20.08.2023 – Sonntag, Strand und Kamin

Der Sonntag beginnt mit der Frage nach einem Frühstücksei, die wir enthusiastisch bejahen. Da liegen wir schon zu dritt wach – das Teilzeitkind hat mir bereits mein Handy abgeschwatzt, der Liebste guckt in seins und trinkt Kaffee, ich lese im Buch und trinke meinen. Kurz danach heißt es „Hurtig Kinder, kommt zu Tisch“ und wir frühstücken ausgiebig und gemütlich. Danach chillen wir alle vor uns hin, ich blogge fertig und bediene die Sprachlern-Apps, der Liebste vertieft sich in sein Buch, das Teilzeitkind hört Hörspiel… Irgendwann kommt ein wenig Aktivität ins Spiel, denn nachher kommt Besuch.

Des Teilzeitkinds Protestaktion neulich hat gefruchtet, es muss nicht aus seinem Zimmer ausziehen. Dafür bekommt es uns als Zimmernachbarn. Der Liebste und ich packen also unsere Siebensachen und machen das Gästezimmer frei, beziehen das Bett des Teilzeitkinds (aber nur zum Schlafen, tagsüber bleiben wir dem Zimmer fern!) und das Kindelein bekommt eine Matratze auf dem Boden. Dann erst einmal wieder ausruhen und lesen, es ist schließlich Sonntag. Gegen halb 3 wird die Langeweile dann zu groß (dem Kind, nicht uns) und wir fassen einen Ausflugbeschluss. Schnell noch etwas Kuchen fassen und dann geht es Känguru-hörend die Küste hinunter zu einem Strand, an dem die beiden noch nicht waren.

Wir spazieren durch ein Waldstück an den Strand und dann über Steine und durch Priele ein wenig hin und her, dann entscheiden wir uns ein Stück Sandstrand. Außer uns sind nur zwei weitere Gruppen da, die eine ging, als wir kamen, die zweite geht jetzt. Wir haben den ganzen schönen Strand für uns alleine. Das Teilzeitkind badet mutig – und ist es zu frisch und windig. Dann baut es mit dem Liebsten an einer riesigen Sandburg, während ich weiter hinten in der Sonne liege und einfach nur bin. Nach guten zwei Stunden brechen wir schließlich wieder auf und fotografieren auf dem Rückweg noch die große Schlange, die wir dem Liebsten auf dem Hinweg verboten hatten, anzusehen.

Zuhause ist inzwischen der Besuch eingetroffen und es wird gekocht, Abendessen zu siebt mit drei Sorten Gemüse, damit alle etwas zu essen finden. Zum Nachtisch gibt es „bewaffneten O-Saft“ aka „Sanften Engel“.

Dann wechseln wir hinüber ins Wohnzimmer, während draußen das letzte Tageslicht verschwindet.

Ich gewinne eine weitere Partie Sagaland (whoopwhoop!) und dann lassen wir den Abend am Kamin ausklingen.

19.08.2023 – Faultag und Stars Hollow auf Kanadisch

Heute müssen wir erst einmal exakt gar nichts. Wir schlafen aus, so lange wir können (bei mir heißt das gegen 7, aber ich war ja früh im Bett), trinken Kaffee/Kräutertee im Bett und bleiben gemütlich liegen, bis wir Hunger bekommen. Es gibt also dann gegen halb 11 Frühstück. Bis dahin hat sich auch der morgens bedeckte Himmel aufgeklart und ich setze mich mit meinem Buch raus auf die Terrasse in die Sonne. Allerdings ist genau dann die zweite Waschmaschine mit unseren Roadtrip-Klamotten fertig und ich stehe direkt wieder auf, um die auf der Wäscheleine auf der Waldlichtung aufzuhängen. Als ich zurück bin, ist es zu windig, um draußen sitzen zu bleiben, also lese ich drinnen weiter.

Am frühen Nachmittag fahren wir hinüber in das Dorf auf der anderen Seite der Bucht. Hier findet dieses Wochenende eine Arts & Crafts Ausstellung von Künstler*innen aus der Gegend statt. Wir haben ja bei den meisten kleinen Dörfchen hier immer dieses „Stars Hollow“-Gefühl – die Landschaft und Architektur sind in Neuschottland ähnlich wie in Neuengland und dann ist jedes winzige Nest plötzlich Stars Hollow.

So auch heute wieder, gerade wenn das ganze Dorf für eine Veranstaltung zusammenkommt. In den Ausstellungsräumen kümmern sich Freiwillige im Schichtdienst um die Organisation, es gibt Auktionen für bestimmte Kunstwerke, ältliche Leutchen haben Kassendienst beim Verkauf von Postkarten und ähnlichem und halten mehr Schwätzchen als dass sie verkaufen… Man weiß, wo die Palladinos ihre Inspirationen hernehmen.

Meine Eltern treffen eine Bekannte, bei der meine Mama immer im großen Garten Beeren pflücken darf. Man unterhält sich über die lokalen Künstler*innen und wer in der Gegend am besten Bilder rahmt und einiges mehr. Insgesamt dreht sich die Welt hier ein bisschen langsamer und entspannter, wie wahrscheinlich überall auf dem Land. Aber hier dann dafür mit solchen Ausblicken vom Hafen aus:

Nach der Ausstellung fahren meine Eltern schon mal los, Kaffee und Tee kochen, während wir an der lokalen Feuerwehr noch den nächsten Geocache abhaken. Dann treffen wir uns alle auf dem Deck bei Pflaumenkuchen und Quarktorte.

Der Nachmittag wird dann wirklich sehr beschaulich, mit Lesen, Mittagsschläfchen, Buntstifte mit dem Messer anspitzen…

Irgendwann verschwinden Mama und Teilzeitkind in der Küche und machen Baba Ghanoush und Hummus, dann grillen wir Zucchini und ich kümmere mich um Bruschetta und Salat. Das Abendessen ist heute eine Art Antipasti-/Mezze-Buffet. Eine weitere willkommene Abwechslung nach all den Burgern und Pommes.

