18.02.2024 – Regeneratives

Kurz nach 3 lag ich im Bett, kurz vor 9 bin ich wieder wach – immerhin nicht noch früher. Mich umfängt eine bleierne Müdigkeit, die Beine schmerzen vom vielen Tanzen, aber ansonsten bin ich zufrieden mit der Welt. Es gibt ein schnelles Frühstückchen für die Katzen, ein erstes Telefonat mit dem Liebsten und dann liege ich einfach wieder. Ich muss heute gar nichts, das habe ich klugerweise von Anfang an so eingeplant, auch wenn ich nicht erwartet hatte, WIE kaputt ich eigentlich bin nach der Feierei. Verkatert bin ich eher nicht, nach einem Grappa am Nachmittag und einem Gin Tonic am Abend und dazwischen viel Essen.

Deshalb kann ich auch irgendwann Frühstück machen und das fällt nicht besonders katerig aus. Es gibt Porridge mit Joghurt und der letzten Maracuja, ein Frühstücksei, zwei Blutorangen, eine Portion Flohsamen in Apfelsaft, einen Chai und für den Rest des Tages eine große Kanne Kräutertee. Damit lese ich gemütlich sonntäglich Zeitung – online natürlich. Ich habe mich von einem Angebot des Tagesspiegels locken lassen – vier Wochen Abo für sehr schmalen Taler und der Chance nebenbei diverse Kino-Tickets zu gewinnen. Der schmale Taler tut nicht weh, aber ich hoffe trotzdem auch auf das Losglück – und darf am Ende nicht vergessen, rechtzeitig wieder zu kündigen. Heute aber lese ich dann erstmal mehr Artikel als sonst normal. Mal gucken, ob das auch an Nicht-Sonntagen so sein wird.

Als ich soweit durch bin, gehe ich zum eigentlichen Plan für den Tag über. Inspiriert von der Rez-Dogs-Folge am Freitag wollte ich mal mein Ethan-Hawke-Wissen aus den letzten Jahren erweitern. Ich war ja früher großer Fan – „Club der toten Dichter“, „Wolfsblut“, „Reality Bites“, „Hamlet“, „Boyhood“ und natürlich die „Before“-Reihe, von denen der mittlere wahrscheinlich immer noch mein Lieblingsfilm ist. Daher wollte ich mal bei den mir zur Verfügung stehenden Streaming-Diensten gucken, was an neueren Sachen zur Verfügung steht. „Leave the World behind“ hatte ich ja neulich schon gesehen, ansonsten gibt es jede Menge Thriller und Horror und alles, was mich vage interessieren würde, würde Geld kosten. So dringend ist es dann auch wieder nicht.

Stattdessen nutze ich die Gelegenheit des freien Tages und gucke das Serien-Remake von „One Day“ von vorne bis hinten durch. Gut gemacht ist das auf jeden Fall. Ich wurde ja damals wie viele von dem Film eiskalt erwischt, las dann das Buch und jetzt halt die Serie. Komischerweise hat die gar nicht so viel mehr Handlung, obwohl sie viel mehr Zeit hat, als der Film. Oder vielleicht bringe ich im Kopf Buch- und Filmhandlung durcheinander, es ist mir jedenfalls nichts komplett neu, aber das muss es ja auch nicht. Gute Unterhaltung jedenfalls.

Zwischendurch habe ich nochmal was zu essen bestellt – keine unnötigen Energieverbräuche heute. Es gibt eine Arepa mit Kochbananen, schwarzen Bohnen und Avocado, Yuca Fries mit Kräuterdip und mit Teig umwickelten frittierten Käse (Tequeños) – sehr lecker, sehr sättigend, mit Resten für morgen und ein kleines Schläfchen induzierend.

Ansonsten passiert den Tag über nicht viel, anders als beim Liebsten, mit dem ich mehrfach telefoniere und der einen anstrengenden Tag hat. Bin ganz froh, dass das bei mir anders aussieht, auch wenn ich wirklich für nichts Energie habe. Nur das Katzenklo, das siebe ich abends noch durch. Und dann schaue ich noch einen britischen Dokumentarfilm über Albert Einstein und sein Verhältnis zur Atombombe, was schön Entspannendes vor dem Einschlafen also – nicht. Deswegen danach noch ein bisschen TikTok und dann kann ich gegen 23 Uhr gut schlafen.

17.02.2024 – Partytime

Erstes Aufwachen kurz nach 5, das war so nicht gedacht und passt auch gar nicht zu den Plänen für den Tag. Also schnell aufs Klo und wieder zum Liebsten ins Bett krabbeln. Der schläft natürlich wie ne Eins. Ich lese Wikipedia-Einträge über Bob Marley, weil der Film ja jetzt draußen ist und ich mein Wissen nochmal auffrischen möchte… und schlafe darüber wieder ein. Erst bis kurz nach 7, dann kurz vor 9. OK, das geht. Ich lese den Rest vom Internet leer, dann steht der Liebste auf und macht Kaffee und das Teilzeitkind legt sich zu uns und beschlagnahmt mein Handy. Zum Glück habe ich ein Zweithandy dabei und kann mich weiter gut beschäftigen. Halb 11 stehen wir auf und gehen dann auf den Markt, bei blauem Himmel, Sonnenschein und Wind. Dann gibt es Frühstück. Wir sprechen über den Bob-Marley-Film, aber der Liebste möchte sich das nicht anschauen, weil ihn als Purist von Bob Marley vor allem die Zeit vor der Rastafari-Phase interessiert und der Rest dann gar nicht mehr. Mal gucken, ob ich ihn mir alleine angucken gehe oder warte, bis man ihn streamen kann.

Hinterher macht jede*r nochmal Seins/Ihrs. Das Teilzeitkind geht mit dem Nachbarskind raus, der Liebste zockt ne Runde und ich verziehe mich aufs Sofa zum Bloggen, Italienisch machen und dann auch spielen. Kurz nach 14 Uhr ist dann Aufbruchstimmung. Bis wir alle drei ausgehfertig sind, ist es Dreiviertel 3. Mit S- und U-Bahn fahren wir zu meinen Eltern zum Geburtstag Nachfeiern (selbe U-Bahn-Station wie das neue Büro, ich weiß noch nicht, wie ich das finde). Kurz nach uns trifft mein Bruder ein und dann gibt es Quarktorte und Nusstorte und hinterher einen Grappa für die Erwachsenen.

Irgendwann fangen die Vorbereitungen für den Abend an. Mein Bruder geht nochmal schnell Bier und Limetten holen, meine Mama und das Teilzeitkind werkeln in der Küche und mein Papa erweitert die Sitzmöglichkeiten. Dann trudeln erst meine Tante und dann weitere Freund*innen meiner Eltern ein und wir bedienen uns am köstlichen Buffet.

