07.10.2025 – Schreibtischtaten

Es jähren sich der inzwischen seit langem abgelaufene Republikgeburtstag, der Geburtstag von Putin und der Überfall der Hamas auf Israel. Immerhin letzteres wird in meinen Timelines ausführlich thematisiert. Von Putin lese ich eher durch Zufall im Zusammenhang mit dem Mord an Anna Politkowskaja, der ebenfalls an diesem Datum stattfand, guck an, den Republikgeburtstag habe ich vor allem wegen Ottokar Domma selbst im Ohr. „Wir feiern nämlich Republikgeburtstag, schon 30 Jahre“ hieß es in dem Hörspiel (Hörbuch?), das ich als Kind immer gehört habe.

2025 dann im Vergleich erstaunlich unspektakulär, zumindest in meinem direkten Erleben. Lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätsel, Liebstentelefonat, alles noch vom Bett aus. Dann Müsli, Ostfriesentee und Herbstobst schon am Schreibtisch. Es gibt mal wieder viel zu tun und zwischendurch noch zwei Webinare.

Mittags esse ich Risotto-Reste und als am Nachmittag ein bisschen Müdigkeit aufkommt, drehe ich mit einer Weglimo in der Hand und Italienisch-Podcast auf den Ohren eine ausführliche Spazierrunde durchs Herbstwetter.

Mal wieder dankbar für das viele Grün hier und dafür, dass so viel Ahorn hier steht – die nächsten Wochen werden bunt. Aus Kanada derweil trotz Laubfärbung blaue Himmel und 28 Grad. Das war letztes Jahr ähnlich…

Wieder zuhause nochmal ein bisschen Schreibtisch, dann endet der Tag mit Schnittchenteller, zwei Folgen Borgen und früher Bettgehzeit.

06.10.2025 – Zurück im Moloch

So schrieb ich es gestern nach Ankunft aus Rostock. Ist aber, zumindest für meine kleine Ecke von Berlin, Quatsch. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass sich jeder Besuch in der Hanse- und Universitätsstadt nach Entschleunigung anfühlt. Die Bahnen fahren seltener, die Wege sind kürzer, die Häuser niedriger und die Straßen leerer. Dazu das Meer, natürlich.

Heute also wieder Berlin, die Katzen sind ganz aufgeregt, dass ich wieder da bin und gucken etwa alle anderthalb Stunden, ob ich noch lebe. So ist die Nacht etwas zerstückelt und der Morgen entsprechend langsam. Zum Frühstück gibt es Müsli (Blaubeer-Cassis) und vietnamesischen Kaffee, dann geht es das erste Mal ins Draußen. Im Drogeriemarkt fülle ich ein paar Vorräte auf und drucke vor allem Zeug aus, auf Papier, wie so ein Steinzeitmensch. Wegen der Digitalisierung in deutschen Behörden.

Dann geht es nochmal ein wenig an den Schreibtisch, bis ich los muss zum Behördentermin. Dort passieren drei verschiedene Vorgänge mit Papier. Und das, was ich vorher ausgedruckt habe, wird zum Einscannen gegeben. Ich biete an, das einfach als PDF zu schicken, aber damit kommt die Behörde aktuell nicht klar. Nun gut.

Auf dem Heimweg gönne ich mir für ein bisschen Grün und Ruhe den Umweg über das eine Neubaugebiet, das neulich in der Doku über den Prenzlauer Berg vorkam. Auch hier wird es langsam Herbst.

Dann noch auf einen Sprung in den Biomarkt, es braucht neues Frischzeug.

Zuhause Wäsche, Bett neu beziehen (Hallo, Winterdecke!) und dann Stullenteller an weiterer Schreibtischarbeit.

Irgendwann dann verlasse ich den Schreibtisch und verbringe den Rest des Tages mit Late Nights und Dokumentationen, unterbrochen von der Abendbrotkocherei.

Es gibt ein improvisiertes Radicchio-Risotto mit Rot- statt Weißwein und Crowdfarming-Granatapfel. Sehr lecker und farblich… interessant.

