Ich wache gegen 6 auf, das ist angesichts der Bettgehzeit schon ziemlich OK, auch wenn im Urlaub länger schlafen natürlich auch schön wäre. Andererseits will man ja auch möglichst viel erleben und genießen, von daher alles OK. Ich lese das Internet leer und beginne zu bloggen. Der Liebste erwacht gegen 7, ich mache uns Kaffee und dann steht auch bald das Teilzeitkind in der Tür und verlangt nach meinem Handy. Ich lese ein bisschen in „Catch-22“ weiter und bespreche den Wetterbericht mit dem Liebsten. Der zeigt plötzlich ungewohnte morgendliche Aktivität, was dazu führt, dass wir gegen 8 und noch vor dem Frühstück zu dritt an den Strand fahren. Es ist der nächstgelegene, in einer anderen Richtung als gestern, und noch davor gibt es einen einfach zu findenden Geocache, den wir auch noch mitnehmen.
Der Strand ist so gut wie leer – eine Gruppe mit Hunden macht ganz am Anfang ein professionelles Fotoshooting, weiter hinten gibt es ein paar Surfer, davon abgesehen laufen außer uns nur noch drei, vier andere Menschen vereinzelt rum. Das Wasser ist noch eisig kalt, aber wir wollen jetzt ja sowieso nur mit den Füßen rein und ansonsten spazieren.
Hier am Strand wäre es nichts ungewöhnliches, wenn wir beim Spazieren auf bekannte Gesichter träfen – meinen Eltern passiert das regelmäßig und ich hatte auch schon mehrmals das Vergnügen. Scheint aber eher ein Nachmittagsding zu sein, heute kenne ich niemanden. Als wir genug haben, fahren wir wieder zurück und sind kurz vor 10 wieder zuhause, perfekte Zeit zum Frühstück! Danach sitze ich erstmal auf der Terrasse und blogge zu Ende. Als ich gerade anfangen will, mich um die Sprach-Apps zu kümmern, brauchen der Liebste und das Teilzeitkind Hilfe, um das Kanu zu Wasser zu lassen (man muss es immer erst über die Steine am Ufer tragen, dafür braucht es zwei Menschen, die größer als das Teilzeitkind sind. Danach hänge ich mit meiner Mama die Wäsche auf. Ein Pfeiler der Wäscheleine wurde seit dem letzten Herbst von Bibern zerlegt, wir können also nur den Teil der Wäscheleine nutzen, unter dem Poison Ivy wächst und müssen dabei Gummistiefel tragen. Nach getaner Arbeit sitzen wir zu zweit gemütlich auf dem Deck und erzählen, bis die Kanuten zurückkehren. Dann gibt es einen fliegenden Wechsel und der Liebste und ich paddeln raus zu den Robbenfelsen.
Wenn man zwischendurch aufhört zu paddeln, trauen sich die Robben recht nah heran, beobachten uns und tauchen dann gerne in dem Moment ab, in dem man sie fotografieren will. Dann paddelt man weiter und plötzlich hört man sie direkt hinter sich planschen, dreht sich schnell um und sie sind schon wieder weg und lachen sich ins Fäustchen. Niedliche, freche, unkooperative Biester, die! Fast wie Katzen eigentlich, nur größer. Als wir zurück sind, ist es Zeit für zwei Runden „Halt mal kurz“, von denen ich wieder eine gewinne. Dann gibt es wieder Kuchen und Eis draußen auf dem Deck, wo der inzwischen aufgekommene Wind angenehm die Mücken vertreibt. Danach wollen wir noch ein wenig Action und Bewegung und einigen uns darauf, in der näheren Umgebung noch ein paar Geocaches zu jagen. Wir fahren also mit dem Auto von Cache zu Cache (die Distanzen sind zu weit und die Straßen nicht fußgängerfreundlich) und suchen dann jeweils herum.
Zweimal sind wir nicht erfolgreich – Sturm und Überflutung haben die Caches wahrscheinlich davongetragen oder zumindest unerreichbar gemacht. Dann gibt es zwei recht leichte und gut erreichbare Funde mitten im Dorf – wenn man ein Teilzeitkind dabei hat, das bereitwillig durchs Nadelgehölz krabbelt, dann wieder zwei nicht Auffindbare und dann nochmal einen leichten, der aber aufgrund seiner Lage direkt am Highway mit Adrenalin verbunden ist. Dann hat das Teilzeitkind genug (bei mir war das schon deutlich früher der Fall, auch weil ich mir beim durchs Unterholz Kriechen meine neue Hose zerrissen habe) und wir fahren zurück nach Hause. Auf dem Rückweg lasse ich mich am Abzweig zu unserer Straße absetzen und laufe das letzte Stück, um meinem Schrittziel näher zu kommen.
Ganz reicht es nicht, ich muss also dann noch eine Runde ums Haus drehen und drinnen zweimal die Treppe rauf und runter und ein paar Mal vom einen Ende des Hauses zum anderen laufen, dann kommt endlich das erlösende Vibrieren am Handgelenk. Dann wird kurz ein wenig geruht, bevor Mama und ich das Abendbrot kochen. Es gibt Linguine mit einer Sauce als Auberginen, Zucchini und Tomaten, dazu Parmesan. Die App dreht durch wegen des vielen Histamins in den Auberginen, den Tomaten und dem Parmesan. Und dann auch noch Rotwein dazu! Ich merke dann später auch Symptome – ob die nun damit zusammenhängen, oder nicht. Kribbelnde Zunge/Gaumen, Brennen im Rachen, Hitze im Gesicht, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Müdigkeit… Es ist eigentlich relativ offensichtlich, dass ich reagiere, die Frage ist, wie schwer ich das nehmen muss/sollte.
Nach dem Essen recherchieren der Liebste und ich wieder für die nächsten Tage, dann gibt es zwei Partien „Halt mal kurz“ und dann wird noch ein wenig still gelesen. Mein Papa geht als erstes ins Bett, dann der Liebste, dann meine Mama. Gegen 11 überrede ich das einnickende Teilzeitkind, gemeinsam mit mir Zähne putzen zu gehen und dann ist auch für mich Schlafenszeit.
Ich wache nach nur fünf Stunden auf – es ist 4 Uhr morgens bzw. 9 Uhr morgens in Deutschland. Draußen ist es noch dunkel und still, aber ich rieche den Holzduft, den dieses Haus auch nach über 20 Jahren verströmt und weiß, dass ich gut aufgehoben bin. Erst lese ich, um wieder einzuschlafen, dann versuche ich es mit Podcast hören – allerdings mit Kopfhörern auf, um den Liebsten nicht zu wecken und das bedeutet auf dem Rücken liegen, was bedeutet, nicht wieder einzuschlafen. Gegen 5 dann geht das Teilzeitkind aufs Klo, bleibt danach wach und hört Hörbuch – laut genug, dass ich im Nebenzimmer mithören kann. Einer Bitte um Leiserstellen wird entsprochen, aber endgültig wach bin ich jetzt doch. Ich lese das Internet leer und blogge. Gegen halb 7 wird der Liebste auch wach, dann stehe ich auf und mache Kaffee für ihn, Kräutertee für mich und Orangensaft für das Teilzeitkind, das dann auch nach meinem Handy verlangt, um zu spielen. Beim in der Küche Stehen sehe ich erstmals hinaus auf die Bucht – gestern war ja alles dunkel. Es ist noch diesig, der Himmel weiß, das Wasser grau. Aber es ist das Meer da draußen.
Ohne Handy zurück im Bett lese ich im Reiseführer herum für unseren diesjährigen Roadtrip und der Liebste und ich setzen erste Eckpfeiler, die wir hoffentlich auch so umsetzen können. Das Teilzeitkind verlegt sich irgendwann vom Zocken und Hörspielhören aufs Tischtennis spielen – es schläft in dem Raum, in dem die Platte steht. Uns fehlt die Energie, das zu verhindern („ICH BIN NICHT LAUT!“), auch wenn das heißt, dass meine Eltern jetzt auch endgültig wach sind. Kurz nach 8 gehen der Liebste und ich gemeinsam hinaus aufs Deck und schauen uns das Draußen nochmal genauer an. Inzwischen hat es aufgeklart und verspricht, ein schöner Sommertag zu werden.
