01.01.2024 – Wohlan denn

Als ich endgültig aufwache ist es noch sehr ruhig im Partyhaus und kurz vor halb 9. Ich verschwinde kurz ins Bad und lege mich dann wieder zum Liebsten auf die Luftmatratze. Nach und nach wachen Menschen auf und tun Dinge und das macht dann auch den Liebsten wach. Wir halten es aber noch eine ganze Weile liegend und kuschelnd aus, bevor sein Kaffeedurst zu groß wird. Nach einer Weile kommt er wieder und gibt mir zwei Schlucke aus seiner Tasse ab – die Schlange an der Maschine war zu lang für eine zweite Tasse. Dann stehe ich auch auf und gehe nach unten. Hier gibt es einen Schwebezustand zwischen Partyaufräumung und Frühstückstischdeckung und diversen Personen in unterschiedlichsten Zuständen. Aufgeweckte Kinder mit Nutellabrötchen, recht zerstörte Erwachsene auf der Suche nach Kaffee, Ibuprofen und Heringssalat, schlafende Teenies (die Mädchen auf der Tanzfläche, die Jungs in der Höhle mit den Computern).

Der Liebste bietet mir einen weiteren Schluck Kaffee für ein halbes Salamibrötchen. Das mache ich ihm gerne und frühstücke dann selbst ganz normal – Käsebrötchen, Guacamolebrötchen, Marmeladenbrötchen, Käsekuchen, Gemüsehäppchen, Kaffee, Fanta (?!). Meinem Magen geht es gut, ich bin nur müde und leicht kopfschmerzig. Als auch die Teenies aufstehen, löst sich die Feiergemeinschaft langsam auf – alle räumen und packen und dann sitzen wir irgendwann mit drei anderen im Auto, bringen die noch nach Hause und dann mich. Der Liebste fährt nach Südberlin, ich bringe meine Sachen nach oben, herze und füttere die Katzen, nehme mir eine Limettenlimo und meine Kopfhörer und gehe dann wieder raus.

Neujahrsspaziergang. Ich höre Hörbuch und laufe durch die Gegend, eine gute Stunde oder mehr lang, bis das Schrittziel erreicht ist. Es ist zu warm für die Jahreszeit, überall gibt es Spuren der Nacht zu sehen. Durch Zufall komme ich auch an einer ausgebrannten Wohnung im Neubaublock vorbei. Später lese ich, dass sechs Menschen dort gerettet wurden, aber eine Katze starb. In meinem Hörbuch geht es um menschliche Abgründe in einer Kleinstadt in Nordschweden, das passt ganz gut zur optischen Stimmung des Spaziergangs.

Wieder drinnen packe ich meinen Rucksack aus, beziehe das Bett frisch und begebe mich dann aufs Sofa. Ich habe noch nicht gebloggt und noch nicht Italienisch gemacht, das hole ich jetzt nach. Dann bestelle ich mir mein Neujahrsessen – Samosas, Paneer Korma, Bhatura und gebackene Litschis mit Marzipanfüllung und gucke „The West Wing“.

Irgendwann telefoniere ich nochmal mit dem Liebsten, plausche mit dem Mitbewohner, beantworte Neujahrsgrüße… Aber hauptsächlich besteht der Abend aus Sofa, Katzenkuscheln und beim Fernsehen einnicken.

Gegen 10 gebe ich auf und gehe einfach schlafen. Hallo, 2024!

31.12.2023 – Silvestriges

Ich erwache erst nach 10 und bin sehr stolz auf mich – erstens, dass ich gestern lange unterwegs war und zweitens, dass ich danach trotzdem acht Stunden durchgeschlafen habe (mit einer kurzen kätzischen Unterbrechung), das passiert beides nur noch sehr selten. Frühstück im Bett gibt es dann so gegen 12 und dann blicke ich aufs Jahr zurück. Zwischendurch erste Planungstelefonate mit dem Liebsten.

Gegen 14 Uhr dann stehe ich auf, halte einen Plausch mit dem Mitbewohner und seinem schweizerischen Besuch. Es gibt Bündnerfleisch und dazu das obligatorische Video. Dann wartet die Badewanne auf mich, mit Erdbeer-Badesalz aus dem Adventskalender und Venedig-Podcast. Wieder draußen ziehe ich mich für den Abend an. Das Motto der Party ist „Goldrausch“ und ich trage sowohl das goldene 20er-Jahre-Kleid mit Pailetten und Fransen als auch meine Kette aus Murano-Glas mit goldenen Elementen. So bekleidet und mit nassen Haaren stapfe ich dann hinunter in den Keller und hole meinen Schlafsack. Dann noch Übernachtungsrucksack packen und schon bin ich bereit und kann mich wieder gemütlich hinlegen und ein paar Folgen „The West Wing“ gucken.

Dann ist es irgendwann soweit und der Liebste holt mich ab. Gemeinsam fahren wir hinaus ins Brandenburgische, wo im Haus von Freund*innen gefeiert wird. Insgesamt sind gefühlt 20 Erwachsene und 20 Kinder da, wenn man nachzählen würde vielleicht ein paar weniger und einige der Kinder sind schon deutlich Teenies. Es ist auf jeden Fall sehr trubelig und die Katze des Hauses verzieht sich lieber nach draußen. Wir bereiten uns eine durch eine Decke abgeteilte Nische mit Luftmatratze und Schlafsäcken für später vor und mischen uns dann unter die Menschen am Buffet. Es gibt eine Vielzahl leckere Dinge zu essen und nebenan wird die Musik langsam lauter. Das Wohnzimmer wird zur Tanzfläche.

