24.10.2023 – Extreme Wellnessing

Heute morgen rächt sich, dass ich wegen Don Draper & Co. erst halb 3 das Licht ausgemacht hatte. Der Mitbewohner muss gegen 8 los zu einem Termin und obwohl er dabei sehr leise ist, werde ich doch wach. Ich mache mir mein Hörbuch an und will gerade wieder einschlafen, da rufen der Liebste und das Teilzeitkind an. Der Liebste will mich direkt wieder Schlafen schicken, aber das liebliche Stimmchen des Teilzeitkinds hat mich dann doch nachhaltig wach gemacht, fürchte ich. Ich mache nochmal die Augen zu und döse, da schreibt der Lieblingsnachbar und bittet um einen Gefallen, da er heute im Büro ist… Okay, okay, Nacht vorbei.

Der Vorteil ist, dass ich so früh genug mit allem fertig bin, um doch meinem etwas verrückten Plan nachzugehen, wegen dem ich gestern auf Mastodon belächelt wurde. Ich lese das Internet leer, bediene die Sprach-Apps, spiele, blogge und stehe dann kurz vor halb 11 auf. Die Katzen bekommen Frühstück, ich nur einen Müsliriegel und einen schnellen Kaffee. Dann begebe ich mich mit voller Gymbag zum ersten Mal seit vor der Pandemie in die Schwimmhalle um die Ecke (sie war lange Baustelle und dann war wegen der Ukraine-Solidarität letzten Winter dort die Sauna zu, so dass ich lieber ins Fitnessstudio ging (zumal da auch die AquaFitness-Kurse für mich inklusive sind). Jetzt aber wird dort die Sauna umgebaut, dafür ist die in der Schwimmhalle wieder offen.

Der Eintritt ist für mich kostenlos, für die Sauna muss ich leider zahlen, aber wozu habe ich Urlaub? Ich schwimme 20 Bahnen à 25 m (immerhin war ich gerade noch krank und außerdem gilt meine Sauna-Karte nur drei Stunden.) und gehe dann weiter in den schicken neuen Sauna-Bereich. Ich glaube, das mache ich jetzt öfter! Für 12 € drei Stunden Zeit mit Dampfbad, vier Saunen, Tauchbecken, Kneipp-Becken, Außenbereich und okayem Ruheraum – das ist mehr Wellness, als das Fitnessstudio bietet. Mit stetem Blick auf die Uhr und verkürzten Saunagängen (jeweils nur 5-10 Minuten, selber Grund wie in der letzten Klammer) komme ich ziemlich genau nach drei Stunden wieder raus und habe einmal das komplette Spa-Gefühl mitgenommen und sogar ordentlich in meinem Buch weitergelesen. Nächstes Mal gönne ich mir vielleicht die Tageskarte für mehr Ruhe (und nehme evtl. den Liebsten mit).

Ich laufe durch Nieselregen zurück nach Hause. Dort mache ich mir den Rest Nudeln von gestern warm, schnacke beim Essen mit dem Mitbewohner und nehme dann von zwei Bekannten die Sackkarre des Lieblingsnachbarn entgegen, die er ihnen für ihren Umzug weg aus Berlin geliehen hatte. Dann dusche ich nochmal ganz ausführlich (in der Schwimmhalle muss man eigenes Shampoo und Duschgel mitbringen, auch das anders als im Fitnessstudio), creme mich ein und lege mich nochmal zwei Stunden ins Bett. Schlafen kann ich allerdings nicht, weil mir noch zu viel im Kopf herumgeht, trotzdem, die Siesta tut gut.

Um 17 Uhr stehe ich wieder auf, hänge Wäsche auf, räume den Geschirrspüler aus, wechsle das Streu im Katzenklo, bringe das Streu zum Müll und die Sackkarre in den Keller und putze noch ein wenig das Bad. Mit den Trocknungszeiten zwischendrin dauert das ziemlich genau bis zu dem Zeitpunkt, wo ich zum Yoga aufbrechen muss (und der Mitbewohner losgeht, um seinen Besuch von der Bahn abzuholen). Es regnet in Strömen, aber mein Wintermantel heißt ja nicht umsonst „Schmuddelwetter“. Auf dem Weg telefoniere ich mal wieder mit der Freundin in Frankreich, die um einen „Catch-up“ gebeten hatte. Eigentlich schön, aber wir reden dabei natürlich auch viel über Arbeit – und das im Urlaub.

Wird Zeit, dass ich aus Berlin rauskomme, um so richtig in die Urlaubsentspannung zu kommen. Das Yoga hilft dabei natürlich auch schon ein wenig und ist mit ein Grund, warum ich erst morgen zu meinem Inseltrip aufbreche. Wir verquatschen uns hinterher noch ein wenig und bis ich wieder zuhause bin ist es halb 10. Ich mache mir noch schnell Pellkartoffeln mit Quark, Leinöl und Spreewaldgurken. Zum und nach dem Essen gucke ich ein paar Folgen „Feel Good“ mit Mae Martin und Lisa Kudrow – große Empfehlung bisher!

Gegen Mitternacht mache ich dann vernünftigerweise das Licht aus – morgen klingelt ausnahmsweise der Wecker, damit ich meinen Zug auch rechtzeitig erwische.

