Draußen und ich mummle mich warm ein. Es ist kalt, der Schnee ist überfroren, aber ich falle nicht, nein!

Wie, kalt? Scheint doch die Sonne!
Quer durch die Weißanlage

Bei der Physiotherapie gibt es heute erstmal Wärmeliege, während ich warte, dann manuelle Therapie plus politische Diskussion (Wokism, Habeck, Wagenknecht, KI) und dann nochmal Wärme. Dann ruft die Tagesklinik von letztem Sommer an und erkundigt sich nach meinem Befinden, während ich mich gerade wieder anziehe. Ein schneller Abstecher zum Recyclinghof, meine letzte Woche kaputt gegangenen Kopfhörer verschrotten (die neuen sind zum Glück recht schnell gekommen), einer zum Drogeriemarkt und einen zur Nachbarin, die schon wieder Pakete für mich angenommen hat.

Crowdfarming-Gemüsekiste mit Kartoffeln, Süßkartoffel, Kürbis, Radieschen, Auberginen und Zucchini

Wäsche waschen, Abendbrot zubereiten und dann auf die Couch. Es gibt eine Art Pasta alla Norma, allerdings ohne Ricotta salata, den könnte ich mal wieder kaufen, und Salat.

Dann gucke ich die Wahlarena – ziemlich gute Fragen aus dem Publikum, autoritärer Merz, sozialer Scholz, indiskutable Weidel und ziemlich guter Habeck – und die Tagesthemen und dann geht es mit Buch ins Bett.

Gerade geistern die Blogfragen von Jansens Pott durch meinen Feedreader, heute ist der Tag, an dem auch ich sie beantworte.

Warum hast Du ursprünglich mit dem Bloggen angefangen?

Ich schreibe seit ich 14 war ins Internet, meine erste Homepage hatte ich 1997 oder 1998, zeitgleich habe ich auch gechattet und in Foren diskutiert. Auf den verschiedenen Homepages habe ich noch nicht per se gebloggt, aber doch viel über mich und mein Leben preisgegeben. Als ich 2002 zum Studium nach Rostock ging, habe ich Freunde und Familie per Rundmail über meine Erlebnisse informiert und 2005 dann, nachdem ich erst über und dann in einigen Blogs gelesen habe, mein eigenes erstes erstellt und die Rundmails aufgegeben.

Welche Plattform nutzt Du für Deinen Blog und warum hast Du Dich dafür entschieden?

WordPress, „weil das alle machen“. 😉

Hast Du schon auf anderen Plattformen gebloggt?

Angefangen habe ich auf blogg.de glaube ich, später war ich bei blogspot.de, anonym mal bei twoday.net und beruflich auch bei Roller (nicht der Möbelladen) und einem proprietären System namens Wolfhound.

Wie schreibst Du Deine Blogposts? Nutzt Du ein lokales Bearbeitungstool oder eine Panel/Dashboard-Funktion Deines Blogs

Direkt ins Dashboard bzw. jetzt seit einigen Jahren in die Jetpack-App von WordPress.

Wann fühlst Du Dich am meisten inspiriert zu schreiben?

Wenn ich andere Blogs gelesen habe, daher normalerweise morgens nach der Runde durch den Feedreader.

Veröffentlichst Du Deine Texte sofort oder lässt Du sie erst eine Weile als Entwurf liegen?

Sofort, das hier ist ja ein Tagebuch-Blog.

Über welche Themen schreibst Du generell?

Ich zitiere die Kaltmamsell, die das bei der Golden-Blogger-Verleihung gefragt wurde: „Über gestern“. Das inkludiert dann fast immer, was ich so getan habe und je nach Laune und Motivation auch, was ich gedacht habe oder was in der Welt geschehen ist.

Für wen schreibst Du?

Hauptsächlich für mich, zur Dokumentation und Reflexion und für die Selbstdisziplin. Ein bisschen immer noch für Familie und Freund*innen, ein bisschen für die geschätzte Online-Community und ein winziges bisschen für den Fame.

Was ist Dein Lieblingsbeitrag auf Deinem Blog

Seit es tägliche Tagebucheinträge gibt, könnte ich das nicht mehr so genau sagen. Ich mag aber von vorher den über Omas Quarkkeulchen sehr, den über die sorbische Reconquista und das ganze Bautzen-Ding.