Je nach Musik wechsle ich zwischen Tanzfläche und Buffet/Gesprächen hin und her und habe einen sehr schönen Abend. Kurz vor Mitternacht ziehen wir uns alle an und gehen nach draußen. Um 12 wird angestoßen und umarmt und speziell von den Kids und Teenies die Pyrotechnik bedient. Dann gehen wir wieder rein. Nach Mitternacht ist es mit dem Tanzen für mich so gut wie vorbei, es läuft nur noch – wie wir in Fachkreisen sagen – Elektroschranz. Einzige Ausnahme ist ein bisschen Kraftklub ab und zu. Gegen 1 telefonieren der Liebste und ich nochmal kurz mit dem Teilzeitkind, das sich gerade bettfertig macht. Kurz nach 2 gehe ich selbst schlafen – als fast erste, bzw. zeitgleich mit einigen der jüngeren Kinder. Dank Oropax brauche ich auch nur etwa eine Stunde, um einzunicken, und werde nur nochmal kurz wach, als gegen halb 4 die Musik ausgeht und auch die anderen Kleinen und Großen schlafen gehen. Nur die Teenies zocken noch in ihrer Höhle, so hören wir beim Frühstück.

Jahresendfragebogen und Kulturkonsum 2023

Weil es dazu gehört und mein Feedreader schon schön voll davon ist, hier auch mein Jahresrückblick.

Mein gefühltes 2023
  • Zugenommen oder abgenommen? Ich wiege mich zu selten, um dazu zuverlässige Aussagen treffen zu können. Ungefähr gleich schätze ich, mit zwischenzeitlichen Schwankungen als ich am Anfang des Jahres ein Bewegungshoch hatte und als ich mich im Sommer drei Wochen histaminarm ernährt und daher anders gegessen habe.
  • Haare länger oder kürzer? Seit 2014 wurden meine Haare nicht geschnitten… Das kann ich so stehen lassen.
  • Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Keine Veränderung, ein bisschen kurz – zumindest keine auffällige, ich habe nicht messenlassen.
  • Mehr bewegt oder weniger? Mehr! Für signifikante Teile des Jahres versucht, mindestens 10.000 Schritte am Tag zu gehen, einmal die Woche Yoga zu machen und zumindest für eine Weile noch wöchentlich beim AquaFitness gewesen. Dafür muss ich mir für nächstes Jahr wieder einen funktionierenden Zeitplan machen, um das alles wieder unterzubekommen, das tat gut!
  • Mehr Kohle oder weniger: Im Laufe des Jahres ist das Netto vom Brutto weniger geworden, es gab keine Gehaltserhöhung und weniger Bonus als die letzten Jahre, aus Gründen, die nicht in meiner Person liegen. Gleichzeitig habe ich aber auch besser auf mein Geld aufgepasst und wäre der Kanada-Urlaub nicht gewesen, hätte ich am Ende des Jahres ein solides Plus gehabt. So aber nicht. 😉
  • Der hirnrissigste Plan? Wahrscheinlich die eine Wanderung im Urlaub, als die kanadische Rezeptionistin uns euphemistisch sagte, dass der Wanderweg zwischendurch ein bisschen feucht sein könnte und wir das nicht allzu ernst nahmen und dann locker die doppelte Zeit gebraucht haben, mit waghalsigen Umgehungen/Durchwatungen von Schlammlöchern, einem aufgebrachten Teilzeitkind und mehreren Stürzen.
  • Die gefährlichste Unternehmung? Womöglich der Steilküstenabstieg in Hiddensee und die darauf folgende anstrengende Wanderung über Geröll zurück in die Zivilisation. Wäre auch ein Anwärter auf den Punkt davor.
  • Die teuerste Anschaffung? Der Kanadaurlaub, wenn es um Einzelanschaffungen geht, sticht nichts furchtbar doll heraus.
  • Das leckerste Essen? Schwierig, wie immer. Ein heißer Anwärter war das Abendessen im Rusty Anchor mit frischen Austern, Salat mit Mohn-Dressing, Schneekrabbe, Strawberry Shortcake und Blaubeerlimonade. Oder mein Geburtstagsessen im Il Piccolo, das Essen mit Cousin und Freundin neulich im Five Rivers
  • Der interessanteste Wein: Den gab es bei der Weinprobe, die mir meine Cousinen zum 40. geschenkt haben – Langhe Nascetta vom Castello di Perno im Piemont.
  • Das beeindruckendste Buch? Da waren viele gute dabei (siehe unten), aber keins, was mich wirklich umgehauen hat. Am meisten vielleicht noch Kate Atkinson – A God in Ruins.
  • Der berührendste Film? Marcel the Shell with Shoes on.
  • Das beste Lied? Moira & Claire – South Shore.
  • Das schönste Konzert? Wahrscheinlich insgesamt Jimmy Kelly & The Street Orchestra, dicht gefolgt von Feist und Talking To Turtles.
  • Die meiste Zeit verbracht mit? Meinem Handy
  • Die schönste Zeit verbracht mit? Dem Meer
  • Vorherrschendes Gefühl 2023? Das jetzt auch noch???
  • 2023 zum ersten Mal getan? Monatelang täglich mindestens 10.000 Schritte gemacht (leider am Ende nicht durchgehalten), diverse Dinge auf Arbeit (verantwortungsvolle Aufgaben, die vorher andere inne hatten), eine Art Nachruf auf einen Kollegen geschrieben…
  • 2020 nach langer Zeit wieder getan? Auf Hiddensee gewesen, mit einem Italiener zusammengewohnt, ohne Maske auf großen Drinnen-Veranstaltungen, einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln gewesen, auf dem Immergut gewesen
  • Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können? 1. Krankheiten von mir und anderen. 2. Negative Auswirkungen der Entwicklungen auf Arbeit. 3. Alter und neuer Faschismus in all seinen Ausprägungen
  • Drei Dinge, auf die ich nicht hätte verzichten wollen? 1. Das Internet 2.Gutes Essen 3. Mein Bett (Menschen und Tiere sind ja keine Dinge)
  • Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugten wollte? Nicht aufgeben!
  • Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Wahrscheinlich die Trevor-Noah-Tickets für den Liebsten, die er nur 6 Tage vor dem Termin zum Geburtstag bekommen hat – von mir von langer Hand geplant, für ihn völlig überraschend.
  • Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Dass der Liebste und ich in zwei Wochen ein Wochenende zu zweit in einem Wellness-Hotel am See in Brandenburg verbringen.
  • 2023 war in einem Wort? Aufreibend

Kulturkonsum:

Konzerte

Ich habe das nicht notiert, von daher muss ich im Gedächtnis kramen. Jimmy Kelly & The Street Orchestra, Feist und Talking to Turtles hatte ich schon erwähnt, außerdem habe ich Die Ärzte und Feine Sahne Fischfilet live gesehen (letztere inklusive Vorbands, u.a. Slime), war auf dem Immergut, bei Michael Friedman im Konzerthaus und am St. Patrick’s Day bei Live-Musik im Pub. Das darf gerne so weitergehen nächstes Jahr. Konzerte haben gefehlt in der Pandemie!

