04.10.2023 – Büro, Sport und Südberlin

Nach dem langen Wochenende ist der Montag schon Mittwoch und Mittwoch bedeutet Büro. Noosa weckt mich kurz vor 7, so dass ich genügend Zeit habe, alles zu erledigen, was zu erledigen ist und trotzdem gegen 9 im Büro zu sein – wieder voll bepackt mit Arbeitsrucksack, Sporttasche, Übernachtungsgepäck und Frühstück und Mittagessen für zwei Tage. Mittwoch heißt außerdem meetingfrei, bis auf ein wöchentliches, das wegen des Feiertags gestern auf heute verschoben wurde und direkt am Vormittag erledigt wird. Nach Zimt-Müsli mit Aprikosen und Trauben plus Cappuccino.

In der Büroküche einen Honig-Smilie entdeckt

Außerdem habe ich bis auf einige Absprachen – live oder per Chat – Zeit genug, um in Ruhe nachzulesen, was an den letzten beiden Tagen los war und dann abzuarbeiten:

  • Eine Umfrage erstellen und per Rundmail versenden
  • Einen Text ins Deutsche übersetzen
  • Ein Video zurechtschneiden und teilen
  • Mir Gedanken um das neue Backend-Projekt machen und einfach mal losbasteln
  • Das Protokoll zum Vormittagsmeeting schreiben und Action Items verteilen
  • Anfangen, eine Idee für ein Event zu entwickeln

Und dann ist es plötzlich auch schon 18 Uhr, ich schließe den Laptop weg und fahre mit S- und U-Bahn nach Südberlin. Unterwegs bestelle ich mir beim Liebsten, der gleich mit dem Teilzeitkind zum Stammitaliener geht, ein Abendessen für nach dem Sport. Dann gehe ich – Überraschung – zum Sport: Hampeln und Strampeln im Wasser und hinterher ein Saunagang mit Fernsehprogramm (atmosphärische Landschaftsbilder). Die anderthalb U-Bahnstationen bis zum Liebsten laufe ich, damit ist dann das Schrittziel für heute auch voll.

Gegen 9 komme ich an und mache beim Teilzeitkind, das beim Lesen eingeschlafen ist, das Licht aus. Davon wacht es allerdings auf und bekommt noch ein Hörbuch zum wieder Einschlafen angemacht. Der Liebste und ich gehen in die Küche, erzählen uns, während ich Tagliatelle mit Steinpilzen esse, von unserem Tag und diskutieren die Situation im US-Repräsentantenhaus. Vor dem Schlafengehen gibt es dann noch drei Folgen „Reservation Dogs“ für Beide und zum Einschlafen ein paar Seiten „Catch-22“ für mich.

03.10.2023 – Wie ein Sonntag

Der Dienstag ist nun also der Sonntag meines langen Wochenendes und ich gedenke denn auch, jetzt endlich mal auszuruhen. Dazu habe ich auch genügend Zeit denn wieder werde ich gegen 7 wach. Zwei Stunden im Bett, gegen 9 aufstehen und dann mache ich mir zum Frühstück Ei im Glas (mit Sardellenpaste und Kresse), Buttertoast und schwarzen Tee mit Maracuja. Dann setze ich dem Datum angemessen zwei Tröts ab – einen mehr gefühlig, an Schmunzeltwitter erinnernd, der andere mehr politisch. Beide finden positive Resonanz, der gefühlige geht durch die Decke und sorgt den ganzen Tag über für Benachrichtigungen über Boosts und Favs.

Als ich damit durch bin und ausführlich mit dem Liebsten telefoniert habe, setze ich mich – was sonst sonntags nie passieren würde – an den gestern so schön aufgeräumten Schreibtisch und mache mich an die Steuererklärung. Deadline wäre ja gestern gewesen, aber ich habe sowieso noch nicht alle Unterlagen da. So aber mache ich alles fertig, soweit es eben geht. Der komplexeste Teil diesmal ist der mit den Wegen zur Arbeit – das Büro ist letztes Jahr ja umgezogen und außerdem gab es für die Monatskarte im Laufe des Jahres diverse verschiedene Preise. Also Urlaubs- und Krankheitstage für zwei Zeiträume zählen, in den übrigen Wochen mit zwei Bürotagen pro Woche, Rest Homeoffice, rechnen und das alles für zwei verschiedene Zeiträume. Aber wenn es denn der Wahrheitsfindung dient.

Als ich alles eingetöckelt habe, was geht, klappe ich den Laptop zu, bringe den Papiermüll runter, klebe Zettel mit dem Namen des neuen Mitbewohners an Klingel und Briefkasten (die Hausverwaltung macht das erfahrungsgemäß demnächst nochmal in Schön) und lege mich dann endlich und final aufs Sofa. Ich lasse die in meiner Bubble viel gelobte Dokuserie „Capital B“ über Berlin seit der Wende in der arte-Mediathek laufen und verliere mich auf dem Second Screen in einem neuen Handyspiel. Während der vorletzten Folge meldet sich der Lieblingsnachbar mit Eisbereitschaft und wir gehen nach Draußen. Heute ist es immer noch warm, aber bedeckt und es fallen vereinzelt Regentropfen. Der Herbststimmung angemessen wähle ich Tiramisù und Pistazie.

Wir laufen durch den Helmholtzkiez und den Kollwitzkiez und dann wieder zurück und erzählen uns unsere aktuellen Leben. Das letzte Mal ist schon wieder eine ganze Weile her. Wieder zurück auf der Couch schaue ich die Doku zu Ende und telefoniere wieder mit dem Liebsten. Dann stehe ich auf und koche Dinge aus der Biokiste weg – fürs Abendbrot und als Meal Prep für die anstehenden Bürotage. Es gibt gebackene Kartoffeln, Möhren und Sellerie und dazu vom Nachgeburtstagspicknick übrig gebliebene Rinderbratwurst und einen Salat mit Tomaten.

Während und nach dem Essen schaue ich live auf C-SPAN zu, wie sich die republikanische Partei in den USA noch weiter zerlegt und damit das ganze politische System ins Wanken gerät. Unterhaltsam und erschreckend gleichermaßen, auch mit Blick auf das Unsrige. In den Pausen während der Abstimmungen räume ich die Küche auf, packe das Essen für morgen passend in Dosen und siebe die Katzenklos durch. Als McCarthy nicht mehr Speaker of the House ist, gehe ich erst ins Bad und dann ins Bett und schaue dabei noch weiter Kommentare und Analysen. Gegen halb 12 ist dann aber endgültig Schlafenszeit.

