14.10.2023 – Wasserstadt und Familienzeit

Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig die Züge beim im Bahnhof Schlafen stören. Ganz am Anfang und ganz am Ende der Nacht lässt jeweils ein vorbeisausender Güterzug das ganze Haus wackeln – da bin ich aber jeweils nichtmal im Halbschlaf, ein-zwei Mal höre ich im Halbschlaf einen RegionalExpress halten oder einen weniger laufen Güterzug vorbeifahren, ansonsten schlafe ich wie ein Stein locker über sieben Stunden durch und bleibe dann noch eine ganze Weile lesend und bloggend im Bett liegen, bis die neben mir schlafende Cousine aufwacht und dann noch eine weitere Weile, bis ich mich gegen halb 10 aufraffe, um in der Küche zum Rest der Bande zu stoßen.

Die Kinder hatten bereits Müsli, für den Rest werden gerade Pancakes gemacht. Wir decken außerdem einen „traditionellen“ Frühstückstisch, also mit Brötchen, selbst gemachter Marmelade, Käse, Räucherlachs, selbst gemachten Heringssalat, Avocado, veganen, vegetarischen und tierischen Wurstvarianten, Äpfeln und Tomaten aus dem Garten einer Tante… Nach dem Essen werden 9 Personen nacheinander durch zwei Klos und eine Dusche geschleust und machen sich bereit für einen Ausflug ins Draußen. Bis alle soweit sind, sitzen die anderen draußen auf der Terrasse in der Sonne (jetzt am Morgen auf der Parkplatzseite, nicht auf dem Bahnsteig.

Es folgt ein Stadtrundgang durch die Wasserstadt, die eine Mischung aus typischer Brandenburgischer Kleinstadt, Gewässeridylle und hipsterigen Einflüssen aus dem nahen Berlin bietet. Und halt die beiden niedlichen Kiddies, die wir dabei haben.

Vollbehangener Quittenbaum in einem Garten
Bootsanleger am Hafen
Voller Apfelbaum über einem der vielen Havelarme

Wir spazieren erst an einen See, an dem man aber nicht viel machen kann, dann an einen anderen, an dessen Ufer es einen Hafen, Grünanlagen und einen Spielplatz gibt. Der Fischbrötchenstand hat für die Saison bereits geschlossen. Wir gucken aufs Wasser, erzählen, planen das Abendessen vor und die Kinder (kleine sowie Ü30 und Ü40) vergnügen sich auf dem Spielplatz und mit den vielen herumliegenden Kastanien. Dann heißt es aus vielen Kehlen übereinstimmend „Eis gibts!“ und wir kehren in ein Kaffee mit überraschend toller Auswahl ein – neben Kuchen und Eis gibt es auch Marmeladen, Honig, Eier etc. zu kaufen. Wir bleiben beim Eis – teils mit kompletten Eisbechern, teils mit zusammengestellten Kugeln und Toppings, teils mit Softeis oder Eiskaffee. Für mich gibt es den Blaubeereisbecher mit Nuss- und Bienensticheis.

Das große Kind nimmt Schlumpf- und Karamell-Spaghettieis mit Erdbeersauce und Smarties

Inzwischen ist die Sonne weg und als wir auf dem Heimweg zum Bahnhof sind, beginnt es zu regnen. Wieder zuhause legen sich die meisten erstmal kurz hin, das kleine Kind schläft auch, ebenso mein Bruder und ich fast auch. Als wir uns wieder in der Küche sammeln, ist es Zeit für Kaffee, Tee und Spiele. Ich beteilige mich an zwei Runden Skip-Bo. Kurz nach 16 Uhr hält draußen der Zug der Freundin meines Cousins, die gerade auf dem Weg von Rostock nach Berlin ist, wo sie in meiner Wohnung übernachten wird. Er übergibt ihr eine Packung Chips und wir winken alle vom gegenüberliegenden Bahnsteig.

Danach fahren meine Cousins mit dem Auto nochmal einkaufen – Zutaten für Abendessen und weitere Getränke für den Abend. Als Aperitif gibt es Martini fresco auf Eis, mit Tonic aufgegossen und dazu für mich eine Mini-Salami und Pistazien. Mein Bruder und ich schicken unserer Cousine von der anderen Seite der Familie, die heute Geburtstag hat, ein Gratulationsselfie, auf dem wir mit Cola und Limo auf sie anstoßen. Das Abendessen selbst ist dann ein vegetarisches Chili mit Reis, dazu gibt es Primitivo.

Nach dem Essen wird das kleine Kind ins Bett gebracht. Für die Erwachsenen gibt es Getränke nach Wahl, u. A. Gin-Tonic mit Limette. Das große Kind wünscht sich auch einen Cocktail und bekommt einen auf Kirschsaft-Basis mit Zitrussirup, Selters und Zitronenscheibe – ist das nicht fast ein Shirley Temple oder sowas? Wir spielen Vertellis, halten uns aber nicht sklavisch an die Regeln, sondern nutzen die Fragen vor allem als Anregung für Gespräche über die Geschehnisse des letzten Jahres – beruflich, gesundheitlich, amourös, wohnungstechnisch… Irgendwann wird auch das große Kind ins Bett gebracht, irgendwann geben wir die Fragekarten auf und erzählen einfach nur noch so. Dann gehen in ähnlicher Folge wie gestern und dem unterschiedlichen Schlafrhythmus entsprechend wieder nach und nach alle ins Bett – meine Bettnachbarin und ich sind am Ende die letzten, stellen noch die Spülmaschine an und machen gegen 1 das Licht aus.

