16.08.2023 – Kühe, Küstenstraße, Wale, Wasserfall und Meeresfrüchte

Nach dem Aufwachen – der Liebste hatte sich die zweite Nacht ein Bett mit dem Teilzeitkind geteilt, weil das weniger Platz einnimmt als ich (zumindest in der Theorie, wer mit Kindern schlafen kennt, weiß, wie viele bewegliche Teile die über Nacht entwickeln) – machen wir den Deal, das ich heute Nacht mit Kind schlafen werde und er vor dem vielen Autofahren morgen ein Bett für sich alleine haben wird. Und dass wir zukünftig versuchen werden, immer mindestens ein Queensize-Bett im Zimmer zu haben. Nun aber erst einmal Frühstücksbüffet, zum ersten Mal auf dieser Reise frühstücke ich u. a. Oatmeal und French Toast. Dann packen wir unsere Siebensachen, checken aus und fahren zunächst einmal auf die Chéticamp vorgelagerte Insel.

Dort am Leuchtturm, zwischen den Kühen, soll es einen Cache geben, den wir aber nicht finden. Doch alleine wegen Aussicht, Landschaft und vorwitzigen Kälbchen hat sich der Ausflug gelohnt.

Danach gibt es ein Trosteis (Sea Salt Caramel für mich) und wir fahren los und hinein in den Cape Breton Highlands Nationalpark. Während der Liebste den Eintritt bezahlt, finden das Teilzeitkind und ich hinter dem Gebäude der Parkinformation endlich einen Cache und der Tag ist vorerst gerettet. Auf der spektakulären Küstenstraße des Cabot Trail fahren wir eine Dreiviertelstunde bis in den nächsten Ort, Pleasant Bay, der bereits unser heutiges Ziel ist. Zwischendurch müssen wir aber auch zweimal anhalten um uns an der Aussicht zu erfreuen und viele Fotos zu machen.

In Pleasant Bay parken wir am Hafen, wo der Liebste in einer Stunde zu einer Whale Watching Tour aufbrechen wird. Da das Teilzeitkind letztes Jahr beim Whale Watching auf Brier Island seekrank wurde, ist es dieses Jahr nicht zu überreden und wir zwei bleiben (seit Monaten so verabredet) an Land. Wir spazieren durch den Hafen, der Liebste und das Teilzeitkind klettern am Strand herum, das Teilzeitkind sammelt Hagebutten für heimtückische Zwecke und dann ist es auch schon Zeit, den Liebsten ins Boot zu setzen.

Wir winken dem mutigen Seebären und gehen dann direkt ins Walmuseum nebenan. Dort gibt es Wissenswertes über Wale im Schnelldurchlauf, am interessantesten sind für das Kind die multimedialen Anteile – ein Zeitstrahl über die Evolution der Wale, ein Video über Walfang und das Anhören der verschiedenen Walgesänge. Dank vom Museum vorbereitetem Suchspiel ist es mehr mit dem Finden von Gegenständen beschäftigt als mit der Ausstellung selbst, aber mir soll es Recht sein. Im Shop kaufen wir dann noch eine neue Orca-Tasse für den Liebsten (sein Lieblingstier) und dann sitzen wir draußen vor dem Museum in der Sonne. Das Teilzeitkind nutzt das WLAN des Museums, um ausführlich auf meinem Handy zu zocken, ich beschäftige mich mit den Wanderkarten des Nationalparks. Und dann ist der Liebste auch schon wieder da – sie sind direkt nach dem Rausfahren auf eine Schule Pilotwale gestoßen und haben, nachdem alle ausführlich Fotos gemacht haben und der Großteil der Passagier*innen die Wale gefüttert hatte (der Liebste nicht), frühzeitig wieder umgedreht. So haben wir die heldenhafte Rückkehr des Seebären leider verpasst.

Wir fahren zu unserem heutigen Motel, beziehen unser Zimmer und gehen dann nebenan in den General Store und besorgen Chips und Limo für den Abend und ein Eis für den Liebsten (er hatte morgens keins), sowie ein zweites für das Teilzeitkind. Dann ruhen wir uns kurz aus, bevor wir zu einer kurzen Wanderung in der Nähe aufbrechen. An einem Bachlauf entlang geht es durch den Wald bis zu einem Wasserfall.

Diese Wanderung geht ohne größere Dramen oder Schlammlöcher ab und es kommen auch keine Kojoten vor, wir hätten aber für die auch Stöcke dabei gehabt. Als wir zurück am Auto sind, fahren wir direkt wieder hinunter ans Wasser und gönnen uns ein leckeres Abendmahl im Sonnenschein auf der Terrasse eines der Fischrestaurants hier.

Lokale Austern
Zitronenlimonade mit Blaubeeren
Salat mit Apfel, Mandeln, Cranberries und Mohn-Vinaigrette
Eine halbe lokale Schneekrabbe mit Butter, Kartoffelbrei und Coleslaw
Coconut Cream Pie

Nach dem Abendessen fahren wir zurück zum Motel. Der Liebste holt sich an der Rezeption noch ein Bier, für die anderen gibt es Limo und wir lassen den Abend mit Bergblick ausklingen. Nachdem die Sonne untergegangen ist, wird es schnell kühl und wir machen uns bettfertig. Halb 10 (!) geht das Licht aus. Der Liebste schläft, das Teilzeitkind hört Hörspiel und ich nicke auch bald über meinem Kreuzworträtsel ein.

15.08.2023 – Gälisch, Mi‘kmaw & Akadisch auf Cape Breton Island

Ich habe trotz sehr weichen Bettes ganz wundervoll geschlafen, weil der Liebste in der Hoffnung, mit dem Teilzeitkind mehr Platz im Bett zu haben, im anderen Bett geschlafen hat. Er sieht zerknitterter aus als ich, dafür gehen die beiden aber direkt morgens noch zum Pool, während ich gemütlich im Bett liegen bleibe und blogge. Als die beiden zurück sind, gehen wir zum Frühstück und haben einen wundervollen Blick auf den Fluss dabei. Wir futtern uns durch das Frühstücksbuffet und lassen uns frische Pancakes braten (Eier oder Omelette wären auch gegangen). Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dieser Unterkunft und empfehlen sie auf Anfrage gerne weiter.

Kurz vor der Abfahrt, bevor wir wieder eine ganze Weile ohne Internetempfang sind, sammeln wir an der Brücke, an der gestern die Wanderung anfing, noch einen Cache ein.

