10.05.2025 – Low Movement Day

Im Bett des Liebsten früh erwacht, aber ich kann mich ja gut beschäftigen und still liegen und all das. Irgendwann wird er auch wach und macht Kaffee und das Teilzeitkind beschäftigt sich eh alleine, es ist ja schon groß, und wir bleiben einfach liegen. Bis kurz vor 10, denn dann beginnt mein heutiger Workshop. Dreieinhalb Stunden mit fast 120 Frauen, zum Glück alles online und in meinem Fall mit Kamera und Mikro aus, denn ich liege einfach weiter im Bett, während die anderen beiden auf den Markt gehen, frühstücken und Haushaltsdinge tun. Ich frühstücke kalte Pizza und lerne und bin fleißig.

Halb 2 dann stehe ich doch auf, es gibt eine zweite Mahlzeit für alle (für mich Börek, Karotten und Radieschen), dann trifft sich das Teilzeitkind mit einer Freundin zum Lernen „und ein bisschen shoppen“ (Praktisch, dass die Bibliothek im Einkaufszentrum ist.) und wir hängen so rum. Der Liebste räumt immer wieder Sachen hin und her und ich liege hauptsächlich und schone meinen Fuß. Dabei viel Zeug im Internet und so.

Später geht der Liebste noch ein zweites Mal einkaufen, sammelt unterwegs das Teilzeitkind ein und ich bestelle chinesisches Essen für alle, in dem Restaurant um die Ecke, das total unscheinbar aussieht und dann aber hauptsächlich Chines*innen verköstigt und so Dinge wie gebratene Hühnerfüße und Schweinenieren serviert. Für uns halte ich es etwas gefälliger. Es gibt gebratene Nudeln mit gebackenem Hähnchen, Frühlingsrollen, Dim Sum, Algensalat, Morchelsalat, Gurkensalat und Pak Choi mit Pilzen und Reis. Nicht zu scharf, aber ordentlich knoblauchig, so sind alle zufrieden.

Zum und nach dem Essen schauen wir endlich die letzten beiden Folgen der aktuellen Staffel LOL. Ich weiß nicht, ob es an mir liegt, aber so langsam ist entweder das Konzept ausgelutscht oder es sind die falschen Leute dabei – so richtig witzig ist es nicht mehr, mir bleibt nichts in bleibender Erinnerung. Siegfried und Joy sind eine gute Ergänzung und Marti Fischer kann gut Stimmen, aber irgendwie ist die Luft raus.

Danach ist es noch total früh, deswegen führen wir das Teilzeitkind in einen weiteren Klassiker der Filmgeschichte ein und schauen den ersten Zurück in die Zukunft. Ohne, dass wir etwas sagen müssen, vergleicht es Biff mit Donald Trump – das Kind ist am Puls der Zeit! Ich habe den Verdacht, dass wir zumindest Teil 2 auch zeitnah gucken werden. Das wird dann für das Kind noch mehr Mindfuck, wo doch die Zukunft 2015 schon zehn Jahre her ist und es sich wahrscheinlich nicht an die fliegenden Autos erinnert, die es damals – zwei Jahre nach seiner Geburt – gab. Dafür werden die Videocalls für es viel weniger krass sein, als sie es für uns damals waren und Faxe hat es nie bewusst erlebt,

Nach dem Film geht das Kindelein zu Bett und wir schauen noch fix die erste Hälfte der einzigen kanadischen LOL-Staffel, die sehr viel sehr lustiges hat, aber leider nicht so erfolgreich war, dass es weitere gegeben hätte. Unser*e gemeinsam*er Favorit*in Mae Martin ist leider auch viel zu früh draußen. (Wir kennen beide vor allem Mae Martin, und dann noch Caroline Rhea, Tom Green und Dave Foley ein bisschen.) UK und Südafrika müssen wir wohl auch noch gucken und vielleicht wage ich mich auch mal an Italien ran…

09.05.2025 – Brückentag mit Pizza

Aufwachen um 7, meine These von gestern bestätigt sich. Mit einem Podcast döse ich nochmal weg, bis halb 9 der Liebste anruft. Dann aber endgültig wach und rin in die morgendliche Churchillei. Das Internet wird leer gelesen, der gestrige Tag verbloggt, bei Duolingo ordentlich Strecke auf Französisch gemacht, in Babbel zwei Lektionen Italienisch nachgeworfen – es geht um Wasserpflanzen und ich lerne, dass Wasabi im Wasser wächst, war mir neu. Dann noch die Rätsel des Tages und schon ist es fast Mittag.