13.10.2023 – Urlaubstag und Bahnhofsleben

Ich hatte mir für heute frei genommen, um sanft vom Untersuchungstisch ins Wochenende gleiten zu können. Trotzdem beginnt der Tag um 6:30, als der Wecker des Liebsten klingelt. Ich stehe auf und koche ihm Kaffee, dann lege ich mich wieder dazu. Irgendwann muss er dann los nach Südberlin und ich bleibe einfach liegen, lese im Internet, blogge, kümmere mich um Babbel und Duolingo, gucke mir die Zusammenfassung von Shahak Shapiras Stand-up-Auftritt nach Kriegsbeginn in Israel an, spiele Handyspiele… Irgendwann gegen 10 stehe ich dann auf.

Ich versorge die Katzen, gieße die Pflanzen und sitze mit Joghurt, Müsli und Pflaumenkompott beim Frühstück, als der Mitbewohner (der nMBW, Ihr wisst schon) aufsteht. Nachdem der im Bad war, lege ich mich gemütlich in die Badewanne. Als das durch ist, bereite ich mein Zimmer für Übernachtungsbesuch vor, packe meinen Rucksack fürs Wochenende, bringe Biomüll weg und koche mir dann zum Mittag Tortellini tricolore in brodo vegetale (der Mitbewohner hat noch Reste seiner Pasta mit Broccoli und Anchovis von gestern).

Später schaue ich kurz beim Lieblingsnachbarn vorbei und hole seinen Ersatzschlüssel für meine Wohnung, den der Übernachtungsbesuch morgen brauchen wird. Dann sitze ich noch eine Weile auf der Couch und beobachte, wie Noosa sich immer näher an den Mitbewohner herantraut. Als er im Bad ist, schleicht sie in sein Zimmer, von ihm unbemerkt. Er geht dann rein und schließt die Tür. Eingesperrt sein hasst sie noch mehr als fremde Menschen, also setzt sie sich an die Tür und miaut und wird dann wieder ins Wohnzimmer und zu mir gelassen, wo sie ihren emotionalen Akku auflädt.

Gegen halb 4 ist es dann Zeit aufzubrechen. Ich fahre mit der S-Bahn zum Bahnhof und steige in einen RegionalExpress, in dem schon eine meiner Cousinen sitzt. Wir fahren ein knappes Stündchen und sind dann am Ort des diesjährigen CCT (Cousins- und Cousinentreffens). Und zwar buchstäblich, unsere Unterkunft ist das Bahnhofsgebäude. Wir holen den Schlüssel aus dem Keylocker, besichtigen die Unterkunft und verteilen die Zimmer nach unserem Gutdünken, bevor der Rest eintrudelt.

Dann setzen wir uns auf unsere Terrasse – einen abgeteilten Teil des Bahnsteigs mit Tisch und Sitzgelegenheit, hören Italopop und warten auf den nächsten Zug, mit dem die nächste Cousine samt ihren beiden Kindern eintrifft. Wir fangen direkt an, für die beiden kleinen Abendbrot zu machen (Nudeln mit Pesto) und schenken uns ein Glas Wein ein. Nebenbei schreiben wir mit zwei Cousins, die mit dem Auto anreisen und für uns einkaufen sind und meinem Bruder, der im nächsten Zug sitzt. Die drei kommen fast zeitgleich an, außerdem eine Nachbarskatze, die es sich in der Küche gemütlich macht.

Jetzt ist auf jeden Fall genug Trubel. Es wird gekocht, Salat geschnippelt, auf dem Tablet Kinderkram geguckt, Laufrad gefahren, erzählt und zwischendurch immer wieder auf dem Bahnsteig gesessen und den Fahrgästen Fragezeichen ins Gesicht gezaubert.

Zu Essen gibt es Nudeln mit einer gemüsereichen Tomatensauce, Käse und vegetarischen Würstchen, dazu Salat. Dann wird das kleine Kind ins Bett gebracht und wir anderen sitzen draußen auf dem Bahnsteig (bei immer noch rund 20 Grad), erzählen, spielen „LAMA“ und „Vier gewinnt“ und warten auf die letzte eintreffende Cousine. Als sie ankommt, kann auch das große Kind bald ins Bett gehen. Irgendwann steht plötzlich eine wichtige Persönlichkeit der Zeitgeschichte vor unserem Tisch, die schonmal von Daniel Brühl im Kino gespielt wurde und neben dem Bahnhof wohnt. Er fragt, ob wir seine Katze gesehen hätten. Die ist zu dem Zeitpunkt allerdings schon länger wieder weg, trotzdem ist er beruhigt, dass sie wohl nicht entführt wurde.

Wir sitzen dann weiter draußen, bis nach und nach eine*r nach dem/der anderen im Bett verschwindet, die letzten streichen halb 1 die Segel, darunter auch ich.

12.10.2023 – Tag X

Der Wecker klingelt um 4:45 und ich rühre mir die nächste Portion für Runde 2 an, heute Fruchtpunsch statt Mango und es schmeckt noch schlimmer. Aus Sorge, dass die Katzen mir im Bett die Becher umwerfen, sitze ich dann 40 Minuten lang am Küchentisch und trinke in kleinen Schlucken abwechselnd beide Becher leer, dazu TikTok über Kopfhörer, um den Mitbewohner nicht zu wecken. Um 5:40 gehe ich aufs Klo und das Timing passt wieder perfekt. Heute morgen geht das alles bisschen schneller, ist ja nicht mehr wirklich was dazugekommen. Ich verbringe mehr Zeit lesend im Bett und gehe nur ab und zu aufs Klo.

Dann warte ich noch kurz, bis das Teilzeitkind normalerweise das Haus verlässt und telefoniere kurz mit dem Liebsten. Wir gratulieren uns zum Vierjährigen und besprechen den Plan für später. Nach dem Auflegen drehe ich mich nochmal auf die Seite und schlafe noch gute zwei Stunden. Später trödele ich im Bett rum, bestelle mir von Online-Werbung getriggert einen kulinarischen Adventskalender, schreibe mit einer Freundin, blogge, mache Italienischübungen… Kurz vor 12 stehe ich auf, dusche und mache mich bereit.

