Eigentlich dachte ich heute an einen ganz geruhsamen Tag, stellte mir eine Yoga-Session am Morgen vor, ein Bad am Abend und dazwischen gemütliche Produktivität. Aber irgendwie ist dann ständig irgendwas und die nötige Ruhe will sich nicht einstellen.
Das Frühstück gibt es also direkt am Schreibtisch, mit den Resten von zwei Müslisorten (Blaubeer-Cassis und Cranberry-Schoko) und der letzten Hafermilch. Ein weiterer Rest Erdbeermüsli ist noch da, aber der wird wohl warten müssen, bis ich meine Challenge beendet habe und Milch nachgekauft habe (Der Rabattgutschein für die nächste Müslibestellung liegt auch schon bereit). Oder ich esse den Rest mit frisch gepresstem O-Saft? Den strecke ich mir heute jedenfalls mit frisch gepresstem Zitronensaft und Wasser und rühre außerdem Flohsamenschalen ein. Zum Müsli gibt’s eine kanarische Banane und zu allem schwarzen Tee mit Mango.
Dann bin ich fleißig am Schreibtisch – Organisieren, Recherchieren, Kommunizieren, Telefonieren… lauter Ieren jedenfalls. Zwischendurch ein kurzes Webinar, dann weiter Ieren.
Mittags mache ich mir die restlichen Kartoffeln mit Bärlauch-Orangen-Mandel-Pesto von gestern warm und dazu noch ein paar TK-Bohnen mit Bohnenkraut und Butter.
Es geht weiter am Schreibtisch, bis ich die nächste Pause brauche und Abendbrot mache. Es gibt die letzte Dose Tomaten in Form von Marcella Hazans berühmter Tomatensauce, dazu Spaghetti, Basilikum und Grana Padano.
Während die Sauce köchelt, iere ich weiter, mit dem Laptop in der Küche. Nach dem Essen mit dem Laptop auf dem Sofa und nach dem Sofa auf dem Handy in der Badewanne und im Bett (jetzt aber nur noch auditiv). Dann 23 Uhr Schlafenszeit, denn morgen wird ein langer, voller Tag…
Ein Montag mit Ausschlafen, das passt ganz gut nach der Feierei am Wochenende. Gerade noch rechtzeitig mit dem Liebsten telefoniert, bevor er in einen anstrengenden Arbeitstag startet und dann erstmal in Ruhe den morgendlichen Reboot absolviert. Zum Frühstück dann von dem experimentellen Brot von gestern – mit Kräuterfrischkäse bzw. Butter und Honig und dazu eine Crowdfarming-Apfelsine und Earl Grey.
Dann setze auch ich mich an den Schreibtisch. Es gibt ein paar bürokratische Sachen zu klären, dann die üblichen täglichen Erledigungen. Dazu höre ich Jawls neues Album (Malcolm F – Circles & Squares), das heute erschienen ist. Ich habe es natürlich schon vor einer Weile presaved, aber Tidal und ich fremdeln noch in der UX. Ich bekomme den Release Day über Instagram mit und suche dann manuell in Tidal – ohne Erfolg, die Suchfunktion ist unterirdisch. Dann klicke ich auf den obigen Link und plötzlich ist das Album da und läuft dann den ganzen Tag immer wieder mal. Gefällt mir sehr gut und holt mich noch ein bisschen mehr ab als der Vorgänger. Jawl hat auch Liner Notes dazu verfasst.
Nach der ersten Schreibtisch-Schicht lege ich eine Runde Haushalt ein, während die Mitbewohnerin putzt, und mache mir dann die algenbasierte Brühe von gestern wieder heiß, diesmal gibt es Reisnudeln dazu statt der Weizennudeln von gestern. Spannend: Die Algen machen ordentlich Schaum beim Kochen.
Die zweite Schreibtischschicht betrifft dann meine Steuererklärung, die ich eigentlich schon komplett fertig machen könnte, wenn nicht noch verschiedene Unterlagen fehlen würden, ich schreibe Listen und setze mir Reminder in den Kalender. Dann räume ich eben stattdessen noch den Schreibtisch und die Ablage auf und wasche Wäsche, auch OK.
Relativ früher „Feierabend“ dann, mit dem in der Therme angefangenen Buch (Cameron Crowe – the Uncool) und einem Naschi-Teller.