Balkonfrühstück mit Ostfriesentee, Brot mit Käse und Tomate, Brot mit Büffel-Weichkäse und Feigenmarmelade, Apfel

Der Balkon hat für eine kurze Weile perfekte klimatische Verhältnisse. Die Sonne ist schon fast rum und brennt nicht mehr, eine zarte Brise kühlt durchs T-Shirt, das dunkle Holz ist warm und duftet genau richtig. Ich lese und höre Musik von vor 20 Jahren und freue mich, dass Mai ist und bald Juni ist und was in diesen beiden Monaten alles ansteht. Zwischendurch immer wieder Leseunterbrechungen, weil mir Dinge einfallen und ich recherchiere oder mit Leuten schreibe, alles im Sinne der Freuerei.

Irgendwann ziehen dann Wolken auf und es wird doch frisch. Also gehe ich rein und kümmere mich um Haushaltsdinge, tägliche und ausgefallenere wie Schimmelbehandlung, Fensterputzen und Kleiderschrank entrümpeln. Dann gehe ich raus und bringe zwei Säcke mit Kleidung und Schuhen zur entsprechenden Sammelstelle und eine Hose zur Änderungsschneiderei. Und weil da die Sonne wieder scheint hole ich mir auf einem kleinen Umweg noch ein Eis.

Passionsfrucht-Vanille und Rhabarber-Butterstreusel

Wieder zuhause dann Sachen packen und noch ein bisschen ausruhen, dann geht es schon wieder los zum Italiener, heute nach Mitte und mit den Ellis, dem Liebsten und dem Teilzeitkind. Es gibt Aperitivi, Antipasti und dann für mich Pizza mit Kartoffeln und Rosmarin und Wein, hinterher Panna Cotta. Und viel zu erzählen und zu lachen natürlich.

Hinterher geht es mit U- und S-Bahn nach Südberlin und der Liebste und das Teilzeitkind haben unterwegs einen Disput, der deutlich pubertäre Züge trägt – es wird ja auch bald zwölf, schließlich. Das Thema ist fast nichtig, die Heftigkeit, die Argumentationslinien und die Rollenverteilung katapultieren mich direkt in die 90er zurück. Ach guck, so wird das jetzt also, stimmt ja. Ich halte mich so gut ich kann raus und bin die Schweiz. Zuhause sind dann alle ausreichend kaputt, so dass alle freiwillig gegen 23 Uhr im Bett liegen und dann auch bald schlafen.

08.05.2025 – Weltgeschichte, Zeitgeschichte, Pasta

Um 7 scheint jetzt die Zeit zu sein, wo die Katzen spätestens schauen, ob ich wach bin, meist mit Tatze ins Gesicht. Habe die Verdunkelung immer noch nicht angebracht, aber vielleicht ist es ja auch ganz OK, nicht den ganzen Tag zu verschlafen. Noch ein bisschen zu Podcast dösen, dann beginnt der Tag mit den üblichen Verrichtungen und schon recht früh bin ich bereit fürs Frühstück. Es ist Feiertag, ich investiere also ein bisschen mehr Zeit und pochiere mir zwei Eier. Dann sitze ich auf dem Balkon und denke nach übers Essen und die Geschichte.

Die Eier sind auf Bagels, dazwischen Crowdfarming-Avocado aus Spanien, regionale Tomaten aus Brandenburg. Dazu gibt es Matcha Latte aus Japan und Crowdfarming-Orange aus Spanien. Mein erster Impuls ist, ha, Bagels und ausländisches Zeug zum Tag der Befreiung, da schlage ich den blöden Nazis ein Schnippchen! Hätte es die nicht gegeben, hätten wir hier in Berlin überall und bessere Bagels! Dann aber auch: Ohne Antisemitismus gäbe es gar keine Bagels, denn sie sind entstanden, weil Juden nicht so backen durften, wie Christen. Bezüglich des Matcha und des Obst fällt mir ein, dass die Nazis wahrscheinlich wenig gegen Obst aus ausgerechnet Japan und Spanien gehabt hätten, aus Gründen. Hmm. Dann überlege ich, wie unsere Berliner Esskultur wohl aussähe, hätte es die Nazis und den Zweiten Weltkrieg nicht gegeben. Vermutlich mehr Bagels, ja. Aber vermutlich auch weniger Döner und wenige vietnamesische Restaurants, denn ohne den Krieg hätten „wir“ die Gast- und Vertragsarbeiter gar nicht gebraucht. International wäre die Küche wohl trotzdem gewesen, denn schon bei Volker Kutscher essen sie im chinesischen Restaurant Kiwis. Worüber man so nachdenkt beim Essen am Tag der Befreiung.

