Auf die Katzen ist Verlass, sie wecken mich spätestens gegen 8, so auch heute. Die üblichen morgendlichen Verrichtungen, aktuell ergänzt um Covid-Test (negativ) und Adventskalender, dann ein Telefonat mit dem Liebsten, der noch im Bett liegt und Kaffee trinkt, während der Rest der Sippe durch den Hotelpool tobt, bevor sich alle zum Frühstück treffen. Ich selbst frühstücke gegen 11. Es gibt Tiramisù, das der Mitbewohner gestern in einem Anfall von Covid-Trotz zubereitet hat, wonach er sich schleunigst wieder ins Bett legen und schlafen musste, dazu Orange, Apfel und Vanillekipferl.
Dann schaue ich „My Life with the Walter Boys“ zu Ende, telefoniere mit meinem Bruder und beobachte den Schnee, der draußen in dicken Flocken fällt und quasi direkt bei Berührung mit dem Boden wegschmilzt. Irgendwann raffe ich mich auf und ziehe mich an. Ich bringe drei Sorten Müll nach unten, leere den Briefkasten und gehe dann eine Runde Spazieren. Nach etwa einer Stunde bin ich wieder zurück und lege mich direkt wieder hin. Das war anstrengend, so ganz gesund bin ich definitiv auch nicht. Wahrscheinlich hat mein Körper in den letzten Tagen fleißig die umherschwebenden COVID-Viren bekämpft und ist davon erschöpft (nach 5 Impfungen und 2 Infektionen weiß mein Immunsystem vermutlich ganz gut, wie das geht?)
Ich schmiere mir Stullen (Avocado-Kichererbsen-Aufstrich, Bio-Salami, Bio-Tilsiter) und pflege dann eine Tradition aus der Hasenfamilie – „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gucken und dabei satt und zufrieden einschlafen.
Dann ist Telefonieren mit dem Liebsten angesagt, während dort der Baum geschmückt wird, und er berichtet vom Besuch bei seinem Onkel und seiner Tante. Als nächstes versuche ich, etwas nicht-weihnachtliches zu gucken, aber nichts kann mich fesseln. Zum Glück ist es dann irgendwann Zeit und ich schaue parallel mit der Liebstenfamilie um 19 Uhr „Der kleine Lord“.
Danach mache ich mir Wiener warm, esse sie mit gekauftem Kartoffelsalat (meh) und telefoniere mit meinen Eltern in Kanada.
Dort sind gerade Freunde da, die sich auf dem Grundstück einen Weihnachtsbaum ausgesucht haben – und meine Eltern haben sich auch einen geschlagen. Bei uns wurde nämlich seit ich mich erinnern kann noch nie ein Weihnachtsbaum gekauft, Herr Merz! Beim Telefonieren und danach trinke ich den neulich angebrochenen Erdbeerglühwein aus, das stimmt mich milde genug, um dann den sehr fragwürdigen Weihnachtsfilm „Family Switch“ auf Netflix bis zum Ende zu sehen, obwohl der echt hanebüchen ist und plötzlich auch noch Matthias Schweighöfer auftaucht. Schokolade hilft auch.
Danach rufe ich nochmal beim Liebsten an, aber das Teilzeitkind geht ran, weil es gerade auf Papas Handy Fernsehen darf, während Papa mit Onkel K. auf ein Bier an der Hotelbar ist. Es ist recht einsilbig und möchte schnell zurück zu seinem Film. Kurz danach ruft der Liebste dann zurück und wir sagen uns „Gute Nacht“. Ich überlege kurz, noch zu lesen, will dann aber doch nochmal kurz auf TikTok was anschauen und dann ist es irgendwann Mitternacht und ich schlafe einfach ein.
Der Tag beginnt zwar mit Halsschmerzen, aber so eindeutig negativem Test, dass ich jetzt auch überzeugt bin, dass der eine gestern ein Fehler war. Mein erster in 3,5 Jahren, ausgerechnet dann, wenn eine Infektion extrem wahrscheinlich ist. Aber gut, keine Infektion ist ja besser als eine Infektion, auch wenn ich mich weiter isolieren muss (in meinem Zimmer, in der Wohnung nur mit Maske, rausgehen erlaubt), bis der Mitbewohner wieder negative Tests hat. Heute aber fühle ich mich auch eh noch so schlapp und erkältet, dass ich völlig zufrieden damit bin, den ganzen Tag im Bett zu liegen. Und Arbeiten muss ich ja auch noch.
Zum Frühstück gibt es Weihnachtskaffee, Stollen, Dominosteine, Lebkuchen und eine Orange. Alle eigentlich heute stattfindenden Meetings sind aufgrund von Krankheit der Teilnehmenden oder fehlender Dringlichkeit abgesagt. In meinem Team sind nur noch die Kollegin aus Frankreich und ich arbeitend. Die USA haben heute frei. Es ist seeeeeeeehr ruhig, noch ruhiger als gestern. Ich erledige ein paar Freitagsdinge, chatte mit der Kollegin in Frankreich, bearbeite ein paar E-Mails und helfe dem Geschäftsführer beim Formulieren seiner Weihnachtsmail ans Team, mehr passiert nicht.
Dazwischen mehrere Telefonate mit dem Liebsten, der schon frei hat und alles für das Weihnachtsfest mit seiner Familie packt, dann auf das Eintreffen des Teilzeitkinds von der Schule wartet, um rechtzeitig los zum Zug zu kommen. Das Kindelein verspätet sich, weil es die Hausaufgabe, ein brennendes Teelicht im Glas als Friedenslicht möglichst unbeschadet mit nach Hause zu bringen, während es Ranzen, Roller und den Reststurm irgendwie händeln muss. Es wird alles etwas hektisch, aber am Ende stehen sie pünktlich am Gleis und kommen auch fast pünktlich an.
Ich schreibe zu 17 Uhr meinen Wochenbericht fertig, verabschiede mich im Teamchat bis nach Weihnachten und klappe den Arbeitslaptop zu und meinen privaten auf. Der Rest des Tages ist bestimmt von Fernsehen. „Feel Good“ zu Ende, fast die komplette erste Staffel von „My Life with the Walter Boys“ (Teenie-Dramen, what‘s not to love?), die erste Folge des LOL-Weihnachtsspecials. Dazwischen immer wieder die Katzen rein und raus lassen, mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind telefonieren… Und zum Abendbrot gibt es ganz festlich Ofenkäse und zum Nachtisch Vanilleeis mit heißer Kirschgrütze und Zimt-Marzipan-Eierlikör. Irgendwann kurz vor Mitternacht fallen mir die Augen zu und ich gebe dem nach.