Theater

Im Theater war ich nicht, aber ich zähle mal den Comedy-Abend mit Trevor Noah in diese Kategorie.

Kino

Im Kino war ich soweit ich mich erinnern kann dreimal – mit meinen Eltern in „Women Talking“ und alleine in „Barbie“ und „Sophia, der Tod und ich„. Alle drei toll, mehr Kino darf auch gerne wieder sein.

Bücher21 von Frauen, 19 von Männern, yay!

Teils sind das Hörbücher, teils E-Books, teils Papier. Besonders Gute haben ein Sternchen.

  1. Nick Hornby – Dickens & Prince. A particular Kind of Genius.
  2. Elke Lorenz – Machtworte.
  3. Ingrun Spazier – Briefe aus der DDR. 1988-1990.
  4. Prince Harry – Spare.
  5. Hans Pleschinski – Am Götterbaum.
  6. Emily Brontë – Wuthering Heights.
  7. Simone Buchholz – Unsterblich sind nur die anderen.
  8. Kurt Krömer – Glaub nicht alles, was Du denkst. Meine Depression.
  9. Monchi – Niemals satt. Über den Hunger aufs Leben und 182 Kilo auf der Waage.
  10. Francesca Melandri – Über Meereshöhe.
  11. Roberta Pianaro/Donna Leon – Bei den Brunettis zu Gast.
  12. Anja Caspary – In meinem Herzen steckt ein Speer. Das Jahr das alles veränderte.
  13. Alena Schröder – Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid.
  14. Nadia Shehadeh – Anti-Girlboss. Den Kapitalismus vom Sofa aus bekämpfen.*
  15. Judith Holofernes – Die Träume anderer Leute.
  16. Hermann Korte – Manchmal an Regentagen.
  17. Michelle Obama – The Light We Carry.
  18. Sophie Minchilli – The Sweetness of Doing Nothing. Live Life The Italian Way With Dolce Far Niente.
  19. Frank Slootman: Amp It Up: Leading for Hypergrowth by Raising Expectations, Increasing Urgency, and Elevating Intensity.
  20. Laura Cwiertnia: Auf der Straße heißen wir anders.
  21. Devon Price: Laziness does not exist.
  22. Benjamin von Stuckrad-Barre: Noch wach?
  23. Sigrid Nunez: Salvation City.
  24. Lukas Heinser: Eurovision Song Contest. 12 Populäre Irrtümer und andere Wahrheiten.
  25. Fernando Aramburu: Patria.*
  26. Mike Gayle – A Song of Me and You.
  27. Heinz Strunk – Fleisch ist mein Gemüse.
  28. Lisa Opel – Give it To Me.
  29. Lauren Collins – When in French. Love in a Second Language.
  30. Donna Leon – Geheime Quellen.
  31. Joseph Heller – Catch-22.
  32. Silvia Nacamulli – Jewish Flavours of Italy. A Family Cookbook.
  33. Donna Leon – Das Mädchen seiner Träume.
  34. Kate Atkinson – A God in Ruins.*
  35. Benno Pludra – Haik und Paul.
  36. Laura Spence-Ash – Beyond that, the Sea.*
  37. Donna Leon – Lasset die Kinder zu mir kommen.
  38. Gerhard Dallmann – Dornenzeit.
  39. Thorsten Nagelschmidt – Arbeit.*
  40. Carla Kaspari – Freizeit.

Serien(staffeln)

  • Coupling 1 (Rewatch)
  • Ginny & Georgia 2
  • Breaking Bad 5
  • Better Call Saul 1
  • The White Lotus 1, 2
  • From Scratch
  • Cunk on Earth
  • Wellmania 1
  • Mad Men 1-7
  • Workin‘ Moms 7
  • The Diplomat 1
  • Firefly Lane 2
  • Bridgerton 3
  • And just like that 1
  • Never have I ever 4
  • Transatlantic
  • Unstable 1
  • Reservation Dogs 1, 2
  • Virgin River 5
  • Sex Education 4
  • The Crown 6
  • The West Wing 1, 2, 3
  • Odio il Natale 2
  • Feel Good 1-2
  • My Life with the Walter Boys 1
  • Ein Sturm zu Weihnachten