Danach fahren wir gute zwei Stunden bis zu unserer nächsten Station. Das Teilzeitkind hört Hörspiel, wir hören Musik. Von der Eastern Shore geht es an die Northumberlandshore und dann auf dem Trans Canada Highway (in nur 57 Stunden könnten wir in Vancouver sein) über den Canso Causeway rüber nach Cape Breton Island. Hier gibt es zum Meer auf einmal auch Berge. Unser erster Halt ist ein Freilichtmuseum, in dem man die schottischen Einwanderer von ihren Highland-Hütten in 18. Jahrhundert nach Cape Breton begleiten und die weitere Entwicklung bis zur Gegenwart nachempfinden kann. Dabei wird viel Gälisch gesprochen.

Danach führt uns unsere Route durch ein Reservat der Mi‘kmaq, neben den vielen Flaggen und kulturellen Symbolen vor allem zu erkennen an den langen Schlangen an der Tankstelle und den vielen Cannabis-Läden – da Einkünfte, die „Status Indians“ in den Reservaten erhalten, von der Steuer befreit sind, kosten alle diese Dinge hier natürlich weniger als auf Provinzgebiet, was von der gesamten Bevölkerung gerne wahrgenommen wird.

Und dann sind wir auch schon wieder in der Acadie, dem französischsprachigen Teil der Maritimes, und fahren den Cabot Trail entlang nach Chéticamp, unserem heutigen Ziel. Wir beziehen unsere Zimmer in einem Inn – stilecht mit französischen Betten – und spazieren hinüber zum Pub. An einem Tisch mit Meerblick nehmen wir das Abendessen ein. Es gibt akadischen Eintopf aus Rindfleisch, Kartoffeln und Zwiebeln und dann zum Hauptgang Fish & Chips für den Liebsten, Hähnchen und Pommes für das Teilzeitkind und einen Seafood-Teller mit zwei Sorten Backfisch, Muscheln und mit Speck umwickelten Jakobsmuscheln für mich. Dazu bekommt das Kindelein Eiswasser und der Liebste und ich probieren uns durch das lokale Craft-Beer- und Cider-Angebot.

14.08.2023 – Schuhe, Aussicht, Wandern, Wellness

Nach leicht unruhiger Nacht (zu zweit auf sehr weicher, nicht allzu breiter Matratze, so dass man sich ständig in der Mitte trifft – das Teilzeitkind im Bett gegenüber schlief gut), packen wir unsere Sachen recht schnell zusammen und stehen kurz nach Öffnung der Mall in einem Klamottenladen. Das Teilzeitkind darf sich einen Packen Socken aussuchen, nachdem es ja für 5 Tage Wildnis nur ein Paar dabei hatte und das jetzt nass ist) und greift zielsicher zu den Jordans. Dann soll es auch noch neue Schuhe bekommen, da die alten schon fast auseinander fallen und undicht sind. Das Argument, dass es ja in Deutschland noch Schuhe hätte, lassen wir nicht gelten. Also sucht es sich wiederum sehr zielsicher, Markenschuhe aus – in blasslila. „Ich weiß aber nicht, ob die dreckig werden dürfen…“ Wir versichern, dass sie dreckig werden dürfen und dann ist es zufrieden. Vor dem Bezahlen geht sich der Liebste dann auch nochmal einen Packen Socken holen, nachdem ich meinen Vortrag über „ein paar Socken pro Tag einpacken“ einmal zu oft gehalten habe.

Danach gehen wir direkt nebenan, immer noch in der Mall, in ein Frühstückslokal mit dem schönen Namen „Pür & Simple“. Das Teilzeitkind speist eine Waffel mit Erdbeeren, Bananen, Nutella und Sahne – bzw. eigentlich vor allem den Belag, den Großteil der nackten Waffel lassen wir uns hinterher einpacken. Der Liebste nimmt einen Breakfast Burger mit Bratkartoffeln und für mich gibt es das Canadian Breakfast mit zwei Eiern, Würstchen, Bacon, Bratkartoffeln, Blaubeerpfannkuchen und Vollkorntoast. Sehr lecker!

Dann ist es Zeit, wieder auf die Straße zu kommen. Wir fahren zurück an die Küste (jetzt die Eastern Shore, also östlich von Halifax) und hören dabei nochmal eine Folge „Die drei !!!“. Eigentlich wollen wir uns rekonvaleszente Wildtiere anschauen, aber die Auffangstation ist heute leider für Besucher geschlossen. Also geht es direkt weiter, den Marine Drive entlang nach Nordosten. Das Teilzeitkind hört sein Hörspiel jetzt mit Kopfhörern, der Liebste und ich einigen uns als Kompromiss auf den lokalen Country-Sender und hören herzzerreißende Lieder über Männer, die nur unter Alkohol ihre Gefühle zeigen können und bewundern die wunderschöne, menschenleere Landschaft.

Nach guten zwei Stunden kommen wir an unserem Hotel für heute an – eine Lodge im Stil der Ferienhotels des Borscht Belt (vgl. „Dirty Dancing“ und „Marvelous Mrs Maisel“), allerdings ohne Animationsprogramm, aber durchaus mit u. a. Shuffleboard, Draußenschach, hoppelnden Kaninchen und Tiergehegen. Wir beziehen unser Zimmer und schicken Fotos von unserem Balkon hinaus in die Welt.

Das Poolhaus mit Pool, Whirlpool und Sauna ruft schon sehnsüchtig nach uns, aber vor die Erholung hat der Plan die Anstrengung gesetzt, also gehen wir jetzt wandern. Vom Hotel aus gibt es sechs verschiedene Trails, vier zum Spazieren, zwei zum Wandern. Von denen suchen wir uns den kürzeren aus, der mit einer Stunde Dauer angegeben ist, melden uns an der Rezeption ordnungsgemäß ab und laufen los. Nach einem Stück die Straße entlang geht es schnell in den Wald. Ein schmaler Pfad windet sich bergauf und bergab über Stock und Stein, an vielen Stellen matschig und sumpfig, weil es in den letzten Tagen hier viel geregnet hat. Das macht das Laufen beschwerlich – schon mal grundsätzlich und dann noch, weil ein nicht näher benanntes Kind seine neuen blasslila Schuhe nicht dreckig machen möchte und über jedes bisschen Schlamm motzt und meckert.

Nach etwa einem Drittel des Weges kommen wir am Flussufer an und ruhen uns kurz aus.

