20.01.2024 – So viel Licht

Irgendwann im Laufe des Nachmittags fällt mir auf, dass es ja immer noch hell ist, obwohl ich heute schon so viel erlebt habe – und das im Januar. Ganz erstaunlich, wie viel mehr in einen Tag passt, wenn man nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt. Auch generell ist diesen Winter gefühlt viel mehr Sonne in Berlin als sonst, ich möchte das lobend erwähnen.

Nun aber zum Beginn des Tages – angesichts des späten Zu-Bett-Gehens hatte ich mir vorsorglich einen Wecker auf 9:00 gestellt, um vor meinem Termin alles zu schaffen, tatsächlich wache ich aber schon kurz nach halb 8 auf – zu früh für mein Schlafbedürfnis, aber im Nachhinein gerade noch rechtzeitig. Ich drehe meine morgendliche Runde durchs Internet und blogge in Ruhe und stehe dann gegen halb 10 auf. Das Anziehen geht schnell, den Bikini ziehe ich gleich drunter. Dann noch den Abwasch von gestern erledigen, die Katzen füttern, das Katzenklo durchsieben, die Sporttasche packen, den Wochenend- und Arbeitsrucksack packen. Dann mache ich mir Frühstück – zwei überreife Bananen gehören verbraucht, bevor ich weg bin. Es gibt also Banana Pancakes, die sich im Verlauf wohlwollend gesprochen als Banana Kaiserschmarrn herausstellen, mit Zimt und frischer Maracuja. Auf ein Foto habe ich aus Pietätsgründen verzichtet. Sanddornsaft gibt es auch noch.

Dann ist es plötzlich schon furchtbar spät. Ich ziehe mich schnell an und renne schwer beladen los. Altes Katzenstreu in die Mülltonne, mich und mein Gepäck in die S-Bahn, auf nach Südberlin. Ich liege gerade noch gut in der Zeit, dann hält nach dem Umsteigen die U-Bahn an jeder Station länger als normal und als ich aussteige ist es literally fünf vor zwölf. Rolltreppe hoch, Fahrstuhl hoch, Treppe runter, schnell Klamotten ausziehen, Tasche und Rucksack im Spind verstauen, wieder Treppe hoch und Leiter runter in den Pool. Der AquaFitness-Kurs hat schon angefangen, das Becken ist supervoll und ich muss mir ein bisschen Platz erkämpfen.

Dann kann es aber losgehen. Leider ist heute nicht der fluffige Trainer vom letzten Mal dran, sondern die osteuropäische vermutliche ehemalige Leistungssportlerin, die ich vor Monaten schonmal erwischt hatte. Es geht also ordentlich zur Sache und wir überziehen sogar ein bisschen, so dass ich doch auf die vollen 45 Minuten komme. Einmal komplett durchgewrungen schleppe ich mich hinterher in die finnische Sauna, die erfreulich leer ist. Von da geht es dann in den Ruheraum, in dem ich feststellen muss, dass mein Kindle leer ist und erst aufgeladen werden muss. Stattdessen blättere ich durch eins der herumliegenden Frauenmagazine, immerhin ein recht feministisches.

Gegen halb 2 fühle ich mich ausreichend regeneriert, um mich wieder umziehen zu gehen. Dann laufe ich zum Liebsten nach Hause und telefoniere unterwegs mit meinen Eltern, die die erste Nacht zurück in Berlin gut überstanden haben. Als ich dabei quer über den Markt laufe, hoffe ich, dass mir heute morgen Quarkbällchen mitgebracht wurden. Beim Liebsten zuhause erwarten mich laute Musik und ein durch die Küche tanzender Liebste, der mit Akribie die ganze Wohnung grundreinigt. Die Mitbewohnerin hat ihren Teil schon fertig, das Kind ist „shoppen“ gegangen.

Ich setze mich mit einem Quarkbällchen (juhu!) aufs Sofa und verschnaufe erstmal kurz. Dann ist es Zeit, das Kindelein zu einem Playdate zu bringen. Wir treffen uns zu dritt an der Bushaltestelle und fahren ein paar Stationen gemeinsam. Dann zeigen wir den Weg, müssen aber an der letzten Straßenecke stehenbleiben, es soll so aussehen, als wäre es ganz alleine gekommen. Nun gut. Als wir sehen, dass die Tür geöffnet wird und das Kind drinnen ist, drehen wir auf dem Absatz um und spazieren nach Hause – über den Kanal und durch den Park.

Dazwischen gibt es Abstecher in zwei Supermärkte und einen Drogeriemarkt und dann sind wir auch schon wieder zuhause. Der Liebste setzt die Gemüsebrühe fürs Abendbrot an, ich lege mich in die Badewanne und wasche mir das Chlor aus den Haaren, während der Liebste weiter putzt und räumt. Dann lege ich mich zum späten Mittagsschlaf hin, während der Liebste eine Runde zockt. Nach einer Stunde etwa ist er wieder da und die Musik auch. Er kocht die vegane Bolognese und ich mache meine Italienisch-Übungen. Gegen halb 8 sitzen wir drei Erwachsenen beim Abendbrot, kurz danach wird das Kind heimgebracht, mit bunter Strähne im Haar und spannenden Geschichten vom Shoppen, Spielen und gemeinsamen Kochen. Es hat Brokkoli gegessen und das hat geschmeckt. Mein Weltbild wackelt. Als es fertig erzählt hat, schauen wir zu dritt eine Folge „Duck Tales“ Dann geht der Liebste nochmal zocken, das Teilzeitkind und ich öffnen eine Tüte Chips und erzählen noch ein bisschen. Denn noch kurz, denn dann muss es dringend in sein Zimmer.

Nun gut, ich beschäftige mich weiter mit den Chips und TikTok und den vielen Demobilderb aus dem ganzen Land (hachz!), bis der Liebste zurückkommt und die Schlafenszeit des Kindes einläutet. Wir beide schauen dann noch die ersten drei Folgen der dritten Staffel „Reservation Dogs“ und dann ist gegen Mitternacht auch bei uns game over.

19.01.2024 – So viel Reden

Nachdem ich gestern kurz vor dem Weckerklingeln wach geworden war und die drei Tage davor immer deutlich vorher aufgewacht bin, weckt mich heute zum ersten und letzten Mal diese Woche der Wecker um 7 – denn zwischen 8 und 12 hat sich ein Handwerker angesagt, um sich das Schimmelproblem anzusehen und bis dahin müssen der Mitbewohner und ich beide empfangsbereit sein. Thomas Mann wäre stolz auf diesen Schachtelsatz. Um 7:18 schaffe ich es dann aus dem Bett und ins Bad, um 8 sind wir beide angezogen, der Mitbewohner hat schon gefrühstückt und ich sitze mit Tee und Katzen auf der Couch. Es klingelt nicht. Kurz vor 9 bekomme ich Frühstückshunger und setze mich dann mit Toast (Mandel-Tonka-Creme bzw. Erdbeer-Zimt-Aufstrich) an den Schreibtisch.

Bis 10 gehe ich durch E-Mails und Benachrichtigungen und schreibe dann eine E-Mail mit Umzugsinfos an den Standort, bzw. sehr viele Homeoffices in Berlin. Dann habe ich ein Meeting mit Ostfriesland, plus Nachbereitung. Ich traue mich nicht so richtig an große Aufgaben heran, weil ja jederzeit der Handwerker kommen kann.