Die Challenge ist heute an Tag 30 angekommen, insgesamt habe ich schon seit 36 Tagen keine Lebensmittel mehr eingekauft. Ein paar Gerichte habe ich noch auf meiner To-Do-Liste, aber so langsam ist ein Ende in Sicht. Am Wochenende kommt zwar die nächste Gemüsekiste, aber wahrscheinlich gehe ich dann im Februar (also direkt nächste Woche) doch mal wieder los und hole zumindest ein paar Kleinigkeiten, vor allem Milchprodukte und andere Proteinquellen. Und Blutorangen! Die haben schließlich gerade Saison und ich verpasse gerade die ersten Wochen davon!
Abendunterhaltung ist dann wieder Letterkenny und dann geht es gegen 23 Uhr zu langwierigen Einflusszonenkonflikten mit den Katzen ins Bett.
Kurze Nacht nach langem Abend und am Morgen sind wir alle etwas derangiert. Da es im Hotelzimmer aber keinen Kaffee gibt, drängt der Liebste zum Aufbruch Richtung Frühstückssaal. Wobei Saal eine wohlwollende Untertreibung ist, der betreffende Raum ist kleiner als mein Wohnzimmer, enthält aber fünf Tische für je zwei Personen und zwei Frühstücksbuffets. Ich setze den Liebsten erstmal auf einen freien Platz und versorge ihn mit Kaffee und O-Saft, damit er sich in Ruhe akklimatisieren kann, dann stelle ich mir mein eigenes Frühstück zusammen, mich vorsichtig um die anderen Gäst*innen herumschleichend – es ist eine Herausforderung. So auch die Teeauswahl: Es gibt etwa 20 verschiedene Früchte- und Kräutertees, aber keinen einzigen echten Tee. Muss ich also auch Kaffee aus der Pumpkanne trinken. Ich denke kurz darüber nach, ob es am Kurort liegt, aber dann dürfte es ja auch keinen Kaffee geben, das ist aber in Brandenburg vermutlich undenkbar. Dafür ist die Obst- und Gemüseauswahl beeindruckend.
Gegen 11 checken wir zu viert aus und fahren rüber zum anderen Hotel, wo die anderen beiden noch bei ihrem Frühstück sitzen. Also drehen wir erst einmal eine Runde zum See, der beeindruckend zugefroren ist.
Als es zu kalt wird, gehen wir zurück in die Hotellobby und trinken dort noch einen Kaffee, bis auch die anderen soweit sind. Dann werden wir, unter Umgehung des SEVs, nach Storkow gebracht, von wo aus wir mit einer Regionabahn nach Königs Wusterhausen fahren, wo wir in den RegionalExpress nach Berlin umsteigen können. Am Ostkreuz trennen sich die Wege – das Geburtstagskind fährt weiter zum Hauptbahnhof, um zurück in den Westen zu reisen. Der Liebste und ein Freund nehmen die Ringbahn nach Süden, ich die nach Norden.
Zuhause erstmal aufwärmen und Katzen kuscheln. Dann mache ich mir eine große Kanne Zitronengras-Ingwer-Tee, packe meine Sachen aus und sichte die Vorräte. Die gestrige BrotbackSauna hat mich inspiriert. Ich habe noch einen Rest bald ablaufendes Vollkornmehl, den ich mit normalem Mehl verlängere und dann habe ich ungefähr die doppelte Menge für ein Brotrezept aus dem Internet. Dummerweise habe ich aber nur ein Viertel der Hefemenge da, das lässt sich aber durch längere Gehzeit kompensieren.
Diese nutze ich für einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Danach muss ich feststellen, dass meine Kastenform entweder verschollen oder beim Liebsten ist, und parke den Teig stattdessen in einer Auflaufform. Das Ergebnis ist ein geschmacklich gutes Brot in Form eines riesigen Brötchens. Ich teile es in vier Teile und friere drei davon direkt erstmal ein.
Während das Brot backte habe ich mich auch ums Abendbrot gekümmert und eine Brühe mit Gemüsebrühepulver, Algen, Fischsauce, Sojasauce, grüner Chili und Limettensaft angesetzt und darin dann TK-Spinat und chinesische Weizennudeln gekocht. Sehr lecker!
Zum und nach dem Essen schaue ich einen dänischen Film auf Netflix, den sie Mango genannt haben, was wahrscheinlich ein fieser Trick war, damit ich ihn mir ansehe. Aber es gibt schöne Bilder von Andalusien und Mangos und außerdem spielen Hjördis aus Rita und Amir aus Borgen auch mit. Danach brauche ich aber noch etwas mit Substanz und weil mein Kopf noch nicht wieder zum Lesen bereit ist, gucke ich stattdessen weiter Letterkenny, bis ich gegen 23 Uhr ins Bett falle.