Gegen 20 Uhr brechen der Liebste und das Teilzeitkind auf zurück nach Südberlin. Ich bleibe noch und ziehe mich dann eine gute halbe Stunde später um für die zweite Party des Abends – die zur Nachfeier des 40. meiner besten Freundin, für die die Einladung „Komm in Glitzer!“ anordnete. Dann fahre ich mit zwei U-Bahnen hinüber in den Friedrichshain, wo wir im Keller eines Restaurants feiern. Als erstes läuft mir das große Kind der besten Freundin über den Weg, dann ihre Mama und Schwiegermama und dann sie selbst. Ich übergebe mein Geschenk, lege Sachen ab, begrüße ihren Mann, hole mir einen Gin Tonic an der Bar und lasse mir dann von ihrem kleinen Kind zeigen, wie es das Gästebuch ausgefüllt hat und wie ich das auch machen kann. Kurz nach 22 Uhr schnappen sich die Großeltern die beiden Kinder und dann ist die mittlere Generation unter sich. Wir wechseln auf die „Dance“-Playlist, schrauben die Lautstärke bis an den Anschlag der kleinen Bluetooth-Box und dann bin ich fast vier Stunden lang durchgängig auf der Tanzfläche – das Timing sorgt dafür, dass ich damit sowohl das Schrittziel für Samstag als auch das für Sonntag problemlos knacke.

Der Anfang ist noch ein wenig zäh, die verschiedenen Freundesgruppen bleiben noch unter sich und man merkt, dass nicht alle die gleiche musikalische Sozialisation mitgemacht haben. Wie kann man zu Franz Ferdinand oder We Are Scientists nicht tanzen?? Später aber kommt dann doch der generationelle Konsens durch (und der Alkohol?). Am Ende sind wir eine homogene Partymasse die gnadenlos alles wegtanzt und wegsingt, egal ob MGMT, Weezer, Deichkind, Liquido, Tocotronic oder Die Ärzte. Und ja, natürlich gehört nach „Everybody“ von den Backstreet Boys zwingend „Wannabe“ von den Spice Girls und beides wird genauso auswendig mitgegrölt wie „Schrei nach Liebe“ oder „Song 2“.

Gegen 2 werden wir dann aus der Location gekehrt und eigentlich haben wir noch lange nicht genug. Dann aber erinnern wir uns, dass wir 40 und nicht 20 sind und die meisten von uns morgen mit Kindern und übermorgen mit Arbeit zu dealen haben und gehen doch lieber nach Hause als noch weiter zu ziehen. Vorher verabschieden wir uns aber noch lange und ausgiebig und die beste Freundin und ich überlegen, wann wir das letzte Mal so zusammen getanzt haben. Gruseligerweise war das wahrscheinlich an meinem 30. – zu 95% zur gleichen Musik wie heute Abend. Damals war sie mit dem großen Kind schwanger und danach war dann erstmal nix mehr mit Tanzen. Immerhin waren wir auf ein paar Konzerten seitdem. Wir verabreden aber, jetzt wo die Kinder groß (10 und 7) sind und die Pandemie soweit eingedämmt, dass wir das demnächst mal wieder einbauen müssen. Bleiben Sie dran…

Ich laufe dann zur S-Bahn und fahre in den Pberg. Kurz nach 3 bin ich zuhause und stelle fest, dass die Katzen in meiner Abwesenheit gar nicht zwingend in meinem Bett schlafen. Sie kommen mir beide aus dem Wohnzimmer entgegenscharwenzelt. Sie bekommen noch eine Ladung Trockenfutter, damit ich hoffentlich lange ausschlafen kann und dann rollen wir uns zu dritt in meinem Bett zusammen und nach etwa drei Minuten schlafe ich tief und fest.

16.02.2024 – Freitägliches

Ich erwache kurz vor 7 und habe so noch Zeit, bis der Wecker klingelt. Zum Glück, denn ich muss heute ins Büro. An einem Freitag. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt an einem Freitag im Büro war, um dort den ganzen Tag zu arbeiten. Ich tippe auf Februar 2020. Ich esse schnell zuhause ein Müsli und mache mich dann auf den Weg. Heute geht alles schon etwas einfacher mit dem Weg und den Türen. Nur am Drucker scheitere ich noch, aber auch das wird sich finden. Halb 10 richte ich mich an meinem Platz ein, um 10 habe ich das erste Meeting mit Ostfriesland und Nürnberg. Um 11 das zweite mit Büro, Lichtenberg, Biesdorf, Moabit und Dortmund. Halb 12 mit Südengland. Um 12 kommt eine Kollegin vorbei, die heute ihren letzten Tag hat und ihren Laptop abgibt. Wir drehen gemeinsam eine Runde durch das neue Büro, sie verabschiedet sich von den drei anwesenden Kolleg*innen und dann gehen wir zu zweit Mittagessen. Es gibt Poké Bowls im Sonnenschein bei 16 Grad. Am 16. Februar.

Hinterher bringt sie mich noch zurück zum Büro und dann verabschieden wir uns auf absehbare Zeit. Wieder drinnen an meinem Platz sehe ich, dass mein Nachmittagsmeeting mit Chicago verschoben wurde. Also kann ich jetzt ganz gemütlich noch die Dinge abarbeiten, die diese Woche noch erledigt werden sollten. Zwischendurch trinke ich einen Kaffee mit der neuesten Kollegin und gegen 17:30 ist dann Feierabend und ich fahre mit U- und S-Bahn nach Südberlin zum Liebsten. Wir bestellen Essen und dann fährt er los, das Teilzeitkind von einem Kindergeburtstag abholen. Als alle da sind, gibt es Futter – für mich Chicken Fingers, Süßkartoffelpommes und Guacamole. Histamintechnisch alles im grünen Bereich, aber weder das Mittagessen noch das Abendbrot sind besonders schonköstlich und das merke ich dann auch stundenlang.

Nach dem Essen gucken wir noch eine Folge „Liv und Maddie“ mit dem Kindelein, bis es ins Bett geht – puh, das ist eine Herausforderung. Danach wechseln wir zu anspruchsvollerem Fernsehek und schauen die letzten beiden Folgen „Reservation Dogs“, besonders die vorletzte, mit Gastauftritt von Ethan Hawke, ist extrem gut. Die letzte ist dann mehr so Fanservice und nochmal ordentlich Screentime für die native Schauspielerlegenden wie Gary Farmer und Graham Greene und bringt die Serie zu einem würdigen Abschluss. Danach gucken wir noch das neueste Netflix-Special von Taylor Tomlinson, dass wir uns beide extra fürs gemeinsame Ansehen aufgehoben haben. Auch das ist wieder sehr gut. Und schwupps ist es Mitternacht und Zeit zum Schlafengehen.