Kurz nach 11 werde ich dann ungeduldig und unsicher, ob ich mich im Tag vertan habe, aber genau da klingelt er. Wir machen eine gemeinsame Tour durch die Wohnung und er fotografiert Schimmelstellen und feuchte Stellen, die bald zu Schimmelstellen werden können. Dann gibt er mir viele Tipps zu richtigem Heizen und Lüften, erklärt, wie er es zuhause macht, sagt aber auch, dass jede Wohnung anders ist und bei den derzeitigen Temperaturschwankungen Schimmel sowieso vorprogrammiert ist – erst Recht, wenn man wie wir in einem Haus mit Holzfenstern und eher wenig massiven Außenwänden lebt, zudem viel im Homeoffice sind und vor uns hin atmen. Dann erstellt er einen Schlachtplan – demnächst haben wir zwei Tage am Stück die Maler im Haus und dann werden alle Außenwände gemacht, d. h. Schimmel entfernt, Rauhfaser runter, Anti-Schimmelfarbe rauf. Mein schönes Arbeitszimmer mit orangenem Farbakzent an der Außenwand ist dann rein weiß, aber da kann man wohl nix machen. Er empfiehlt allen Mieter*innen in unserer Wohnanlage, uns keine Mühe mit den Außenwänden zu machen, irgendwann sind die alle fällig.

Als sein Bericht fertig ist, entfernt er noch den gröbsten Schimmel aus meinem Schlafzimmer und verabschiedet sich dann kurz nach 12 zu seinem letzten Termin der Woche. Ein Tipp noch für alle Berliner*innen: Wenn es nächste Woche massiv taut, hört bloß nicht auf zu heizen, er sieht eine Armee von Schimmelsporen auf uns alle zukommen! Ich setze mich wieder an den Schreibtisch und habe halb 1 ein Meeting mit der Kollegin in Nordengland. Wir überziehen ein bisschen und ich erledige schnell noch Action Items daraus, dann mache ich mir fix die Pellkartoffeln von gestern warm – dazu Leinölquark – und esse sie auf dem Sofa.

Draußen lacht die Sonne, aber erstens habe ich 14 Uhr schon das nächste Meeting und zweitens kommt demnächst eine Lieferung an, ich muss also drinnen bleiben. Dann also Meeting mit London, Paris und Valencia mit spannenden Informationen – das könnte interessant werden demnächst. Mittendrin klingelt es und ich nehme eine Kiste Crowdfarming-Acocados an, die ich mir mit meinem Bruder teilen werde. Und eine Kiste Crowdfarming-Zitronen von einem anderen Anbieter für die Nachbar*innen über uns. Nach dem Meeting öffne ich das Paket und stelle fest, dass diesmal noch keine dabei sind, die schon oder bald essreif wären. Muss also das Abendbrot umdisponieren. Außerdem mache ich Post auf und muss feststellen, dass ich demnächst eine Kopie meines Personalausweises beglaubigen lassen muss, weil die Versicherung, bei der ich einen Vertrag kündigen will, scheinbar noch nie von POSTIDENT gehört hat. Heidewitzka.

Jetzt versuche ich, mich an die größeren Aufgaben zu machen, die noch anstehen, aber mir schwirrt und weht der Kopf. Also wieder nur Kleinkram und dann doch nochmal raus in die Sonne. Ich spaziere durch den Schnee zum Baumarkt, auf den Ohren den Anfang eines Terry-Pratchett-Buchs für unseren Arbeitsbuchclub. Im Baumarkt kaufe ich Hygrometer – gleich sechs Stück, weil es sie in Dreierpacks gibt, und noch ein neues, chlorfreies Anti-Schimmelspray, was sich für größere Flächen und Tapete besser macht. Auf dem Heimweg Avocado-Telefonat mit meinem Bruder – und nebenbei die Info, dass meine Eltern es nach nun insgesamt drei verspäteten Flügen, einem verpassten Anschlussflug und zwischenzeitlich verschollenem Gepäck endlich in ihre Berliner Wohnung geschafft haben. Wieder zuhause packe ich die Hälfte der Avocados in den Kühlschrank, die andere darf schon weiterreifen.

Zurück am Schreibtisch beschließe ich, kreative Aufgaben auf nächste Woche zu verschieben und heute nur noch administratives zu erledigen. Ich schiebe Aufgaben hin und her, erstelle ein neues Formular für eine Regel im Projektmanagementtool, aktualisiere den Link im Intranet und verteile ihn an das globale Senior Management, verschicke einen Reminder an das „internationale“ Team (bei uns alle außerhalb der USA“, schreibe meinen Wochenbericht, beantworte E-Mails vom Nachmittag… Gegen 17:30 gebe ich einem IT-Kollegen in Dublin Remote-Zugriff auf meinen Laptop damit er mir ein Softwarepaket installieren kann. Er kommt weder mit den Einstellungen zurecht, die ein Kollege in Bangalore neulich dort vorgenommen hat, noch mit der deutschsprachigen Benutzerumgebung. Ich beobachte wir im Laufe der Installation Meldungen auf Französisch, Italienisch und Niederländisch auftauchen und versuche nebenbei herauszufinden, woher der Kollege ursprünglich kommt. Der Vorname lässt auf Nigeria schließen – möglicherweise hat Französisch also ein bisschen geholfen, aber Englisch wäre vermutlich noch einfacher gewesen. Das Ganze zieht sich jedenfalls bis etwa 18:20 hin.

Zu dem Zeitpunkt sitzt schon seit zwanzig Minuten der ehemalige Mitbewohner in der Küche und unterhält sich mit dem aktuellen Mitbewohner über ihre jeweilige Arbeitssituation und die individuellen Besonderheiten der beiden Katzen. Dann bricht der Mitbewohner auf zu einer Verabredung und ich gebe dem ehemaligen Mitbewohnet seine Post und wir unterhalten uns über dies und das. Nebenbei packe ich die Hygrometer aus und stelle fest, dass keine Batterien dabei sind. Also begleite ich den Ex-Mitbewohner noch bei seinem Aufbruch – er lässt sich von mir dabei die aktuellen Anti-Nazi-Demonstrationen erklären („So what is the problem, why do people vote for AfD”?) und berichtet, wie schwer es geworden ist, als Nichtdeutscher Jobs in deutschen Unternehmen zu finden – in seiner Community ist man überzeugt, dass es eine Policy gibt, nur noch deutschsprachige Leute einzustellen…) – und gehe noch schnell in den Drogeriemarkt, Batterien kaufen. Die lege ich dann zuhause direkt ein und dann habe ich da sechs Hygrometer, die jeweils unterschiedliche Werte anzeigen.

Ich lasse sie sich einigermaßen akklimatisieren, während ich das Abendessen koche und verteile sie dann auf die Räume – mein Schlafzimmer, mein Arbeitszimmer, die Küche, das Wohnzimmer. Eins stelle ich dem Mitbewohner bereit für sein Zimmer, eins kommt auf den Balkon. Denn der Handwerker sagt, wenn es draußen feuchter ist als drinnen, soll man besser nicht lüften oder nur kurz für den Sauerstoffaustausch.