Das heutige frühe Aufwachen wird präsentiert von Gedankenkarussell. Nach dem Großteil des morgendlichen Reboots, inklusive Bloggen, schlafe ich dann aber doch nochmal ein und bin dann das zweite Mal zu einer okayen Zeit wach. Liebstentelefonat, Rest vom Reboot, Packen, Frühstück.
Die beiden letzten Kardamomschnecken, eine Crowdfarming-Orange, weißer Tee mit Rosenblättern
Dann kommt eine zweite Ladung Tee in den Thermobecher und ich wage mich in die Kälte. Mit der S-Bahn zum Ostkreuz, dort den Liebsten treffen und mit dem RegionalExpress nach Erkner. Von da ist nämlich heute Schienenersatzverkehr und wir zuckeln eine Stunde lang stehend in einem vollen Linienbus über Land nach Fürstenwalde. Dann noch mit der Regionalbahn nach Bad Saarow, ein paar Schritte laufen und dann checken wir für einen Schnellwellness-Aufenthalt in der dortigen Therme ein.
Erstmal geht es zur Hauptattraktion, dem Solebad. Wir tanken Energie und Salz und dringen dann weiter in den Saunabereich vor. Ausgiebige Session im erstaunlich heißen Dampfbad, dann erstmal ruhen und lesen mit Blick auf den Park und den zugefrorenen Scharmützelsee, auf dem reger Betrieb herrscht.
Nächster Programmpunkt ist dann das Soundbad, in dem wir auf dem Rücken liegend im Wasser floaten und der Musik lauschen, die unter Wasser gespielt wird. Damit wir nicht wegtreiben, haken wir uns mit den Füßen am Beckenrand fest. Spannende Erfahrung, aber geht auf Dauer auf Rücken und Nacken. Dann das nächste für uns neue Highlight: Die BrotbackSauna. In deren Holzofen werden tatsächlich Brote gebacken, so dass es unglaublich toll riecht und wir ordentlich Hunger bekommen. Konsequenterweise dann erstmal Mittagspause mit Spinat-Pizza und einem Joghurt-Shake mit Mango, Maracuja und Ingwer.
Danach nochmal BrotbackSauna (ist einfach spannender als die anderen und nicht so heiß wie die ganz heißen) und nochmal ruhen, lesen und fast einschlafen. Zum danach wieder Wachwerden ziehen wir nochmal eine längere Runde im Solebecken und dann ist auch schon wieder Zeit aufzubrechen – der blöde Schienenersatzverkehr hat uns einfach na ne Stunde Wellness gekostet – da wäre noch ein weiterer Saunagang dringewesen!
So aber schnell umziehen und rüber ins Hotel laufen, einchecken, duschen, Haare waschen, föhnen und noch weiter ins nächste Hotel, wo in der Lobby schon die Geburtstagsgesellschaft versammelt ist. Es gibt ein großes Hallo, viel Crémant, drei verschiedene Kuchen und ein gemütliches Kaminfeuer. Wir verlustieren uns anderthalb Stündchen und stellen Kinder- und Jugendbilder in neuen Varianten nach. Dann ist es Zeit, ins Restaurant zu wechseln, wo schon ein Tisch auf uns wartet.
Tapas und RoséOssobuco auf Pappardelle mit Waldpilzen und BimiCheesecake mit Beeren und Affogato
Als das Restaurant zu macht, wechseln wir zurück ins Hotel und nehmen in der Bar dort ein paar Drinks zu uns, während sich ein Musiker an der Gitarre abmüht.
Yuzu Smash mit Gin, Minze und Honig
Als die Bar zu macht, setzen wir uns mit den letzten Getränken wieder in die Lobby an den Kamin, den wir jetzt ganz für uns haben.
Bald darauf geht das Geburtstagskind ins Bett, jemand anders leert seine Minibar und dann bleiben wir einfach noch eine ganze Weile sitzen, bevor wir uns im Dunkeln und Kalten auf den Rückweg in unser eigenes Hotel machen. Um 3 Uhr betreten der Liebste und ich unser Zimmer und schlafen kurz darauf tief und fest.
Heute mal wieder vom Wecker aufgewacht, der früher klingelte als er sonst klingelt (wenn er denn an ist und wenn ich ihn nicht vorher ausschalte). Morgendlicher Reboot mit Tee im Bett, dann mache ich mir nochmal ordentlich Koffein (Espresso, mit Kakao Pulver verrührt, mit Wasser verlängert) und dazu Erdbeermüsli zum Frühstück. Die letzte Milch ist bald alle, dann ist das Thema Müsli durch, solange ich weiter durchhalte, keine neuen Lebensmittel nachzukaufen…
Kurz vor 9 sitze ich am Schreibtisch, Noosa auch. Kurz vor 10 locke ich Noosa raus und schließe dann die Tür, weil ich um 10 einen Call habe, der nix für Katzen ist. Sie murrt und scharrt noch eine Weile an der Tür. Kurz vor 11 geht die Tür wieder auf und ab da ist der Tag eigentlich ganz normal.
