Kurz vor 7 ist der Liebste schon so wach, dass er aufsteht und Kaffee kocht. Ich drehe mich um und schlafe weiter, mit lebhaften Träumen, in denen es irgendwann schon 11 Uhr ist, und erwache dann real kurz nach halb 10 endgültig. Gemütliches Herumtrödeln im Bett bis kurz vor 11 (das Teilzeitkind kommt auch dazu und spielt auf meinem Handy, gibt es aber eigenständig nach etwa 20 Minuten zurück) und dann Frühstück mit Rührei, Brombeeren und Pflaumen.
Hinterher herrscht Betriebsamkeit zwischen Haushaltsdingen, Zimmer aufräumen und Schuldinge üben. Zwischendurch müssen wir uns zwei Diktate für das ehrgeizige Teilzeitkind ausdenken, dabei wollen wir doch eigentlich endlich gemeinsam einen Sonntagsfilm schauen. Irgendwann ist das Kind es zufrieden und dann sammeln wir uns auf der Couch und schauen den zweiten Känguru-Film. Hinterher geht das Teilzeitkind draußen spielen, der Liebste geht drinnen spielen und ich fahre nach Hause.
Dort ist der Mitbewohner gerade dabei, einen ersten Schwung Kisten zu packen und in seine neue Stadt zu transportieren. Wir treffen uns kurz in der Küche und sortieren Gewürze auseinander. Ich rette meine Nelken, überlasse ihm aber den schwarzen Senf und aus den gemeinsamen Vorräten an Thymian, Muskat, Cumin und Koriander fülle ich mir jeweils etwas ab und er packt den Rest ein. Dann fährt er los und ich lege mich auf die Couch, belagert von zwei aufgeregten Katzen, die sich auf mich drauflegen, um sicher zu stellen, dass ich keinen Unfug mache. Das tue ich auch nicht, sondern ich bestelle mir chinesisches Essen.
Frittierte Auberginen mit Koriander und Chiliöl, Tofu mit Gemüse und Morcheln, Reis, Maracujalimo
Nach dem Essen (ein Rest bleibt für morgen) döse ich ein und schlafe ein halbes Stündchen. Der Rest des Abends vergeht mit Lesen, Podcast hören und TikTok, bevor ich mich in die Badewanne und dann ins Bett lege. Dort schlafe ich gegen halb 11 zu Hörbuch und Katzenkuscheln ein.
Heute ist dann also ganz offiziell Herbstanfang, Mist. Aber sonnig ist es trotzdem. Ich habe nicht so richtig lange geschlafen (bis kurz vor 7) und mein Bauch schmerzt weiter ordentlich, also darf ich erstmal liegen bleiben, während der Liebste, seine Mama und das Teilzeitkind auf den Markt gehen. Ich döse sogar noch einmal weg. Zum Frühstück stehe ich dann aber auf und wir sind mit der neuen Mitbewohnerin heute sogar zu fünft, mit Tischgespräch auf Deutsch, Spanisch und Englisch. Die Liebstenmama spricht nicht nur sehr gutes Englisch (sie verbrachte in den 50er ein High School Jahr in den USA), sondern auch erstaunlich gutes Spanisch (das Ergebnis von Studien- und Foschungsaufenthalten in Lateinamerika in den 60ern). Wonder Woman ist nichts gegen diese Frau.
Nach dem Frühstück schafft der Liebste dann Platz im Keller für die Mitbewohnerin, während wir drei anderen uns auf einen Shoppingtrip in die nahegelegenen Einkaufsstraße begeben. Die Liebstenmama hat beim Wandern im Weinberg eine Weste verloren und braucht Ersatz, das Teilzeitkind bekommt bei der Gelegenheit eine eigene Weste und ich assistiere beiden beim Aussuchen, nachdem ich nach ausführlichem Gucken beschlossen habe, nichts zu brauchen. Hinterher sind wir zufrieden und genehmigen uns in der Cremeria jeweils ein Softeis.
Mango- und Himbeer-Softeis mit Oreo-Crunch und Mini-Marshmallows
Dann geht es zurück nach Hause und es gibt Quarkbällchen vom Markt zum Kaffee. Hinterher lege ich mich wieder auf die Couch – mit frischer Wärmflasche – und döse wieder weg, bis die Liebstenmama aufbrechen muss. Sie wird von ihrer Nachkommenschaft zum Bahnhof gebracht, während ich mich um Duolingo und Babbel kümmere. Dann ruhen wir alle noch einen Moment, bis des Liebsten beste Freundin klingelt, die heute zum Essen eingeladen ist. Der Liebste hatte schon seit gestern Abend dafür in der Küche gestanden und Gemüsebrühe simmern lassen, aus der heute im Laufe des Tages vegane Bolognese wurde.
Wir öffnen eine Flasche Prosecco und erzählen uns die Neuigkeiten der letzten Wochen. Gegen 19 Uhr kommt die Mitbewohnerin nach Hause und dann gibt es Essen, Wein und gute Gespräche über Deutschland, Kolumbien, Familien, Geschichte, Berlin… Dabei liege ich die meiste Zeit wieder auf der Couch. Das Teilzeitkind schläft gegen 22 Uhr in meinen Armen ein, die beste Freundin fährt nach Hause. Gegen 23 Uhr bricht die Mitbewohnerin zu einem Sleepover bei einer Freundin auf, der Liebste trägt das Teilzeitkind ins Bett und dann gehen auch wir schlafen.