Filme

  1. The Secret Garden (2020)
  2. Turning Red
  3. Im Westen nichts Neues (2022)
  4. Guillermo del Toro‘s Pinocchio
  5. You People
  6. Blonde
  7. My Place or yours 
  8. Lieber Thomas
  9. Knives Out
  10. Glass Onion
  11. Women Talking (Kino)
  12. Blue Jasmine
  13. My Big Fat Greek Wedding (Rewatch)
  14. Der ganz große Traum
  15. 9 To 5
  16. Wuthering Heights
  17. Liegen lernen (Rewatch)
  18. Gone with the wind
  19. P.S. I love you (Rewatch)
  20. Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (Rewatch)
  21. The Banshees of Inisherin
  22. The Fabelmans
  23. Muriel‘s Wedding
  24. Marcel the Shell with Shoes on
  25. Everything everywhere all at once 
  26. Tàr
  27. Gut gegen Nordwind
  28. Sommerfest
  29. Wir sind die Neuen
  30. Rückkehr nach Montauk
  31. Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika
  32. Becoming
  33. Mängelexemplar
  34. Mrs. Taylor‘s Singing Club (Military Wives)
  35. About a Girl
  36. Valentine‘s Day
  37. A Star is Born (Rewatch)
  38. Dessau Dancers
  39. Lisztomania
  40. Harry Potter und der Orden des Phönix (Rewatch)
  41. As good as it gets (Rewatch)
  42. Supernova 
  43. Girl, interrupted
  44. iLove
  45. Kein Pardon
  46. Here Today
  47. Lindenberg. Mach Dein Ding.
  48. A Beautiful Life
  49. Die Olsenbande (Rewatch)
  50. Vom Wir zum Ich
  51. Barbie (Kino)
  52. Verschwende Deine Jugend (Rewatch)
  53. Leander Haußmanns Stasikomödie
  54. How To be Single 
  55. Lieber Kurt
  56. The Menu
  57. Taxi Driver
  58. Die Känguru-Chroniken (Rewatch)
  59. A Man called Otto
  60. Die Känguru-Verschwörung (Rewatch)
  61. Sophia, der Tod und ich (Kino)
  62. The Commitments (Rewatch)
  63. Werk ohne Autor
  64. Blues Brothers (Rewatch)
  65. Kevin allein zuhaus (Rewatch)
  66. Ant-Man
  67. Kevin allein in New York (Rewatch)
  68. The Holiday (Rewatch)
  69. Leave the World behind 
  70. Så var det jul
  71. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (Rewatch)
  72. Der kleine Lord (Rewatch)
  73. Family Switch
  74. Die Familie Stone (Rewatch)
  75. Zwei Weihnachtsmänner

30.12.2023 – Ein guter Tag ohne Struktur

Ich wache den vierten Morgen in Folge zu früh auf, wegen Geräuschen, die außerhalb meines Einflussbereichs liegen und vor dem Liebsten, der aber sobald er aufmacht sofort aufsteht und Kaffee macht. Wir bleiben weniger entspannt und gemütlich liegen als auch schon am Wochenende, denn heute ist der letzte Tag vor einem sonntäglichen Silvester und die Planung der zu noch erledigen Einkäufe treibt den Liebsten um und aus dem Bett. Also quäle ich mich auch hinaus und wir gehen als erstes gemeinsam in den Supermarkt, kaufen, was uns einfällt und konferieren nebenbei über Signal mit der Partygang, was noch gebraucht werden könnte. Wieder zuhause gibt es Frühstück mit Spiegelei, Falafel, veganen Köttbullar, Avocado-Aufsteich auf Baguette und viel Obst.

Der Liebste bittet mich darauf hinzuweisen, dass hier ein Setzei zu sehen ist, kein Spiegelei

Hinterher packe ich meinen Kram zusammen, beseitige das Chaos, dass ich in der Wohnung hinterlassen habe (bzw. gestern Abend wir beide zusammen auf der Couch) und fahre dann zurück in den Pberg – der Liebste bringt mich noch ein Stück, auf dem Weg zu weiteren Besorgungen. Nach einer guten Stunde komme ich zuhause an und werde von den Katzen freudig begrüßt.

Ich packe meine Sachen aus, werfe eine Waschmaschine an, gucke die Post durch, halte einen kurzen Plausch mit dem Mitbewohner und lege mich dann mit meinem Buch ins Bett, weil ich plötzlich sehr müde bin. Anderthalb Stunden schlafe ich ungefähr, danach bin ich ein wenig matschig im Kopf und muss erst wieder zurück in den Tag finden. Ich mache mir einen spätmittäglichen Snack aus Mozzarella, Salami, Oliven und Toast, kümmere mich um meine Sprach-Apps, gucke im Internet herum, telefoniere mit meinen Eltern und schaue noch eine Folge „The West Wing“.

Dann ist es Zeit, wieder aufzubrechen, denn heute Abend bin ich mit meiner besten Freundin verabredet. Seit es aus terminlichen Gründen mit dem wöchentlichen Sportabend nicht mehr klappt, müssen wir uns aktiv um Treffen bemühen und das letzte ist schon wieder viel zu lange her, also nutzen wir die Gelegenheit, dass wir mal beide gleichzeitig einen Abend nichts vor haben. Ich fahre nach Fhain und bekomme von ihren beiden Kindern (10 und fast 7) die Tür aufgemacht. Sie informieren mich, dass die beste Freundin gerade nochmal einkaufen gegangen ist und flitzen zurück aufs Sofa, wo sie so lange noch Peppa Pig auf Englisch gucken dürfen. Ich lege ab und setze mich dazu.

Kurz danach kommt die Freundin mit einer Flasche Cremant nach Hause. Während der kühlt, bestellen wir uns syrisches Essen (das gleiche wie ich neulich mit dem Mitbewohner, plus Hummus und Käse-Teigtaschen mit Thymian) und die Kinder gehen ins Bett.

Dann sitzen wir zu zweit auf dem Sofa, essen, trinken und erzählen. Über die letzten Wochen, Weihnachten, Silvesterpläne, Urlaubspläne fürs nächste Jahr, die Herausforderungen des Alltags, die bei uns beiden im weitesten Sinne mit zu viel Arbeit zu tun haben, und die verschiedenen Strategien, wie man dem Problem begegnen kann. How to survive 2024 as older millennials sozusagen. Kurz nach 1 mache ich mich dann auf den Heimweg, kurz nach 2 liege ich wieder mit den Katzen im Bett.

29.12.2023 – Bett- und Sofa-Tag

Ich erwache mit feurigem Gefühl im ganzen Körper – alles brennt, der Hals, der Bauch, die Haut, der Kopf. Als ich dann auch noch Reizhusten bekomme, mache ich einen Schnelltest, der negativ ist, und schiebe das Ganze dann doch auf das scharfe Essen gestern Abend. Hui, das war doll! Ansonsten bin ich auch einfach müde und faul und beschließe, heute einfach vom Bett aus zu arbeiten. Dabei habe ich Aussicht auf den Liebsten, der am Schreibtisch arbeitet. Das geht heute alles sehr gut, weil mein einziges Meeting erst ist, nachdem er schon Feierabend hat.