Hast Du schon Blogpausen eingelegt oder Blogs ganz aufgegeben?

Ja, immer wieder mal. Keine Lust, keine Zeit, zu viel Unblogbares im Leben… Seit knapp zwei Jahren bin ich jetzt aber mal wieder täglich dabei.

Was empfiehlst Du Menschen, die mit dem Bloggen anfangen wollen?

Ein einfaches System aussuchen, sich schön einrichten und dann einfach loslegen und ausprobieren.

Hast Du Zukunftspläne für Deinen Blog? Vielleicht ein Redesign, ein Wechsel der Plattform oder neue Features?

Ich denke immer mal wieder darüber nach, nochmal neu und wieder anonym anzufangen, um wirklich über alles schreiben zu können, was mich bewegt. Oder nochmal neu anzufangen, um alle Beiträge vernünftig taggen und kategorisieren zu können, hier herrscht Chaos. Andererseits mag ich ja mein Publikum und daher wird es wohl bei der jetzigen Form bleiben und dafür wird halt der Inhalt kuratiert – so persönlich wie möglich, ohne zu privat zu werden. Vielleicht aber lasse ich mir mein digitales Wohnzimmer nochmal schön neu gestalten, ich hörte ein bekannter Webdesigner aus dem Sauerland hat da bald Angebotspakete für private Blogs im Angebot…

16.02.2025 – Sonntagsruhe

Aufwachen gegen 9, Noosa an meinem Gesicht, Nimbin an meinen Füßen, den Liebsten an meinem Rücken kuschelnd. Sehr viel hachz. Der Liebste hat seit Ewigkeiten mal wieder bei mir übernachtet, was immer einiger Motivation, Muße und in meinem Fall Vorbereitung braucht. Ich muss immer das Bett frisch beziehen und die Wohnung sorgfältig durchsaugen, der Liebste muss genügend Zeit und Ruhe am nächsten Tag haben, um die Katzenhaare (und den Katzensabber) wieder von sich zu bekommen und die Nebenwirkungen der Allergietablette zu ertragen. Und es geht eigentlich immer nur eine Nacht am Stück, denn die Tablette haut ganz schön rein. Umso schöner, dass es heute mal wieder geklappt hat. Die Katzen freuen sich auch und bekuscheln ihn fast so enthusiastisch wie mich, während wir Kaffee im Bett trinken und das Internet leer lesen.

Gegen 11 stehen wir auf, ziehen uns an und verlassen das Haus. Draußen ist es immer noch schneeig und der Boden ordentlich rutschig. Anscheinend fehlt mir die richtige Technik, trotz gutem Profil und gefühlt schweren Schritten laufe ich viel unsicherer auf dem Eis als der Liebste. Wie es aussieht, kann ich das aber die nächsten Tage noch üben.

Das avisierte Hipster-Frühstückslokal ist auch bei diesen Temperaturen voll und es steht eine Traube Wartender davor (selbst beim Stammcafé im Haus sitzen Leute draußen und frühstücken dick eingemummelt), aber das arabische Café gegenüber hat mehrere Tische frei und so kommen wir doch zu unserem Frühstück – und es ist unglaublich lecker, ich würde sagen, dass ich hier den bisher besten Hummus und den besten Halloumi meines Lebens esse, aber wer weiß, ob mir da die Erinnerung einen Streich spielt. Es ist jedenfalls sehr gut, alles.

Wir essen gemütlich und reden mal wieder über die Weltlage, wenigstens nicht nur die ganz aktuelle, hinter mir hängt eine historische Karte über die sich verändernde Ausbreitung der orientalischen Welt. Als wir fertig sind, begleite ich den Liebsten noch zur S-Bahn und laufe dann recht schnell nach Hause – jetzt verdauend fühlt es sich draußen noch viel minusgradiger an als auch schon. Zuhause mache ich mir mehr Tee und lege mich mit meinem nächsten Buch auf die Couch: Mike Gayle – Hope Street. Wie immer bei Mike Gayle angenehm dahinplätschernde Lektüre, seit einiger Zeit weg von der klassischen Lad Lit hin zu ein bisschen mehr menschlichem Drama, nüchtern und sachlich erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Es tut gut, sich mit anderer Leute Probleme zu beschäftigen und in eine Welt einzutauchen, in der es um Arbeit, Wohnen und Beziehungen geht statt um Klimawandel, Faschismus und Krieg.