Gestern war noch richtig Sommer, heute ist es plötzlich Herbst. Temperaturabfall, Regen und ich sitze mit Kuscheldecke am Schreibtisch, um die Katzen zu motivieren, auf meinem schmerzenden Bauch Platz zu nehmen und ihren Job als Wärmekatzen zu machen. Abgesehen davon ist es ein geschäftiger Freitag im Homeoffice, mit drei Meetings (einmal zwei Stunden, zweimal eine halbe Stunde), einer Übersetzungskorrektur und viel Fließbandarbeit im Backend.
Eigentlich wollte ich in der Mittagspause mein Leasing-Fahrrad zurückgeben – im Herbst und Winter fahre ich noch unwahrscheinlicher als im Frühling und Sommer – aber wegen Schmerzen und Regen verschiebe ich den Termin auf Montag. Stattdessen mache ich mir die Linguine von gestern warm und lege mich zum Essen auf die Couch – da liegen sofort beide Katzen bereitwillig auf mir.
Nach Feierabend packe ich meinen Rucksack fürs Wochenende (heute mit Wärmflasche), versorge die Katzen und fahre dann mit S- und U-Bahn nach Südberlin, wo außer dem Liebsten und dem Teilzeitkind auch die Liebstenmama auf mich wartet, die zwischen Wanderurlaub in Franken und Chorauftritt tief im Westen schnell für eine Nacht nach Berlin gekommen ist, um das Teilzeitkind zu besuchen und den Erstbesuch beim Neugeborenen ihrer Nichte zu machen. Mit über 80 hat man schließlich immer viel zu tun!
Gemeinsam haben wir einen schönen Abend beim Stammitaliener:
Zweierlei Bruschetta, Focaccia, Rindercarpaccio, LachscarpaccioHauspizza, Schweinemedaillons mit Pilzen, Tagliatelle mit Lachs in Hummersauce, Gnocchetti sardi mit Salsiccia und RagùNachtischvariation mit Panna cotta, Tiramisù, Mousse au chocolat und Vanilleeis
Vor dem Essen gibt es für mich wieder einen Sarti Spritz und zum Essen einen Montepulciano d‘Abbruzzo – passt von den offenen Rotweinen am besten zur Salsiccia und ich bereite mich gedanklich weiter auf den neuen Mitbewohner vor. Damals mit Il Professore gab es dann ja irgendwie auch nur noch Fiano und Aglianico, die beiden Hauptreben aus seiner Region.
Zum Abend hin werden die Schmerzen schlimmer – Endometriose suckt ganz ungemein – und ich liege während des Erzählens mit dem Liebsten und seiner Mama (das Teilzeitkind ist schon im Bett, die Mitbewohnerin in ihrem Zimmer) mit Wärmflasche auf der Couch. Als ich lese, dass Giorgio Napolitano gestorben ist, hören wir erstmal „Bandiera Rossa“.
Später erzählt die Mama von ihrer ersten Verabredung mit dem Liebstenpapa und wieviel Spaß sie am ironisierten Parlieren über die Tagebücher von Ernst Jünger (Ernst Bloch? kann auch ein anderer deutscher Schriftsteller dieser Zeit gewesen sein, der jedenfalls ähnlich wie Thomas Mann sehr ausführlich über seine Körperfunktionen schrieb) hatten und wie sehr der gemeinsame Humor sie jetzt schon seit über 50 Jahren zusammenhält (bald ist Goldene Hochzeit).
Der Liebste und ich blicken uns vielsagend an und denken an unser eigenes erstes Date vor vier Jahren (auf den Tag genau, fällt mir beim Aufschreiben ein) und dass einer der Schlüsselmomente ein ironisiertes Gespräch über ein popkulturelles Phänomen der 90er Jahre gewesen ist. Well, well, well…
Heute wird es warm, 28 Grad Höchsttemperatur sind angesagt. Ich nutze die Gelegenheit, das „angefangene“ Sommerkleid, das noch auf dem Garderobenständer hängt, schmutzig zu tragen (also waschmaschinenreif) und bleibe den ganzen Tag barfuß oder in Flipflops. Außerdem ist heute wieder Homeoffice, was mir sehr zupass kommt. Erstens habe ich tatsächlich ordentlich Muskelkater von gestern und bin froh, dass ich es morgens erstmal nur an den Schreibtisch schaffen muss, zweitens schaffen zwei Außer-Haus-Tage auch einen beträchtlichen Berg an aufzuholendem Haushalt. Wie haben wir das nur früher gemacht?
Am Vormittag habe ich zwei Meetings, eines mit Amsterdam, Dublin, Salerno, Valencia und Brüssel, eins nur mit Dublin. Man könnte Reiselust kriegen! Vor allem, weil mein Bruder und seine Freundin dann noch ein Foto aus dem Flugzeug schicken, bevor sie nach Kanada losfahren und meine Eltern später am Tag eines vom Deck und der Bucht, wo sie dann alle die nächsten Tage sitzen werden, während ich hier in Berlin arbeite und in zwei Wohnungen nach Blumen und Post schaue.