Wir legen uns nochmal für ein halbes Stündchen hin, dann wird der Hunger zu groß und wir beginnen, den Frühstückstisch zu decken. Irgendwann kurz nach 9 sitzen wir bei Brötchen, Frühstücksei etc. alle beisammen – allerdings drinnen am Esstisch, weil es draußen noch zu frisch ist. Weil mein Körper gestern etwas rebellisch war, entscheide ich mich heute wieder für etwas mehr Histamin-Restriktion, da werde ich in den nächsten Wochen noch einiges herumzuprobieren haben. Eine Tasse schwarzen Tee und zwei Erdbeeren esse ich aber trotzdem. Während des Essens schmieden wir Pläne für den Tag, danach ruhen wir uns erstmal noch ein wenig aus. Der Liebste setzt sich mit Buch aufs Deck, die Eltern klappen ihre Laptops auf, ich ziehe mich mit den Sprachlern-Apps aufs Sofa zurück und das Teilzeitkind kehrt nochmal zum Hörbuch bzw. der Tischtennisplatte zurück. Als ich mit den Apps fertig bin, setze ich mich mit raus zum Liebsten. Inzwischen bratzt die Sonne schon aufs Deck und es wird heiß – bei gerade mal 24-26 Grad heute.
Nacheinander gehen wir drei dann irgendwann durchs Bad. Ich bin als letzte dran, währenddessen holen der Liebste und meine Mama schon das Kanu aus der Garage, wo er überwintert hat. Es ist gleich die höchste Tide und damit Paddelzeit. Der Liebste und das Teilzeitkind ziehen sich paddelfertig an, inkl. Sonnenschutz, Badeschuhen und Schwimmwesten und ziehen los zu einer ersten Runde über die Bucht. Ich sitze währenddessen gemütlich auf dem Deck und lese, bis die wieder ankommen und Hilfe beim Landgang benötigen.
Dann werde ich auf einmal ganz schön müde – ich bin seit 8 Stunden wach. Ich ziehe mich aufs Sofa zurück und schlafe fast zwei Stunden, während der Liebste liest und das Teilzeitkind mit meiner Mama Kuchen bäckt. Irgendwann piept der Ofen und meldet Vollzug. Wir decken den Tisch auf dem Deck und es gibt Quarktorte und Pflaumenkuchen mit Streuseln, dazu Eis, Kaffee und Tee.
Nach dem Essen machen wir drei uns strandfein und fahren etwa eine Viertelstunde die Küste entlang zu einem Strand. Erst sind wir sehr optimistisch – es ist warm, es sind einige Leute im Wasser – und schicken uns an, Baden zu gehen. Wir merken dann aber sehr schnell, dass das Wasser eisekalt ist. Angeblich 16 Grad, aber es fühlt sich kälter an. Also ziehen wir uns unsere Oberteile wieder an und gehen nur bis zu den Knien rein. Der Liebste und das Teilzeitkind tummeln sich im Wasser, ich laufe den Strand einmal von Ende zu Ende ab, nähere mich meinem Schrittziel, atme tief ein und starre aufs Wasser. Und mache Fotos.
Nachdem wir uns wieder zusammengefunden haben, versuchen wir des Teilzeitkinds ersten Geocache in Kanada zu finden – der ist nämlich hier am Strand. Allerdings sind wir nicht erfolgreich und lesen dann auch in den Logs, dass der im Sommer kaum zu finden ist, im Winter hingegen leicht. Er muss also entweder irgendwo im Gestrüpp sein, oder neulich beim Sturm irgendwie verschütt gegangen sein. Wegen dieses Misserfolgs müssen wir dann natürlich noch einen anderen Cache finden und fahren eine Bucht weiter, wo er im Wald auf Steilklippen ausgewiesen ist. Dort sind wir – nach längerem Suchen im Unterholz – erfolgreich und können danach zufrieden den Heimweg antreten.
Wieder zuhause duschen wir und suchen uns gründlich nach Zecken ab, bevor wir uns zum Abendbrot niedersetzen. Es gibt Sonntagsbraten (Schweinelende) mit Reis und gelben Bohnen. Danach machen wir es uns noch ein wenig gemütlich und spielen eine Runde „Halt mal kurz“ (Ich gewinne.), bevor das Teilzeitkind Hörspiel hört, der Liebste liest, die Eltern mit meinem Bruder am Klondike telefonieren, der morgen irgendwie von Dawson nach Whitehorse kommen muss, wobei die einzige Straße gerade wegen Waldbränden teilweise gesperrt ist, und ich gönne meinem kaputten Zeh ein Fußbad. Irgendwann zwischen 10 und 11 gehen alle müde ins Bett und ich helfe dem Durchschlafen noch mit einem Gummibärchen aus unserem Vorrat vom letzten Jahr nach. Kanada lebe hoch!
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.
Heute habe ich wirklich keine Kosten und Mühen gescheut, um so viel wie möglich Content für #WMDEDGT rauszuholen. Nicht nur, dass der Tag nach hinten raus einfach noch fünf Stunden mehr hat, ich fange ihn auch einfach schon um zwei Uhr morgens an. Da puckert mein gestern aufgeschlagener und inzwischen ordentlich entzündlich angeschwollener Zeh nämlich nach nur etwa 3,5 Stunden Schlaf so los, dass ich aufwache. Drei Stunden vor dem Weckerklingeln, das eh schon großzügig früh angesetzt war. Ich versuche es mit kühlen, aber das ist alles sehr unbequem und ich finde keine entspannte Liegeposition mehr. Nach zwei Stunden komme ich auf die glorreiche Idee, ein entzündungshemmendes Schmerzmittel einzunehmen, danach entspannt sich alles ein bisschen, es ist aber auch halt kurz vor dem Weckerklingeln und ich bin einfach knallewach und gebe die Nacht verloren. Ich lese ein bisschen im Internet herum und übe Tschechisch, Niederländisch und Italienisch und dann ist es 5:30 Uhr und ich stehe auf.
Der Kulturbeutel muss noch in den Koffer, bei der Gelegenheit disponiere ich nochmal Schuhe um und ziehe die besonders breiten für die Reise an. Die Flipflops wandern als Backup in den Rucksack. Der Proviant wandert aus dem Kühlschrank in den Proviantbeutel. Dann noch schnell Wassernäpfe auffüllen und Katzen ausgiebig füttern und streicheln und schon kann es losgehen. Kurz vor 6 Uhr verlasse ich die Wohnung. Ab 6 Uhr zwei Kontrollanrufe in rascher Folge beim Liebsten, um sicherzugehen, dass er den Wecker gehört hat. Kurz nach dem zweiten kommt die erlösende Nachricht, dass sie wach sind. Ich laufe zur S-Bahn und fahre zum nächstgelegenen Fernbahnhof. Noch in der Bahn checke ich den neusten Stand zum avisierten Zug und kriege fast einen Herzkasper, als da steht, dass der Zug ausfällt. Mein Hirn schaltet in Extrem-Orga-Modus um. Noch bevor ich dem Liebsten davon erzähle, will ich Alternativoptionen im Kopf haben. Im Notfall müssen wir schnell für teures Geld ein Auto mieten und uns auf die Autobahn nach Frankfurt stürzen. Erst gucke ich aber, wann der nächste Zug fährt und ob das noch hinhaut. Zu meiner Überraschung: Zum genau gleichen Zeitpunkt wie der geplante. Es fällt nämlich nicht die Verbindung aus, sondern nur der Zug selbst, dafür wird ein anderer eingesetzt. Danke, Deutsche Bahn, 1a User Experience habt Ihr da. Nicht. Ich schreibe dem Liebsten also nur, dass der Zug ein anderer sein wird und unsere Reservierungen nicht mehr gelten und ich ihm dann Bescheid sage, wo ich sitze.