02.10.2023 – Broduktiver Prückentag / Sommer in Berlin

Eieie, so langsam wird es albern mit den Überschriften hier, aber was will man machen, das war beim Aufwachen so in meinem Kopf drin und dann muss es auch raus. Apropos Aufwachen, ich wache gegen 7 auf – immerhin nicht gegen 6 wie gestern, und liege dann wie üblich erstmal noch eine ganze Weile im Bett herum, bevor ich gegen 9 aufstehe und mich tagfertig mache. Heute gibt es Cappuccino zum Frühstück, mit Moka-Espresso und aufgeschäumter Milch – die Mühe mache ich mir selten, früher, als ich noch mit Il Professore zusammen war und lebte, machte er den jeden Morgen und wir tranken ihn auch noch zusammen, bevor ich morgen ins Büro ging. Das ist jetzt auch schon mehr als 12 Jahre her…

Außerdem mache ich mir Porridge aus den Haferflocken, die gestern nicht mehr ins Vorratsglas reingepasst haben, dazu Ahornsirup und Aprikosen. Ich frühstücke gemütlich auf dem Sofa und lese dann, bis der Kaffee alle ist, weiter in „Jewish Flavors of Italy“. Dabei lerne ich, dass nach der jüdischen Lehre der Mensch früher vegetarisch war und am Ende auch wieder vegetarisch werden wird. Seit Noah und seiner Arche gibt es sozusagen eine temporäre Erlaubnis von Gott, Tiere zu essen, aber dabei auch sehr strenge Regeln, welche und unter welchen Umständen. Warum argumentieren denn die Veganer*innen und Vegetarier*innen nicht viel öfter damit? Oder ist das zu endzeitlich gedacht und der Vormarsch der fleischlosen Ernährung ein Hinweis auf das dräuende Ende der Welt? Die Nachrichtenlage spricht dafür…

Als der Kaffee alle ist, beginne ich mit meiner To-Do-Liste und gehe als erstes nach Draußen, in den Drogeriemarkt und zum Haustierbedarf. Wieder zurück verräume ich Katzenstreu, wechsle den Filter der Dunstabzugshaube und der Wasserkanne, tausche die mir seit Jahren zu helle Glühbirne im Wohnzimmer gegen eine mit wärmeren Licht und schmeiße den letzten Putzschwamm weg und tausche ihn gegen einen neuen. Dann muss ich erstmal wieder aufs Sofa und etwas trinken – selbst gemixten Almdudler in Vorbereitung auf das österreichische Essen heute Abend.

Nach etwa einer halben Stunde sauge ich dann die Wohnung durch – das letzte Mal ist schon erschreckend lange her, durch all die Aus- und Einzugsaktivitäten, Bürotage und Aufenthalte in Südberlin. Hinterher wieder Pause, dann Bad putzen (selbe Problematik), dann wieder Pause, dann Böden wischen. Während die trocknen wieder Pause, dann alles wieder an seinen Platz zurückstellen. Dann ist es schon 14 Uhr. Ich habe noch gute zwei Stunden, bis ich zu meiner Abendverabredung aufbrechen muss und überlege, ob ich einfach auf dem Sofa bleibe, oder doch noch mit dem eigentlich für heute geplanten Programmpunkt weiter mache – das Putzen ist ja noch von gestern. Und weil ich grad so produktiv bin, gehe ich also ins Arbeitszimmer und räume meinen Schreibtisch auf – das Vorherbild ist aktuell noch in meinen Insta-Stories, das Nachherbild darf permanent ins Blog:

Dann habe ich immer noch Zeit und denke, ich könnte ja schonmal zumindest die Vorbereitungen für die Steuererklärung treffen – ganz fertigstellen kann ich sie noch nicht, da mir noch Unterlagen fehlen, aber geplant ist schon, alles was geht an diesem Wochenende zu machen. Also gehe ich meine Ablage durch und suche alles heraus, was mir dafür nützlich erscheint und schmeiße auch schon einiges weg, das ich nicht mehr brauchen werde. Der verbleibende Stapel geht weiter zurück als ich zugeben möchte und ist irgendwann demnächst auch nochmal dran. Dann setze ich mich an den schön aufgeräumten Schreibtisch, rufe die Eingabemaske auf und lege mit den Basics los. Gerade will ich mit den ersten echten Eingaben beginnen, da klingelt es und der neue Mitbewohner steht mit zwei großen Taschen vor der Tür. Gerettet!

Ich sitze eine halbe Stunde mit dem neuen Mitbewohner auf dem Sofa und erzähle, dann fängt er an, sein Zimmer einzurichten und ich mache mich ausgehfein. Ich überlasse ihm das abendliche Katzenfüttern, so kann er gleich seine Beziehung mit Nimbin vertiefen und die zu Noosa langsam knüpfen, und verlasse das Haus Richtung Tram. Mit der Haustram und der Partytram fahre ich nach Friedrichshain und treffe eine Freundin, die ich auch schon wieder ungefähr ein Jahr nicht gesehen habe, in einem österreichischen Restaurant. Es ist noch sehr warm. Wir sitzen draußen und ich bestelle Himbeer-Skiwasser, steirische Kürbis-Canneloni mit Apfel-Weinschaum-Sauce und Kaiserschmarrn.

Wir schmausen und erzählen – von Arbeit, Beziehungen, Gesundheit, Büchern, gemeinsamen Freund*innen, Reiseplänen, Familien und Verflossenen. Vor nunmehr ziemlich genau 18 Jahren haben wir uns in Toronto kennengelernt und seitdem doch eine ganze Menge zusammen erlebt, der Gesprächsstoff geht nicht aus. Nach dem Essen haben wir noch Zeit und es ist immer noch warm. Wir setzen uns in einen nett aussehenden Biergarten auf dem RAW-Gelände und trinken das Hausbier (sie das Pils, ich das Weizen) und erzählen weiter.