Ich koche aus dem Rest Sockeye-Lachs von gestern mit Olivenöl, Knoblauch, Kapern, Tomatenmark, Zitronensaft, Kaviarcreme und Dill eine Pastasauce, dazu gibt es Orecchiette und Feierabendlimo. Nach dem Essen – es ist kurz nach 20 Uhr, beginnt das geplante Telefonat mit der Freundin und Kollegin in Frankreich. Wir reden erst noch über Arbeit, dann über diverse andere Dinge, wir schmieden Pläne für ein nächstes Treffen – wahrscheinlich kommt sie einfach auch nach Valencia arbeiten, wenn ich dort bin – und reden über die Vergangenheit, die Zukunft und alles dazwischen. Im Laufe des Telefonats lade ich mir aus Gründen eine App herunter, mit der man das ursprüngliche Snake-Spiel von 1997 spielen kann und dann sieht mein Telefon für den Rest des Gesprächs so aus:

Ja, das ist ein Screenshot

Kurz nach 1 legen wir nach fünf Stunden auf und haben einen neuen Rekord aufgestellt. Ich gratuliere noch kurz einer Freundin seit Schulzeiten zur Geburt ihres Kindes und mache mich dann schnell bettfertig.

18.01.2024 – Ommmmmm

Es ist ganz erstaunlich, wie sehr das Homeoffice zu meiner Entspannung beiträgt. Beim morgendlichen Telefonat mit dem Liebsten stellen wir zwar gemeinsam fest, dass ich noch nicht so entspannt bin, wie ich denke, aber im Laufe des Tages fällt der Stresspegel deutlich spürbar ab.

Kurz vor 10 sitze ich mit Porridge, Apfelmus und Chai am Schreibtisch, rechtzeitig für das anstehende Meeting mit Paris, Brüssel, Madrid, Valencia und Dublin. Danach habe ich Muße, mich um eine kreative Aufgabe zu kümmern und erlaube mir danach, nicht gleich mit diversen anderen Dingen weiter zu machen, sondern mal ein bisschen im Internet herumzuhacken, bis es Zeit für das Meeting mit meiner Chefin ist. Dieses ist sehr produktiv, ich bekomme großes Lob für die kreative Aufgabe und eine weitere und gemeinsam kommen wir noch bei ein paar anderen Dingen weiter. Außerdem schließen wir ein paar organisatorische Dinge ab, so dass meinem Spanientrip jetzt nichts mehr im Weg steht und ich außerdem die Hin- und Rückfahrt zur goldenen Hochzeit der Liebsteneltern buchen kann.

Mittags will ich erst die Suppe von Montag aufessen, entscheide mich dann aber nach vorsichtigem Kosten für Entsorgung. War zum Glück nur noch eine Portion. Stattdessen gibt es dann die Burrito Bowl, die ich gestern zusätzlich zu den Tortillas bestellt hatte, um auf den Mindestbestellwert zu kommen. Sehr lecker. Danach geht es nochmal raus zu Sonne, Schnee und blauem Himmel und kurz in den Supermarkt, Vorräte auffüllen.

Um 14 Uhr dann das nächste Meeting, wieder mit meiner Chefin und dazu noch London. Danach Dinge abarbeiten und in dem Zusammenhang gleich noch einen spontanen Videocall mit der Kollegin in Madrid einlegen, bei der ich übernachten werde. Wir reden aber (fast nur) über Arbeitsdinge. Manchmal braucht es etwas Sozialhygiene. Danach jage ich noch ein paar offenen Themen hinterher und komme dabei jeweils einen Schritt weiter – so langsam antworten die Menschen wieder auf E-Mails, so nach dem Jahreswechsel. Um 17:30 dann noch ein letztes Meeting, mit meiner Chefin, der Kollegin in Madrid und einer Kollegin in Chicago. Auch das ist produktiv und um Punkt 18 Uhr zu Ende. Im Anschluss erledige ich noch ein paar Action Items und dann ist Feierabend.

Zur Feier des Abends mache ich mir erstmal einen Aperol Soda mit Orangenscheiben und hänge ein bisschen auf dem Sofa ab, bis ich Hunger bekomme. Dann koche ich Pellkartoffeln und mache mir dazu aus geräuchertem Sockeye-Wildlachs, Blutorange, Olivenöl, Senf, Honig und Dill einen fruchtigen Lachssalat. Eine sizilianisch-skandinavische Fusion, inspiriert tatsächlich von meiner ehemaligen norwegischen Mitbewohnerin – die muss ich noch anschreiben, ob wir sie im Sommer besuchen können, wenn wir in Norwegen sind.

Beim Essen telefoniere ich mit dem Liebsten und danach schaue ich die nächste Folge der Joey-Kelly-und-Family-Panamericana-Doku. Diesmal geht es von Las Vegas über Los Angeles, San Diego und Baja California bis Tequila. Die eigentliche Doku dauert auch nach der Zeitangabe in der Mediathek anderthalb Stunden, aber dank der ganzen Werbung, die man nicht wegblicken oder vorspulen kann, bin ich bestimmt eine Stunde länger damit beschäftigt.

So kann ich mich eigentlich direkt danach schon bettfertig machen. Noch kurzer Check, dass der Flug der Ellis stattfinden wird – wenn auch wieder enorm verspätet, dann Augen zu und Ohren nach Venedig.

17.01.2024 – Stress, Umzug und Antifaschismus

Der Wecker ist wieder auf früher als sonst gestellt, ich wache aber nochmal eine halbe Stunde früher auf. So langsam macht sich der Schlafmangel in meinem Gemüt bemerkbar. Nachdem ich erst anderthalb Stunden entspannt im Bett liege und die üblichen Sachen mache, fühle ich mich gestresst, sobald meine Füße den Boden berühren. Das bekommt dann als erstes der Liebste zu spüren, der mich anruft, als ich grad aus der Dusche komme, statt wie verabredet auf einen Anruf von mir kurz danach zu warten, dann der Mitbewohner, der in der Küche frühstückt, während ich meine Sachen packe, dann der Kater, der unentwegt nach Essen maunzt, während ich gerade noch mein Frühstück vorbereite. Alle außer mir haben heute ein furchtbares Timing. Also, finde ich. Evtl. hätte ich auch ein paar Minuten früher aufstehen können und wäre dann im Zeitplan gewesen und alles wäre gut gewesen. Aber Grummel Grummel!

Auf dem Weg zur Tram telefoniere ich dann nochmal richtig mit dem Liebsten. Dann lasse ich bei Schnee und Kälte zwei vollbesetzte Trams vorbeiziehen und finde erst in der dritten Platz. Das erinnert mich an meinen Winter in Toronto, als ich das gleiche Szenario immer hatte, wenn ich aus meinem Apartment die King Street entlang zum Büro gefahren bin und es geschneit hatte. Passt zum Podcast auf den Ohren.

Im Büro angekommen hole ich mir als erstes einen Kaffee und stelle dann meinen Rucksack ab und schließe meinen Laptop an. Dann gehe ich mein Frühstück (Joghurt, Ahornsirup, Müsli, Banane und Blutorange) in eine Schüssel schütten und mein Mittagessen (mehr Suppe) in den Kühlschrank stellen. Die ersten Gespräche mit Kolleg*innen bringen mich schon wieder etwas auf die Palme. Heute sind alle wegen des anstehenden Büro-Umzugs höchst emotional unterwegs, das macht meinen gestressten Tag nicht unbedingt leichter. Ich checke dann nur schnell E-Mails, während ich mein Frühstück esse – also ich lese die, die ich morgens im Bett und später in der Tram noch nicht gelöscht habe – und mache mich dann direkt an den „Packen“-Teil des Tages.