Kurz haben alle wieder gute Laune, aber dann kommt der beschwerliche Teil des Weges, bei dem wir immer wieder abenteuerlich klettern, Hindernisse überwinden und durch vollgesogenes Moos und schlammige Stellen waten müssen. Irgendwann waren wir alle mit den kompletten Schuhen einmal in der Matschepampe drin. Das ist dann der Moment, wo sich das Teilzeitkind den Zimmerschlüssel geben lässt und wütend davon prescht, weil wir ihm zu langsam sind und es seine Schuhe so schnell wie möglich sauber machen möchte. Von dem Moment an brauchen der Liebste und ich noch fast eine halbe Stunde, bis wir aus dem Wald heraus und zurück auf dem Hotelgelände sind.

Wir sind kaputt und müde, mit schmerzenden Gliedern von mehreren Stürzen und völlig verdreckt, als wir ins Hotelzimmer kommen, wo ein vor Energie strotzendes Kind einen Schuh schon fast sauber hat, kurz davor ist, mit dem nächsten anzufangen und uns fröhlich anbietet, danach mit unseren Schuhen weiter zu machen, das sei so schön entspannend. Mit viel Fingerspitzengefühl schaffen wir es nach einer kurzen Ausruhphase, das Kind von seinen Schuhen zu lösen und in seinen Badeanzug zu stecken. Dann laufen wir endlich hinüber ins Poolhaus. Der Pool selbst ist der Wärmste, den ich seit den Thermalbädern in Island vor 24 Jahren erlebt habe, ohne dabei nach Schwefel zu riechen. Der Whirlpool ist noch heißer, ähnlich wie ein isländischer Hot Pot. Dazu gibt es noch eine Sauna, die aber nur so um die 70 Grad heiß ist, und eine Sonnenterrasse. Wir lassen es uns gute zwei Stunden gut gehen und wechseln zwischen den vier Orten und Temperaturen hin und her.

Halb 8 wird es dann langsam Zeit, sich fürs Abendessen fertig zu machen, das wir für 20 Uhr reserviert haben. Da ich ja nur ein paar Socken pro Tag für den Roadtrip eingepackt habe und nicht wie die anderen seit heute morgen noch welche extra in petto habe, gehe ich in Flipflops zum Essen. Es ist aber auch immer noch warm genug dafür.

Pfirsich-Eistee mit Wodka
Muscheln aus Prince Edward Island, in einer Knoblauch-Weißwein-Brühe gedämpft
Maple Plank Salmon mit Meersalzkartoffeln, Meerrettich-Schnittlauch-Creme, Blaubeersauce und Saisongemüse
Strawberry Shortcake mit Honig

Auf der Sonnenterrasse hatte ich noch geschwankt, ob ich den Lachs oder die pochierten Heilbuttbäckchen nehme, habe mich dann aber ob des Preises und der zu erwartenden Konsistenzen (zum Heilbutt gab es Kartoffelbrei und Erbsenpüree) doch für den Lachs, das Signature Dish des Hauses, entschieden. Die anderen beiden essen Tomatensuppe und jeweils einen Burger (der Liebste mit Bisonfleisch) und das Teilzeitkind noch ein Eis. Mit einem weiteren alkoholischen Getränk bewaffnet, ziehen wir uns nach dem Essen ins Kaminzimmer zurück. Das Feuer ist nicht an, aber es ist trotzdem sehr gemütlich. Das Teilzeitkind darf auf meinem Handy spielen, der Liebste liest das Internet leer und ich fange ein neues Buch an. Kurz nach 22 Uhr fallen mir aber schon die Augen zu und ich verabschiede mich als erste ins Bett.

13.08.2023 – Roadtrip, Powwow, Reisen mit Kind

Heute nun beginnt unser diesjähriger Roadtrip. Der Liebste und das Teilzeitkind haben gestern Abend schon gepackt, ich erledige meinen Teil vor dem Frühstück. Draußen frühstückt zeitgleich mit uns ein Streifenhörnchen und wir debattieren folgerichtig die primären, sekundären und tertiären Charaktere in „Chip & Chap“.

Nach dem Essen telefonieren wir nochmal kurz mit Deutschland (gut soweit) und dann fahren wir los – fünf Tage on the road liegen vor uns. Etwa eine Minute nach jeder Abfahrt tönt es von der Hinterbank „Hörspiel!“ und damit sind „Die drei !!!“ gemeint. Ab und an können wir ein paar Songs von des Liebsten Playlist herausschlagen, den Rest der Fahrt hören wir zu, wie Franzi, Kim und Marie Detektivfälle lösen und Probleme mit Jungs diskutieren und dürfen uns dabei nicht unterhalten. Wir müssen dringend nochmal über Kopfhörer sprechen…

Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Millbrook 27 First Nation, ein Reservat der örtlichen Mi‘kmaq, wo heute der zweite Tag des jährlichen Powwows stattfindet. Wir haben noch etwas Zeit, bevor es offiziell losgeht und laufen erst einmal über das Gelände und schauen uns die verschiedenen Stände an, an denen Kleidung, Kunst, traditionelles Handwerk und Essen (Hotdogs, Burger, Poutine oder Lobster) verkauft werden. In der Mitte der schon leicht schlammigen Wiese (Wir vermeiden alle das R-Wort!) befindet sich ein ringförmiges Dach um den Tanzplatz, unter dem die verschiedenen Trommelgruppen, Tänzer*innen und Besucher*innen sich nach und nach einfinden. Der Liebste holt nochmal kurz was aus dem Auto, die Zeit nutzen das Teilzeitkind und ich dafür, uns erstmal Smoothies zu besorgen. Dann setzen auch wir uns unter den Dachring.

„Da lass ich Euch mal eine Minute alleine und schon habt Ihr was Pinkes in der Hand!“

Die „Show“ beginnt damit, dass ein Moderator (MC) das Publikum anheizt. Die Trommelgruppen (u. a. die Superstars der Szene, „Northern Cree“) singen und spielen erste Lieder, die beiden Frontrunners sollen dann für die „Entscheidung“ einen „Karaoke-Song“ ihrer Wahl im Northern-Cree-Stil performen. Eine Gruppe entscheidet sich unter dem Gelächter des Publikums für „The Lion Sleeps Tonight“, die andere für „I Want It That Way”, das unter den anwesenden Millenial-Frauen noch mehr Jubel auslöst und so deutlich gewinnt.