Mittags mache ich mir aus der ersten nachgereiften Crowdfarming-Avocado mit viel Knoblauch und Limettensaft einen Dip und esse dazu eine TK-Breze.
Dann geht es ins Draußen, dass sich heute besonders arktisch anfühlt. Ich bringe eine Retoure zur Packstation und kaufe Katzenstreu. Danach mummele ich mich warm auf der Couch ein und erledige noch ein paar Dinge am Laptop, bevor ich das Wochenende endgültig einläuten kann.
Zum Abendbrot gibt es Kokosmilchreis mit TK-Pflaumen und Zimt. Dann lese ich Aisha Muharrars Loved One aus. Keine hohe Literatur, aber sehr solide Unterhaltung, mitreißend, emotional und zwischendurch richtig spannend. Möchte ständig die Songs anmachen, von denen sie schreibt, aber leider gibt es die ja in echt gar nicht.
Den Rest des Abends verbringe ich mit Letterkenny, der kanadischen Kult-Comedyserie, deren Regisseur jetzt Heated Rivalry verfilmt hat und die deswegen gerade von einer neuen Fanbase entdeckt wird (inkl. mir). Völlig anders als Heated Rivaly, sehr speziell, aber auf eine Art witzig und wholesome, wie es aus Schitt‘s Creek ist. Ein bisschen wie The Ranch wenn The Ranch tiefgründigere Dialoge hätte. Brad Pitt ist laut IMDb auch Fan.
Das heutige frühe Aufwachen wird gesponsert von Muskelkater vom Wasserpogo vorgestern. So gesehen ganz gut, dass der Kurs nächsten Dienstag schon ausgebucht ist und ich erst Donnerstag wieder hingehen kann. Nach ausführlichem morgendlichen Reboot setze ich mich schließlich mit Frühstück direkt an den Schreibtisch und beginne die täglichen Verpflichtungen.
Cranberry-Pistazien-Müsli, kanarische Crowdfarming-Banane, Sencha mit Zitronengras mit Mark-Carney-Zitat-Tasse
Dann ein langer Call mit einer ehemaligen Kollegin (Südengland), in dem wir uns auf den neusten Stand bringen und sich Noosa und Maggie (ihre Hündin) nach langer Zeit wieder sehen. Sehr schön. Hinterher beschäftige ich mich mit Vorbereitungen für einen Termin morgen, bis der Hunger zurückkommt, dann geht es in die Küche.
Spaghetti al Limone mit Basilikum und Pistazien
Der Nachmittag vergeht mit Merz-Rede in Davos (kein Kommentar), Judicial-Committee-Hearing in Washington (nur in Auszügen) und weiteren Vorbereitungen. Dann heißt es auch schon in Schale werfen. Kurz nach 17 Uhr verlasse ich die Wohnung und fahre mit S- und U-Bahn nach Charlottenburg.
Der Ku‘damm im Dunkeln gaukelt immer vor, ich würde in einer mondänen Stadt wohnen und wäre entsetzlich underdressed. Zum Glück trage ich Kleid und Blazer unter dem dicken Wintermantel. So passe ich dann ganz gut ins Ambiente des Neujahrsempfangs der Deutsch-Kanadischen Gesellschaft, die dieses Jahr genau wie die deutsch-kanadischen diplomatischen Beziehungen ihr 75jähriges Jubiläum feiert. Ein guter Zeitpunkt, weltpolitisch gesehen.
Ich nehme mir unter Umgehung amerikanischer Softfrinks ein tschechisches Bier (die kanadischen Weinflaschen sind noch zu) und lausche den festlichen Ansprachen. Unter anderem hat die neue kanadische Botschafterin Vera Alexander heute einen der ersten offiziellen Auftritte – und spricht natürlich auch über Premierminister Carneys Rede. Dann stellt sie das Logo zur 75-Jahr-Feier vor: eine Verschmelzung von Ahornblatt und Eichenblatt, rot-weiß und schwarz-rot-gold, entworfen von einer Berliner Künstlerin. Der kleine weiße Zacken unten kommt vom Cursor und gehört nicht zum Logo.