15.02.2024 – Frühling in Berlin?

Der Wecker weckt, die Katzen kuscheln. Wie schön, dass ich heute einfach im Homeoffice bleiben kann und das erste Meeting erst um 10 ist. Wirklich entspannter Morgen, am Ende sitze ich halb 10 am Schreibtisch und habe sogar schon Italienisch gemacht. Ich mache Kleinkram, bis es Zeit ist für den Call mit Madrid, Salerno, Paris, Dublin und Valencia. Dann wieder Kleinkram, Call mit Prag. Dann ist endlich mal ein wenig Zeit für Großkram und ich mache mit einer Rechercheaufgabe weiter, bis die Mittagspause dran ist.

Hierfür gehe ich nach draußen, Tageslicht einfangen. Besonders viel davon gibt es heute allerdings nicht, es ist grau in grau. Aber etwas ist anders. Nicht nur in meinem BalkonBlumenkasten, auch in der wirklichen Welt sieht es nach Frühling aus – und das Mitte Februar.

Haben wir unbemerkt den Winter hinter uns gelassen? Morgen sollen 16 Grad werden und auch für die nächsten zwei Wochen ist nichts frostähnliches mehr angesagt. Mir ist ja Klinawandel in wärmer (zumindest hier in der Gegend) lieber, als die neue Theorie, nach der es hier bald drastisch kälter wird. Aber weird ist das schon, allerdings, ich kann es kaum erwarten, dass es wieder länger hell ist und ich vielleicht bald wieder das zweite Wohnzimmer „Balkon“ einweihen kann. Ich spaziere jedenfalls die ganze Stunde umher und staune. Um 14 bin ich wieder am Schreibtisch. Aus dem langen angesetzten Meeting wird Ostfriesland und Nürnberg wird ein kurzes Telefonat, den Rest verschieben wir auf morgen.

Und dann sitze ich da plötzlich gegen halb 3 und habe heute keine Meetings und keine Deadlines mehr. Komplett ungewohnt. Ich mache mir Musik an (guter Mix der Woche diesmal, endlich wieder ohne Schlager) und recherchiere ganz entspannt vor mich hin, bis ich gegen 17:30 Feierabend mache, weil die Luft raus ist. Es ist noch nicht komplett dunkel, die Luft ist mild und diverse Vögel zwitschern. Der Mitbewohner und ich feiern das. Ich habe auch noch ein wenig Energie, bringe Müll weg, gieße Pflanzen und durchsiebe das Katzenklo. Der Mitbewohner bricht dann zur Bandprobe auf und ich gehe in die Küche und koche mir Abendbrot. Der Chicorée muss weg und ich denke mir, was mit Radicchio geht, muss auch mit seinen Verwandten gehen, und backe ihn im Ofen – mit einer Möhre, ein paar Rosinen und viel Olivenöl und Kräutern. Dazu gibt es Reis, die beiden letzten vegetarischen Würstchen und einen großen Schluck Zitronensaft.

Damit geht es dann aufs Sofa, die neue Folge der Joey-Kelly-&-Family-Panamericana-Doku gucken, heute geht es durch Peru nach Chile. Leider erzählen sie wenig über die Hintergründe der Unruhen, die ihnen in Peru den Weg versperren. Dafür sehe ich den Verkauf einer Gitarre, die ich oft live auf der Bühne gesehen habe. Aber ich schaffe es auch, zwischendurch im Sitzen (!) einzuschlafen. Aber nur kurz immerhin. Gegen 9 ist die Doku vorbei und ich begebe mich mit Buch und Tee in die Badewanne. Nach einer guten Stunde wechsle ich ins Bett und da lese ich auch nochmal weiter – ein schönes Gefühl, das mal wieder länger am Stück zu schaffen. Kurz vor 23 Uhr ist Licht aus und wieder schlafe ich ein wie ein Stein. Frühjahrsmüdigkeit?

14.02.2024 – Doc Valentine

Ich schlafe bis zum Weckerklingeln und bin dann einigermaßen frisch und erholt. Da heute viel ansteht, muss ich mich ein bisschen beeilen. Kurz vor halb 9 bin ich mit dem Bloggen fertig, telefoniere ganz kurz mit dem Liebsten und stehe dann direkt auf. Sachen packen, Katzen versorgen, schnell eine Stulle frühstücken und dann bin ich kurz vor 9 unterwegs. Ich habe nämlich einen Arzttermin, witzigerweise in dem Haus neben dem alten Büro (also nicht das, wo wir gerade ausgezogen sind, sondern das, aus dem wir vor zwei Jahren ausgezogen sind). Ich fahre also die gleiche Strecke, die ich seit dem Einzug in diese Wohnung vor 10 Jahren bis zur Pandemie täglich zur Arbeit gefahren bin.

Es fühlt sich alles sehr vertraut an, die Tram, die U-Bahn, die Treppen nach oben. Am alten Haus sind gerade Arbeiter zugange und tragen Dinge nach Draußen. Da wird scheinbar gerade grundrenoviert. Ich stelle amüsiert fest, dass der Eingangsbereich immer noch in „unserem“ Grün gestrichen ist. Dann aber gehe ich ins Nachbarhaus und in die Praxis, in der ich heute zum ersten und wahrscheinlich auch letzten Mal bin. Es ist die Art von Arztbesuch. Ich fülle vier Seiten Formulare aus, habe nochmal kurz Zeit aufs Klo zu gehen und dann werde ich nur zehn Minuten nach Termin aufgerufen.

Die Ärztin ist superfreundlich und nimmt mich ernst, wir unterhalten uns auf Augenhöhe. Mit Blutdruckmessen und Besprechen des weiteren Vorgehens bin ich vielleicht sieben Minuten später wieder aus dem Zimmer raus (oder wieviel die Kasse der Ärztin für so etwas eben zugesteht), ohne das Gefühl, es wäre hektisch gewesen oder etwas wäre zu kurz gekommen. Dann geht es weiter zum Labor, Blut abnehmen. Auch das geht schnell und kompetent. Tolle Erfahrung, 10/10, gerne wieder. In einer guten Woche bekomme ich die Ergebnisse und dann geht es damit ggf zurück zu meiner Ärztin.