23.10.2023 – Ab jetzt ist Urlaub

Es ist Montag und kein Wecker klingelt, es ist Montag und das Diensthandy liegt stumm in der Ecke, es ist Montag und es ist Urlaub. Juhu. Wieder gute acht Stunden (brutto) geschlafen und gemütlich den Morgen im Bett verbracht. Kurz nach 10 mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind telefoniert, die da schon im Phantasialand sind und ihre erste Achterbahn absolviert haben. Von da kommen den Tag über immer wieder Nachrichten, Fotos und ein Video, das bei mir ein ganz dringendes „Ich möchte lieber nicht“ auslöst. Beim Liebsten vor Ort auch. Das Teilzeitkind hingegen möchte und möchte dann auch nochmal. Alles so, wie es soll.

Ich mache mir Porridge, Apfel und Zitronentee zum Frühstück und höre dabei und beim Essen Podcast. Dann ziehe ich mich für den Tag ab und sitze gegen 12 dann doch am Schreibtisch – die Steuererklärung muss noch fertig gemacht werden. Etwa zwei Stunden suche ich mir Zahlen zusammen, kämpfe mit verschiedenen Systemen und Online-Konten, jeweils mit 2-Faktor-Authentifizierung und Rausfliegen bei zu langer Nicht-Aktivität (also ständig). Ich verzweifle kurz, als ich in ELSTER eingeloggt bin, also mit der Zertifikatsdatei, die man dafür hochladen muss und für die man schonmal einen postalisch geschickten Code zum Freischalten brauchte, und mit Passwort, und dort dann sehr fröhlich auf elektronische Mitteilungen statt postalischer umschalten möchte. Was braucht man dafür? Natürlich einen weiteren Code, der postalisch zugesandt wird. Na mal gucken, ob die Post dann noch Briefe bringt.

Gegen 14 Uhr habe ich alles soweit fertig wie möglich, packe den Laptop und etwas zu Trinken in meinen Rucksack und gehe zum Kopfauslüften und für das Urlaubsgefühl nach draußen. Mit Podcasts (Hagrids Hütte, Reflektor, La Bottega Di Babbel) auf den Ohren laufe ich drauflos. Zuerst mal zur Post, wo ich ein POSTIDENT-Verfahren durchführen lassen muss, damit die Online-Bank, bei der ich seit ca. 16 Jahren ein Konto habe und die mir relativ regelmäßig Post nach Hause schickt, mir glaubt, dass ich vor 15 Jahren umgezogen bin und auch wirklich an allen Stellen meine Adresse auf die anpasst, die sie inzwischen seit zehn Jahren nutzt, um mit mir zu kommunizieren. Da musste ich vorher auch einen Brief hinschicken, weil sowas natürlich nicht per E-Mail geht. Dann geht es weiter in den Drogeriemarkt, wo ich etwas aussuche, an der Selbstbedienungskasse einscanne, dabei per App Punkte sammle, die ich später in Flugmeilen umtauschen werde und mit einer Gutscheinkarte bezahle, die ich vor zehn Jahren mal zum Geburtstag bekommen habe. Soviel zum Stand der Digitalisierung in Deutschland.

Dann laufe ich aber wirklich so richtig drauflos. Zwischen der Kleingartenanlage und dem Volkspark sitzt eine echte Elster im Baum und lacht mich aus. Sie fliegt weg, als ich das Handy zum Fotografieren raushole. Passt doch. Ich laufe in den Volkspark und dort weit nach oben.

Auf einer Bank verschnaufend telefoniere ich nochmal mit den beiden Freizeitparkmäusen. Dann geht es woanders wieder herunter, aus dem Park heraus, durchs Sportforum hindurch und nacheinander an drei Seen – andere drei als gestern, dit is Balin, wir haben hier einige davon.

Der dritte See ist im Naturschutzgebiet mitten im Wald und so zugewuchert, dass ich kein Wasser sehe und auf ein Foto verzichte. Es ist inzwischen später Nachmittag und der italienische Podcast hat mich auf die Idee für einen weiteren Programmpunkt gebracht. Mit Tram, Tram und S-Bahn fahre ich zurück in meinen Kiez und genehmige mir einen Aperitivo in meiner Stammadresse für italienisches Streetfood und Aperitivi. Dick eingepackt kann ich dabei auch um 17 Uhr noch draußen sitzen am 23. Oktober.

Cynar Spritz, Parmigiana, Pizza mit Aubergine und Zucchini, Pizza mit Stracciatella und Rucola, Tomate-Mozzarella-Spieß und Mini-Arancino mit Spinat und Béchamel

Ich esse und trinke genüsslich, dann spaziere ich weiter, zu meinem Bruder. Hier gibt es einen warmen Pfefferminztee zum Aufwärmen und wir klären noch ein letztes Thema am Laptop, bevor ich zwei Steuererklärungen in zwei Systemen abschließen und übermitteln kann. Geschafft! Als ich wieder losgehe, habe ich einen Reiseführer für meinen Inseltrip later this week im Gepäck und außerdem zwei Balkonkästen mit Tulpenzwiebeln, da mein Bruder in seiner neuen Wohnung keinen Balkon mehr haben wird. Schwer bepackt nehme ich die Tram für die drei Stationen nach Hause. Dort angekommen sind auch über 19.000 Schritte erreicht, selbst ohne Gepäck wäre die Tram gerechtfertigt gewesen.

Ich unterhalte mich mit dem Mitbewohner über seinen Tag und unsere Pläne für die nächsten Tage und koche mir dabei Abendbrot. Es gibt Spaghetti mit aglio, olio und statt peperoncino noch Anchovi, Oliven, Kapern, Bottarga, Petersilie und Zitrone. Die Portion wird für zwei Tage reichen. Beim Essen telefoniere ich wieder mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind, die zurück im Hotel sind und den Tag gleich mit Pool und Sauna beschließen werden.