Als das Bier alle ist (Nein, das ist gar nicht das Schlimmste!) gehen wir nach nebenan ins Badehaus, wo Tex heute Abend auftritt und neben seinen eigenen Liedern Songs von Leonard Cohen spielt. Tex habe ich vor fünf Jahren schonmal mit Freund*innen im Lido gesehen und für gut hörbar befunden, Leonard Cohen vor zehn Jahren in der Mercedes-Benz Arena und das war eines der wundervollsten Konzerte ever. Nun ist Cohen schon sieben Jahre tot und damit ist es genehmigt, zu einem Cover-Abend zu gehen. Es lohnt sich auch wirklich sehr – Tex macht das gut. Am Ende kommt genau nach meiner Vorhersage als Zugabe „Hallelujah“ und dann „Hallo Julia“ (unterbrochen nur von einem weiteren Tex-Song als Musikwunsch aus dem Publikum) – andersherum hätte ich es noch besser gefunden, aber es war halt auch Tex, der da stand und nicht mehr Leonard.

Dance me to the End of Love
Suzanne
Marianne

Nach dem Konzert laufen wir noch glücklich die Warschauer Straße hoch zum Frankfurter Tor, wo meine Freundin in die U-Bahn und ich in die Partytram steige. Die Straßen sind am Brückentag-Abend noch voll, es sind 18 Grad, man sitzt draußen. Ich bin kurz vor 23 Uhr zuhause und habe immer noch nur ein T-Shirt an. Wenn man nicht wüsste wieso, könnte man sich rundheraus daran erfreuen. Zuhause schaue ich kurz ins Zimmer des neuen Mitbewohners – die Tür steht offen und er ist über Nacht noch in der alten Wohnung – und bin erstaunt, wie dieses schon wieder einen völlig anderen Charakter hat als in den Iterationen davor. Dabei hat er nur den Schreibtisch woanders hingestellt und eben seine eigenen Sachen reingebracht. Zufrieden grinsend gehe ich ins Bett und lese noch ein bisschen „Catch-22“ solange Nimbin mich lässt.

01.10.2023 – Unlazy Sunday

Oktober also, verrückt. Einerseits verrückt, weil die Zeit vorbeirennt, andererseits, weil morgen wieder 25 Grad sein werden. Jetzt ist wieder die Zeit, wo ich den Klimawandel persönlich ein bisschen weniger schlimm finde, der graue Berliner Winter, die Zeit der geschlossenen Balkontüren, kommt noch früh genug. Das ist aber natürlich nur die gefühlte Wahrheit, ich weiß in meinem Kopf drinnen, dass das alles so nicht richtig ist!

Abgesehen davon erwache ich in der leeren Wohnung schon gegen 6, es ist noch so dunkel drinnen, dass ich eine Uhrzeit mitten in der Nacht erwarte und mich wieder umdrehen und weiterschlafen zu können. Aber nein, es ist wirklich schon 6 und trotz Hörbuch zum Weiterschlafen bleibe ich ob dieses Wissens nun unweigerlich wach. Irgendwann gegen 9 stehe ich dann auch auf – nicht übertreiben, immerhin ist Sonntag!

Für heute hatte ich mir Wohnung putzen vorgenommen, aber auf dem Weg dahin ist noch so viel anderes zu tun, dass der eigentliche Teil des regelmäßigen Putzrituals am Ende auf morgen verschoben werden wird. Ich räume mein Zimmer auf (der Bücherstapel auf meinem Nachttisch ist schon bedenklich hoch gewachsen, ich brauche dringend mehr Muße), nehme die Wäsche ah und lege sie zusammen, fülle viele Vorräte in Vorratsgläser um, damit die Lebensmittelmotten nicht mehr drankommen, sortiere die Gewürze neu und säubere dabei die Gewürzschublade und das Gewürzfach, sortiere Öl- und Essigvorräte und entsorge dabei Flaschen, die ich seit Jahren nicht benutze und die längst abgelaufen sind, aus, runderneuere das Katzenklo im Bad…

Zwischendurch gibt es irgendwann Stullen und Apfel zum Frühstück, zum späten Mittagessen Pellkartoffeln mit Quark und Leinöl. Außerdem kommt der Ex-Mitbewohner vorbei, und holt die letzten Dinge ab – die, die er gestern noch stehen lassen musste und die, die ich inzwischen beim Küche umräumen noch gefunden habe. Der neue Mitbewohner schickt irgendwann einen Screenshot der pünktlich überwiesenen Miete und schreibt aber, dass er von den letzten Tagen noch zu kaputt ist und erst morgen hierher kommen wird, um sein Zimmer einzurichten. Habe ich doch noch einen sturmfreien Tag gewonnen!

Während der ganzen Hausarbeit höre ich Podcast, in den Ruhephasen dazwischen Klaviermusik – das entspannt mich heute ganz erstaunlich, vielleicht sollte ich das öfter tun. Der Podcast mit Igor Levit bei Jan Müller (Tocotronic) gestern hat mich da ein wenig inspiriert – klassische Musik ist nicht so viel anders als Popmusik, nur dass man sich beim Hören weniger bewegt und die Emotionen alle drinnen stattfinden. Interessante These, mit der im Kopf ich mich demnächst mal an mehr Klassik wagen werde.

Abends liege ich dann auf der Couch, lasse mich von den Katzen bekuscheln und gucke drei Folgen „Mad Men“, bevor ich kurz vor 23 Uhr todmüde ins Bett falle.

Außerdem bemerkenswert:

  • Beim Zimmer aufräumen habe ich ein besonders dickes und schweres Buch vom statisch prekären Bücherstapel genommen und als Coffee-Table-Buch auf den Wohnzimmertisch gelegt – „Jewish Flavors of Italy“ von Sylvia Nacamulli. Darin blättere ich in einer Pause und lese mich eine gute halbe Stunde fest, bevor ich weiterarbeite.
  • Nach dem gegen 18 Uhr beschlossenen Feierabend lese ich eine gute Stunde in „Catch-22“ weiter, juhu! Ich werde dieses Buch zu Ende lesen, koste es mich, was es wolle.
  • Duolingo lässt mich regelmäßig den Satz „Ich spreche nicht oft mit meiner Schwägerin“ auf Niederländisch üben. Aktuell stimmt der gar nicht, wir schreiben uns recht regelmäßig (also die Schwester des Liebsten und ich, die Freundin des Bruders und ich tauschen uns aber auch gar nicht sooo selten aus). Gestern ging es um Bücher, heute bekomme ich ein Video meiner Nichte (Ich kam genau rechtzeitig in das Leben des Liebsten, um dann ganz plötzlich nicht nur ein Teilzeitkind zu bekommen, sondern auch direkt noch für mich komplett unerwartet Tante zu werden). Das Kind singt und tanzt zu „Rave on“ von Blumentopf und eigentlich braucht es nur noch ein paar schwarze Klamotten, dann könnte es direkt nach Berlin ziehen. Aber erstmal 4 werden, eins nach dem Anderen.
  • Apropos Teilzeitkind, von dem kommen am Abend Fotos aus Hamburg – City-Trip mit der anderen Oma, ich wäre gespannt auf den Bericht vom Harry-Potter-Theaterstück

