Hui, was war die letzte Woche – oder gar die letzten Wochen – schon wieder stressig. Und das so kurz nach dem Urlaub. Sehnsüchtig blickte ich seit Tagen auf diesen Sonntag und räumte ihn immer freier von Verpflichtungen. Schließlich wurde es ein Sonntag, wie er im Buche steht. Es beginnt mit hervorragendem Durch- und Ausschlafen, brutto fast neuneinhalb Stunden, netto nur wenig weniger. Dann ausgiebiges Herumtrödeln im Bett, bis der Hunger mich heraustreibt. Nach 11 stehe ich in der Küche und am Herd, denn die Freitag gelieferten Pflaumen sind noch ziemlich hart. Also schnipple ich ein paar davon klein, dünste sie mit Zimt in Butter und tue das Gemisch dann über mein Müsli, das ich im Nachthemd im Liegestuhl auf dem spätsommerlich heißen Balkon frühstücke.

Dabei wische ich durch die verschiedenen Erinnerungen auf dem Handy – u. a. vor vier Jahren auf Sizilien, als ich gerade anfing, den Liebsten kennenzulernen. Auch sonst viele Urlaube um diese Zeit – Irland, Wales, Sardinien… Bevor das Teilzeitkind da war, war der September mein klassischer Urlaubsmonat. Nun, die Zeiten ändern sich. September in Berlin ist jedenfalls auch ganz gut. Nach dem Frühstück ein wenig leichte Aktivität mit Hörbuch auf den Ohren – Wäsche waschen und aufhängen, bei der Gelegenheit mal wieder das Flusensieb reinigen, Müll bereit stellen, Katzenklos durchsieben und mich überhaupt auch mal anziehen. Dann gehe ich hinunter zur Nachbarin, bei der der DHL-Mensch gestern mein Katzenfutterpaket abgegeben hat, statt es wie vorher festgelegt bei mir vor die Wohnungstür zu stellen, falls ich nicht da bin. Wir schimpfen kurz gemeinsam, dann wuchte ich das riesige Paket hoch, packe es aus und verstaue 13 kg Katzenfutter in kleinen Tütchen im Vorratsschrank.
Jetzt erstmal wieder ausruhen! Ich lege mich mit dem Hörbuch aufs Sofa, spiele ein bisschen auf dem Handy und döse langsam weg. Als das Hörspiel vorbei ist, bin ich wieder munter und verspüre ein Hüngerchen. Zum Kochen bin ich aber gerade zu faul, also gibt es Stullen mit Chimichurri-Gouda und Serrano-Schinken, eine Apfel und eine Möhre. Jeht ooch. Ich esse und lese ich erstmals seit mindestens zehn Tagen in meinem Buch weiter und schaffe immerhin fünf Prozent. Irgendwann ist es dann nochmal Zeit, nach draußen zu gehen und endlich wieder aktiv das Schrittziel anzugehen. Ich bringe den Müll runter und drehe dann eine ausgiebige Runde durch den Nordwesten meines Kiezes, mit Stippvisite in Pankow und Weißensee, trinke eine Limettenlimo und sammle dabei vier Geocaches ein.



Wieder zuhause ist es Zeit für einen Sonntagsfilm. Da ich noch ziemlich satt bin und auch immer noch keine Lust auf Kochen habe, gibt es weitere Resteverwertung – eine Handvoll Salzstangen, eine Dritteltüte Chips und für den gesunden Ausgleich drei weitere Möhren. Dazu schaue ich „A man called Otto“ mit Tom Hanks, der sehr OK ist – das Original mit Ove hatte ich damals zwar wahrgenommen, aber nicht angesehen, so dass ich keine Vergleiche ziehen kann. IMDB bewertet das Original besser, was ich für sehr plausibel halte. Trotzdem immer schön, eine Play-Tone-Produktion zu sehen. („Es hat ein Loch, es hat Rillen, das ist ne Play-Tone-Platte!“)
Weil ich eh gerade auf Netflix bin, schaue ich danach noch die zwei ersten Folgen der neuen Staffel „Virgin River“ als Hintergrundkulisse für Handy-Zocken – zwischendurch schicken die Eltern Berichte und Fotos von nach dem Hurrikan – und dann ist auch schon wieder Schlafenszeit und der herrliche Sonntag vorbei.