Zum Risotto passend Birnen-Rosmarin-Limonade und lustigen Kater

Das zweite Highlight des Abends ist dann noch ein Videotelefonat mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind, mit viel Erzählen aus dem Kinderleben und Herumalbern mit neuen Videofiltern und -effekten. Schön.

05.10.2025 – Nochmal Familie, nochmal Strand #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Sehr frühes Wachsein noch vor dem für einen Sonntag ungewöhnlichen frühen Weckerklingeln um 7. Ich lese und blogge und mache mich abreisefertig. Kurz nach halb 8 gehe ich nach unten zu Cousin, Kamin, Hund und Kind und trinke noch einen Kaffee mit dem Cousin, der bald zum Surfen aufbrechen wird. Kurz nach 8 laufe ich durch den Regen los zur Straßenbahn und fahre damit durch die halbe Stadt ganze 15 Stationen, auf die andere Warnowseite, durch die Innenstadt und die KTV und noch ein bisschen weiter. Von da laufe ich durchs Komponistenviertel zum Haus vom anderen Cousin, wo ich um 9 zum Sonntagsfrühstück verabredet bin.

Ich bekomme eine Führung durchs Haus (auch dieses recht neu, bzw. alt und noch sehr Baustelle). Auch dieses wird total schön. Das Baby hat gute Laune und schäkert ausführlich mit mir und kann sich inzwischen an Möbeln hochziehen, mit einer Hand festhalten etwas wackelig stehen und sich dann wieder sanft auf seinen Popo setzen.

Es gibt mehr Kaffee, Spiegelei, Brötchen und hausgemachte Marmelade, dann switchen wir auf Tee um. Auch dieser Cousin muss dann los, zur Bandprobe, weswegen wir uns auch so früh getroffen haben.

Seine Freundin, das Baby und ich drehen dann noch eine lange Spaziergangsrunde (der Regen hat inzwischen aufgehört), zum und um den Schwanenteich und einmal durch den Botanischen Garten. Dann setzen mich die beiden an der S-Bahn ab und ich fahre raus nach Warnemünde. Hier ist es vermutlich deutlich leerer als am sonnigen Freitag, aber immer noch gut gefüllt.

Ich laufe den Strom entlang zur Mole und von da an den Strand. Ein bisschen Wellen, Algen und Vögel gucken, mich ordentlich vom Wind durchpusten lassen… Sehr schön, das hat es gebraucht.

Dann beschließe ich, nicht nochmal zurück in die Innenstadt zu fahren, sondern einen früheren Zug zu nehmen und lieber noch einen entspannten Abend zu Hause zu haben. Also geht es recht bald wieder zur S-Bahn, direkt zum Hauptbahnhof und mit dem durchgehenden RegionalExpress zurück nach Berlin. Trotz recht vollem Zug habe ich einen Sitzplatz am Fenster und vertreibe mir die Zeit mit Podcasts und Rätseln.

In Berlin geht es mit der Ringbahn nach Hause, wo mich schon die Katzen erwarten. Sie kriegen was zu essen, dann ein kurzer Plausch mit der Mitbewohnerin, Waschmaschine anstellen und dann sind auch der Liebste und das Teilzeitkind von ihren jeweiligen Wochenendtrips zurück und wir telefonieren ausführlich. Dann noch organisatorische Telefonate mit dem Bruder und noch mit einer anderen Freundin.

Der Liebste schickt ein Foto mit bestelltem Thai-Essen vor den Fernseher, ich mache mit meine eigene Version mit Tom-Yun-Shrimp-Ramen und ein paar Folgen Borgen auf dem Laptop, bis die Waschmaschine fertig ist. Heute geht es in der Serie erstmals nach Grönland.

Dann noch schnell Wäsche aufhängen, Badewanne und früh ins Bett. Muss mir aber erst ein bisschen Platz verschaffen…

04.10.2025 – Runde um Runde um Runde…

…um mal ein Lied einer bekannten Rostocker Band zu zitieren.

Der Tag beginnt ähnlich wie gestern, nach guter Nacht und gemütlichem Lesen und Bloggen stehe ich auf. Unten gibt es Frühstück mit dem Cousin. Freundin und Hund sind schon auf der Arbeit, das Kind hatte Schokomüsli und spielt. Kurz nach 10 kommt die Oma zur Bespaßung, der Cousin fährt ebenfalls zur Arbeit und ich mache mich auf in die Stadt.

