03.10.2023 – Wie ein Sonntag

Der Dienstag ist nun also der Sonntag meines langen Wochenendes und ich gedenke denn auch, jetzt endlich mal auszuruhen. Dazu habe ich auch genügend Zeit denn wieder werde ich gegen 7 wach. Zwei Stunden im Bett, gegen 9 aufstehen und dann mache ich mir zum Frühstück Ei im Glas (mit Sardellenpaste und Kresse), Buttertoast und schwarzen Tee mit Maracuja. Dann setze ich dem Datum angemessen zwei Tröts ab – einen mehr gefühlig, an Schmunzeltwitter erinnernd, der andere mehr politisch. Beide finden positive Resonanz, der gefühlige geht durch die Decke und sorgt den ganzen Tag über für Benachrichtigungen über Boosts und Favs.

Als ich damit durch bin und ausführlich mit dem Liebsten telefoniert habe, setze ich mich – was sonst sonntags nie passieren würde – an den gestern so schön aufgeräumten Schreibtisch und mache mich an die Steuererklärung. Deadline wäre ja gestern gewesen, aber ich habe sowieso noch nicht alle Unterlagen da. So aber mache ich alles fertig, soweit es eben geht. Der komplexeste Teil diesmal ist der mit den Wegen zur Arbeit – das Büro ist letztes Jahr ja umgezogen und außerdem gab es für die Monatskarte im Laufe des Jahres diverse verschiedene Preise. Also Urlaubs- und Krankheitstage für zwei Zeiträume zählen, in den übrigen Wochen mit zwei Bürotagen pro Woche, Rest Homeoffice, rechnen und das alles für zwei verschiedene Zeiträume. Aber wenn es denn der Wahrheitsfindung dient.

Als ich alles eingetöckelt habe, was geht, klappe ich den Laptop zu, bringe den Papiermüll runter, klebe Zettel mit dem Namen des neuen Mitbewohners an Klingel und Briefkasten (die Hausverwaltung macht das erfahrungsgemäß demnächst nochmal in Schön) und lege mich dann endlich und final aufs Sofa. Ich lasse die in meiner Bubble viel gelobte Dokuserie „Capital B“ über Berlin seit der Wende in der arte-Mediathek laufen und verliere mich auf dem Second Screen in einem neuen Handyspiel. Während der vorletzten Folge meldet sich der Lieblingsnachbar mit Eisbereitschaft und wir gehen nach Draußen. Heute ist es immer noch warm, aber bedeckt und es fallen vereinzelt Regentropfen. Der Herbststimmung angemessen wähle ich Tiramisù und Pistazie.

Wir laufen durch den Helmholtzkiez und den Kollwitzkiez und dann wieder zurück und erzählen uns unsere aktuellen Leben. Das letzte Mal ist schon wieder eine ganze Weile her. Wieder zurück auf der Couch schaue ich die Doku zu Ende und telefoniere wieder mit dem Liebsten. Dann stehe ich auf und koche Dinge aus der Biokiste weg – fürs Abendbrot und als Meal Prep für die anstehenden Bürotage. Es gibt gebackene Kartoffeln, Möhren und Sellerie und dazu vom Nachgeburtstagspicknick übrig gebliebene Rinderbratwurst und einen Salat mit Tomaten.

Während und nach dem Essen schaue ich live auf C-SPAN zu, wie sich die republikanische Partei in den USA noch weiter zerlegt und damit das ganze politische System ins Wanken gerät. Unterhaltsam und erschreckend gleichermaßen, auch mit Blick auf das Unsrige. In den Pausen während der Abstimmungen räume ich die Küche auf, packe das Essen für morgen passend in Dosen und siebe die Katzenklos durch. Als McCarthy nicht mehr Speaker of the House ist, gehe ich erst ins Bad und dann ins Bett und schaue dabei noch weiter Kommentare und Analysen. Gegen halb 12 ist dann aber endgültig Schlafenszeit.

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