30.09.2023 – Zwischen Mitbewohnern

Heute ist dann also der große Tag, Tag X mag ich dank Elon Musk nicht mehr schreiben. Heute zieht der eine Mitbewohner aus und der andere zieht ein. Der Plan sagt, dass der Noch-Mitbewohner morgens „so früh wie möglich“ geht und den Großteil seiner Sachen mitnimmt, ein kleiner Teil soll noch im Wohnzimmer bleiben. Man muss dazu sagen, dass der Noch-Mitbewohner keinen in Deutschland gültigen Führerschein besitzt und nur einer seiner Freunde einen solchen hat und damit berechtigt ist, ein Umzugsauto zu mieten und zu fahren. Dieser Freund zieht gerade selbst um – mit Frau und zwei Kindern – und nahm gestern zum zweiten Mal Zeug vom Noch-Mitbewohner mit. (Sie ziehen in die gleiche Kleinstadt im Speckgürtel Berlins, die nach den Erzählungen anscheinend gerade zum Little Karachi Brandenburgs wird.) Jedenfalls sind Platz und Gelegenheit begrenzt, weswegen ja gestern Abend auch nicht alles mitkam.

Der neue Mitbewohner hat hingegen angekündigt, gegen 12 Uhr samt Besitztümern und zwei Freunden, die beim Tragen helfen, hier aufzuschlagen. In meinem Kopf ist also der Noch-Mitbewohner irgendwann gegen 8 morgens weg, ich habe seine Schlüssel, kann das leere Zimmer ordentlich durchlüften und schon mal mit dem vielen Entrümpeln anfangen, das ich für dieses Wochenende aus Anlass von Aus- und Einzug geplant habe. In der Realität rührt sich den ganzen Morgen über nichts im Zimmer des Noch-Mitbewohners. Ich selbst werde ab 10 Uhr unruhig, stehe auf, mache laute Musik an und fange an, laut die Küche umzuräumen. Bei der Gelegenheit finde ich noch eine ganze Menge Sachen, die dem Noch-Mitbewohner gehören und stelle sie für ihn zurecht.

Gegen 11 setze ich mich zum Frühstücken ins Wohnzimmer, da kommt der Noch-Mitbewohner verschlafen aus seinem Zimmer und beginnt, sich für den Tag fertig zu machen und seine Übernachtungssachen wegzupacken. Ich schreibe verstohlen dem neuen Mitbewohner und frage, ob es bei ihm bei 12 Uhr bleibt. Er sagt, irgendwann zwischen 12 und 12:30 Uhr seien sie da, ich sage ihm, dass er sich nicht hetzten soll. Zwanzig vor 12 borgt der Mitbewohner sich Werkzeug von mir und geht hinunter in den Keller, um sein Fahrrad flott zu machen, das er heute auch mitnehmen will. Ich reiße das Fenster in seinem Ex-Zimmer auf und werde ihn dann über eine Stunde lang nicht mehr sehen.

Der neue Mitbewohner und seine Freunde hingegen klingeln zwanzig nach 12 und fangen dann an, seine Besitztümer nach oben zu tragen. Das dauert etwa eine halbe Stunde, dann müssen Sachen nach unten in den Keller, wo vom jetzt Ex-Mitbewohner und seinem Fahrrad jede Spur fehlt. Und nun? Wir setzen uns erstmal zu viert auf dem Balkon, trinken etwas und unterhalten uns in deutsch-italienisch-englischem Sprachgemisch. Der neue Mitbewohner plant, heute nochmal in seiner alten Wohnung zu nächtigen und sich erst ab morgen Nachmittag dem Auspacken und Einrichten zu widmen. Ich würde ihm ja gerne seinen neuen Schlüssel geben, aber er ist da ganz entspannt.

Dann geht irgendwann die Tür auf und der Ex-Mitbewohner steht mit einem Freund in der Wohnung. Es gab Probleme mit dem Fahrrad, er hat damit erstmal einen Fahrradladen aufgesucht, Ersatzteile gekauft und es dann selbst repariert. Nun ja. Bescheid sagen wäre super gewesen, aber ich nehme was ich kriege. Die beiden nehmen den Großteil der Sachen mit, so dass im Wohnzimmer nur noch ein Ventilator, eine Kiste und die beiden Mangopflanzen stehen, für die ich für die nächsten Wochen die Pflegschaft übernommen habe, bis die neue Wohnung soweit eingerichtet ist, dass er sich um Pflanzen kümmern kann. (Ich werfe einen Blick in das Zimmer des Neu-Mitbewohners, in dem diverse Pflanzen stehen.)

Dann ist Schlüsselübergabe und wenige Minuten später bin ich mit den Katzen alleine in der Wohnung. Geschafft. Ich lege mich erstmal kurz aufs Sofa und ruhe mich aus, während Noosa und Nimbin die Besitztümer des neuen Mitbewohners und sein Zimmer im allgemeinen erkunden, in das sie die letzten zweieinhalb Jahre fast nie hineindurften, weil der Ex-Mitbewohner eine Katzenallergie entwickelt hatte.

Sobald ich wieder etwas Energie habe, mache ich mit meinem Umräumen- und Entrümpeln-Projekt weiter. Ich nehme mir das Tiefkühlfach und den Kühlschrank vor und entsorge lebensmittelhygienetechnische Gruseligkeiten, die mich teilweise schon seit Jahren genervt haben (Ich muss dringend weniger konfliktscheu werden). Ich bringe einen vollen Müllsack (inkl. der alten Mülleimer für Biomüll und Restmüll, für die ich im Laufe der Woche Ersatz besorgt hatte), einen riesigen Karton voller Papiermüll und eine versiffte Matratze zum Müll (drei mal Gehen), räume die Spülmaschine aus, hänge Wäsche auf, bringe Altglas und Pfandglas weg und habe dann erstmal genug geackert. Zum späten Mittagessen gibt es aufgewärmte Trüffel-Pizzarollen und einen Brownie, dann schlafe ich ein bisschen.

