06.10.2023 – Plötzlich Herbst

Ich wache drei Minuten vor dem Weckerklingeln auf und wurde nachts auch nur ein einziges Mal von Nimbin geweckt, so kann das gerne bleiben. Heute muss ich auch erst kurz vor 9 aufstehen, mein erstes Meeting beginnt viertel 10 – allerdings gleich mit einer großen Gruppe und natürlich wie fast immer mit Kamera an. Präsentabilität muss also doch noch hergestellt werden, aber das kriege ich hin.

Zum Meeting kommen heute Menschen aus Berlin, Ostfriesland und Valencia und natürlich sprechen wir da auch direkt übers Wetter. Meine Balkontüren stehen ja seit Mitte März offen, aber mich beschleicht das Gefühl, dass sich das bald ändern muss. Erstmal ziehe ich mir aber noch Socken und einen Hoodie an und hoffe, dass das reicht. Ich löffle mein Müsli und träume weiter davon, vielleicht im Frühling dann mal unser Büro in Valencia zu besuchen.

Es folgen Meetings mit Warschau und Dublin – um diese Jahreszeit keine verführerischen Alternativen – und dann ist auch schon Mittagspause. Ich bringe den Müll herunter und gehe ein paar Dinge einkaufen. Neue Zahnpflege-Snacks für die Katzen und für mich Brot, Milch und Obst. Das Obstsortiment ist jetzt auch ordentlich herbstlich. Ich nehme mir Birnen, letzte Feigen, erste Sharons und einen Granatapfel mit – und muss dem Kassierer bei mehreren davon erklären, was das ist. Außerdem wandert außer der Reihe eine Zeitschrift aufs Kassenband, denn da ist ein Bericht über die Freundin drin, mit der ich letzten Samstag essen war.

Wieder zuhause gibt es Stullen zum Mittagessen am Schreibtisch und ich arbeite Dinge ab. Die beiden Nachmittagsmeetings werden dankenswerterweise abgesagt. Stattdessen aktualisiere ich unser Intranet, erstelle eine Dokumentenvorlage, bespreche mich mit Kolleg*innen zu aktuellen Entwicklungen, übe mich in der Nutzung von ChatGPT (Wer soll denn bitte im Oktober überzeugend einen weihnachtlichen Text schreiben, ich oder vielleicht doch die KI?), helfe einem Kollegen mit einem Backend-Problem und schreibe meinen Wochenbericht, der trotz der kurzen Woche ähnlich lang wird, wie sonst auch.

Um 17 Uhr lege ich mich mit der Zeitschrift auf die Couch – und mache davor die Balkontüren zu, Sommer offiziell beendet -, um 18 Uhr schalte ich das Diensthandy auf lautlos. Als der Liebste vom Sport kommt, telefonieren wir ein drittes Mal heute (nach morgens vor meinem Arbeitsbeginn und nachmittags nach seinem Arbeitsende). Gegen 19 Uhr fange ich an zu kochen – es gibt Kürbis, Kartoffeln und Birnen aus dem Ofen, mit Knoblauch, Rosmarin und Gorgonzola. Kurz bevor alles im Ofen ist, kommt der neue Mitbewohner (ab nächster Woche schreibe ich nur noch Mitbewohner, denke ich) und richtet weiter sein Zimmer ein. Dann essen wir gemeinsam und machen die Flasche Montepulciano d‘Abbruzzo auf, die er neulich mitgebracht hat.

Noosa traut sich während wir essen erstmals in die Nähe des Neulings und liegt am Ende neben mir. Meine Prognose ist, dass sie morgen neben ihm liegen wird, Sonntag auf ihm und Montag in seinem Bett, aber wir werden sehen. Nimbin hingegen hat den Neuen schon adoptiert und liegt gemütlich auf der Sofalehne.

Wir unterhalten uns über italienisches Fernsehen, italienische und deutsche Politik, zwischenmenschliche Beziehungen in Berlin und die Italo-Disco-Playlist, die der Mitbewohner für den Geburtstag einer Freundin morgen Abend zusammenstellt – und hören natürlich auch direkt rein. Zum Nachtisch gibt es aufgetaute Pistazien-Limetten-Muffins vom Nachgeburtstagspicknick und dann bricht er schon wieder auf in eine Weinbar in der Nähe, wo er mit Freunden verabredet ist.

Ich mache es mir auf dem Sofa gemütlich, höre den „Alles gesagt“-Podcast mit Christine Westermann und spiele bis kurz vor Mitternacht auf meinem Handy, dann ist Schlafenszeit. Wochenende.