Kurze und zerstückelte Nacht. Ich wache einmal gegen halb 3 auf und gehe aufs Klo. Dann kurz nach 5 weil die Katzen rauswollen und dann ist die Nacht auch schon vorbei und der Kopf springt an, komisch kränklich fühle ich mich auch. Ich teste mich (negativ) und dümpele dann so vor mich hin. Mit Bloggen und allem bin ich schon fertig, bevor normalerweise der Wecker klingelt. Als das Teilzeitkind aus dem Haus ist, ruft der Liebste an und wir besprechen die Lage. Dann mache ich mir und den Katzen Frühstück und hole mir den Laptop – Bett-Office wegen Isolation.
Auf der Arbeit ist es, als wäre gestern Abend irgendwann ein Schalter umgelegt worden – nach wochenlangem Dauerfeuer ist es plötzlich erstaunlich ruhig. Viele sind krank oder schon im Weihnachtsurlaub oder in den letzten Zügen davor, wer noch da ist, arbeitet nur noch letzte Dinge ab und versucht, sich möglichst leise rauszuschleichen. Um 10 habe ich nochmal ein Meeting mit der Runde der letzten Tage (Dublin, Salerno, Paris, Valencia, Madrid – Brüssel hat das Kind krank) zum Debrief. Wir diskutieren und einigen uns auf nächste Schritte, die ich danach schriftlich festhalte und mit den anderen teile. Rausschicken werden wir das Ganze erst im Januar, sonst geht es unter. Die drei anderen für heute geplanten Meetings (Paris, Ostfriesland und Chicago) werden nacheinander jeweils vom Gegenpart abgesagt, worüber ich nicht böse bin. Ich fühle mich zunehmend kränklicher. Noch nicht arbeitsunfähig im Homeoffice, aber zu früheren Zeiten wäre jetzt der Moment gewesen, die Reißleine zu ziehen und das Büro zu verlassen.
Jetzt verlasse ich erstmal das Bett-Office, denn ich habe noch Dinge zu erledigen. Ich muss vor Weihnachten noch ein Rezept abholen und in die Apotheke, außerdem Einkäufe für den quarantänisierten Mitbewohner erledigen und dann auch für mich selbst einkaufen, weil ich jetzt ja doch mindestens vier Tage hier sein werde statt woanders. Und an denen will ich es mir auch noch so gut wie möglich gehen lassen, vorausgesetzt ich verliere nicht den Geschmackssinn, aber selbst dann. Durch Regen und Sturm laufe ich zur S-Bahn, fahre nach Moabit, laufe zur Arztpraxis. Schon auf dem Hinweg merke ich, wie mein Körper mir die typischen Signale aufkommender Krankheit sendet. Halskratzen, Kopf- und Ohrenschmerzen, Schwächegefühl, Frösteln, Bauchschmerzen… Es hilft nix, ich muss da jetzt noch durch.
In der Arztpraxis muss ich warten, weil bei der Patientin vor mir das Karteneinlesegerät streikt und dann erst neugebootet werden muss. Nach 2-3 Minuten Stehen setze ich mich zum Warten hin. Außer mir trägt nur eine andere Person im Wartezimmer Maske, vom Personal niemand. OK, es ist eine Facharztpraxis, keine Hausarztpraxis und ich weiß, dass hier ein strenges Impf- und Testregime im Team herrscht (inkl. regelmäßiger Antikörpertests), aber trotzdem – bei der Krankheitswelle da draußen…?
Mit dem Rezept geht es unten im Haus in die Apotheke, wo ich außerdem noch Paracetamol für den Mitbewohner hole. Dann zurück zur S-Bahn und in den Prenzlauer Berg. Dort hole ich mir im Supermarkt zum ersten Mal seit langer Zeit einen Wagen. Die Einkaufsliste vom Mitbewohner ist nicht kurz – er plant scheinbar, trotz Erkrankung ordentlich zu kochen die nächsten Tage. Meine Prämisse für den Einkauf lautet eher, dass ich damit rechne, krank in meinem Zimmer zu liegen und möglichst nur kurz in der Küche sein will. Also kaufe ich lauter Dinge für schnelles Essen – Brot mit was drauf, Obst, Milch fürs Müsli… Weihnachtliches in Fertigform (Kartoffelsalat, Würstchen, Rotkraut, Klöße), ein paar Luxusgüter (Chips, Eis, Weihnachtsschokolade, Ofenkäse) und einen Salat von der Salatbar für mein heutiges Mittagessen.
Schwer bepackt geht es dann zurück nach Hause. Drei Stunden war ich unterwegs. Oben angekommen bin ich platt, verräume noch schnell die Einkäufe und gehe dann mit dem Salat zurück ins Bett-Office. Endlich Maske ab. Ich habe heute noch eine Kommunikation zu versenden und stupse nochmal die Kollegin in London an, von der ich dafür noch Zuarbeit benötige. Außerdem muss ich die Bitte um ein spontanes Meeting morgen ausschlagen, da wortwörtlich alle, die daran von unserer Seite teilnehmen könnten (selbst die Vertretung der Vertretung) krank sind.
Als ich mit Essen fertig bin, klingelt es. Die Lieferung mit 6x 18 kg Katzenstreu, die ich Anfang der Woche erwartet hätte und die dann für morgen angesagt war, ist jetzt da und der DHL-Mann bittet mich, runterzukommen und beim Tragen zu helfen. Tolles Timing, der Mitbewohner ist krank und in Quarantäne, der Lieblingsnachbar, der helfen könnte, ist im Büro. Also gehe ich mit Maske runter, beschließe, dass das ganze Katzenstreu in den Keller kommt, quittiere den Empfang und habe dann sechs große, schwere Pakete im Treppenhaus stehen und den Weg versperren. Ich trage eins nach dem anderen in den Keller. Mit zwischendurch absetzen und zum das letzte wird dann nur noch „gekipprollt“.