Am späten Nachmittag breche ich auf und fahre mit Tram und U-Bahn zur Wohnung meiner Eltern, um nach der Post und den Pflanzen zu gucken. Danach geht es zurück in den Prenzlauer Berg, wo ich mich mit einer Freundin in einem indischen Restaurant treffe. Es gibt Mango-Bier, Papadams, Samosas und Aubergine mit Paneer und Erbsen für mich. Hinterher laufen wir noch ein wenig durch den Kiez. Dann mache ich das Post-und-Pflanzen-Spiel nochmal in der Wohnung meines Bruders und nehme auf dem Heimweg zwei der Stühle mit, die der Liebste und ich neulich zur Geburtstagsparty mitgebracht hatten. Damit stiefle ich nach Hause, wo ich mich mit einem Glas Federweißen und den Katzen aufs Sofa lege und noch zwei Folgen „Mad Men“ schaue, bevor ich gegen 23 Uhr ins Bett falle.

29.09.2023 – Freitag und doch noch kein Auszugstag

Ich habe ganz hervorragend geschlafen (auch mal loben!) und kann morgens noch ganz in Ruhe liegen bleiben, weil ich nach zwei Tagen im Büro endlich wieder im Homeoffice bin. Der Noch-Mitbewohner hingegen bricht früh auf, um den Schlüssel für seine neue Wohnung abzuholen und dort alles für seinen Einzug vorzubereiten und die ersten Kisten hinzubringen, die er letztes Wochenende schon bei einem Freund geparkt hatte, weil sich eine günstige Transportgelegenheit bot. Ich mache mir Müsli mit Aprikosen zum Frühstück, außerdem schwarzen Tee mit Minze.

Der Freitag hätte eigentlich einer mit fünf Meetings werden sollen. Drei davon werden von von anderen abgesagt, eins kann ich in ein schnelles Telefonat verwandeln und so bleibt dann nur noch eins übrig, das sogar sehr hilfreich ist, weil wir viele Themen abzuklären haben und ich dabei auch noch eine Einführung in ein weiteres Backend bekomme, mit dem ich mich zukünftig zu beschäftigen haben werde – wir hatten ja letztens die Verantwortlichkeiten im Team neu verteilt und da ich eine gewisse Affinität zu technischem Kram habe, bin ich jetzt gleich in zwei solchen Tools für das administrative zuständig.

Der Rest des Arbeitstages ist von einem Livestream auf Twitch bestimmt, in dem heute aus Gründen ordentlich für uns getrommelt wird und unser Geschäftsführer vom „König des Internet“ interviewt wird. Das läuft ziemlich gut, ich bin zufrieden. Auch wenn er nicht alle Punkte untergebracht hat, die ich ihm ins Briefing geschrieben habe, ist das Ganze stimmig und passt ins Konzept des Streams. Und: Ein großer Teil des Standorts schaut live zu und kommentiert in unserem Firmenchat, Teamspirit, so wichtig in diesen Zeiten.

In der Mittagspause siebe ich die Katzenklos durch, bringe Müll runter und probiere, ob die neuen Hausschlüssel, die uns im April ausgehändigt wurden, weil zeitnah die Schließanlage ausgewechselt werden würde, was dann in echt gestern passiert ist, wirklich überall passen. Tun sie nicht, für zwei Türen brauche ich weiterhin den alten Schlüssel. Grummel. Dann gehe ich noch fix in die Drogerie und kaufe große Müllsäcke, weitere Vorratsgläser und Kleinigkeiten, die alle geworden sind. Dank Self-Checkout bin ich rechtzeitig zurück am Schreibtisch, um einer Kollegin mit einem technischen Problem zu helfen.

Erst danach mache ich mir Stullen zum Mittagessen, die ich dann heim Weiterarbeiten esse. Zwischendurch ist dann auch noch die Biokiste angekommen und muss verräumt werden, dann kommt der Mitbewohner nach Hause, packt weiter Sachen und lässt mich wissen, dass er heute doch noch hier schlafen wird, da in der neuen Wohnung noch kein Bett fertig und bereit sein wird. Morgen früh wird er dann aber sehr früh verschwinden, so dass es kein Problem mit dem dann einziehenden Neumitbewohner geben sollte. (Mal sehen, während ich das hier tippe, schläft er noch.) Außerdem werden wohl einige Sachen noch ein paar Tage länger in meinem Wohnzimmer lagern müssen, weil sie das heute nicht alles wegkriegen werden.

Ich hadere erst mit dem Ruhigbleiben, ergebe mich aber dann in mein Schicksal. Ändern kann ich es eh nicht ohne unnötigen Streit. Als mein Feierabend dann eingeläutet und die Abwesenheitsnotiz fürs lange Wochenende erstellt ist, klappe ich den Laptop zu und bestelle mir Pizza. Noch schnell eine Pizza Hawaii, bevor hier ein Italiener wohnt, dafür aber auch Pizzaröllchen mit Trüffeln, ein wenig Stil muss sein. Mit einer Stunde Verspätung kommt dann der Freund des Mitbewohners mit dem Umzugswagen und wir tragen gemeinsam viele Dinge nach unten – und die beiden dann einige Dinge wieder nach oben, die nicht mehr reinpassen.

Meine Pizza kommt an und die beiden fahren los. Ich lege mich mit Pizza, Federweißer, Katzen und TikTok aufs Sofa. Auf Netflix gucke ich noch „The wonderful story of Henry Sugar“ (zweimal, beim ersten Mal bin ich zu abgelenkt), dann gehe ich gegen 23 Uhr ins Bett und höre gar nicht mehr, wie der Noch-Mitbewohner zum Schlafen zurückkommt.