Ich frühstücke Obst und Kekse und Saft, arbeite morgens kurz ein paar Dinge weg und widme dann viele Stunden den Arolsen Archives, während ich nebenbei den neuen „Alles gesagt“-Podcast mit der Chefin von meinem Bruder und seiner Freundin laufen lasse. Nicht nur aus diesem Grund sehr interessant, aber schon auch deswegen – wann bekommt man schon mal so detaillierte Einblicke in den Arbeitsalltag seiner Lieben aus der Sicht von Dritten? Außerdem hilft es, sich nicht allzu sehr in das Schicksal der Menschen auf den Dokumenten hineinzudenken, die ich digitalisiere.

Am Nachmittag habe ich dann das Übergabe-Meeting mit dem Kollegen in Chicago, erledige dann noch kurz etwas und schreibe meinen Wochenbericht und dann ist dieses unglaubliche Arbeitsjahr vorbei. Was für ein Ritt.

Ich begieße den Eintritt ins lange Wochenende und die Jahresendfeierlichkeiten mit dem Rest Bellini von neulich, dazu Schnittchen und Knabberkram. Dann lese ich gemütlich, während der Liebste noch zockt, bevor wir uns beide auf der Couch einfinden und diverse Folgen „The West Wing“ gucken, bis er auf dem Sofa einschläft und wir dann vernünftigerweise wieder ins Bett wechseln.

28.12.2023 – Viele Menschenleben, reale Treffen und scharfes Essen

Der Tag beginnt wie immer mit dem Liebsten mit Kaffee im Bett. Diesmal muss er recht früh gleich richtig arbeiten – mit stundenlangem Kundentelefonat, während ich mir Zeit lassen kann und ganz gemütlich in den Tag starte. Kurz vor 10 bin ich dann wieder in meinem Couch-Office, frühstücke Mince Pie, Plätzchen und Obst und gehe durch die E-Mails der Nacht. Dann bearbeite ich die Dinge, die der Kollege aus Chicago mir an seinem Nachmittag zugearbeitet hat, koordiniere etwas mit einem Kollegen in Brünn und etwas anderes mit einem Kollegin in Dublin. Um 12 habe ich ein Meeting mit Berlin und Ostfriesland und danach kann ich mich den größten Teil des Arbeitstages (bis auf ein kurzes Übergabemeeting mit Chicago um 16 Uhr) der Freiwilligenarbeit widmen.

Entdeckt habe ich die Arolsen Archives damals bei Anke Gröner. Hier können alle, die lesen und schreiben können, dabei helfen, Akten aus Zeit der Shoah zu digitalisieren – einfach die Scans lesen und in digitale Formulare abtippen. So entsteht ein digitales Denkmal und ein von überall auf der Welt durchsuchbares Archiv, das sowohl für wissenschaftliche als auch für Familienforschung genutzt werden kann. Die Prämisse dabei ist, all die Namen der Opfer zu erfassen und ihnen so Respekt zu erweisen. In den letzten Jahren habe ich meine zwei Volunteering-Tage im Jahr dafür genutzt, Häftlingsakten aus Dachau zu digitalisieren. Dieses Jahr beschäftige ich mich mit Formularen, mit denen während und nach dem Krieg Menschen ihre – zumeist jüdischen – Angehörigen gesucht haben. Das nimmt mich diesmal emotional etwas weniger mit, weil diese Formulare von wohlmeinenden, besorgten Menschen ausgefüllt wurden und nicht von Verwalter*innen der Vernichtung.

Nichtsdestotrotz fahren dabei die Gedanken natürlich Achterbahn, all die Menschen, all die Schicksale, all die Lebenswege – geboren in dem einen Land, als letztes wohnhaft in einem ganz anderen Land, oft staatenlos geworden, die Suchenden wohnhaft in den USA, Brasilien, Palästina… Ab und zu ist ein Vermerk da, dass die Person lokalisiert wurde – gefunden und gerettet heißt das nicht zwangsläufig: einen Berliner Juden, der lokalisiert wurde und einen außergewöhnlichen Beruf hatte, habe ich gegoogelt und musste lesen, dass er im KZ umgekommen ist – aber immerhin wussten das die Angehörigen dann.

Es sind auch viele Kinder dabei, alte Leute, Jugendliche… Und natürlich denke ich dabei an Menschen, die heute auf der Flucht oder vertrieben sind, an Menschen in oder aus Kriegsgebieten und an den nicht enden wollenden Schrecken der Menschen, die dem damaligen Horror entkommen sind und wie wenig die Menschheit bereit ist zu lernen. Nebenbei höre ich das eben erschienene Live-Album von Jimmy Kelly, bei dessen Konzert ich im Mai war und bleibe bei „Ale Brider“ hängen, das mir als Ohrwurm den ganzen Tag erhalten bleibt.

Mittags gehe ich draußen spazieren, lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen, höre den Podcast mit Monika Hauser zu Ende und kaufe Saft und Eier ein. Abends treffen wir einen ehemaligen Kollegen aus Warschau und seine Frau bei unserem Stammchinesen. Sie sind aus Gründen genau hier in der Nachbarschaft untergebracht und wir treffen uns heute zum ersten Mal live und in Farbe. Es wird ein netter Abend mit Algensalat, Morchelsalat, Gurkensalat, Bambussalat, Frühlingsrollen und für mich Mapo Tofu. Das Handy bleibt die ganze Zeit in der Tasche, während wir vor allem über Essen, Reisen, Haustiere und alte und neue Arbeitgeber reden, daher keine Fotos vom Essen. Das Mapo Tofu ist unheimlich scharf und ich schaffe nur einen kleinen Teil davon, fast 12 Stunden später bin ich beim Schreiben innerlich immer noch ganz wund. Aber schmecken tut es trotzdem!

Wieder zurück lege ich mich in die Badewanne und dann mit Buch ins Bett, während der Liebste noch Wikingerdinge am Rechner tut.