Ich selbst beschließe den Tag auf dem Sofa, mit Katzen und „Mad Men“. Als der Mitbewohner schlafen geht, wechsle ich auch in mein Zimmer und gucke auf dem Bett weiter, um ihn nicht zu stören. Als das Serienfinale zu Ende ist, ist es bereits 2 Uhr morgens, upsi. Jetzt schnell ins Bad und bettfertig machen und nach einer letzten Runde durchs Internet ist um halb 3 dann endgültig das Licht aus.

22.10.2023 – Urlaubssonntag

Ich habe wieder ordentlich lange geschlafen und fühle mich heute deutlich besser. Also, nicht ohne Symptömchen, aber ohne das dringende Bedürfnis weiter im Bett liegen zu bleiben. Andererseits ist halt auch Sonntag und Urlaub und bis ich wirklich aufgestanden bin ist es auch schon so 11:00. Bis dahin habe ich allerdings schon im Internet gelesen, gebloggt, mit dem Liebsten telefoniert, der heute mit dem Teilzeitkind gen Westen aufbricht, alle Tagesaufgaben bei Duolingo erledigt, eine Lektion plus Wiederholungen auf Babbel gemacht, ein wenig auf dem Handy gespielt und dabei Podcast gehört… Dann stehe ich aber wirklich auf, ziehe mich ordnungsgemäß an und mache mir zum Frühstück unter anderem ein Frühstücksei.

Danach kümmere ich mich um Dinge, die während meiner Bettzeit liegen geblieben sind. Ich beziehe mein Bett neu, wasche Wäsche und lege trockene Wäsche zusammen, ich siebe die Katzenklos durch und fülle die Wassernäpfe auf und ich bringe Müll runter. Dann ein kurzer Plausch mit dem Mitbewohner, bevor ich in die Oktobersonne nach draußen gehe und eine große Spazierrunde drehe. Erst noch sehr langsam und mit wehen, steifen Beinen, dann geht es doch immer besser. Muss wieder mit dem täglichen Spazieren anfangen, gut, dass jetzt erstmal Urlaub ist.

Im Strandbad am Weißen See setze ich mich zum Verschnaufen eine Weile in einen Liegestuhl und schaue erst aufs Wasser, dann aufs Feuer. Dann geht es wieder nach Hause. Ich verkneife mir zweimal das Einkehren in ein Café, um Geld zu sparen und mache mir zuhause statt Kuchen Joghurt mit Zimt-Dingsis und Granatapfelkernen und einen Hot Apple Cider. Dann lege ich mich mit den Katzen aufs Sofa, schaue eine Folge „Mad Men“ und schlafe dabei ein.

Dem Mitbewohner ist in seinem Zimmer ungefähr das Gleiche passiert (er guckt zum X-ten Mal „Seinfeld“) und wir werden dann auch ungefähr zeitgleich wieder wach. So richtig Hunger habe ich noch nicht wieder, aber er kocht sich Kartoffeln und Bohnen mit Tomaten und Chilis und da esse ich gerne eine Schüssel mit.

Am Vormittag sprachen wir darüber, dass man abends einen Film gucken könnte und da ich ja neulich die Probleme mit der DVD hatte, will ich feststellen, ob es am Player liegt oder hoffentlich doch nicht. Wir einigen uns darauf, dass der Mitbewohner mir drei Filme aus meiner Sammlung vorschlägt und ich dann einen davon aussuche. Seine Vorschläge sind „Beginners“, „Coffee & Cigarettes“ und „The Commitments“ (die Filme sind alphabetisch sortiert). Ich entscheide mich für die Commitments, weil ich neulich in ein Loch mit dem Soundtrack gefallen bin und den seitdem mal wieder gucken möchte. Dazu gibt es salziges Popcorn.

Nach dem Film gehe ich ins Bett und schlafe bei der übernächsten Folge „Mad Men“ ein.

21.10.2023 – Bett ohne Office

Von kurz vor Mitternacht an schlief ich – erst bis kurz vor 6, da war ich auf Klo und kurz danach kam der Mitbewohner nach Hause, dann bis kurz vor 8, da machte ich mir ein Hörbuch an und drehte mich nochmal um, bis dann schließlich bis kurz nach 9. Neun Stunden brutto, plus zweimal mindestens eine Stunde gestern Nachmittag, das muss ja zur Genesung beitragen. Heute dann also auf jeden Fall nochmal einen Tag im Bett – leider statt nach Südberlin zum Liebsten und dem Teilzeitkind zu fahren, die morgen in die Herbstferien zu fahren, dafür aber ganz ohne Verpflichtungen.

Ich telefoniere natürlich mehrmals mit dem Liebsten oder beiden, ansonsten verbringe ich den Tag mit Lesen (Kate Atkins: A God in Ruins. Zweiter Anlauf, nachdem ich im Sommerurlaub nicht die nötige Muße hatte.), Hören („Alles gesagt“-Podcast mit Friederike Otto, bisher nur etwa die erste Stunde, das nächste Donna-Leon-Hörbuch beim Einschlafen), Gucken (Doku „Ich bin Krabat“ über Otfried Preußler in der arte-Mediathek, diverse Folgen „Mad Men“), schlafen (eine Stunde am Nachmittag, wieder ähnlich viele in der Nacht) und essen. Zum Mittagessen am Nachmittag gab es dabei bestellten Burger mit Pommes, Basilikum-Mayo und Coleslaw. Ewig nicht gegessen und irgendwie Lust drauf gehabt.