28.09.2023 – Mimosenhaft im Büro

Ich wache nach unruhiger Nacht – auf den 1,40 m beim Liebsten müssen wir uns komischerweise öfter über die Bettdecke streiten als auf den 1,60 m bei mir, auf denen sich auch noch die Katzen breitmachen – schon kurz vor dem Wecker des Teilzeitkinds um 6:20 Uhr auf. Kurz vor dem Wecker des Liebsten um 6:30 Uhr steht es bereits bei uns im Zimmer. Dann steht der Liebste auf, macht und bringt Kaffee und wir liegen im Bett und lesen, während das Kindelein sich anzieht und frühstückt. Es hat dann noch Zeit und legt sich noch einmal zu uns und wir reden über den Schultag gestern und den Schultag heute. Zwanzig nach 7 rollert es los in die Schule, so ist vor dem Unterrichtsbeginn um 8 noch genug Zeit zum Spielen. Zehn Minuten später klingelt dann mein Wecker.

Gegen 8 stehen auch wir auf, der Liebste setzt sich an den Schreibtisch und ist schon tief in ein Telefonat mit einem Kollegen verstrickt, als ich aus dem Bad zurückkomme und mich verabschiede. Ich fahre mit zwei S-Bahnen ins Büro, baue meinen Laptop auf und gehe in die Küche, wo es den Rest des Müslis von gestern mit den übrigen Feigen und Trauben zusammenzukippen gilt. Außerdem hole ich mir dort einen weiteren Kaffee und stelle fest, dass von gestern noch eine angebrochene Flasche Sekt und angebrochener O-Saft im Kühlschrank stehen. Die müssen natürlich im Laufe des Tages verbraucht werden, denke ich mir, und mache mir direkt eine Mimosa – Sektfrühstück sozusagen.

Voll bepackt kehre ich an meinen Schreibtisch zurück und treffe unterwegs den einzigen anderen anwesenden Kollegen, der mir gleich mal die Tür aufhält und dann aber auch direkt noch ein Anliegen hat. Das lösen wir gemeinsam und dann sitze ich ganz alleine auf meiner Seite des Büros. Ich habe am Vormittag genau ein Meeting – ein anderes wird auf den Freitag verschoben – und kann mich ansonsten vor allem dem Backend-Projekt widmen. Mittags gehe ich wieder in die Küche, mache mir meinen Rest Zucchini-Carbonara warm und stelle fest, dass der andere Kollege inzwischen weg ist – zu einem Termin oder ins Homeoffice, man weiß es nicht.

Also gieße ich mir schweren Herzens nach dem Essen noch eine zweite Mimosa ein (außerdem einen Espresso macchiato) und kehre ins nun komplett menschenleere Büro zurück. Ab jetzt läuft die Musik nicht mehr über Kopfhörer, sondern laut – die Italopop-Playlist ist heute dran, die Sonne scheint von draußen rein und ich rocke Stück für Stück das Backend-Projekt über die Zielgerade. Dann gibt es noch zwei Meetings und um 18 Uhr packe ich meinen Kram zusammen und mache mich auf den Heimweg – zu Fuß, das verlangen Sommerwetter und Schrittziel. Dabei telefoniere ich mit der Freundin in Frankreich, das trägt mich easy bis nach Hause.

Dort ist der Noch-Mitbewohner weiter am Packen. Ich bekomme einen Blumentopf geschenkt und zwei Pflanzen zur vorübergehenden Pflege überlassen, bis er sich in seiner neuen Wohnung eingerichtet hat. Dann muss er schon wieder los und die Katzen und ich haben für heute sturmfrei.

Es gibt Stullen und alkoholfreies Radler auf der Couch, dazu die letzte Folge des aktuellen Schwungs „Virgin River“ und die ersten beiden Folgen der neuen Staffel von „Sex Education“ – und da spielen auf einmal Daniel Levy und Hannah Gadsby mit, wie cool ist das denn?? Gegen halb 11 bin ich vernünftig und gehe schlafen.

27.09.2023 – Noch ein guter Tag

Die Woche gibt sich nach dem Montag wirklich Mühe, das muss ich ihr lassen. Die Nacht ist zwar etwas zerpflückt (Nimbin weckt mich alle zweieinhalb Stunden mit irgendwelchen Wünschen, beim dritten Mal bleibe ich dann wach), aber ich fühle mich ausgeruht genug. Die Morgenroutine wird heute durch viel Packerei bestimmt – Arbeitsrucksack, Sporttasche, Übernachtungskram, Frühstück und Mittagessen fürs Büro für zwei Tage… Ganz schön viel Orga für so früh am Morgen, aber ich bekomme es gut hin und die Tram fährt auch planmäßig und halb 10 bin ich im Büro.

Ich frühstücke beim E-Mails checken und breche dann direkt nochmal kurz auf in den Supermarkt nebenan, um für unser heutiges „Event“ einzukaufen. Um 12 Uhr treffen wir uns in der Küche zu einem Geschicklichkeitsspiel, werfen mit Tischtennisbällen in Becher und ich bin eine von zwei Personen, die das schaffen und einen kleinen Preis gewinnen, yay! Lag vielleicht am Zielwasser – es gibt Sekt, O-Saft oder beides, für mich also logischerweise eine Mimosa.

Danach geht es noch einmal fix zurück an den Schreibtisch, Dinge abarbeiten, bevor ich mich zur Mittagspause in die Küche setze, Zucchini-Carbonara löffle (gable?) und mir von einem Kollegen erzählen lasse, wie es mit den von mir erstellten Seriendruck-Zetteln noch heiter weiter ging. Außerdem habe ich durch meine Büro-Anwesenheit heute gewonnen:

  • Einem Kollegen das Drucken erklärt
  • Einem Kollegen, der sonst nur remote arbeitet, das Tech-Set-up im Büro erklärt
  • Einem Kollegen erklärt, wie er Dateipakete entpackt
  • Bei einem Projekt mitgeholfen, in dem ich in meine Rolle von vor über vier Jahren zurückschlüpfte und mit den beiden Tools von damals und den HTML-Tags von damals ein Problem löste. Ganz erstaunlich wie stark das Muscle Memory da noch ist, meine Finger tippten Sachen, die ich aus dem Kopf nicht hätte erzählen können und die Maushand wusste noch genau, welche Tricks es beim Drag & Drop zu beachten gibt, damit alles an seinen Platz kommt

Ein Kollege, der das alles mitbekommt, erzählt mir später, wie sehr er das bewundert, was ich alles kann, wie geduldig ich dabei bin, wie sehr er meinen Einsatz weit über meinen Aufgabenbereich schätzt und dass ich für ihn quasi so etwas wie das Herz des Standorts bin. Vielleicht kann ich ihn überreden, das mal meiner Chefin zu schreiben? Wobei die das ja auch weiß, vielleicht eher ihrem Chef, dem CEO? Aber ich schweife ab…