Botschafterin an Logo
Danach widme ich mich dem wieder sehr guten Buffet und Gesprächen mit verschiedensten Anwesenden – Mitgliedern, Botschaftsangehörigen, Austausch-Alumnis, Reiseplanenden…
Beim anschließenden Kanada-Quiz räume ich direkt bei der ersten Frage wieder einen Preis ab (nicht wie im letzten Jahr zwei), weil ich als Schnellste weiß, dass Rod Stewart kein Kanadier ist. Ansonsten wiederholen sich viele Fragen vom letzten Jahr, andere sind nicht mein Fachgebiet (Das wichtigste Exportgut Kanadas nach Deutschland? Eisenerz!). Etwas enttäuschend finde ich (und andere), dass es keine Heated-Rivalry-Frage gibt. Das Quiz verdient Überarbeitung!
Nach dem Quiz ist dann auch der Wein offen und ich trinke noch ein Glas eines zu lieblichen Chardonnays aus Niagra und empfehle einer Frau aus Vancouver Weine aus Nova Scotia. Im Ausgleich erfahre ich, dass Mark Carney seine Rede selbst geschrieben hat – eine andere Gästin war mit in Davos. Und wir reden über North of North und Atarnajuat und was für verstaubte Vorstellungen die Deutschen von den Inuit haben.
Bald darauf mache ich mich auf den Heimweg, morgen geht es wieder früh raus. Mit S- und Straßenbahn geht es zurück in den Pberg und nach einem kurzen Check-in mit dem Liebsten direkt ins Bett.
Sehr früh (aber immerhin nicht mitten in der Nacht) aufgewacht und dann diesmal einfach wach geblieben und den Tag in Angriff genommen. So sitze ich nach der Hälfte des morgendlichen Reboots schon ungewöhnlich früh beim Frühstück und bald darauf, nach dem Rest des Reboots, am Schreibtisch.
Cranberry-Schoko-Müsli mit Hafermilch, Crowdfarming-Orange, schwarzer Tee
Ich fleißele vor mich hin, bis ich gegen Mittag erst ein Webinar und dann ein Meeting habe, für das die Kamera an sein und ich mich also in Schale werfen muss. Das erlaubt mir dann aber auch, direkt danach rauszugehen und eine Erledigungsrunde zu drehen. Die Sonne sonnt, es ist kalt. Ich gehe einen Brief bei einer Behörde einwerfen, das geht deutlich schneller als mit der Post und kostet statt Porto nur Schritte, und kehre dann bei der örtlichen Bibliothek ein, in der heute welche von den 4000 Tonnen Kartoffeln für Berlin verteilt werden. Jede*r nur eine Tüte, keine Selbstbedienung!
Das ist kein Cheat im Sinne der Keine-Lebensmittel-kaufen-Challenge, weil ich ja nichts kaufe, sondern helfe, Verschwendung zu vermeiden – so gesehen genau im Geiste der Challenge. Trotzdem verlängert es natürlich mein Durchhaltevermögen, denn meine letzten Kartoffeln habe ich gestern gekocht und der Rest davon steht für später auf dem Speiseplan.
Wieder zuhause gibt es das letzte Vogelhochzeitsnest und ein paar Walnüsse, dazu einen Sencha. (Technisch gesehen habe ich die Vogelhochzeitssachen auch gar nicht gekauft, wo bleibt meine Rechnung?)
Dann schaue ich mir die Rede des amerikanischen Präsidenten in Davos an, die weit weniger interessant (weil erwartbarer) ist, als die von Mark Carney gestern. Historisch trotzdem spannend, rhetorisch auch (gibt Rhetorik ja in gut und schlecht) und emotional eher in die andere Richtung aufwühlend als gestern, Stichwort Rassismus, persönliche Angriffe auf weibliche Politikerinnen, Beschimpfungen, Lügen… DJT versucht, die Schilder wieder aufzustellen, die Carney gestern abgeräumt hat. Mit mäßigem Erfolg immerhin, der Applaus bleibt verhalten aber einige Leute stehen dabei trotzdem auf.
Ich mache mir früh Abendbrot, wärme die Kartoffeln von gestern auf und backe dazu eine Ofenkäse, den ich auf Geheiß des Foodie-Internets vorher mit Knoblauch, Zitronenschale, Thymian, Pfeffer und Weißwein (hier stattdessen Sherry, wegen Challenge) aufpeppe. Sehr gut, nächstes Mal noch mehr Zitrone!