Ansonsten ist nicht wahnsinnig viel passiert. Der Mitbewohner erzählte von seinem Ausgehabend, der Liebste und das Teilzeitkind vom Ausmisten (sie wollen demnächst ihre Zimmer tauschen), eine Freundin schickte Fotos aus Madrid, wo sie sich mit einer Kollegin von mir traf und die beiden einen vollen Tag mit Sangria, Flamenco und Rugby gucken im Irish Pub hatten.

Ich hoffe, morgen wieder soweit hergestellt zu sein, dass ich aufstehen und einige meiner Pläne für diesen Urlaub umsetzen kann – für Kranksein am Wochenende gibt es schließlich nicht einmal Urlaubstage zurück.

20.10.2023 – Bett-Office die Zweite

Der Wecker reißt mich aus dem Tiefschlaf und ich brauche eine ganze Weile, um in den Tag zu finden. Heute fühle ich mich definitiv kränker als gestern und es ist keine Frage mehr, ob ich im Bett oder am Schreibtisch die letzten Arbeitsdinge erledige, bevor mein Urlaub anfängt. Ich mache mir Ingwertee mit Apfelsaft, Milchbrötchen mit Pflaumenmus sowie die letzte Sharon und einen Apfel zum Frühstück und lege los.

Heute muss ich die Übergabeunterlagen durchgehen, die die Kollegin aus Dublin gestern mit mir geteilt hat, damit ich ihr meine Fragen dazu schicken kann. Diese kann sie dann während meines Urlaubs bearbeiten und dann haben wir noch eine Woche für letzte Feinabstimmungen, bevor ihr Mutterschutz beginnt – vorausgesetzt das Baby bleibt so lange drin und sie wird nicht vorher schon wegen Rückenschmerzen krankgeschrieben – das stand bereits im Raum. Es pressiert also ein wenig.

Dann mache ich Übergaben im Projektmanagement-Tool, schreibe ein Handover-Dokument für mein Team, stelle Out-of-Offices für E-Mail und Tool ein und überprüfe den ooo-Block in meinem Kalender auf Vollständigkeit. Gegen Mittag habe ich ein Meeting mit Berlin und Dortmund, das wir relativ kurz halten können, auch hier geht es vor allem um Übergaben vor meinem Urlaub.

Der Mitbewohner kocht mir eine brodo vegetale, die seine Nonna immer für ihn gemacht hat, wenn er krank war. In dem Fall enthält sie Zucchini, Möhren, Kartoffeln und Tomaten, dazu gibt es Risoni, Parmesan und Olivenöl. Sehr lecker!

Nach dem Essen melde ich mich beim Team für eine Weile ab, um zu schlafen. Die Kollegin in Südengland schlägt vor, den Nachmittagstermin, bei dem ich das Team im neuen Backend schulen soll, auf nach meinem Urlaub zu verschieben und das nehme ich dankend an. Die Kollegin in Paris bittet dann aber doch noch um eine kurze Einführung, damit sie in meiner Abwesenheit nächste Woche einspringen kann. Die gebe ich ihr noch und dann klappe ich dafür aber um 14:30 endgültig den Laptop zu und bin jetzt offiziell krank bzw. im Wochenende, bzw. im Urlaub.

Ich schlafe schnell sehr tief ein, werde aber bald von einem Anruf vom Liebsten und Teilzeitkind herausgerissen. Danach lese ich eine Weile Buch (!), bis ich wieder einschlafe. Gegen 19:00 bin ich dann wieder wach. Der Mitbewohner verabschiedet sich zu einem Konzert, ich telefoniere nochmal mit dem Liebsten, dann schaue ich ein paar Folgen „Mad Men“ und knabbere Salzstangen, mehr Hunger habe ich heute nicht mehr. Etwa eine halbe Folge gucke ich in der Badewanne, danach wieder weiter im Bett. Gegen Mitternacht ist dann wieder Schlafenszeit und die geht wieder easy acht Stunden.

19.10.2023 – Bett-Office-Zeit

Gut, dass ich gestern schon umgeplant habe und heute weder dringend ins Büro noch zu den Ellis muss – mich kriegen heute nämlich keine zehn Pferde aus dem Haus und selbst aus dem Bett wird schwer. Das latente Erkältungsgefühl von gestern ist immer noch da und eher stärker geworden. Als ich meinen Laptop aus dem Rucksack hole und ihn zum Schreibtisch bringen will, tragen mich meine Füße stattdessen zurück im Bett und dann mache ich also heute Bett-Office.

Zum Frühstück gibt es Müsli, Apfel und Sweet-Fern-Tee, von Mama selbst gepflückt und getrocknet. Dann um 10 das erste Meeting des Tages – mit Salerno, Paris, Valencia, Madrid und Dublin. Die Kollegin aus Salerno ist als erstes da und bis die anderen dazustoßen unterhalten wir uns auf Italienisch, dann wechseln wir zu Englisch, was ihr deutlich schwerer fällt. Ich schicke nach dem Call eine Zusammenfassung meiner Notizen rum und bitte um Feedback, das Ergebnis geht dann am Nachmittag raus.

Ein weiteres Meeting heute fällt aus, weil alle drei Beteiligten im Bett liegen, teilweise kränker als ich. Ich prüfe eine Übersetzung, missioniere mal wieder über die Verwendung meines präferierten Übersetzungstools, schreibe ein wenig mit Kolleg*innen hin und her, bereite Materialien für eine Schulung vor, stimme mich zu einem Workshop ab und schicke die Einladung dazu raus und lasse es ansonsten ruhig angehen. Mittags gibt es Stullen und eine von Mitbewohner mitgebrachte riesige Kokosmakrone.