27.12.2023 – Zwischen den Welten

Jetzt kommen drei merkwürdig der Normalität entrückte Tage, nicht etwa, weil sie zwischen zwei Jahren lägen, sondern weil sie eine ungewohnte Mischung aus Arbeitsalltag und Urlaubsgefühl mit sich bringen und mein Geist noch nicht so ganz weiß, ob er sich jetzt entspannt fühlen soll oder eben nicht. Ich erwache bevor der Wecker des Liebsten klingelt, der seinen Arbeitsbeginn früher als ich hat, und dann gibt es erstmal Kaffee im Bett und Internet leer lesen und alle diese Dinge, nur eben zu zweit statt wie sonst zu dritt (ich und Katzen). Als der Liebste in seinen ersten Termin muss, stehe ich auf und mache mich fertig für den Tag.

Mein Arbeitsplatz ist die Couch im Wohnzimmer, der Schreibtisch des Teilzeitkinds ist zu niedrig, der Esstisch mir zu unbequem für diese Zwischenzeit und außerdem bin ich ja Bett-Office durchaus gewöhnt. Zum Frühstück gibt es Plätzchen und Obst, dann gehe ich durch die E-Mails der letzten Tage (ungewohnt wenige, sehr schön) und dann habe ich um 10 mein erstes Meeting – mit zwei Kolleg*innen im Büro, dem Kollegen in Ostfriesland und einem Kollegen, der sich trotz Weihnachtsurlaub eingewählt hat. Das Meeting macht direkt Arbeitsalltagsgefühl, mein Geist fährt erst ein wenig zurück, als es nach einer Stunde vorbei und die Meeting Notes geschrieben sind.

Dann mache ich mich an die Aufgaben, die ich mir für diese Zeit aufgehoben habe, in denen ich mich ohne viele Unterbrechungen um kleinschrittige Vorgänge kümmern kann, für die es hohe Konzentration braucht. Mit zweitem Monitor und externer Maus würde es schneller gehen, aber ich habe ja Zeit. Offiziell arbeite ich übrigens nur heute richtig und habe die nächsten beiden Tage „frei“ für ehrenamtliche Tätigkeit (wir bekommen dafür zwei Tage im Jahr und wenn ich die bisher nicht verbraucht habe, nutze ich sie gerne in dieser Zeit). Da aber einerseits meine ausgewählte Tätigkeit auch virtuell am Rechner stattfindet, dabei psychisch herausfordernd und eher in Häppchen zu ertragen ist – morgen dazu mehr – und ich andererseits die einzige in meinem Team in meiner Zeitzone bin, die an diesen drei Tagen keinen Urlaub hat, verteile ich die zwei Tage über die drei Tage und mache zwischendurch normale Arbeitsdinge. Auch das ein merkwürdiges „Zwischen“-Gefühl.

Mittags machen wir uns Kartoffelgratin-Reste und Chorizo von gestern warm, dann drehe ich eine kurze Runde durch den Park und gehe Notwendiges einkaufen (Kaffee, Milch, Saft, Haarspray für den Liebsten), bevor ich zurück im Couch-Office bin. Ich lese für eine italienische Kollegin in Dublin, die aber bestimmt gerade bei ihrer Familie in der Nähe von Triest ist, eine Übersetzung Korrektur und arbeite ansonsten ehrenamtlich, bis mein Kollege in Chicago online geht. Dann halten wir ein kurzes Meeting, erzählen uns unsere Weihnachten, sprechen ab, wer was wann macht und wie wir uns die nächsten drei Tage gestalten.

Um 17 Uhr mache ich einen frühen Feierabend und dann fahren der Liebste und ich mit der S-Bahn rüber nach Friedrichshain und treffen eine Freundin in einem hipsterigen Schweizer Fondue-Restaurant mit Skihüttenflair, irgendwo im Nirgendwo. Die Location ist skurril, das Essen ausgesprochen köstlich und die Gesellschaft natürlich herausragend gut. Es gibt eine Vorspeisenplatte mit Aufschnitt (Bühühündnerfleisch!!), Cornichons und Meerrettich, dazu Aperol Spritz. Zum Hauptgang teilen wir uns ein Käsefondue mit Trüffel und ein Fleischfondue, dazu Kartoffeln, Champignons, Brot, Dips und für mich Rivella. Zum Nachtisch gibt es Schokofondue mit Obst und Schnaps aufs Haus (für mich Birne).

Es ist heiß und stickig in der Hütte, das Essen mächtig und histaminreich – mir wird ein bisschen schwummrig, das lässt sich dann aber mit Frischluft und kurz Füße hoch einigermaßen regeln. Ich denke, ich sollte demnächst mal wieder etwas auf den Histamingehalt meines Essens achten, das war alles bisschen viel in letzter Zeit.

Da wir uns schon so früh getroffen haben, sind wir am Ende schon kurz nach 22 Uhr wieder zuhause. Ich lege mich aufs Bett und ruhe mich aus, der Liebste darf noch eine Runde zocken und dann kehrt irgendwann zwischen Mitternacht und 1 Uhr Ruhe ein. Später als im Arbeitsalltag, früher als wenn wir einfach frei hätten. Dazwischen halt.

26.12.2023 – Komprimiertes Weihnachten im Schnelldurchlauf

Ich wache kurz vor halb 9 auf, ohne Wecker und mit noch schlafenden Katzen, das spricht für echtes Ausschlafen, juhu! Bis gegen 10 liege ich im Bett, dann beginnt eine fast zweistündige Phase hektischer Betriebsamkeit, denn was wäre Weihnachten ohne diese? Ich räume um mein Bett herum auf, stelle den Geschirrspüler an, lege Wäsche zusammen, sauge Staub, durchsiebe das Katzenklo, fülle Wassernäpfe auf, gieße Pflanzen, packe meine Sachhen für vier Tage inkl. Arbeit und Weihnachtlichem, dusche, bringe den Müll weg und fahre dann mit Sack und Pack (ein schwerer Rucksack, ein schwerer Beutel, eine Geschenktüte) mit S- und U-Bahn nach Südberlin. In der Ringbahn bin ich die einzige mit Maske, in der U9 sind es ein paar mehr. Die Zeit in der Bahn nutze ich für die Sprach-Apps – alles für den Streak!