Am späten Nachmittag mache ich eine kurze Pause und koche mir eine Portion Milchreis aus Arborio-Reis, Mandelmilch, Butter, Zucker und Vanille. Dazu gibt es dann Zimt und Apfelmus.

Ab 19 Uhr dann wieder Wahlkampfthematik mit dem kompletten RTL-Programm aus Einzelgesprächen mit Gysi (warum nicht Reichinnek?), Wagenknecht und Lindner und dann dem Quadrell plus Nachbetrachtung bis zur zweiten Werbung. Sehr viel Gelegenheit, sich aufzuregen. Aber ich schaffe es danach wieder zurück in die Mike-Gayle-Welt und lese erst in der Badewanne und später im Bett weiter, bis mir gegen 1 die Augen zu fallen.

15.02.2025 – Da hilft nur noch Musik

Gemütlicher Morgen nach okayer Nacht und dann erstmal den aktuellen „Alles gesagt“-Podcast mit Robert Habeck hören – den mit Sahra Wagenknecht hatte ich gestern, der war aber erwartbar unerfreulicher, wobei alles noch erstaunlich OK anfing, so richtig abgedriftet ist sie scheinbar erst mit der Pandemie – und mal wieder gedacht, wie schade es ist, dass wir wohl nicht in ein paar Wochen eine grün-rot-rote Koalition unter Kanzler Robert haben werden, er wäre definitiv der Beste für den Job. Hoffe jetzt, dass wir vor der Wahl auch noch eine Ausgabe mit Heidi Reichinnek bekommen.

Bagel mit Frischkäse und Käse, Eier im Glas mit Sriracha und Schnittlauch, Tee mit Erbsenmilch (geschüttelt), frisch gepresster O-Saft mit Salz und Kokoswasser, Apfel, Banane)

Zum Podcast gibt es Frühstück und ein bisschen Haushalt und dann ist es auch schon Zeit zum Losgehen. Am Nachmittag treffe ich den Liebsten, meinen Bruder und seine Freundin bei den Ellis zu Kaffee, Sekt und Kuchen (Mamas Geburtstagsfeierlichkeiten Teil 2).

Nusstorte nach Omas Rezept, Quarktorte nach Mamas

Wir reden über die Geschehnisse in der Welt, natürlich. Kanada, USA, Deutschland, Klima… Nebenbei hören wir schon mal ein bisschen Dropkick Murphys (und The Stanfields aus Nova Scotia, die erstaunlich ähnliche Musik machen), denn hinterher geht es für die jüngere Generation weiter zum Konzert – das Einlösen meines Geburtstagsgeschenks vom letzten Jahr. Gegen 18 Uhr brechen wir auf und fahren mit der U-Bahn in den Pberg. Noch schnell Falafel bzw. Pommes und Mozzarella Sticks einwerfen und dann stellen wir uns in die unglaublich lange Schlange am Eingang. Der Einlass ist so schlecht organisiert, dass wir die erste Vorband komplett verpassen und es vielen vermutlich auch mit der zweiten Vorband so geht. Das ist dann Gogol Bordello und ich bin sehr froh, dass wir die mitbekommen und uns schonmal ordentlich eintanzen können.

Und dann heißt es irgendwann endlich „Let‘s Go Murphys“. Zur Einstimmung laufen vom Band die Chieftains und Sinéad O‘Connor mit „The Foggy Dew“ und „If The Kids Are United“ von Sham 69 und dann legen die Murphys mit „Captain Kelly‘s Kitchen“ los. Die nächsten anderthalb Stunden wird viel gesungen und getanzt, das eine oder andere Getränk getrunken und bei der Ansage „Fuck the AfD“ die linke Faust in die Luft gereckt. Wahnsinn, dass wir in Zeiten leben in denen eine amerikanische Band die AfD kennt. Über Trump und Musk äußern sie sich natürlich auch despektierlich. Ein rundherum wundervoller Abend.