In der Mittagspause widme ich mich den beiden Katzenklos, lege Wäsche zusammen, stelle eine neue Waschmaschine an und mache mir dann einen Salat mit Apfel und eine Stulle mit dem letzten Schinken. Gegessen wird auf dem Balkon und der Soundtrack der gesamten Pause ist die „Alles gesagt“-Folge mit Ferdinand von Schirach.
Den Rest des Arbeitstages verbringe ich fast vollständig im Backend und mit dem neuen Projekt und schaffe dabei so viel wie an den letzten beiden Tagen zusammen, was auch nötig ist, denn die Deadline drängt und andere Aufgaben dräuen schon im Hintergrund. Um 18 Uhr mache ich dann aber Feierabend, hänge noch schnell die Wäsche auf und dann geht es endlich nach Draußen in den vielleicht letzten Sommertag. Ich drehe eine größere Runde mit Schrittzielhintergrund und telefoniere dabei mit einer Freundin. Auf dem Heimweg schaue ich noch schnell im Supermarkt vorbei und kaufe ein paar Dinge ein, die auf dem Einkaufszettel stehen (und eine Flasche Federweißer, weil es den gerade gibt und ich ja bisher nur Roten hatte).
Wieder zuhause hole ich ein Päckchen beim Nachbarn ab, das gestern ankam, während ich im Büro war. Dann schnell Einkäufe verräumen und kochen. Die Datterini-Tomaten aus dem italienischen Supermarkt sind heute dran und werden mit Knoblauch, Olivenöl, Salz, Pfeffer, frischem Basilikum und einem Rest Passata zur Sauce für den Rest Linguine, dazu Pecorino romano und Blutorangenlimo. Und halt weiter den Podcast, das auch noch nach dem Essen, beim Müll herunterbringen und Limo austrinken/Handy spielen.
Eigentlich hätte ich noch lesen oder fernsehen wollen, aber ich werde schon so müde, dass ich mich einfach um 10 ins Bett lege, mein Hörbuch anmache und innerhalb weniger Minuten einschlafe.
Heute steht der Wecker wieder normal auf halb 8, da ich zwar ins Büro muss, der Tag aber ja meetingfrei ist und deshalb kein zwingender Zeitdruck da ist. Ich wache schon ein paar Minuten vorher von alleine auf, trotz des langen Wachliegens am Vorabend und der einen oder anderen kätzischen Unterbrechung des Nächtens. Plan ist, um 10 im Büro zu sein und so stehe ich um 9 nach gemütlicher Morgenroutine auf und verlasse kurz vor halb 10 das Haus. Läuft. Ins Schwitzen komme ich dann wegen der BVG. Die Tram kommt erst verspätet und biegt dann unverhofft und zum Unmut sämtlicher Fahrgäst*innen von der Stammstrecke ab. Laut berlinerisch schimpfend stapfen wir zurück zur Stammstrecke und erkundigen uns bei der nächsten dort stehenden Tram, ob die etwa auch abbiegt. Tut sie. Die nächste dann aber nicht, in die quetschen wir uns dann rein. Hat ja auch was Erfrischendes, dass da neben den vielen Zugezogenen und vielen fremdsprachigen Menschen gefühlt die halbe Bahn voller echter, etwas älterer, Berliner*innen ist – die jibtet ooch noch!
Natürlich bin ich in dem Moment vor allem gestresst von der Situation, schwitze unter der Jacke, die ich aus Vorsicht mitgenommen habe und muss nebenbei meinen Rucksack, meine Sporttasche, meine Mate-Flasche, meine Kopfhörer und mein Handy jonglieren. Aber in der Nachschau überwiegen dann doch die positiven Erinnerungen. Und: Ich komme trotzdem fast pünktlich im Büro an. Dort dann erstmal Kaffee ziehen und Milch ins Müsli schütten. Das gibt es heute mit Apfel und Pflaumen und es ist eine riesige Portion, die mich nachhaltig satt macht.
Bis auf ein paar Gespräche mit vorbeigehenden Kolleg*innen bleibt der Tag diesmal wirklich meetingfrei. Ich schaffe ein paar Aufgaben, die schon etwas länger lagen, weg oder zumindest bis auf die nächste Stufe, ich komme im gestern angefangenen Projekt weiter und ich werde nur einmal kurz gestresst, als meine Chefin mir noch eine weitere Aufgabe zuschiebt, zu den vielen anderen, die ich schon in die nächste Woche gelegt habe, weil vorher noch so viel Dringendes ist.
Zwischendurch aber auch ein paar private Erfolgserlebnisse – nach mehreren Telefonaten mit dem Liebsten meinen teuren Fitnessvertrag gekündigt und in seinen günstigeren mit eingestiegen, mit dem neuen Mitbewohner sehr angenehm geschrieben und Dinge organisiert, mich von meinem Bruder beraten lassen und dann für die Hälfte meines Herbsturlaubs einen Trip auf die kleine Insel gebucht, nach der meine halbe Familie verrückt ist und auf der ich seit 33 Jahren nicht mehr war.