Ich verlasse die Praxis gutgelaunt und laufe durch stärker werdenden Regen weiter zum neuen Büro, eine U-Bahn-Station weiter. Ich habe die ganze Gegend hier in den Füßen, bin so oft hier langgelaufen. Freue mich, dass ja Mittwoch ist und daher auch der Streetfood-Markt stattfindet, auf dem ich jahrelang zum Mittagessen war. Nachher wieder! Und dann wird es kurz spannend. Am Empfangstresen des neuen Büros nehme ich meine Zugangskarte und einen Transponder entgegen und lasse mir erklären, wie ich in diesem riesigen Gebäudelabyrinth zu unseren Räumen komme. Dann verlaufe ich mich aber doch. Die Empfangsdame läuft mir hinterher und erklärt es mir nochmal, außerdem führt sie vor, wie das mit dem Transponder und den Türen läuft.

Ich finde das Büro danach auf Anhieb, kann aber die Tür nicht öffnen. Ich rufe alle Kollegen an, von denen ich weiß, dass sie drinnen sind, aber niemand geht ran. Also laufe ich schweren Herzens zurück Richtung Empfang, um mir das Ganze nochmal zeigen zu lassen, dann kommt mir aber ein anderer Mieter entgegen und macht mir die Tür auf. Juhu, drinnen! Ich drehe eine kleine Runde, begrüße die anwesenden Kolleg*innen, bestaune das Umzugschaos, das immer noch herrscht und beziehe dann meinen Platz für heute. Dann brauche ich wieder Hilfe dabei, ins WLAN zu kommen, alles etwas tricky heute, aber ich schaffe es rechtzeitig zum ersten Meeting halb 12, mit Paris und Ostfriesland.

Erst danach schaffe ich es, ein paar Sachen abzuarbeiten, die im Laufe des Vormittags angefallen sind und die ich nicht am Handy lösen konnte. Um 13 Uhr kommt mich eine Kollegin zur Mittagspause abholen. Wir gehen auf den Markt und holen uns etwas am Stand – für mich gibt es eine Backkartoffel mit Königsberger Klopsen. Wegen des Regens setzen wir uns damit in die Büroküche.

Auch wenn das ein neues Gebäude ist, sind wir beide ganz nostalgisch, wieder in unserer alten Hood zu sein. Mal sehen, wie lange der Zauber anhält. Nach der Pause packe ich meine Umzugskisten aus und richte mich ein. Zwei Telefonate mit Kollegen, dann um 16 Uhr noch ein Meeting, diesmal mit London. Eigentlich soll ja der Mittwoch meetingfrei sein, aber beide heutigen Meetings wurden von morgen vorgezogen, weil sonst jemand fehlen würde. Nun gut, ausnahmsweise.

Danach weiteres emsiges Abarbeiten. Gegen 17 Uhr leert sich das Büro und weil auch in meinem Team gerade nichts furchtbar Dringendes mehr ansteht, nutze ich die Gelegenheit und schwimme mit dem Strom nach Hause. So sitze ich schon kurz vor 18 Uhr unter zwei Katzen auf dem Sofa, juhu! Ich telefoniere mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind, die gerade beim Pizza backen sind. Dann mache ich mir selbst Abendbrot – Schonkost ist anders, aber histaminmäßig bin ich gut unterwegs. Es gibt Cannelini-Bohnen-Eintopf mit Knoblauch, Rosmarin und Fenchelsamen, und außerdem einen Obstsalat mit Chicorée (Blutorange, Apfel, Trockenfeige, Zimt und Rosenwasser). Alles sehr lecker.

Nebenbei schnacke ich mit dem Mitbewohner, leihe mir von ihm ein Glitzeroutfit für eine Party am Samstag (ein ehemaliges Bühnenoutfit von ihm, das ihm eine Freundin maßgeschneidert hat) und telefoniere nochmal mit dem Liebsten, als das Kindelein im Bett liegt. Inzwischen bin ich selbst ganz müde und gebe alle weiteren Pläne für heute auf. Halb 10 liege ich im Bett. Ich absolviere noch meine Italienisch- und Spielpflichten, dann schaue ich mir die erste neue Daily-Show-Folge mit Jon Stewart an und dann ist deutlich vor 23 Uhr Schlafenszeit.

13.02.2024 – Gar nicht so kleiner Dienstag

Irgendwann wache ich auf, weil Noosa schnarcht oder die Blase drückt, dann gehe ich aufs Klo, dann liege ich wieder, die Gedanken sind schon lange angesprungen – es ist kurz vor halb 6. Ich versuche zu lesen und dabei wieder einzuschlafen, aber nein, ich bleibe wach. Das hat zur Folge, dass ich dann wenigstens alles morgendliche erledigen kann (außer Italienisch und Spielen), ausführlich mit dem Liebsten telefoniere, die Katzen füttere und mir Frühstück mache, und dann trotzdem pünktlich um 9 am Laptop sitze.

Ich mache an der Stelle weiter, an der ich gestern Abend erschöpft aufgehört habe. Damit bin ich gut beschäftigt bis zum ersten Meeting um 11. Als das 12:30 zu Ende ist, beschließe ich, meine Mittagspause vorzuziehen und direkt nach Draußen in die Sonne zu gehen. Das hilft schon mal in punkto Energie und Stress veratmen. Habe dem Mitbewohner auch geraten, mittags rauszugehen, weil er immer so müde und antriebslos ist und wenn halt erst abends im Dunkeln draußen ist. Er meinte, dass er das nicht schafft, weil seine Mittagspause kaum reicht, um zu kochen und zu essen. Und abends vorkochen ginge nicht, weil er immer gleich alles aufessen würde, egal wie viel er kocht. So hat also jeder seine inneren Zwänge und Ausreden.

Ich spaziere bei strahlendem Sonnenschein, gebe Altkleider ab, bringe Pfanddosen zurück und kehre dann in der nächstgelegenen Handwerksbäckerei ein, um Pfannkuchen für mich und den Mitbewohner zu holen, immerhin ist heute Fasching. In der Nähe sind noch zwei weitere Bäckereien, bei denen bestimmt lange Schlangen stehen, weil sie beliebter sind, aber hier bin ich die einzige Kundin und werde mit so einer ausgesuchten Berliner Unfreundlichkeit bedient, dass es eine Freude ist.:

-„Hallo!“

-[Nicken]

-„Ich hätte gerne Pfannkuchen.“

-[Geht rüber zur Pfannkuchenauslage und nimmt sich schobmal Einwickelpapier]

-„Was haben Sie denn für Sorten?“

-„Die sind alle Pflaumenmus.“

-„Okay, dann nehme ich… zwei.“

-[Packt Pfannkuchen ein und legt sie auf die Theke] „Drei Euro“

-„Bitteschön! Tschüß!“

-[Wendet sich wortlos ab]

Ich laufe nach Hause und esse dann am Laptop meinen Pfannkuchen, während ich weiterarbeite, bis es plötzlich schon 14 Uhr ist und der Meetingmarathon am Nachmittag startet.