Die körperliche Arbeit entstresst mich dann erstmal ein wenig. Ich räume Schränke aus, miste dabei aus, stelle Dinge für die Kolleg*innen zum Mitnehmen bereit (Schlüsselbänder, USB-Sticks, Flaschenöffner, Magnete, Sticker, Aufnäher…). Ganz erstaunlich, wie sich plötzlich dafür interessiert wird, wenn es etwas umsonst gibt. Das macht dann schon auch gute Laune. Am Ende packe ich zwei Kisten mit Dingen, die zu meinem Job gehören plus etwas persönlichen Kram. Dann geht es weiter mit dem Büro vom Ehrenamt. Gemeinsam mit einem Kollegen gehen wir durch alles durch, schmeißen großzügig weg und packen dann vier Kisten mit Büchern, Akten, Archiv und Büromaterialien.

Der nächste Schritt betrifft meine dritte Funktion und beinhaltet, dass der Kollege und ich Pfandflaschen wegbringen und einen einen Plan für leere Getränkekisten aufstellen. Danach setzen wir uns hin und löffeln Suppe. Natürlich reden wir auch dabei über die Arbeit und den Umzug – richtig abschalten ist aber nicht. Nach dem Mittag sage ich meinem Team Bescheid, dass ich jetzt für richtige Arbeit zur Verfügung stünde und fange auch damit an, werde dann aber direkt wieder durch einen Anruf rausgerissen und habe nochmal ehrenamtlich zu tun. Zwischendurch noch zwei Telefonate mit dem Liebsten und Koordination mit dem Lieblingsnachbar und mit Kolleg*innen, die nicht ins Büro kommen konnten, um ihre Sachen zu packen.

„Richtige“ Arbeit schaffe ich heute also nur wenig und als ich endlich Luft hätte, so ab 17 Uhr, ist keine Konzentration mehr da. Das muss dann also bis Morgen warten. Also noch Kleinkram bis 17:30, dann packe ich meinen Kram zusammen und mache Feierabend – Tschüß, altes Büro! Hallo, drei Wochen Homeoffice! (Ersteres macht ein wenig traurig, allerdings waren es auch nur gut anderthalb Jahre hier, letzteres macht mich gerade sehr zufrieden.)

Ich stapfe mit dem Kollegen über Schnee und Eis bis zum Alex, dann geht er zur Tram und ich zum Roten Rathaus, wo ich mit dem Lieblingsnachbar zum Demonstrieren verabredet bin. Es sind viele Menschen da, ist halt auch praktisch in Zeit und Ort, und man kann den Redebeiträgen akustisch schwer folgen. Also konzentriere ich mich auf Schilder und Transparente, klatsche, wenn ich doch mal einen sinnvollen Satz hören kann, halte mein Handy-Licht hoch, als das gewünscht wird, achte darauf, nicht mit einem Juso-Transparent auf Fotos zu erscheinen… Als mein Rücken beginnt, wehzutun, laufen wir noch eine Runde herum, entdecken mit Entsetzen die nicht kleine Gruppe jugendlicher Weißer mit Palästina-Fahnen, die ziemlich sicher Generation Ich-habe-meine-Meinung-von-TikTok sind, und gehen dann frierend los.

Der Lieblingsnachbar fährt mit dem Fahrrad, ich mit der Tram, und wir kommen fast zeitgleich zuhause an. Jetzt bin ich auch körperlich vollkommen platt. Ich nehme mir ein Feierabend-Radler, bestelle mir etwas zu essen und lege mich aufs Bett für das nächste Webinar aus dem Adulting-Projekt. Während das läuft, kommt mein Essen an und ich schnabuliere leckere Quesadilla mit Pico de Gallo und Chili Mais. Vor und nach dem Webinar telefoniere ich mit dem Liebsten. Danach schaue ich die erste Folge von „After Midnight“, der neuen Late Night Show der tollen Taylor Tomlinson. Ich muss ein paar mal lachen, bin aber von der Tragfähigkeit des Showkonzepts nicht überzeugt.

Dann gucke ich den Livestream aus dem Berliner Ensemble, wo die Lehnitzseekonferenz in einer szenischen Lesung nachgestellt wird und auch neue Enthüllungen… enthüllt werden. Ist das alles gruselig! Irgendwann mache ich mich bettfertig, aber das Runterkommen dauert heute lange, ich schlafe erst kurz vor 1 ein.

16.01.2024 – Büro(s) und Yoga

Der Wecker steht wieder auf 7, ich wache kurz vor 6 auf. Möglicherweise handelt es sich hier um eine Verschwörung? Ich bin zum Glück schon einigermaßen ausgeschlafen und gebe das wieder Einschlafen dann relativ früh auf. Stattdessen ausführliche Internetrunde, geruhsames Bloggen usw. Kurz nach 8 schwinge ich die Beine aus dem Bett und mache mich fertig für den Tag. Den Rucksack habe ich gestern Abend schon weitgehend vorgepackt, ich Schlaubi, und muss also heute früh nur noch Frühstück und Ladegerät einpacken. Ein kurzes Telefonat mit dem Liebsten und schon geht es aus dem Haus.

Vollgepackt mit Rucksack, Yoga-Matte, schwerem Beutel und meinem Wahlbrief laufe ich durch den frisch beschneiten Kiez zur Tram. Den Brief werfe ich unterwegs noch ein – diese Bürgerinnenpflicht auch abgehakt. Da die Linke in meinem Wahlkreis (der ehemalige von Ströbele) sowieso keine Chance auf das Direktmandat hat – und nur diese ihr aktuell wirklich helfen könnten, wieder Fraktionsstatus zu bekommen – musste ich nicht lange abwägen, sondern habe einfach wieder dasselbe gewählt, wie bei der Originalwahl. Auf den Ohren habe ich den Podcast eines deutschen Paares, das nach Toronto umzieht, das ist ganz unterhaltsam, teilweise spannend und macht mich auch nostalgisch. Schon wieder zehn Jahre nicht in Toronto gewesen, meine Eltern hingegen fliegen heute hin.

Im Büro angekommen erst kurze Begrüßungsrunde (eine Kollegin trägt Maske, nachdem sie erst eine Lungenentzündung und dann COVID hatte und jetzt nicht noch Grippe obendrauf möchte) inkl. Schwätzchen mit der neuen Kollegin, dann Kaffee holen (Frühstück gab es mit Banane und Spekulatius schon zuhause), E-Mails checken, ein Formular erstellen und versenden und dann auf das erste Meeting vorbereiten. Das findet um 10 statt, mit London und Nordengland. Im Ergebnis schreibe ich zwei Mails vor und schicke sie zur Abnahme an drei Personen. Dann bereite ich das nächste Meeting vor – zu viert live im Büro plus Zuschaltung aus Charlottenburg. Das dauert gute anderthalb Stunden.

Hinterher nehme ich meinen schweren Beutel und spaziere durch frischen Schneefall an der Spree entlang zur Wohnung meiner Eltern. Briefkasten leeren, Pflanzen überprüfen, diverse Pakete und Päckchen ablegen, die im letzten halben Jahr zu mir geschickt wurden, Heizung anstellen. Das war dann jetzt das letzte Mal für eine Weile, Freitag kommen sie wieder. (Allerdings sind mein Bruder und seine Freundin bald eine Weile weg, mache ich also in deren Wohnung weiter…)

Aus der Wohnung laufe ich etwa fünf Minuten bis zu unserem zukünftigen neuen Büro. Dort treffe ich auf drei Kolleg*innen, die aus dem alten herübergewandert sind, und wir machen eine Begehung der Räumlichkeiten. Das wird neu, anders und interessant – ich bin gespannt!