Dann gibt es nochmal anderthalb Stunden Webinar, bis 20:30, bevor es Zeit für Feierabendunterhaltung ist. Meine sorgfältig kuratierte kanadalastige Threads-Timeline hat gestern nach der Carney-Rede ein sehr tolles Meme kreiert: „Don‘t ask my why I know this but Mark Carney [blank]“, wobei dann jeweils kanadische Stereotype oder Referenzen auf kanadische Kulturerzeugnisse eingefügt werden, mit denen ausgedrückt werden soll, wie kanadisch (und damit halt gut) Mark Carney ist. Es geht um Höflichkeit, Eishockey, Heated Rivalry, Alanis Morrisette, Schitt‘s Creek, Anne of Green Gables, The Vinyl Café, das metrische System, Tim Horton‘s… you name it. Ich erkenne etwa 75 % der Referenzen und bin besonders stolz auf mich, dass ich „I‘m pretty sure that Mark Carney‘s dog ended a war“ verstehe. Das bezieht sich auf den Film „The Dog who Stopped the War“, in der deutschen Fassung „Der Schneeballkrieg“, einen frankokanadischen Kinderfilm aus den 80ern, den ich in den 90ern geliebt habe und mir deshalb in den 00ern auf DVD gekauft habe. Das Abendprogramm steht! (Leider ist meine DVD eine anglokanadische Synchronisation, ohne französische Tonspur, die hätte ich gerne zum Testen meines Verständnisses ausprobiert)
Danach geht es dann ins Bett für noch ein paar Seiten Roman vor dem Einschlafen…
Vom Wecker geweckt worden, das passiert ja auch nicht so oft – meist stelle ich keinen oder werde eh vorher wach. Heute aber ganz ordentlich und „wie es sich gehört“ den Tag begonnen, den morgendlichen Reboot in Teilen im Bett absolviert, dann Frühstück mit „endlich wieder Frischobst“ (war ja nur ein Tag Pause).
Crowdfarming-Orange an Spekulatius und weißem Tee mit Aloe Vera
Dann geht es auch direkt los, mit Straßenbahn und U-Bahn nach Mitte, zum Sport. Die Bahnfahrt reicht für die tägliche Französisch- und Italienisch-Lektion und ich bin auch noch rechtzeitig da, um vor dem Kurs eine Viertelstunde im Whirlpool zu sitzen und mir die Muskeln warm massieren zu lassen. Im Ergebnis ist dann das Poolwasser natürlich gleich nochmal kälter, aber so kommt auch Herr Kneipp zu seinem Recht. Die Trainerin ist wieder die coole von letzter Woche, die lauthals mitsingt und ich dann eben auch wieder. Der Teil für Schultern und Arme verlangt mir heute alles ab, zwischendurch drohen beide abzufallen.
Nach dem Kurs geht’s schnurstracks ins Dampfbad, dann kalt duschen und kurz ruhen, dann in die Sauna, nochmal kalt duschen, nochmal kurz ruhen, dann warm duschen. Der Ruheraum ist hier leider so schwach beleuchtet, dass man nicht lesen kann. Müsste mir meinen E-Reader mitbringen (und den vorher mit Strom und Inhalt beladen). Deshalb sind die Ruhephasen rather kurz, aber das passt, es ist ja auch noch ein langer Tag vor mir. Nach ziemlich genau zwei Stunden verlasse ich den Fitnesstempel wieder und fahre zurück nach Hause.
Dort ist erstmal Zeit für Essen, ich habe Hunger mitgebracht und mache mir aus Kartoffeln, Bohnen, letztem Thunfisch und letztem Ei einen Salat, der gebürtig irgendwo zwischen Nizza und Sizilien angesiedelt sein muss. Verfeinert wird er mit Kapern, Oregano, Zitrone, Olivenöl, weißem Balsamico und natürlich Salz und Pfeffer. Dazu Minztee. Die Katzen freuen sich über die leere Thunfischdose.
Um danach gar nicht erst mittagsschwer zu werden, setze ich mich dann direkt an den Schreibtisch und arbeite Dinge ab. Es steht eine wilde Mischung an aus täglichen Erledigungen, Formalitäten, Telefonaten, Terminschiebereien und Recherchen. Als ich zwischendurch mal nach den Katzen schaue, sind die im besten Sinne des Wortes ganz herzig zusammen auf der Couch.
Relativ früh bekomme ich dann auch schon wieder Abendbrothunger, aber nur so wenig, dass ich nichts koche, sondern Stullen improvisiere – eine mit Kräuterfrischkäse und eine mit Butter, Bergkäse und Pflaumen-Chutney. Damit es nicht zu langweilig wird, gibt es noch einen Mangopudding hinterher.