Bis ich wieder oben bin ist locker eine halbe Stunde vergangen. Ich liege wieder im Bett und atme schwer. Aber gut, dass das jetzt erledigt ist, bevor ich richtig krank bin. Die Kollegin aus London meldet sich und ich kann meine E-Mail abschicken. Dann noch ein bisschen Chatterei mit dem Team – inkl. der beiden, die eigentlich Urlaub haben aber scheinbar nicht loslassen können. Kurz nach 17 Uhr ist der Liebste da, um die Weihnachtsgeschenke abzuholen. Wir stehen mit Abstand und Masken im Treppenhaus, er bekommt einen Koffer und einen Beutel voller Geschenke für seine Familie, ich bekomme eine Dose Mangosaft und eine neue Teetasse, die er unterwegs besorgt hat, um mich aufzumuntern. Nach fünf Minuten fährt er wieder nach Südberlin.
Ich melde mich von der Arbeit ab, gucke dann ein wenig im Internet umher und schaue mir die Aufzeichnung eines Webinars aus dem Adulting-Projekt an, das ich am Sonnabend verpasst hatte. Danach kurzer Social-Media-Check, der mich auf die Idee bringt, mir Beef Noodles zu bestellen (Auf die vielen heute gekauften Sachen habe ich keine Lust…) Ich nutze die Gelegenheit, endlich mal bei Wen Cheng zu essen. Immer wenn ich da vorbeigehe, ist da eine lange Schlange, geliefert wird das Essen in weniger als 30 Minuten.
Als mein Bruder fragt, wie es mir inzwischen geht, beschließe ich, den nächsten Schnelltest zu machen. Genau als ich einen sehr leichten zweiten Strich ausmachen kann, ist das Essen da. Ich fotografiere erstmal den Strich, sage dem Liebsten, der Familie, dem Lieblingsnachbarn, dem Mitbewohner und Mastodon Bescheid, und dann esse ich und telefoniere dabei mit dem Liebsten, der wieder zuhause ist, noch einkaufen war und jetzt einen Dönerteller verspeist. Immerhin essen wir zusammen Abendbrot.
Das Essen ist sehr lecker, aber auch sehr scharf, obwohl ich nur den mittleren Schärfegrad auf einer Fünferskala gewählt habe. Ich schaffe nicht alles. Wenig später mache ich noch zwei Tests zur Kontrolle, die beide negativ bleiben. Ich schiebe das auf das Essen und die noch geringe Viruslast und beschließe, es morgen früh nochmal zu probieren. Unterdessen mehren sich die Sorgen, ob der Liebste und das Teilzeitkind morgen mit dem Zug fahren können, oder der Sturm einen Strich durch die Rechnung machen wird. Alternativen von Mietwagen bis Absagen werden diskutiert, die Stimmung ist allseits trübe.
Heute jedoch kann man nichts mehr tun als abwarten. Ich schaue das neue Trevor-Noah-Special auf Netflix, das weniger witzig ist, als er im Juni live war, und danach (weil es zu spät für einen Film ist) noch diverse Folgen „Feel Good“, bevor ich Zähne putzen gehe. Dann lese ich noch, bis mir die Augen zufallen und ich gegen 1 einschlafe.
Dieser Tag lässt sich emotional gut in zwei Hälften teilen, wobei die eine Hälfte deutlich länger, die zweite aber deutlich schwerwiegender ist. (Ich höre meine versammelten ehemaligen Mathelehrer*innen aufstöhnen). Jedenfalls fing alles recht normal an, kurz vorm Weckerklingeln werde ich endgültig munter, dann liege ich länger im Bett als für das gute Gewissen gut ist und hetze mich ab 9 ein wenig, um schnell an den Laptop zu kommen. Das ist insofern hilfreich, als dass ich es so schaffe, bis pünktlich um 13 Uhr zur anvisierten Mittagspause die beiden großen Arbeitsbrocken mit Deadline heute endgültig aus dem Weg zu bekommen (nicht ohne die Hilfe meiner Chefin, die trotz Weihnachtsurlaub da ist, um zu unterstützen und mir hilft, Leuten hinterher zu jagen, deren Zuarbeit ich brauche).
Punkt 13 Uhr jedenfalls schicke ich die letzte Mail raus, dann gehe ich ins Draußen und hole Katzenstreu (ich habe eine Bestellung mit einem riesigen Vorrat auf dem Weg zu mir, brauche aber vermutlich noch vor der Ankunft welches und will vorsorglich über die Feiertage genug da haben) und auf dem Weg dahin im Drogeriemarkt noch Vitamin C, Zink und Waschmittel. Wieder zuhause mache ich mir einen Snackteller mit Adventssüßkram (keine Zeit für elaborierteres Mittagessen mehr) und stürze mich in den zweiten Teil des großen Meetings mit London, Paris, Prag, Madrid, Valencia, Salerno und Dublin. Wieder zwei intensive Stunden, die insgesamt aber recht gut verlaufen.
Danach fällt so langsam der Arbeitsdruck von mir ab. Ich räume meine Tabs auf, erledige Kleinigkeiten, unterstütze meine Kolleg*innen in Chicago und Paris bei ihren Aufgaben und puzzle so vor mich hin, bis mir auffällt, dass ich den Mitbewohner heute noch gar nicht gesehen und nach morgens vor dem Weckerklingeln auch nicht mehr gehört habe. Wir schreiben kurz und jetzt weiß ich, dass er noch lebt, aber wohl noch kränker ist als die letzten beiden Tage. Ich bitte ihn, einen COVID-Test zu machen, sobald es ihm möglich ist, aufzustehen. Um 18 Uhr klappe ich den Laptop zu und mache mich ans Einpacken der bisher vorhandenen Weihnachtsgeschenke (alles für Bescherung Nr. 1, inklusive einiger Sachen, die der Liebste verschenkt, die aus Gründen bei mir liegen). Währenddessen kommt der Mitbewohner aus seinem Zimmer, bekommt von mir einen Schnelltest in die Hand gedrückt und kocht sich eine Suppe.
Als ich fertig mit Einpacken bin, ist er fertig mit Kochen und macht den Test. Der zweite Strich ist deutlich und knallrot und etwa drei Sekunden danach haben wir beide eine Maske auf. Ich reiße alle Fenster auf, er nimmt die Suppe mit in sein Zimmer, ich gehe in mein Zimmer und schließe die Tür. Dann verabreden wir die Regeln für die nächsten Tage – Zimmertüren zu, Rauskommen nur mit Maske, im Bad nur bei offenem Fenster Maske ab. Mein Test von heute Nachmittag war negativ und ich fühle mich auch ziemlich gesund. Trotzdem ist es jetzt Zeit, der Realität ins Auge zu sehen und die nächsten Tage umzuplanen.