Hinterher fahren der Liebste die eine Station S-Bahn zu mir und werten noch lange den Abend aus – mein zweites und sein erstes Murphys-Konzert, dabei hört er die Band schon viel länger und hat eine viel emotionalere Beziehung zu ihnen. Die Katzen kuscheln sich zu uns und irgendwann gegen 1 liegen wir dann zufrieden im Bett.

Captain Kelly‘s Kitchen
The Boys Are Back
Prisoner‘s Song
Forever
Johnny I Hardly Knew Ya
The State of Massachusetts
Rose Tattoo
The Irish Rover
Shipping Up To Boston

14.02.2025 – Schneeig

Ich schlafe besser und länger als gestern, das wäre sonst aber auch echt unverantwortlich gewesen. So findet das Liebstentelefonat am Morgen dann erst statt, als er schon im Büro ist (im Kalender rot anstreichen, dort ist er vielleicht fünfmal im Jahr) und ich schon gelesen, gebloggt und gesprachlernt habe. Dann aber ist Aufstehzeit.

Noosa auf dem Sonnenplatz
Weißbrot mit Mandelcreme und Sauerkirschmarmelade, Apfel, Kiwi

Ich frühstücke und ziehe mich warm an und dann geht es hinaus ins Weiße, mit noch mehr Schnee als gestern. Mit Tram und U-Bahn geht es zum Brandenburger Tor, wo Fridays for Future zum Klimastreik aufgerufen haben. Die Omas gegen Rechts aka Omas for Future sind auch da, außerdem Greenpeace, NABU, BUND, Scientists Rebellion usw. usw. Ein breiter Querschnitt der Gesellschaft, der im Laufe der Zeit auf knapp 10.000 Menschen anwächst. Es gibt eine Rede von Luisa Neubauer (Die „treffe“ ich ja aktuell fast wöchentlich.) und eine von Joshua Oppenheimer, der gerade auf der Berlinale seinen Film “The End” vorstellt und sich über die vielen Menschen freut, gerade angesichts dessen, was in seinem Land gerade passiert. Paula Carolina und Marlo Grosshardt spielen Songs gegen Rechts und for future.

Ich schaue mich um und freue mich über die Kids, die ohne Zweifel alright sind und denen die alten Säcke gerade mit ihrer demographischen Übermacht wirklich die Zukunft kaputt machen und wieder Parteien wählen, denen das Klima egal ist.

Beim anschließenden Demonstrationszug laufe ich eine Weile mit und biege dann aber zum Mittagessen ab. Passend zum Klimastreik in den veganen Burgerladen in der Nähe, wo ich einen veganen Cheeseburger und Pommes esse und nachhaltig free Refill Getränke aus dem Emaille-Becher trinke.

Erst Zitronenlimo, dann Pfirsicheistee, dann Himbeersoda

Ich wärme mich auf, lese in meinem Buch weiter und bekomme nebenbei die Gespräche am Nebentisch mit, wo sich zwei Studentinnen über ihre Familiengeschichten, Dates und Unialltag zwischen Job und Studium unterhalten.

Irgendwann ziehe ich wieder los und drehe noch eine längere Runde durchs Regierungsviertel, vorbei an Medienhäusern, dem Bundestag und dem Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma. Die Gedanken flitzen wild durch die Gegend angesichts der Weltlage und der anstehenden Wahlen.

Zurück am Brandenburger Tor will ich dann eigentlich zur nächsten Demo – One Billion Rising gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen.

Das soll um 16 Uhr losgehen, allerdings wird da erst angefangen, die Tanzperformance zu proben und ich sehe auf einem Zeitplan, dass das eigentliche Highlight erst 17:30 stattfinden soll (so sieht das dann aus) Dafür ist es mir dann jetzt zu kalt und so trete ich den Heimweg an.

Zurück fahre ich mit zwei S-Bahnen. Noch schnell ein Paket beim Nachbarn abholen und dann ab auf die Couch und erstmal anderthalb Stunden komatös schlafen. Danach lese ich erst noch das Buch zu Ende, bevor ich mich wieder mit der Weltlage befasse und die Rede von JD Vance bei der Münchener Sicherheitskonferenz nachgucke. Wenn man ihn nicht kennen würde, würde man denken, da redet ein seriöser Mann eloquent über echte Fakten. Gruselig. Und viele werden ihm das glauben. Man kann nur hoffen, dass das in Europa genau das gleiche Zusammenhalten-und-Aufbruch-Gefühl auslöst, wie Trumps Auslassungen über Kanada bei den Kanadier*innen.