Handtuch zum Zudecken im Aufwachraum, Snacks und Wasser für hinterher

Ich beschließe, für ein wenig Bewegung den Weg in die Praxis zu laufen und bin eine gute halbe Stunde unterwegs. Dabei höre ich einen Italienisch-Podcast, in dem es natürlich auch wieder um Essen geht. Letzter Check-in mit dem Liebsten, dann Warten im Wartezimmer, dann Umziehen (Spezialhose mit hinten offen), hinlegen, Zugang legen, Blutdruckmanschette anlegen, warten. Kurz vor halb 2 habe ich den bereits bekannten Propofol-Geruch in der Nase, es wird kalt und ich bin weg. Ich träume irgendetwas (vergessen), dann werde ich schon wieder geweckt, bekomme meinen Schlüppi angezogen und werde hinüber in den Aufwachraum geführt, wo ich mich nochmal hinlege. Ich mache nochmal für zwei Minuten oder so die Augen zu, dann bin ich aber hellwach.

Ich angle mir mein Handy, sehe dass die Untersuchung nicht lange gedauert hat (es ist erst 2), also auch wohl nichts Außergewöhnliches entdeckt worden ist, schreibe dem Liebsten, meiner Familie und der Mastodon-Timeline, dass es vollbracht ist und muss dann noch eine ganze Weile warten und im Handy herumlesen, bis ich aufstehen und mich zum Liebsten ins Wartezimmer setzen darf.

Da hocken wir dann vielleicht nochmal zehn Minuten, bis ich zum Abschlussgespräch zur Ärztin kann. Wie erwartet wurde nichts gefunden, weswegen ich die beruhigende aber unzufriedenstellende Diagnose Reizdarm bekomme – Reizdarm und Histamintoleranz also. Beim Essen aufpassen und evtl. spezielles Beckenbodentraining, mehr kann man da nicht machen. Evtl. noch FODMAP-Diät, um herauszufinden, was geht oder was nicht. Hmm. Bin unmotiviert. Und sie meint noch, dass das mit dem Histamin ja auch schwankend und unvorhersehbar sein kann. Vielleicht lebe ich dann jetzt einfach damit, dass es mir ab und an echt nicht gut geht? Wir nehmen uns ein Taxi – der Liebste sagt, so wie ich aussehe, lässt er mich nicht Bahn fahren – und dann geht es auf die Couch. Erst jetzt esse ich einen Muffin und der Liebste macht mir Porridge. Essen ist schonmal super!

Dann heißt es für mich faulenzen, für den Liebsten arbeiten. Anlässlich des Vierjährigen wollten wir ja eigentlich lecker Essen bestellen, aber ich soll meinen Darm erst langsam wieder hochpäppeln, also geht der Liebste nochmal kurz einkaufen und dann gibt es halt Stulle zum Abendbrot. Feiern tun wir wann anders. Während des Essens und danach gucken wir einige Folgen „Young Sheldon“ und beobachten Noosa, die sich nach und nach immer näher an das Zimmer des Mitbewohners traut und vielleicht irgendwann in den nächsten Tagen auch mal rein gehen bzw. seine Nähe tolerieren wird. Kurz nach 22 Uhr sind wir beide total müde und machen uns bettfertig.

11.10.2023 – WG-Leben und Vorbereitungen

Heute bin ich krankgemeldet und habe konkrete Anweisungen meiner Ärztin, was ich zu tun habe:

  • Vor 10 Uhr frühstücken, und zwar weiterhin ballaststoffarm
  • Bis 17 Uhr mindestens 3 l trinken
  • Zwischen 17 und 18 Uhr einen halben Liter einer dickflüssigen Schmiere mit angeblich Mango-Aroma sowie einen weiteren halben Liter Wasser o.ä. trinken und mich ab dann nur noch in der Nähe einer Toilette aufhalten.

Ich schlafe also so gut ich kann aus – so gut ich kann heißt in dem Fall, dass ich ab halb 4 erstmal mehrere Stunden wach bin und mich dann mit Pausen nochmal bis gegen 8 kämpfe. Dann telefoniere ich mit dem Liebsten, während der neue Mitbewohner (nMBW?) sich leise seinen Morgenkaffee macht und dann in seine alte Wohnung fährt, um dort die Übergabe zu machen.

Gegen 9 stehe ich auf, dusche und ziehe mich an, versorge die Katzen und koche mir einen halben Liter Grießbrei, den ich mit einem Stich Butter, Zimt und Pflaumenkompott verspeise. Dazu gibt es die erste Kanne (1,7 l) ZiZiZi-Tee, die ich gegen Mittag auch schon leer haben werde.

Der Brei schmeckt und sättigt mich für etwa 6 Stunden, ab da habe ich immer mal wieder Anflüge von Appetit oder gar Hunger, aber das viele Trinken hilft. Nach dem Frühstück kümmere ich mich noch um Häuslichkeiten – Geschirrspüler ausräumen, Wäsche abnehmen… Der nMBW kommt nach Hause und ich zeige ihm, wie das mit den Katzenklos funktioniert. Dann bringen wir gemeinsam den Müll herunter und ich zeige ihm, welchen Schlüssel er für den Müllplatz braucht und wo der ist. Beim Wiederhochgehen freuen wir uns, dass sein Name schon überall steht und bringen dann am Briefkasten nochmal einen Zettel mit dem Namen des aMBW an, der hier noch auf Post wartet.