Die Mittagspause schiebe ich weit nach hinten, weil ich noch so satt bin. Um 14:30 gehe ich dann doch raus, aber erstmal eine lange Runde spazieren durch Hinterhöfe und Grünanlagen von Berlin-Mitte, fast bis in meinen alten Kiez, und dabei zwei Geocaches heben. Auf dem Rückweg ins Büro kehre ich noch schnell im Supermarkt ein und hole mir eine Zimtschnecke und ein Mangolassi für den Nachmittagsjieper. Dann weitere Arbeit und nebenbei Bewunderung des Himmels.
18:30 Uhr mache ich Feierabend und fahre mit der S-Bahn rüber ins Fitnessstudio. Endlich wieder AquaFitness und Sauna, heute in Begleitung der Überraschungsfreundin. Wir sind etwas früher da und schwimmen noch ein paar Bahnen im sich immer mehr füllenden Becken. Dann ein sehr intensiver, Muskelkater versprechender Kurs und dann Sauna. Schon beim Sport bekomme ich so richtig Hunger, daher streiche ich schon nach einem Saunagang die Segel und mache mich auf den Heimweg. Unterwegs hole ich mir eine Schawarma-Halloumi-Box, die es dann zum späten Abendbrot mit einem alkoholfreien Radler auf der Couch gibt.
Nach einem letzten Telefonat mit dem Liebsten schaue ich ein wenig TikTok, dann kommt der Mitbewohner dazu und es entspannt sich noch ein etwa zweistündiges Gespräch (teilweise Diskussion, teilweise Monolog seinerseits), wie wir es früher öfter aber in letzter Zeit lange nicht mehr hatten. Angefangen bei seinen aktuellen medizinischen Beschwerden über die Um- und Auszugslogistik, dann weiter zur Situation in Berg-Karabach, Armenien, Aserbaidschan, Türkei, Russland, Pakistan, Indien, China, USA, fossile Brennstoffe, seltene Erden, afrikanische instabile politische Situationen, die Psyche von Kriegen traumatisierter Menschen, Kolonialismus damals und heute, Drogendealer im Görlitzer Park, Elon Musk, Twitter, Starlink und dann immer im Kreis.
Als der Blick auf die Uhr schon fast halb 1 zeigt, fange ich nebenbei an, den Tisch abzuräumen, Rucksack und Sporttasche auszuräumen, nasse Sachen aufzuhängen und mich soweit wie möglich auf die Nacht vorzubereiten, bis ich in einer kurzen Pause im Redefluss die Badtür hinter mir schließen und mich bettfertig machen kann. Dort suche ich noch einen Moment lang mein nächstes Hörbuch zum Einschlafen aus und dann sind gegen 1 meine Augen endlich zu.
Nachts wieder eine ganze Weile wach gelegen und deshalb vom frühen Wecker ein wenig aus dem Schlaf gerissen worden. Bin aber trotzdem einigermaßen ausgeschlafen und komme mit allem Drum und Dran und Weg-Mate so pünktlich aus dem Haus, dass ich via Tram (ich nutze die Zeit für Duolingo) und Müsli-Buffet im Gemeinschaftsbereich um Punkt 9 Uhr im Büro ankomme und dem schon anwesenden Kollegen zum Geburtstag gratulieren kann. Bewaffnet mit einem Caffè latte widme ich mich den E-Mails, die über Nacht eingetrudelt sind, kläre kurz etwas mit einer Kollegin in Madrid und kümmere mich dann um den eigentlich Grund für meine heutige Büropräsenz.
Ich muss zwei Dokumente im Seriendruck drucken – eins mit 150 und eins mit 90 Exemplaren. Letzte Woche hatte ich herausgefunden, dass die GSuite das nicht ohne Weiteres kann, also war ich als eine der wenigen mit „echtem“ Office auf dem Rechner zuständig. Und so saß ich dann also zum ersten Mal seit wirklich langer Zeit wieder über Word, kämpfte mich durch die Anleitungen und Hilfefunktionen und erstellte die beiden Dokumente. Und heute sitze ich nun wieder davor und kämpfe mit Teil 2 – dem eigentlichen Drucken. Dafür muss ich auch noch den Drucker richtig einrichten, damit ich direkt aus Word drucken kann. Es ist ein Akt. Wenigstens kann ich dann während die Dokumente tatsächlich und richtig ausgedruckt werden meine heutige Portion Babbel erledigen. Hinterher noch die beiden Dokumentenstapel auf je drei Stapel aufteilen, separiert verpacken und beschriften und dann bin ich mit zwei Papierschnitten zurück am Laptop und fühle mich einerseits um zehn Jahre gealtert und andererseits etwa 20 Jahre in der Zeit zurückversetzt.
Danach dann ein anderthalbstündiges Meeting – zwei im Büro, drei zugeschaltet mit hinterher nochmal knapp einer Stunde Nachmbereitung (Protokoll schreiben und Action Items abarbeiten) und dann mache ich verspätet und daher verkürzt Mittagspause, denn um 14 Uhr steht schon der nächste Call an. Ich nehme mir meine Stullenbüchse und setze mich wieder raus an die Spree. Beim Essen fällt mir ein, dass hier ganz in der Nähe ein Geocache ist, den arbeite ich dann auf dem Rückweg ins Büro auch noch schnell ab.