Hinterher spazieren wir wieder gemeinsam am Wasser entlang zum alten Büro. Dort esse ich meine mitgebrachten Stullen während eines Meetings mit Paris. Danach gehe ich durch die etwa 30 E-Mails, die in den letzten fünf Stunden eingetrudelt sind. Dann kommt die Freigabe für die beiden Mails von morgen, die ich danach versende – eine an die globale Belegschaft, eine an alle Manager*innen.

Ich kläre noch etwas mit der Kollegin in Madrid (und spreche mit ihr über meinen baldigen Aufenthalt dort) und der Kollegin in Südengland, bespreche mich kurz mit dem Kollegen aus Ostfriesland, schaue mir neugewonnene Aufgaben für diese Woche an, schreibe das Protokoll zum 11-Uhr-Meeting, halte kurz nach, was ich heute geschafft habe und mache dann kurz nach 18 Uhr Feierabend.

Wieder mit Podcast auf den Ohren geht es mit der U-Bahn zum Yoga. Dort wird gerade umgebaut und ich komme nur über einen Umweg samt Baustelle in den Yogaraum. Dafür ist die Stunde dann aber sehr gut und entspannend, erst während des Shavasana springt der Kopf wieder an (dabei sollte er das ja genau da nicht tun). Hinterher laufe ich nach Hause, mache mir Suppe von gestern warm und sitze dann gegen halb 10 mit Suppe, Katzen und Feierabendlimo (Estragon-Ingwer) auf dem Sofa. Beim Essen telefoniere ich kurz mit dem Liebsten. Dann ein kurzer Plausch mit dem Mitbewohner, ein Ticket an die Hausverwaltung (die Heizungssteuerung macht erratische Dinge), ausführliches Italienischlernen und schon ist es 23 Uhr.

Ich gehe ins Bett, spiele noch etwas auf dem Handy, bekomme die Nachricht, dass meine Eltern mit fast vier Stunden Verspätung in Toronto gelandet sind und höre mich dann gegen Mitternacht einschlafender Weise nach Venedig.

15.01.2024 – Neue Woche also

In Erwartung von frühen Aufgaben den Wecker auf früher gestellt, um rechtzeitig und in Ruhe am Schreibtisch anzukommen. Meine über die Pandemie eingeübte Morgenroutine (gewissermaßen den Praktiken Churchills entlehnt) ist inzwischen so ausschweifend, dass ich eigentlich nur dann schnell aus dem Bett komme, wenn ich einen frühen Zug erreichen muss oder Handwerker zu klingeln drohen. Beides ist heute nicht der Fall und da auch das Diensthandy noch traulich schweigt, sitze ich trotzdem erst halb 10 mit Frühstück (Joghurt mit Quittengelee und Müsli, Mate, Kräutertee) am Schreibtisch. Diese Woche ist es also wieder so, dass erst im Laufe des Montags die Woche in Fahrt kommt. Auch Recht. Ich wünschte nur, ich könnte das jeweils antizipieren und mir meine Vormittage dann anderweitig verplanen. Dafür telefoniere ich heute Morgen erst sehr nett mit einer Beamten in Bautzen, die mir hinterher eine E-Mail mit zweisprachiger Grußformel schickt und dann mit einem Handwerker, der am Freitag kommen und den Schimmel in Augenschein nehmen wird.

Um 11 Meeting mit Ostfriesland, zum Glück ist der Kollege wieder da und ich kann diese Urlaubsvertretung nach zwei Wochen wie geplant wieder an den Nagel hängen. Just in time. Direkt im Anschluss ein Meeting mit Berlin und Dortmund um 11:30, bei dem ich die entscheidenden Informationen erhalte, auf die ich schon Freitagnachmittag gewartet hatte. Daraus gilt es nun eine Kommunikation an den Standort zu basteln, die ich noch vor meiner Mittagspause zur Abnahme zurückgebe. Mittags gehe ich in dichtem Schneetreiben nach draußen an die Luft, sogar mit Umweg für mehr Tageslicht und Bewegung, und hole ein paar Dinge aus dem Drogeriemarkt, streng nach Einkaufszettel.

Wieder zuhause mache ich mir Stullen aus Toastbrotresten, veganer Mortadella, Gouda und Radieschenresten, dazu eine große Birne. Dann Meeting mit Berlin, Dortmund und Ostfriesland. Wir überziehen ein wenig. Pünktlich zum Ende klingelt es und meine Getränkelieferung (Limo, Mate, Radler) kommt an und wird direkt von mir verstaut. Der Hauptvorteil ist, dass drei Kästen mit leeren Pfandflaschen abgeholt werden, die neuen Getränke reichen jetzt wieder für eine ganze Weile, so selten trinke ich etwas davon.

Hinterher bekomme ich das Feedback zur Kommunikation, stelle sie fertig und schicke sie raus. Danach ist bis zum Teammeeting um 17 Uhr ein bisschen die Luft raus – ich erledige ein bisschen Kleinkram, aber für größere intellektuelle Leistungen fehlt mir was an diesem Montagnachmittag. Das Teammeeting ist dann zwar konstruktiv, aber für ein Problem haben wir noch keine zufriedenstellende Lösung, trotz Überziehen bis 18 Uhr. Ich schreibe noch eine E-Mail und beantworte ein paar Chats, dann ist Feierabend.

Nach dem ganzen Temperatur-Auf-und-Ab vom Wochenende fühle ich mich leicht anerkältet, deswegen koche ich mir jetzt eine schöne Suppe. Ob mich die italienischen Küchengötter strafen, weil ich ihre Tortellini in eine eher chinesisch-scharfe Gemüsebrühe mit Kohl, Sellerie und Möhren werfe? Wir werden es wohl herausfinden müssen. Beim Kochen telefoniere ich mit dem Liebsten und trinke nebenbei das letzte Erdbeerradler. Zum Essen höre ich mein Hörbuch zu Ende und kann Buch 6 auf meine Jahresliste setzen: Karin Smirnoff nach Stieg Larsson – Verderben.

Dann gucke ich mir die Tagesschau an und hinterher zur Beruhigung zwei Folgen „The West Wing“. Ich bin jetzt im hinteren Teil der letzten Staffel, in der Aaron Sorkin noch Showrunner war, der Liebste ist bereits ausgestiegen und negiert die Existenz weiterer Folgen. Das Niveau ist bereits etwas abgeflacht, aber ich habe trotzdem noch Spaß daran. Mal sehen, ob sich das ab der Sorkin-losen Staffel 5 ändert.

Gegen 22 Uhr siebe ich das Katzenklo durch und mache mich dann bettfertig. Ich stelle den Wecker wieder auf 7 Uhr, da ich morgen ins Büro muss, und fange dann das nächste Buch an, Günter Grass – Ein weites Feld. Dank des (zum Glück kurzen) Vorworts von Daniel Kehlmann weiß ich direkt, worauf ich bei der Lektüre achten muss und habe Spaß an den ersten 25 Seiten, bis mir die Augen zufallen. Auch dieses Buch landete wegen Hiddensee-Bezugs auf meiner Wunschliste. Nicht nur war Grass‘ letzte Frau eine Hiddenseeerin, er hat wohl auch Teile des Buches dort geschrieben und es kommen Figuren vor, die aus dem echten Leben abgeguckt sind. Außerdem ist der Mann ja trotz fragwürdiger Vergangenheit und späterer Auslassungen nicht ganz unwichtig für die Literaturgeschichte.