Beim Essen denke ich über meine Challenge nach, inzwischen habe ich einen ganzen Monat keine neuen Lebensmittel gekauft, heute auf Instagram Tag 24 gepostet (habe erst einige Tage nach dem Einkauf Idee und Elan gehabt, mich derart herauszufordern). Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich überhaupt so lange durchhalte, aber viele Vorräte sind einfach immer noch kaum geschrumpft. Was aber sehr bald sehr eng werden wird sind einerseits herzhafte Dinge für aufs Brot (aber Butterbrote sind ja auch a thing) einerseits und Proteinquellen andererseits. Soll ja alles gesund und ausgewogen bleiben. Mal sehen, ob ich den Januar noch zu Ende bekomme (vielleicht kombiniert mit ein wenig Auswärtsessen).
Zum Essen schaue ich die historisch und rhetorisch bedeutsame heutige Rede von Mark Carney in Davos und lese ein bisschen Nachrichten. Dann geht es mit dem Roman in die Badewanne (unter anderem den Chlor aus den Haaren waschen) und bald darauf früh zu Bett.
Ein Aufwachen zu ungünstiger Zeit (gegen 4) führt zu knapp zwei Stunden Wachliegen und dann schlafe ich kurz vor der Resignation doch nochmal für zwei Stunden ein und bin dann eigentlich ausgeschlafen aber trotzdem ziemlich groggy, als der Tag beginnt. (Kurz nachgeschlagen, ob ich das kursivieren muss, weil ich es aus dem Englischen so gar nicht kenne, aber doch, ist ein englischer Begriff. Dort wahrscheinlich noch viel veralteter als im Deutschen.) So hole ich mir das Frühstück ins Bett und fange den Tag langsam an.
Blaubeer-Cassis-Müsli, schwarzer Tee
Ich vollende den morgendlichen Reboot und nehme dann ebenfalls noch vom Bett aus an einem spannenden anderthalbstündigen Webinar teil, bevor ich endgültig aufstehe und dann direkt noch Yoga mache, es läuft!
Sonne über Berlin, glücklicher Kater
Ich lasse Nimbin draußen in der Sonne chillen, während ich das Katzenklo reinige, den Müll wegbringe und nach der Post sehe. Dann ist auch schon Aufbruchzeit und ich fahre mit der S-Bahn rüber zur Grünen Woche, wohin der Dorfbäckermeister die Vogelhochzeit mitgebracht hat. Es ist zwar ein paar Tage zu früh, aber in der Diaspora nimmt man ja, was man kriegen kann. Und so halte ich nach einem kurzen Plausch das wertvolle Backwerk in der Hand und fahre mit der U-Bahn weiter zu den Ellis nach Mitte.
Hier gibt es Tee zu Vögeln und Nestern und weil Mama Mama ist auch noch aufgeschnittene Äpfel und Birnen – hatte ich ja qua Challenge beides schon länger nicht mehr. Außerdem stopft Mama mir eine kaputte Schafwollsocke von Oma und wir unterhalten uns zu dritt über dieses, jenes und welches. Die Zeit verfliegt und es ist schon 19 Uhr, als ich wieder aufbreche und mit U-Bahn und Straßenbahn zurück in den Pberg fahre. Hier wurde inzwischen meine Obstkiste geliefert – zwei Tage später als geplant, aber einen Tag früher als erwartet.
Die Avocados müssen noch nachreifen, also kann ich meinen ursprünglichen Essensplan beibehalten und mich erstmal dem Rest vom pürierten Kürbis widmen. Der wird mit Zwiebeln, Knoblauch, Rosmarin und Wasser zu einer Sauce. Dazu bereite ich die letzten drei Fertigklöße zu, zerkleinere sie in Gnocchi-Größe, vermische sie mit der Sauce und gebe ordentlich Bergkäse und Pfeffer drüber – ein Gedicht, wenn ich so sagen darf!
Zwischendurch kommt die Eilmeldung, dass es draußen Polarlichter zu sehen geben soll, aber von meinem Balkon aus eher nicht so – wohl zu hell hier und ich bin inzwischen zu gemütlich, um nochmal richtig raus zu gehen. Zum Glück tun das genügend andere Leute, so dass ich immerhin jede Menge schöne Fotos sehen kann.
Ich versuche es nach dem Essen kurz mit Weiterlesen im Geschichtsbuch, aber der Kopf ist noch zu voll vom Tag (Gespräche, Geopolitik, dies das). Stattdessen höre ich dann eine kanadischen Bücherpodcast (halb aus Nova Scotia, halb aus Calgary) und komme so gut Richtung Bettschwere und Leselust – jetzt aber Belletristik! Lese ich also im Bett noch ein neues Buch vom Weihnachtsstapel an: Aisha Muharrar – Loved One, bis mir die Augen zufallen. (Aisha ist Drehbuchautorin, unter anderem von Parks & Recreation und The Good Place – zwei der besten Comedy-Serien dieses Jahrtausends und ich kenne sie ursprünglich als Freundin und Stammgästin der Gilmore Guys, ein Gilly ist sie nämlich auch und das merkt man sowohl ihren Serien als auch dem Buch an…)
Ein ganzer Tag ohne Termine und Verpflichtungen, herrlich! Ich liege morgens nach fertig absolvierten Reboot noch im Bett und überlege, was ich alles sinnvolles tun könnte und habe einiges an Ideen.