Erste Runde mit Berlin und Ostfriesland, die Fortsetzung von gestern, diesmal etwas kürzer als angesetzt. Dann kurz durchatmen, dann ist Paris dran. Kurz durchatmen, Madrid. Kurz durchatmen, Paris-Chicago-Südengland, also mein Team minus der Chefin, die ja Urlaub hat. Gegen Ende geht das Gespräch von Arbeitsdingen zu Musik über. 17 Uhr ist das Meeting vorbei, ich habe aber noch ernsthaft zu tun. Ich recherchiere und stelle Informationen in einer Präsentation zusammen. Nebenbei schicken wir uns im Teamchat Hip-Hop-artige Songs aus unseren jeweiligen Ländern. Ich steuere aus Deutschland „Nordisch by Nature“, „8000 Mark“ und „Wildberry Lillet“ bei.

Gegen 18:40 bin ich fertig mit der Präsentation und verabschiede mich auch im Teamchat. Ich füttere die Katzen, mache mir Stullen, ein vegetarisches Würstchen und Knabbergemüse und setze mich aufs Sofa. Erst Telefonat mit dem Liebsten, dann mit meinem ehemaligen Chef aus Toronto (von damals vor nunmehr fast 19 Jahren – oha), dann nochmal mit dem Liebsten. Danach packe ich das Paket von gestern aus. Der Sack Trockenfutter kommt erstmal zur Seite, interessant ist heute das neue Gimmick für die Katzen, dass ich mit Hilfe eines YouTube-Videos aufbaue (die mitgelieferte Anleitung mit schematischen Illustrationen blieb mir unverständlich)

Die Katzen schauen neugierig aber schüchtern auf den neuen Trinkbrunnen. Etwas später dann traut sich Nimbin ran und ist recht begeistert.

Ich verbringe den Rest des Abends auf der Couch. Fürs Lesen reicht die Muße nicht, aber mit Italienisch, TikTok und ein bisschen Spielen habe ich eine gute Zeit bis gegen 11. Dann schnell Katzenklo durchsieben, Zähne putzen und am ins Bett. Das Einschlafen geht heute sehr schnell.

12.12.2024 – Huiiiiiiiii

Meine Yogalehrerin hat mir mal, als sie noch meine Physiotherapeutin war, eine witzige „Übung“ beigebracht. Man soll sich bewusst machen, mit was für einer krassen Geschwindigkeit (global gesehen, pun intended), die Erde durchs Weltall rast. Und dann in diesem Bewusstsein einen Strecksprung machen und „Huiiiiiiii“ rufen. Das macht gute Laune und holt einen ein bisschen raus aus dem Trott und der Strecksprung hat bestimmt auch noch physische Vorteile. Aber dies nur am Rande.

Ich erwache vom Weckerklingeln und fühle mich erst einmal unglaublich müde. Viel Zeit habe ich dadurch nicht, Italienisch und Spielen muss ich auf später verschieben. Halb 10 sitze ich am Schreibtisch, mit Müsli und Flohsamen und Kräutertee. Ich beantworte schnell die dringendsten E-Mails und telefoniere dann mit dem Finanzamt, das eine Woche später noch keine wirklich detaillierteren Informationen für mich hat, außer, das irgendwelche Infos wohl nicht angekommen sind über Elster und wir die nochmal einreichen sollen. Also stelle ich nochmal alles zusammen und schicke es meinem Bruder, damit er es ausdrucken kann und wir das postalisch machen. Zum Glück sind das nur wenige Klicks und ein Anschreiben.

Dann widme ich mich dem Rest der E-Mails und dem Projektmanagement-Tool und einer Übersetzung und telefoniere erst mit Ostfriesland und dann mit Lichtenberg. Das dauert bis zum ersten Meeting halb 12 – mit dem neuen Büro. Das hat diese Woche sein Soft Opening und genau darüber informiere ich im Nachgang die Belegschaft. Dann kommt eine Benachrichtigung von DHL, dass ein Paket mir genau während der üblichen Mittagspausenzeit zugestellt werden soll. Also ziehe ich mich schnell an und gehe vorher nach Draußen. Schneller Einkauf im Supermarkt, mit Selbstzahlkasse statt Schlange, I love it. So brauche ich inklusive Hin- und Rückweg nur eine halbe Stunde. Hunger habe ich noch keinen, also setze ich mich wieder an den Laptop und mache weiter.

Ich lektoriere eine Übersetzung und meete dann spontan die Kollegin in Südengland, um zwei Punkte abzusprechen. Dabei stellen wir fest, dass wir einen Teil der Woche nur zu zweit im Team sein werden und das mal wieder ganz schön sportlich werden wird. Unsere Chefin hat eigentlich ab Morgen Urlaub, da ihr Kind Ferien hat, wird aber wohl oder übel trotzdem teilweise arbeiten müssen, wir wollen ihr aber so viel wie möglich echte Freizeit ermöglichen. Donnerstag beginnt der erste Urlaub des Kollegen in Chicago seit dem Sommer und ab Donnerstag Nachmittag hat die Kollegin in Paris frei, die gerade mitten im Umzug steckt und dann ihre alte Wohnung zur Übergabe fertig machen muss. Gut, dass ich letzte Woche krank war und nicht diese. Aber auch: Ich muss dann jetzt diese Woche gesund sein, auch wenn der Bauch noch rumort.

Während dieses Meetings klingelt es und der DHL-Bote kommt. Weil der Teenie (Oder inzwischen nicht mehr Teenie? Er fährt jedenfalls schon Auto) von oben drüber eilfertig nach unten läuft, um sein Paket zu holen, muss ich wohl oder übel hinterher, sonst dauert das alles ewig und ich habe ja die Kollegin virtuell da sitzen. An der Haustür nehmen wir unsere Pakete entgegen, aber immerhin trägt mir der Teenie dann mein schweres hoch (Trockenfutter und ein neues Katzen-Gimmick, erzähle ich, wenn ich die Muße zum Auspacken und Ausprobieren hatte) und ich ihm sein leichtes. Ich komme trotzdem außer Puste zurück ins Meeting, aber die Kollegin hatte auch jemanden an der Tür und so fügt sich dann alles wieder.