Weil ich früher losgekommen bin als gedacht, habe ich am Bahnhof noch 40 Minuten Zeit, bis der Zug abfährt. Wegen des schweren Gepäcks, des Zehs und meiner Müdigkeit begebe ich mich trotzdem direkt zum Bahnsteig – der Fahrstuhl ist defekt, die Rolltreppe fährt in die falsche Richtung, ich trage also alles nach oben, hmpf. Dann lasse ich zwei andere Züge abfahren, bevor unser Zug erfreulich früh da steht – hier geht nämlich die Strecke los. Ich suche mir im noch sehr leeren Zug einen schönen Viererplatz mit Tisch im Nicht-Ruhe-Bereich und decke schon mal fürs Frühstück ein. Der Zug fährt pünktlich ab, hält noch einmal zwischendurch und dann steigen an der nächsten Station schon der Liebste und das Teilzeitkind ein. Jetzt wird gefrühstückt:
Drei verschiedene Sandwiches, drei Brezen, eine Waffel, Oreos, Nüsse, Reisemöhren, Himbeeren, Blaubeeren, Eiskaffee für den Liebsten und mich, Trinkjoghurt für das Teilzeitkind, Apfelschorle für die beiden, Wasser für mich.
Heute ist Tag 1 nach der Histaminkarenz, zum ersten Mal seit fast drei Wochen gibt es für mich also Kaffee, Remoulade (auf den Sandwiches), Kakao (in den Oreos) und Himbeeren. Mal gucken, ob das gut geht. Die Fahrt dauert ab jetzt gute vier Stunden. Wir erzählen viel, lesen viel und freuen uns vor. Das Teilzeitkind schläft unterwegs eine Weile mit dem Kopf auf meinem Schoß, nachdem es mir stolz sein Handy präsentiert hat – zum Fotos machen sowie Spotify und Audible hören, keine Spiele, keine SIM-Karte. Ab Frankfurt Hbf klingelt der Wecker eines Mitreisenden, der das beharrlich ignoriert, augenscheinlich aber auch am Flughafen aussteigen muss. Das Teilzeitlind rüttelt mehrfach an seinem Fuß, bis er wach wird und sich überschwänglich bedankt.
Wir kommen mit knappen 10 Minuten Verspätung am Flughafen an und haben so genügend Puffer, um entspannt zum Gate zu gelangen. Erst heißt es, das richtige Terminal zu erreichen, dann geht es zur Gepäckabgabe, dann weiter zur Passkontrolle, für die wir lange anstehen müssen, da die automatischen Türen für EU-Bürger*innen erst ab 12 Jahren genutzt werden können. Wir stehen also mit allen anderen Familien und den weniger privilegierten Nicht-EU-Bürger*innen gemeinsam in einer langen Schlange. Als die Passkontrolle selbst dann nur zwei Minuten dauert, ist das Teilzeitkind empört, dass man dafür so lange anstehen muss und überhaupt sei es ja in zwei Jahren schon 12 und da könnte man es doch ruhig jetzt schon durch die automatischen Türen lassen.
Ich erzähle dann, dass alles, was wir tun müssen, um nach Kanada zu kommen, ist, online zwei Formulare auszufüllen (für das eine reichte noch das vom letzten Jahr) und einmal unseren Pass zu zeigen und dann dürfen wir sechs Monate da bleiben. Mein pakistanischer Mitbewohner hingegen möchte demnächst auch seine Eltern in Kanada besuchen. Dafür muss er bald nach Düsseldorf in die dortige kanadische Botschaft reisen (die in Berlin ist nicht für Pakistan zuständig) und dort ein Visum beantragen, wofür er seinen Pass, seine Blue Card und ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen muss. Die Behörde darf dann seinen Arbeitgeber und mich als seine Vermieterin kontaktieren, um Informationen über ihn einzuholen. Falls (nicht: wenn) sein Visum dann genehmigt wird, darf er dann für drei Monate ins Land.
Die nächste Spannung gibt es dann an der Security. Erst braucht die Familie vor uns sehr lange. Es sind zwei kleine Kinder dabei, samt Kindersitzen, der Vater hat jede Menge technisches Equipment dabei, das ausgepackt und aufs Band gelegt werden muss, und dann packen sie noch drei Flaschen Schnaps aus dem Handgepäck aus, die hier bleiben müssen – sie sind aus Versehen im Falschen Gepäckstück gelandet. Die Beamten erkundigen sich direkt erfreut, was dass denn genau sei und hatten dann vermutlich einen angenehmen Feierabend. Bei uns geht alles sehr viel schneller, jedenfalls bis man sich meine Powerbank genauer anguckt und feststellt, dass die doppelt so viel Stromstärke hat, als im Handgepäck erlaubt. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, dass die Powerbank ein Problem sein könnte. Die muss jedenfalls auch da bleiben, ich darf sie aber bei meiner Rückkehr wieder abholen. Grummel, noch mehr Komplikationen!
Mein erster Weg ist dann auch direkt der in einen Elektronikladen. Während das Teilzeitkind mit einem elektronischen Schlagzeug-Pad spielt, suchen der Liebste und ich nach der Powerbank, die am meisten erlaubte Stromstärke zum geringstmöglichen Preis ermöglicht. Die wird gekauft und dann gehen wir erstmal schnell zum Gate, sichern uns Sitzplätze in der Nähe einer Steckdose und ich bewache dann unsere Sachen und lade nebenbei die Powerbank auf, während die anderen nochmal losziehen und sich Wasser (und Schokolade fürs Kind) besorgen. Als sie wieder da sind, übernehmen sie die Wache und ich gehe auch nochmal los. Erst auf die Toilette (20 Minuten in der Warteschlange), dann Trinkflasche auffüllen, dann in den Duty Free. Ich bin durchgeschwitzt vom Tag bis hierhin und schnuppere an den Parfümtestern, bin ich etwas angenehmes, unaufdringliches finde, von dem ich mir ein paar Spritzer auftrage. Dann spaziere ich noch ein paar Minuten das Terminal rauf und runter, um das Schrittziel weiter zu verfolgen und kehre dann zu den anderen zurück. Eine knappe halbe Stunde später beginnt schon das Boarding.
Es folgen siebeneinhalb Stunden Flug. Zum Glück sind wir alle drei sehr gut darin, uns stundenlang an Bildschirmen die Zeit zu vertrödeln, ohne uns groß zu bewegen. Zum späten Mittagessen (also, wenn der Tag normal spät enden würde, für uns total angemessen), gibt es Gnocchi mit Spinat und Kirschtomaten, Krautsalat, Laugenbrötchen mit Butter und Käse und eine Panna Cotta. Hier schlagen Spinat und Tomaten in meiner App total rot an.
Im Laufe des Fluges bekomme ich einiges an Symptomen, aber ob das nun am (ungewohnten) Histamin liegt, am wenigen Schlaf, mangelnder Bewegung oder den Strapazen der Reise? Ich werde weiter beobachten. Ansonsten schaue ich direkt hintereinander weg drei Filme, die ich alle noch nicht kenne, bzw. bisher nicht geschafft hatte, sie zu sehen: „Leander Haußmann‘s Stasikomödie“ (amüsant, besonders Detlev Buck und die Sonnenallee-Referenzen), „How to be single” (nette, zeitgemäße RomCom) und „Lieber Kurt“ (das Buch war sehr gut, der Film ist es auch – mich stört halt Till Schweiger, im Allgemeinen und auch weil er deutlich älter ist, als ich mir den großen Kurt im Buch vorgestellt habe). Während des Films wird das Abendbrot serviert – ein Stück Pizza mit also Hefeteig und noch mehr Tomate. Meine App rotiert. Weil der Tag noch lang wird und die Optionen für Schlaf so langsam vorbei sind, trinke ich dazu sogar noch eine Cola.