Dann schaue ich mir sehr ausführlich die Gedenkveranstaltung zu Gerd Poppe in der Heinrich-Böll-Stiftung gestern Abend an und lerne schon wieder viel über einen anderen Teil deutscher Geschichte, der aber natürlich mit dem davor zusammenhängt. Hier gibt es viel Wissen anzulegen aus den verschiedensten Bereichen und viele Referenzen auf Menschen, die ich aus anderen Zusammenhängen kenne. Am überraschendsten dabei ist, dass Gerd Poppes Sohn Musiker ist und ich ihn schon live gesehen habe, als er 2007 beim Populario mit Kissogram aufgetreten ist. Der Indiejunge und ich hatten noch wochenlang einen Ohrwurm von „I am the Night before“.

Dann aber zum eigentlich Gedenken des Tages, im Bundestag findet die offizielle Gedenkstunde zum Tag der Befreiung statt und ich bin mit etwas Verspätung im Livestream dabei. Überraschend gute Rede von Julia Klöckner, andere gute Beiträge, wirklich gute Rede von Steinmeier. Am Ende werden die deutsche und die europäische Hymne gespielt. Natürlich regen sich in den sozialen Netzwerken wieder Leute auf, dass nicht alle mitsingen. Bis vor wenigen Jahren war das total normal! Ich hingegen versuche, bei der europäischen Hymne mitzusingen, die ist mir näher. Leider hänge ich immer an der gleichen Zeile und schreibe sie jetzt hier auch nochmal hin, damit das irgendwann anders wird: „Deine Zauber binden wieder“. Den Rest kann ich und habe dabei immer meinen Bruder vor Augen, der das nämlich im Musikunterricht singen musste und stolz wie Bolle den Text deklamiert hat. Immer wieder.

Am späten Nachmittag fahre ich rüber nach Schöneberg und treffe mich mit einer Freundin zu einem frühen Abendessen. Wir haben gute zwei Stunden, um uns auf den neusten Stand zu bringen (und es ist viel passiert, auf beiden Seiten) und essen dazu sehr gut.

Antipasti: Lachstartar, Thunfischtartar, Oktopussalat, Caprese, Carpaccio, Parmigiana, Vitello tonnato
Hausgemachte Tagliolini aus dem Parmesanlaib mit Trüffeln
Pastiera

Die Pastiera bekommen wir gratis, weil wir ehrlich geantwortet haben, dass die Taglioni etwas zu salzig waren. Endlich wieder Pastiera!!! Zum Glück war meine Freundin da schon sehr satt und ich bekam ihr Stück auch noch. Ich liebe Pastiera. Als wir gerade beim Bezahlen sind, erzählen sich die Anwesenden Italiener*innen: „Habemus papam!“ Schon? Wer denn? Wissen wir noch nicht. Ich übersetze für die Freundin, aber dann muss sie los zu ihrer nächsten Verabredung und ich mache mich auf den langen Heimweg mit zwei U-Bahnen und Tram. Unterwegs kommt dann die nächste Eilmeldung mit dem Namen vom Papst und ich verbringe die Rückfahrt mit den sozialen Netzwerken.

Schon um 20 Uhr bin ich wieder daheim und kann dann nochmal alle möglichen Dinge nachgucken – Brantner bei Lanz gestern (spannend, besonders wie Lanz sich plötzlich auf die Seite der Grünen gegen die CSU schlägt, na huch?), Banaszak und Bas bei Maischberger gestern. Und natürlich die Antrittsansprache vom Papst und den Rauch- äh Brennpunkt zu seiner Wahl. Dann geht es müde ins Bett, aber ein paar Seiten lesen schaffe ich noch, bis um Mitternacht das Licht ausgeht.

07.05.2025 – Viel Kleinkram und der wichtigste Tag des Jahres

Vier Wesen im Bett machen eine wärmere Nacht, aber halt auch vier bewegliche Elemente, die zusammen mit dem frühen Sonnenaufgang für viel Bewegung sorgen. Muss endlich mal an die Verdunklung der Balkontür denken. Jedenfalls, Nacht mehr als früh vorbei, aber dann gibt es halt noch früher Kaffee im Bett und mehr Zeit zusammen, bevor der Liebste los muss. Mit Bloggen und Französisch und Italienisch machen bin ich dann auch früh fertig und dann geht’s mit Frühstück auf den Balkon.

Bagel mit Feigenmarmelade, Bagel mit Büffelweichkäse (so gut!), Mispeln, Espresso Tonic

Das Konklave verspricht heut weniger spannend zu werden als die Kanzlerwahl, erstens beginnt es erst am Nachmittag und zweitens wird da traditionell beim ersten Wahlgang nichts entschieden – auch wenn mein Internet das sehr witzig finden würde. Und wir wissen ja, in der postmodernen Welt ist die einzig relevante Einteilung „witzig“ oder „unwitzig“. Nach dieser Maxime war die Kanzlerwahl eindeutig witzig.