Dann geht es von diesem Meeting direkt ins Nächste – wieder Büro und dazu Ostfriesland. Wir reden konstruktiv, überziehen eine Viertelstunde und beschließen dann eine Vertagung auf ein weiteres Meeting morgen Nachmittag, weil zwei dringend los müssen. Ich nutze dann gegen 15 Uhr die Gelegenheit und mache mir den Rest Kartoffel-Möhren-Dings und zwei vegetarische Würstchen warm. Gegessen wird wieder am Laptop, es gibt genug zu tun. Ich schaue mir die Aufzeichnung eines Talks an, dem ich neulich nur beiläufig folgen konnte, und mache mir Notizen. Dann ist der Kollege in Ostfriesland vom Kita-Abholen zurück und wir sprechen nochmal eine halbe Stunde. Am Rande auch darüber, dass heute Rosenmontag ist und er als Düsseldorfer ja im Karnevalsexil. Letztes Jahr ist er von Potsdam nach Ostfriesland gefahren und wenigstens wird dort in der Kita auch am Rosenmontag gefeiert und nicht wie bei uns im Osten am Dienstag, wo doch da im Rheinland quasi immer schon alles vorbei ist. Da habe ich so noch nie drüber nachgedacht. Ich denke generell wenig über Karneval nach, bin aber damit aufgewachsen, dass Fasching immer am Dienstag ist und fand es dann merkwürdig, dass woanders so ein Brimborium gemacht wird und der Montag so wichtig sein soll. So schwimmen wir halt alle in unseren Blasen.

Von diesem Meeting geht es direkt weiter in eines mit Madrid, Chicago, Bristol und London. Auch hier wird überzogen, aber ich muss leider pünktlich raus in mein Team-Meeting um 17 Uhr. Das ist mal wieder pickepackevoll und wir müssen um 18 Uhr abbrechen, ohne alles durchgesprochen zu haben, weil da schon wieder das nächste Meeting ist, für drei von uns zumindest. Diesmal muss ich nur still zuhören und es ist sehr spannend. Ab 18:30 mache ich dann noch die dringendsten Nacharbeiten aus dem Team-Meeting und dann klappe ich irgendwann völlig fertig den Laptop zu und setze mich kurz zum Veratmen und mit dem Liebsten telefonieren auf die Couch. Ein Montag mit sieben Meetings, davon vier direkt back to back, zwei dienstlichen Telefonaten, einem DHL-Boten und dem Finanzamt.

Unter normalen Umständen würde ich jetzt einfach auf der Couch bleiben und irgendwann ins Bett wechseln, aber heute hat Mama Geburtstag und deswegen verlasse ich stattdessen kurz vor halb 8 die Wohnung und fahre mit Tram und U-Bahn nach Mitte, wo wir uns als vollständige Kernfamilie (passiert selten genug) in einem Restaurant treffen. Einen Tag, nachdem ich einem ähnlichen Plan in Südberlin eine Absage erteilt hatte, weil ich noch nicht fit genug und mein Magen zu empfindlich war. Skurril, aber Familie ist Familie.

Ich brüte dann auch lange über der Karte, bis ich ein für mich gangbares Menü (möglichst schonköstlich, möglichst histaminfrei) zusammengestellt habe. Ganz geht das nicht, mit Spinat zumindest muss ich leben. Die Alternativen wären noch fettiger und damit nicht schonköstlich gewesen – oder halt voller Histamin mit Tomaten, Parmesan usw. Während die Familie sich an apulischem Primitivo erfreut, trinke ich Ginger Ale und Wasser. Das Essen ist dann aber nicht nur schon-, sondern auch sonst köstlich:

Vitello tonnato und ein Malfatto
Wolfsbarschfilet an Zitronen-Kardamom-Sauce und Spinat
Mangoparfait mit Mangosauce und Beeren

Ich esse vorsichtig und kaue gut und hoffe, dass das alles irgendwie verträglich ist. Dabei unterhalten wir uns natürlich wie immer sehr gut und haben eine Menge Spaß und ich schaffe es zwischendurch, die Arbeit zu vergessen und den Fakt, dass es Montag ist und noch die ganze Woche vor mir liegt. Die Eltern erzählen ausführlich von ihrer Reise samt Vortrag in Rostock, von der sie gestern zurückgekommen sind, es gibt viel Neues von den verschiedenen Bekannten und Verwandten. Und am späteren Abend geht es dann nochmal tief in die Familiengeschichte, und die Berührungspunkte mit dem „Widerstand“ gegen das NS-Regime – über den Pfarrer, der seinen Ort zur Kapitulation vor den Sowjets überzeugt hat, die (Groß-)tante, die eine jüdische Familie versteckt hat und in Yad Vashem geehrt wird und meinen Uropa, der die Produktion kriegswichtiger Erzeugnisse sabotierte, ukrainischen Kriegsgefangenen zur Flucht verholfen hat und im Laufe seines Lebens Mitglied verschiedenster linker Gruppierungen war.

Kurz nach 22 Uhr verabschieden wir uns – ich laufe wieder zur Bahn, der Rest geht noch auf einen Absacker zurück zu den Eltern. Während ich auf die U-Bahn warte, google ich nochmal ein paar Bilder, um herauszufinden, ob der Mann am Nebentisch, von dem mein Bruder meinte, er hätte Bernd Lucke sein können, nicht eher Jan Fleischhauer oder doch Heiko Maas war. Vermutlich keiner der Drei, aber er sah allen dreien ähnlich und vielleicht gibt es ja noch einen anderen Promi, der uns einfach nicht eingefallen ist? Sowohl die U-Bahn als auch die Tram fahren nicht mehr so eng getaktet um diese Zeit, so dass ich fast eine Stunde bis nach Hause brauche. Immerhin kann ich so Italienisch nachholen und meinen Streak im Handyspiel sichern. Gegen halb 12 liege ich mit rumorendem Bauch im Bett, bis zum Einschlafen ist es wieder nach Mitternacht.

11.12.2024 – Hardcore-Erholung

Ich erwache gegen 9 nach ziemlich genau acht Stunden tiefen, ununterbrochenen Schlafes. Keine Katzen liegen im Bett. Eine schnarcht darunter und kommt sehr schnell hoch, als sie hört, dass ich wach bin. Der andere hat irgendwo außerhalb des Zimmers genächtigt und rührt sich erst, als ich Stunden später sein Frühstück vorbereite – dann aber unverzüglich. Schnell wird klar, dass ich mich heute weiter auskurieren und nicht nach Südberlin fahren werde, wo ein Ferienausstandsdinner beim Stammitaliener lockt. Verdauungsapparat says no. Das Wetter draußen ist trübe und zwingt auch nicht zum Aufstehen, also entscheide ich mich nochmal für einen kompletten Tag im Bett, in der Hoffnung, dann morgen wirklich wieder halbwegs fit zu sein.