Ansonsten bleibt der Arbeitstag meetingfrei, wie geplant, und ich fummele weiter an meinem Backend-Projekt herum, feile mit Kolleg*innen an Texten, Konzepten und Planungen und dann ist es irgendwann auch schon 18 Uhr. Ich schließe meine Arbeitssachen weg, schnappe mir Übernachtungssachen und Sporttasche und fahre nach Südberlin. Mein mittwöchlicher AquaFitness-Kurs am Ostkreuz findet seit dieser Woche dienstags statt und da habe ich ja Yoga (also außer gestern, aber das wusste ich zu spät). Beim Liebsten um die Ecke gibt es aber einen Mittwochskurs und den probiere ich heute aus. Die Anfahrt dauert etwas länger, dafür geht es aber früher los und ist früher vorbei und danach wartet der Liebste auf mich, in der Gesamtabwägung also lohnenswert.

Der Kurs selbst ist hier etwas zackiger und schweißtreibender, das gibt wieder ordentlich Muskelkater, dafür entspricht das Publikum mehr dem Klischee: der Anteil älterer Damen ist deutlich höher als am Ostkreuz, wahrscheinlich entsprechend der Gesamtdemografie. Nach dem Kurs gehe ich noch in die Sauna und dann beeile ich mich mit dem Anziehen und spaziere zur Zweitwohnung, wo das Teilzeitkind gerade noch wach ist und mich zu sich ruft, um mir von seinem neuen Buch zu erzählen – es liest gerade Roald Dahl. Dann ist Zeit für Licht aus und der Liebste macht mir mein Abendbrot warm – Reis-Gemüse-Pfanne mit veganem Wiener Schnitzel. Dazu gibt es eine Rhabarberschorle, die das Teilzeitkind für mich organisiert hat. Wir erzählen uns unseren Tag, die Mitbewohnerin stößt auch dazu, dann gehe ich duschen.

Hinterher liegen wir auf der Couch, gucken zwei Folgen „Reservation Dogs“ und schauen nebenbei neidisch auf das Whalewatching-Bild, das mein Bruder aus Kanada schickt (Selfie vor spiegelglattes Meer, im Hintergrund zwei gut zu sehende Wale, gestochen scharf fotografiert).

Kurz vor 11 liege ich mit Hörbuch im Bett, während der weniger Schlaf brauchende Liebste noch eine Weile zockt.

26.09.2023 – Bye, bye Bikes

Nach dem mistigen Montag lässt sich der Dienstag schon viel besser an. Ich gebe mir auch viel Mühe, selbst meinen Beitrag dazu zu leisten. Morgens lasse ich mir Zeit mit der Morgenroutine und setze mich dann mit einem leckeren Frühstück an den Schreibtisch.

Milchbrötchen mit Apfel-Minz-Gelee, Pistaziencreme, Mandelmus, Nudossi. Birne, Aprikosen, Feigen, Trauben. Builder‘s Tea.

Eins der Aufregerthemen von gestern löst sich im Laufe des Tages ganz gut auf – ich brainstorme noch beim Frühstück nochmal mit der Kollegin in Warschau und gemeinsam kommen wir auf einen guten Mittelweg, den ich danach dann auch an anderer Stelle durchsetzen kann. Das entzerrt den Rest der Woche deutlich. Ich erledige Dinge und dann folgt ein zweistündiges Meeting mit Berlin (Büro) und Ostfriesland.

Hinterher ist es 13 Uhr und ich muss direkt los ins Draußen. Heute ist der Termin zur Abgabe meines Leasingfahrrads vor dem Winter und ohne Bauchschmerzen und bei Sonnenschein passt das wirklich viel besser als letzten Freitag. Ich fahre eine von einer App errechnete fahrradfreundliche Route hinunter nach Mitte und sinniere dabei über das Radfahren und mich. Spaß macht es ja irgendwie schon und bei mir in meinem ruhigen leeren Wohngebiet weitgehend ohne andere Verkehrsteilnehmende auch. In der richtigen Welt dann aber gibt es diese anderen Verkehrsteilnehmenden aller Couleur (Kinder, Hunde, E-Roller, hektische Fahrradfahrende, Motorräder, Autos, Taxis, LKWs, Busse…), außerdem verschiedene Untergründe, enge Stellen, Kopfsteinpflaster, Steigungen… Und da ist das Radfahren dann total stressig für mich und der Spaß weitgehend weg. Außerdem mag ich nicht bei Wind und Wetter fahren. Alles nicht die besten Voraussetzungen für ein eigenes Fahrrad, das ich dann auch noch selbst warten muss. Zudem komme ich beim Radfahren auch nicht auf meine Schrittziele und kann nicht nebenbei noch Podcast oder Musik hören. Und so werde ich mir wohl trotz aller Sympathie dem Radfahren an sich gegenüber (auch gesamtgesellschaftlich) so schnell kein neues Fahrrad kaufen, sondern irgendwann nächstes Jahr im Frühling wieder für ein paar Monate eins leasen, das ich dann viel zu selten benutze.

Das Abgeben dauert keine Minute, dann laufe ich schnell zur Tram und fahre zurück nach Hause. Gegen 14 Uhr sitze ich wieder am Schreibtisch. Mittagshunger habe ich noch keinen, ich snacke weiter Obst und schmiere mir dann gegen 15 Uhr Stullen zur Tomate. Weitere Meetings habe ich heute auch nicht, also komme ich in meinem Backend-Projekt weiter und befasse mich zwischendurch nur ab und an mit Ablenkungen durch Chat-Nachrichten und E-Mails (durch die sich anscheinend auch eins der anderen Stressthemen der Woche gelöst hat). Dazu läuft das neueste Live-Album von Bruce Springsteen.

Um 17:30 Uhr beschließe ich einen frühen Feierabend und gehe nochmal nach draußen. Bestärkt durch die Überlegungen vom Mittag hole ich wie geplant mein altes Fahrrad (vor ziemlich genau 20 Jahren zum Studienbeginn in Rostock gekauft (danke Mama!)), zwischenzeitlich total runtergerockt, mit Ersatzteilen verschiedenster Herkunft versehen und sehr sehr verrostet, aus dem Keller, wo es die letzten Jahre (mindestens 4, eher länger) unbeachtet stand und schiebe es auf platten Reifen zum Recycling-Hof. Mehr Platz und Bewegungsfreiheit im Keller, und weniger schlechtes Gewissen auch!