Heute ist den ganzen Tag Regen angesagt, mal mehr, mal weniger stark, mal mit Böen, mal ohne. Ich laufe direkt von der Straßenbahn ins Stammcafé, sichere mir meinen Lieblingsplatz auf dem Bett und einen Matcha Latte. Runde eins.

Ich mache meine Rätsel, bis meine Verabredung dazustößt. Wir unterhalten uns eine gute Stunde zukunftsgewandt und dann noch über Norwegenurlaube und Patchwork-Familien. Sehr schön! Dann muss sie wieder los zu Haushalt und Kind und ich besorge mir Runde 2.

Schoko-Vanille-Mango-Törtchen mit Rosenblättern, heißer Apfelsaft mit Ingwer

Danach mache ich Französisch und Italienisch, lese ein bisschen und schaue raus in den Regen.

Runde 3 ist ein großes Randstück Apfelstrudel mit warmer Vanillesauce. Danach hole ich den Laptop raus und arbeite ein bisschen.

Runde 4 ist ein riesiges Glas Glückstee. Treffentechnisch habe ich heute nicht so viel Glück, die anderen klappen nicht so, wie erwartet. Also breche ich dann nach dem Glückstee doch wieder auf und laufe bei etwas leichterem Regen und einem Liebstentelefonat noch ein bisschen durch die Innenstadt. Dann wird der Regen wieder stärker. Ich besorge eine Flasche Wein und fahre zurück auf die andere Warnowseite. Der Cousin ist von der Arbeit zurück, die Oma wieder weg. Wir spielen zu dritt eine Runde Monopoly.

Solange bis mein Onkel vorbeikommt, dann gibt es eine Gesprächsrunde während mein Cousin kocht.

Fischstäbchen, Kartoffelbrei, Blumenkohl

Nach dem Essen verabschiedet sich das Onkelchen und wir spielen noch ein paar Runden Memory, bis auch die Freundin wieder zuhause ist. Dann geht das Kindchen ins Bettchen und wir sitzen immerhin noch bis 22 Uhr, als wir uns alle drei müde Richtung Betten begeben für eine Runde Schlaf.

03.10.2025 – Raufgefahren um runter zu fahren

Mir scheint, ich bin nach Rostock gefahren, um mal so richtig runter zu fahren. Die letzten Wochen in Berlin waren trotz (und teilweise wegen) sehr unruhig, mindestens innerlich. Hier aber: Ganz entspannt ausgeschlafen und erst nach dem ersten Klogang langsam die Geräusche von Hund und Kind und so gehört. Gemütliches Internet leer lesen und Bloggen im Bett, dann gehe ich nach unten in die Küche. Es gibt Kaffee, Tee, Nüsse und einen Apfel aus dem Garten gegen den ersten Hunger. Dann gehe ich mit Cousin, Freundin und Hund eine erste Runde um den „Block“ spazieren. Wieder zurück wird der Frühstückstisch gedeckt.

Nach dem Essen ist es fast 12 und da alle etwas angeschlagen sind, legen sich die Erwachsenen nochmal hin. Ich nutze die Zeit für Französisch, Italienisch und Rätsel und gucke dann noch ein bisschen im Internet herum und schmiede Pläne.

Gegen 14 Uhr dann Aufbruch für alle gen Strand. Heute gibt es den letzten Sonnentag für eine Weile. Wir fahren durch den Warnowtunnel (erst mein zweites Mal in den 22 Jahren, die er existiert) und dann durch Neubaugebiete und dörfliche Gebiete nach Wilmhelmshöhe. Erste Ausblicke von der Steilküste aufs Wasser, dann erstmal Pommes und Getränke im Sonnenschein. Für mich gibt es heißen Sanddornsaft (hach, Erinnerungen an die Sanddornkur auf Hiddensee vor zwei Jahren…).