In den letzten 45 Minuten löse ich ein Kreuzworträtsel aus dem New York Times Archiv und halte mich nebenbei gut fest, es gibt Turbulenzen und ein Luftloch. Dann landen wir mit etwa 15 Minuten Verspätung in Halifax. Es folgen eine lange Schlange bei der Einreise, das Einscannen von Pässen und Gesichtern, das Sichten von Teilzeitkind-bezogenen Dokumenten (Geburtsurkunde, Sorgerechtserklärung, Brief der Mutter mit Erlaubnis) und dann geht es weiter zum Gepäckband. Auch hier heißt es wieder, warten, warten, warten, das gibt mir Gelegenheit, mein Schrittziel vollzubekommen, bevor es in Deutschland Mitternacht ist. Dann mit unseren Koffern weiter zu den Mietwagenanbietern. Dort, wo wir reserviert haben, ist die längste Schlange – natürlich. Der Liebste stellt sich an, das Teilzeitkind und ich sitzen zumindest gemütlich. Knappe anderthalb Stunden später haben wir ein Auto – sogar spontan ein etwas kleineres und damit günstigeres als gebucht. Insgesamt Stunden nach der Landung rollen wir los.
Die Musik läuft, die Sonne geht langsam unter und wir durchfahren die Gebiete, die vor einigen Wochen von den Waldbränden betroffen waren. Es fängt an zu dämmern und wir fahren durch diverse Baustellen in den Gebieten, die vor zwei Wochen vom Hochwasser betroffen waren, das Teile des Highways weggeschwemmt hat, die jetzt erneuert werden. Die letzte halbe Stunde dann ist es stockfinster – keine Straßenlaternen, einfach nur noch unsere Scheinwerfer und ab und an die entgegenkommender Autos. Kurz vor 22 Uhr (oder 3 Uhr morgens deutscher Zeit) sind wir dann endlich zuhause und werden von meinen Eltern freudig begrüßt. Es gibt noch einen kleinen Snack (für mich die letzte Breze von heute morgen), einen Saft für das Kind, ein Bier für den Liebsten, Gin Tonic und Wundsalbe für den Zeh für mich. (Erster Alkohol seit drei Wochen auch.) Um 23 Uhr liegen wir alle fünf in unseren Betten und das Einschlafen geht sehr schnell.
Mein Körper ist schlau, der denkt sich, „wenn der Wecker morgen schon um 5 klingelt, dann wache ich doch heute einfach auch um 5 auf!“ Hmpf. Aber das sorgt wieder für einen seeeeehr entspannten Morgen. Ich daddel bis nach 8 im Bett vor mich hin und nehme dann noch vor der Arbeit die Wäsche ab. Zum Frühstück gibt es Toast mit Ziegenfrischkäse, darauf Apfel-Kürbis-Minze-Gelee. Kurz vor 9 sitze ich am Laptop und fange an zu arbeiten – die Sache von gestern Abend wird sich noch durch fast den ganzen Tag ziehen.
Um 9:15 Uhr dann virtuelle Kaffeerunde, mit vielen Gesprächen über das Reisen. Danach arbeite ich weiter an der Sache von gestern und muss dafür leider auch Kolleg*innen kontaktieren, die eigentlich heute frei haben. Immerhin sind sie nicht böse und helfen schnell und bereitwillig. Pausen, in denen ich auf Rückmeldung warte, nutze ich, um nacheinander die beiden Katzenklos zu leeren, einweichen zu lassen, zu säubern, trocknen zu lassen und wieder zu befüllen. Eins vor der Mittagspause, eins danach.
In der Mittagspause gehe ich Proviant für die morgige Zugfahrt einkaufen (inkl. Reisemöhren), denn meine Vorräte sind thoroughly aufgebraucht, zumindest gleich, denn jetzt gibt es nochmal Toast mit dem letzten Ziegenfrischkäse und gekochtem Ei, danach eine Waffel vom Mitbewohner, der heute Geburtstag hat. Dann geht es zurück an den Laptop. Ich schließe weiter Dinge ab, schreibe Übergaben, dann kommen noch zwei spontane Sachen zum Redigieren rein, die ich auch noch wegerledige. Als der Kollege in Chicago anfängt zu arbeiten (alle anderen im Team sind out of office), schließen wir gemeinsam das Problem von gestern ab. Dann noch fix Wochenbericht schreiben und kurz nach 17 Uhr ist Feierabend.
Die neuen Flipflops einlaufen – keine gute Idee (Spoiler!)
Ich mache den Online-Check-in für den morgigen Flug und buche uns die letzten drei zusammenhängenden Plätze, die nicht in der Mitte sind. Wir sitzen also ganz hinten, haben dafür aber einen Fensterplatz dabei, um den sich der Liebste und das Teilzeitkind streiten werden. Dann nehme ich mir eine Feierabendlimo und gehe in meinen neuen Flipflops nach draußen, um das Schrittziel vollzukriegen. Das geht erst sehr gut, dann laufe ich gegen eine hervorstehende Gegwegplatte, stolpere und tue mir ein bisschen weh. Ein paar Schritte später fühlt sich mein Fuß feucht an, ich sehe nach unten und sehe, dass zwei Zehen bluten. Der eine nur ein bisschen, der große so doll, dass sich die Flipflops bereits rot färben. Ich gehe also erst einmal nach Hause, säubere die Wunden, klebe ein Pflaster um den großen Zee, mache die Flipflops sauber und ziehe dann Socken und Schuhe an, bevor ich wieder rausgehe. Hmpf.
Ein letztes Mal Hochsommerspaziergang in BerlinWie ein BildschirmhintergrundDer Regen zeigt FolgenWild gestikulierender Baum
Ich spaziere das Schrittziel voll, dann kehre ich wieder zuhause ein, füttere die Katzen und mache mir Abendbrot. Ein Rest Milch und zwei Äpfel müssen noch weg, also mache ich eine Grütze aus Buchweizen, dünste die Äpfel darin und süße mit Holunderblütenzucker. Sehr sehr gute Kombination!
Die Tasse kündet schon von Zukünftigen
Danach bringe ich noch fix den Biomüll runter, gieße die Balkonpflanzen und dann ist es Zeit zum Kofferpacken. Dank ewiger (und in den letzten Tagen ergänzter) Packliste dauert das nur eine Dreiviertelstunde, aber ich bin sehr froh, dass am Ende alles in meinen nur mittelgroßen Koffer passt (meinen großen hat ja der Liebste). Gut, dass wir zwischendurch waschen können!
Den ganzen Tag über habe ich übrigens immer wieder mit dem Liebsten telefoniert, bestimmt sechs- oder siebenmal. Das letzte Mal kommt, als ich aus der Badewanne gestiegen bin. Das Teilzeitkind ist jetzt auch angekommen, der Urlaub kann losgehen! Kurz nach halb 10 liege ich im Bett und lasse auf dem Laptop Mad Men laufen. Während der zweiten Folge schlafe ich – vorerst – ein.
Ich wache auf und schaue auf die Uhr und es ist kurz vor 7. Passt doch gut, denke ich mir, endlich mal wieder vorm Weckerklingeln. Allerdings ist es, als ich die Augen dann richtig aufhabe und richtig wach bin, tatsächlich erst kurz vor 6. Hmpf. Ich habe also seeeehr viel Zeit heute morgen. Ich lese in aller Ruhe das Internet leer und blogge, dann klingelt der Wecker. Ich übe Tschechisch, Niederländisch und Italienisch und dann ist immer noch ordentlich Zeit, bis ich aufstehen muss. Ich recherchiere aber schonmal kurz etwas für die Arbeit und schreibe etwas in den Chat. Dann stehe ich kurz nach 8 auf, ziehe mich an, füttere die Katzen, gieße die Pflanzen und mache mir Porridge mit gedünsteten Äpfeln zum Frühstück, das ich im strahlenden Sonnenschein auf dem Balkon zu mir nehme, während ich mit dem Liebsten telefoniere.