Kurz vor Feierabend dann nochmal ein langes und intensives Meeting mit Dublin. Die Kollegin geht bald in den Mutterschutz und dann in Elternzeit und ich werde ab November eine abgespeckte Variante ihrer Aufgaben und Verantwortlichkeiten mit übernehmen. Vom Arbeitsumfang her kann das sportlich werden, inhaltlich freue ich mich aber darauf.

Zum Abendbrot bestelle ich mir Sushi – Wasabi, Ingwer, heiße Misosuppe mit vitaminreichen Algen und jede Menge Omega-3 als Placebo gegen Erkältung. Während und nach dem Essen schaue ich die Beckham-Doku auf Netflix und dann ist der Tag auch schon wieder vorbei.

18.10.2023 – Büro, Spree und Geld

Das war eine kurze und weniger erholsame Nacht. Weil eine*r meiner drei Bettgenoss*innen am frühen Morgen wegen verstopfter Nase anfing, zu schnarchen, bin ich schon kurz vor dem sowieso sehr frühen Weckerklingeln um 7 wach – keine sechs Stunden Schlaf insgesamt also. Mit matschigem Kopf und immer noch wehem Impfarm beschließe ich, den Sportkurs heute Abend sein zu lassen und erspare mir dadurch auch viel Logistik und Aufwand durch die eine Nacht in Südberlin zwischen zwei Bürotagen. Ich stehe auf und mache dem Liebsten und mir Kaffee, der dann kurz nach dem Weckerklingeln auf den Nachttischen steht. Ein Stündchen haben wir zusammen, mit Kuscheln, Internet lesen und Kaffee trinken, dann bricht der Liebste auf in sein Homeoffice und ich kümmere mich um den Rest meiner Morgenroutine (außer Sprach-Apps, die müssen bis später warten).

Der Weg zur Tram ist weiterhin kalt, aber dank Kopfhörer komme ich noch um eine Mütze herum. Heute morgen höre ich inspiriert von gestern Abend Pete Seeger und belese mich in der Tram außerdem sowohl zu Pete Seeger, einer Art Wahl-Onkel, als auch zu Perry Friedman, dem echten Onkel von Michael Friedman. Der Video-Podcast gestern brauchte auch noch viele andere interessante Verbindungen zutage, z. B. war eine der Mentorinnen von Mike mit Anne Frank in Auschwitz und Bergen-Belsen und hat deren Vater später von ihrem traurigen Schicksal erzählt. Gerade flogen wieder Molotowcocktails auf eine Berliner Synagoge und die Polizei beschützt das Holocaust-Mahnmal mit einer Hundertschaft…

Im Büro angekommen gibt es erstmal Müsli und Sharon. Die Kaffeemaschine wird gewartet, aber der Lieblingskollege bringt mir vom Barista im Erdgeschoss einen Cappuccino mit. Ich arbeite meine E-Mails ab und bereite dann mehrere Kommunikationen für das Team vor. Dann kurzes Abstimmungsmeeting mit zwei Kolleg*innen zu den Events der nächsten Monate. In der Mittagspause esse ich den Rest des Kartoffel-Kohl-Auflaufs von neulich und unterhalte mich mit einem Kollegen, den ich schon lange nicht mehr in Ruhe live gesehen habe. Nach der Pause schicke ich die Kommunikationen raus, unter anderem lasse ich das Team abstimmen, welches Katzenbild, das letzte Woche während meiner Darmspiegelungsvorbereitung im Rahmen eines Team-Events gemalt wurde, am schönsten ist.

Danach gehe ich mit dem Lieblingskollegen ins Einkaufszentrum nebenan und wir kaufen zusätzliche Halloween-Deko für das Event nächste Woche, da die aus den letzten Jahren nicht mehr ausreichend ist, und schmücken damit die Küche.

Nächster Programmpunkt ist unser Quartalsmeeting mit dem deutschen Team, bei dem ich moderiere, die Präsentation „fahre“ und auch eine ganze Menge Redeanteile habe. Das ist dann pünktlich um 17 Uhr vorbei. Die letzte Stunde verbringe ich mit Live-Austausch mit Kolleg*innen vor Ort und Chat-Austausch mit meinem Kommunikationsteam in Frankreich, England und den USA. Um 18 Uhr packe ich meine Siebensachen, beschließe, aufgrund weiterer Nachimpfungs-Erkältungsgefühle morgen doch im Homeoffice zu bleiben und laufe an der Spree entlang zur Wohnung meiner Eltern, um nach der Post und den Pflanzen zu sehen.

Danach geht es mit U-Bahn und zwei verschiedenen Trams (wegen Baustellenumleitung) zurück nach Hause. Als ich ankomme ist es schon kurz vor 20 Uhr. Ich nehme dankend eine Schale der Kichererbsen-Linsen-Suppe an, die der Mitbewohner gekocht hat, und verschwinde dann nochmal für knapp anderthalb Stunden in einen Zoom-Workshop im Rahmen meines Adulting-Projekts. Da ich heute keinen Sport mache, kann ich live dabei sein und muss mich nicht irgendwann aufraffen, die Aufzeichnung anzusehen. Es geht um nachhaltiges Investieren und ich bin genügend inspiriert, um direkt danach noch Dinge umzusetzen. Erstens ändere ich den Abrechnungszeitraum meiner Kreditkarte so, dass die Abrechnung näher an meinem Gehaltseingang ist und ich langfristig einen besseren Überblick über meine aktuellen Ein- und Ausgaben bekomme und zweitens wechsle ich meinen Sparplan von einem nachhaltigen Aktienfonds zu einem nachhaltigen ETF. Als ich damit fertig bin, ist die Mitternacht schon wieder bedenklich nahe und ich mache mich schnell bettfertig und lege mich Schlafen.