Nach dem Essen gewinne ich dann zum allerersten Mal eine Partie Sagaland, bevor sich die U60-Fraktion mit ihren Büchern und die Ü60-Fraktion mit ihren Laptops beschäftigt, bis es Zeit ist, schlafen zu gehen.

18.08.2023 – Rückfahrt im Regen

Diese Nacht war eher furchtbar. Zwar lagen der Liebste und ich wieder in einem Bett, aber dafür beide jeweils stundenlang wach – er wegen der Weiche des Betts, ich wegen Durchfall und Bauchschmerzen. Ob das nun dem Essen gestern Abend speziell geschuldet ist, oder die Gesamtmenge an Histamin der letzten Tage, oder irgendeinem anderen random Grund, weiß ich nicht zu sagen. Ausgeruht ist am Morgen jedenfalls nur das Teilzeitkind. Nach den vielen Sonnentagen unseres Roadtrips (seit dem R-Wort beim Powwow) war es trocken und meist eben auch blauer Himmel, gibt es heute am Rückreisetag folgerichtig Regen.

Wir packen schnell unsere Sachen zusammen, laden dem Teilzeitkind noch ein paar Hörspiele runter, solange wir noch WLAN haben, checken aus und halten dann gleich einen Kilometer weiter an einem unscheinbaren Diner, wo es dann aber ein hervorragendes Frühstück gibt. Es dauert lange und die Auswahl ist nicht so wahnsinnig groß, wenn man sich für süßes Frühstück oder etwa gar etwas Gesundes interessiert, aber was dann kommt ist wirklich, wirklich lecker.

Eggs Benedict, Homefries, Blaubeerpfannkuchen, Tee

Über diesem Foto entspannt sich ein Gespräch über das Essen hier auf Instagram und ja, man muss das so sagen: Die lokale Küche – zumal die in Restaurants – ist nordamerikanisch speziell. Wenn man kein Fan von Fisch und Meeresfrüchten ist, gibt es hauptsächlich Burger und Pommes, manchmal auch Sandwiches und Steaks. Fastfood-Optionen sind vor allem Pizza, Poutine und Donair – die Nova-Scotia-Variante des Döners. Wenn man Fisch und Meeresfrüchte mag, gibt es vor allem immer wieder die gleichen Standards, die je nach Restaurant besser und schlechter schmecken – Fish & Chips (mit Pommes und Coleslaw), Seafood Chowder, Jakobsmuscheln (meist mit Bacon umwickelt), Lobster am Stück, im Brötchen oder auf Mac‘n‘Cheese. In besseren Restaurants dann auch mal Lachs, Heilbutt, Miesmuscheln, frittierte Venusmuscheln, Austern oder eben Schneekrabbe. Und in den Beilagen dann eben traditionell Pommes und Coleslaw, manchmal auch Kartoffelbrei oder Salzkartoffeln und saisonales anderes Gemüse. Nach fünf Tagen Roadtrip habe ich mich da mit jeweils Vor- und Hauptspeise einmal durchgegessen, ohne mich zu wiederholen. Achja, Salate haben meistens Käse und/oder Fleisch dabei, etwaige Pasta- und Pizzagerichte auch. Wer also vegetarisch/vegan unterwegs ist, muss ganz schön herumlavieren, sich selbst versorgen oder in den größeren Orten (davon gibt es in Nova Scotia überschaubar viele) bleiben, wo es natürlich auch internationaleres Essen gibt und dann z. B. auch Bowls, Burritos etc. In dem Frühstückslokal gestern gab es jedenfalls keine einzige vegetarische Option, von vegan ganz zu schweigen. Von Histamin brauchen wir gar nicht anfangen, ich habe in diesen Tagen aufgehört, die App zu füttern, die sowieso täglich knallrot wurde. Nichtsdestotrotz habe ich in den meisten Lokalitäten lecker gespeist!

So, Ende des Exkurses. Nach dem Frühstück steigen wir ins Auto und fahren dann im strömenden Regen in etwa viereinhalb Stunden (verzögert noch durch Pinkelpausen, Tanken, Kaffee/Kakao holen bei Tim Hortons), Baustellen und langsam Fahren wegen Sturzregen und Aquaplaning zurück zu meinen Eltern. Unterwegs hören wir zuerst alle gemeinsam eine Folge „Die drei !!!“ und danach der Liebste und ich „Per Anhalter durch die Galaxis“ als Hörbuch, gelesen von Christian Ulmen.

Am späten Nachmittag sind wir da, packen aus, werfen die erste Maschine Wäsche an (mit den verschlammten Schuhen und Klamotten von unserer Abenteuerwanderung) und berichten meinen Eltern detailliert von unserem Trip. Da sie hier mitlesen, habe ich dazu nicht allzuviel Neues beizutragen und richte mir nebenbei einen Bluesky-Account ein und beginne, Followings zusammenzusuchen. Erstaunlich, wie viele bekannte Gesichter von Twitter nicht zu Mastodon gekommen sind, aber jetzt dort sind. Ich halte mir das Plätzchen da mal warm und konsumiere passiv, Mastodon fühlt sich inzwischen schon ganz gut zuhause an. Dann chille ich auf dem Sofa, spüre den Bauchschmerzen nach, die immer noch da sind, trinke einen Brombeerblättertee dagegen und gucke raus in den Regen in der Bucht – gemütlich!