Kurz nach 9 verlasse ich das Haus und fahre mit der Ringbahn nach Moabit, zu meiner Gynäkologin, die vor einigen Jahren, von den Samwer-Brüdern aus dem Haus der Gesundheit vertrieben, mit ihrer Praxis dorthin umgezogen ist. So kann es gehen, die ehemaligen Chefs sorgen immer noch dafür, dass ich mehr Anstrengung im Leben habe, als nötig ist. Ich habe einen entspannten Vorsorge- und Beratungstermin – komplett mit allem, die drei Jahre waren rum und für Ultraschall habe ich noch extra bezahlt – alles ist bestens, yippie. Dann noch kurz in die Apotheke, Medikamente auffüllen und dann geht es weiter Richtung Büro (10 Minuten zu Fuß vom Haus der Gesundheit, hmpf.)
Aber ich laufe eigentlich ganz nett von der Praxis durch Moabit, über die Spree ins Hansaviertel zum S-Bahnhof der Stadtbahn. Nebenbei schreibe ich bereits mit einer Kollegin in Warschau. Kurz nach 11 bin ich im Büro, baue meinen Laptop auf und hole mir einen Kräutertee. Ähnlich wie gestern besteht der heutige Bürotag aus vielen informellen Besprechungen und Telefonaten und langen allgemeinen Gesprächen – ich habe dank Urlaubszeit kein einziges Meeting. Mittags gibt es Stulle mit Ziegenfrischkäse, zwei hartgekochte Eier und Gurke.
Irgendwann am Nachmittag weitet sich eines der Gespräche über Strategien und aktuelle Entwicklungen so weit aus, dass sich einige von uns dazu ein passendes Getränk holen. Es ist strittig, ob ich das während meiner Histaminkarenz trinken darf (das Internet sagt nein, die App sagt ja) aber andererseits ist die jetzt ja auch wieder fast vorbei.
Zwischendurch telefoniere ich auch noch zweimal kurz mit dem Liebsten, der mir seine neue Frisur vorführt und Urlaubsdinge zu besprechen hat. Mit Blick auf den Regenradar wählt die Büromannschaft dann den Zeitpunkt für den „Feierabend“ aus. Wer in einem globalen Unternehmen arbeitet, Vertrauensarbeit und Diensthandys hat, hat ja oft trotz Feierabend noch was zu tun (Spoiler Alert!)
In wieder strahlendem Sonnenschein spaziere ich an der Spree entlang zu meinen Eltern (kurz bevor ich ankomme regnet es wieder), wo ich nach den Pflanzen (Bewässerungsanlage wirkt, juhu!) und der Post gucke. Anders als bei mir, die ich drei Wochen verreisen könnte, ohne mehr als 1-2 Briefe, meist Dialogpost, zu bekommen, gibt es bei meinen Eltern nach einer guten Woche schon einen ordentlichen Stapel. Drei davon fotografiere ich ab, der Rest ist aus der Kategorie Dialogpost/Katalog/Zeitschrift.
Ich laufe durch Nieselregen zur U-Bahn, steige am Alex bei stärkerem Regen in die Tram und laufe im Kiez durch Starkregen nach Hause. Völlig durchnässt komme ich an, füttere die Katzen, setze Kartoffeln auf und widme mich dann erst den nassen Klamotten und dem Rucksack.
Der Laptop ist zum Glück trocken geblieben. Den klappe ich auch gleich wieder auf, denn auf dem Diensthandy habe ich bereits eine E-Mail mit Handlungsbedarf gesehen. Zwischen Kräuterquark anrühren (Leinöl ist alle) und Kartoffeln pellen stimme ich mich mit Kolleg*innen auf drei Kontinenten ab. Beim Essen, das ich im Bett einnehme, um mich aufzuwärmen, telefoniere ich ein viertes Mal heute mit dem Liebsten.
Dann schaue ich endlich Mad Men weiter – drei Folgen lang, wobei ich zwischendurch auch einmal kurz einnicke. Nebenbei immer noch ein Auge aufs Diensthandy, wo immer noch Updates eintrudeln. Gegen halb 11 quäle ich mich nochmal kurz ins Bad zum Zähneputzen und dann wird geschlafen.
Wieder vom Wecker geweckt und daher am Morgen relativ in Eile. Schon nach dem Internet Leerlesen und Bloggen stehe ich auf, denn heute geht es ins Büro. Nach den üblichen Verrichtungen breche ich auf, mit Rucksack und Sporttasche, und entscheide mich mal wieder für den Fußweg. Der dauert eine knappe Stunde, während der ich Radio höre, bzw. nacheinander mit zwei Kollegen und dann mit dem Liebsten telefoniere. Ich komme deutlich durchgeschwitzt an, was aber auch daran liegt, dass ich eine dünne Jacke tragen muss, um Taschen für meine Handys zu haben – es ist ein Rock- und Leggings-Tag.
Im Büro kippe ich mir Milch ins Müsli und ziehe mich dann direkt mit einem Kollegen zu Beratungen zurück. Überhaupt besteht dieser Büro-Tag heute vor allem aus informellen vor-Ort-Gesprächen, im Kalender steht kein einziges offizielles Meeting. Trotzdem wird viel sinnvolles geschafft und besprochen. Zwischendurch koordiniere ich noch ein paar Sachen per Chat mit Kolleg*innen in Madrid, Dublin, London, Südengland und Chicago.
In der (späten) Mittagspause drucke ich Flug- und Zugtickets, den Mietwagen-Gutschein, die Einreiseerlaubnisse etc. aus – für den Notfall. Dann setze ich mich mit meinen Stullen in die schon leere Büroküche und kümmere mich um Duolingo und Babbel. Der Nachmittag verläuft ähnlich wie der Vormittag. Kurz vor Feierabend telefoniere ich noch ein zweites Mal mit dem Liebsten und dann breche ich um 18 Uhr auf Richtung Fitnessstudio – diesmal mit der Bahn.
Dort treffe ich mich wie verabredet mit der Freundin – zunächst im Café auf ein Getränk. Sie überreicht mir mein Geburtstagsgeschenk, als ich gefeiert habe, war sie ja wegen eines spontanen Krankenhausbesuchs verhindert, aber sie wollte es unbedingt noch vor meinem Urlaub schaffen.
Auf der ganzen großen Karte des Cafés gibt es ganze drei Getränke, die ich zu mir nehmen darf, ich entscheide mich für einen Saft aus Apfel, Möhren, Ingwer, Kurkuma und Algen – die Freundin schließt sich an.
Wir schnacken eine gute halbe Stunde, dann wird es Zeit, sich umziehen zu gehen. Kurz vor halb 8 sind wir im Wasser und es folgen 45 straffe AquaFitness-Minuten (die für mich neue Trainerin ist sehr Drill Sergeant). Hinterher bin ich völlig kaputt und schleiche geradezu in die Sauna. Nach dem Anziehen sitzen wir nochmal kurz draußen und erzählen und dann verabschieden wir uns in unsere jeweiligen Urlaube. Zuhause angekommen, füttere ich erst die Katzen und dann mich – es gibt Rührei aus drei Eiern mit Hüttenkäse und Petersilie und dazu die letzten Taralli mit Fenchelsamen. Nebenbei koche ich noch die letzten drei Eier hart, die werden im Laufe der nächsten Tage noch gebraucht, ich plane schon die histaminarme Resteverwertung bis zum letzten Moment vor dem Aufbruch.
Dann noch schnell nasse Sachen aufhängen, bettfertig machen und dann liege ich schon halb 11 komplett müde im Bett.
Der Wecker weckt, das ist immer schon ein etwas hektischer Start in den Morgen. Heute dann noch ein wenig mehr, denn zwischen 9 und 11 Uhr sind Handwerker angesagt, die die Rauchmelder überprüfen wollen/sollen. Ich stehe also nach dem Bloggen direkt auf und gehe ins Bad, um ab 9 Uhr präsentabel und Empfangsbereich zu sein. Als ich auf dem Klo sitze (natürlich im schlechtesten Moment), klingelt es – mehr als 20 Minuten zu früh. Ich rufe „Jaaaaaahaaaa“ und beeile mich, an die Tür zu kommen, da hat es schon das zweite Mal geklingelt. Der Herr ist sich keiner Schuld bewusst, sondern läuft fröhlich durch die Wohnung und lässt Rauchmelder laut aufheulen – zuletzt beim Mitbewohner, den ich dafür durch heftiges Klopfen an der Zimmertür aus dem Tiefschlaf holen muss. Nach drei Minuten ist der Spuk vorbei und ich kehre zurück ins Bad.
