Ich wache früh auf, laut Handy ist es kurz vor 7, aber zum Glück hat das ja über Nacht die Uhr umgestellt und ich habe doch insgesamt fast acht Stunden geschlafen. Da ich heute bis 10 Uhr auschecken muss, hatte ich mir den Wecker auf 8 gestellt und brauche ihn nun nicht. Ich lese das Internet leer – gleich als zweites, dass Matthew Perry tot ist. Ich warte, bis der Liebste das erste Lebenszeichen von sich gibt, dann rufe ich ihn direkt an. Er hat es auch gerade gelesen und wir sind zusammen traurig. Wir telefonieren dann bis kurz nach halb 9, dann stehe ich auf, dusche, ziehe mich an und packe meine Sachen. Alles passt wieder in den Rucksack rein – sogar etwas besser als auf der Hinfahrt, weil ich einen der voluminösen Wollpullover anhabe – die Souvenirs kommen in einen Extrabeutel. Als ich zum Frühstück runtergehe, nehme ich das Gepäck direkt mit und stelle es wie verabredet in den Flur. So kann mein Zimmer schon während ich esse für die nächste Belegung fertig gemacht werden (die Betreiberinnen sind nur vormittags hier).
Zum Frühstück nochmal das Gleiche wie an allen anderen Tagen – Käsebrot, Marmeladenbrötchen, Müsli mit Sanddornquark, Eier, Tee, Saft. Nebenan sitzt heute eine große Runde und unterhält sich, erst über angenehme Todesarten und welche man für einen Suizid nutzen würde (Ertrinken wohl besser als Erfrieren), dann über die Insel und über zukünftig geplante Reisen (Segelkreuzfahrt auf der Ostsee? Yes, please! Eine Gästin macht die anlässlich ihres 60. nächstes Jahr mit ihrer Tochter, die sich geweigert hätte, zu fliegen oder eine reguläre Kreuzfahrt zu machen. Es gibt noch Hoffnung!)
Draußen regnet es aktuell noch in Strömen, deshalb lasse ich mir Zeit mit dem Essen und vor allem mit dem Austrinken. Wordle kostet mich heute etwas Zeit, bei Connections schaffe ich nur zwei Gruppen… Ich bezahle meine „Schulden“ bei der Gastgeberin – für Sanddorngelee, Rosengelee, Wildschweinleberpastete und die Flasche Wasser vom Anreisetag. Dann ist der Frühstücksraum leer und ich rufe meinen Cousin an, der sich gestern Abend gemeldet hatte und jetzt auch auf der Insel ist – aber am anderen Ende. Wir verabreden uns für ein Treffen in der Mitte. Als der Regen nachlässt, laufe ich los.

Über den Deich laufe ich nach Vitte, an Schafen und überfluteten Wiesen voller Kanadagänse, Enten und Kormorane vorbei. Das dauert eine knappe Dreiviertelstunde, dann sitze ich im Hipstercafé von neulich und genehmige mir einen weiteren heißen Sanddornsaft. Kurz darauf treffen auch mein Cousin und seine Freundin ein, die mit dem Fahrrad aus Neuendorf gekommen sind. Zuletzt sahen wir uns ja gerade erst vor zwei Wochen im Bahnhof in der Wasserstadt, von daher gibt es wenig Neuigkeiten zu erzählen und wir reden viel über Wohnsituationen in Berlin, Rostock und auf Hiddensee und über das Cousins- und Cousinentreffen, das unsere Väter mit ihrer Schwester und ihrem Cousin gerade in Kanada abhalten. Wir bekommen regelmäßig Fotos und meine Tante bloggt auch (passwortgeschützt) darüber.

Als „zweiten Gang“ gibt es für alle noch einen Tee, dann lockt uns die Sonne nach draußen. Zum ersten Mal, seit ich angekommen bin, gibt es eitel Sonnenschein auf Hiddensee – ausgerechnet am Abreisetag. Ich entscheide mich, den Besuch im Gerhart-Hauptmann-Museum sausen zu lassen (Ich komme ja jetzt hoffentlich wieder öfter her.) und wir spazieren gemütlich am Strand entlang Richtung Norden.



Etwa auf der Hälfte der Strecke verabschieden sich die beiden und kehren zurück zu ihren Fahrrädern. Ich laufe weiter nach Kloster und bin gegen 14 Uhr zurück in der Pension. Mit Gepäck geht es dann hinunter zum Hafen, wo ich bis zur Abfahrt der Fähre auf einer Bank in der Sonne sitze und den Blogeintrag über gestern fertigstelle.

Als wir abgelegt haben, gehe ich nochmal eine Weile oben an Deck und nehme Abschied von der Insel. Dann hole ich mir drinnen ein Matjesbrötchen, ein Stück Apfelkuchen und einen letzten heißen Sanddornsaft und esse Mittag/Vesper/Abendbrot in einem.

Etwa zweieinhalb Stunden dauert die Überfahrt über ruhige See, inklusive diesmal wunderschönem Sonnenuntergang.



Als wir in Stralsund anlegen, werden die Häuser noch vom letzten Nachglühen erhellt, dann ist Schluss mit Licht für heute. Im Dunkeln laufe ich einmal quer durch die Altstadt zum Bahnhof und brauche trotz des Gepäcks dafür nur genau die 27 Minuten, die Google Maps dafür veranschlagt. So habe ich noch kurz Zeit, bevor der Zug abfährt und kaufe mir am Automaten am Bahnsteig eine Tafel Salted-Caramel-Schokolade für den Fall, dass ich doch nochmal Hunger bekomme. Um 18:04 fährt der Zug pünktlich ab. Jetzt krame ich meine Kopfhörer raus – zum ersten Mal seit Mittwoch – und kümmere mich endlich um Duolingo und Babbel. Danach hole ich mein Buch raus.
In Neustrelitz heißt es dann nochmal Umsteigen. Ich winke innerlich kurz der Immergut-Stadt zu – spätestens in sieben Monaten sehen wir uns wieder! Dann noch eine gute Stunde weiter bis Berlin, fleißig lesend. Halb 10 schließe ich die Wohnungstür auf – wieder über 12 km gelaufen heute. Ich begrüße die Katzen, informiere den Ex-Mitbewohner über eingetroffene Post, telefoniere mit dem Liebsten, packe mein Gepäck aus und liege um 10 mit Buch und Schokolade in der Badewanne. Um 22:40 liege ich im Bett – eine Katze links, eine Katze rechts, das Buch vor der Nase – und um 23:30 mache ich das Licht aus. Urlaub vorbei.
Hallo Loosy,
das war zum Urlaubsende aber noch ein richtig schöner Tag.
Ich wünsche dir eine stressfreie Arbeitswoche.
Liebe Grüße
Trude