Als nächstes beziehe ich mein Bett neu und sauge die Wohnung durch, da der Liebste morgen herkommt und möglichst wenig Katzenhaare in der Nähe braucht. Währenddessen richtet der nMBW weiter sein Zimmer ein. Gemeinsam räumen wir dann seine Lebensmittel und weitere Küchengegenstände in der Küche ein, u. a. jede Menge Pasta und Kaffee. Mein Tee ist inzwischen alle und ich fülle die Kanne neu mit Almdudlersirup und Wasser. Dann lege ich mich auf die Couch, trinke, spiele auf dem Handy, lese und fülle die Vermieterbescheinigung fürs Bürgeramt aus – der Termin für die Anmeldung des nMBWs ist natürlich erst irgendwann im November und auch nicht hier im Pberg, aba dit is eben Berlin.

Kurz vor 17 Uhr telefoniere ich nochmal mit dem Liebsten – es geht um (Reise-)Planungen für die nächsten Wochen. Dann rühre ich mir meinen Mangodrink an und ergebe mich meinem Schicksal.

Teufel links, Engel rechts – morgen Früh dann andersherum

Weil ich mich vorher im Internet belesen habe, trinke ich die Becher innerhalb von 40 Minuten aus, nicht einer Stunde, und das erweist sich auch als sehr richtig. Ab 17:40 verbringe ich etwa eine Stunde auf dem Klo und danach noch einige Male mehr. In den Pausen liege ich mit Wärmflasche und Katzen auf dem Bett und die ganze Zeit über schaue ich auf dem Handy Sachen zum Ablenken – erst TikTok, dann die letzten beiden Folgen „Sex Education“. Damit bin ich dann gegen 21 Uhr durch. Ich telefoniere nochmal mit dem Liebsten, halte einen kurzen Schwatz mit dem nMBW, gehe ein letztes Mal aufs Klo und mache mich dann bettfertig, denn morgen früh klingelt der Wecker Dreiviertel 5 für Runde 2.

10.10.2023 – Dienstagsfreitag

Aus Gründen ist heute für mich schon wieder der letzte Arbeitstag der Woche. Ich mache mir ein ballaststoffarmes Frühstück (Milchbrötchen mit Pflaumenmarmelade, geschälte Birne, Tee) und setze mich an den Schreibtisch. Aufgrund der kurzen Arbeitswoche gibt es einiges vorzubereiten oder an Kolleg*innen zu übergeben. Zwischendrin kommt der neue Mitbewohner vorbei und bringt weitere Dinge mit. Ab 11 Uhr dann ein langes Meeting mit Berlin und Ostfriesland, das mich inklusive Nachbereitung bis zur Mittagspause trägt.

Im Rest des Blumenkohlwassers von gestern (plus etwas gekörnte Brühe) koche ich eine Möhre und Fadennudeln, dazu gebe ich den Rest Blumenkohl itself, und oben drauf etwas frisch geriebenen Pecorino, ein paar Tropfen vom Olivenöl des Mitbewohners und etwas frisch gemahlenen Pfeffer. Das geht als ballaststoffarmes, resteverwertendes Mittagessen gut durch. Beim Essen telefoniere ich mit einem Kollegen für weitere Absprachen.

Um 14 Uhr geht es weiter mit einem externen Videocall, in dem ich für meinen virtuellen Hintergrund gelobt werde und wir uns zu einem möglicherweise bald stattfindenden Event austauschen. Wir überziehen ein wenig, aber das ist bei dem Thema OK. Nach dem Call kommt der neue Mitbewohner wieder, mit einem Freund und noch mehr Zeugs. Er kündigt an, heute Abend dann endgültig herzukommen und auch erstmals hier zu übernachten, yay!

Dann weiteres Abarbeiten bis zum nächsten Meeting um 15:30 mit Paris, Chicago, Nordengland und jemand Externen – da weiß man ja immer nicht genau, wo sie sind. Trotz isländischen Nachnamens kam die Person jedenfalls ursprünglich aus Schweden. Den Rest des Arbeitstages verbringe ich mit dem Layouten zweier Artikel fürs Intranet, dem Schreiben meines Wochenberichts und dem Einstellen von Out-of-Office-Remindern in zwei Systemen. Um 18:00 klappe ich den Laptop zu, telefoniere kurz mit dem Liebsten und laufe dann los zum Yoga.

Die Stunde ist gut, auch wenn mir vorher schon alles weh tut und dabei dann natürlich erst recht. Heute ist so ein Tag. Auf dem Heimweg telefoniere ich zum fünften und letzten Mal heute mit dem Liebsten und sage auch dem Teilzeitkind „Gute Nacht“ das heute nach eigener Aussage ein bisschen „nichtgutschlafig“ ist. Zuhause angekommen erwartet mich schon der neue Mitbewohner und wir unterhalten uns ein wenig, während ich mir Stullen und Burrata zum Abendbrot mache.

Für das richtige Einweisungsgespräch („So geht der Geschirrspüler, so die Waschmaschine, da kommt dieser Müll hin, da der andere, das mit dem Katzenklo funktioniert so, komm ich zeig Dir, wie Du zu den Mülltonnen kommst, so funktioniert die Heizungssteuerung“ usw.) sind wir heute Abend beide zu müde, das vertagen wir auf morgen. Das Gespräch über welcher Espresso in welcher Dose ist und wie der selbstgemachte Sugo von seiner Mamma regelmäßig den Weg nach Berlin findet, das ist viel wichtiger.

Gegen halb 11 streiche ich müde die Segel und lege mich hin, gucke dann aber noch bis gegen Mitternacht TikTok. Morgen ist ja auch noch ein – der erste – WG-Tag und halbwegs ausschlafen kann ich auch!

09.10.2023 – Montagsdonnerstag

Der heutige Montag ist für mich aus Gründen gleichzeitig ein Donnerstag und mit dieser Aussicht – und einem kurzfristig abgesagten Vormittagsmeeting – kommt man doch morgens erstaunlich schwungvoll aus dem Bett. Zum Frühstück gibt es Joghurt mit den restlichen Aprikosen (ab heute gibt es aus Gründen drei Tage lang ballaststoffarm) und Kräutertee (Zitronenmelisse, Zitronengras und Zitronenverbene, ZiZiZi-Tee?). Statt des Meetings beschäftige ich mich mit verschiedenen anderen Arbeitsdingen, die eben anstehen. Und Nimbin.