Ich telefoniere mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind, die gerade einen Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt haben – für die in Berlin bleibende Mitbewohnerin und unser kleines zweites Weihnachtsessen am 26. Die Erwachsenen sind sich einig, dass ich unter diesen Umständen nicht riskieren kann, mit zum Weihnachtsfest bei den hochaltrigen Liebsteneltern zu kommen. Ich hänge mich in die Warteschleife bei der Bahn, um zu erwirken, dass unsere Zugtickets, die auf meinen Namen laufen, auf den Liebsten umgeschrieben werden (laut Bahnseite geht das nicht, in der Hotline erfährt man dann, dass man eine E-Mail an den Kundenservice schreiben muss und dann geht es wohl doch). Dann planen der Liebste und ich, dass er morgen nach der Arbeit kurz vorbeikommt und mit Abstand alle Geschenke mitnimmt, die zu seiner Familie mitmüssen. Wenn alles gut geht, kann ich am 26. dann zum Weihnachtsessen kommen und wir bescheren uns dann gegenseitig (seine Geschenke für mich liegen eh bei seinen Eltern, da er sie direkt dorthin hat liefern lassen).
Dann mache ich mir den letzten Rest Kürbissuppe warm und esse den samt dem Rest Obstsalat von gestern und lasse die neue Situation langsam einsinken. Keine drei Nächte im Hotel mit dem Pool und der Sauna, kein Planschen mit Teilzeitkind und Nifftenkind, kein Essengehen im Hotelrestaurant und abends auf dem Zimmer zusammen LOL gucken, kein Am-Kamin-Sitzen bei Liebstenonkel- und -tante kein Zoobesuch mit der Liebstencousine samt Familie, kein vom Liebstenpapa gekochtes Weihnachtsessen zu acht um den fast zu kleinen Tisch herum, keine gemeinsame Bescherung (doch, virtuell irgendwie), kein gemeinsames „Der kleine Lord“ gucken und dabei einschlafen, kein Stadt-Land-Fluss-Battle mit der Liebstenschwester… Stattdessen Weihnachten entweder gesund und isoliert in meinem Zimmer (und alle paar Minuten die Katzen rein- und rauslassen) bzw. draußen bei Spaziergängen oder krank gemeinsam mit dem Mitbewohner. Ziemlich sicher jedenfalls mit bestelltem Essen, viel Lesen und Fernsehen.
Auch: Statt Freitag mitten im Arbeitstag die Zelte abbrechen müssen, um dann im vollen Zug weiterzuarbeiten, dann zwei Tage die ganze Zeit Menschen um mich herum und dann wieder im vollen Zug zurück. Klingt nach den letzten Wochen auch ganz OK, wenn nicht alles aus dem Absatz davor auch wäre… Ich klammere mich an die positiven Aspekte, mache mit Maske das Katzenklo sauber (das ist definitiv eine schönere Erfahrung), putze mir schnell die Zähne und liege dann im Bett und gucke zur Beruhigung eine Folge West Wing – klappt nur so halb, mit der Konzentration ist es Essig. Also nochmal mit dem Liebsten telefonieren, ein paar Seiten Buch lesen und dann kurz nach Mitternacht in einen kurzen, unruhigen Schlaf fallen.
Die lieben Katzen wecken mich – jede mit eigenem Anlauf – etwa eine halbe Stunde vor dem Weckerklingeln. Trotzdem brauche ich lange, um meine morgendliche Runde durchs Internet zu drehen, mit dem Liebsten zu telefonieren und irgendwann aufzustehen. Dann geht es mir Frühstück (Zimt-Dingsis, Kaki, Hafermilch, Tee) an den Schreibtisch. Unterstützt von Katzen – abwechselnd auf Schoß und Tastatur – mache ich die Nachbereitung zum gestrigen 2-Stunden-Termin, gehe nochmal durch die Slides, schreibe Kommentare und Notizen in ein Doc, lese die der anderen Teilnehmenden und versuche, alles zu sortieren.
An einer anderen Baustelle laufe ich in einem anderen geteilten Doc Stakeholdern hinterher, deren Input und Approval ich brauche. In einem wieder anderen Projekt wühle ich mich durch eine Exceltabelle und sortiere Daten. Um 12 Uhr treffe ich mich mit den Leuten aus dem ersten Dokument (Valencia, Madrid, Brüssel, Salerno, Dublin) und wir gehen eine gute Stunde lang alles durch, finalisieren unseren Fragenkatalog und besprechen unsere Strategie für morgen. Dann schicke ich den fertigen Fragenkatalog an die andere Partei, damit sie sich entsprechend vorbereiten können. Mir bleibt eine gute halbe Stunde für die Mittagspause. Ich nehme Wäsche ab und lege sie zusammen, hänge Wäsche auf und stelle noch eine zweite Maschine an, damit rechtzeitig vor meiner Weihnachtsabwesenheit (Urlaub habe ich keinen), alles sauber ist, was ich brauche. Dann esse ich eine große Schüssel Suppe von gestern mit dem Rest Fladenbrot von letzter Woche.
Um 14 Uhr geht es weiter, eine gute Stunde lang mit Ostfriesland und Berlin. Ich berichte vom großen Meeting und wir besprechen verschiedene aktuelle Themen. In der Nachbereitung verfasse ich ein Protokoll, schaue mir ein Schulungsvideo an und formuliere eine ausführliche E-Mail-Antwort. Zwischendurch bitte ich schon mal meine Chefin darum, sich an der Jagd nach Input und Approval zu beteiligen. Sie hat damit auch direkt mehr Erfolg als ich, allerdings zu spät am Tag, als dass ich heute noch weiterkommen würde. Stattdessen versinke ich dann nochmal in der Datenanalyse, bis ich gegen 18:20 Feierabend machen muss, weil ich sonst zu spät zum Yoga komme.
Ich füttere schnell die Katzen und laufe dann mit Podcast auf den Ohren durch Sprühregen zum Yoga. Die Lehrerin erwartet mich mit Schokolade, damit kann ich heute sehr gut leben. Heute sind wir zu viert. Die Stunde läuft gut, ich habe echt Fortschritte gemacht, auch wenn vieles weiterhin nicht geht oder zu sehr wehtut. Und Abschalten klappt heute auch nur während besonders anspruchsvoller Asanas. Dazwischen geht es die ganze Zeit im Kopf herum. Arbeitsthemen, was esse ich nachher, was muss noch vor Weihnachten erledigt werden und wann, was wenn die Erkältung des Mitbewohners sich als COVID entpuppt und ich alles absagen muss?
