Schritte zählen schön und gut, beim Schlaf dokumentieren ist mein FitBit nicht gut. Schon kurios, was es alles als Schlafen interpretiert. Morgens ewig im Bett herumliegen und sowas, ja. Jedenfalls tut es so als hätte ich ewig und einigermaßen gut geschlafen und beides ist nicht der Fall. Erst hilft das Hörspiel des Liebsten nicht beim Einschlafen, sondern hält wach, dann irgendwann unruhiges Hin- und Herwälzen, irgendwann leichtes Schnarchen neben mir, und als ich dann endlich mal etwas tiefer und länger am Stück schlafen kann, wird vor dem Haus Krach gemacht, so dass wir eine halbe Stunde vor Weckerklingeln beide wach sind und Kaffee im Bett trinken. Ich schaue mir dabei die Kurzdoku über die neue, letzte, Beatles-Single an, die morgen erscheint. KI macht eine ganze Menge möglich, auch das Auseinanderdividieren von Tonspuren von in den 70ern aufgenommenen Kassetten.
Um 8 dann steht der Liebste auf und fängt an zu arbeiten und ich gehe ins Bad, mache mich fertig und fahre dann los – heute mit U-Bahn und U-Bahn, immer noch wegen der Baustelle – ins Büro und blogge dabei. Das Donnerstagsbüro ist ein ganz anderes als das am Mittwoch. Also, die Räume sind die gleichen, aber ich begegne heute insgesamt nur vier Kollegen insgesamt, davon sind zwei vormittags da, einer nachmittags und nur einer den ganzen Tag wie ich. Der, der am Nachmittag kommt, ist eine Überraschung. Den habe ich seit viereinhalb Jahren nicht mehr im Büro arbeitend gesehen (ich glaube, er kam einmal kurz vorbei, als wir eine Impfaktion organisiert hatten, aber auch das ist jetzt über drei Jahre her). Beruflich haben wir auch nichts miteinander zu tun, so dass wir uns auch nie in irgendwelchen Meetings sehen. Trotzdem schön, dass es ihn noch „gibt“.
Ich esse Müsli mit Apfel und Kaki zum Frühstück und trinke dazu Earl Grey. E-Mails und Kram abarbeiten, dann gibt es einen ersten kleinen Call, um für meine Teamkollegin „Happy Birthday“ zu singen. Sie ist heute im Londoner Büro und hat ein karibisches Mittagsbüffet für alle organisiert. Allerdings sind UK und Frankreich beide noch in Sturmklauen, es gibt Internet- und Infrastrukturprobleme. Trotzdem wäre ich bei dem Büffet gerne in London gewesen, die Bilder sehen toll aus und versetzen mich zurück nach Jamaika.
Dann Meeting in gleicher Runde plus die Kollegin in Dublin, zur weiteren Übergabe während deren Mutterschutz und Elternzeit. Hinterher chatten wir noch ein wenig privat – sie hofft, dass ihr Sohn rote Haare bekommt wie sie und hat schon einen uralten irischen Namen ausgesucht, den außerhalb Irlands wohl niemand auf Anhieb richtig aussprechen kann, das war ihr wichtig.
Hinterher nutze ich die Gelegenheit aus, dass es meiner Chefin heute gesundheitlich nicht gut geht und sie unser Meeting verschiebt und mache eine frühe Mittagspause. Ich spaziere an der Spree entlang zu meinen Eltern (Post und Blumen) und freue mich unterwegs über die Herbstfärbung.



Es ist windig und die bunten Blätter schneien sozusagen von den Bäumen. Nach genau einer Stunde bin ich zurück im Büro und mache mir mein Mittagessen warm, das ich dann Schreibtisch esse – es trägt auch Herbstfarben.

Ich bin erstaunt, wie wenig mich der Porree im Essen stört. Jahrelang habe ich ihn in der Biokiste immer abgewählt, weil ich den eigentlich nicht mag – oder das glaubte – und ihn immer nur in kleinen Mengen ertrage. Dann dachte ich, jetzt wo der neue Mitbewohner da ist, lasse ich den Porree mal drin, vielleicht kocht er ja damit. Hat er dann nicht, also musste ich ran und siebe da, gar nicht schlimm. Wieder ein Gemüse von der Nicht-Essen-Liste geholt. So richtig drauf sind dann jetzt also nur noch weißer Spargel und Rosenkohl und selbst beim Rosenkohl hatte ich schon okaye Zubereitungen auf der Gabel.
Nach dem Essen hole ich mir einen Kakao mit Extra-Espresso-Shot und etwas Zimt aus der Küche und will mich damit ans Überarbeiten von Dokumenten machen. Da bleibe ich dann aber am Tisch des überraschenden Kollegen hängen und wir quatschten erstmal 20 Minuten darüber, wie es ihm und seinem Team so ergangen ist. Er kommt dann jetzt öfter und auf mein Anraten hin mittwochs, dann trifft er auch mal den Rest der Bande und kann bei der Gelegenheit auch wieder aktiver Deutsch üben – braucht er ja im Arbeitsalltag sonst nicht.
Dann aber wirklich Dokumentenarbeit, bis es Zeit ist, endlich die Schulung zu geben, die jetzt schon seit Wochen ansteht. Die Hälfte meines Teams ist live dabei, für die andere Hälfte zeichnen wir das Ganze auf. Ich muss also besonders professionell sein, wer weiß, wer das wann noch so guckt. Es läuft gut und nachdem die Aufzeichnung abgeschlossen ist, quatschen wir drei noch ein bisschen – in Paris ist Sturm, in Chicago liegt Schnee und die Arbeit nervt mitunter, aber zum Glück haben wir uns. Als der Call vorbei ist, ist es fast Feierabendzeit. Ich erinnere mich, dass es heute in der Gemeinschaftsküche unten Cocktails gibt und hole mir noch einen kleinen Schluck „Dark ‚n‘ stormy“, bevor ich mich auf den Heimweg durch den dunklen, windigen und regnerischen Herbstabend mache.

Auf dem Heimweg in der Tram mache ich Duolingo und Babbel und verpasse darüber meine Haltestelle, so dass ich dann etwas weiter laufen muss und noch ordentlich nass werde. Aber ist OK. Zuhause kurzes Abklatschen mit dem Mitbewohner, der zu einem Geburtstag los muss. Dann packe ich meine Sachen aus und das Paket mit dem Sanddornsaft. Den gibt es direkt in Heiß zum Abendbrot, dazu Stulle mit Käse und Apfelmeerrettich bzw. mit Hiddenseer Wildschweinleberpastete und eine Feierabendlimo.

Dazu höre ich Podcast. Nach dem Essen ab in die Badewanne und dann liege ich vor 22 Uhr im Bett und lese noch ein Stündchen, bevor ich in einen tiefen und ununterbrochenen Schlaf falle.