Wir erwarten die Ankunft von Cousin 2 mit Freundin, Baby und Besuch. Dann geht es in großer Runde durch gespenstischen Wald (aber noch nicht Gespensterwald) die Steilküste entlang weiter nach Westen. In Elmenhorst laufen wir dann runter an den Strand, der hier anders als in Warnemünde sehr steinig ist.

Wir laufen am Strand zurück nach Wilhelmshöhe und ungefähr auf der Hälfte der Strecke ziehen die drei anwesenden Herren blank, waten ins 15 Grad kalte Wasser (ein Grad mehr als die Lufttemperatur im Schatten) und als sie ungefähr hüfthoch drin sind, tauchen sie synchron einmal ganz unter. Zwei Minuten später stehen sie nass wieder neben uns, ziehen sich an, als wäre nix gewesen und dann setzen wir unseren Weg fort.

In Wilhelmshöhe trennen sich die beiden Gruppen wieder, das Baby muss nach Hause. Unsere Gruppe fährt zurück in die Innenstadt und geht russisch essen.

Ich esse Blini mit Kaviar und Buchweizengrütze mit gemischten Pilzen, trinke georgische Estragonlimonade und helfe den anderen fleißig beim Aufessen von Hering im Pelzmantel, kartoffelgefüllten Wareniki, Pelmeni und Salaten. So bleibt leider kein Platz für Nachtisch mehr.

Kurz nach 20 Uhr sind wir wieder zuhause. Mein Cousin heizt den Kamin an, Kind und Freundin gehen ins Bett (die Freundin muss morgen früh arbeiten). Wir erzählen noch ein bisschen, dann fährt der Cousin nochmal mit dem Fahrrad zurück in die Innenstadt – Verpflichtungen – und ich koche mir einen Tee und sitze mit dem Hund noch bis etwa Mitternacht am Feuer, bevor es mich auch ins Bett zieht. Was für ein guter Tag!

02.10.2025 – Zeitreise

Gegen 5 streckt sich Noosa und kommt dabei aus Versehen mit der Kralle in mein Gesicht. Also, sagt sie. Ich drehe mich um und versuche weiterzuschlafen, aber irgendwie ist leider der Wurm drin und gegen 6 gebe ich endgültig auf. Ausführlicher morgendlicher Reboot im Bett.

Draußen wird es erst zu einer Zeit hell, zu der ich auch an normalen Tagen meistens schon wach bin, die Verdunkelung an der Balktontür kann also wieder weg. Außerdem sind es da noch nur 2 Grad, gab es nachts eventuell sogar Frost? Verrückt, wie schnell es jetzt mit großen Schritten durch den Herbst geht, vor zwölf Tagen war noch Sommer und 27 Grad.

Der frühe Start ermöglicht es mir, vor der Abreise noch ein paar Dinge zu erledigen, dann heißt es Frühstück (Müsli, Obst), Packen, Proviant vorbereiten (Stulle, Obst) und dann verlasse ich gegen halb 12 das Haus und fahre mit S-Bahn, RegionalExpress, RegionalExpress, Straßenbahn und Straßenbahn in mein Domizil für dieses Wochenende.

Die Menschen unterwegs sind heute wieder erstaunlich unkooperativ. Im ersten RegionalExpress, in dem fast alle Plätze besetzt sind, haben viele Menschen ihr Gepäck auf Sitzplätzen, die Gepäckablagen oben sind komplett frei. Ich finde trotzdem einen Platz, leider nicht am Fenster, denn da sitzt ein Rucksack, und verstaue mein Gepäck demonstrativ an dafür vorgesehenen Orten.

Im zweiten RegionalExpress ist es OK, aber schon am Bahnhof in Rostock stehen wieder Leute am Kopf der Treppe während sich hinter ihnen alles staut. Da ich diesmal wieder auf der anderen Warnowseite schlafe, habe ich nicht mein schönes Ankommensgefühl beim Heraustreten aus dem Bahnhof, sondern steige gleich drinnen in die Straßenbahn um, in der Leute sehr großartig in den Türen stehen können. In der zweiten Straßenbahn auch. Es ist ein Fest. Dann aber steige ich aus, laufe zum Haus meines Cousins, finde den Schlüssel und lasse mich rein und die Welt ist schön.