Wieder drinnen hole ich mir einen Earl Grey gegen das Nachmittagstief und dann erklärt mir ein Kollege in Dublin, wie ich mich im Backend eines neuen Projekts bewege. Darin verbringe ich den Nachmittag – inkl. noch mehrerer Nachfragen und Abklärungen mit dem Kollegen. Kurz nach 18 Uhr reiße ich mich los und mache Feierabend – das Projekt wird mich noch einige Tage beschäftigen. Mit der U-Bahn, die ja endlich wieder durchfährt, fahre ich zum Yoga. Ich bin zu früh da und hocke mich einfach auf meine Matte, aber anstatt zu meditieren hänge ich am Handy und schaue, was ich den Nachmittag über auf Mastodon verpasst habe.
Die Yoga-Stunde selbst ist dann total toll. Wir sind zu dritt, diesmal in neuer Konstellation, und machen irgendwie die genau richtigen Sachen. Ich komme sehr gut mit, bin zwischendrin auch mal völlig im Moment und merke, wie die Anspannung abfällt. Beim Shavasana halte ich aber nicht bis zum Ende durch und fange mittendrin schon wieder mit Planungen an. Aber immerhin! Auf dem Heimweg telefoniere ich zum dritten Mal heute mit dem Liebsten und höre dann Tanya Stephens, von der er mir ein Video geschickt hat. Das trägt mich bis nach Hause und aufs Sofa, inkl. des Abendessens aus aufgewärmtem Blumenkohl von gestern, einer Feige zum Nachtisch und einen alkoholfreien Radler als Feierabendgetränk.
Nach dem Essen noch ein bisschen TikTok auf dem Sofa. Kurz nach 22 Uhr gehe ich ins Bett, spreche nebenbei noch meinen Kollegen in Chicago Mut zu, der gerade noch über Robert Aufgabe verzweifelt, während der Rest des Teams schon lange Feierabend hat, lese dann in meinem Buch, bis mir die Augen zu fallen (also etwa 10 Minuten) und liege dann bis nach Mitternacht hellwach im Dunkeln, bis ich wirklich einschlafe.
Der geruhsame Sonntag hat tatsächlich gemacht, dass auch der Montag ziemlich entspannt ablief. Ich sitze zu einer angemessenen Zeit mit Müsli, Apfel und Tee am Schreibtisch und lese mich durch die Mails vom Wochenende. Zwischendurch einmal Katzenkotze aufgewischt, weil Nimbin wieder übereifrig gefrühstückt hat, dann eifriges Katzenstreicheln, weil der kleine Racker heute extrem liebesbedürftig ist und mir kaum einen Schritt von der Seite weicht. Mit der anderen Hand kann ich ja aber arbeiten, also was beschwere ich mich?
Am Vormittag gibt es drei halbstündige Meetings, dann ist es Zeit für die Mittagspause. Ich gehe draußen eine größere Runde und kehre jeweils kurz im „normalen“ und im italienischen Supermarkt ein. Dann gibt es Stulle und Tomatensalat (einige der Datterini-Tomaten sind schon angedätscht) am Schreibtisch während des nächsten Meetings. Davon gibt es auch am Nachmittag wieder drei, dazwischen lese ich zwei AI-Übersetzungen Korrektur, recherchiere zu einem Thema und beginne, mich in ein weiteres einzuarbeiten. Das dritte Meeting (mit dem gesamten Team) ist kurz nach 18 Uhr vorbei. Ich rufe den Liebsten zurück, der während des Meetings angerufen hatte. Er ist allerdings gerade beim Kochen und drückt das Telefon dem Teilzeitkind in die Hand. Ich kontrolliere fernmündlich Englisch-Hausaufgaben.
Eigentlich will ich danach wieder nach Draußen, aber genau da kommt die Regenfront. Also erst in die Küche und Abendbrot kochen. Von diesem Rezept inspiriert bereite ich aus dem Biokisten Blumenkohl eine Blumenkohlpfanne mit Sardellen und Semmelbröseln zu. Insgesamt wird es ein wenig scharf, weil mir beim Würzen die Hand ausrutscht, aber mit dem grünen Salat (ebenfalls Biokiste) mit Zitronendressing dazu geht es.
Während des Essens fällt mein Blick nach draußen, wo es gerade einen schönen Regenbogen gibt, den ich mit Panoramafunktion fotografiere, weil er sonst nicht ganz ins Bild passt.
Nach dem Essen räume ich die Küche auf und bringe den Müll runter. Dann drehe ich noch eine Runde für das Schrittziel, während es draußen immer dunkler wird.
Wieder drinnen, mache ich es mir auf dem Sofa bequem und spiele ein wenig, bis mein Bruder anruft und wir noch ein längeres organisatorisches Telefonat führen. Man könnte uns fast produktiv nennen! Nach dem Auflegen spiele ich noch kurz zu Ende, dann ist es Zeit für die Badewanne und kurz nach 22 Uhr liege ich im Bett. Morgen geht es ins Büro, das heißt auch, früh aufzustehen. Schadet also nicht, die Nacht ein wenig früher einzuleiten, oder?