Heute ist außerdem der Tag, an dem wir uns gedanklich ausführlicher mit der ernsthaften Rückreise nächsten Donnerstag und der Rückkehr in den Alltag befassen. Schmöchte das nicht!, reserviere aber trotzdem schonmal zwei mögliche Zugverbindungen von Frankfurt zurück nach Berlin und gucke, ob ich das Rail & Fly Ticket herunterladen und die Sitzplätze im Flieger schon auswählen/buchen kann (beides nein, die Bahnseite streikt, der Online-Check-in ist noch nicht verfügbar).

Also weiter im Urlaubsmodus. Zum Abendbrot gibt es leckeren nachhaltig bio-gefarmten Lachs aus der Gegend (Wildlachs ist noch teurer und wird von der Westküste eingeflogen) mit viel Gemüse und Salat. Nach dem Essen spielen wir zu dritt noch eine Runde „Halt mal kurz“, ruhen uns aus und gehen dann kurz nach 10 todmüde ins Bett.

17.08.2023 – Bach sehen, Berg sehen, Meer sehen, See sehen

Wir haben dank des heutigen Arrangements (ich und Teilzeitkind in dem einen, der Liebste in dem anderen Bett), alle drei ganz hervorragend und lange geschlafen. Dafür ist das Frühstück im Motel in der Wildnis eher so lala, aber satt werden wir doch. Danach packen wir unsere Siebensachen ins Auto und fahren los, weiter über den Cabot Trail und in den Nationalpark hinein. Wir beginnen die Aktivitäten schon nach kurzer Zeit mit einem kurzen Spaziergang an einem Bachlauf entlang.

Darauf folgt eine längere Autofahrt durch die Berge, bevor sich die Straße wieder hinunter ans Meer windet.

Von da machen wir einen kurzen Abstecher zu einem Dorf außerhalb des Nationalparks und genießen den Ausblick und das schöne Wetter unten – das hier ist der nördlichste Punkt unserer diesjährigen Reise und auch beinahe der nördlichste von Nova Scotia.

Wieder zurück im Park machen wir die nächste Wanderung, an der Steilküste entlang und mit spektakulären Ausblicken.

Danach ist es Zeit für einen kurzen Eis-Zwischenstopp an einem General Store und dann eine längere Pause an einem Strand. Das Teilzeitkind geht baden, der Liebste hält zumindest die Füße ins Wasser. Mir ist es dafür aufgrund des eisigen Windes zu kalt, aber angeblich ist das Wasser ganz OK warm.

Während sich die beiden abtrocknen und wieder reisefertig anziehen, spaziere ich auf der Suche nach einem Geocache noch ein wenig an einem Süßwassersee hinter dem Strand entlang – leider ist der Cache nicht mehr da, aber der See ist schön.

Kurz hinter dem Strand verlassen wir den Nationalpark endgültig, aber die Straße schraubt sich nochmal bis hoch in die Wolken den Berg hinauf – die armen Radfahrenden, die wir hier immer wieder überholen, das ist wirklich kilometerlang alles sehr steil hier.

Wieder unten haben wir noch ein gutes Stündchen bis zu unserem heutigen Inn vor uns und gönnen uns erstmal eine Kaffeepause am See, mit Fudge Brownie für das Kindelein und Pfirsich-Zimt-Scone für mich. Dann hören wir alle drei zusammen ein „3 !!!“-Hörspiel, bis wir schon fast da sind.

Wir beziehen unser Zimmer, reservieren uns einen Tisch fürs Abendbrot und gehen dann nochmal eine Stunde lang am See spazieren – und drei von vier Caches auf der Route einsammeln.

Die Speisekarte heute hat neben Fisch, Meeresfrüchten und Burgern auch Pasta zu bieten, so dass die anderen beiden auch mal etwas Abwechslung von den ewigen Burgern und Fish & Chips haben. Ich bleibe weiterhin bei den lokalen Spezialitäten.

Überbackene Rockefeller-Austern
Mit Pilzen und Schneekrabbe gefüllte Seezunge, dazu ein halbes Schneekrabbenbeinchen, Kartoffelgratin und Gemüse
Crème brûlée, nicht lokal, aber immer lecker.

Dazu trinken der Liebste und ich einen akadischen Pinot Grigio von der Nordküste des Nova-Scotia-Festlands, der erstaunlich gut ist. Gegen halb 11 liegen alle satt und zufrieden in ihren Betten (heute Nacht wieder wir zu zweit und das Teilzeitkind alleine). Letzte Nacht unterwegs, bevor es morgen wieder zurück zu meinen Eltern geht!

16.08.2023 – Kühe, Küstenstraße, Wale, Wasserfall und Meeresfrüchte

Nach dem Aufwachen – der Liebste hatte sich die zweite Nacht ein Bett mit dem Teilzeitkind geteilt, weil das weniger Platz einnimmt als ich (zumindest in der Theorie, wer mit Kindern schlafen kennt, weiß, wie viele bewegliche Teile die über Nacht entwickeln) – machen wir den Deal, das ich heute Nacht mit Kind schlafen werde und er vor dem vielen Autofahren morgen ein Bett für sich alleine haben wird. Und dass wir zukünftig versuchen werden, immer mindestens ein Queensize-Bett im Zimmer zu haben. Nun aber erst einmal Frühstücksbüffet, zum ersten Mal auf dieser Reise frühstücke ich u. a. Oatmeal und French Toast. Dann packen wir unsere Siebensachen, checken aus und fahren zunächst einmal auf die Chéticamp vorgelagerte Insel.

Dort am Leuchtturm, zwischen den Kühen, soll es einen Cache geben, den wir aber nicht finden. Doch alleine wegen Aussicht, Landschaft und vorwitzigen Kälbchen hat sich der Ausflug gelohnt.