In der Mittagspause gehe ich schnell ein paar ballaststoffarme Lebensmittel einkaufen, dann mache ich mir Stullen (Mischbrot!) und setze mich zum Essen auf die Couch. Ab 14:00 ist dann Meetingzeit – erst mit Berlin und Ostfriesland, dann mit Paris, dann mit Madrid und Chicago und dann mit Paris, Chicago und Nordengland. Dazwischen bastle ich an einer Präsentation herum und helfe einem Kollegen mit einem technischen Problem. Um 18:00 klappe ich den Laptop zu und telefoniere zum dritten und letzten Mal heute mit dem Liebsten, während ich mir mein Abendessen zubereite.

Das erfordert ganz schön viel Multitasking und es geht nebenbei auch einiges schief – das wäre auch ohne das Telefonieren über den Nahostkonflikt nebenbei so gewesen. Aber am Ende sind alle Komponenten fertig und es schmeckt gut, auch wenn es nicht so aussieht. Für den Krieg in Israel hingegen haben wir keine Lösung, aber immerhin eine kompatible Meinung, das ist ja auch schon viel wert in diesen Zeiten.

Kabeljaufilets mit Kartoffelbrei, Blumenkohl und Kräuter-Mehlschwitze – oder so ähnlich

Nach dem Essen beseitige ich das vom Kochen verursachte Chaos in der Küche, dann lese ich das „Jewish Flavours of Italy“-Kochbuch zu Ende und habe sogar noch eine Idee für eine ballaststoffarme Mahlzeit morgen daraus mitgenommen. Dann gibt es noch eine Folge „Sex Education“, bevor es Zeit ist, ins Bett zu gehen. Kurz nach 23 Uhr ist dann auch schon das Licht aus.

08.10.2023 – Gemischter Sonntag und georgisches Essen

Jetzt wollte ich fast 2033 schreiben, wohl eine Nachwirkung der Wahlergebnisse von gestern Abend? So langsam fürchte ich, meine Mastodon-Timeline hat Recht und der Siegeszug der Faschist*innen ist kaum noch aufzuhalten. In dem Zuge übrigens schön, und letzten Sonntag nicht verbloggt, dass sich in der Lausitz ein paar Demokrat*innen aufgemacht hatten, die B96 zu begradigen, aka den dort regelmäßig demonstrierenden Querdenker*innen und Reichsbürger*innen etwas entgegenzusetzen. Jetzt wird man sich vielleicht auch endlich fragen, was die Menschen in Bayern und Hessen denn gegen ihre ortsansässigen Nazis zu tun gedenken. Aber ich schweife ab.

Der Sonntag ist erstaunlich sonnig und damit auf dem Balkon auch direkt sehr warm – vor allem dafür, dass ich mich innerlich für dieses Jahr schon vom zweiten Wohnzimmer verabschiedet hatte. nach ausführlichem Herumliegen im Bett, entspanntem Frühstück (auf der Couch, ich traue der Balkonwärme irgendwie noch nicht über den Weg) und dem Durchblättern der sich in den letzten Monaten angesammelten Katapult-Ausgaben bekomme ich noch einen Anflug von der Produktivität des letzten Wochenendes.

Ich siebe die Katzenklos durch und widme mich dann dem Putzschrank, der über die letzten Monate (Jahre?) in schlimmes Chaos verfallen ist. Alles muss erstmal raus, dann wird gesaugt, dann sortiert und weggeworfen und schließlich wieder eingeräumt. Jetzt geht die Tür auch wieder richtig zu und ich finde, was ich brauche mit einem Griff. Wieder etwas von der To-Do-Liste gestrichen. Ich bringe den entstandenen Müll herunter, bringe die Post von gestern mit hoch und werfe eine Waschmaschine an, das reicht für heute. Jetzt setze ich mich wirklich auf den Balkon und lese in der neuen Katapult-Ausgabe, die ich eben aus dem Briefkasten gefischt habe. Darin auch über die Möglichkeit, jetzt auf ein E-Abo zu wechseln, die ich direkt wahrnehme – unabhängigen Lokaljournalismus weiter unterstützen, aber weniger Müll generieren und entsorgen müssen, yay!

Als die Sonne um die Hausecke ist, wird es merklich kühler und ich wechsele nach drinnen auf die Couch. Dort lese ich weiter in „Jewish Flavours of Italy: A Family Cookbook“, was angesichts der Situation in Israel jetzt nochmal ganz anders wirkt. Dazu nasche ich ein paar Nüsse und Trockenobst. Kurz nach 15 Uhr hänge ich dann die Wäsche auf und mache mich auf den Weg nach Friedrichshain, um meinen Bruder und seine Freundin, die heute morgen aus Kanada zurückgekommen sind, in ihrer neuen Wohnung zu treffen, für die sie vor dem Urlaub die Schlüssel bekommen haben. Nach mühsamem Aufstieg in den fünften Stock Altbau (kein Fahrstuhl) gibt es Sekt mit und ohne Rhabarberlimo, Börek, Wohnungsbesichtigung und Gespräche mit der ebenfalls anwesenden Familie der Bruderfreundin (Schwester, Schwager, Nichte, Neffe).