Dann beginnt der offizielle Teil des Powwows mit der Eröffnungszeremonie durch die Tänzer*innen, bevor die Flaggen hereingetragen und aufgehängt werden – die Flagge der Mi‘kmaq, die von Nova Scotia, die der Acadie, die von Kanada, die der USA, die der Streitkräfte und die der Veteran*innen. Währenddessen wird gestanden und den verstorbenen Ahnen, den Opfern der Kolonialisierung und den Gefallenen der Kriege gedacht. Dann gibt es einen speziellen Tanz, um anwesende Veteran*innen zu ehren.

Danach darf man sich wieder setzen und es folgen die Tanzvorführungen und -wettbewerbe, bei denen die Teilnehmer*innen in verschiedenen Altersgruppen und Kategorien gegeneinander antreten und bewertet werden. Die Musik dazu stammt von den Trommelgruppen, die ebenfalls miteinander im Wettbewerb stehen. Wir gucken jedem Tanz fasziniert zu, amüsieren uns bei den Kindern z. B. über Spiderman- und Pokémon-Kostüme und bewundern die komplizierten Schritte und Figuren.

Irgendwann bei der dritten Kategorie der Teeniemädchen knurrt mein Magen dann so sehr, dass ich mich opfere und zum Burgerstand gehe. Dort stehe ich etwa 40 Minuten an, bevor ich meine Bestellung loswerde und dann nochmal gute 20 Minuten, bis sie fertig ist. Ungefähr die Hälfte dieser Zeit stehe ich ungeschützt im Regen. Immerhin schmeckt das Essen – Forrest Poutine mit Pilzsauce statt Gravy und extra Baconwürfeln für den Liebsten und mich, das Teilzeitkind bekommt nackte Pommes.

Den Großteil der Erwachsenenwettbewerbe habe ich verpasst, kann aber noch sehen, wie Headman und Headwoman gemeinsam tanzen.

Darauf folgen ein gemeinsamer Tanz mit Northern Cree und dem Moderator sowie der Abschlusstanz aller Teilnehmer*innen, bei dem die Flaggen wieder abgenommen werden („zur Ruhe gelegt“, nicht „zurückgezogen“, denn First Nations ziehen sich nie zurück!).

Danach kommen zwei Rounddances, bei denen auch alle Besucher*innen eingeladen sind, mitzumachen. Wir bleiben aber sitzen. Der letzte Programmpunkt ist dann die Siegerehrung, die aber gar nicht so sehr im Mittelpunkt steht. Hier geht es um die Gemeinschaft und die Pflege der Traditionen (und die Geldpreise), weniger um das Feiern der Individuen.

Hinterher wollten wir eigentlich noch ein wenig Geld an den Ständen ausgeben, aber inzwischen regnet es wirklich in Strömen und wir laufen stattdessen schnell zum Auto und fahren die paar Minuten zu unserem Motel, wo wir die Heizung anstellen und uns erstmal in unsere Betten legen, um uns aufzuwärmen. Nach und nach fällt mir auf, warum das Motel auf Google Maps nur 3 von 5 Sternen hat: Nur eine der Leselampen funktioniert, es gibt keinen Wasserkocher – man soll sich den Tee wohl in der Mikrowelle zubereiten – und es gibt zwar Tee und Kaffee sowie Milchpulver, Zucker und Süßstoff, aber nichts, womit man das alles umrühren könnte. Dass der Teebeutel dann auch noch aufreißt, schlägt dem Fass die Krone mitten durchs Gesäß, oder wie das heißt.

Nach etwa anderthalb Stunden machen wir uns auf den Weg zum Abendessen in unser „Stammlokal“ hier in der Gegend. Das Teilzeitkind soll zu diesem Behufe trockene Socken anziehen und verkündet uns nach über einer Woche Urlaub, dass es insgesamt nur zwei Paar Socken eingepackt hat und eins davon noch bei meinen Eltern liegt. Immerhin hat es die nassen Socken an der Heizung halbwegs getrocknet und kann sie jetzt anziehen. Und wir gehen dann also morgen früh erstmal Socken kaufen. Vor dem Motel werden wir von unserem Zimmernachbarn, der dort mit einem Bier vor seinem Zimmer sitzt, gefragt, ob er dem Kind ein Eiscremesandwich geben darf. Zum Glück haben wir mit „nicht vor dem Abendessen“ eine gute Ausrede. Er versteht und erzählt uns, dass er bereits seit drei Jahren in diesem Motel wohnt und allen Kindern Süßigkeiten schenkt. Wir fahren schnell los.

Im Stammlokal gibt es Craftbeer für die Erwachsenen (ein Hoppy Boy IPA aus Halifax für den Liebsten und ein North Shore Lager aus Tatamagouche für mich) und Eiswasser für das Kindelein.

Naan Pieces mit Spinat-Käse-Dip
Schellfisch-Taco
Lobster Roll mit Pommes
BBQ-Bacon-Burger
Hähnchenstreifen mit Pommes
Brownie für das Teilzeitkind
Cheesecake mit Blaubeer-Topping für mich

Nach dem Essen spazieren wir noch ein wenig durch das inzwischen trockene und schwüle Truro und sammeln unterwegs zwei Geocaches ein.

Dann fahren wir zurück ins Motel. Der Zimmernachbar lässt sich nicht blicken. Die drei !!! schallen durchs Zimmer, ich setze mir Kopfhörer auf und vertreibe mir die Zeit auf TikTok und dann mit einem Podcast. Nebenbei versuche ich, den Powwow-Schlamm von Schuhen und Hose zu bekommen. Dann ist gegen 10 für alle Bettgehzeit. Ich höre noch Podcast, bis der Timer den Hörspiellärm beendet (ich höre trotz Noise-Cancelling-Kopfhörern und Podcast immer noch fast jedes Wort) und die anderen beiden schlafen. Dann kann ich die Kopfhörer abnehmen, mich bequem hinlegen (mehr oder weniger, die weiche Matratze behagt meinem schmerzenden Rücken nicht) und schlafe schnell ein.

12.08.2023 – Meer, Felsen, Sand, Robben

Die Nacht war kurz und unruhig, nach dem Frühstück gibt es dann aber ein weiteres erst Telefonat mit Deutschland, nachdem wir wieder etwas entspannter sind. Der Liebste kocht seine vegane Bolognese für das Abendessen, meine Mama und das Teilzeitkind backen einen Streuselkuchen mit Banane, Pfirsich und Blaubeeren, mein Papa und ich liegen und lesen – ich auf einer Heizdecke, für meinen Rücken. Ich lese das erste Buch des Urlaubs aus – Lauren Collins‘ „When in French. Love in a Second Language“. Sehr zu empfehlen für alle, die sich für Sprachen und Kulturen interessieren.