Danach gibt es ein Trosteis (Sea Salt Caramel für mich) und wir fahren los und hinein in den Cape Breton Highlands Nationalpark. Während der Liebste den Eintritt bezahlt, finden das Teilzeitkind und ich hinter dem Gebäude der Parkinformation endlich einen Cache und der Tag ist vorerst gerettet. Auf der spektakulären Küstenstraße des Cabot Trail fahren wir eine Dreiviertelstunde bis in den nächsten Ort, Pleasant Bay, der bereits unser heutiges Ziel ist. Zwischendurch müssen wir aber auch zweimal anhalten um uns an der Aussicht zu erfreuen und viele Fotos zu machen.

In Pleasant Bay parken wir am Hafen, wo der Liebste in einer Stunde zu einer Whale Watching Tour aufbrechen wird. Da das Teilzeitkind letztes Jahr beim Whale Watching auf Brier Island seekrank wurde, ist es dieses Jahr nicht zu überreden und wir zwei bleiben (seit Monaten so verabredet) an Land. Wir spazieren durch den Hafen, der Liebste und das Teilzeitkind klettern am Strand herum, das Teilzeitkind sammelt Hagebutten für heimtückische Zwecke und dann ist es auch schon Zeit, den Liebsten ins Boot zu setzen.

Wir winken dem mutigen Seebären und gehen dann direkt ins Walmuseum nebenan. Dort gibt es Wissenswertes über Wale im Schnelldurchlauf, am interessantesten sind für das Kind die multimedialen Anteile – ein Zeitstrahl über die Evolution der Wale, ein Video über Walfang und das Anhören der verschiedenen Walgesänge. Dank vom Museum vorbereitetem Suchspiel ist es mehr mit dem Finden von Gegenständen beschäftigt als mit der Ausstellung selbst, aber mir soll es Recht sein. Im Shop kaufen wir dann noch eine neue Orca-Tasse für den Liebsten (sein Lieblingstier) und dann sitzen wir draußen vor dem Museum in der Sonne. Das Teilzeitkind nutzt das WLAN des Museums, um ausführlich auf meinem Handy zu zocken, ich beschäftige mich mit den Wanderkarten des Nationalparks. Und dann ist der Liebste auch schon wieder da – sie sind direkt nach dem Rausfahren auf eine Schule Pilotwale gestoßen und haben, nachdem alle ausführlich Fotos gemacht haben und der Großteil der Passagier*innen die Wale gefüttert hatte (der Liebste nicht), frühzeitig wieder umgedreht. So haben wir die heldenhafte Rückkehr des Seebären leider verpasst.

Wir fahren zu unserem heutigen Motel, beziehen unser Zimmer und gehen dann nebenan in den General Store und besorgen Chips und Limo für den Abend und ein Eis für den Liebsten (er hatte morgens keins), sowie ein zweites für das Teilzeitkind. Dann ruhen wir uns kurz aus, bevor wir zu einer kurzen Wanderung in der Nähe aufbrechen. An einem Bachlauf entlang geht es durch den Wald bis zu einem Wasserfall.

Diese Wanderung geht ohne größere Dramen oder Schlammlöcher ab und es kommen auch keine Kojoten vor, wir hätten aber für die auch Stöcke dabei gehabt. Als wir zurück am Auto sind, fahren wir direkt wieder hinunter ans Wasser und gönnen uns ein leckeres Abendmahl im Sonnenschein auf der Terrasse eines der Fischrestaurants hier.

Lokale Austern
Zitronenlimonade mit Blaubeeren
Salat mit Apfel, Mandeln, Cranberries und Mohn-Vinaigrette
Eine halbe lokale Schneekrabbe mit Butter, Kartoffelbrei und Coleslaw
Coconut Cream Pie

Nach dem Abendessen fahren wir zurück zum Motel. Der Liebste holt sich an der Rezeption noch ein Bier, für die anderen gibt es Limo und wir lassen den Abend mit Bergblick ausklingen. Nachdem die Sonne untergegangen ist, wird es schnell kühl und wir machen uns bettfertig. Halb 10 (!) geht das Licht aus. Der Liebste schläft, das Teilzeitkind hört Hörspiel und ich nicke auch bald über meinem Kreuzworträtsel ein.

15.08.2023 – Gälisch, Mi‘kmaw & Akadisch auf Cape Breton Island

Ich habe trotz sehr weichen Bettes ganz wundervoll geschlafen, weil der Liebste in der Hoffnung, mit dem Teilzeitkind mehr Platz im Bett zu haben, im anderen Bett geschlafen hat. Er sieht zerknitterter aus als ich, dafür gehen die beiden aber direkt morgens noch zum Pool, während ich gemütlich im Bett liegen bleibe und blogge. Als die beiden zurück sind, gehen wir zum Frühstück und haben einen wundervollen Blick auf den Fluss dabei. Wir futtern uns durch das Frühstücksbuffet und lassen uns frische Pancakes braten (Eier oder Omelette wären auch gegangen). Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dieser Unterkunft und empfehlen sie auf Anfrage gerne weiter.

Kurz vor der Abfahrt, bevor wir wieder eine ganze Weile ohne Internetempfang sind, sammeln wir an der Brücke, an der gestern die Wanderung anfing, noch einen Cache ein.

Danach fahren wir gute zwei Stunden bis zu unserer nächsten Station. Das Teilzeitkind hört Hörspiel, wir hören Musik. Von der Eastern Shore geht es an die Northumberlandshore und dann auf dem Trans Canada Highway (in nur 57 Stunden könnten wir in Vancouver sein) über den Canso Causeway rüber nach Cape Breton Island. Hier gibt es zum Meer auf einmal auch Berge. Unser erster Halt ist ein Freilichtmuseum, in dem man die schottischen Einwanderer von ihren Highland-Hütten in 18. Jahrhundert nach Cape Breton begleiten und die weitere Entwicklung bis zur Gegenwart nachempfinden kann. Dabei wird viel Gälisch gesprochen.