17.10.2023 – Arbeit, Date Night und Konzertbericht

Auch diese Nacht habe ich trotz Impfarm gut geschlafen, gut, dass ich inzwischen auch auf der rechten Seite einschlafen kann – in den langen Nächten mit Katzen habe ich mir da eine gewisse Flexibilität antrainiert. Nach gemütlicher Morgenroutine setze ich mich mit Müsli, Minikiwis und Earl Grey mit Kirschsaft (der Saft muss alle werden) an den Schreibtisch. Im Gegensatz zu gestern gibt es heute nur zwei Meetings, das macht den Arbeitstag wesentlich entspannter. Nachdem ich durch die E-Mails der Nacht durch bin, kommt das erste – mit Warschau und London. Die Nachbereitung trägt mich fast bis ins zweite, mit Berlin und Ostfriesland.

Danach heißt es durchatmen und Musik anmachen. Heute Abend geht es in ein Konzert, ich höre mich also nebenbei schon mal in Ruhe ein. Außerdem bereite ich weiter eine Präsentation für morgen vor, schicke Reminder an Leute und arbeite meine To-Do-List ab. Zur Mittagspause gehe ich in den Supermarkt, die nächste Liste abarbeiten. Das ist gar nicht so einfach, weil dort jetzt schon seit gefühlten Wochen die Kühllager bestreikt werden und viele Regale leer sind. Volle Solidarität mit den Streikenden natürlich, aber durch die Suche nach nach der H-Milch-Ecke hat sich mein Einkauf deutlich verlängert. Leider habe ich außer teuren Bioläden und Spätis und verschiedenen Discountern, die ich teils wegen des Angebots, teils aus politischen Gründen, meide, keine gute Alternative im Kiez, um mal schnell was zu holen, sonst wäre ich noch viel solidarischer.

Wieder zuhause schmiere ich mir Stullen (vegane Schinkenspicker, Ziegenkäse, Tomatenfisch – MSC-zertifiziert) und plausche kurz mit dem Mitbewohner. Dann geht es zurück an den Schreibtisch. Für den Rest des Arbeitstages beschäftige ich mich mit einer Backend-Aufgabe, die hauptsächlich aus Klicken und Copy-Pasten besteht, quasi kein Nachdenken erfordert, aber zeitaufwendig ist. Erschwert wird die Arbeit dadurch, dass Nimbin die meiste Zeit über entweder auf meiner Maushand oder auf meiner Tastaturhand liegt und schläft. Erleichtert wird sie durch das Anhören eines Videopodcasts mit dem Künstler des heutigen Abends.

Als ich fertig bin, kann ich rechtzeitig Feierabend machen, nochmal kurz durch mein Schlafzimmer saugen, bevor mein allergisches Date dort nachher schläft, und dann nach Mitte fahren. Der Liebste und ich treffen uns in einem der Restaurants, in dem ich früher oft Mittagspause gemacht habe und essen jede*r eine vegane Wantan-Suppe mit Ramen und Pilzen.

Danach gehen wir hinüber zum Konzerthaus. Schon draußen treffen wir auf Freunde, die extra anlässlich des Konzerts früher aus Nova Scotia nach Berlin zurückgekehrt sind, und weitere Bekannte. Es ist aber winterjackenkalt und so gehen wir schnell rein und suchen unsere Plätze. Mein erstes Mal im Konzerthaus und mein erstes „klassisches“ Konzert.

Angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage, gewinnt das Konzert noch einmal eine besondere Brisanz. Die Chichester Palms von Leonard Bernstein werden auf Hebräisch gesungen und auch Michael Friedman (ich verlinke heute so viel, weil der Mann sich so schwer googeln lässt) als jüdischer Kanadier singt ein Lied auf Jiddisch – und wie immer viele auf Englisch und wie manchmal einige auf Deutsch. Der ganze Konzertabend ist sehr beeindruckend, von den beiden kleinen Chorknaben, die bei den Psalmen brillieren zur allgemeinen Emotionalität bei „Mayn Rue-Platz“ bis zu den quasi Stadionrock-Momenten (Michael Friedman ist einer der Co-Autoren von „Wir haben Wind gesät“, der allerletzten Single von City und bringt diese natürlich auch heute Abend zu Gehör), nur halt mit Orchester, drei Chören und Band.

Auf der Bühne stehen über 300 Musiker*innen. Leider darf man nicht filmen und fotografieren, deshalb hier mal der Videoclip zu einem der vorgetragenen Songs, stellt Euch den einfach deutlich gewaltiger arrangiert vor. So entspricht er eher den üblichen Konzerten von Michael Friedman, mit Gesang über drei Oktaven und dazwischen vielen berlinerten Ansagen und Gitarrenneustimmungen (Für jeden Song wird die Gitarre in die passende Tonart gebracht, heute Abend von einem Helfer, so dass einfach zu jedem Song eine neue Gitarre auf die Bühne kommt. Das Vergessen des Einsteckens des Versteckersteckers wird zum Running Gag. Bei seinen Soloauftritten stimmt Mike einfach immer die gleiche Gitarre selbst um.).