Dann wieder Rückweg im Regen, mit kleinem Umweg, damit es mit dem Schrittziel klappt (reicht fast). Zuhause ein kurzer Schnack mit dem Mitbewohner, der sich schon etwas besser fühlt. Ich mache mir Obstsalat mit Chicorée und eine „Grillschnitte“ mit Mailänder Salami und Raclette.
Das esse ich auf dem Bett liegend und telefoniere derweil mit dem Liebsten. Danach beschäftige ich mich damit, was heute in der Welt passiert ist – Nachwahl in Berlin (nur dort, wo ich gewählt habe, nicht dort, wo ich Schriftführerin war, Yay!), Vulkanausbruch auf Island, Behördenkreuze in Bayern, Sturm bei meinen Eltern… Kurz nach 11 klappe ich den Laptop zu und lese noch ein paar Seiten, bevor mir die Augen zufallen.
Bei der Wahl der Überschrift alles verworfen, was mir als Zusammenfassung des gestrigen Montags einfiel und zwei schöne Sachen vom Abend ausgesucht, was mit Essen, passt doch so gut zu mir. Vielleicht nur noch über die angenehmen Dinge bloggen? Nur noch „was schön war“? Dann ist das hier aber kein Tagebuchbloggen, also weiter im Text.
Ich werde erst vom Wecker geweckt und habe Mühe, wach und munter zu werden. Es wäre jetzt wirklich Zeit für Winterschlaf oder eben Weihnachtsurlaub. An beides ist aktuell nicht zu denken. Angesichts eines erwartbar langen Arbeitsabends könnte ich immerhin erst später anfangen, aber dann schreibt eine Kollegin mich kurz vor 9 an und braucht meinen Rat und ich schreibe zurück und dann kann ich jetzt auch direkt aufstehen. Halb 10 sitze ich am Rechner, mit Tee, Weihnachtsgebäck und Clementinen, und beginne ganz hochoffiziell die Arbeitswoche. Wie meistens am Montag ist der Vormittag noch sehr ruhig. Ich arbeite an Dingen von Freitag weiter, drücke zum Abschluss eines Projekts auf den „Senden“-Knopf und erledige ein paar Sachen im Backend unserer Webseite.
Dann mache ich (wie sich herausstellt zum Glück) eine frühe Mittagspause und gehe ins Draußen, die letzten Dinge für die anstehende erste Bescherung am Wochenende besorgen. Als ich an der Kasse stehe, stelle ich fest, dass mein Portemonnaie zuhause liegt. Ich haste also nochmal heim, und dann wieder zurück, bezahle, gehe noch in einen weiteren Laden und bin dann trotzdem noch rechtzeitig wieder zuhause, um mir noch einen Salamitoast und eine Möhre hinter die Kiemen zu schieben und meine Gedanken zu sammeln, bevor der erste Teil eines großen jährlichen Meetings stattfindet (mit Paris, Prag, London, Dublin, Brüssel, Madrid, Valencia, Salerno), bei dem ich eine tragende Rolle habe.
Das Meeting geht zwei Stunden (Teil 2 morgen, Teil 3 Mittwoch), direkt gefolgt von einem anderthalbstündigen globalen Meeting, bei dem ich aber nur zuhören muss und nebenbei noch Kleinigkeiten erledigen kann, direkt gefolgt von einem einstündigen Team-Meeting mit Nordengland, Paris und Chicago. Dann ist es 18:15 und da ich um 19 Uhr einen privaten Call habe und meine To-Do-Liste für die Woche noch lang ist, bleibe ich nach einem kurzen Telefonat mit dem Liebsten (und dem Erhitzen einer Tasse Erdbeerglühweins) einfach am Schreibtisch sitzen und arbeite weiter. Dann Call im Rahmen des Adulting-Projekts (heute unter einer Stunde) und dann bringe ich das angefangene Arbeitsprojekt immerhin noch zu einem guten Teilabschluss, so dass ich morgen gut weitermachen kann.
Um 20 Uhr klappe ich den Laptop zu, füttere die Katzen und koche mir eine Suppe aus Butter, Zwiebeln, Staudensellerie, Möhren, Knoblauch, Kürbis von der Hasenmama, italienischer Gemüsebrühe, Safransalz, Pfeffer, Cumin, Koriandersamen, Piment, Peperoni und Kokosmilch. Kurz vor 21 Uhr sitze ich damit dann auf der Couch, bei einem zweiten Erdbeerglühwein.
Ich erledige mein Sprach-App-Pensum, telefoniere nochmal mit dem Liebsten (und sage dabei die vorsichtige Verabredung für morgen ab, ich brauche diese Woche alle Abende zur freien Verfügung, sonst schaffe ich es nicht heil bis Heiligabend) und hänge dann noch bis kurz nach 22 Uhr im Internet herum – zu kaputt zum Geschenke einpacken, aber ich habe ja noch drei mögliche Abende… Dann mache ich mich bettfertig und lese noch, während die Katzen schon schlafen.
Dafür, dass ich erst so spät geschlafen habe, wache ich ärgerlich früh auf. Allerdings bin ich gar nicht so furchtbar müde, weil ich ja gestern den ganzen Tag im Bett gelegen habe. Ist OK. Gemütliches Herumdümpeln im Bett mit einem Chai, dann stehe ich irgendwann auch auf, als der Mitbewohner und sein Besuch aufstehen. Gemeinsam räumen wir den Geschirrspüler aus und ein, erzählen uns unsere Abende und essen zum Frühstück Tiramisù – für mich mit Clementinen. Ich unterhalte mich mit dem Besuch über Blasenentzündungen, Endometriose und Chronic Fatigue, worüber man heutzutage eben so bondet. Dann ausführliches Telefonat mit dem Liebsten, bevor ich mit weiteren Haushaltsdingen beginne – mein Wochenendrhythmus wird zunehmend mehr jüdisch als christlich – von Freitagabend bis Samstagabend ist heftigstes Ausruhen angesagt, dafür wird dann am Sonntag alles andere erledigt. Liegt aber an meinem Energielevel, nicht an religiösen Dingen.