Danach führt uns unsere Route durch ein Reservat der Mi‘kmaq, neben den vielen Flaggen und kulturellen Symbolen vor allem zu erkennen an den langen Schlangen an der Tankstelle und den vielen Cannabis-Läden – da Einkünfte, die „Status Indians“ in den Reservaten erhalten, von der Steuer befreit sind, kosten alle diese Dinge hier natürlich weniger als auf Provinzgebiet, was von der gesamten Bevölkerung gerne wahrgenommen wird.

Und dann sind wir auch schon wieder in der Acadie, dem französischsprachigen Teil der Maritimes, und fahren den Cabot Trail entlang nach Chéticamp, unserem heutigen Ziel. Wir beziehen unsere Zimmer in einem Inn – stilecht mit französischen Betten – und spazieren hinüber zum Pub. An einem Tisch mit Meerblick nehmen wir das Abendessen ein. Es gibt akadischen Eintopf aus Rindfleisch, Kartoffeln und Zwiebeln und dann zum Hauptgang Fish & Chips für den Liebsten, Hähnchen und Pommes für das Teilzeitkind und einen Seafood-Teller mit zwei Sorten Backfisch, Muscheln und mit Speck umwickelten Jakobsmuscheln für mich. Dazu bekommt das Kindelein Eiswasser und der Liebste und ich probieren uns durch das lokale Craft-Beer- und Cider-Angebot.

14.08.2023 – Schuhe, Aussicht, Wandern, Wellness

Nach leicht unruhiger Nacht (zu zweit auf sehr weicher, nicht allzu breiter Matratze, so dass man sich ständig in der Mitte trifft – das Teilzeitkind im Bett gegenüber schlief gut), packen wir unsere Sachen recht schnell zusammen und stehen kurz nach Öffnung der Mall in einem Klamottenladen. Das Teilzeitkind darf sich einen Packen Socken aussuchen, nachdem es ja für 5 Tage Wildnis nur ein Paar dabei hatte und das jetzt nass ist) und greift zielsicher zu den Jordans. Dann soll es auch noch neue Schuhe bekommen, da die alten schon fast auseinander fallen und undicht sind. Das Argument, dass es ja in Deutschland noch Schuhe hätte, lassen wir nicht gelten. Also sucht es sich wiederum sehr zielsicher, Markenschuhe aus – in blasslila. „Ich weiß aber nicht, ob die dreckig werden dürfen…“ Wir versichern, dass sie dreckig werden dürfen und dann ist es zufrieden. Vor dem Bezahlen geht sich der Liebste dann auch nochmal einen Packen Socken holen, nachdem ich meinen Vortrag über „ein paar Socken pro Tag einpacken“ einmal zu oft gehalten habe.

Danach gehen wir direkt nebenan, immer noch in der Mall, in ein Frühstückslokal mit dem schönen Namen „Pür & Simple“. Das Teilzeitkind speist eine Waffel mit Erdbeeren, Bananen, Nutella und Sahne – bzw. eigentlich vor allem den Belag, den Großteil der nackten Waffel lassen wir uns hinterher einpacken. Der Liebste nimmt einen Breakfast Burger mit Bratkartoffeln und für mich gibt es das Canadian Breakfast mit zwei Eiern, Würstchen, Bacon, Bratkartoffeln, Blaubeerpfannkuchen und Vollkorntoast. Sehr lecker!

Dann ist es Zeit, wieder auf die Straße zu kommen. Wir fahren zurück an die Küste (jetzt die Eastern Shore, also östlich von Halifax) und hören dabei nochmal eine Folge „Die drei !!!“. Eigentlich wollen wir uns rekonvaleszente Wildtiere anschauen, aber die Auffangstation ist heute leider für Besucher geschlossen. Also geht es direkt weiter, den Marine Drive entlang nach Nordosten. Das Teilzeitkind hört sein Hörspiel jetzt mit Kopfhörern, der Liebste und ich einigen uns als Kompromiss auf den lokalen Country-Sender und hören herzzerreißende Lieder über Männer, die nur unter Alkohol ihre Gefühle zeigen können und bewundern die wunderschöne, menschenleere Landschaft.

Nach guten zwei Stunden kommen wir an unserem Hotel für heute an – eine Lodge im Stil der Ferienhotels des Borscht Belt (vgl. „Dirty Dancing“ und „Marvelous Mrs Maisel“), allerdings ohne Animationsprogramm, aber durchaus mit u. a. Shuffleboard, Draußenschach, hoppelnden Kaninchen und Tiergehegen. Wir beziehen unser Zimmer und schicken Fotos von unserem Balkon hinaus in die Welt.

Das Poolhaus mit Pool, Whirlpool und Sauna ruft schon sehnsüchtig nach uns, aber vor die Erholung hat der Plan die Anstrengung gesetzt, also gehen wir jetzt wandern. Vom Hotel aus gibt es sechs verschiedene Trails, vier zum Spazieren, zwei zum Wandern. Von denen suchen wir uns den kürzeren aus, der mit einer Stunde Dauer angegeben ist, melden uns an der Rezeption ordnungsgemäß ab und laufen los. Nach einem Stück die Straße entlang geht es schnell in den Wald. Ein schmaler Pfad windet sich bergauf und bergab über Stock und Stein, an vielen Stellen matschig und sumpfig, weil es in den letzten Tagen hier viel geregnet hat. Das macht das Laufen beschwerlich – schon mal grundsätzlich und dann noch, weil ein nicht näher benanntes Kind seine neuen blasslila Schuhe nicht dreckig machen möchte und über jedes bisschen Schlamm motzt und meckert.

Nach etwa einem Drittel des Weges kommen wir am Flussufer an und ruhen uns kurz aus.