Danach dann schnell wieder eskapieren – auf Netflix laufen schnulzige RomComs in schönen Gegenden (Italien und Gotland) und danach gönne ich mir noch ein paar Folgen Parenthood – es ist ja schließlich Wochenende.

13.02.2025 – Anstrengend

Eine eklig zerstückelte Nacht ist das, ich schlafe spät ein, wache quasi im Stundentakt auf und um 7 klingelt dann der Wecker. Ich routiniere mich durch den Frühmorgen und schaffe es, halb 9 einen aufgeklappten Laptop auf meinem Bauch und eine Flasche Mate vom Balkon auf dem Nachttisch zu haben (schnell barfuß rausgehuscht, der Balkon ist überdacht, der Schnee langt nicht hin). Dann anderthalb Stunden Webinar, wobei ich mich während der Enddiskussion schon nebenbei anziehe. Um 10 klappe ich den Laptop zu, gehe ins Bad, füttere die Katzen und schnappe mir dann meine Sporttasche. 10:20 verlasse ich das Haus, ohne Frühstück, und stapfe durch den Schnee zur S-Bahn.

it leichtem Zeitdruck fahre ich zum Fitnessstudio und bin Punkt 11 im Wasser zum AquaFitness-Kurs. Sechs Monate nach dem Unfall zum ersten Mal wieder – ich dachte, ich versuchs mal und passe halt auf den Arm auf und mache nicht alles mit. Tatsächlich geht es erstaunlich gut und ich kann zu 95 % alles machen, die Schmerzen kommen irgendwann, aber halten sich in Grenzen. Dafür merke ich, wie viele andere Körperteile und Muskeln noch so da sind und im letzten halben Jahr vernachlässigt wurden. Das ändert sich dann jetzt wieder. Ich schwimme am Ende sogar noch zwei Bahnen und verlasse den Pool mit einem Hochgefühl.

Dann Dampfbad, Dusche, Ruheraum, Biosauna, Dusche, Ruheraum, Finnische Sauna, Dusche, Ruheraum. Beim Ruhen lese ich und komme endlich groß Stücke voran in Iowa. Das Buch ist gut geschrieben und interessant, aber hat sehr wenig Plot und in der aktuellen Weltlage brauche ich Plot, um angemessen konzentriert zu bleiben. Im Ruheraum und ohne Handy geht es aber. Gegen 14 Uhr ziehe ich mich wieder an und mache mich auf den Wege in den Pberg. Erst jetzt lese ich von dem Auto, das in München in die Verdi-Kundgebung gefahren wurde – zum Glück erst jetzt, sonst wären die letzten drei Stunden nicht so entspannend geworden.

Auf dem Heimweg noch ein schneller Einkauf und dann gibt es kurz nach 15 Uhr Frühstück, Mittag und Kaffeetrinken in einem. Ich mache mir belegte Brote und Rooibos-Espresso mit Erbsenmilch.

Butter-Salat-vegane-Salami-dänische-Remoulade, Butter-Salat-Emmentaler-Sardellenpaste, Kräuterfrischkäse-Gurke, Gorgonzolafrischkäse-mit-Blaubeeren-aus-Mangel-an-Feigen

Müde, erschöpft und vollgefressen lasse ich mich dann seitlich auf die Couch fallen und hole gute zwei Stunden Schlaf nach.

Um 19 Uhr habe ich dann nochmal eine Stunde Webinar. Danach wechsle ich zum Politikteil und schaue mir im ZDF bzw. der Mediathek, denn ich hänge eine halbe Stunde hinterher, Klartext mit Olaf Scholz, Robert Habeck, Alice Weidel und Friedrich Merz an (Gutes Format, Scholz scholzig, Merz merzig, Habeck erfreulich gut, Weidel erwartbar furchtbar. Ich mag gerade erstaunlich viele neue TV-Formate im Wahlkampf, die Gesellschaft scheint mir zum ersten Mal seit langem angemessen politisiert und involviert – wenn auch die Hälfte in einer Richtung, die mir überhaupt nicht gefällt), dann die Tagesthemen und dann Maybrit Illner mit Alexander Dobrindt (der schon wieder), Wolfgang Kubicki (hoffentlich nicht mehr oft), Sahra Wagenknecht (die schon wieder) und Gregor Gysi (von Maybrit aus Versehen geduzt, außer in Ukraine-Fragen gut) und einer Journalistin, deren Meinung zum Brandmauer-Eklat ein wenig fragwürdig ist.