Am frühen Nachmittag kommt ein Nachbarspaar vorbei, um Post abzuholen, die Papa ihnen von seinem gestrigen Ausflug zum Postamt drüben im Dorf mitgebracht hat. Wir erzählen kurz und verabreden uns für nach unserem Roadtrip zu einem Besuch bei ihnen. Danach gibt es Kuchen draußen auf dem Deck.

Nach dem Essen machen sich alle ausflugsbereit und wir fahren gemeinsam zum Nationalpark in der Nähe, um ein wenig zu wandern.

Unterwegs sammeln wir einen Cache ein und beobachten Robben. Das Teilzeitkind und der Liebste klettern genau wie letztes Jahr über die Felsen, während wir anderen den normalen Weg benutzen. Schließlich liege ich eine Weile im warmen Strandsand und höre den Wellen zu. Zurück am Parkplatz trennen sich unsere Wege – meine Eltern fahren noch schnell einkaufen, wir gucken auf dem Rückweg an einigen Caches vorbei und finden noch einen weiteren.

Wieder zuhause gibt es Nudeln mit Bolognese für alle. Danach spielen wir noch eine Runde „Sagaland“ und eine Runde „Halt mal kurz“, bevor ich bewaffnet mit Gummibärchen, Schmerztablette und Wärmesalbe kurz nach 10 im Bett verschwinde.

11.08.2023 – Mall Rats, Lunenburg, Perseiden

Ich wache kurz vor 8 Uhr auf und habe damit beinahe unheimliche neun Stunden geschlafen. Da es draußen in Strömen regnet, besteht auch erstmal keine Eile aufzustehen. Irgendwann gegen 10 versammeln sich dann alle zum Frühstück und danach wird nochmal ein paar Stunden geruht, bis der Regen aufhört. Ich habe von dem Astschereneinsatz gestern Muskelkater an ungewohnten Stellen und meine Lendenwirbelsäule meldet sich über den Tag auch immer deutlicher. Zuerst also ganz gechillt auf dem Sofa lesen und ab und an aus dem Fenster aufs Meer sehen.

Am frühen Nachmittag hört es auf zu regnen und wir fahren zu dritt in die Mall im nahegelegenen Städtchen. Ich hole meine reparierte Hose aus der Schneiderei, der Liebste bekommt ein neues Portemonnaie und wir befüllen uns alle jeweils ein kleines Tütchen im Candy Shoppe.

Dann geht es weiter zum Supermarkt, ein paar Vorräte auffüllen und frisch zubereitetes Sushi fürs Abendbrot mitnehmen (in einer Kühlbox).

Zwischen Paniermehl und Dosentomaten kommt ein Anruf aus Deutschland, der uns etwas beunruhigt. So vergessen wir dann auch Milch und Geschirrspülmittel, das holen wir dann beim nächsten Mal. Nächste Station ist unser erstes Mal bei Tim Horton‘s diesen Sommer. Es gibt Cappuccino und Donut für den Liebsten, Limonade und Croissant für das Teilzeitkind und Brombeere-Yuzu-Getränk und Apple Fritter für mich. Kein Foto, wir sind immer noch etwas durch den Wind. Frisch gestärkt fahren wir weiter nach Lunenburg.

Wir spazieren durch das schöne Städtchen, sammeln unterwegs einen Geocache ein und telefonieren nochmal mit Deutschland – jetzt ein wenig ruhiger.

So richtig entspannt sind wir jetzt aber nicht mehr, also fahren wir bald wieder los nach Hause. Unterwegs versuchen wir uns noch an einigen Geocaches…

…finden aber mehrere hintereinander nicht und sind dann ganz früh, dass unser Hail- Mary-Versuch es uns dann doch ganz leicht macht – mit Cache am Fahnenmast vor einem Feuerwehrgebäude. Wieder zuhause gibt es dann Sushi, Gyoza und Algensalat und hinterher eine Runde „Sagaland“ – Schmerzen und Sorgen machen allerdings, dass ich mich nicht konzentrieren kann und ständig Fehler mache. Also lege ich mich lieber hin und lese, während der Liebste erstmals einen Triumph gegen das Teilzeitkind verbuchen kann. Inzwischen ist es draußen dann dunkel genug, um drinnen alle Lichter zu löschen und draußen auf dem Deck nach den Sternen, Planeten, Satelliten, Flugzeugen und der Weltraumstation zu schauen. Ich sehe eine Sternschnuppe und wünsche mir etwas, bevor es mit Heizdecke in die Falle geht.

10.08.2023 – Bäume fällen, Zimmer besetzen, im Atlantik baden und Seafood essen

Heute wird ein warmer Sommertag, auch wenn es morgens wegen Wind noch recht kühl ist und wir drinnen frühstücken. Danach das übliche Herumlungern mit Lesen, Bloggen, Sprachlern-Apps und Co. Als ich mich dann gerade aufraffen möchte, um ins Bad zu gehen und aus dem Schlafanzug herauszukommen, kommt stattdessen unser Holzfäller-Einsatz zum Zug. Wie berichtet, hatte ja ein Biber einen der Pfeiler der Wäscheleine gefällt. Meine Mama hatte nun den Plan, eine Fichte zu fällen und damit Raum für mehr Wäsche zu machen und bat den Liebsten um Unterstützung. Gemeinsam kamen sie dann darauf, aus der Fichte einfach noch einen weiteren Pfeiler zu machen und so gleich zwei weitere Leinen spannen zu können. Also bearbeitete der Liebste die Fichte mit Beil und zwei verschiedenen Sägen auf über-Kopf-Höhe und sägte später den gefallenen Stamm noch in drei handlichere Teile.

Mein Job war es, den Stamm mit der Astschere zu bearbeiten und die vielen Fichtenwedel dann an eine Stelle am Ufer zu tragen, wo sie als „Flutwall“ gegen zukünftig steigenden Meeresspiegel aufgeschichtet werden – alles in Schlafanzug und Gummistiefeln, wie so ein Stadtmensch. Der dicke Stamm wird zu Feuerholz für den nächsten Winter, aber erst, wenn es nicht mehr so heiß ist. Nach dem Arbeitseinsatz – die Sonne steht inzwischen wirklich hoch und es ist weitgehend windstill, gehen wir erst einmal duschen und uns fertig anziehen, während meine Mama mehr Wäsche wäscht und aufhängt.