Vom Balkon geht es dann an den Schreibtisch für diversen Kleinkram. Telefonate, E-Mails, sogar ein Brief – ganz echt mit Papier, Unterschrift, Briefmarke und Umschlag. Dafür muss ich erstmal zum Drogeriemarkt, um den Brief auszudrucken, und dann zur Post, um eine Briefmarke zu kaufen. Auf Vorrat kaufen lohnt nicht, weil ich etwa ein Mal im Jahr eine brauche und bis dahin sind die Preise wieder gestiegen.

Das Gute ist, dass direkt vor dem Postamt ein Erdbeerhäuschen steht und die haben jetzt ja offen. Traditionell gibt’s die ersten Erdbeeren noch zu Mondpreisen und Flair ist wirklich nicht meine Lieblingssorte, aber man nimmt, was man kriegen kann!

Wieder zurück gibt es ein Webinar und den Rest Suppe von gestern. Dann kommt das neulich bestellte Paket mit Klamotten an und ich verbringe einige Zeit mit dem Anprobieren. Von den zehn bestellten Teilen passen und gefallen sechs. Ein Kleid sieht an mir sackartig aus und darf zurück. Und die drei Hosen, die sind zwar an sich schön, aber zwei davon sind zu kurz (Hochwasserhosen an großer Frau sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt) und die, deren Beine lang genug sind (32 Zoll, bitte!) gab es nur noch mit einer Bundweite, die ich von vorn herein hätte ignorieren sollen, sowas hat mir zuletzt vor knapp 20 Jahren gepasst. Es setzt sich also der Trend zu Röcken und Kleidern fort – ist eh bequemer. Hätte man mir vor 30 Jahren mal erzählen sollen, dass ich als Erwachsene ständig Mädchensachen anziehen würde. (Furchtbare Pick-Me-Energie bei meinem jüngeren Ich.) Immerhin schicke ich so die teuersten Sachen zurück und habe quasi 360 € gespart. Die Farben der (meiner) Saison sind unter anderem Titan, Shadow, Dusty Indigo und Thymian. Und: Das Shadow-farbene Kleid hat Taschen!

Ich bringe das Paket mit den zurückgehenden Sachen direkt wieder weg (der „Späti“ gegenüber nimmt die jetzt auch an*), jage die neuen Klamotten durch die Waschmaschine und leite dann den Feierabend ein. Es gibt den Rest der verfügbaren Folgen Pørni (nächste und letzte Staffel in einer Woche) und die Hälfte von The Four Seasons. Dazwischen ist dann Zeit für den Höhepunkt des Jahres: Die ersten Erdbeeren, diesmal mit der neu entdeckten Mascarpone-Sprühsahne. Sooo gut, und ab jetzt werden die Erdbeeren nur besser! Preismäßig allerdings krass, dass die eine Portion gleich 3,30 € gekostet hat. Fast gut, dass ich wegen Histaminintoleranz nicht mehr so viele Erdbeeren essen kann wie noch vor ein paar Jahren, sonst wäre das jetzt eine tägliche Ausgabe.

*Späti, weil er täglich 20 Uhr zu macht, aber ansonsten alle Kriterien erfüllt.

06.05.2025 – Mehr so ruckelig

Die Politik schmeißt mir mal wieder meine Routinen durcheinander. Statt wie sonst erstmal ordentlich Dinge churchillhaft vom Bett aus zu erledigen, wechsle ich schon nach dem Bloggen aufs Sofa und vor den Fernseher, um der Kanzlerwahl zuzusehen. Wird ja nicht lange dauern, denke ich mir, und danach kann ich ja zurück ins Bett und da Französisch und Italienisch machen und so. Na Pustekuchen. Erster Wahlgang scheitert, wie und wann es weitergeht ist ungewiss. Ich mache mir schnell Müsli mit Joghurt und dann die Sprachübungen und später die Rätsel auf dem Sofa, während im Hintergrund Phoenix lautlos weiterläuft.

Um 12 wechsle ich an den Schreibtisch und nehme noch mit ausgeschalteter Kamera an einem Webinar teil. Danach ein wenig Hausarbeit und dann Webcam-fein machen für einen Videocall. Leider taucht mein Gegenüber auch nach zehn Minuten nicht auf und dann stellen wir per E-Mail fest, dass es technische Probleme gab und und wir parallel alleine in zwei verschiedenen Meetings saßen. Im fünften Jahr nach Beginn der Pandemie schon witzig, dass das immer noch vorkommt. Wir vertagen uns und ich fahre den Adrenalinspiegel wieder runter.