Später am Schreibtisch gibt es dann Porridge („for the people“) mit dem letzten Pfirsich (Resteessen) und dem letzten Ahornsirup (Wir müssen wieder nach Kanada!) und normalen Pfefferminztee. Ich telefoniere kurz mit dem Liebsten und arbeite mich dann durch die über Nacht aufgelaufenen E-Mails. Danach kleiner Meeting-Marathon – erst zu dritt mit Warschau und Prag, dann zu viert mit Mitte, Lichtenberg und Wilmersdorf. Hinterher rufe ich den Liebsten zurück, der sich zwischendrin nochmal gemeldet hatte. Dann kurzer Schnack mit dem Mitbewohner in der Küche und während ich die (letzte) Wäsche (vor dem Urlaub) aufhänge.
Zurück am Schreibtisch gucke ich nach weiteren Dingen, die ich vorurlaublich erledigen kann. Zum Beispiel nach einem Paket gucken, dass hierher unterwegs ist. Es wurde laut Nachverfolgung vor wenigen Minuten bei einem Nachbarn abgegeben. Kein Zustellversuch, keine Benachrichtigung. Hmpf. Ich gehe schnell und hole das Paket ab, solange es noch da ist. Es sind die Belegexemplare zur zweiten Auflage von Papas neustem Buch, von denen ich einige mit nach Kanada nehmen werde. Letzte Woche hatte ich ja schon ein Exemplar der 5. Ausgabe von Mamas Reiseführer überreicht bekommen – jetzt bin ich sozusagen reisefertig.
Ich arbeite noch kurz an der großen Aufgabe dieser Woche weiter und mache dann leicht verspätet Mittagspause. Draußen regnet es gerade, also verschiebe ich Bewegung auf nach der Arbeit und mache mir gleich Stullen mit Frischkäse, Salat und Gurke und dazu einen Apfel. Damit setze ich mich auf die Couch, esse in Ruhe und schaue dann ein wenig auf TikTok rum. Dann zurück an die Arbeit. Es wird nochmal kurz hektisch wegen zu treffender Absprachen inkl. mit Personen, die urlaubsbedingt eigentlich nicht erreichbar sind. Außerdem bittet mich die Kollegin in Südengland, etwas für sie zu übernehmen weil sie spontan einen privaten Termin hat. So komme ich dazu, wie die Jungfrau zum Kinde, plötzlich ein globales Meeting eines mir weitgehend fremden Teams zu hosten- tatsächlich „kenne kenne“ ich nur eine Teilnehmerin und das aus völlig anderen Zusammenhängen. Es wird aber gut und ich chatte hinterher noch ein wenig mit dem Leiter des Meetings, der ursprünglich aus Venedig stammt. Wir verabreden, nach unseren jeweiligen Urlauben mal in Ruhe über Essen zu sprechen.
Und dann ist auch schon wieder Feierabend. Ich verabrede mich spontan mit einer Freundin für morgen nach der Arbeit – Last Chance To See vor dem Urlaub, bringe Papiermüll weg, stelle Altglas zurecht – alles Urlaubsvorbereitungen, durchsiebe die Katzenklos und fange nebenbei an, mit der Freundin in Frankreich zu telefonieren – war auch schon wieder eine Weile her und ich wollte mal hören, ob alles in Ordnung ist. Ist es. Ich nehme sie mit nach draußen, erst zum Altglascontainer und dann noch bis zum Yoga, wo ich pünktlich eine Stunde nach Feierabend eintreffe.
Die Runde ist heute wieder klein – wir sind samt Lehrerin zu dritt, aber sehr fein. Ich habe Schwierigkeiten mit dem Krieger 3 und mit einem Asana, das viel Kraft erfordert, ansonsten komme ich für meine Verhältnisse erstaunlich gut zurecht, die Schmerzen halten sich in aushaltbaren Grenzen und der Baum läuft besser als je zuvor. Sehr zufrieden schalte ich beim Shavasana mehrmals komplett ab und schrecke am Ende innerlich hoch, als die Lehrerin wieder anfängt zu sprechen – evtl. bin ich da auch kurz eingeschlafen? Wir quatschen hinterher noch ein bisschen, denn durch Urlaub und Weiterbildung ist die nächste Stunde dann erst Mitte September.
Auf dem Heimweg dann das dritte Telefonat mit dem Liebsten und danach Podcast hören. Ich mache noch einen kleinen Umweg, um aufs Schrittziel zu kommen und bin dann kurz nach 21 Uhr zuhause. Katzen füttern und Eintopf aufkochen, dann geht es aufs Sofa. Das Essen schmeckt durchgezogen noch besser, ist aber auch röter und less tomato-ey als gestern. Ich schaue „Verschwende Deine Jugend“ zu Ende, kümmere mich noch um meine täglichen Aufgaben auf TikTok und Babble und mache mich dann bettfertig.
Beim letzten Timeline-Check bekomme ich mit, dass wegen der Fabian-Wolff-Geschichte auch Sophie wieder in den Medien ist, teilweise unverschämt beschrieben. Ich setze dazu einen Tröt ab, verliere mich in Gedanken und kann noch lange nicht einschlafen.
Als ich das erste Mal die Augen öffne, so gegen halb 7, bietet sich mir ein sehr gemütlicher Anblick. Rechts von mir schlummert selig der Liebste, links von mir hat sich auf Taillenhöhe (meiner) Nimbin eingerollt, auf Halshöhe (auch meiner) Noosa. Alles schläft noch tief und fest, also drehe ich mich auch einfach um und mache die Augen nochmal zu. Da der Wecker des Liebsten mich um 7 weckt, muss ich auch nochmal eingeschlafen sein. Ich stehe schnell auf und koche dem Liebsten seinen Kaffee. Dann liegen wir beide ein knappes Stündchen da und lesen das Internet leer, bis der Liebste um 8 aufstehen und zurück nach Südberlin fahren muss. Dabei nimmt er meinen riesigen, leeren Koffer mit. Am Sonnabend morgen sehen wir uns wieder, im Zug, mit Teilzeitkind und drei Koffern.
Ich blogge und übe Sprachen, dann stehe ich auch auf und bereite mich auf den Arbeitstag vor. Diese letzte Woche vor dem Urlaub wird interessant: In beiden 5-Mensch-Teams in denen ich aktiv bin, sind jeweils zwei Leute im Urlaub, darunter jeweils der Kopf des Teams. Im einem Team übernehme ich die Leitung, in dem anderen übernehme ich viele, für mich neue, Aufgaben. Dazu noch das übliche Dinge abarbeiten vor dem Urlaub und saubere Übergaben am Ende der Woche, plus die private Urlaubsvorbereitung. Kann sportlich werden. (Und Sport ist ja auch noch).
Es gibt wieder Schokoladenminzentee vom Balkon und Müsli mit Apfel und Skyr zum Frühstück. Ich sortiere mir zuerst die Aufgaben, die ich schon weiß zurecht und lese die E-Mails vom Wochenende, bringe mich und Kolleg*innen auf den neusten Stand. Dann ein Meeting mit einem Kollegen, der erst im Urlaub und dann krank war. Über die Nachbereitung verpasse ich es, pünktlich im nächsten Meeting mit der Kollegin in Südengland zu sein. Das ist aber zum Glück nicht so schlimm, da wir beide keine Anschlussmeetings haben. Sie erklärt mir ihre Aufgaben, die ich diese Woche übernehmen werde, damit sie die Zeit hat, den Großteil der Aufgaben unserer Chefin zu übernehmen.