Wir überlegen, wie und wann diese Wohnung am besten einzurichten ist und dabei wird mal wieder der Wahnsinn des Berliner Mietmarkts deutlich. Da mein Bruder zum Ende des Jahres aus seiner Wohnung rausmuss, waren die beiden seit Monaten auf Wohnungssuche und mussten dann bei der ersten sich bietenden Gelegenheit auch zuschlagen und die neue Wohnung quasi ab sofort, direkt vor dem Jahresurlaub, nehmen und jetzt zahlen sie doppelt Miete für eine sehr große und sehr teure Wohnung, die noch ein Weilchen leer stehen muss, bis die Umzüge aus zwei Wohnungen zwischen allerlei anderen Terminen organisiert sind und mangels Küche nichtmal zwischengenutzt werden könnte. Aber, sie haben eine Wohnung und können wenn der Stress irgendwann vorbei ist, endlich durchatmen.

Die Schwesternfamilie verabschiedet sich irgendwann und dann fahren wir zu dritt zurück in den Prenzlauer Berg und gehen zum Urlaubsausstand der beiden noch Georgisch essen. Es gibt Chatschapuri mit Steinpilzen, Dillkartoffeln und Käse, Badrijani, Hähncheneintopf und gegrillte Aubergine mit Falafel, Hummus, Walnuss-Koriander-Dip und scharfen Pflaumen, dazu für mich Estragon-Limonade, wobei irgendwas davon wieder hart mein Histaminlevel nach oben kickt.

Als wir fertig sind, ist es kurz vor 20 Uhr und ich laufe müde und frierend nach Hause, wo ich den Abend auf der Couch ausklingen lasse – Histamin veratmend bzw. mit Wasser bekämpfend. Gegen 22 Uhr geht es nochmal in die Badewanne und kurz nach 23 Uhr mache ich das Licht aus.

07.10.2023 – Der Rückzug ins Drinnen

Der Tag beginnt früher als er müsste am Wochenende, aber dann sehr gemütlich mit langer Bettliegezeit und Katzenkuschelei. Der Liebste ruft nochmal an, bevor er zu seinem Reisemarathon aufbricht (Berlin-Franken-Tiefer Westen-Berlin in weniger als 36 Stunden), dann lese ich erst auf Mastodon und danach überall vom Krieg in Israel. Ich schicke meinen Freundinnen dort Nachrichten und sorge mich. Ich sehe auf der Seite eines großen Nachrichtenportals untereinander Nachrichten vom Krieg in Israel, vom Krieg in der Ukraine und Angst vor einem Krieg in Balkan. Derweil bombardiert die Türkei kurdische Gebiete. Es ist alles voller Schrecken, je genauer man hinguckt.

Ich versuche, heute möglichst wenig hinzugucken. Stattdessen mache ich mir Frühstück-im-Bett mit Milchbrötchen, Pflaumenmarmelade, Mandelcreme und Apfel. Den Herbst umarmen. Dann stehe ich irgendwann sogar auf – gegen Mittag glaube ich – ziehe mich an und stelle die Waschmaschine an. Heute bleiben die über Nacht offenen Balkontüren auch tagsüber wieder offen, ich friere weniger als gestern. Ich ziehe mich sogar noch mehr an und gehe ins Draußen, beim Bruder die letzten beiden Stühle von der Party neulich abholen, damit er sich darum nicht mehr kümmern muss, wenn er morgen aus dem Urlaub zurückkehrt und dann direkt in die Umzugsvorbereitungen startet.

Dabei höre ich weiter „Alles gesagt“ mit Christine Westermann. Als ich vor dem Haus des Bruders stehe, merke ich, dass ich aus Versehen den Schlüssel des Lieblingsnachbars eingesteckt habe, nicht den des Bruders. Also gehe ich nochmal zurück, schreibe dem Liebsten den Sachverhalt und dabei fällt mir ein, dass ich den Schlüssel des Bruders ja letztens mit Absicht einfach in der Tasche behalten habe. Ich drehe also wieder um und hole dann doch die Stühle.

Wieder zuhause lege ich mich auf die Couch und werfe meine Sprach-Apps an. Es gibt neuen Italienisch-Content auf Duolingo, jetzt kann ich meinen Streak also wieder sinnvoll aufrecht erhalten – in den letzten Wochen hatte ich mangels Lust erst mit Tschechisch aufgehört und dann auch bei Niederländisch eine gewisse Reaktanz gefühlt, weil ich das ja wirklich für nichts ernsthaft brauche. Jetzt also wieder Italienisch. Alle Sprachlernkräfte auf eine Sprache fokussieren. Irgendwann bekomme ich Hunger und mache mir Stullen, dazu nehme ich mir wieder „Catch-22“ vor. Die Katzen liegen auf mir und Schränken meine Bewegungsfreiheit ein. Ich halte erstmal ein Schläfchen.

Dann lese ich das Buch endlich, endlich aus. Abgehakt, erledigt! Schön war‘s schon, aber halt schwer zu packen. Es ist dann nach 7 und ich mache mir zum Abendbrot die Reste von gestern warm. Dazu wider besseren Wissens noch ein Glas Rotwein – die Flasche muss ja irgendwie auch leer werden – und danach wieder histaminbedingte Schwere.

Ich könnte eigentlich direkt ein anderes Buch lesen, habe aber irgendwie auch Lust auf einen Film. Zum ersten Mal seit langer Zeit stehe ich vor dem DVD-Regal und stelle fest, dass da eine ganze Menge Filme stehen, die ich nur einmal gesehen und schon wieder ziemlich vergessen habe. Würde gerne heute ein-zwei davon sehen und dann in der ganzen dunklen Jahreszeit weitermachen. Ich wähle dann einen aus („La grande séduction“) und lege los, aber nach etwa einer halben Stunde ruckelt der Film nicht nur, sondern stockt irgendwann ganz. Ich probiere eine Weile mit Vor- und Zurückspulen herum und bin dann nicht sicher, ob es an dem „neulich“ noch neu gekauften DVD-Player liegt (der alte war mechanisch defekt) oder ob die DVD selbst nach etwa 20 Jahren hinüber ist.