Dann spaziere ich zurück, telefoniere mit dem Liebsten, gebe Pfanddosen ab, versuche mich etwas antriebslos und ohne Erfolg an zwei Geocaches und erreiche mein Schrittziel kurz vor der Ankunft zuhause. Dort koche ich mir aus einer zu vebrauchenden Zucchini eine Art Carbonara (Guanciale und Pecorino have ich noch) mit Penne rigate. Dazu gibt es ein Glas Federweißer. Nach dem Essen kommt der neue Mitbewohner vorbei, besichtigt nochmal sein Zimmer und den Keller und wir besprechen den Einzugstag am Wochenende.

Mitbringsel vom neuen Mitbewohner, aus seiner Region

Kurz nach 9 ist dann für heute Feierabend. Ich telefoniere nochmal kurz mit dem Liebsten und lasse mich dann von drei Folgen „Virgin River“ berieseln, bevor ich heute schon deutlich vor Mitternacht ins Bett komme. Ein guter Tag.

25.09.2023 – Mistiger Montag

Ich gehöre ja normalerweise nicht zu den Montagshassenden, aber dieser hat es doch ganz schön in sich. Eine Stunde vor dem Weckerklingeln wache ich, allerdings gut erholt, auf und lese gemütlich im Internet umher, verabrede mich mit einer Freundin zu einem Konzert nächste Woche und absolviere den Rest der Morgenroutine in aller Ruhe. Dabei entsteht auch das einzige Foto des Tages.

Das Morgentelefonat mit dem Liebsten muss leider ausfallen, weil er schon am frühen Morgen Telefontermine hat und danach eine Schulung gibt, so dass wir erst in der Mittagspause schaffen, zu telefonieren. Als ich mir dann Frühstück machen will, nimmt der Montag an Fahrt auf. Die Haferflocken sind voller Lebensmittelmotten und wandern direkt in den Müll – ich habe wohl ein Projekt für nach Feierabend. Stattdessen will ich mir einen Grießbrei kochen (der Grieß ist in einem Schraubglas), aber beim Einrühren in die kochende Milch finde ich eine Mottenmade darin. Es gibt dann also Zimt-Cereals (frische Tüte, danach mit Clip verschlossen) mit dem Rest Pflaumen und dem letzten Rest Milch.

Danach emsige Arbeit und zwei Meetings am Vormittag – eins mit Berlin (Büro) und eins mit Warschau. In der Mittagspause sind erst einmal die beiden Katzenklos dran mit Durchsieben. Dabei telefoniere ich mit dem Liebsten. Außerdem Geschirrspüler aus und einräumen, erkalteten Grießbrei mit Made drin entsorgen und den Abwasch erledigen. Schließlich mache ich mir den letzten Rest Nudeln mit Datterini-Tomatensauce vom Freitag warm und setze mich wieder an den Schreibtisch.

Der Nachmittag beginnt mit einem Meeting mit Berlin (Büro) und Ostfriesland. Direkt danach gibt es aufwühlende Corona-Nachrichten aus der Familie – nix ist hier vorbei. Ich habe aber gerade gar keine Zeit, mich so richtig in das Thema reinzusteigern, vielleicht ist das auch ganz gut so. Ohmmmmm. Nebenbei türmt sich weitere Arbeit auf der To-Do-Liste und ich fühle mich so langsam gestresst. Als ein Meeting mit Paris kurzfristig ausfällt, telefoniere ich zwischendurch mit dem Liebsten. Er macht jetzt Feierabend, vor mir liegt noch ein ganzer Berg, an dem ich bis zum nächsten Meeting (Madrid, Dublin, Chicago) herumlaboriere. Dieses ist dann mal sehr erfreulich und entspannend, wir reden über Techniken, mit Stress im Alltag klarzukommen.

Direkt im Anschluss dann Teammeeting (Paris, Chicago, Südengland, Nordengland), das statt der angesetzten 45 Minuten 90 Minuten dauert, weil so viel zu besprechen und Arbeit zu verteilen ist. um 18:30 Uhr schreibe ich noch eine letzte Nachricht nach Warschau, dann ist Feierabend. Ich telefoniere ein letztes Mal heute mit dem Liebsten, dann stürze ich mich in das Chaos in der Küche – mir einen alkoholfreien Radler zur Stärkung bewaffnet.

Ich entsorge befallene Lebensmittel, sortiere die Lebensmittel, die der Mitbewohner mitnehmen wird, schonmal aus dem Regal, reinige das Regal gründlich, sortiere meine verbleibenden Lebensmittel wieder hinein, entsorge die alten, vollen, Mottenfallen und stelle neue auf und bringe drei volle Tüten Müll und den Kompost nach unten. Dann ist es kurz vor 20 Uhr und ich mache mir die Reste vom chinesischen Essen von gestern warm. Danach gehe ich kurz vor halb 9 mit vollem Magen einkaufen und komme mit zwei vollen Beuteln wieder. Beim Verräumen der Lebensmittel fallen mir zwei leere Marmeladengläser herunter, die sich in tausenden Scherben auf dem Küchenboden verteilen.

Ich fege die Scherben auf, damit ist dann auch der Restmüll voll, den ich direkt auch noch hinunterbringe. Bei der Gelegenheit wird ein Kaufbeschluss gefasst. Wieder oben setze ich mich auf die Couch und bestelle: Einen neuen Restmülleimer, einen neuen Komposteimer, eine Kollektion Vorratsgläser. Außerdem gab es heute Gehalt und ich bezahle meinen Herbsttrip – durch die paar Tage warten konnte ich das ohne in den Dispo zu rutschen erledigen. Wo ich grad so produktiv bin, melde ich mich auch noch für den AquaFitness-Kurs am Mittwoch an, melde meinem Vermieter den anstehenden Untermieterwechsel und verabrede mich für morgen Abend mit dem neuen Mitbewohner zu organisatorischen Gesprächen.

Dann ist sowas von Feierabend. Ich lasse mich von zu vielen Folgen „Virgin River“ berieseln – wer kann denn auch ahnen, dass da plötzlich etwas Spannendes passiert? – und liege dann erst halb 1 im Bett.