Zwischenzeitlich kam die Meldung, dass auf die historische Wahlniederlage nun ein historischer gemeinsamer Antrag von Linker und CDU (und rot-grün) folgt, nochmal abzustimmen. Ich bin wieder live dabei und der Liebste inzwischen auch, von Südberlin aus. Im zweiten Anlauf schafft es Merz, was gleichzeitig gut und meh ist. Aber gut, ich habe auch schon acht Jahre Kohl und 16 Jahre Merkel überlebt. Müssen wir eben wieder viel demonstrieren gehen. Apropos gehen, der Fuß geht sich ganz gut ohne Schiene, das probiere ich jetzt erstmals auch draußen aus.

Ich gehe in die Apotheke (nachgeholt von Sonnabend) und dann noch in den Supermarkt. Der Fuß mag keine Stöße, Schrägen und Unebenheiten, aber ansonsten komme ich schon deutlich schneller voran als mit der Schiene und solange ich glatten Untergrund drunter habe auch beschwerdefrei. Ich halte die Strecken erstmal noch kurz, bin aber optimistisch. Muss auch sein, denn in drei Wochen ist re:publica und direkt im Anschluss Immergut!

Wieder zuhause setze ich gekauften Rinderfonds mit Ingwer, Knoblauch, Zimt, Nelken, Peperoncini, Sternanis, Pfeffer, Petersilienstängeln und Liebstöckel an, lasse aufkochen und dann ziehen.

Das ist nicht unscharf, das dampft!

Dann nochmal anderthalb Stunden Webinar, das ich aber teilweise mit in die Küche nehme. Ich schnipple den Crowdfarming-Chinakohl, hole die Würzmittel aus der Brühe, gieße mit Gemüsebrühe auf, koche den Kohl, gebe Gyozas mit Schweinefleisch und Hirtentäschel dazu, würze mit Sojasauce und Fischsauce nach und dann ist es auch schon halb 8 und der Liebste steht vor der Tür.

Wir essen, erzählen, gucken dann ganz traditionell die Tagesschau und den Brennpunkt zum Kanzlerwahlkrimi. Dann ein bisschen Carney im Oval Office (guter Mann aber boah ist Trump unangenehm, also zusätzlich zu gefährlich und böse), ein bisschen Chelsey Handler… Dazu Rotwein. Gegen halb 11 wechseln wir ins Schlafzimmer, damit die Mitbewohnerin in ihrem ans Wohnzimmer grenzende Zimmer vor ihrer Frühschicht genug Schlaf bekommt. Obwohl es immer noch ganz schön kalt ist, bleiben die Balkontüren heute Nacht offen. Wir sind ja einer mehr im Bett und so ein ausgewachsener Mann wärmt mehr als zwei flauschige aber im Vergleich kleine Katzen.

05.05.2025 – Freifuß-Montag #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Seit gestern Abend ist die Schiene ab, denn heute sind die sechs Wochen um und ich erledige ja gerne mal etwas vor der Zeit. Allerdings sorgt die ungewohnte Fußfreiheit gleich mal für unvorhergesehene Bewegungen und insgesamt scheint sich alles wieder etwas auszudehnen, die Folge sind Schmerzen im Fuß, zusammen mit der neuen Kälte da draußen sorgt das für eine unruhige Nacht und irgendwann muss ich tatsächlich aufstehen und die Balkontüren zu machen.

Morgens kommen die dann auch erstmal nur zum Lüften wieder auf. Allerdings ist es mit Sonne gleich angenehmer und ich kann zumindest auf dem Balkon frühstücken. Es gibt Matcha Latte (instant), frisch gepressten Crowdfarming-O-Saft und Brot mit a) Mandelmus und b) Gouda mit Pflaumen-Chutney alla Brüderchen. Sehr lecker! Ich lese das Internet leer, blogge, erreiche einen neuen Französisch-Score und beschäftige mich italienischen Vokabeln zu Nutzpflanzen.

Später geht es dann aber doch wieder rein, die Kälte ist real. Dafür tut der Fuß weniger weh als in der Nacht und ich brauche weder Schiene noch Schmerzmittel. Trotzdem ist Couch und hochlegen erstmal ganz gut zu Französisch, Italienisch usw. Ich gucke die Reden zur Koalitionsvertragsunterzeichnung nach. Später verlege ich mein Liegen in die Badewanne, dort kann ich genauso produktiv sein wie im Bett, auf dem Balkon oder auf dem Sofa: Ich bilde mich mit Podcasts weiter (Sprachlerntricks und Storytelling im Business). Gegen das Nachmittagshüngerchen gibt es wieder abgetrocknet Pasta mit Kichererbsen von gestern. Dann weiter Recherchen und Weiterbildung.

Am frühen Abend bastle ich mir dann ein Süppchen (Japanese Chicken Ramen mit extra Bohnen, Spinat, Koriander, Sriracha und Mirin) und mache schonmal den Wein auf.