Ich koche mir Tee, setze mich aufs Sofa und lese. Nochmal einschlafen klappt leider nicht (im Zug hatte ich es auch schon probiert), aber eine gute Stunde später ist er auch schon zuhause. Wir setzen uns nochmal kurz raus in die Sonne, dann an den Küchentisch, während der den Ofen anheizt. Bald darauf kommen seine Freundin, das Kind und der Hund auch nach Hause und dann ist erstmal Trubel und viel Erzählens.

Zum Abendbrot gibt es Ofengemüse, Restepasta und frisch zubereitete Klopse aus selbst gewolltem Wild, dazu ein kleines Glas Wein. Sehr lecker, der Cousin ist ein Klopsspezialist und ich weiß, was ich für das nächste Cousins- und Cousinentreffen auf den Speiseplan setzen werde. Ihr habt es hier zuerst gelesen!

Gegen 20 Uhr dann ziehe ich mich kurz um und laufe dann wieder zur Straßenbahn. Ohne Umsteigen geht es in meine (ganz) alte Hood, aus der ich vor jetzt schon fast 20 Jahren weggezogen bin (so alt bin ich doch noch gar nicht!). Ich laufe im Stadthafen einmal an meiner Jugend vorbei – die Santa Barbara Anna liegt genau an der Bühne, auf der wir mit dem Chor immer aufgetreten sind, neben dem Club, in dem ich dann jahrelang immer war. Vor der Kneipe zum Club treffe ich auf diverse bekannte Gesichter, die sich hier anlässlich des Konzerts von Mumpel, Murks und die Herrscherin der Galaxis versammelt haben.

Auch hier gibt es erstmal wieder viel zu erzählen, dann betritt die Band kaum 20 Minuten nach offiziellem Konzertbeginn die Bühne und fährt ein Feuerwerk an starken Stücken ab.

Virtuose Instrumentalkunst an schrägen Arrangements und fantasievoller Darbietung samt sehr, sehr witzigen Ansagen und Publikumsinteraktion. Alle großen Hits werden gespielt (Katze! Autobahn! Elektrojunge! Allein auf dem Meer!) und es werden von einem großen Huhn mehrere Runden Feuerei (Eierlikör mit Mexikaner) verteilt, die ich aber dankend ablehne.

Hinterher nochmal ein bisschen Quatschen, dann breche ich vernünftig kurz nach 23 Uhr wieder auf. Da ich so weit weg schlafe, brauche ich für den Heimweg fast so lange wie sonst in Berlin – zu den sonst üblichen 15 Minuten Fußweg kommen noch fast 20 in der Straßenbahn plus Wartezeit an der Haltestelle. Ich schleiche mich gegen Dreiviertel 12 ins schon dunkle Haus, der Hund wedelt mit dem Schwanz, steht aber auch nicht nochmal auf. Ich krabbele husch husch ins Bettchen und lese noch rechtzeitig vor Mitternacht die letzten Seiten von Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter – Der Kranz aus, dann ist die Ausleihfrist vorbei und der Tag auch.

01.10.2025 – Produktivitätshack

Das bekommt man also, wenn man früh ins Bett geht – man wacht halb 6 auf und ist auch noch ausgeschlafen. Tse. Weniger erkältet bin ich auch schon wieder, das ist doch schön. Mit so viel Vorlauf bin ich auch mit ausführlichstem morgendlichen Reboot (Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätsel, Liebstentelefonat) gegen 9 mit allem fertig. Also bis auf den Spelling Bee, der aktualisiert sich immer erst um 9. Perfekte Voraussetzungen, um heute richtig was zu schaffen.

Durch den vielen Schleim im Kopf bin ich in den letzten Tagen für meinen Geschmack produktivitätstechnisch etwas ins Hintertreffen geraten. Heute dann aber! Ich schicke einer Freundin noch einen spannenden Artikel, der auf ein Gespräch Bezug nimmt, das wir die Tage hatten, und DANN stehe ich aber auf. Witzigerweise entspannt sich durch den Link dann aber direkt wieder ein Chat übers im Bett liegen (die Freundin ist auch erkältet und muss trotzdem was arbeiten). Wir halten den Chat am Laufen, fast wie so einen Büro-Chat unter Team-Kolleg*innen.