Kurz haben alle wieder gute Laune, aber dann kommt der beschwerliche Teil des Weges, bei dem wir immer wieder abenteuerlich klettern, Hindernisse überwinden und durch vollgesogenes Moos und schlammige Stellen waten müssen. Irgendwann waren wir alle mit den kompletten Schuhen einmal in der Matschepampe drin. Das ist dann der Moment, wo sich das Teilzeitkind den Zimmerschlüssel geben lässt und wütend davon prescht, weil wir ihm zu langsam sind und es seine Schuhe so schnell wie möglich sauber machen möchte. Von dem Moment an brauchen der Liebste und ich noch fast eine halbe Stunde, bis wir aus dem Wald heraus und zurück auf dem Hotelgelände sind.

Wir sind kaputt und müde, mit schmerzenden Gliedern von mehreren Stürzen und völlig verdreckt, als wir ins Hotelzimmer kommen, wo ein vor Energie strotzendes Kind einen Schuh schon fast sauber hat, kurz davor ist, mit dem nächsten anzufangen und uns fröhlich anbietet, danach mit unseren Schuhen weiter zu machen, das sei so schön entspannend. Mit viel Fingerspitzengefühl schaffen wir es nach einer kurzen Ausruhphase, das Kind von seinen Schuhen zu lösen und in seinen Badeanzug zu stecken. Dann laufen wir endlich hinüber ins Poolhaus. Der Pool selbst ist der Wärmste, den ich seit den Thermalbädern in Island vor 24 Jahren erlebt habe, ohne dabei nach Schwefel zu riechen. Der Whirlpool ist noch heißer, ähnlich wie ein isländischer Hot Pot. Dazu gibt es noch eine Sauna, die aber nur so um die 70 Grad heiß ist, und eine Sonnenterrasse. Wir lassen es uns gute zwei Stunden gut gehen und wechseln zwischen den vier Orten und Temperaturen hin und her.

Halb 8 wird es dann langsam Zeit, sich fürs Abendessen fertig zu machen, das wir für 20 Uhr reserviert haben. Da ich ja nur ein paar Socken pro Tag für den Roadtrip eingepackt habe und nicht wie die anderen seit heute morgen noch welche extra in petto habe, gehe ich in Flipflops zum Essen. Es ist aber auch immer noch warm genug dafür.

Pfirsich-Eistee mit Wodka
Muscheln aus Prince Edward Island, in einer Knoblauch-Weißwein-Brühe gedämpft
Maple Plank Salmon mit Meersalzkartoffeln, Meerrettich-Schnittlauch-Creme, Blaubeersauce und Saisongemüse
Strawberry Shortcake mit Honig

Auf der Sonnenterrasse hatte ich noch geschwankt, ob ich den Lachs oder die pochierten Heilbuttbäckchen nehme, habe mich dann aber ob des Preises und der zu erwartenden Konsistenzen (zum Heilbutt gab es Kartoffelbrei und Erbsenpüree) doch für den Lachs, das Signature Dish des Hauses, entschieden. Die anderen beiden essen Tomatensuppe und jeweils einen Burger (der Liebste mit Bisonfleisch) und das Teilzeitkind noch ein Eis. Mit einem weiteren alkoholischen Getränk bewaffnet, ziehen wir uns nach dem Essen ins Kaminzimmer zurück. Das Feuer ist nicht an, aber es ist trotzdem sehr gemütlich. Das Teilzeitkind darf auf meinem Handy spielen, der Liebste liest das Internet leer und ich fange ein neues Buch an. Kurz nach 22 Uhr fallen mir aber schon die Augen zu und ich verabschiede mich als erste ins Bett.

13.08.2023 – Roadtrip, Powwow, Reisen mit Kind

Heute nun beginnt unser diesjähriger Roadtrip. Der Liebste und das Teilzeitkind haben gestern Abend schon gepackt, ich erledige meinen Teil vor dem Frühstück. Draußen frühstückt zeitgleich mit uns ein Streifenhörnchen und wir debattieren folgerichtig die primären, sekundären und tertiären Charaktere in „Chip & Chap“.

Nach dem Essen telefonieren wir nochmal kurz mit Deutschland (gut soweit) und dann fahren wir los – fünf Tage on the road liegen vor uns. Etwa eine Minute nach jeder Abfahrt tönt es von der Hinterbank „Hörspiel!“ und damit sind „Die drei !!!“ gemeint. Ab und an können wir ein paar Songs von des Liebsten Playlist herausschlagen, den Rest der Fahrt hören wir zu, wie Franzi, Kim und Marie Detektivfälle lösen und Probleme mit Jungs diskutieren und dürfen uns dabei nicht unterhalten. Wir müssen dringend nochmal über Kopfhörer sprechen…

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Millbrook 27 First Nation, ein Reservat der örtlichen Mi‘kmaq, wo heute der zweite Tag des jährlichen Powwows stattfindet. Wir haben noch etwas Zeit, bevor es offiziell losgeht und laufen erst einmal über das Gelände und schauen uns die verschiedenen Stände an, an denen Kleidung, Kunst, traditionelles Handwerk und Essen (Hotdogs, Burger, Poutine oder Lobster) verkauft werden. In der Mitte der schon leicht schlammigen Wiese (Wir vermeiden alle das R-Wort!) befindet sich ein ringförmiges Dach um den Tanzplatz, unter dem die verschiedenen Trommelgruppen, Tänzer*innen und Besucher*innen sich nach und nach einfinden. Der Liebste holt nochmal kurz was aus dem Auto, die Zeit nutzen das Teilzeitkind und ich dafür, uns erstmal Smoothies zu besorgen. Dann setzen auch wir uns unter den Dachring.