Ich habe dann nämlich noch einen Abendtermin über Teams, bei dem viel geredet wird. Dazu gibt es ein Glas apulischen Rotwein, fürs Ambiente.

Wir sind gerade rechtzeitig zur Übertragung vom Zapfenstreich fertig. Sehr wohlwollende Rede von Pistorius, überraschend gute Abschiedsrede von Scholz (wenn es ihm wichtig ist, kann er) mit viel Zuspruch und Mahnung fürs Land und seine Nachfolge. Dann kriegt er mich nochmal ein bisschen, weil er sich „In my Life“ ausgesucht hat, eins meiner Lieblingslieder einer meiner Lieblingsbands. Verliert natürlich total durch die Militiärkapellenbearbeitung und ist auch nicht ganz so witzig wie der Farbfilm damals. „Respect“ gleicht das wieder bisschen aus und der Bach ist ja auch immer nett.

Ich sinniere über die Musizierenden, die „in allererster Linie Soldaten sind, aber gleichzeitig auch professionelle Musiker“ und frage mich, wie es zu dieser Karriere kommt. Ich kenne wenige Soldaten (und auch die waren es nur auf Zeit) und deutlich mehr Musiker*innen und gefühlt passen diese beiden Lebensweisen wenig zusammen. Mir fällt ein Bekannter von früher ein, der Schlagzeuger ist und sich damals während der Wehrpflicht für den Bund statt den Zivildienst entschieden hat, weil er seinen Wehrdienst in einem Musikkorps ableisten konnte, aber das war dann ja nur ein Dreivierteljahr. Eine kurze Recherche zeigt, dass das dauerhaft allerdings ganz gut bezahlt wird. Für Musiker*innen ja auch nicht ganz unwichtig.

Beim ins Bett gehen versuche ich es erst wieder mit offenen Balkontüren, muss aber bald kapitulieren und nachdem ich so froh war, nachts keine Socken mehr tragen zu müssen (wegen der Schiene) kommen jetzt sogar Schafwollsocken drüber. Ist ja auch gemütlich.

04.05.2025 – Fake-Sonntag

Laut Kalender ist Sonntag, aber die Sonne zeigt sich so explizit nicht, dass ich den Balkon nur kurz betrete, um Temperatur und Feuchtigkeit zu überprüfen und dann resigniert die Balkontüren schließe, damit es in der Wohnung nicht zu kalt wird. Die Katzen protestieren nur kurz. Die Eisheiligen sind ja eigentlich noch eine Weile hin, aber der Wetterbericht sagt etwas anderes – vermutlich kann man sich auf so jahrhundertealte Wettertraditionen eh nicht mehr verlassen.

Das Frühstück drinnen ist dann aber sonntäglicher, mit Ei. Und Käsebrot mit Kaviarcreme, Joghurt mit Feigenmarmelade, Apfel, Mispeln und Matcha Latte (aus Fertigpulver, als Übergangslösung OK, bis mir jemand zum Geburtstag the real deal schenkt – ich bitte die mitlesenden Probanden, sich da abzustimmen).

Heute habe ich zwei intellektuell anspruchsvolle Dinge auf meiner inneren To-Do-Liste, die beide an sich auch Spaß machen, aber durch den To-Do-Faktor irgendwie unattraktiv wirken. Ich behelfe mir mit beherzter gegenläufiger Prokrastination und beginne das Ding, das sich gut auf der Couch machen lässt und halte so lange durch, bis der innere Widerstand mich abbrechen lässt. Dann prokrastiniere ich das Ding eben mit dem anderen Ding, für das ich an den Schreibtisch gehen muss. Am Ende habe ich beides mehr oder weniger zufriedenstellend erledigt und freue mich über den erfolgreichen Hirn-Hack.

Als der Magen knurrt ist es zeitlich irgendwo zwischen spätem Mittag- und frühem Abendessen. Ich bastle mir aus dem Rest roter Zwiebel von gestern, einer Dose Kichererbsen, Rosmarin, Fenchelsamen, Zitrone und einem Rest Pasta eine Art Pasta e ceci, aber nicht als Eintopf, sondern als Pastaciutta. Schmeckt gut, macht satt und eine Portion bleibt noch für morgen.

Am Abend weiter Pørni, dazwischen auch mal ganz linear die Tagesschau. Ins Bett geht es spät und weil morgen die sechs Wochen um sind, mache ich zur Feier des Tages vor dem Schlafen die Schiene ab – der Fuß fühlt sich ungewohnt frei, aber es ist alles sehr aufregend und der Schlaf lässt auf sich warten.