Hui, was war die letzte Woche – oder gar die letzten Wochen – schon wieder stressig. Und das so kurz nach dem Urlaub. Sehnsüchtig blickte ich seit Tagen auf diesen Sonntag und räumte ihn immer freier von Verpflichtungen. Schließlich wurde es ein Sonntag, wie er im Buche steht. Es beginnt mit hervorragendem Durch- und Ausschlafen, brutto fast neuneinhalb Stunden, netto nur wenig weniger. Dann ausgiebiges Herumtrödeln im Bett, bis der Hunger mich heraustreibt. Nach 11 stehe ich in der Küche und am Herd, denn die Freitag gelieferten Pflaumen sind noch ziemlich hart. Also schnipple ich ein paar davon klein, dünste sie mit Zimt in Butter und tue das Gemisch dann über mein Müsli, das ich im Nachthemd im Liegestuhl auf dem spätsommerlich heißen Balkon frühstücke.
Dabei wische ich durch die verschiedenen Erinnerungen auf dem Handy – u. a. vor vier Jahren auf Sizilien, als ich gerade anfing, den Liebsten kennenzulernen. Auch sonst viele Urlaube um diese Zeit – Irland, Wales, Sardinien… Bevor das Teilzeitkind da war, war der September mein klassischer Urlaubsmonat. Nun, die Zeiten ändern sich. September in Berlin ist jedenfalls auch ganz gut. Nach dem Frühstück ein wenig leichte Aktivität mit Hörbuch auf den Ohren – Wäsche waschen und aufhängen, bei der Gelegenheit mal wieder das Flusensieb reinigen, Müll bereit stellen, Katzenklos durchsieben und mich überhaupt auch mal anziehen. Dann gehe ich hinunter zur Nachbarin, bei der der DHL-Mensch gestern mein Katzenfutterpaket abgegeben hat, statt es wie vorher festgelegt bei mir vor die Wohnungstür zu stellen, falls ich nicht da bin. Wir schimpfen kurz gemeinsam, dann wuchte ich das riesige Paket hoch, packe es aus und verstaue 13 kg Katzenfutter in kleinen Tütchen im Vorratsschrank.
Jetzt erstmal wieder ausruhen! Ich lege mich mit dem Hörbuch aufs Sofa, spiele ein bisschen auf dem Handy und döse langsam weg. Als das Hörspiel vorbei ist, bin ich wieder munter und verspüre ein Hüngerchen. Zum Kochen bin ich aber gerade zu faul, also gibt es Stullen mit Chimichurri-Gouda und Serrano-Schinken, eine Apfel und eine Möhre. Jeht ooch. Ich esse und lese ich erstmals seit mindestens zehn Tagen in meinem Buch weiter und schaffe immerhin fünf Prozent. Irgendwann ist es dann nochmal Zeit, nach draußen zu gehen und endlich wieder aktiv das Schrittziel anzugehen. Ich bringe den Müll runter und drehe dann eine ausgiebige Runde durch den Nordwesten meines Kiezes, mit Stippvisite in Pankow und Weißensee, trinke eine Limettenlimo und sammle dabei vier Geocaches ein.
Kunst am Bau?Unbedingt hier nochmal in 2-3 Wochen lang, wenn der Wein rot ist!Die Tomaten gedeihen noch prächtig
Wieder zuhause ist es Zeit für einen Sonntagsfilm. Da ich noch ziemlich satt bin und auch immer noch keine Lust auf Kochen habe, gibt es weitere Resteverwertung – eine Handvoll Salzstangen, eine Dritteltüte Chips und für den gesunden Ausgleich drei weitere Möhren. Dazu schaue ich „A man called Otto“ mit Tom Hanks, der sehr OK ist – das Original mit Ove hatte ich damals zwar wahrgenommen, aber nicht angesehen, so dass ich keine Vergleiche ziehen kann. IMDB bewertet das Original besser, was ich für sehr plausibel halte. Trotzdem immer schön, eine Play-Tone-Produktion zu sehen. („Es hat ein Loch, es hat Rillen, das ist ne Play-Tone-Platte!“)
Weil ich eh gerade auf Netflix bin, schaue ich danach noch die zwei ersten Folgen der neuen Staffel „Virgin River“ als Hintergrundkulisse für Handy-Zocken – zwischendurch schicken die Eltern Berichte und Fotos von nach dem Hurrikan – und dann ist auch schon wieder Schlafenszeit und der herrliche Sonntag vorbei.
Schon wieder eine unruhige Nacht, die Kombination aus reifem Käse und Wein hatte wohl einiges an Histamin für mich parat, dazu natürlich die Wirkung des Alkohols, die Hitze und dass außer den Katzen auch der Liebste mit im Bett lag und ich weniger Bewegungsfreiheit hatte als sonst… (Normalerweise suche ich mir halt da ein Plätzchen, wo die Katzen es mir erlauben und habe dafür 1,60 m Bettbreite zur Verfügung. Der Liebste schafft es, davon gut ein Drittel sehr hartnäckig zu beliegen und verfügt zudem über einen bemerkenswert tiefen Schlaf.) Nach zwei längeren Wachphasen ist die Nacht dann jedenfalls kurz nach 8 endgültig vorbei für mich.
