Der Wecker klingelt um 4:45 und ich rühre mir die nächste Portion für Runde 2 an, heute Fruchtpunsch statt Mango und es schmeckt noch schlimmer. Aus Sorge, dass die Katzen mir im Bett die Becher umwerfen, sitze ich dann 40 Minuten lang am Küchentisch und trinke in kleinen Schlucken abwechselnd beide Becher leer, dazu TikTok über Kopfhörer, um den Mitbewohner nicht zu wecken. Um 5:40 gehe ich aufs Klo und das Timing passt wieder perfekt. Heute morgen geht das alles bisschen schneller, ist ja nicht mehr wirklich was dazugekommen. Ich verbringe mehr Zeit lesend im Bett und gehe nur ab und zu aufs Klo.
Dann warte ich noch kurz, bis das Teilzeitkind normalerweise das Haus verlässt und telefoniere kurz mit dem Liebsten. Wir gratulieren uns zum Vierjährigen und besprechen den Plan für später. Nach dem Auflegen drehe ich mich nochmal auf die Seite und schlafe noch gute zwei Stunden. Später trödele ich im Bett rum, bestelle mir von Online-Werbung getriggert einen kulinarischen Adventskalender, schreibe mit einer Freundin, blogge, mache Italienischübungen… Kurz vor 12 stehe ich auf, dusche und mache mich bereit.

Ich beschließe, für ein wenig Bewegung den Weg in die Praxis zu laufen und bin eine gute halbe Stunde unterwegs. Dabei höre ich einen Italienisch-Podcast, in dem es natürlich auch wieder um Essen geht. Letzter Check-in mit dem Liebsten, dann Warten im Wartezimmer, dann Umziehen (Spezialhose mit hinten offen), hinlegen, Zugang legen, Blutdruckmanschette anlegen, warten. Kurz vor halb 2 habe ich den bereits bekannten Propofol-Geruch in der Nase, es wird kalt und ich bin weg. Ich träume irgendetwas (vergessen), dann werde ich schon wieder geweckt, bekomme meinen Schlüppi angezogen und werde hinüber in den Aufwachraum geführt, wo ich mich nochmal hinlege. Ich mache nochmal für zwei Minuten oder so die Augen zu, dann bin ich aber hellwach.
Ich angle mir mein Handy, sehe dass die Untersuchung nicht lange gedauert hat (es ist erst 2), also auch wohl nichts Außergewöhnliches entdeckt worden ist, schreibe dem Liebsten, meiner Familie und der Mastodon-Timeline, dass es vollbracht ist und muss dann noch eine ganze Weile warten und im Handy herumlesen, bis ich aufstehen und mich zum Liebsten ins Wartezimmer setzen darf.

Da hocken wir dann vielleicht nochmal zehn Minuten, bis ich zum Abschlussgespräch zur Ärztin kann. Wie erwartet wurde nichts gefunden, weswegen ich die beruhigende aber unzufriedenstellende Diagnose Reizdarm bekomme – Reizdarm und Histamintoleranz also. Beim Essen aufpassen und evtl. spezielles Beckenbodentraining, mehr kann man da nicht machen. Evtl. noch FODMAP-Diät, um herauszufinden, was geht oder was nicht. Hmm. Bin unmotiviert. Und sie meint noch, dass das mit dem Histamin ja auch schwankend und unvorhersehbar sein kann. Vielleicht lebe ich dann jetzt einfach damit, dass es mir ab und an echt nicht gut geht? Wir nehmen uns ein Taxi – der Liebste sagt, so wie ich aussehe, lässt er mich nicht Bahn fahren – und dann geht es auf die Couch. Erst jetzt esse ich einen Muffin und der Liebste macht mir Porridge. Essen ist schonmal super!

Dann heißt es für mich faulenzen, für den Liebsten arbeiten. Anlässlich des Vierjährigen wollten wir ja eigentlich lecker Essen bestellen, aber ich soll meinen Darm erst langsam wieder hochpäppeln, also geht der Liebste nochmal kurz einkaufen und dann gibt es halt Stulle zum Abendbrot. Feiern tun wir wann anders. Während des Essens und danach gucken wir einige Folgen „Young Sheldon“ und beobachten Noosa, die sich nach und nach immer näher an das Zimmer des Mitbewohners traut und vielleicht irgendwann in den nächsten Tagen auch mal rein gehen bzw. seine Nähe tolerieren wird. Kurz nach 22 Uhr sind wir beide total müde und machen uns bettfertig.