03.05.2025 – Erledigrrrl-Tag

Klassische Wochenendaufteilung, zumindest für heute: Samstag/Sonnabend für Erledigungen. Nach dem Herumfahren und dem Nach-Wahl-Herumsumpfen und vor allem der ganzen Fußgeschichte (Woche sechs ist fast rum), fühle ich mich nicht nur in der Lage, sondern auch verpflichtet, den nächsten Wohnungsgroßputz zu übernehmen, idealerweise, bevor die Mitbewohnerin von ihrem Kurztrip zurückkehrt.

Erst einmal aber werde ich Influencerinnen-Opfer, weil sich auf Mastodon über Kardamombulle unterhalten wird und weil ich weiß, dass ich mir die hier in der Großstadt einfach zum Frühstück liefern lassen kann. Zum Glück ist meine Beeinflussbarkeit recht stark auf Kulinarisches fokussiert, nicht auszudenken, was mein Konto sagen würde, wenn das etwa bei teurer Mode so wäre. So aber bestelle ich mir noch im Halbschlaf eine Kardamombulle, eine Kanelbulle und einen Iced Matcha Latte, um Gebühren zu sparen. Dazu gibt es die letzten Crowdfarming-Heidelbeeren. Der Matcha ist übrigens günstiger als der gestern im veganen Donut-Laden, aber auch süßer. Selbst machen ist wohl auf Dauer die beste Lösung, ich setze ein entsprechendes Set auf meine Wunschliste – bald ist ja schon wieder Geburtstag.

Die Mitbewohnerin hat sich für gegen 12 angekündigt, gute WG-Politik wäre also, bis dahin zumindest mit dem Putzen angefangen zu haben, damit sie meinen guten Willen sieht. Nach Bloggen, Französisch, Italienisch usw. ist es dann auch schon halb 12 als ich anfange, mit Kaya Yanar bei Hotel Matze auf den Ohren. Als die Mitbewohnerin nach 1 ankommt, bin ich schon ziemlich weit. Fertig dann erst halb 3, da ist sie aber schon wieder zur Arbeit aufgebrochen. Ich mache mir den Rest Kartoffeln von gestern, eine Crowdfarming-Avocado und ein paar Tomaten zum Mittagessen. Dazu gibt es den ganzen Tag aromatisiertes Wasser, mit Crowdfarming-Zitrone und Melisse, Salbei und Estragon vom Balkon.

Voller Energie gehe ich dann noch mal ins Draußen, bringe eine zweite Ladung Müll weg und fahre zum Alex, um ein paar Dinge im asiatischen Supermarkt zu kaufen. Hui ist der voll an einem Samstagnachmittag. Aber ist halt grad auch alles stark im Trend und dementsprechend sind vor allem lauter junge Leute da, die sich mit Kimchi, Mochis, Ramen und Co. eindecken. Und insgesamt viele Menschen, deren Gene unübersehbar irgendwann aus dem fernen Osten hergekommen sind. Ich bin zum ersten Mal in diesem Supermarkt und entdecke erfreut, dass es hier zum Beispiel auch die Chinese Buns gibt, die ich aus Toronto kenne. Ich besorge Zutaten für eine Suppe nächste Woche und dann hüpft mir noch hie und da etwas Kleinkram in den Korb.

Aus dem Drogeriemarkt gegenüber, der auch überfüllt ist, fliehe ich enttäuscht, als ich feststelle, dass der vor allem Kosmetik und Kulinarisches hat, nicht aber Haushaltswaren. Ist halt ein Laden im Touri-Hotspot. Also schnell zurück in die Tram und auf dem Heimweg noch in den Drogeriemarkt dort gesprungen, wo ich zumindest alles kriege, was ich brauche, wenn auch ohne Sammelpunkte, die ich in Flugmeilen umwandeln kann (irgendwann werde ich mal einen passenden Flug nach Kanada finden, für den sich das Einlösen lohnt). Die Apotheke hat hingegen schon zu und ich bin nicht mehr in der Verfassung für Umwege.

Zuhause dann erstmal eine große Tasse Ostfriesentee mit Mascarpone-Schlagsahne, Füße hoch und Internet nachlesen. Über den Wahlsieg der Sozialdemokraten in Australien hat sich mein Internet schon am Vormittag gefreut, aber ich kann darin schon nochmal ein bisschen baden, bevor ich mir die sehenswerte Doku Inside CDU über den Wahlkampf anschaue und neben vielen Cringe- und Fremdscham-Momenten (freitags 10:30, Söder als Gesamtkonzept, Rambo Zambo) auch wirklich Gruseliges sehe (Linnemann, Amthor). Ein bisschen beruhigend ist, dass die beiden weiblichen Protagonistinnen (dos Santos, Schenderlein) normale, patente Politikerinnen zu sein scheinen, denen es um die Sache geht. Vor allem gut, da Schenderlein ja Staatsministerin werden soll. Die Szenen aus ihrem Wahlkreis sind für Leute, die nicht aus Sachsen kommen, sicherlich erschütternd. Für mich nicht.