In der Pause gibt es Fachgespräche über Nova Scotia im Vergleich zu Berlin und nach Konzertende werden wir noch mit in die Konzerthauskantine eingeladen, wo ich weitere Bekannte treffe und auch Gelegenheit habe, mit dem Künstler selbst zu sprechen und ihm liebe Grüße von meinen Eltern auszurichten – zuletzt trafen wir uns bei denen im Wohnzimmer. Kurz nach halb 12 verabschieden wir uns dann und fahren mit U- und S-Bahn zu mir nach Hause. Gegen halb 1 liegen wir im Bett und ich brauche dann nur noch etwa eine halbe Stunde, um soweit runterzukommen, dass ich einschlafen kann.

16.10.2023 – Meeting-Montag, Doppelimpfung, Papierkram und Salsiccia

Schon wieder gut geschlafen, wie kommt das nur – vielleicht liegt’s doch am Herbst und dem aufziehenden Winterschlaf-Feeling? Jedenfalls erholt aber immer noch müde in den Tag gestartet und dann mit Schokomüsli, Apfel und weißem Tee mit Kirschsaft an den Schreibtisch gesetzt. Nach drei verpassten Arbeitstagen und einem Wochenende habe ich etwa 130 E-Mail-Loops durchzugehen und in „aha“, „aha, merken“, „aha, tun“ oder „weg damit“ einzusortieren. Das dauert knapp bis zum ersten Meeting, mit Dortmund, aus dem sich weitere „tun“s und ein bis zwei „aha“s ergeben. Kurz vor dem Meeting steht übrigens der Mitbewohner auf und macht sich und mir Kaffee. Guter Mitbewohner!

Der restliche Vormittag besteht aus dem Abarbeiten von „tun“s, dann breche ich früh in die Mittagspause auf, ich hatte mir nämlich am Wochenende spontan einen Doppel-Impftermin (Grippe und neuster Covid-Wirkstoff) ergooglet und geklickt, witzigerweise in der Apotheke direkt neben meiner Hausarztpraxis. Es ist echt kalt da draußen. Nachdem seit gestern die Heizung läuft – nur zu gewissen Zeiten und mit moderaten Temperaturen – ziehe ich heute erstmals meinen Wintermantel an. In dem schwitze ich dann doch noch ein wenig, aber immerhin friere ich nicht.

Die Impferin der Apotheke kommt aus ungefähr meiner „Heimat“, das erkenne ich sofort am Dialekt und spreche sie darauf an. Die entstandene Verbundenheit trägt vielleicht dazu bei, dass sie die Anzahl der bestehenden Klebchen in meinem Impfausweis ignoriert und nicht nachfragt, ob und wie ich denn in die Empfehlung der STIKO falle. Mal sehen, ob sich die Krankenkasse noch irgendwann meldet und einen Nachweis oder Geld haben will. Meine persönliche Rechtfertigung ist, dass ich mich zweimal angesteckt habe, wenn niemand sonst sich angesteckt hat, und zweimal richtig krank war und lange noch Nachwirkungen hatte. Damit das möglichst nicht wieder passiert oder nicht wieder so heftig, nehme ich gerne das Upgrade fürs Immunsystem mit. Und Grippe sowieso, seit ich das einmal hatte und sechs Wochen flachlag.

Ich bin genau rechtzeitig zum nächsten Meeting wieder am Schreibtisch (Dortmund und Ostfriesland). Das geht dann fließend über in eins mit externen Menschen. Danach habe ich Zeit, mir Stullen zu schmieren – eine mit Frischkäse und Kresse und eine mit Butter und Sardellenpaste. Dazu gibt es eine Handvoll Minikiwis, die ich natürlich auch direkt nochmal googeln muss. Der botanische Name lautet „Scharfzähniger Strahlengriffel“ und jetzt tun sie mir ein bisschen leid.

Dann direkt ineinander übergehend Meeting mit Paris, Meeting mit Dortmund, Berlin, Hamburg und Valencia und Meeting mit Paris, Chicago und Südengland. Hinterher noch kurz Dinge erledigen und schon ist es 18 Uhr und Feierabend. Ich siebe die Katzenklos durch und setze mich einen Moment auf die Couch. Dann klingelt es auch schon und mein Bruder ist da. Wir verbringen gute anderthalb Stunden damit, uns um Papierkram zu kümmern, während der Mitbewohner mit zwei Freunden sein neues Hochbett reinbringt und aufbaut.

Kurz vor 20 Uhr bricht mein Bruder auf und ich lege mich kurz hin. Gegen halb 9 sind die drei Abbruzzesen fertig und beginnen mit der Zubereitung des Abendbrots. Es gibt zwei Sorten Salsiccia frisch aus der Heimat, eine „rohe“, die auf Bruschetta geschmiert und kurz im Ofen erhitzt wird, und eine halbgereifte, die gemeinsam mit Kartoffeln im Ofen gebacken wird. Ich mache einen Salat dazu und während des Kochens und Essens unterhalten wir uns auf Deutsch, Italienisch und Englisch. Die drei kommen alle aus der gleichen Provinz in den Abbruzzen, haben sich aber erst jeweils über gemeinsame Freunde hier in Berlin kennengelernt. Von Haus aus sind sie Grafiker, Krankenpfleger und Industriekletterer und alle haben sie interessante Sachen zu erzählen.