„Da lass ich Euch mal eine Minute alleine und schon habt Ihr was Pinkes in der Hand!“

Die „Show“ beginnt damit, dass ein Moderator (MC) das Publikum anheizt. Die Trommelgruppen (u. a. die Superstars der Szene, „Northern Cree“) singen und spielen erste Lieder, die beiden Frontrunners sollen dann für die „Entscheidung“ einen „Karaoke-Song“ ihrer Wahl im Northern-Cree-Stil performen. Eine Gruppe entscheidet sich unter dem Gelächter des Publikums für „The Lion Sleeps Tonight“, die andere für „I Want It That Way”, das unter den anwesenden Millenial-Frauen noch mehr Jubel auslöst und so deutlich gewinnt.

Dann beginnt der offizielle Teil des Powwows mit der Eröffnungszeremonie durch die Tänzer*innen, bevor die Flaggen hereingetragen und aufgehängt werden – die Flagge der Mi‘kmaq, die von Nova Scotia, die der Acadie, die von Kanada, die der USA, die der Streitkräfte und die der Veteran*innen. Währenddessen wird gestanden und den verstorbenen Ahnen, den Opfern der Kolonialisierung und den Gefallenen der Kriege gedacht. Dann gibt es einen speziellen Tanz, um anwesende Veteran*innen zu ehren.

Danach darf man sich wieder setzen und es folgen die Tanzvorführungen und -wettbewerbe, bei denen die Teilnehmer*innen in verschiedenen Altersgruppen und Kategorien gegeneinander antreten und bewertet werden. Die Musik dazu stammt von den Trommelgruppen, die ebenfalls miteinander im Wettbewerb stehen. Wir gucken jedem Tanz fasziniert zu, amüsieren uns bei den Kindern z. B. über Spiderman- und Pokémon-Kostüme und bewundern die komplizierten Schritte und Figuren.

Irgendwann bei der dritten Kategorie der Teeniemädchen knurrt mein Magen dann so sehr, dass ich mich opfere und zum Burgerstand gehe. Dort stehe ich etwa 40 Minuten an, bevor ich meine Bestellung loswerde und dann nochmal gute 20 Minuten, bis sie fertig ist. Ungefähr die Hälfte dieser Zeit stehe ich ungeschützt im Regen. Immerhin schmeckt das Essen – Forrest Poutine mit Pilzsauce statt Gravy und extra Baconwürfeln für den Liebsten und mich, das Teilzeitkind bekommt nackte Pommes.

Den Großteil der Erwachsenenwettbewerbe habe ich verpasst, kann aber noch sehen, wie Headman und Headwoman gemeinsam tanzen.

Darauf folgen ein gemeinsamer Tanz mit Northern Cree und dem Moderator sowie der Abschlusstanz aller Teilnehmer*innen, bei dem die Flaggen wieder abgenommen werden („zur Ruhe gelegt“, nicht „zurückgezogen“, denn First Nations ziehen sich nie zurück!).

Danach kommen zwei Rounddances, bei denen auch alle Besucher*innen eingeladen sind, mitzumachen. Wir bleiben aber sitzen. Der letzte Programmpunkt ist dann die Siegerehrung, die aber gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht. Hier geht es um die Gemeinschaft und die Pflege der Traditionen (und die Geldpreise), weniger um das Feiern der Individuen.

Hinterher wollten wir eigentlich noch ein wenig Geld an den Ständen ausgeben, aber inzwischen regnet es wirklich in Strömen und wir laufen stattdessen schnell zum Auto und fahren die paar Minuten zu unserem Motel, wo wir die Heizung anstellen und uns erstmal in unsere Betten legen, um uns aufzuwärmen. Nach und nach fällt mir auf, warum das Motel auf Google Maps nur 3 von 5 Sternen hat: Nur eine der Leselampen funktioniert, es gibt keinen Wasserkocher – man soll sich den Tee wohl in der Mikrowelle zubereiten – und es gibt zwar Tee und Kaffee sowie Milchpulver, Zucker und Süßstoff, aber nichts, womit man das alles umrühren könnte. Dass der Teebeutel dann auch noch aufreißt, schlägt dem Fass die Krone mitten durchs Gesäß, oder wie das heißt.

Nach etwa anderthalb Stunden machen wir uns auf den Weg zum Abendessen in unser „Stammlokal“ hier in der Gegend. Das Teilzeitkind soll zu diesem Behufe trockene Socken anziehen und verkündet uns nach über einer Woche Urlaub, dass es insgesamt nur zwei Paar Socken eingepackt hat und eins davon noch bei meinen Eltern liegt. Immerhin hat es die nassen Socken an der Heizung halbwegs getrocknet und kann sie jetzt anziehen. Und wir gehen dann also morgen früh erstmal Socken kaufen. Vor dem Motel werden wir von unserem Zimmernachbarn, der dort mit einem Bier vor seinem Zimmer sitzt, gefragt, ob er dem Kind ein Eiscremesandwich geben darf. Zum Glück haben wir mit „nicht vor dem Abendessen“ eine gute Ausrede. Er versteht und erzählt uns, dass er bereits seit drei Jahren in diesem Motel wohnt und allen Kindern Süßigkeiten schenkt. Wir fahren schnell los.

Im Stammlokal gibt es Craftbeer für die Erwachsenen (ein Hoppy Boy IPA aus Halifax für den Liebsten und ein North Shore Lager aus Tatamagouche für mich) und Eiswasser für das Kindelein.

Naan Pieces mit Spinat-Käse-Dip
Schellfisch-Taco
Lobster Roll mit Pommes
BBQ-Bacon-Burger
Hähnchenstreifen mit Pommes
Brownie für das Teilzeitkind
Cheesecake mit Blaubeer-Topping für mich

Nach dem Essen spazieren wir noch ein wenig durch das inzwischen trockene und schwüle Truro und sammeln unterwegs zwei Geocaches ein.