Kaum ist das Licht aus, bin ich natürlich direkt wieder wach und arbeite im Kopf für morgen vor. Um dem Entgegenzuwirken geht es per Hörbuch wieder zurück nach Venedig und das hilft dann doch beim Einschlafen.

14.01.2024 – Wohlsein Teil 2

Wir schlafen beide nicht ganz gut durch, das Hotelbett ist zwar sehr bequem, aber es gab ja ein bisschen Alkohol gestern und das macht immer einen unruhigen Schlaf, dazu noch relativ hellhörige Wände und diverse andere Menschen im Hotel, die den Umstand, dass dort Zugang erst ab 16 ist, scheinbar nutzen, um ordentlich Party zu machen. Andererseits sind wir aber auch herrlich entspannt und entkräftet vom Entspannen, so dass es dann doch erst halb 10 ist, als wir schließlich einmal zeitgleich wach sind und der Liebste Kaffee macht. Angesichts des Ortes an dem wir sind, verkürzen wir das morgendliche Rumliegen auf eine halbe Stunde und gehen dann direkt zum Frühstück, das in den Bewertungen hochgelobt ist.

Und ja, man kann wirklich überhaupt nicht meckern. Der Liebste merkt zwar an, dass es gut, aber nicht komplett außergewöhnlich ist, aber vielleicht sind wir auch beide etwas verwöhnt ob diverser Dienst- und sonstiger Reisen. Verglichen mit meinem Pensionsfrühstück auf Hiddensee, das auch schon sehr gut war, ist die Auswahl hier bombastisch. Omelette-Station, Pancakes, Bacon, Würstchen, Lachs, frisch gepresster O-Saft, Sekt, verschieden gebratene und gekochte Eier, diverse außergewöhnliche Marmeladen, viel frisches Obst und halt alles, was noch so dazugehört. Ich frühstücke jedenfalls in drei Runden, erst warm, dann herzhaft kalt, dann süß kalt.

Dann heißt es Sachen packen, aus dem Zimmer auschecken und ab in den Spa-Bereich. Wir wollen wieder mit Schwimmen anfangen, aber die 26 Grad im Sportpool sind dem Liebsten nach gestern zu kalt und so gehen wir dazu direkt ins vielgeliebte Solebecken. Daraufhin folgt die Steinsauna, das Duschen, das Abklingbecken, das beheizte Wasserbett im Ruhebereich. Ich fange das nächste Buch an: Christoph Hein – Der Tangospieler. Irgendwann döse ich wieder weg. Nach dem Aufwachen Runde zwei: Solebecken, Blockhaus-Sauna für mich, Dampfbad für den Liebsten, Duschen, Kneipp-Fußbad für mich, Abklingbecken, Ruheraum. Die beiden Wasserbetten sind belegt, also liege ich erst auf einer normalen Liege, bis eins frei wird, und wechsle dann rüber. Ich lese weiter und schlafe aber nicht mehr ein, so langsam heißt es, die Uhr im Auge zu behalten, denn um 15 Uhr müssen wir raus oder nachzahlen. Also geht es kurz nach 14 Uhr nochmal ins Solebecken, für mich länger, für den Liebsten nur kurz, der will sich die Blockhaus-Sauna noch kurz von innen ansehen.

Dann gehen wir ein letztes Mal duschen, ziehen uns an und föhnen die Haare. Zeit, wieder in den Alltag zurückzukehren. Da das Wetter schön ist und wir genug Zeit haben, promenieren wir am Scharmützelsee entlang zum Bahnhof.

Dort amüsieren wir uns, wie vermutlich schon viele Besucher*innen vor uns, über das Bestattungshaus Möse, holen uns beim Bäcker noch einen Kaffee und fahren dann zurück nach Berlin. Am Ostkreuz verabschieden wir uns und kehren in unsere Wohnungen zurück. Dort erwarten mich Post und Kuschelkatzen und relativ schnell liege ich mit beiden auf der Couch und schlürfe eine Sanddornschorle. Erstmal in Ruhe bloggen, dann Pizza bestellen, den nächsten Teil der Panamericana-Doku gucken – von Whitehorse über Edmonton und den Yellowstone Nationalpark nach Las Vegas – dann Italienisch üben.

Danach lese ich Rachel Roddys „An A-Z of Pasta“ zu Ende. Währenddessen kommt der Mitbewohner samt Besuch nach Hause und kocht Pasta – mit Thunfisch und Tomatensauce. Es gibt eine mittlere Krise, als er bemerkt, dass er Dosentomaten mit Kräutern drin gekauft hat, statt pur. Aber irgendwie ist die Sauce dann doch noch zu retten, was für ein Glück. Leider bin ich zu satt, um zu kosten. Kurz nach 10 mache ich mich bettfertig – inkl. einer dicken Schicht Bodylotion auf die dieses Wochenende viel beanspruchte Haut – und lese dann im Bett auch noch den Hein zu Ende. Schon fünf beendete Bücher auf meiner Liste dieses Jahr und es ist gerade mal zwei Wochen alt.

13.01.2024 – Wohlsein

Genau genommen beginnt der Tag gegen 3, als mein Mitbewohner nach Hause kommt und dann ein zweites Mal gegen 6, als er auf Toilette geht, aber ich schlafe beide Male dann doch wieder ein und wache dann erst zehn Minuten vor dem Weckerklingeln um 8 auf. Der Wecker klingelt, weil heute das Weihnachtsgeschenk des Liebsten eingelöst wird. Wir telefonieren kurz – er mit Kaffee, ich mit Mate in der Hand – und treffen uns dann halb 11 am Ostkreuz zur Weiterfahrt an den Scharmützelsee. Dort werden wir anderthalb Tage lang dem Wohlsein – neudeutsch Wellness – fröhnen. Als wir im Hotel ankommen, ist unser Zimmer noch nicht fertig. Das macht aber gar nichts, denn in den Spa-Bereich können wir sofort und wegen dem sind wir ja da.

Als erstes schwimmen wir ein paar Bahnen, dann liegen wir ein wenig im Whirlpool herum. Die nächste Station ist dann der Außenpool mit Solebad – für uns beide insgesamt das Highlight des Wochenendes, wie sich herausstellen wird. Von dort geht es nach einer Dusche ins Dampfbad, dann wieder Duschen, Abklingbecken, Ruheraum. Dort ergattere ich eines der beiden beheizten Wasserbetten und bin selig. Ich lese weiter in „Bitter Almonds“ und döse irgendwann weg. Dann folgt irgendwann die zweite Runde – Solebad, Duschen, Biosauna, Duschen, Abklingbecken, Ruheraum. Gleiches Prozedere. Nach dem Aufwachen haben wir etwas Appetit und gönnen uns an der Bar einen Cheesecake Crumble, einen Smoothie für mich und eine Apfelschorle für den Liebsten.