Das Teilzeitkind hat in der Zwischenzeit sein Zimmer besetzt. Während des Frühstücks kam nämlich das Thema auf, ob es demnächst, wenn weiterer Besuch eintreffen wird, sein Zimmer mit dem Schlafsofa gegen ein anderes, das zwei Einzelbetten hat, eintauschen würde. Nun, ich denke die Antwort lautet nein. Vor seinem Zimmer jedenfalls steht nun ein Protest-Pappschild mit einer längeren Erklärung, die in „Ich bleibe hier“ und „Dies ist ein Antiterroranschlag des asozialen Netzwerks“ gipfelt. Außerdem hat es den Liebsten als Verbündeten rekrutiert und Flyer gebastelt, die er morgen für die gute Sache verteilen soll. Warten wir ab, wie sich die Situation entwickelt.

Nachdem wir uns von der Aufregung und der Baumfällerei erholt haben, brechen wir auf an den Strand – es ist der Wobamkek Beach, der unter seinem Colonizer-Namen als schönster Strand Nova Scotias bekannt ist – zu Recht! Unterwegs halten wir noch an drei Geocaches an, von denen wir aber nur einen finden. Einer ist von Biomasse überwuchert und gut von Insekten bewacht, ein anderer existiert nicht mehr, da das Haus, an dem er befestigt war, inzwischen verkauft und umgebaut wurde – die neuen Besitzer*innen sind sehr kanadisch freundlich, hilfsbereit und dann untröstlich. Sie erinnern sich sogar daran, dass da ein kleines schwarzes Ding war, dass inzwischen weg ist und vermuten, dass die Handwerker es entsorgt haben. Der dritte Cache klappt dann aber zum Glück.

Auf unserem Weg zum Strand müssen wir durch zwei Baustellen, an denen die vor wenigen Wochen von Überflutungen weggespülte Straße repariert wird. Wir warten jeweils vor einem Mensch mit Stop-Schild, dann kommt nach einigen Minuten ein Führungsfahrzeug und dahinter eine lange Schlange Autos aus der Gegenrichtung. Wenn die durch sind, dreht das Führungsfahrzeug um, der Mensch dreht das Schild auf „Slow“ herum und wir können dem Fahrzeug folgend die Baustelle passieren.

Am Strand angekommen, parken wir das Auto an einem Waldweg und laufen dann einen gut getarnten Pfand entlang nochmal einen halben Kilometer oder so über eine bewaldete Düne, bis wir den weißen Sand erreichen. Der Strand ist so gut wie leer und sehr lang – in den nächsten zwei Stunden sind insgesamt vielleicht zwanzig Menschen da, nicht gleichzeitig und die meisten auf einem anderen Teilstück.

Weil es so warm ist, ziehen wir uns schnell aus und laufen relativ selbstsicher ins Wasser. Zumindest die ersten Schritte. Sobald das Wasser die Knie erreicht, ist es so kalt, dass es wehtut und wir schnell wieder ins Flache müssen. 16 Grad hat das Wasser laut Internet. Wir vergnügen uns eine Weile im flachen Wasser, dann laufe ich noch ein wenig zum anderen Teilstück und stelle fest, dass es dort trotz mehr Wellengang etwas wärmer zu sein scheint. Jetzt gibt es kein Halten mehr – das Teilzeitkind und ich sind als erstes dran, schaffen es jeweils bis zum Hals hinein und machen ein paar Schwimmzüge. Das provoziert dann auch den Liebsten und er geht hinein und taucht unter lautem Kreischen einmal kurz bis zum Hals unter, bevor er schnell wieder rauskommt.

Danach liege ich im warmen Sand und lasse mich trocknen während die anderen beiden eine Sandburg bauen.

Irgendwann wird es Zeit, wieder aufzubrechen. Kurz nach der zweiten Baustelle liegt unsere Location für das Abendbrot – ein Seafood-Imbiss, wo bereits viele Leute anstehen. Eine bunte Mischung aus offenkundigen Locals, die ihr Essen zum Mitnehmen bestellen und mit Namen aufgerufen werden, und Tourist*innen, die vor Ort essen und deren Bestellungen Nummern bekommen. Zu letzteren gehören wir. Es gibt Fish & Chips für den Liebsten und das Teilzeitkind und Clams & Chips für mich. Dazu hausgemachtes Relish, „Tartar Sauce“ (Remoulade), Coleslaw und einen Alibi-Salat mit Ranch Dressing.

Nach all den Jahren sind es meine ersten Fried Clams – musste mich erst über diverse italienische frittiere Meeresfrüchte ranarbeiten. Sie sind sehr lecker, aber leider sind einige bittere dabei, die das Vergnügen dann deutlich einschränken. Und insgesamt ist natürlich alles nordamerikanisch viel zu viel. Trotzdem will das Teilzeitkind hinterher noch ein Eis und bekommt aus Versehen zwei, die wir dann zu dritt teilen.

Dann fahren wir nach Hause und ruhen uns erstmal kurz aus.

Später spielen wir noch zwei schnelle Partien „Halt mal kurz“. Heute bin ich nicht so gut darin, müde vom vielen Histamin in den Clams, von der Seeluft und von der Holzarbeit. Witzig ist aber, wie der Liebste und ich wirklich zeitgleich auf den Nazi draufhauen und dann beide eine Karte ziehen müssen. Nach der zweiten Runde gehe ich kurz nach 22 Uhr direkt ins Bett und schlafe ein.

09.08.2023 – Kitze, Caches und Kuchen

Das Aufwachen war heute erst deutlich nach 7, nachdem wir nachts mehrfach wegen Gewitter wachgelegen hatten, deren Donner gemacht hatten, dass das Haus wackelte. Ist aber alles heil geblieben und wir haben weiterhin Strom und Internet. Gut so, niemand will, dass hier die Stimmung wegen Unterversorgung kippt. Es ist heute nicht wirklich kalt, aber trübe und teilweise regnerisch. Wir lassen uns also nach dem Frühstück noch viel Zeit, lesen und chillen, bis wir uns irgendwann auf den Weg machen, touristische Dinge zu tun. Der grobe Plan ist, bei unserem Lieblingscafé hier einzukehren, dafür die idyllische Küstenstraße entlang zu fahren und auf dem Hin- und Rückweg Geocaches einzusammeln.

Am Ende des Tages werden wir uns an insgesamt neun Caches versucht und davon acht gefunden haben – ein sehr guter Schnitt! Außerdem gesehen: Ein über die Straße wetzendes Eichhörnchen, zweimal über Wege springende Rehe und einen Nerz, der über das Deck des Cafés wieselte (pun intended).