Aufgrund der vielen Brote gibt es zwischendurch nur noch eine Apfelsine, eine Banane und den Rest der Weihnachtsschokolade – ganz ohne Nervennahrung ist das ja alles nicht zu ertragen – und dann liege ich kurz vor 1 wieder im Bett.

12.02.2025 – Feierlich

Für die morgendliche Bettliegerei erstmal einen großen Kaffee gekocht, mit Erbsenmilch UND Kakao drin. Meist ist mir das ja zu viel Aufwand, wenn der Liebste nicht dabei ist, für den Kaffee im Betr eine Grundbedingung ist, um einen neuen Tag auch nur anzuerkennen. Der Rest dann aber ganz üblich: Internet leer lesen, Bloggen, mit dem Liebsten telefonieren, Französisch machen, Italienisch machen. Dann schaue ich noch die Anstalt von gestern, wofür der Streisand-Effekt so gut Werbung gemacht hat. Tatsächlich sehr empfehlenswert, am meisten gelacht habe ich über den Cheerleader-Carsten (und die Pimmel-Parteien).

Dann stehe ich auf und mache mir zum Frühstück Haferflocken mit Apfel, Kiwi und Mandelmus, frisch gepressten O-Saft und Tee. Damit setze ich mich an den Laptop. Aus dem Shooting am Montag sind drei bearbeitete Fotos entstanden. Eins wird mein LinkedIn-Profilbild, eins mein Profilbild für meinen Berufsverband und das dritte verwende ich für einen LinkedIn-Post, der das Ende einer Ära und den Beginn einer neuen verkündet. Und direkt für ein paar Nachrichten sorgt, die es zu beantworten gilt.

Damit bin ich beschäftigt, bis ich los muss. Ich laufe erst zum Drogeriemarkt und drucke etwas aus, dann geht es mit Tram und U-Bahn zu meinen Ellis. Mama hat Geburtstag und das will natürlich ordentlich gefeiert werden. Kurz nach mir trifft mein Bruder ein und dann gibt es Nusstorte nach Omas Rezept und improvisierte Quark-Eierschecke mit Äpfeln.

Wir überreichen Geschenke, lauschen Geburtstagsanrufen und haben uns wie immer viel zu erzählen aus unseren Leben und natürlich über die allgemeine Weltlage. Kurzer Frohsinn, als das Ende der Koalitionsverhandlungen in Österreich verkündet wird. Später am Abend werden die Nachrichten dann schon wieder unangenehmer. Vorher aber noch geht es ins nachbarschaftliche arabische Restaurant, wo dann auch der Liebste und das Teilzeitkind zu uns stoßen. Wir lassen uns eine ganze Menge Mazze schmecken.

Gegen 8 verabschieden sich der Liebste und das Teilzeitkind schon wieder – bis Südberlin ist es weit und die beiden müssen morgen früh raus. Wir anderen gehen zurück auf Sessel und Sofa und genehmigen uns noch einen Digestif und weitere Gespräche.

Gegen 10 dann brechen mein Bruder und ich auf auch, lassen die Ellis die Anstalt gucken und machen uns durch die ersten Schneeflocken auf den Heimweg in unsere Heimkieze. Kurz vor 11 komme ich zuhause an, versorge die Katzen und lege mich ins Bett. Noch eine Abendrunde Duolingo und TikTok, dann ist gegen 1 irgendwann Schlafenszeit.

11.02.2025 – Schulung, See und solche Sachen

Der Morgen beginnt so wie fast alle Morgen im Moment, mit dem Unterschied, dass ich mich als es soweit ist mit meinem Frühstück direkt an den Schreibtisch setze und dazu dann den Rest der Unterlagen für die Wahlhelfendenschulung durcharbeite.