Jedenfalls beziehe ich dann mein Bett neu, räume mein Zimmer auf, bringe Müll runter, durchsiebe das Katzenklo, gieße Pflanzen und sauge die Wohnung. Dann sitze ich kurz mit Tee da und ruhe mich aus, während ich darauf warte, dass das Bad frei wird. Außerdem das zweite Telefonat heute mit dem Liebsten. Dann Duschen, Haarewaschen, Föhnen. Der Mitbewohner und sein Besuch brechen zu einem Geburtstag auf (das Geburtstagskind legt tagsüber in einen linksalternativen Club auf, der bald für immer schließt). Ich telefoniere zum dritten Mal mit dem Liebsten und breche dann mit Podcast auf den Ohren zum Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei auf. Also eigentlich zum Luciamarkt.
Erst bin ich ein wenig erschlagen von der Masse an Menschen, aber dann fällt mir auf, dass es hier weniger laut, dränglich und angetrunken ist, als auf anderen Weihnachtsmärkten und ich lasse mich drauf ein. Ich spaziere einmal den ganzen Markt ab und überlege mir, was ich in welcher Reihenfolge essen möchte und ob nun finnischer, norwegischer, schwedischer, dänischer oder isländischer Glögg wohl am leckersten ist. Ich entscheide mich dann aber angesichts der Schlangen, hier nur zu essen und dann lieber zuhause noch einen Glühwein zu trinken.
Am Flammlachs-Stand hole ich mir ein Brötchen mit geflämmtem Lachs, Salat und Senf-Dill-Sauce und während ich das esse, beobachte ich das Treiben und fühle mich dann doch einigermaßen besinnlich weihnachtlich – die Szenerie könnte auch aus einem Weihnachtsfilm stammen.
Dann hole ich mir an einem Stand noch Maronen – weniger skandinavisch, aber man kriegt die in Berlin auch nicht so oft frisch zubereitet. Die schäle und nasche ich dann, während die Sonne untergeht.
Dann laufe ich wieder mit Podcast auf den Ohren nach Hause und wärme mir unterwegs die Hände an den noch heißen Kastanienschalen in der Tüte. Auf dem Weg denke ich noch über einen Bratapfel zur Abrundung nach, aber als ich zuhause ankomme, bin ich dafür zu voll gefressen. Ich mache mir einen Erdbeerglühwein warm, gucke nochmal über die Unterlagen zu meinem Adulting-Termin morgen und setze mich dann vor den Fernseher. Ich schaue den neuen Thriller mit Julia Roberts, Ethan Hawke und Mahershala Ali auf Netflix und bin zwischendrin relativ ratlos. Merkwürdiger Film. Aber witziges Ende. Zwischendurch nochmal ein längeres Telefonat mit dem Liebsten, wir diskutieren anhand eines YouTube-Videos den Nahost-Konflikt – was man so macht dieser Tage.
Danach ist mir wieder nach Weihnachtskram. Ich hole Spekulatius, Vanillekipferl, Dominosteine, Lebkuchen und einen (ungebratenen) Apfel und schaue einen norwegischen Weihnachtsfilm mit viel Anschauungsmaterial zu rassistischem Unconscious Bias und lerne dabei u. a. auch, dass man in Norwegen am 23.12. Dinner for One guckt (und in Indien am 24.12. um Mitternacht Feuerwerke abbrennt und „Merry Christmas“ ruft). Der Film endet mit indischem Tanz in einem norwegischen Wohnzimmer und die Musik gibt mir den notwendigen Schwung, aufzustehen und mich bettfertig zu machen. Im Bett lese ich dann noch eine gute Stunde weiter in Carla Kasparis „Freizeit“ – eine schöne Überraschung, dieses Buch. Ich hatte es nach dem Immergut und der dortigen Lesung mehr halbherzig auf meine Wunschliste gesetzt und jetzt ist es deutlich besser, als was ich auf der Lesung gehört habe. Schön!
Das mit dem Ausschlafen, das üben wir nochmal. Die Aufwachzeit ist mir für meinen Geschmack nicht weit genug vom wochentäglichen Weckerklingeln entfernt. Immerhin gibt es heute keinerlei Zeitdruck und nichts spricht gegen einen gemütlichen Morgen im Bett. Ursprünglich war der Tag heute für notwendige Erledigungen vorgesehen, um dann am Sonntag hauptamtlich zu ruhen, aber im Laufe des Vormittags ergibt es sich anders:
1. Der Liebste ist noch genauso abschaltbedürftig wie gestern, so dass wir unser für den Abend angedachtes Date auf den Sonntag verschieben. Das bedeutet, dass ich das Bett-neu-Beziehen und Wohnung-Saugen für den Allergiker auf morgen verschieben kann. Und, dass ich nicht mehr einkaufen gehen muss für ein ausgiebiges Sonntagsfrühstück – für meine Frühstücksgewohnheiten ist genug da und am Montagmorgen braucht der Liebste nur einen Kaffee, bevor er aus dem Haus geht.
2. Der Liebste und ich sprechen ausführlich – und zeitweise mit seiner zugeschalteten Schwester – über Weihnachtsgeschenke. Gemeinsam mit meiner Geschenke-Inventur hier gestern ergibt sich daraus, dass ich bis auf eine Kleinigkeit, die ich auch in der Woche in einer Mittagspause besorgen kann, erstmal ausreichend da habe (für alle Familienmitglieder, die ich im Dezember potenziell noch sehe) und auch dafür nicht nochmal aus dem Haus muss.
Folglich bleibe ich entspannt im Bett liegen, mit dem einzigen Produktivität, zwischendurch zwei Ladungen Wäsche zu waschen, und gebe mich dem süßen Nichtstun hin – erst weiter mit „The West Wing“, dann mit den letzten sechs Folgen „The Crown“. Zum Frühstück gibt es Toast mit Quittengelee und Toast mit Salami, Erdbeerstollen und Birne und es ist ganz gut, dass ich so reichlich esse.
Der Mitbewohner nämlich hat mit seinem Besuch für heute nämlich einen Kochmarathon eingeplant und braucht mich zum Mitessen. Aber alles dauert dabei länger als gedacht. Zwar gibt es schon gegen 12 einen Campari Soda ans Bett serviert, aber bis der erste Gang fertig ist, ist es dann doch schon 17:00 oder so. Aus der Küche dringen derweil köstliche Gerüche, viel Gelächter und einiges an Musik, vor allem Metal und Punk.
Zum Essen der ersten beiden Gänge sitzen wir dann zu dritt im Wohnzimmer.