Lemon Squares (Triangles), Butter Tart, Chocolate Fudge Brownie, Caramel Square (Triangle)
Aussicht beim Kuchenessen

Als wir genug haben und es schon ordentlich spät ist, fahren wir nochmal in das andere Städtchen in der Nähe und kaufen ein paar Dinge ein, die wir gestern nicht bekommen hatten (u. a. Gummibärchen und Bier in Flaschen). Zuhause wird dann ein echtes deutsches Abendessen gekocht – Mini-Buletten, Salzkartoffeln und Mischgemüse. Sämtliche Buletten vom Teilzeitkind selbst geformt.

Nach dem Essen gibt es lokales Bier bzw. lokalen Cider bzw. Wasser fürs Kind und jede Menge Chips und Brezeln bei zwei Partien Sagaland, die das Teilzeitkind wieder haushoch gewinnt. Gegen halb 11 haben alle die nötige Bettschwere und gehen schlafen.

08.08.2023 – Morgenstrand, Mall Life, Mehr Caches

Ich erwache gut ausgeruht aber schon wieder um 6. Relativ kurz danach sind auch das Teilzeitkind und der Liebste wach und so beschließen wir gegen halb 8, wieder eine Vorfrühstücksrunde an einem Strand zu drehen. Meine Mama bäckt indes Brötchen fürs Frühstück. Wir fahren zu einem dritten schönen Strand in der Nähe. Der Himmel ist bedeckt, die anderen beiden ziehen sich nicht einmal die Schuhe aus, sondern klettern lieber über Felsen, während ich gemütlich durch die Brandung spaziere. Learning trotzdem: Für Strandausflüge festes Schuhwerk anziehen. Am Anfang musste man über rundliches Geröll steigen, was in Flipflops erstaunlich schlecht geht. Und Mückenspray brauchten wir hier auch, aber darauf waren wir vorbereitet.

Auf dem Heimweg versuchen wir uns an zwei Caches und finden einen davon. An der Rückseite eines Straßenschilds, an dem wir letztes Jahr schon ein Foto gemacht haben. Ähnlich wie der an der Brücke gestern, auf der waren wir letztes Jahr auch ausgiebig. Der Liebste erklärt dem Teilzeitkind den Unterschied zwischen „Sehen“ und „Wahrnehmen“.

Das Foto von letztem Jahr

Wieder zuhause gibt es Frühstück mit leckeren Brötchen und ich werfe mich weiter hinein ins Histaminthema – Heringshappen, Salami, reifer Käse… Jep, da tut sich was im Körper. Wahrscheinlich muss ich einfach insgesamt meinen Intake moderieren und ggf. ab und an eine Tablette (entweder mit dem Enzym oder ein Antiallergikum) einschmeißen, wenn ich zu viel davon esse. Ich experimentiere weiter. Nach dem Essen wird faul herumgelegen und gelesen, gebloggt, Sprachen geübt, „Halt mal kurz“ gespielt, usw. Dann beschäftigen wir uns mit der Planung unseres anstehenden Roadtrips, buchen Unterkünfte und eine Whale Watching Tour für den Liebsten. Nach Seegang und Seekrankheit letztes Jahr möchte das Teilzeitkind nicht mehr auf Boote, also werden wir zwei in der Zeit etwas anderes machen. Nach Kuchen, Eis und Keksen (und dem Kurzbesuch einer Nachbarin – zwei Häuser weiter, etwa 5 Minuten Fußweg durch den Wald), die meinen Eltern einen Hummingbird Feeder mitgebracht hat), fahren wir dann zu dritt in eine größere Stadt in der Nähe. Groß heißt knapp 9.000 Einwohner und Nähe heißt knapp 30 Minuten im Auto. Hier gehen wir zuerst in die Mall.

Im Dollarama kaufen wir Fliesenhaken und kleine Angelköder, die das Teilzeitkind als Tauschgut für Caches braucht (später kommen noch nach Vanille duftende Radiergummis in Cupcake-Form dazu). Ich bringe meine Hose zu einem Schneider, betrieben von syrischen Refugees, in zwei Tagen kann ich sie wieder abholen.

Dann nutze ich die Gelegenheit, nordamerikanisch günstig Klamotten zu shoppen und hole mir eine weitere Hose, eine Sweatjacke und ein Basecap für umgerechnet knapp 60 €. Besonders schön ist, dass die Jacke, die gemütlich weit ist, hier eine XS ist. Fühle mich rank und schlank. (In Italien wäre das mindestens eine L) In der Zwischenzeit erkunden der Liebste und das Teilzeitkind die Mall, kaufen die Radiergummis und entdecken witziges im Buchladen und einem anderen Klamottenladen.

Das Shirt haben wir dann nicht gebraucht – wer weiß, ob und wann die Ampel das hinbekommt – und das Buch haben wir natürlich beide schon (des Teilzeitkinds Englisch reicht noch nicht für politische Manifeste, auch wenn es das Känguru-Manifest demnächst auswendig kann). Als nächstes geht es in den Supermarkt – die Einkaufsliste meiner Eltern abarbeiten und für uns Espresso, Snacks und Ginger Ale besorgen. Im Liquor Store fülle ich dann noch die Weinvorräte auf und hole mir ein paar Flaschen Cider. Das lokale IPA für Papa und den Liebsten gibt es hier nur in Dosen, da fahren wir morgen lieber nochmal in die Stadt in der anderen Richtung, der Liquor Store ist besser ausgestattet, nicht nur was Alkohol angeht.

Dann ist es nochmal Zeit für Geocaches. Einen ersten an einem idyllischen Picknickplatz am Fluss finden wir nicht. Beim nächsten haben wir aber dann Glück.

Auf dem Heimweg halten wir noch am Farm Market. Ich kaufe wilde Blaubeeren, lokale Himbeeren und Pfirsiche aus Ontario und dann bekommen alle noch ein Eis – meins ist mit Peanut Butter Cups und Brownie.

Zuhause gibt es dann die Reste der letzten beiden Abendessen zum Abendbrot, dazu noch frisch gekauftes Knoblauchbrot, Naan und Tsatsiki.

Nach dem Essen spielen wir „Sagaland“ in der Harry-Potter-Edition und obwohl der Liebste mit Strategie und fiesen Tricks spielen, zieht uns das Teilzeitkind mit seinem überlegenen Kindergedächtnis gnadenlos ab. Gegen 10 geht es dafür schon ins Bett. Der Liebste und ich gönnen uns noch die letzten Gummibärchen aus dem Vorrat vom letzten Jahr und liegen dann auch kurz nach 11 in der Falle.