Ich bin enttäuscht und habe keine Lust, das Gleiche heute Abend mit einem anderen Film nochmal zu erleben. Also wechsle ich zu Netflix und schaue drei Folgen „Sex Education“, das immerhin funktioniert. Nebenbei schaue ich nach den Freundinnen in Israel, die regelmäßige auf Instagram posten. Gut.

Gegen Mitternacht ist wieder Schlafenszeit.

06.10.2023 – Plötzlich Herbst

Ich wache drei Minuten vor dem Weckerklingeln auf und wurde nachts auch nur ein einziges Mal von Nimbin geweckt, so kann das gerne bleiben. Heute muss ich auch erst kurz vor 9 aufstehen, mein erstes Meeting beginnt viertel 10 – allerdings gleich mit einer großen Gruppe und natürlich wie fast immer mit Kamera an. Präsentabilität muss also doch noch hergestellt werden, aber das kriege ich hin.

Zum Meeting kommen heute Menschen aus Berlin, Ostfriesland und Valencia und natürlich sprechen wir da auch direkt übers Wetter. Meine Balkontüren stehen ja seit Mitte März offen, aber mich beschleicht das Gefühl, dass sich das bald ändern muss. Erstmal ziehe ich mir aber noch Socken und einen Hoodie an und hoffe, dass das reicht. Ich löffle mein Müsli und träume weiter davon, vielleicht im Frühling dann mal unser Büro in Valencia zu besuchen.

Es folgen Meetings mit Warschau und Dublin – um diese Jahreszeit keine verführerischen Alternativen – und dann ist auch schon Mittagspause. Ich bringe den Müll herunter und gehe ein paar Dinge einkaufen. Neue Zahnpflege-Snacks für die Katzen und für mich Brot, Milch und Obst. Das Obstsortiment ist jetzt auch ordentlich herbstlich. Ich nehme mir Birnen, letzte Feigen, erste Sharons und einen Granatapfel mit – und muss dem Kassierer bei mehreren davon erklären, was das ist. Außerdem wandert außer der Reihe eine Zeitschrift aufs Kassenband, denn da ist ein Bericht über die Freundin drin, mit der ich letzten Samstag essen war.

Wieder zuhause gibt es Stullen zum Mittagessen am Schreibtisch und ich arbeite Dinge ab. Die beiden Nachmittagsmeetings werden dankenswerterweise abgesagt. Stattdessen aktualisiere ich unser Intranet, erstelle eine Dokumentenvorlage, bespreche mich mit Kolleg*innen zu aktuellen Entwicklungen, übe mich in der Nutzung von ChatGPT (Wer soll denn bitte im Oktober überzeugend einen weihnachtlichen Text schreiben, ich oder vielleicht doch die KI?), helfe einem Kollegen mit einem Backend-Problem und schreibe meinen Wochenbericht, der trotz der kurzen Woche ähnlich lang wird, wie sonst auch.

Um 17 Uhr lege ich mich mit der Zeitschrift auf die Couch – und mache davor die Balkontüren zu, Sommer offiziell beendet -, um 18 Uhr schalte ich das Diensthandy auf lautlos. Als der Liebste vom Sport kommt, telefonieren wir ein drittes Mal heute (nach morgens vor meinem Arbeitsbeginn und nachmittags nach seinem Arbeitsende). Gegen 19 Uhr fange ich an zu kochen – es gibt Kürbis, Kartoffeln und Birnen aus dem Ofen, mit Knoblauch, Rosmarin und Gorgonzola. Kurz bevor alles im Ofen ist, kommt der neue Mitbewohner (ab nächster Woche schreibe ich nur noch Mitbewohner, denke ich) und richtet weiter sein Zimmer ein. Dann essen wir gemeinsam und machen die Flasche Montepulciano d‘Abbruzzo auf, die er neulich mitgebracht hat.

Noosa traut sich während wir essen erstmals in die Nähe des Neulings und liegt am Ende neben mir. Meine Prognose ist, dass sie morgen neben ihm liegen wird, Sonntag auf ihm und Montag in seinem Bett, aber wir werden sehen. Nimbin hingegen hat den Neuen schon adoptiert und liegt gemütlich auf der Sofalehne.

Wir unterhalten uns über italienisches Fernsehen, italienische und deutsche Politik, zwischenmenschliche Beziehungen in Berlin und die Italo-Disco-Playlist, die der Mitbewohner für den Geburtstag einer Freundin morgen Abend zusammenstellt – und hören natürlich auch direkt rein. Zum Nachtisch gibt es aufgetaute Pistazien-Limetten-Muffins vom Nachgeburtstagspicknick und dann bricht er schon wieder auf in eine Weinbar in der Nähe, wo er mit Freunden verabredet ist.

Ich mache es mir auf dem Sofa gemütlich, höre den „Alles gesagt“-Podcast mit Christine Westermann und spiele bis kurz vor Mitternacht auf meinem Handy, dann ist Schlafenszeit. Wochenende.

05.10.2023 – Zurück nach Pberg über Pizza #WMDEDGT

Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihr hier.

Schon wieder unruhig geschlafen in Südberlin – vorm inneren Auge für lange Zeit kleine bunte umherfliegende Dingchen wie in dem Handyspiel, dem ich gerade verfallen bin, dazu immer wieder mal Bettdeckengefechte zwischen dem Liebsten und mir und halt eingeschränkte Bewegungsfreiheit auf 1,40 m. Ich muss einfach wieder öfter hier schlafen, dann gewöhne ich mich da auch wieder dran. Deswegen hatte ich irgendwann zu Beginn unserer Beziehung, als ich noch viel öfter zwischen den Wohnungen wechselte, die Regel aufgestellt immer mindestens zwei Tage am Stück am gleichen Ort zu schlafen. Vielleicht wieder einführen? Durch den neu hinzugekommenen Mittwoch wegen Sport bedeutet das aber viel mehr logistischen Aufwand als einfach am Wochenende. Ich muss darauf noch eine Weile herumdenken.