Der Liebste holt mich mit Kaffee am U-Bahnhof ab und hilft mir Tragen. Wir spazieren zu ihm nach Hause, legen Sachen ab und treffen die letzten Vorbereitungen für unser Weihnachten. Ich hänge den letzten Schmuck in den Baum – das Teilzeitkind hatte scheinbar mitten im Schmücken plötzlich was Anderes vor letzte Woche – und lege Geschenke darunter, stelle Plätzchenteller zusammen, entzünde die Kerzen am Adventskranz, es läuft Weihnachtsmusik (im Speziellen „Fairytale of New York“ und „Jingle Bells“, eher nichts mit Jesus und so) und dann liegen wir noch einen Moment auf dem Sofa und kümmern uns um das Größte meiner Weihnachtsgeschenke – ein Wochenende in einem Wellnesshotel an einem der Seen rund um Berlin. Nach einigem Hin und Her buchen wir schließlich eins für gleich in zweieinhalb Wochen und sind beide sehr glücklich und zufrieden damit.

Kurz darauf kommt die beste Freundin des Liebsten an und seine Mitbewohnerin aus ihrem Zimmer. Wir stoßen mit Sekt an und dann ist endlich so richtig Bescherung. Ich bekomme die meisten Geschenke, denn der Liebste hat natürlich noch welche von seiner Familie mitgebracht, aber jede*r hat hier etwas zum Auspacken und am Ende sind alle sehr zufrieden.

Der Nachmittag vergeht mit Kochen (hauptsächlich die beste Freundin des Liebsten mit Zuarbeit des Liebsten), Sekt trinken und erzählen. Dann gibt es einen Bellini zum Aperitif und dann veganes Kartoffel-Spinat-Gratin und vegane Chorizos, dazu Rioja, für die die Rotwein mögen (hauptsächlich ich).

Wir sitzen und erzählen, bis irgendwann gegen 20:30 alle schrecklich müde sind. Schnell noch die Küche aufräumen, die beste Freundin verabschieden und dann liegen der Liebste und ich wieder auf der Couch. Wir gucken verschiedene Comedy-Sachen auf YouTube und Netflix (am intensivsten und empfehlenswertesten ist Daniel Sloss‘ „Dark“) und gucken nebenbei in unsere Telefone, wie sich das gehört. Kurz nach 23 Uhr gehen wir ins Bett, denn morgen heißt es für beide wieder Arbeiten.

25.12.2023 – Weihnachtliches

Es ist ja so, hierzulande ist für uns Nichtchrist*innen Weihnachten am 24. Dezember, am 25. gibt es noch ein paar Nachwehen, aber ansonsten sind die beiden folgenden Feiertage hauptsächlich zum Ruhen, Essen, Schlafen, Lesen, mit Weihnachtsgeschenken spielen gemacht. Somit habe ich heute weniger FOMO als gestern bei der Aussicht, einen weiteren Tag isoliert in meinem Zimmer zu verbringen. Nachdem ich schon vor 7 wach war – danke Katzen – hatte ich ungefähr ab 9 große Vorfreude auf Rotkraut und Klöße, haderte dann noch kurz mit mir und beschloss dann, ganz achtsam meinen Bedürfnissen zu folgen. Drum sah mein Frühstück im Bett dann um 10 so aus:

Die gekauften Klöße und das gekaufte Rotkraut schmeckten beide erstaunlich gut, ich muss mir die Marken merken für unterjährige Gelüste oder zukünftige eingeschränkte Festlichkeiten. Dazu gab es Polpettone di melanzane, die der Mitbewohner gestern in stundenlanger Kleinarbeit zubereitet hat, und einen hieb zerlassene Butter. Ich war beim ersten Bissen selig, nach dem Essen genau richtig vollgefressen und schläfrig.

Während des Essens war tief im Westen das Teilzeitkind in einen Zug tief im Süden gestiegen, erste längere Alleinfahrt mit 10. Das ist aufregend, aber nicht mehr so sehr wie die weit kürzere erste Alleinfahrt zu Ostern, als es noch kein Handy hatte, die Sitznachbar*innen doof waren und der Zug ungeplant längere Zeit auf offenerer Strecke hielt. Diesmal alles ganz entspannt. Ich versuche, mir die Zeit mit Lesen zu vertreiben, schlafe dabei aber immer wieder ein. Als „Mittagessen“ gibt es dann eine weitere Weihnachtstradition – aufgetaute Erdbeeren vom Sommer, normalerweise mit Schlagsahne, bei mir heute mit Vanilleeis. Über die Tradition hatte ich mal im Schreibworkshop geschrieben, diese Erdbeeren habe ich am 16. Juli eingefroren.

Irgendwann kommt die erlösende Nachricht vom Mitbewohner, dass sein Schnelltest negativ ist und nachdem der zweite ein paar Stunden später es auch ist, heben wir feierlich die Isolation auf. Die Katzen brauchen mich nicht mehr, um in meinem Zimmer ein- und auszugehen, wir können uns ohne Maske außerhalb unserer Zimmer aufhalten, uns entspannt in den Gemeinschaftsräumen aufhalten und uns von Angesicht zu Angesicht unterhalten.