Dann ist es Zeit für Abendbrot, es gibt einen Salat aus Crowdfarming-Fenchel und Crowdfarming-Orange mit Sardellen und roter Zwiebel.

Dazu und danach fange ich eine neue Serie an – zu viel Yellowstone auf einmal muss nicht sein. Mir ist endlich aufgefallen, dass „Pörni“ eigentlich Pørni heißt und in Norwegen spielt. Ich hielt es aus Gründen für etwas Schweizerisches. Da wir diesen Sommer gucken wollen, ob wir Norwegen auch mit weniger Regen gut finden, ist das jedenfalls die perfekte Einstimmung. Die sechs Folgen der ersten Staffel gucken sich locker-flockig weg und dann ist auch schon Schlafenszeit.

02.05.2025 – Trendfood-Freitag

Ich beginne den heißen Tag mit einer Beeren-Mate auf dem Balkon und werfe später nur noch ein kleines Müsli ein, denn heute bin ich zum Mittagessen mit den Ellis verabredet. Im Viertel wo die ganzen Promis wohnen sitzen wir draußen bei 27 Grad und das Lokal serviert bis 15 Uhr Frühstück, also esse ich Eggs Benedict und trinke Sanddornschorle, weil es sie gibt.

Auf dem Heimweg besorge ich mir endlich den Matcha, nach dem es mich schon eine Weile gelüstet und kehre dafür in den hippen veganen Donut-Laden ein.

Dann gedenke ich eigentlich, den Rest des Tages auf dem Balkon zu verbringen, aber trotz Mate und Matcha rafft mich Müdigkeit dahin und für ein Nickerchen ist das Sofa bequemer als der Liegestuhl. Nach dem Aufwachen dann den Donut (ganz traditionell aber vegan Boston Cream) und die ersten Mispeln des Jahres.

Draußen wird es jetzt windig-regnerisch, also für die volle Entspannung direkt hinüber aufs große Bett, da kommen die Katzen und ich ins weniger in die Quere. Wir gucken vier Folgen Yellowstone, essen dazwischen den Rest Grüner Sauce mit Kartoffelecken und schauen dann Schitt‘s Creek zu Ende (inkl. Making-Of der letzten Staffel).

Aufgetaut nicht mehr ganz so hübsch, aber lecker: Die Grüne Sauce

Ansonsten fing der Tag mit guten Nachrichten an – Verfassungsschutz/AfD, Joe Chialo – und endete mit weniger guten – US-Reaktionen auf ersteres, Pierre Poilievre versucht, sich zurück ins Parlament zu kaufen und wird damit vermutlich durchkommen. Meh.

01.05.2025 – Erster Mai wie früher

Mein traditioneller erster Mai ist möglicherweise ungewöhnlich, denn er war eigentlich nie von Demonstrationen geprägt, weder vor noch nach der Wende. Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass in meiner Kindheit Erwachsene zur Mai-Demo gefahren sind, während ich mit den anderen Kindern in der Glut des Hexenfeuers Kartoffeln röstete. Der erste Mai war jedenfalls immer sehr ruhig, sehr grün und in meiner Erinnerung hat natürlich auch immer die Sonne geschienen. Heute dann also ruhig, grün, Sonne, aber keine Kartoffeln, die Tradition ist irgendwann ausgelaufen, fürchte ich, dafür gibt es inzwischen neue – Generationswechsel und so.

Als sich alle aus ihren Betten geschält haben, gibt es eine große Frühstücksrunde zu acht mit Müsli, Brötchen, selbst gemachten Marmeladen (eigentlich Konfitüren) und den Resten vom traditionellen Hexenbrennen-Zwiebelkuchen. Dazu Gespräche über das Wetter, die Pflanzen, die Vögel, die Katzen der Umgebung (past and present), Bürokratie, Inklusion…

Dann löst sich die Gesellschaft langsam auf. Vier brechen auf Richtung Heimat, eine geht Tapeten ablösen, einer geht Gartenarbeit nach. Mein Fuß und ich bleiben sitzen, ebenso wie die Musicousine und das lokale Katertier. Es ist viel Chillens und Erzählens und ins Grüne guckend Sinnierens.

Später nutze ich die Gelegenheit einer ebenerdigen Dusche und betreibe ausführliche Körperpflege, bevor ich mich frisch anziehe und meinen Kram zusammenpacke. Dann gibt es noch selbstgemachten Waldmeistersirup zu verkosten (mit etwas grüner Lebensmittelfarbe drin, damit man von weitem erkennt, was in der Flasche ist), bevor ich mich verabschiede, verspreche bald wieder zu kommen, und zurück zu meinen eigenen Katzen fahre.