07.08.2023 – Morgenspaziergang, Robbenwache, Extrem-Caching

Ich wache gegen 6 auf, das ist angesichts der Bettgehzeit schon ziemlich OK, auch wenn im Urlaub länger schlafen natürlich auch schön wäre. Andererseits will man ja auch möglichst viel erleben und genießen, von daher alles OK. Ich lese das Internet leer und beginne zu bloggen. Der Liebste erwacht gegen 7, ich mache uns Kaffee und dann steht auch bald das Teilzeitkind in der Tür und verlangt nach meinem Handy. Ich lese ein bisschen in „Catch-22“ weiter und bespreche den Wetterbericht mit dem Liebsten. Der zeigt plötzlich ungewohnte morgendliche Aktivität, was dazu führt, dass wir gegen 8 und noch vor dem Frühstück zu dritt an den Strand fahren. Es ist der nächstgelegene, in einer anderen Richtung als gestern, und noch davor gibt es einen einfach zu findenden Geocache, den wir auch noch mitnehmen.

Der Strand ist so gut wie leer – eine Gruppe mit Hunden macht ganz am Anfang ein professionelles Fotoshooting, weiter hinten gibt es ein paar Surfer, davon abgesehen laufen außer uns nur noch drei, vier andere Menschen vereinzelt rum. Das Wasser ist noch eisig kalt, aber wir wollen jetzt ja sowieso nur mit den Füßen rein und ansonsten spazieren.

Hier am Strand wäre es nichts ungewöhnliches, wenn wir beim Spazieren auf bekannte Gesichter träfen – meinen Eltern passiert das regelmäßig und ich hatte auch schon mehrmals das Vergnügen. Scheint aber eher ein Nachmittagsding zu sein, heute kenne ich niemanden. Als wir genug haben, fahren wir wieder zurück und sind kurz vor 10 wieder zuhause, perfekte Zeit zum Frühstück! Danach sitze ich erstmal auf der Terrasse und blogge zu Ende. Als ich gerade anfangen will, mich um die Sprach-Apps zu kümmern, brauchen der Liebste und das Teilzeitkind Hilfe, um das Kanu zu Wasser zu lassen (man muss es immer erst über die Steine am Ufer tragen, dafür braucht es zwei Menschen, die größer als das Teilzeitkind sind. Danach hänge ich mit meiner Mama die Wäsche auf. Ein Pfeiler der Wäscheleine wurde seit dem letzten Herbst von Bibern zerlegt, wir können also nur den Teil der Wäscheleine nutzen, unter dem Poison Ivy wächst und müssen dabei Gummistiefel tragen. Nach getaner Arbeit sitzen wir zu zweit gemütlich auf dem Deck und erzählen, bis die Kanuten zurückkehren. Dann gibt es einen fliegenden Wechsel und der Liebste und ich paddeln raus zu den Robbenfelsen.

Wenn man zwischendurch aufhört zu paddeln, trauen sich die Robben recht nah heran, beobachten uns und tauchen dann gerne in dem Moment ab, in dem man sie fotografieren will. Dann paddelt man weiter und plötzlich hört man sie direkt hinter sich planschen, dreht sich schnell um und sie sind schon wieder weg und lachen sich ins Fäustchen. Niedliche, freche, unkooperative Biester, die! Fast wie Katzen eigentlich, nur größer. Als wir zurück sind, ist es Zeit für zwei Runden „Halt mal kurz“, von denen ich wieder eine gewinne. Dann gibt es wieder Kuchen und Eis draußen auf dem Deck, wo der inzwischen aufgekommene Wind angenehm die Mücken vertreibt. Danach wollen wir noch ein wenig Action und Bewegung und einigen uns darauf, in der näheren Umgebung noch ein paar Geocaches zu jagen. Wir fahren also mit dem Auto von Cache zu Cache (die Distanzen sind zu weit und die Straßen nicht fußgängerfreundlich) und suchen dann jeweils herum.

Zweimal sind wir nicht erfolgreich – Sturm und Überflutung haben die Caches wahrscheinlich davongetragen oder zumindest unerreichbar gemacht. Dann gibt es zwei recht leichte und gut erreichbare Funde mitten im Dorf – wenn man ein Teilzeitkind dabei hat, das bereitwillig durchs Nadelgehölz krabbelt, dann wieder zwei nicht Auffindbare und dann nochmal einen leichten, der aber aufgrund seiner Lage direkt am Highway mit Adrenalin verbunden ist. Dann hat das Teilzeitkind genug (bei mir war das schon deutlich früher der Fall, auch weil ich mir beim durchs Unterholz Kriechen meine neue Hose zerrissen habe) und wir fahren zurück nach Hause. Auf dem Rückweg lasse ich mich am Abzweig zu unserer Straße absetzen und laufe das letzte Stück, um meinem Schrittziel näher zu kommen.

Ganz reicht es nicht, ich muss also dann noch eine Runde ums Haus drehen und drinnen zweimal die Treppe rauf und runter und ein paar Mal vom einen Ende des Hauses zum anderen laufen, dann kommt endlich das erlösende Vibrieren am Handgelenk. Dann wird kurz ein wenig geruht, bevor Mama und ich das Abendbrot kochen. Es gibt Linguine mit einer Sauce als Auberginen, Zucchini und Tomaten, dazu Parmesan. Die App dreht durch wegen des vielen Histamins in den Auberginen, den Tomaten und dem Parmesan. Und dann auch noch Rotwein dazu! Ich merke dann später auch Symptome – ob die nun damit zusammenhängen, oder nicht. Kribbelnde Zunge/Gaumen, Brennen im Rachen, Hitze im Gesicht, Bauchschmerzen, Völlegefühl, Müdigkeit… Es ist eigentlich relativ offensichtlich, dass ich reagiere, die Frage ist, wie schwer ich das nehmen muss/sollte.

Nach dem Essen recherchieren der Liebste und ich wieder für die nächsten Tage, dann gibt es zwei Partien „Halt mal kurz“ und dann wird noch ein wenig still gelesen. Mein Papa geht als erstes ins Bett, dann der Liebste, dann meine Mama. Gegen 11 überrede ich das einnickende Teilzeitkind, gemeinsam mit mir Zähne putzen zu gehen und dann ist auch für mich Schlafenszeit.