Jedenfalls bin ich dann schon um 5:39 endgültig wach – der Liebste schläft viel dunkler als ich, so dass mir die Einschätzung der Uhrzeit im Halbschlaf schwerer fällt und ich mir erlaubte, komplett munter zu werden, bevor ich das erste Mal auf die Uhr guckte. Also das Internet leer lesen und anfangen zu bloggen, dann steht um 6:30 das Teilzeitkind in der Tür, dessen Wecker eben geklingelt hat, und legt sich zu uns. Der Liebste ist noch nicht im Tag angekommen, aber ich bin ja zum Glück schon hellwach und kann mich mit dem ebenfalls hellwachen Kind angemessen unterhalten und mir das Wochenende in Hamburg mit Harry-Potter-Theaterstück, Miniaturenwunderland und Schokoversum erzählen lassen – mit sinnvollem Nachfragen! Dann geht es thematisch weiter zum Musikunterricht und dem Leben und Wirken von Vivaldi, das dann schon mit vom Liebsten gebrachten Kaffee.

Dreiviertel 7 verlässt die Mitbewohnerin das Haus und geht in die Kita, was wir um diese Uhrzeit noch ausreichend albern finden. Um 7 geht der Liebste ins Bad und das Teilzeitkind frühstückt und zieht sich für die Schule an. Halb 8 verlässt es samt Fahrrad das Haus, der Liebste checkt kurz seine Arbeitsmails und ich gehe ins Bad. Eine Viertelstunde später laufen wir gemeinsam zur Bahn, fahren noch drei Stationen zusammen und dann steigt der Liebste um und fährt bis fast-Brandenburg ins Büro. Ich steige an der Friedrichstraße um und fahre in mein Büro an der Spree.

Dort bin ich heute die erste, aber anders als letzten Donnerstag wird es im Laufe des Morgens noch voller. Im Fahrstuhl hängt ein Zettel, dass es heute am späten Nachmittag für alle Büros im Haus Pizza gibt (Bier sowieso immer ab 16 Uhr, aber das habe ich noch nie in Anspruch genommen). Da ich mir vorgenommen habe, mich mehr in das Sozialleben hier einzubringen und eh keine Abendbrotpläne habe, stelle ich mir einen Pizza-Blocker in den Kalender und plane damit einen frühen Feierabend – das passt auch zu meiner umfassenden Müdigkeit.

Dreiviertel 9 sitze ich mit dem zweiten Kaffee, Müsli und O-Saft im Meetingraum und lese kurz E-Mails, bis um Punkt 9 das erste Meeting losgeht, heute mit Warschau. Dann anderthalb Stunden „Themen abarbeiten“ im Großraumbüro. Unter anderem macht eine Kollegin Post auf, in der sich eine Tasche mit jeder Menge Papierfotos befindet – wir fühlen uns in die 90er Jahre zurückversetzt. Dann um 11 Meeting mit Paris, das um 11:30 mit Dublin wird spontan auf morgen verschoben, um 12 Meeting mit Berlin und Dortmund, um 12:30 mit Nordengland und dann ist schon Zeit für Mittagspause.

Ich mache mir die letzte Rindsbratwurst und das letzte Kartoffel-Möhren-Sellerie-Gemüse warm, esse dazu den letzten Rest Salat und das alles in der Küche, ein Kollege setzt sich auch kurz dazu. Aufgrund der frühen Feierabendpläne halte ich die Pause kurz, dann gehe ich zurück in meinen Meetingraum, erledige die Action Items aus den Vormittagsmeetings und habe dann um 14 Uhr noch eins mit Berlin, Nürnberg und Ostfriesland.

Ab 14:30 sitze ich dann wieder normal an meinem Schreibtisch im Großraumbüro, arbeite Dinge ab, lasse mich von ChatGPT bei einem Text unterstützen, recherchiere Dinge… Um 16 Uhr gehen einige Kolleg*innen und ich nach unten in die Lobby, aber die Pizzalieferung hat sich verspätet. Also schnell ein halbes Bier zapfen und nochmal kurz hoch an den Schreibtisch.

Ab kurz vor 17 Uhr gibt es dann wirklich sehr sehr leckere Pizza und höfliches Socializing. Kurz nach 17 Uhr packe ich meine Sachen (Arbeitsrucksack, Sporttasche mit Übernachtungssachen, Beutel mit inzwischen leeren Futterdosen) und gehe zur Bahn. Mit dem vielen Gepäck will ich nicht zu Fuß zu meinen Eltern laufen, um nach der Post zu gucken, auch wenn mir der Weg an der Spree entlang sehr gefällt. Kurz Post checken, per Foto nach Kanada schicken und dann mit U-Bahn und Tram zurück in den Pberg.

Ich stelle meine Sachen ab, füttere die Katzen und gehe dann nochmal schnell runter zur Nachbarin, die mein Müslipaket angenommen hat, weil der DHL-Mann den von mir vorgegebenen Abstellort „Wohnungstür“ nicht gefunden hat… Dann Sachen auspacken, Müsli verräumen und ab auf die Couch. Ich höre Podcast, spiele auf dem Handy und bin dann gerade auf TikTok angekommen, als der neue Mitbewohner hereinschneit, zwei weitere Taschen mit Besitztümern bringt, die in seinem Zimmer verstaut, sich kurz mit mir unterhält und dann schon wieder in die alte Wohnung fährt. Aktuell plant er, vielleicht am Wochenende zum ersten Mal hier zu schlafen, aber wir werden sehen. Als er wieder weg ist, lege ich mich mit Podcast in die Badewanne und dann kurz nach 10 ins Bett.