Danach folgt Runde drei… Solebad, Duschen, Oktagon-Sauna, Duschen, Abklingbecken, Ruheraum. Diesmal schlafe ich nicht mehr ein – ich bin schon zu aufgeregt wegen des Abendessens später – und lese stattdessen mein Buch aus. Gut, dass ich optimistisch noch ein zweites mitgenommen habe! Bevor wir den Spa-Bereich für heute endgültig verlassen, hüpfe ich noch ein viertes Mal heute ins Solebad und der Liebste in die Bio-Sauna. Nach einer Dusche treffen wir uns im Abklingbecken, dann heißt es anziehen und Zimmer beziehen.

Wir ruhen uns kurz auf dem Bett aus, durchstöbern schonmal die Speisekarte und verhandeln die Vorspeisen (Es gibt ein Angebot, mit dem man drei kosten kann, was günstiger wäre, als die drei einzeln zu bestellen. Da ich mich nicht mit mir selbst auf eine Vorspeise einigen, brauche ich des Liebsten Einverständnis und bekomme es dann auch). Kurz vor acht gelangen wir auf verschlungenen Wegen treppauf und treppab zum Restaurant. Es gibt einen schon im Voraus ausgewählten Aperitivo mit Aperol, Gin, Limettensaft und Prosecco.

Die drei ausgewählten Vorspeisen sind Carpaccio mit Trüffelpesto und Rucola, geräucherte Entenbrust mit Gorgonzola, Roter Bete und Feigen und dann eine Art italienisches Sushi mit Balsamico-Reis, Thunfisch, Jakobsmuscheln, Parmaschinken, Amalfizitrone, Peperoni, Sardelle und Avocado. Alles unglaublich lecker!

Beim Hauptgang wollen wir dann beide das Gleiche, was ein bisschen schade ist, aber manchmal ist es nunmal so: Waldpilz-Fettucine mit Rehschinken. Dazu trinken wir Lugana, einen Weißwein aus der Lombardei.

Ob nun wegen allgemeiner Ausgewrungenheit, Müdigkeit, Völlegefühl oder Histamin… Ich schaffe meine Pasta nicht und so muss ich auch das Dessert ausfallen lassen. Der Liebste schafft immerhin nicht nur seine Pasta, sondern auch noch einen Grappa. Danach wollen wir uns eigentlich noch in die Bar mit dem offenen Kamin setzen und einen gepflegten Cocktail zu uns nehmen, es ist uns dann aber zu voll und lebhaft dort und wir müssten uns einen Tisch mit anderen teilen. Also gehen wir doch direkt aufs Zimmer und holen uns noch was aus der Minibar. Damit geht es aufs Bett. Der Fernseher läuft, aber ich höre es recht schnell neben mir schnarchen (nur ganz sanft). Also mache ich den Fernseher und das Licht aus und dann wird schon gegen 23 Uhr geschlafen.

12.01.2023 – Homeoffice, aufregende Pläne, gutes Essen und spannende Doku

Der Wecker weckt mich zur normalen Zeit, die Katzen sind noch sehr müde und schlafen einfach weiter. Was da wohl nachts wieder los war. Ich tue morgendliche Dinge und sitze dann irgendwann gegen halb 10 am Laptop, mit Mate, Toast mit Pistaziencreme bzw. Quittengelee, Blutorange, Kaki und Blaubeertee. Der ursprüngliche Plan für diesen Homeoffice-Freitag sah vor, mittags mit dem Lieblingsnachbar spazieren zu gehen, aber erstens ist immer noch Glatteiswarnung und zweitens hat meine Chefin gestern Abend noch angekündigt, dass ich um ungefähr die anvisierte Zeit herum verfügbar sein müssen werde, um etwas zeitkritisches zu erledigen, das in unserem Team nur ich kann.

Ich ändere also als erstes den Plan und kümmere mich direkt danach gleich noch um andere organisatorische Dinge, bis gegen 11 das erste Meeting stattfindet – mit Dortmund, Biesdorf, Lichtenberg und Moabit (?). Danach arbeite ich an den verschiedensten Dingen weiter: Ich fasse Diskussionspunkte zusammen und schreibe eine Mail nach oben, ich nehme ein Anliegen eines Kollegen auf und schreibe eine Mail nach ziemlich weit oben, ich schreibe eine vorbereitete Mail an mittelweit oben (großer Verteiler), ich telefoniere mit dem Kollegen in Lichtenberg…

Als sich abzeichnet, dass sich die Aufgabe, für die ich mich bereithalte, verspätet, mache ich Mittagspause. Ich bastle mir einen Salat aus Rucola, Fenchel und Apfel mit Olivenöl-Zitronen-Dressing (neulich im Internet inspiriert worden), dazu gibt es Vollkornbrötchen mit Leberkäse und richtigem Käse. Dann spiele ich auf dem Handy und höre wieder den „Jüdisch in der DDR Podcast“. Zurück am Schreibtisch habe ich einen spontanen Call mit einer Kollegin im Büro (!) und beschäftige mich danach mit Zahlen in einer Tabelle, schreibe dann zwei E-Mails an Gruppen von Leuten basierend auf der Tabelle und mache mir daraus eine vierteljährliche Aufgabe im Projektmanagementsystem.

Dann endlich kommt die Mail mit der Aufgabe und ich aktualisiere unsere Unternehmenswebseite entsprechend. Kurz danach ist es Zeit für ein Meeting mit dem ganzen Team, das auf jeden Fall das Highlight des Arbeitstages ist. Wir freuen uns gut gelaunt über die Neuigkeiten des Tages und den Freitag, dabei haben drei von fünf eine Katze auf dem Schoß. Alle drei Katzen sind heute sehr fotogen und posieren wie es sich gehört. Die Katze, die zur vierten Kamera gehört, jagt derweil die Hunde des Hauses, hat also keine Zeit für Meetings, und der Hund von Kamera fünf ist gerade beim Friseur. Trotzdem guter Schnitt. Wir besprechen eine neue Art, das Projektmanagementsystem für uns zu nutzen (Kernaussage meiner Managerin, für die ich sie knutschen könnte: „We need to work smarter ‘cause we cannot work harder.” und sprechen über ein hoffentlich dieses Jahr stattfinden könnendes Teammeeting im Real Life. Das wäre wirklich ganz famos, denn ich habe bisher nur zwei der Kolleg*innen, mit denen ich Tag für Tag eng zusammenarbeite einmal live getroffen und das ist fast fünf Jahre her und ich war noch ganz neu im Team und schüchtern und die Gruppe war sehr groß…

Da weitere große Aufgaben heute mangels Zuarbeit nicht mehr zu bearbeiten sind, beschäftige ich mich bis zum Feierabend dann einerseits mit meinem Wochenbericht und andererseits mit schönen Plänen. Im Rahmen der Pandemie haben wir einen Prozess eingeführt, mit dem man rechtssicher für bis zu 45 Kalendertage im Jahr woanders arbeiten kann – also woanders als im Büro oder Zuhause oder auf Dienstreise. Seitdem trage ich mich mit dem Gedanken herum, das auch vernünftig anzuwenden, habe es aber bisher noch nicht geschafft. Dieses Jahr nun soll es endlich klappen und ich habe schon mindestens zwei Pläne dazu. Nachdem ich heute Morgen noch einer Kollegin geholfen hatte, die Policy zu finden, bin ich jetzt angefixt.