Erst gegen 11 erinnert sich mein Körper, dass Frühstück eine gute Sache ist. Ich stehe also auf und koche mir zwei Eier für im Glas. Dazu gibt es Quarkbrote – eins mit Meerrettich und eins mit Erdbeer-Zimt-Aufstrich -, einen Apfel, Flohsamen und Früchtetee. Die Histamin-App rümpft die Nase über Meerrettich aus dem Glas und Erdbeeren, wird aber erst rot, als ich es wage, Kaviarcreme über die Eier zu geben. Allerdings hat die App nur so Lachsrogen, keinen Heringsrogen mit Dill, also wer weiß, wie ernst das zu nehmen ist. Überhaupt kriege ich schon wieder Pusteln bei dem Gedanken, das mit dem Histamin wirklich durchzuziehen und auf alles zu verzichten, was Spaß macht. Ich denke, das wird ein eher kurzes Experiment.

Der Tee mit Deckel übrigens, weil Nimbin gerne aus herumstehenden Teetassen trinkt

Mit viel Zeit und sonntäglicher Muße schaue ich heute zwei Oscar-nominierte Filme – „Maestro“ und „Nyad“. Beide hatte ich schon vor einer Weile angefangen und dann aufgegeben, weil ich einfach nicht die nötige Ruhe und Konzentrationsfähigkeit hatte. Heute gehen sie beide gut durch und runter. Statt danach noch weitere Oscar-Filme zu gucken (Der Ehrgeiz ist ein bisschen weg, seit ich mir nicht mehr die Oscar-Nacht um die Ohren schlage.), schaue ich mir hinterher noch die Aufzeichnung vom Adulting-Webinar von Mittwoch an, da war ich noch zu krank und wollte mich nicht damit beschäftigen.

Nebenbei spiele ich ziemlich viel, höre dabei auch 1-2 Podcasts. Ich telefoniere bestimmt fünfmal mit dem Liebsten, halte einen längeren Schwatz mit dem Mitbewohner in der Küche, packe Geburtstagsgeschenke ein und abends lege ich mich dann nochmal gemütlich in die Badewanne und widme mich der ausführlichen Körperpflege. Gegen halb 11 bin ich zurück im Bett. Rund wäre gewesen, dann noch zu lesen, aber irgendwie ist mir mehr nach TikTok und ich versinke bis gegen Mitternacht in einer Flut von Videos. Das Gute daran: Die machen Hunger. Zum frühen Abendbrot hatte es nochmal Kartoffeln und Möhren gegeben, aber so langsam möchte mein Körper scheinbar wieder richtig mitspielen im Essensgame. Das probieren wir dann wohl morgen aus, mal gucken, ob er das verträgt…

(Übrigens: Aus Spaß auch mal auf die Wage gestellt, abends und also völlig außer Wertung. Die knappe Woche Kranksein hat mich zwei Kilo abnehmen lassen. Mal schauen, ob das nachhaltig ist.)

10.02.2024 – Halb und halb

Gut durchgeschlafen heute Nacht, ich habe zwar bemerkt, als der Mitbewohner irgendwann nach Hause kam, bin aber nicht genug wach geworden, um auf die Uhr zu sehen, sondern direkt wieder eingeschlafen. Es war auf jeden Fall noch dunkel, denn als ich aufwache ist im Wohnzimmer das Licht an. Gemütlicher Morgen im Bett, mit einem Rest Grüntee und dann Früchtetee und mit dem Rest Chia-Wild-Berry-Porridge. Ich lese ausgiebig im Internet, mache Italienisch, telefoniere mit dem Liebsten, spiele, höre einen Podcast… Ich bin eine gute Kranke.

Irgendwann will ich aber heute auch nochmal vor die Tür und es gibt auch ein paar dringende Gründe dafür (einen wirklich dringenden, das Klopapier ist alle und es gibt hier ja immer noch kein Bidet in meiner Berliner Wohnung…). Also stehe ich dann gegen 14 Uhr auf und erwische damit genau das Zeitfenster, in dem es draußen Sonnenschein gibt (unglaublich warm ist es auch – zweistellige Temperaturen Anfang Februar). Ich werfe mich schnell in Jogginghose und Hoodie und trage nur „Übergangsjacke“ darüber – fast sowas wie eine Strickjacke eigentlich, von der Funktion her, ist aber aus Fleece und mehr Poncho als Jacke, aber mit Ärmeln und Kapuze – es ist kompliziert.

Damit spaziere ich zu dem etwas weiter entfernten Drogeriemarkt, weil der Selbstbedienungskassen und damit das geschmeidigste Einkaufserlebnis hat. Ich bekomme alles auf meiner Liste, inkl. Sachen, die man früher nicht im Drogeriemarkt gekauft hätte (Cannelini-Bohnen und Kokosmilch), laufe an der langen Kassenschlange vorbei (der halbe Prenzlauer Berg ist heute Nachmittag hier, inkl. der Kinder) und versorge mich selbst – inkl. Einlösen zweier Geschenkgutscheine und Sammeln von Punkten, die sich in Flugmeilen umwandeln werden.

Dann spaziere ich zurück und halte nochmal so viel wie möglich mein Gesicht in die Sonne. Wieder zuhause verräume ich die Einkäufe und mache mir dann den Rest Congee von gestern als Mittagessen warm. Dann habe ich noch ein wenig Energie übrig und wusele durch die Wohnung – Abwaschen, Bett neu beziehen, Waschmaschine anstellen, Wäsche zusammenlegen… Und dann gehe ich auch noch das Horrorfach aus dem Kleiderschrank an. Dafür hatte ich mir Unterteilungen bestellt und jetzt wird (aus-)sortiert und neu arrangiert.

Bei der Gelegenheit wird dann auch noch eine Plastikwanne frei, in der ich bisher meine Socken gelagert hatte. Die bekommt jetzt eine neue Funktion als Medikamentenkiste – die alte Schachtel fällt auseinander. Also auch nochmal die Medikamente durchsortiert und umgebettet. Ich habe jetzt also einen Beutel zum Wegbringen mit abgelaufenen Medikamenten und einen weiteren für die Altkleidersammlung. Die Gründe zum Rausgehen hören nie auf, eine Tüte Papiermüll ist auch schon wieder voll und wenn die Pfanddosen von gestern aus der Spülmaschine kommen, müssen die ja auch wieder abgegeben werden. Ein ewiger Kreislauf – aber nicht mehr für heute.

Über all diesen Verrichtungen ist dann irgendwann mein Hörbuch alle, Terry Pratchett: „Hogfather“ – geschafft. Allerdings habe ich nicht immer konzentriert zugehört und so nehme ich mir für den Abend noch die Verfilmung vor. Erstmal aber nochmal schön ausruhen und dann koche ich mir schonköstliches Abendessen – Pellkartoffeln, Möhren, mit etwas Butter und Salz leicht gestampft, dazu Petersilie. Davon gibt es eine kleine Portion zum Abendbrot – plus noch 2-3 Fenchelsamen-Taralli. Ab heute dokumentiere ich auch wieder alles in der Histamin-App, in der Hoffnung, dass sich alles wieder normalisiert (außerdem gibt es Flohsamen, Kräutertropfen und für den Notfall Tabletten).