Danach habe ich ein wenig Luft, bis meine Kollegin mir alles im Projektmanagement-Tool zugewiesen hat und mache die erste Hälfte meiner Mittagspause. Ich gehe zur Drogerie und zum Haustierbedarf und fülle Vorräte auf. Wieder zuhause kurzes Updaten mit dem Mitbewohner in der Küche, der sich gerade eine Tiefkühlpizza mit extra Suçuk macht. Dann erstelle ich eine WhatsApp-Gruppe mit ihm und dem Lieblingsnachbar für die Katzenbetreuung während meiner Abwesenheit und widme mich wieder der Arbeit.
Inzwischen liegen die Aufgaben alle bei mir und ich lese mich ein, erledige Dinge schnell, die man schnell erledigen kann, mache dann noch etwas für die Kollegin in Frankreich, die ich ja auch vertrete und dann bekomme ich Hunger und mache die zweite Hälfte der Mittagspause. Es gibt Büffelmozzarella mit Pfirsich auf dem Sofa und dazu TikTok.
Zurück am Schreibtisch widme ich mich dann dem größten Projekt für diese Woche, wühle mich durch E-Mails, sammle Notizen, entwerfe Textbausteine und benachrichtige Menschen, von denen ich Input dazu benötige. Als ich alles gemacht habe, was ich ohne Rückmeldungen schaffe, ist es 18 Uhr und der Arbeitstag vorbei. Ich schnappe mir eine Feierabendlimo (Ingwer-Estragon) und laufe mit Podcast auf den Ohren meine Abendrunde, um das Schrittziel vollzukriegen. Normalerweise laufe ich meistens eine Runde grob Richtung Südosten oder Südwesten, manchmal auch Nordosten nach Weißensee, heute ist mir mal nach Abwechslung und ich nehme den Nordwesten, fast bis hoch nach Pankow, am Ortsteilschild biege ich ab und laufe über Weißensee zurück. Auf dem Rückweg ruft der Liebste an und wir telefonieren noch ein wenig. Als es zum Schluss mit den Schritten noch nicht reicht, drehe ich noch eine Hinterhofrunde (und esse zwei Brombeeren, wo der Strauch über den Zaun ragt).
Nach einer guten Stunde bin ich wieder drinnen und koche mir Abendbrot. Es geht so langsam ans Resteverbrauchen. Im Gemüsefach liegen noch ein Bund bunte Bete und eine einsame kleine rote Bete, die ich neulich übersehen habe. Dazu nehme ich noch drei kleine Kartoffeln, schäle alles und schneide es in mundgerechte, nicht zu kleine Stücke. Eigentlich wollte ich noch eine Zwiebel anbraten, aber die beiden letzten sehen eher nach einem Fall für den Biomüll aus. Geht auch ohne! Ich schwitze das Gemüse in viel Olivenöl an und gieße dann mit stark konzentrierter Gemüsebrühe auf. Das lasse ich kochen, bis das Gemüse al dente ist, dann schütte ich noch eine Dose Cannelini-Bohnen samt Aquafaba hinein, gebe Rosmarin vom Balkon dazu und lasse nochmal zehn Minuten köcheln.
Die Mischung aus Olivenöl, Gemüsebrühe, Kartoffeln und Aquafaba macht ein schön sämig-buttriges Mundgefühl, die kleine rote Bete sorgt für eine fast tomatige Farbe und gemeinsam mit den verschiedenen Aromen kann ich meinem Gaumen fast vortäuschen, es wären wirklich Tomaten und evtl. auch Parmesan in der Suppe – beides darf ich ja grad nicht essen. Ich bin höchst positiv überrascht und erfreut, löffle genüsslich meine Schüssel leer und kann mich dann gerade noch bremsen, noch eine zweite Schüssel zu nehmen. Erstens wäre das dann sehr viel Menge auf einmal für meinen Verdauungstrakt und zweitens soll es den Rest ja morgen nach dem Yoga geben, wenn ich noch ein schnelles Abendessen brauche.
Zum Essen versuche ich übrigens, auf Netflix filmische Unterhaltung zu finden. Ich fange eine Miniserie und einen Film an, höre aber jeweils nach weniger als fünf Minuten wieder auf – nicht das Richtige für heute. Dann bleibe ich bei „Verschwende Deine Jugend“ hängen. Leider gibt es dann irgendwann im zweiten Drittel technische Probleme und ich muss für heute abbrechen. Da ist es aber auch schon nach 22 Uhr und ich mache mich einfach bettfertig und gehe schlafen.
Ich wache wieder gegen halb 9 auf, das ist im Vergleich zu während der Woche ja ganz schön, aber nachdem ich erst halb 2 im Bett war, hätte das ruhig noch ein wenig länger gehen können. Wie hab ich das nur früher gemacht, mit dem bis 10 oder 11 schlafen am Wochenende und nach langen Abenden noch länger? Anyway, so bleibe ich wenigstens bis 11, nach dem ersten Telefonat mit dem Liebsten, liegen und erhebe mich dann auch erstmal nur kurz, um Frühstück für die Katzen und mich zu machen. Die Biester bekommen ein Tütchen, mir ist nach Apfelpfannkuchen. Leider macht die Pfanne nicht mehr so richtig mit, seitdem ich in ihr mal Orangenscheiben karamellisiert habe. Es gibt also eine Art Apfelkaiserschmarrn, nur weit weniger fluffig, und dazu Ahornsirup. Im Bett.
Dann irgendwann stehe ich richtig auf. Mit Podcast auf den Ohren siebe ich die Katzenklos durch und sauge die Wohnung einmal durch. Danach lege ich mich in die Badewanne, höre den Sonmersonntag auf Radio Eins und telefoniere ein zweites Mal mit dem Liebsten. Zum Haaretrocknen geht es dann in den Liegestuhl auf den Balkon – weiter Radio hörend und während der Songs in Catch-22 weiterlesend. Mühsame Lektüre, ich schaffe ein paar Seiten und bin jetzt bei 16 % statt 15 %. Vielleicht bringen mich Zugfahrt und Flug am Samstag weiter, aber eigentlich würde ich gerne anderes lesen. Es ist aber doch wegen dem Buchclub! (Wegen des Buchclubs! Also gut, dann eben wegen des Buchclubs!)
Irgendwann gegen 15 Uhr ist es Zeit, loszugehen. Ich bringe noch eben den Müll runter und drehe dann eine Runde durch Hinterhofgärten und Grünanlagen (Kiezteich, Planetarium) und sitze dann lesend im Gras und warte auf den Liebsten, als die ersten Tropfen runterkommen. Hmpf. Also hole ich den Liebsten doch ab und wir entscheiden uns, eine trockene Lokalität für einen Aperitivo aufzusuchen. Die erste Anlaufstelle hat zu, also gehen wir zu einer anderen, im Helmholtzkiez. Hier gibt es Aperol Spritz für den Liebsten, Crodino für mich, marinierte Gemüse für den Liebsten, Focaccia für mich und ich denke wieder einmal, dass diese Histaminkarenz jetzt mal langsam vorbei sein dürfte – mit Crodino und Focaccia bin ich ja zufrieden, aber dieses ganze leckere Gemüse da lacht mich doch sehr an. Außerdem ist es frustrierend, auf der Speisekarte eben nur 1-2 Dinge zu finden, aus denen man wählen kann.
Wir sitzen unterm Schirm und erzählen, bis eine Kollegin des Liebsten samt Partner zu uns stößt. Der Liebste muss ihr vor dem Urlaub noch physische Sachen übergeben und da man sich ja heutzutage so selten im Büro sieht, macht er das eben beim Aperitivo. Wir plaudern eine ganze Weile und dann wird es am Himmel endlich wieder heller. Die Beiden verabschieden sich zum Grillen auf ihrer Terrasse und wir haben eine Verabredung mit meinem Balkon.