Gegen 22 Uhr verabschieden sich die beiden Freunde, wir räumen noch die Küche auf und ich erkläre dem Mitbewohner, wie der Geschirrspüler einzustellen ist, damit alles richtig funktioniert. Dann lege ich mich nochmal für eine halbe Stunde in die Badewanne, telefoniere zum vierten Mal heute mit dem Liebsten und liege dann kurz nach 23 Uhr auf dem nichtschmerzenden Arm im Bett.

15.10.2023 – Abreisetag und Sonntagsruhe

Zum ersten Mal wache ich gegen 7 wach, weil die Blase drückt. Ich bleibe aber noch liegen, bis ich nebenan das kleine Kind krakeelen höre und jemand anders auch aufs Klo geht. Dann gehe ich selbst schnell und kuschle mich danach wieder in meine warme Decke – es ist über Nacht sehr kalt geworden – lese und schlafe wieder ein. Kurz vor 9 bin ich endgültig wach, lese das Internet leer, blogge und mache dann – weil meine Cousine neben mir noch tief und fest schläft – Sprachübungen mit Kopfhörer und ohne Sprechen. Dabei unterbricht mich dann eine Nachricht meines Bruders, der gesehen hatte, dass ich schon gebloggt habe und mich drängt, zum Frühstücken zu kommen und den anderen vorzulesen.

Kurz danach stehe ich auf und gehe in die Küche, wo tatsächlich alle anderen bereits beim Frühstück sitzen respektive sogar schon fertig sind. Scheinbar hat der Rest weniger gut geschlafen als wir. Es gibt ähnliches Frühstück wie gestern, nur diesmal mit Rührei statt Pancakes und außerdem schöne reife Kaki. Als ich meinen Hunger gestillt habe, komme ich dem Drängen nach und lese meine Blogeinträge über die letzten beiden Tage vor, in denen die anderen vorkommen, und beantworte Fragen zum Wie und Warum der Tagebuchbloggerei. Als ob ich die beantworten könnte.

Als alle fertig mit Essen sind (meine andere Cousine war inzwischen auch längst dazugestoßen), machen wir uns bereit für einen Gang nach draußen, denn trotz Kälte lockt die Herbstsonne. Ich telefoniere zunächst kurz mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind, dann spazieren wir zu einem dritten See in dieser Stadt, vorbei an schicken Stadtvillen und ersten Anfängen von Herbstlaub.

Die gefühlte Temperatur beträgt 6 Grad. Am Dienstag war es noch sommerlich warm gewesen, am Freitag hatten wir noch bis halb 1 draußen gesessen, heute am Sonntag ist Herbst. Am See gibt es einen Steg und einen Spielplatz und viel kalten Wind um Ohren und Nase.

Wie immer vertreiben wir uns die Zeit vor allem mit Reden, heute geht es u. a. um Finanzen und vage Pläne für die fernere Zukunft und Ideen für das Leben im Alter. Einige von uns gehen ja nun auf die 50 zu, da kann man sich darüber durchaus mal Gedanken machen, wenn auch noch sehr unkonkret.

Wieder zurück im Bahnhof begrüßen wir die Freundin des einen Cousins, die von ihrem Ausflug nach Berlin zurück ist und mir von der Nacht mit meinen Katzen berichtet. Dann wird es für die Reisegruppe Rostock langsam Zeit und so fangen wir dann alle an, unsere Sachen zu packen und übrige Lebensmittel aufzuteilen. Dann fährt die Reisegruppe Rostock im Auto los und die Reisegruppe Berlin schließt die Unterkunft ab und geht auf den Bahnsteig. Der Zug ist kurz nach 13:00 noch nicht übermäßig voll, aber einige von uns stehen trotzdem – zum Glück fahren wir ja nicht lange. Auf der Fahrt Gespräche über Kindersport im Allgemeinen und Schwimmen im Besonderen.

Am Gesundbrunnen steigen mein Bruder und ich aus und in die Ringbahn. Dann verabschieden wir uns, er nimmt die Tram nach Hause und ich laufe. Dort angekommen erwarten mich ein schöner Blumenstrauß und eine Flasche Cremant von der Freundin meines Cousins – was für eine schöne Überraschung! Ich packe meine Sachen aus, durchsiebe die Katzenklos und lege mich dann müde mit dem Laptop aufs Bett. Da ich früher zuhause bin als erwartet, habe ich jetzt ja noch diverse Sonntagsstunden vor mir und Zeit, in meinem Adulting-Projekt weiterzukommen. Ich schaue mir zwei Aufzeichnungen von Webinaren an, eins zu Konsumverhalten und eins zu Money Mindset, unterbrochen nur von einem kurzen Catch-up mit dem Mitbewohner.

Während des zweiten Webinars fange ich an zu kochen – es gibt einen angeblich schottischen Kartoffel-Weißkohl-Auflauf, mit dem ich zumindest ein Viertel des vom ehemaligen Mitbewohner hiergelassenen Kohlkopfs verbrauchen kann. Ich nehme fast die doppelte Menge wie im Rezept angegeben, das für vier Personen ausgelegt ist, es kommen am Ende aber nur zwei große Personen raus. Die eine esse ich gleich, die andere ist für das Mittagessen morgen.

Zum Essen und danach schaue ich eine Folge „Mad Men“. Dann räume ich die Küche auf und unterhalte mich nochmal mit dem Mitbewohner, der gerade nach Hause kommt. Schwups ist es 22 Uhr und statt noch irgendetwas Neues zu beginnen, mache ich mich direkt bettfertig, schlafe aber schließlich erst nach 23 Uhr ein.