07.10.2023 – Der Rückzug ins Drinnen

Der Tag beginnt früher als er müsste am Wochenende, aber dann sehr gemütlich mit langer Bettliegezeit und Katzenkuschelei. Der Liebste ruft nochmal an, bevor er zu seinem Reisemarathon aufbricht (Berlin-Franken-Tiefer Westen-Berlin in weniger als 36 Stunden), dann lese ich erst auf Mastodon und danach überall vom Krieg in Israel. Ich schicke meinen Freundinnen dort Nachrichten und sorge mich. Ich sehe auf der Seite eines großen Nachrichtenportals untereinander Nachrichten vom Krieg in Israel, vom Krieg in der Ukraine und Angst vor einem Krieg in Balkan. Derweil bombardiert die Türkei kurdische Gebiete. Es ist alles voller Schrecken, je genauer man hinguckt.

Ich versuche, heute möglichst wenig hinzugucken. Stattdessen mache ich mir Frühstück-im-Bett mit Milchbrötchen, Pflaumenmarmelade, Mandelcreme und Apfel. Den Herbst umarmen. Dann stehe ich irgendwann sogar auf – gegen Mittag glaube ich – ziehe mich an und stelle die Waschmaschine an. Heute bleiben die über Nacht offenen Balkontüren auch tagsüber wieder offen, ich friere weniger als gestern. Ich ziehe mich sogar noch mehr an und gehe ins Draußen, beim Bruder die letzten beiden Stühle von der Party neulich abholen, damit er sich darum nicht mehr kümmern muss, wenn er morgen aus dem Urlaub zurückkehrt und dann direkt in die Umzugsvorbereitungen startet.

Dabei höre ich weiter „Alles gesagt“ mit Christine Westermann. Als ich vor dem Haus des Bruders stehe, merke ich, dass ich aus Versehen den Schlüssel des Lieblingsnachbars eingesteckt habe, nicht den des Bruders. Also gehe ich nochmal zurück, schreibe dem Liebsten den Sachverhalt und dabei fällt mir ein, dass ich den Schlüssel des Bruders ja letztens mit Absicht einfach in der Tasche behalten habe. Ich drehe also wieder um und hole dann doch die Stühle.

Wieder zuhause lege ich mich auf die Couch und werfe meine Sprach-Apps an. Es gibt neuen Italienisch-Content auf Duolingo, jetzt kann ich meinen Streak also wieder sinnvoll aufrecht erhalten – in den letzten Wochen hatte ich mangels Lust erst mit Tschechisch aufgehört und dann auch bei Niederländisch eine gewisse Reaktanz gefühlt, weil ich das ja wirklich für nichts ernsthaft brauche. Jetzt also wieder Italienisch. Alle Sprachlernkräfte auf eine Sprache fokussieren. Irgendwann bekomme ich Hunger und mache mir Stullen, dazu nehme ich mir wieder „Catch-22“ vor. Die Katzen liegen auf mir und Schränken meine Bewegungsfreiheit ein. Ich halte erstmal ein Schläfchen.

Dann lese ich das Buch endlich, endlich aus. Abgehakt, erledigt! Schön war‘s schon, aber halt schwer zu packen. Es ist dann nach 7 und ich mache mir zum Abendbrot die Reste von gestern warm. Dazu wider besseren Wissens noch ein Glas Rotwein – die Flasche muss ja irgendwie auch leer werden – und danach wieder histaminbedingte Schwere.

Ich könnte eigentlich direkt ein anderes Buch lesen, habe aber irgendwie auch Lust auf einen Film. Zum ersten Mal seit langer Zeit stehe ich vor dem DVD-Regal und stelle fest, dass da eine ganze Menge Filme stehen, die ich nur einmal gesehen und schon wieder ziemlich vergessen habe. Würde gerne heute ein-zwei davon sehen und dann in der ganzen dunklen Jahreszeit weitermachen. Ich wähle dann einen aus („La grande séduction“) und lege los, aber nach etwa einer halben Stunde ruckelt der Film nicht nur, sondern stockt irgendwann ganz. Ich probiere eine Weile mit Vor- und Zurückspulen herum und bin dann nicht sicher, ob es an dem „neulich“ noch neu gekauften DVD-Player liegt (der alte war mechanisch defekt) oder ob die DVD selbst nach etwa 20 Jahren hinüber ist.

Ich bin enttäuscht und habe keine Lust, das Gleiche heute Abend mit einem anderen Film nochmal zu erleben. Also wechsle ich zu Netflix und schaue drei Folgen „Sex Education“, das immerhin funktioniert. Nebenbei schaue ich nach den Freundinnen in Israel, die regelmäßige auf Instagram posten. Gut.

Gegen Mitternacht ist wieder Schlafenszeit.