In dieser Stimmung mache ich mich tagfein, füttere die Katzen, koche Tee, schneide Obst und mische Müsli. Dann verzichte ich wegen gefühltem Wintereinbruch auf ein Frühstück auf dem Balkon sondern verlege dieses direkt an den Schreibtisch. Ich esse während der ersten E-Mails und täglichen Verrichtungen und chatte nebenbei weiter mit der Freundin.

Und dann lege ich einfach so richtig los, deep work. Zwischendrin geben wir uns Zwischenstände durch, ich frage die Freundin zweimal was fachliches zu einem Thema, das ich gerade recherchiere und ansonsten arbeite ich einfach meinen Kram ab. Gegen halb 2 dann machen wir uns beide was zu essen und halten dann eine gute Stunde lang gemeinsam über Videocall Mittagspause (bei mir gibt’s Stulle). Da wir sonst nicht so regelmäßig kommunizieren, haben wir uns viel zu erzählen, kommen nebenbei auch ins Philosophieren… Es ist sehr schön.

Danach mache ich nochmal eine gute Stunde weiter und dann schleimt der Kopf langsam wieder so zu, dass ich den Schreibtisch aufgebe. Aber ich habe richtig was geschafft und nebenbei endlich mal wieder Zeit mit der Freundin verbracht. 10/10, gerne wieder.

Ich wechsle dann aufs Bett, pausiere kurz und habe dann noch ein anderthalbstündiges Webinar. Danach gucke ich nach, was die amerikanischen Late Night Hosts am Montag wieder für ein Feuerwerk abliefert haben – Colbert bei Kimmel, Kimmel bei Colbert, Meyers bei Colbert, außerdem Josh Johnson über Trump bei der UN und zu Tylenol. Sehr fein alles.

Die nächsten Stunden werden dann eher wieder anstrengend, ich fühle mich wie in der Telefonzentrale und jongliere Gespräche mit meinem Onkel, meinem Bruder, meinem Cousin, dem Liebsten, dem Teilzeitkind, meinen Eltern, einer Freundin und der Nachbarin, die ein Paket abholt, während ich eigentlich am Herd stehe und aus der letzten Crowdfarming-Süßkartoffel ein Süppchen zum Abendbrot koche – mit Knoblauch, Ingwer, Kurkuma, Koriander, Kardamom, Cumin, Piment und Chili. Pürieren, bisschen Sahne dazu, bisschen Koriandergrün drüber, fertig.

Als alles geklärt, gekocht und gegessen ist, ist es schon wieder halb 10. ich lege mich nochmal in die warme Badewanne (muss wohl wirklich bald anfangen zu heizen) und gehe dann „beizeiten“ ins Bett.

30.09.2025 – Ernsthaft Herbst jetzt

Es wird jetzt wirklich ernsthaft Herbst, die Zeit der ständig offenen Balkontüren ist vorbei und vielleicht war das jetzt auch die letzte Nacht, in der die zum Schlafzimmer einen Spalt offen bleibt. Ich muss jedenfalls kurz nach dem Aufwachen erstmal kurz – mit viel Überwindung – aufstehen, um sie zu schließen, bevor ich es mir zum morgendlichen Reboot im Bett wirklich gemütlich machen kann. Sieben Grad sind es da draußen gerade. Mal sehen, wie lange ich es noch mit Decke statt Heizen schaffe…

Die Temperatur macht auch, dass mich das Balkonfrühstück nicht locken kann und ich erstmal alles andere erledige, bei Ingwer-Tee mit Honig, die Erkältung ist still going strong. Der Vorteil ist, dass die Sonne auf den Balkon scheint, als ich dann doch Hunger habe und ich, komplett angezogen zumindest, dann doch draußen frühstücken kann.

Es gibt mehr Tee, Crowdfarming-Granatapfel mit Joghurt und Müsli, die letzten Crowdfarming-Trauben und eine Satsuma.

Danach ziehe ich mit noch mehr Tee um an den Schreibtisch und widme mich den täglichen Verrichtungen und ein paar Stunden konzentrierter Arbeit, unterbrochen von ein wenig Haushaltsgedöns und einer Paketannahme für die Nachbarn.