Tagliatelle al ragù, das Ragù aus TrüffelsalamiParmigiana alla melanzane
Nach Primo und Secondo sind wir alle erstmal ziemlich platt und vollgefuttert und alle müssen erstmal wieder liegen. Macht mir nichts, ich bin ja gut beschäftigt. Etwa zwei Stunden später geht die Action in der Küche weiter. Es wird aufgeräumt, geputzt und nebenbei ein Tiramisù zubereitet, dass gegen 21:30 in den Kühlschrank wandert und eigentlich mindestens vier Stunden durchziehen soll. Gegen 22:30 verabschieden sich die anderen, denn sie haben heute Abend noch eine Verabredung. Gegen 23:30 hole ich mir eine Portion Tiramisù, denn irgendwann will ich ja auch schlafen. Es ist sehr gut, statt Amaretto hat der Mitbewohner Maraschino verwendet, nach dem Rezept seiner Mutter. Ich bin gespannt, ob es morgen nach noch mehr Durchziehen noch besser ist.
Der Kaffee im Tiramisù und die Vielzahl der „The Crown“-Folgen bis zum Finale sorgen dann dafür, dass ich erst weit nach 3 Zähne putzen gehe und dann schlafe. Upsi.
Ich habe ungefähr neun Stunden durchgeschlafen und das war natürlich auch bitter nötig. Da das erste Meeting heute recht spät ist, hätte ich sogar noch länger schlafen können, aber des Mitbewohners Wecker ging zur normalen Zeit und da meine Zimmertür in der kalten Jahreszeit für die Katzen offen bleibt, werde ich dann sowieso wach, wenn er aufsteht. Aber hey, neun Stunden sind super! Auch super ist, dass ich heute nicht ins Draußen muss und das so richtig zelebrieren kann, mit Arbeiten im Schlafanzug, allerdings am Schreibtisch, um nicht im Bett-Office aus Versehen nochmal einzuschlafen.
Zum Frühstück gibt es Chai, Pannetone, Lussekatter und einen Apfel. Fühlt sich gleich ein wenig adventlich an. Dann noch Musik an und nachdem die ersten Leute in meiner Internetbubble ihre Threads-Accounts posten nehme ich auch meinen in Betrieb. Usability ähnlich wie Twitter, Population wie Instagram. Macht auf jeden Fall jetzt schon mehr Spaß als Bluesky, wo ich ja immer vergesse, reinzugucken und hat gegenüber Mastodon den Vorteil, dass es GIFs und Drükos gibt. Ich vermute, dass das ein weiteres Online-Wohnzimmer wird, allerdings folgen mir dort dann halt auch Kolleg*innen, ehemalige Schulkamerad*innen und so weiter, evtl. muss ich mal ein bisschen die Schilde kalibrieren. Jedenfalls, dieses Gefühl von Arbeiten im Schlafanzug, Gemütlichkeit, virtuellem Wohnzimmer – das erinnert mich stark an die „Lockdown“-Zeiten der frühen Pandemiejahre. Und das ist erschreckenderweise ein sehr heimeliges Gefühl. Passt allerdings auch zum Infektionsgeschehen da draußen – jetzt sehen wir mal, wie sich eine Durchseuchung ohne Maßnahmen auswirkt, auch wenn zum Glück die meisten inzwischen eine Grundimmunität haben. Und es passt zum Entschluss vom Liebsten und mir, bis Weihnachten unsere Infektionsrisiken zu minimieren. Hoffen wir, dass wir bis nach dem Familienfest durchhalten!
Arbeitsmäßig ist es heute alles etwas weniger stressig als die letzten drei Tage, in dem Sinne, dass es keine kritischen Deadlines zu bestimmten Uhrzeiten gibt. Genug zu tun ist trotzdem und Deadlines für „irgendwann heute“ habe ich auch, aber es fühlt sich eben ein bisschen weniger gehetzt an. Der Tag beginnt mit E-Mails, dann ein Meeting mit Ostfriesland plus Nachbereitung. Danach u. a. ein Übergabe-Meeting mit der Kollegin in Nordengland, die am frühen Nachmittag ihren Jahresendurlaub antreten wird, Versenden einer globalen Rundmail, Internetrecherchen, Ausformulieren von Stichpunkten, Zuweisung an Aufgaben für die Stakeholder eines Projekts, Korrekturen zu verschiedensten Themen der letzten Tage und Wochen (dabei stellen die eine Kollegin und ich irgendwann fest, dass wir unsere vermeintliche Übereinkunft jeweils unterschiedlich interpretiert haben und uns mehrfach gegenseitig falsch korrigiert haben), Zusammenstellen von Informationen für einen One Pager, Übersetzen eines Pressetexts… Nach fünf Stunden konzentrierten Durcharbeitens mache ich eine Pause und setze mich ein Weilchen aufs Sofa. Der Mittagshunger bleibt dank des reichlichen Frühstücks aus.
Nach der Pause geht es heiter weiter, unterbrochen von der Biokistenlieferung, einem Telefonat mit einem Kollegen, der heute bei der Beisetzung des verstorbenen Kollegen tief im Westen war und natürlich Redebedarf hat und von einem Treffen unseres Arbeitsbuchclubs. Gegen 17 Uhr beginne ich, meinen Wochenbericht zu schreiben und dann ist kurz vor 18 Uhr endlich Feierabend. Was für eine Woche. Was für ein Jahr auch. Und nächste Woche sieht es noch nicht deutlich besser aus, da ich neben wichtigen Terminen auch noch Urlaubsvertretung mache und am Freitagmittag schon alles Wichtige fertig sein muss, da ich nachmittags im Zug sitzen werde (wahrscheinlich ohne Tisch) und dann auf den Internetempfang in der Bahn angewiesen sein werde. Idealerweise muss ich dann nichts mehr machen, oder nur noch Kleinigkeiten, die nebenbei auf dem Handy gehen. Den Laptop nehme ich trotzdem mit, nur für den Fall.
Aber das ist alles Zukunftsmusik. Im Hier und Jetzt ist Feierabend. Ich esse die Reste vom syrischen Essen von gestern und liege dabei gemütlich im Bett. Internet vom Tag nachlesen, Spach-Apps (nur das Minimum heute, bin zu kaputt), mehrfach mit dem Liebsten telefonieren und ansonsten fünf Folgen West Wing gucken. Irgendwann spät habe ich nochmal ein Hüngerchen und esse Toast mit Mailänder Salami und Kaki. Kurz vor Ende der fünften Folge schlafe ich ein, da ist es kurz nach Mitternacht.