Dort beschäftigte ich mich dann erstmal wieder eine ganze Weile mit den verschiedenen Essensbestell-Apps. Nachdem ich neulich schon drumherum geschlichen war, entscheide ich mich heute endlich für das Wiener Schnitzel mit warmem Kartoffelsalat und einen Apfelstrudel für hinterher. Der Liebste nimmt Burger und Pommes. Da die Wartezeit Sonntagabend lang ist und der Liebste von den Allergietablette müde, die er gegen die Katzen eingeworfen hat, legen wir uns einen Moment hin und dösen dann beide weg, bis kurz bevor das Essen ankommt. Es ist leider unterwältigend – das Schnitzel fast schon kalt und in Teilen zäh, die Pommes ohne Salz und samt Burger auch nichts Berauschendes. Der Kartoffelsalat ist gut und der Apfelstrudel sehr OK. Aber den Preis, der bei Wiener Schnitzel ja zu Recht sehr hoch ist, ist dieses Essen leider nicht wert.
Beim Essen schauen wir die restlichen Folgen von „Unstable“ – sehr zufriedenstellend – und danach noch die ersten beiden Folgen der zweiten Staffel von „Good Omens“. Kurz vor Mitternacht liegen wir im Bett und erzählen dann aber noch ein halbes Stündchen, bevor es ans Schlafen geht.
Ich schlafe erfreulich lange aus, als ich das erste Mal die Augen aufmache, ist es schon halb 9. Das passt sehr gut in meinen Plan, der vorsieht, sich heute tagsüber so richtig auszuruhen und treiben zu lassen, bis dann am Nachmittag Aktivität vonnöten wird. Ich lese das Internet leer, erledige meine Tagesaufgaben auf Duolingo – verteilt auf Tschechisch und Niederländisch, was wahrscheinlich weniger effektiv ist, als die gesamte Zeit auf eine der Sprachen zu verwenden, aber ich habe ja bei beiden keinen Anspruch, dass es schnell geht. Bei Italienisch schon eher, da wiederhole ich dann auf Babbel Vokabeln und mache eine Lektion – wie jeden Tag. Hoffentlich hält das Klima noch eine Weile durch, damit ich das Wissen auch noch oft vor Ort anwenden kann.
Es folgt das morgendliche Telefonat mit dem Liebsten, der auch darüber nachdenkt, wie er seine heutigen Aktivitäten so gut wie irgend möglich beschränken kann. Außerdem schauen wir uns Fotos vom glücklichen Teilzeitkind am Strand an und freuen uns, es bald wieder bei uns zu haben. Danach mache ich den Katzen und mir Frühstück – für sie Pute mit Kaninchen, für mich Müsli mit Milch und Pfirsich, und schaue die letzte Folge „Transatlantic“ und direkt danach das Making Of. Dann vertrödele ich noch erfolgreich etwas Zeit auf TikTok und gegen 14 Uhr stehe ich auf.
Ich mache mich im Bad fertig und ziehe mich dann und lande dann schnurstraks im dem Liegestuhl auf dem Balkon, denn eine soll es ja nicht übertreiben mit der Aktivität. Ich schaue hinaus in den Regen und höre nochmal die letzten drei Alben von Feine Sahne Fischfilet, um in Stimmung zu kommen. Mit Blick auf den Regenradar treffe ich Verabredungen mit der Freundin meines Bruders – ich übernehme seine Karte, da er am Yukon forschungsreist. Dann esse ich die Reste vom gestrigen Abendbrot, bevor ich mich fürs Konzert anziehe. Zur schnelltrocknenden weiten Stoffhose, die über die festivalerprobten geblümten Gummistiefel reicht, gibt es das T-Shirt von OHA! Musik ut Meckelborg – thematisch passend, wenn auch ohne direkte Verbindung zur auftretenden Band, so gehört sich das. Passende (kleine) Umhängetasche rausgesucht, Regenponcho eingesteckt, fertig. Beim Losgehen überprüfe ich noch schnell für den Hasen, ob der Sauerkirschbaum im Nachbarhof noch trägt, muss dies aber verneinen.
Ich laufe zum Bahnhof und fahre mit zwei S-Bahnen hinaus zur Wuhlheide, wo ich zunächst die Freundin des Bruders, ihren Stiefcousin und dessen Sohn im Biergarten treffe. Mit einer Apfelschorle trinke ich mich fürs Konzert „warm“. Irgendwann mittig zwischen Einlass- und Konzertbeginn gehen wir dann hinein. Ich suche nochmal die Örtlichkeiten auf, die anderen holen sich Bier und dann suchen wir uns eine gute Stelle, wo wir insgesamt acht Sitzplätze reservieren, die nach und nach von weiteren Freundinnen und Verwandten des Stiefcousins besetzt werden. Während wir auf den Konzertbeginn warten, läuft der Main Act recht entspannt durchs Publikum, schüttelt Hände und macht bereitwillig Selfies mit den Fans. Dann steht Monchi irgendwann auf der Bühne und kündigt den ersten Support Act an – die mir bisher unbekannte Band Clowns aus Australien – lohnt sich unbedingt, da reinzuhören. Wir hatten viel Spaß, nur der Sohn des Stiefcousins war gar nicht angetan.
Nach einer Umbaupause kündigt Monchi als zweiten Support Act die legendäre Band Slime an. Ich kenne nur zwei der Lieder (die mir am geläufigsten beiden werden leider nicht gespielt), die anderen mehr – teilweise werfen sie sich mit in die Menge und die Mosh Pits. Sie feiern die alten und finden die neuen so „naja“. Insgesamt traurig, dass eine unbekannte Band uns mehr abholt, als die alten Helden.
Gegen 21 Uhr dann endlich Feine Sahne Fischfilet. Sofort sind alle auf den Beinen (wer bei Slime nicht pogen war, ist sitzen geblieben), tanzen und singen mit, die Bühne ist vor buntem Rauch nicht mehr zu sehen und es ist einfach eine sehr gute Party. Zwischendurch gibt es ein paar einordnende Worte von Monchi zu den (im Gegensatz zu bei Rammstein) anonymen, (noch viel mehr im Gegensatz zu Rammstein oder auch Anti-Flag) unkonkreten Sexismus-/Täter-Vorwürfen gegen die Band und wie sie damit umgehen und sich ständig weiterentwickeln. Im Podcast bei Matze Hielscher hat er es neulich besser erklärt. Zum Glück habe ich den gehört (und andere Interviews dazu gelesen), sonst hätte mich dieses Statement eher verunsichert.
Das letzte gelbe Boot auf einem Konzert habe ich bei Michael Patrick Kelly gesehen. Muss ein Trend sein. #scnrNach dem Lied für Monchis Großeltern, kommt das über seine Eltern – mit seinen Eltern, die zum Punk stur Discofox tanzenMonchis Vater beim StagedivenZurück in unserer StadtZuhauseWo niemals Ebbe istKomplett im Arsch
Ein wundervoller Konzert-Abend, mit viel Tanzen und Mitsingen, mit Nazihass und Ostseeliebe, zum Rückenstärken für das „Grademachen“ gegen den Rechtsruck. Tut gut, wo doch auf Mastodon schon ausgemachte Sache zu sein scheint, dass in Deutschland bald wieder die Faschisten regieren.
Der Abend endet dann irgendwie sehr abrupt, weil meine Gruppe schon hektisch aufbricht, obwohl die Band noch auf der Bühne steht und sich vom Publikum zu Oasis-Klängen feiern lässt. Und es gibt nichtmal eine Bahn zu kriegen, wir stehend danach noch eine Stunde rum, bevor wir das Gelände verlassen. Keine Ahnung, was da schiefgelaufen ist. Man geht doch nicht los, bevor das Licht nicht wieder an ist, idealerweise steht man noch ein bisschen und guckt auf die leere Bühne und lässt das Erlebte auf sich wirken. Das Genervtsein davon muss ich erstmal runterschlucken, bevor ich später wieder Spaß an den Gesprächen habe.
Irgendwann brechen wir auf, laufen zur S-Bahn und dann bin ich gegen halb 1 zuhause. Die Katzen bekommen Abendbrot und ich habe auch Hunger und setze mich mit einem einfachen Abendbrot auf die Couch. Ins Bett gehen kann ich aber noch nicht gleich, erst gibt es noch ein wenig TikTok zum Runterkommen und dann ist es irgendwann halb 2, als das Licht ausgeht.