Am Nachmittag kurze Einkaufsrunde draußen (Drogeriemarkt, ein paar Lebensmittel, Haustierbedarf) und nochmal ein bisschen Sonne. Wieder zurück mache ich mir eine Green-Curry-Ramen-Suppe und setze mich nochmal eine Runde an den Schreibtisch. Irgendwann ist dann aber die Luft raus bzw. der Kopf leer bzw. noch genauer der Kopf zugeschleimt. Zeit für den Umzug aufs Bett und ein paar Dokus.

Zum Abendbrot gibt es wieder Schnittchen, diesmal mit Frischkäse und veganem Lachs bzw. wokem Käse, und dazu die letzte Crowdfarming-Mango und den letzten Rest Crowdfarming-Gurke.

Dazu gucke ich zwei Folgen Borgen. Bei den aktuellen politischen Entwicklungen im Land und weltweit tut so ein bisschen Demokratie-Porno* ganz gut, auch wenn gerade die ersten beiden Folgen auch viel Finsteres enthalten. Ich glaube, ein Rewatch könnte eine schöne warme Decke für den anstehenden Herbst werden.

Nach dem letzten Liebstentelefonat und bis zum frühen Einschlafen lese ich dann weiter im norwegischen Mittelalter herum, das aber inzwischen ganz schön melodramatisch daherkommt, weiß nicht, ob ich Band 2 und 3 danach noch lesen will…

*So hat der Liebste mal The West Wing bezeichnet, auch so eine Serie, die eine in dem Glauben wiegt, dass mit der Politik noch alles gut werden kann, wenn die richtigen Leute mit den richtigen Haltungen sie machen.

29.09.2025 – Neue Woche, neues Glück

Mit einigem Enthusiasmus starte ich in den Tag, wechsle schon zur Hälfte des morgendlichen Reboots vom Bett auf den Balkon und frühstücke in schönstem Sonnenschein Müsli, Sharon, Trauben und Satsuma, dazu Matcha pur und einen Rest Kräutertee von gestern.

Den Rest vom Reboot nach dem Frühstück, dann geht es mit mehr Tee an den Schreibtisch. Konzentriertes Arbeiten über mehrere Stunden, bis ein Etappenziel erreicht ist und sich der Kopf langsam wieder daran erinnert, wie erkältet er noch ist. Zeit für eine späte Mittagspause. Ich koche mir Spaghetti mit Butter und Anchovis nach ungefähr diesem Rezept (Petersilienstängel habe ich noch eingefroren, statt Crissini-Krümeln gibt es was aus meinem Semmelbrösel-Vorrat). Bei mir ist die Butter braun geworden, aber schmecken tut es trotzdem sehr gut.

Den Rest des Nachmittags bestreite ich mit langsam dringender werdender Haushaltsmaintenance, u. a. muss zweimal Müll nach unten gebracht werden und beim zweiten Mal Treppe wieder hochkommen habe ich einen Flashback zu meinen schlimmsten Post-Covid-Zeiten. Diesmal beruhigt sich der Puls aber dann doch sehr schnell wieder. Trotzdem lege ich mich dann für den Rest des Tages wieder aufs Bett, gucke mich durch interessante Videos und Dokus (u. a. über das Leben im Pberg zu DDR-Zeiten), esse einen unspektakulären Schnittchenteller zum Abendbrot und lege mich dann gegen 9 mit meinem Buch in die heiße Badewanne.

Im mittelalterlichen Norwegen geht es hoch her, ich bleibe ziemlich lange liegen, bin dann aber kurz vor 23 Uhr doch endlich im Bett und versuche es weiter mit dem Gesundschlafen.

28.09.2025 – Sonntagsruhe

Die dritte Nacht mit Zaubermedizin lief ganz gut, ich wache etwas weniger erkältet auf und habe beim morgendlichen Rundgang durchs Internet tatsächlich Appetit auf Frühstück. Also stehe ich nach dem Bloggen auf, zaubere mir ein Sonntagsfrühstück und setze mich damit in die Sonne auf dem Balkon.