Müsli mit Joghurt und Wildheidelbeeren, Tee mit Milch und frisch gepresstem O-Saft mit Kokoswasser und ein paar Krümeln Salz

Gegen 13 Uhr breche ich auf ins Draußen, nicht ohne vorher noch die Waschmaschine angestellt zu haben. Ich bringe meinen Ersatzschlüssel beim Lieblingsnachbarn vorbei, wo er normalerweise liegt (lange Geschichte, warum er das seit kurz vor Weihnachten nicht tat) und spaziere dann bei schönem sonnigen Winterwetter aber mit dem Wissen um aktuell wieder schlechte Luftqualität nach Weißensee. Hier findet in einem Bildungszentrum dann nochmal gut zwei Stunden Wahlhelfendenschulung live und in Farbe statt.

Beim dritten Durchgang habe ich langsam das Gefühl, fast alles internalisiert zu haben. Am Vorabend der Wahl gehe ich nochmal durch die Unterlagen und dann sollte es passen. Ich frage mich aber, warum die schriftführende Person während des Wahlvorgangs, also zehn Stunden lang (abwechselnd mit der Stellvertretung) sowohl das Wählerverzeichnis bearbeiten als auch alle möglichen anderen Dinge protokollieren soll. Bei der ChaosSuperwahl vor vier Jahren habe ich das als sehr stressig und sehr komplex empfunden und es war eine Quelle für Flüchtigkeitsfehler. Diesmal gibt es immerhin nur eine Wahl (damals Bundestag, Abgeordnetenhaus, Bezirksverordnetenversammlung und Volksentscheid), einen Stimmzettel statt vier, eine Gruppe Wahlberechtigter statt zwei (ab 16 bzw. ab 18), vielleicht macht es das händelbarer und den Andrang etwas gestaffelter? Jedenfalls hoffe ich, dass wir diesmal deutlich vor Mitternacht mit dem Auszählen fertig werden.

Weil das Bildungszentrum genau am Weißen See liegt und man ja jede Gelegenheit am Wasser zu spazieren nutzen soll, drehe ich nach der Schulung direkt noch eine Runde um selbigen und lasse meinen Kopf durchlüften.

Danach noch schnell beim Optiker rein, der auch hier in der Nähe ist, und meine Brille nochmal prüfen lassen – das linke Glas scheint mir nicht optimal und tatsächlich wird eine kleine Abweichung festgestellt. Ein neues Glas wird bestellt und demnächst gebe ich meine Brille nochmal ein paar Stunden ab für das Update.

Als Nächstes nehme ich die Tram zum Alex für ein paar Besorgungen und bestelle dann noch Laden zwei Dinge übers Handy online – ich hab’s wirklich versucht! Dann mit der anderen Tram wieder nach Hause, wo es dann schon deutlich dunkel ist, als ich ankomme. Wäsche aufhängen, Katzen füttern, Zeit fürs Abendbrot.

Ich arbeite mich weiter durch die Crowdfarming-Gemüsekiste, das Ende ist in Sicht, rechtzeitig zur neuen Lieferung nächste Woche. Heute gibt es Ofengemüse: eine große Süßkartoffel und das letzte Viertel Kohl, gewürzt mit einer Sauce aus Olivenöl, Knoblauch, Sojasauce, Gochuang-Paste, Ingwer und Koriander – sehr lecker!

Zum Essen schaue ich die Hart aber fair-Sendung von gestern mit Christian Lindner, Dorothee Bär, Sahra Wagenknecht und Jan van Aken nach, die erstaunlich gut gemacht ist, natürlich leider schon wieder nicht übers Klima spricht, aber wenigstens auch nur am Rande über Migration (obwohl Wagenknecht es versucht). Außerdem bestätigt sich mir, was ich vorher schon in sozialen Medien gelesen hatte: Jan van Aken hat die gleiche Stimme samt Dialekt und Tonfall wie Olli Schulz. Daraus müsste sich doch was machen lassen. Und ich frage mich, warum da wieder er steht und nicht Heidi Reichinnek. Haben die sich das aufgeteilt? Sie macht Instagram und TikTok und er die Medien für die ältere Generation?

Hinterher gucke ich noch die von allen hochgelobte Abschiedsrede von Kevin Kühnert im Bundestag (You will be missed!) und dann reicht es für heute mit der Politik, stattdessen Badewanne, Buch, Liebstentelefonat und ab ins Bett.