Dann also die zweiteilige Hogfather-Verfilmung, leider nur auf Deutsch verfügbar, was mich einigermaßen aus der Bahn wirft. Statt Hogswatch spricht man von Silvester, der Hogfather heißt der Schneevater, Teatime heißt Kaffeetrinken… Das ist alles etwas unbefriedigend. Dafür wird Susan von Michelle Dockery gespielt, was natürlich wieder schön an den Downton-Abbey-Film von neulich anknüpft. Nach dem Film versinke ich dann noch in Spielereien, bis es irgendwann halb 1 ist und ich mich bettfertig mache. Dann fange ich noch ein neues Buch an – zu den beiden anstrengenden, die ich gerade in der Mache habe, brauche ich mal was leichtes – nämlich „Mindset“ von Sebastian Hotz (El Hotzo). Ich schaffe 17 Seiten…

09.02.2024 – Jetzt aber

Irgendetwas, vermutlich Noosa, weckt mich um 5 und nach einem Gang auf die Toilette habe ich Zweifel, ob ich wieder einschlafen werde. Es dauert eine ganze Weile, aber dann presse ich doch noch etwas Schlaf aus dieser Nacht und bin dann erst kurz nach 7 richtig wach. Heute wird wirklich wieder gearbeitet, direkt vom Bett aus. Da zwischen 9 und 11 jemand im Auftrag der Hausverwaltung vorbeikommen soll, drehe ich vorher noch eine kurze Runde und räume das Gröbste auf. Frühstückshunger habe ich keinen, es gibt einen Rest Früchtetee von gestern und frischen grünen Tee und dann lege ich kurz vor 9 mit der Arbeit los.

In den drei Tagen Krankheit haben sich etwas über 100 E-Mails angesammelt, die durchgesehen werden wollen, dazu ein paar Chat-Nachrichten und diverse Benachrichtigungen aus dem Projektmanagement-Tool. Damit bin ich die ersten zwei Stunden gut beschäftigt. Danach habe ich zumindest wieder einen Überblick und kann um 11 ins erste Meeting gehen – mit Kreuzberg, Moabit und Lichtenberg. (Kurz vor 11 kam die Dame von der Hausverwaltung und nahm Daten über die Ausstattung der Wohnung auf. Die Eigentümerfirma ist vor ein paar Jahren von einer größeren geschluckt worden und scheinbar wollte diese jetzt mal Inventur machen.) Danach finalisiere ich eine Mail an die deutsche Belegschaft und schicke sie raus, dann geht es um 12 weiter mit Paris, um 12:30 mit Ostfriesland.

Kurz nach 13 Uhr mache ich Mittagspause. Die besteht hauptsächlich aus Nichtarbeitskram lesen, Brudertelefonat, Liebstentelefonat und ganz am Ende dann doch noch aus Essen machen. Mal sehen, was mein Magen zu Brot, der letzten Crowdfarming-Avocado und Ziegengouda sagt. Kurz nach 14 Uhr mache ich dann weiter mit der Umsetzung der am Vormittag sortierten Dinge. Es werden Sachen übersetzt, andere lektoriert, andere gelesen, Projektstadien aktualisiert, Broken Links gefixt… um 15:30 dann Meeting mit Madrid und ab 16:00 dann mit Madrid, Chicago und Nordengland. Kurz nach 16:30 sind wir fertig. Ich mache noch etwas Nachbereitung und schreibe meinen (diesmal sehr kurzen) Wochenbericht fertig und dann mache ich um 17 Uhr Feierabend. Wochenende.

Allerdings noch nicht so ganz, denn ich habe wie immer den Teamchat noch bis 18 Uhr im Auge und bekomme dabei mit, dass auf LinkedIn gerade eine große Trollaktion abgeht. Das muss ich mir genauer ansehen. Ich schaue mir die Kommentarhistorie der betreffenden Person an und sehe, dass sie gezielt Personen rund um unser Unternehmen beschimpft und beleidigt – unter aktuellen Beiträgen genauso wie unter uralten. (Und das ist kein ehemaliger Kollege, der Frust wegen irgendetwas ablassen muss, sondern einfach ein random Dude, der mit der Welt und unserer Dienstleistung unzufrieden ist.) Ich melde 25 Kommentare als Belästigung (und einige nicht, in denen nur Unmut geäußert wird) und kann später nachverfolgen, dass von den 25 zwei gelöscht wurden. Die anderen entsprechen angeblich den Community-Regeln von LinkedIn. Allerdings ist irgendwann das komplette Profil des Typen weg – vielleicht hat man also doch durchgegriffen.

Zurück zu meinem Feierabend. Ich hadere damit, dass ich nicht einfach essen kann, worauf ich Lust habe und dass ich andererseits weder die Muße noch die Zutaten habe, um das zu kochen, was ich wohl essen sollte. Dann komme ich auf die Idee, die Vorteile von Internet und Großstadt zu nutzen und mir einfach Schonkost zu bestellen. Ein vietnamesisches Restaurant findet sich, das Congee mit Huhn liefert – also quasi Reisschleimsuppe mit Huhn, nicht scharf gewürzt, sondern nur mit etwas Zitronengras und Koriander. Bingo. Und halt dann noch schwarzen Klebreis mit Mango und Kokos, ein bisschen Spaß soll es ja auch machen. Ich esse die Hälfte der Suppe (den Rest gibt es morgen) und das Dessert und schaue eine BBC4-Doku über britischen Reggae, die mir der Liebste empfohlen hat.

Danach ist es wieder Zeit für RomCom. Diesmal gibt es „The Incredible Jessica James“ – erfrischend anders im Sinne davon, dass das Happy End nicht zwischen einem Paar stattfindet, sondern im beruflichen Erfolg der Frau – ob es ein romantisches Happy End gibt, bleibt etwas ungewiss. Außerdem sehr schöne Dialoge und Chris O‘Dowd ist sowieso oft ein Zeichen für gute Filme. Achja und ein interracial couple im Fokus einer RomCom, ohne, dass das thematisiert wird, ist natürlich auch erfrischend anders.

Nach dem Film hole ich ganz viele Italienischübungen dieser Woche nach und dann ist es auch schon fast Mitternacht. So ein Tag im Bett ist ja viel kürzer, wenn man dabei arbeitet.