Ostfriesentee mit Sahne, Frühstücksei, Bagel mit Manchego, Bagel mit Mandelmus und Honig, Joghurt mit Crowdfarming-Mango, Crowdfarming-Trauben

Die Mango ist nach dem Nachreifen von „noch ziemlich hart“ auf „extrem lecker!“ gesprungen und macht mich so richtig glücklich.

Ich telefoniere mit dem Liebsten, mache ausführlichst Französisch – die Cousine mit der (und ihrem Kind) ich gerade in einem Friends Quest hänge, hatte die Woche ihr Handy kaputt UND ist jetzt auf einer Wanderreise, so dass ich heute noch 22 Lektionen oder so abreißen muss, damit der Streak nicht reißt. Italienisch in der anderen App ist weit weniger herausfordernd, da mache ich nur die Tagesdosis von einer Wiederholungsübung und einer Lektion. Dann noch die Rätsel und schon ist die Sonne um die Hausecke herum und ich wechsle aufs Sofa.

Die Katzen nehmen auf mir Platz und sind dann immer wieder ein bisschen konsterniert, wenn ich unter ihnen huste. Ansonsten gibt es Tee und ausführliche Zeitungslektüre. Aktuell habe ich Abos für die New York Times, den Guardian und den Tagesspiegel, außerdem gucke ich noch beim Spiegel und der Tagesschau vorbei. Daraus ergibt sich dann eine lange Reihe Tabs, die ich nacheinander abarbeite. Nebenbei arbeiten die Erkenntisse und Gespräche des Workshops gestern in mir und ich denke mal in diese, mal in die andere Richtung, durchdenke Strategien, schmiede Pläne, recherchiere und erweitere meinen Wunschzettel. Ein gemütlicher Sonntag eben, wenn nicht im Laufe des Tages die Rotzerei und Husterei wieder heftiger würden.

Ich gucke den Plan für die nächste Woche an und verschiebe Termine für morgen und übermorgen nochmal – mehr Genesungszeit, bevor es am langen Wochenende an die Ostsee geht. Apropos Ostsee, nach der Lektüre höre ich einen Podcast mit Michel Abdollahi, in dem er (neben vielem Anderen) über seine Arbeit und Auftritte in Mecklenburg-Vorpommern spricht und sagt, dass er vielen Menschen abraten würde, dort Urlaub zu machen. Ich spüre mein white privilege sehr deutlich. Die aktuellen Landtagswahlumfragen sind gruseligst, trotzdem freue ich mich total aufs Krafttanken in Rostock und Warnemünde.

Im Anschluss schaue ich noch Michel Abdollahis Doku über Jamel vor zehn Jahren. Wenn ich mich recht erinnere, hat Birgit Lohmeyer die bei Alles gesagt etwas kritisch betrachtet, vong Methode her, aber interessant ist sie allemal. Spannend auch, wie die NPD-Spitzenfrau von MV in breitem süddeutschen Dialekt versucht, dem Deutsch-Iraner zu erzählen, dass man keine zwei Heimaten haben kann…

Irgendwann ist Abendbrotzeit. Ich gare eine Crowdfarming-Süßkartoffel in der Mikrowelle, schäle und halbiere sie und esse sie mit Hüttenkäse, Oliven, grüner Chili und Röstzwiebeln. Sehr lecker aber nicht sehr fotogen.

Dann folgt das Abendprogramm: Der sehr empfehlenswerte Film Big Night von und mit Stanley Tucci (und Tony Shalhoub, Isabella Rosselini, Allison Janney, Minnie Driver, Liev Schreiber etc. etc.). Von den Dreharbeiten hat Stanley Tucci in seinem Buch Taste erzählt und mit diesem Hintergrundwissen macht der Film gleich noch viel mehr Spaß (der Timpano!!). Aus heutiger Sicht ein bisschen problematisch, dass Tony Shalhoub als Libanesisch-Amerikaner einen italienischen Einwanderer mit passendem Akzent spielt, aber hey, sind ja alles Anwohner des mare nostrum, wie die Römer gesagt hätten. Und wenn er Italienisch spricht, klingt es zumindest für meine Ohren auch sehr echt.