Ich liege und lese gemütlich, dann bereite ich den Mietvertrag für den neuen Mitbewohner vor und fange an zu bloggen – alles noch auf dem Handy, um den Liebsten nicht zu wecken. Als der gegen 10 dann auch wach wird, mache ich uns Kaffee und den Katzen Frühstück, beende den Blogeintrag mit Hilfe der handschriftlichen Notizen von der Weinprobe gestern und stelle den Mietvertrag am Laptop fertig und schicke ihn dem neuen Mitbewohner. Wir lesen im Internet herum, schauen uns Videos an… Irgendwann wird mein Hunger so groß, dass ich uns Frühstück mache, da ist es so kurz vor 12.
Ungefähr als ich mit Essen fertig bin, schreibt der neue Mitbewohner zurück. Wir besprechen noch einen Punkt im Vertrag, dann setzen wir beide unsere digitale Unterschrift drunter und das Thema WG-Casting ist für diese Runde abgeschlossen. Juhu! Ich sage den anderen Kandidat*innen ab, deaktiviere die Anzeige und informiere den derzeitigen Mitbewohner, dass er jetzt wirklich zum 1. Oktober aus dem Vertrag raus ist. Geschafft.
Wir bleiben weiter im Bett – ich rufe zwischendurch meinen Bruder an, gratuliere zum Geburtstag und bespreche Details für die Abendplanung. Von meinen Eltern, die auf den Hurrikan warten, kommen erstaunliche Bilder und ein Video von echtem Wellengang in der Bucht. Der Strom ist schon weg, aber der Hurrikan scheint weit genug an ihnen vorbei zu ziehen, als dass es ernsthaft gefährlich wird.
Von einem TikTok-Video aus kommen der Liebste und ich mal wieder auf Shahak Shapira und schauen ein längeres Video von ihm auf YouTube. Hinterher drücke ich dem Liebsten das passende Buch dazu in die Hand und jetzt liest er, während ich Kreuzworträtsel mache. Ich merke, wie dank des unterschriebenen Mietvertrags mein Stresslevel sinkt, aber genug Muße zum Buch lesen habe ich leider immer noch nicht. Gegen 17 Uhr dann stehe ich auf, dusche, ziehe mich an und koche dann endlich die Carbonara, die ich seit langem geplant hatte – leider nicht mit Spaghetti, die letzten hatte der Mitbewohner am Donnerstag verbraucht, dafür aber mit Linguine und das passt auch sehr gut.
Linguine, Guanciale, Eier, Pecorino Romano, Salz, Pfeffer und ein bisschen Olivenöl – mehr braucht es nicht.
Es ist meine erste eigene Carbonara und ich bin ganz zufrieden! Mal gucken, was ich mit dem Rest Guanciale noch anstelle – eigentlich wäre ja eine Amatriciana angebracht, wo doch mein neuer Mitbewohner aus den Abbruzzen kommt. Das muss dann aber noch vor seinem Einzug passieren, nicht dass ich da was falsch mache. Nach dem Essen im Bett steht auch der Liebste auf. Während er im Bad ist, räume ich schnell die Küche auf und dann brechen wir mit Geburtstagsgeschenken und vier Klappstühlen auf zu meinem Bruder.
Es wird ein sehr netter Abend mit den Freund*innen meines Bruders – durch die Bank weg Geowissenschaftler*innen bzw. deren Anhänge. Der Liebste verabschiedet sich irgendwann wieder gen Südberlin und kurz nach 22 Uhr werde ich so müde, dass ich auch aufbreche – aber erst nach einem Stück Geburtstagskuchen. Währenddessen schicken die Eltern übrigens Fotos vom durch Kerzen erleuchteten Haus und wie sie sich die Zeit mit Tischtennisspielen vertreiben.
Auf dem Heimweg höre ich Hörbuch und das begleitet mich dann auch direkt ins Bett. Kurz vor 11 ist das Licht aus und dann schlafe ich, lange und tief. Endlich.
Nach unruhiger Nacht vom Weckerklingeln geweckt worden und einigermaßen munter die Morgenroutine absolviert – nur die Sprach-Apps mussten verschoben werden, zum Glück gibt es später noch rechtzeitig eine Erinnerung und mein Duolingo-Streak überlebt auch diesen Tag, an dem ich mir neben der Arbeit auch viele Gedanken mache – über die Qual der Wahl nach dem WG-Casting. Details hierzu erst, wenn ein Untermietvertrag in Sack und Tüten ist und alle Beteiligten informiert sind. Ich überlege jedenfalls viel hin und her und hole viele Meinungen ein.
Arbeitstechnisch ist aber auch noch so einiges los, ich habe insgesamt sechs halbstündige Meetings, die alle recht intensiv sind, komme in Projekten voran, habe eine wahrscheinlich sehr gute Idee (die meine Chefin zum nächstwöchigen Treffen der C-Suite mitnehmen wird), haue vor einer relativ großen Gruppe von Menschen in einem E-Mail-Verlauf einmal kräftig mit der Faust auf den Tisch – mit Erfolg – und bespreche mit meiner Chefin die Neuaufteilung der Aufgaben in unserem Team und einen fancy Namen für das was ich zukünftig also tun soll – mal gucken, ob das auch eine Titeländerung mit sich bringen, oder nur für den internen Gebrauch genutzt werden wird.)