Das war heute im Adventskalender, mal gucken, wann ich den aufmache
Als ich nach knapp vier Stunden Schlaf auf die Uhr gucke und es 4:20 ist (höhö), ahne ich noch nicht, dass das das endgültig Wachsein sein würde. Um direkt weiterzuschlafen, ist mein Kopf schon zu aktiv, also versuche ich es erst mit Podcast, dann mit Hörbuch (die Gedanken einfach übertönen/neutralisieren), aber das klappt alles nicht. Der Wecker klingelt eh um 6, also gebe ich kurz nach 5 endgültig auf. Ich drehe meine morgendliche Runde durch die Blogs und sozialen Netzwerke, blogge dann selbst ausführlich und stehe kurz vor halb 7 auf. Der Rucksack ist noch von gestern gepackt, da müssen nur das angerührte Porridge von gestern und die letzten Clementinen dazu. Außerdem mache ich mir einen Builder‘s Tea mit Hafermilch für den Thermobecher, den Katzen Frühstück und mich ausgehfertig.
Kurz vor 7 gehe ich los, es ist noch komplett dunkel draußen, auch ein wenig nass, aber nicht allzu kalt. Auf dem Weg zur Tram telefoniere ich mit dem Liebsten, der gerade im Bett liegend überwacht, dass das Teilzeitkind rechtzeitig aufsteht und sich auf den Weg in die Schule macht. Vom Alex aus kann ich diesmal nicht laufen, sondern muss noch U-Bahn fahren, denn es geht nicht ins Büro, sondern zu meinen Eltern, bei denen sich heute Handwerker angesagt haben, während sie ja noch in Kanada sind. Als ich dort ankomme, schaue ich als erstes nach der Post, dann suche ich mir nach Begutachtung der Schreibtischhöhen und Monitorgrößen einen Arbeitsplatz aus (den von Papa in dem Fall, dafür trage ich die Hausschuhe von Mama), baue meinen Laptop auf, kippe mein Frühstück zusammen und sitze um 8 am Schreibtisch, während es draußen hell wird.
Wenig später sind auch schon die Handwerker da und müssen reingelassen und unterstützt werden. Das dauert netto ungefähr 20 Minuten, brutto eine gute Stunde. Dazwischen kläre ich bereits Dinge mit Kolleg*innen in Berlin und Florenz, kaufe beruflich in einem Online-Shop ein und fülle eine Tabelle mit Daten. Nachdem die Handwerker weg sind, stürze ich mich so richtig in die Aufgaben des Tages. Um 16 Uhr findet ein globales Meeting statt und bis dahin muss noch viel vorbereitet und an den richtigen Stellen im Intranet etc. untergebracht werden, was viel Abstimmung zwischen Berlin, Südengland, Mailand und London, inklusive spontaner Meetings, erfordert. Zwischendurch lektoriere ich die Übersetzung von Video-Untertiteln, habe noch ein geplantes Meeting mit London, ein geplantes Meeting mit Ostfriesland und Paris und dann mein 1:1 mit meiner Chefin in Nordengland, bei dem wir mal wieder kräftig überziehen, aber neben aktuellen beruflichen Themen auch über Privates reden. Kurz nach halb 2 habe ich Zeit für die Mittags“pause“.
Ich kümmere mich um die Pflanzen meiner Eltern, baue meinen Arbeitsplatz wieder ab, beseitige meine Spuren in der Küche und mache mich dann auf dem Heimweg. Auf dem Weg zur U-Bahn telefoniere ich mit einer Arztpraxis für ein Rezept, das ich für die Medikation einer chronischen Erkrankung brauche und noch vor Weihnachten abholen muss, weil die Praxis zwischen den Jahren zu ist, in der U-Bahn chatte ich weiter mit dem Team und kläre Sachen für das Meeting nachher, weil ich so im Flow bin, vergesse ich direkt, meine Maske aufzusetzen. Beim Umsteigen auf dem Alex hole ich mir zum Mittag Churros mit Schokoladensauce, dann geht es mit der Tram zurück in den Pberg (diesmal mit Maske). Weil die Tram unglaublich voll ist und mir Luft und Bewegung gut tun (und ich Hunger habe), steige ich eine Station früher aus und habe 3 Minuten mehr Fußweg. Auf diesem esse ich endlich meine Churros.
Zuhause angekommen baue ich meinen Laptop wieder auf dem Schreibtisch auf, hole mir eine Mate und sitze dann mit Noosa auf dem Schoß wieder am Schreibtisch. Die letzten Vorbereitungen für das Meeting laufen, inklusive eines leicht panischen spontanen Calls mit Mailand und Chicago. Alles klappt am Ende. Pünktlich um 16 Uhr geht das Meeting los und pünktlich um 17 Uhr ist es vorbei. Direkt danach geht mein Team nochmal in einen Auswertungscall und bespricht auch die nächsten Schritte.
Um 18 Uhr klappe ich den Laptop zu und mache mir ein alkoholfreies Radler auf. Ich schnacke kurz mit dem Mitbewohner, bestelle uns syrisches Essen, schreibe kurz mit meinem Bruder, füttere die Katzen, durchsiebe das Katzenklo, setze mich kurz auf die Couch und dann kommt auch schon das Essen. Der Mitbewohner und ich gönnen uns Tabouleh, einen Granatapfel-Rotkohl-Salat, ein Reisgericht mit Auberginen, Mandeln und Minz-Joghurt und Fladenbrot und unterhalten uns. Zum ersten Mal heute zieht ein wenig Ruhe ein.
Dann legt sich der Mitbewohner hin – eine Migräne-Attacke ist am Aufziehen. Ich mache meine Italienisch-Übungen, wobei mir immer wieder die Augen zufallen. Kurz vor 20 Uhr bin ich damit pünktlich durch, ich habe nämlich noch einen privaten Call im Rahmen meines Adulting-Projekts. Gegen 21 Uhr versorge ich den Mitbewohner nochmal mit Schmerzmitteln und einem Eimer, bevor ich mich in die Badewanne lege. Dort telefoniere ich ausführlicher mit dem Liebsten, trinke mein Radler aus und liege dann einfach im warmen Wasser, höre einen Podcast mit Bill und Hillary Clinton und starre vor mich hin.
Gegen 22 Uhr verlasse ich die Wanne, putze mir die Zähne und lege mich ins Bett. Eine halbe Stunde später schlafe ich tief und fest.