Seit wir ein Büro in Valencia haben (das ist jetzt auch schon fast fünf Jahre so), möchte ich da mal hin. Stadt am Meer im Süden voller Orangenbäume, what‘s not to love? Ich hatte seitdem die begründete Hoffnung, dass das im Rahmen einer Dienstreise passieren könnte, aber dann kam vor nun schon vier Jahren die Pandemie und warf alle Pläne über den Haufen und jetzt ist eine Dienstreise dorthin sehr unwahrscheinlich geworden. Also auf eigene Faust und wenigstens ohne Urlaubstage nutzen zu müssen. Und wenn ich schon in Spanien bin, kann ich auch gleich noch nach Madrid und eine meiner liebsten Kolleginnen sowie meine ehemalige Chefin besuchen. Das Büro in Madrid ist seit meiner Dienstreise dorthin (wo ich die zwei aus meinem Team traf, hier schließt sich der Kreis) umgezogen und das neue kann ich mir ja dann direkt auch mal anschauen.

Ich chatte also mit der Kollegin und der Ex-Kollegin in Madrid und den zwei Kolleg*innen in Valencia, mit denen ich am meisten zu tun habe und dann reiche ich den Antrag ein und buche direkt noch einen Flug. Ich werde also die Woche vor Ostern im Büro in Madrid sein, bei der lieben Kollegin wohnen und abends mit ihr die Stadt unsicher machen, dann zu Ostern den Zug nach Valencia nehmen, die freien Tage am Meer und mit Stadtbesichtigung verbringen, dann die Woche über im Büro in Valencia arbeiten, dann den Zug zurück nach Madrid nehmen, meine Ex-Chefin zum Churros essen treffen und dann wieder zurück nach Berlin fliegen. Großes Yay!

Zum Feierabend wechsle ich dann auf die Couch. Erstmal ein Erdbeerradler und die Woche auf mich wirken lassen. Dann stehe ich irgendwann in der Küche und mache mir Abendbrot – es gibt Kartoffelbrei mit Kohlrabi und einer vereinzelten kleinen gelben Beete drin, dazu zwei hartgekochte Eier und Senfsauce.

Zum und nach dem Essen schaue ich die erste Folge der Doku über den Trip von Joey Kelly und seiner Familie über die Panamericana. Leider läuft die auf irgendeinem RTL-Sender und daher kommt selbst in der Mediathek ständig Werbung. Aber egal, das Thema interessiert mich aus allen Gründen – einmal natürlich wegen Joey Kelly und seiner Familie und dann auch wegen der Challenge an sich und im Besonderen, weil die erste Folge nach den endlosen Vorbereitungen dann von Tuk(toyatuk) über Inuvik und Dawson City nach Whitehorse führt – alles Orte, wo sowohl meine Eltern als auch mein Bruder schon waren – und unterwegs spannende Menschen auftreten, u. A. ein Hundeschlitten-Profisportler und ein First Nation, der nach Jahren im Süden jetzt wieder im Wald lebt. Lohnt sich, anzuschauen!

Durch die ganze Werbung zieht sich das alles ewig, deswegen ist es schon fast 23 Uhr, als die Folge vorbei ist. Ich beschließe, die zweite erst später zu sehen und gehe stattdessen erst in die Badewanne und dann ins Bett.

11.01.2023 – Drinnentag

Ich erwache kurz vor dem Weckerklingeln von ungewohnten Geräuschen, kann diese aber nicht wirklich lokalisieren. Dann also erstmal normale entspannte Morgenroutine im Bett. Ursprünglich wollte ich wieder erst gegen 10 am Schreibtisch sitzen, dann geht es aber schon deutlich früher heiß her im Teamchat (die Kollegin, die gestern von halb 9 bis 23 Uhr aktiv war, schreibt heute Morgen vor 8 das erste Mal wieder) und das macht dann irgendwie, dass ich doch freiwillig früher aufstehe und – nur mit einem Hoodie über dem Schlafanzug – halb 10 am Schreibtisch bin, mit Müsli, Mate und Pfefferminztee, mit einer Decke über den Beinen und einer satten Katze darauf.

Meetingmäßig ist es heute vergleichsweise ruhig, so dass ich größere Zeiträume lang einfach an Aufgaben sitze. Das viele Denken gestern hat sich gelohnt, heute bringe ich sinnvoll Sachen aufs virtuelle Papier. Auf einmal fühle ich mich gar nicht mehr so gestresst. 11:30 dann ein Meeting mit London, 12 Uhr mit Florenz, 12:30 mit Nordengland. Das letzte ist mit meiner Chefin und wir besprechen meine Prioritäten für das erste Quartal. Bis 14 Uhr sitze ich dann noch daran, das korrekt zu verschriftlichen, dann mache ich Mittagspause. Es gibt Gemüseeintopf von gestern auf der Couch, dann Handyspiel und zur Beschallung den „Jüdisch in der DDR-Podcast“ von Marion und Lena Brasch. Ich schaffe die erste Folge nicht ganz, da ist schon wieder die Stunde rum, aber ich bin intrigued und freue mich auf den Rest.

Am Nachmittag arbeite ich weiter an meinen verschiedenen Projekten und übersetze außerdem eine Präsentation ins Deutsche. Dann ist um 16 Uhr ein globales Meeting, bei dem ich aber nur zuhören muss, und direkt im Anschluss ein kurzes mit Berlin, Florenz und Chicago, um ein technisches Problem zu klären. Danach weiter Dinge abarbeiten bis gegen 18 Uhr – die Diskussionen im Teamchat ziehen sich danach noch eine Weile weiter. Das ist wirklich kein 9-to-5-Job hier…

Der offizielle Feierabend beginnt mit dem Ab- und Aufräumen meiner Weihnachtsgeschenke. Ich verabschiede den Mitbewohner zur Bandprobe, telefoniere mit dem Liebsten, mache Italienisch, telefoniere mit dem Bruder und bestelle eine Kiste Crowdfarming-Avocados zum Teilen, mache mir den Rest Gemüseeintopf warm und dazu eine Sanddornschorle, organisiere mir eine Lebensmittellieferung für anstehende Feierlichkeiten, lese den Wahlzettel für die anstehende Wiederholungswahl durch und recherchiere den Kandidat*innen hinterher…Und der Großteil des Abends besteht dann im Lesen von Rachel Roddys „An A-Z of Pasta“. Stand ewig als „Muss ich haben“ auf meiner Wunschliste, aber niemand hat es mir gekauft, also habe ich neulich dann endlich mal selbst zugeschlagen.

Ich lese bis nach 23 Uhr und schaffe ungefähr die Hälfte, dabei läuft mir ständig das Wasser im Munde zusammen und natürlich werden auch lauter Erinnerungen hochgespült, etwa als Rachel über Cappellacci in Ferrara schreibt und ich daran denke, dass wir damals auf eine Empfehlung von ihr hin in dieser einen Trattoria waren und sofort habe ich wieder das spezielle Brot vor Augen und den Lambrusco auf der Zunge. Oder wie ich mit Rachel über den Markt in Testaccio gelaufen bin und sie mir eine Probierportion Amatriciana in die Hand gedrückt hat. An dem Tag hat sie mir von dem Buch erzählt, an dem sie gerade arbeitet. Titel damals: „Fifty Shapes of Pasta“. Schade, dass der Verlag sich unentschieden hat. Und ich will wieder nach Italien! Und mehr Pasta essen! Und mit Rachel und Fabrizia und Luisa und den anderen in Case Vecchie in der Küche sitzen und über Essen philosophieren. Hach. Kauft/Lest dieses Buch!