Am Nachmittag seit langem mal wieder ein gemeinsamer Chai mit dem Noch-Mitbewohner, samt Besprechung seiner Aus- und Umzugslogistik. Nach der Arbeit gehe ich dann eine längere Runde spazieren und tausche mich dabei mit meiner Freundin in Frankreich aus, bevor ich den Liebsten an der S-Bahn treffe und wir gemeinsam das Geschenk einlösen, das meine Cousinen mir zum 40. gemacht haben – eine Weinprobe zu seltenen italienischen Rebsorten. Die findet in einem der Foodie-Mekkas im Prenzlauer Berg statt, wo es gute Lebensmittel, jede Menge Kochbücher und eben auch Kochkurse etc. gibt. In einer hinteren Ecke des Ladens versammeln sich 14 Teilnehmende und ein Sommelier – ich habe nicht nachgezählt, sondern komme jetzt durch Logik darauf – wenn es von jedem Wein 0,1 l gibt, kommt man bei 15 Personen mit genau zwei Flaschen hin.
Das Publikum ist ein wenig so, wie man sich das in einem teuren Lebensmittelladen im Prenzlauer Berg so vorstellt – mit viel zur Schau getragenem Vor- und Halbwissen. Der Sommelier selbst ist hingegen sehr sympathisch, kennt sich aus und moderiert gut gelaunt durch den Abend. Am Anfang fremdeln wir noch ein wenig mit dem Gesamt-Set-up, aber der Wein hilft und beim zweiten Glas – dem Favoriten des Abends, bei allen, ist auch der Liebste aufgetaut und hat Spaß. Wir beginnen mit einem perlenden Naturwein aus dem Veneto – von den Rebsorten her eine Mischung aus Corvina, Molinara, Rondinelle und Sangiovese.
Darauf folgt der bereits erwähnte Favorit des Abends – ein Nascetta aus dem Piemont, der in der gleichen Gegend wie Barolo wächst und von den gleichen Vorzügen des Terroirs profitiert, aber nur in sehr sehr kleinen Mengen angebaut wird. Wir alle sind hin und weg.
Der dritte Wein kommt dann aus Abruzzen, ist ebenfalls weiß und heißt Pecorino, weil die Schafe der Gegend diese Trauben so gern fressen. Das ist vermutlich die bekannteste der Rebsorten, die heute Abend im Glas landen.
Mit dem Rosé geht es dann nach Sizilien, an den Ätna, die Rebe ist Nerello Mascalese und ich bin ziemlich sicher, dass ich bei einem meiner Sizilienbesuche (oder damals in der Enoteca in der Lombardei, als ich hinterher im Bett von Garibaldi schlief?) schonmal Nerello getrunken habe. Sehr gut jedenfalls! Dann geht es mit dem ersten Roten zurück in den Piemont, nach Novara und irgendwie habe ich diesmal kein Foto vom Glas gemacht, nur von der Flasche – lag vielleicht am gestiegenen Alkoholanteil in meinem Blut – Uva rara jedenfalls.
Hier wechseln wir dann auch vom leichten Pecorino (dem Käse, nicht dem Wein) zum kräftigen alten Kuhkäse (Gouda in dem Fall) als Begleitung, das passt besser. Brot und Wasser gibt es natürlich auch die ganze Zeit über. Der letzte Wein kommt dann wieder aus dem Süden, aus Kalabrien. Mit Wein aus der Gaglioppo-Rebe wurden schon die Sieger bei der antiken Olympiade bewirtet.
Außerdem gelernt:
Zinfandel ist nur ein anderer Name für Primitivo, allerdings kommt diese Rebe nicht ursprünglich aus Apulien, sondern aus Kroatien
Um 1870 herum wurde die Nordamerika nach Europa eingeschleppte Reblaus fast allen europäischen Weinstöcken zum Verhängnis, deshalb gibt es fast keine mehr, die älter sind. Danach wurden südamerikanische Weinstöcke, die immun gegen die Reblaus sind, nach Europa eingeführt und die alten europäischen Rebsorten darauf aufgepropft
Der Klimawandel macht schon jetzt vielen italienischen Rebsorten zu schaffen, besonders in den flacheren Anbaugebieten des Südens
Mal nach dem Sassicaia-Wein aus der Gegend um Bolgheri gucken, Empfehlung des Sommeliers zum Thema „Supertuscan“
Pauline Bonaparte, die Lieblingsschwester Napoleons, heiratete in die Toscana ein und war verantwortlich dafür, dass viele französische Reben seitdem dort angebaut werden
Wichtig ist dann natürlich noch der Hinweis, nachdem alle schon ordentlich angeheitert sind, dass es für die Teilnehmenden nur heute 10 % Rabatt im Laden gibt. Wir haben eh schon beschlossen, noch ein wenig einzukaufen und während die anderen noch den letzten Schluck trinken, steht der Liebste schon am Weinregal. Wir sichern uns schnell das Wenige, das vom Nascetta noch drinsteht – für die anderen Teilnehmenden wird noch eine Kiste von hinten geholt, aber dann muss man erst nachbestellen. Mit Wein und Käse versorgt machen wir uns vergnügt auf den Heimweg und lassen den Abend dann noch bei einem gutem toskanischen Grappa auf dem Balkon ausklingen.