Dann fahren wir zurück ins Motel. Der Zimmernachbar lässt sich nicht blicken. Die drei !!! schallen durchs Zimmer, ich setze mir Kopfhörer auf und vertreibe mir die Zeit auf TikTok und dann mit einem Podcast. Nebenbei versuche ich, den Powwow-Schlamm von Schuhen und Hose zu bekommen. Dann ist gegen 10 für alle Bettgehzeit. Ich höre noch Podcast, bis der Timer den Hörspiellärm beendet (ich höre trotz Noise-Cancelling-Kopfhörern und Podcast immer noch fast jedes Wort) und die anderen beiden schlafen. Dann kann ich die Kopfhörer abnehmen, mich bequem hinlegen (mehr oder weniger, die weiche Matratze behagt meinem schmerzenden Rücken nicht) und schlafe schnell ein.

12.08.2023 – Meer, Felsen, Sand, Robben

Die Nacht war kurz und unruhig, nach dem Frühstück gibt es dann aber ein weiteres erst Telefonat mit Deutschland, nachdem wir wieder etwas entspannter sind. Der Liebste kocht seine vegane Bolognese für das Abendessen, meine Mama und das Teilzeitkind backen einen Streuselkuchen mit Banane, Pfirsich und Blaubeeren, mein Papa und ich liegen und lesen – ich auf einer Heizdecke, für meinen Rücken. Ich lese das erste Buch des Urlaubs aus – Lauren Collins‘ „When in French. Love in a Second Language“. Sehr zu empfehlen für alle, die sich für Sprachen und Kulturen interessieren.

Am frühen Nachmittag kommt ein Nachbarspaar vorbei, um Post abzuholen, die Papa ihnen von seinem gestrigen Ausflug zum Postamt drüben im Dorf mitgebracht hat. Wir erzählen kurz und verabreden uns für nach unserem Roadtrip zu einem Besuch bei ihnen. Danach gibt es Kuchen draußen auf dem Deck.

Nach dem Essen machen sich alle ausflugsbereit und wir fahren gemeinsam zum Nationalpark in der Nähe, um ein wenig zu wandern.

Unterwegs sammeln wir einen Cache ein und beobachten Robben. Das Teilzeitkind und der Liebste klettern genau wie letztes Jahr über die Felsen, während wir anderen den normalen Weg benutzen. Schließlich liege ich eine Weile im warmen Strandsand und höre den Wellen zu. Zurück am Parkplatz trennen sich unsere Wege – meine Eltern fahren noch schnell einkaufen, wir gucken auf dem Rückweg an einigen Caches vorbei und finden noch einen weiteren.

Wieder zuhause gibt es Nudeln mit Bolognese für alle. Danach spielen wir noch eine Runde „Sagaland“ und eine Runde „Halt mal kurz“, bevor ich bewaffnet mit Gummibärchen, Schmerztablette und Wärmesalbe kurz nach 10 im Bett verschwinde.

11.08.2023 – Mall Rats, Lunenburg, Perseiden

Ich wache kurz vor 8 Uhr auf und habe damit beinahe unheimliche neun Stunden geschlafen. Da es draußen in Strömen regnet, besteht auch erstmal keine Eile aufzustehen. Irgendwann gegen 10 versammeln sich dann alle zum Frühstück und danach wird nochmal ein paar Stunden geruht, bis der Regen aufhört. Ich habe von dem Astschereneinsatz gestern Muskelkater an ungewohnten Stellen und meine Lendenwirbelsäule meldet sich über den Tag auch immer deutlicher. Zuerst also ganz gechillt auf dem Sofa lesen und ab und an aus dem Fenster aufs Meer sehen.

Am frühen Nachmittag hört es auf zu regnen und wir fahren zu dritt in die Mall im nahegelegenen Städtchen. Ich hole meine reparierte Hose aus der Schneiderei, der Liebste bekommt ein neues Portemonnaie und wir befüllen uns alle jeweils ein kleines Tütchen im Candy Shoppe.

Dann geht es weiter zum Supermarkt, ein paar Vorräte auffüllen und frisch zubereitetes Sushi fürs Abendbrot mitnehmen (in einer Kühlbox).

Zwischen Paniermehl und Dosentomaten kommt ein Anruf aus Deutschland, der uns etwas beunruhigt. So vergessen wir dann auch Milch und Geschirrspülmittel, das holen wir dann beim nächsten Mal. Nächste Station ist unser erstes Mal bei Tim Horton‘s diesen Sommer. Es gibt Cappuccino und Donut für den Liebsten, Limonade und Croissant für das Teilzeitkind und Brombeere-Yuzu-Getränk und Apple Fritter für mich. Kein Foto, wir sind immer noch etwas durch den Wind. Frisch gestärkt fahren wir weiter nach Lunenburg.

Wir spazieren durch das schöne Städtchen, sammeln unterwegs einen Geocache ein und telefonieren nochmal mit Deutschland – jetzt ein wenig ruhiger.

So richtig entspannt sind wir jetzt aber nicht mehr, also fahren wir bald wieder los nach Hause. Unterwegs versuchen wir uns noch an einigen Geocaches…

…finden aber mehrere hintereinander nicht und sind dann ganz früh, dass unser Hail- Mary-Versuch es uns dann doch ganz leicht macht – mit Cache am Fahnenmast vor einem Feuerwehrgebäude. Wieder zuhause gibt es dann Sushi, Gyoza und Algensalat und hinterher eine Runde „Sagaland“ – Schmerzen und Sorgen machen allerdings, dass ich mich nicht konzentrieren kann und ständig Fehler mache. Also lege ich mich lieber hin und lese, während der Liebste erstmals einen Triumph gegen das Teilzeitkind verbuchen kann. Inzwischen ist es draußen dann dunkel genug, um drinnen alle Lichter zu löschen und draußen auf dem Deck nach den Sternen, Planeten, Satelliten, Flugzeugen und der Weltraumstation zu schauen. Ich sehe eine Sternschnuppe und wünsche mir etwas, bevor es mit Heizdecke in die Falle geht.