Erstmal aber Frühstück, gleich mit etwas mehr Fantasie: Das von gestern einbehaltene Brötchen gibt es mit Butter und Honig bzw. Zitronenmarmelade. Außerdem reichere ich eine Teil des pürierten gebackenen Kürbis‘ mit frisch gemörsertem Koriander, Kreuzkümmel und Chili ab und backe mir dazu eine TK-Breze auf. Ein paar Walnüsse und die letzte Mandarine gibt es auch. Ab jetzt ist außer Zitronen kein Frischobst mehr im Haus, aber die neue Obstkiste kommt ja Dienstag schon.
Nach dem Essen beschäftige ich mich eine Weile mit der Plattensammlung der Liebsteneltern, die ja inzwischen vollständig bei mir lagert, und katalogisiere weiter fleißig. Heutige Highlights unter anderem: Pink Floyd, Leonard Cohen, Klassik, Psychedelik und Politisches („Ich bin emanzipiert“ von Joana). Ich lege mir zwischendurch eine der Platten – irische Pub-Songs, verlegt in den 60ern in Frankreich – auf und stelle so fest, dass mein Plattenspieler also noch funktioniert. Kann aber nur 33 und 45 rpm, für die 78-rpm-Aufnahmen aus den 50ern muss also noch eine andere Lösung gefunden werden.
Ich pausiere nach einer Weile und hebe mir den letzten Schwung Platten für einen anderen Tag auf. Stattdessen denke ich über das 2016-Meme nach, das gerade durch die sozialen Medien geistert. Nach landläufiger Meinung fing die weltweite Misere ja 2016 an, als Bowie starb, der Brexit beschlossen wurde und dann Trump das erste Mal gewählt wurde. Kurz davor war die Welt für viele noch in Ordung und an diese Zeit erinnert man sich jetzt nostalgisch. Ich sehe den Punkt, habe aber das „Problem“, dass 2016 sich für mich irgendwie wie vorgestern anfühlt. Bis auf die großen politischen Verwerfungen war der Alltag gar nicht so anders als heute. Zudem lebte ich mit den gleichen Katzen in der gleichen Wohnung und bekomme von Facebook und Google auch ständig Erinnerungen an diese Zeit vorgesetzt, die nicht sooo anders aussehen als heute.
Klar, privat hat sich bei mir auch einiges getan seit 2016 (Hallo, Liebster, hallo, Teilzeitkind!), aber so richtig bedeutsam als Jahr (und insgesamt sehr anders) war dann eher 2006 – ordentlich Aufruhr im Liebesleben mit starken Coming-of-Age-Vibes, Umzug in meine erste WG, Anfang beim Radio, als rasende Reporterin im Rostocker Nachtleben unterwegs, erstes Immergut, Aufnahme des Master-Studiums… Ich poste ein paar 2006-Fotos und widme mich dann wieder Sullivan‘s Crossing. Staffel 3 ist vor allem menschliches Drama, typisch Nova Scotia sind nur Ausflüge nach Halifax und Lunenburg und die Tatsache, dass die medizinische Versorgung vor Ort schlecht ist und man ewig auf einen Arzttermin wartet. Zum Glück beschließt Maggie im Staffelfinale, eine eigene Praxis aufzumachen…
Als Sonntagssüß bastele ich mir einen Eisbecher aus Lebkuchen, Vanilleeis, heißen TK-Pflaumen und Zimt. Soll ja keiner denken, ich würde darben, nur weil ich immer noch nicht einkaufen war.
Zum Abendbrot gibt es dann die Mystery-Dose aus dem Tiefkühlfach, die sich als Rest eines jamaikanischen Eintopfs mit Kartoffeln, Pastinaken, Möhren, Sellerie, Kokosmilch und Kaffirlimettenblättern entpuppt, sehr lecker!
Ich denke, ich komme noch eine Weile ohne Einkaufen hin. Dienstag die Obstkiste, Mittwoch hole ich mir von den 4000 Tonnen Kartoffeln und der Vorratsschrank hat auch noch ein paar Asse im Ärmel. Ob ich bis Ende des Monats durchhalte, wenn die nächste Gemüsekiste kommt, weiß ich aber nicht, evtl. brauche ich vorher mal Milch und anderes Frisches…