Ich erwache vom Weckerklingeln und finde das Wachwerden heute nicht so gut insgesamt. Oder besser gesagt, das Aufstehenmüssen. Damit lasse ich mir deswegen auch viel Zeit. Eigentlich gehe ich jeden Morgen zum Haare kämmen raus auf den Balkon – frische Luft atmen, Wetter checken, Baumstatus checken usw. (Heute: Es sind noch Blätter dran. Und Birnen.) Aber heute ist es mir draußen zu kalt, selbst für die 1-2 Minuten. Die Katzen gucken mich auch aus meinem Bett heraus an, als ob ich irre wäre.
Nunja. Schnell Frühstück machen (Zimt-Dingsis mit Granatapfelkernen und Hafermilch, Pfefferminztee) und dann an den Schreibtisch. Ich sitze mit Wolldecke an der Heizung, teilweise mit Katze auf dem Schoß, und werde trotzdem nicht ganz warm. Arbeitstechnisch ist es ruhig, die meisten amerikanischen Kolleg*innen haben noch Thanksgiving-frei. Ich habe ein Meeting mit Ostfriesland, eins mit Nordengland, kläre Dinge per Chat, mache Updates im Intranet und habe sonst ausreichend Zeit, das Monatsmagazin meines Berufsverbands auszulesen, meinen Questionable-Content-Rückstand entscheidend aufzuholen (ich hatte nach einem Browser-Absturz irgendwann im Frühling vergessen, weiterzulesen) und in den Pausen Haushaltsdinge zu tun – Katzenklo reinigen, Staubsaugen, Bad putzen, Müll runterbringen. Mittags mache ich mir Pellkartoffeln mit Butter, Pfeffer und Feldsalat – eine Kombi, die ich mal von der Schwester meines ersten Freundes gelernt habe. Gegen 17 Uhr schließe ich meinen Wochenbericht ab, klappe den Rechner zu und packe meinen Rucksack fürs Wochenende.
Dann geht es mit S- und S-Bahn nach Südberlin, zum ersten Mal seit drei Wochen – es war immer irgendwer krank. Auf dem Weg zum Liebsten begegnen mir ein aufgedrehtes Teilzeitkind und ein aufgedrehtes Nachbarskind, die ganz dringend nochmal in den Supermarkt müssen, weil es ja Black Friday ist. Ich schreibe mir eine Antikapitalismus-Schulung auf die innere To-Do-Liste. Beim Liebsten angekommen gibt es zum Einläuten des Wochenendes ein Glas Wein, während er die von mir bestellte vegane Bolognese zu Ende kocht.

Trubeliges Abendessen mit zwei immer noch aufgedrehten Kindern (sie kamen mit Eistee und Chips zurück) und der Mitbewohnerin. Das ist ungefähr das Gegenteil des Abends, den ich zuhause gehabt hätte, aber das ist vielleicht auch ganz gut so. Kurz danach geht die Mitbewohnerin aus, das Nachbarskind verabschiedet sich, das Teilzeitkind nimmt mein Handy in Beschlag und der Liebste und ich lassen den Abend gemütlich auf der Couch ausklingen.