Auch der Liebste freut sich sehr über die Entwicklung. Er ist inzwischen wieder zurück in Südberlin und ruht sich einen Abend von den hektischen letzten Tagen aus, bevor wir uns morgen dann endlich wieder sehen und Weihnachten nachfeiern. Jetzt stehe ich erstmal auf, mache mir noch eine Portion Klöße, Rotkraut und Polpette zum Abendbrot, zum Nachtisch gibt’s eine Orange (auch das früher ein typisch weihnachtlicher Genuss, wir hatten ja nischt!) und esse das Ganze im Wohnzimmer. Dann packe ich das Puzzle-Geschenk von gestern aus und lege los, während im Fernsehen „Zwei Weihnachtsmänner“ mit Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst läuft. Es ist eine ganz schöne Fummelei und ich muss auf dem Boden puzzlen, weil die quadratische Form für den Tisch zu groß ist. Mein Rücken dankt es mir am Ende nicht, aber ich schaffe alles innerhalb eines Abends, bevor ich gegen Mitternacht im Bett verschwinde.

Unten im Bild die neuen Hausschuhe

24.12.2023 – Mein Alleinachten

Von den Katzen wieder kurz vor 8 geweckt, mache ich gleich nach dem Covid-Test (immer noch negativ) den Adventskalender auf. Hinter dem 24. Türchen verbirgt sich ein kleines Glas Erdbeerkonfitüre und das ist zwar weniger weihnachtlich als viele der anderen Türen, passt aber zum Gesamtkonzept. Ich telefoniere mit dem Liebsten und mache mir dann früher als die letzten Tage Frühstück – wieder mit Tiramisu, Apfelsine, Weihnachtsgebäck, dazu einen Chai. Dem Mitbewohner lege ich als Weihnachtsüberraschung eine Packung Tartufi aus dem italienischen Supermarkt auf die Türschwelle – er freut sich sehr und wir wünschen uns schriftlich „Buon Natale“.

Dann schaue ich den Rest der Weihnachtsstaffel von LOL und der bringt mich deutlich mehr zum Lachen als die erste Folge. Ganz großartige Unterhaltung ist das! Direkt im Anschluss dann Weihnachten bei Hoppenstedts, das auch von meiner angeheiterten Stimmung profitiert. Und danach dann die Weihnachtsgans Auguste und das DDR-Weihnachtsalbum mit den ganzen Kinderchören. Zwischendrin das nächste Telefonat mit dem Liebsten, bevor dort in den Zoo aufgebrochen wird, um wie jedes Jahr Heiligabend die Elefanten zu füttern – ich bekomme ein Video.

Gegen 13 Uhr stehe ich auf und gehe duschen – mit offenem Fenster, weil das Bad ja potenziell kontaminierte Zone ist. Alles in allem eine logistische Herausforderung. Falls jemand von den Nachbar*innen Spaß daran hatte – wohl bekomm’s. Später ruft der Liebste wieder an, während er seine Geschenke verpackt. Dabei hat er festgestellt, dass ausgerechnet die für seine Eltern noch fehlen, die liegen nämlich noch im Online-Warenkorb, mit der Frage, ob sie zu einer Sendung zusammengefasst werden dürfen. Es waren für uns alle stressige Wochen.

Dann ist es Zeit, rauszugehen und sich mit dem Bruder und seiner Freundin auf einen Spaziergang zu begeben. Unterwegs nehme ich noch Müll mit hinunter – die Tonnen sind jetzt schon voll, gut, dass ich strategisch schon vor den Feiertagen alles weggebracht habe, das wird unschöne Szenen geben. Mit den Beiden spaziere ich hier durchs Viertel, wir machen ein Foto für die Familie, tauschen Geschenkebeutel aus und dann bringe ich die beiden zur Tram und laufe zurück. Auf dem Heimweg das nächste Telefonat mit dem Liebsten. Man nähert sich Kaffeetrinken, Bescherung und Abendbrot (in der Reihenfolge).

Wieder daheim mache ich mir wieder Würstchen und Kartoffelsalat und fange an „Ein Sturm zu Weihnachten“ auf Netflix zu gucken – die diesjährige norwegische Weihnachtsserie, wieder sehr gut. Eine Empfehlung einer Freundin, die zuletzt wegen Mutterschutz und gleichzeitig Covid viel Zeit alleine zuhause verbracht hat. Der Liebste meldet sich nach der Bescherung und ich erhalte Dank und Aufmerksamkeit für meine Geschenke. Leider scheint auf Nachfrage eins zu fehlen und bleibt bis auf Weiteres unauffindbar. Und auch zu den anderen konnte ich nicht so viele Erklärungen mitgeben, wie ich es gerne getan hätte. Das ist dann der emotional schwierigste Moment des Alleinachtsfests.

Zur Kompensation mache ich meine Geschenke von meinem Bruder auf – zwei Bücher mit Hiddensee-Bezug von meiner Wunschliste und ein ziemlich schwierig aussehendes Katzenpuzzle – das muss ich angehen, sobald ich wieder ins Wohnzimmer kann!

Der nächste Programmpunkt ist ein Videotelefonat mit der besten Freundin des Liebsten, die aus anderen Gründen Weihnachten alleine verbringt. Wir quatschen fast eine Stunde lang über Weihnachtliches und Unweihnachtliches und das ist sehr schön. Danach schaue ich die Serie zu Ende (es sind nur sechs kurze Folgen), telefoniere noch mehrmals mit dem Liebsten (das verschwundene Geschenk findet sich später im Hotelzimmer wieder, wo es aus dem Koffer gerutscht ist) und dann ausführlich mit meinen Eltern, die vor dem geschmückten Baum am Kamin sitzen.

Hinterher schaue ich noch „Die Familie Stone“ – gibts auf Prime leider nur auf Deutsch. Die DVD mit der englischen Fassung liegt im Wohnzimmer. Sie lief, während ich am Mittwoch die Geschenke einpackte und wurde gestoppt, als der Mitbewohner den positiven Test hatte. Jetzt schaue ich den Film nochmal komplett – Tradition, seit ich den Weihnachten 2005 mit meinen Eltern in einem Kino in Nova Scotia gesehen habe. Dazu gibt es Bratapfelpopcorn aus dem Adventskalender und ich schreibe mit verschiedenen Freund*innen und Bekannten Weihnachtliches.

Vor dem Einschlafen fange ich dann noch das nächste Buch an – „Schlesenburg“ von Paul Bokowski – der ist noch vom Geburtstagsstapel.