Faulsein ist das Vorhaben für heute, mal gucken, wie das so klappt. Das Ausschlafen geht erstmal ganz gut und weil der Liebste noch bis spät in die Nacht Dinge im Weltraum gebaut hat oder so, schläft er sogar bis nach 10, was bedeutet, dass ich auch bis dahin und sogar noch länger im Bett liegen bleibe, denn dann bringt er ja Kaffee.
Wenig später aber stehe ich auf und halte ein Schwätzchen mit dem Teilzeitkind, das schon wieder eine ganze Weile wach ist (der Schulrhythmus kickt in dem Alter noch) und schon Smoothie und Omelette zubereitet und verzehrt hat.
Dann sammle ich Bonusmamabonuspunkte. Beim Liebsten, weil ich mache, dass das Kind sein Chaos in der Küche beseitigt und beim Teilzeitkind, weil ich dabei das neue Taylor-Swift-Album laufen lasse statt der Playlist des Liebsten. Der Liebste geht währenddessen Brötchen holen und dann essen die Erwachsenen Frühstück während das Kindelein noch ein paar Oliven snackt und ansonsten in seinem Zimmer Kindeleindinge tut.
Dann muss es auch schon los zu einem Geburtstag und wir Großen legen uns einfach wieder hin und genießen den Sonntag. Ich fange ein neues Buch an. Später essen wir vegane Bolognese von gestern.
Irgendwann am Nachmittag dann breche ich auf zurück in den Pberg. Es ist schon wieder dunkel, es regnet schon wieder. Eigentlich war ja grad noch Sommer und kurz danach bunter Herbst. Eigentlich ist der Herbst auch noch bunt, da ist noch viel Laub an den Bäumen. Uneigentlich ist der Himmel jetzt allerdings grau bis schwarz und es wirkt alles nicht mehr so richtig. Langsam Zeit für Einmummelung und vielleicht werfe ich mich einfach bald in die Vorweihnachtssituation?
Zuhause direkt erstmal Kakao mit Marshmallows, Obst, Buch und Katzen. Dann werde ich aber doch noch kurz unfaul und mache ein bisschen was am Laptop – inkonsequent!
Hinterher schaue ich dann endlich mal The Princess Bride und schließe eine Popkultur-Bildungslücke. Nebenbei recherchiere und bestelle ich einen Weihnachtsbraten (dieses Jahr meine Verantwortung) und dann muss ich den Film nochmal „zurückspulen“, weil ich eine halbe Stunde lang nichts mitbekommen habe.
Spätes Abendbrot mit Bagel, Butter, veganem Rohschinken, Gouda, Spreewaldgurke, Apfelmeerrettich und alkoholfreiem Hellem
Ich beschließe den Abend mit einer neuen Serie und freue mich, dass Netflix schon zwei ganze Staffeln von Zoey’s Extraordinary Playlist für mich hat. Lauren Graham, ein Schuss Crazy Ex-Girlfriend, Diversity und viel Nerdigkeit – wie für mich gemacht! Ich schlafe irgendwo zwischen Folge 3 und 4 ein…
Die Nacht war kurz und unruhig, Campari und Novello, ein Liebster neben mir und dann war irgendwie auch noch halb 6 an Schlaf nicht mehr zu denken. Also morgendlicher Reboot im Dunkeln, ohne den Liebsten zu wecken. Gegen halb 8 wird er dann aber auch eh wach und macht uns Kaffee. Da wirbelt das Teilzeitkind bereits fertig geduscht durch die Küche und macht Pancakes, die ich kurz danach ebenfalls ins Bett serviert bekomme. Guter Neustart in den Tag, guter Liebster, gutes Teilzeitkind!
Kurz darauf ist dann Aufstehzeit. Ich sitze noch einen Moment mit der Liebstenmama in der Küche, dann muss ich als erstes aus dem Haus. Zurück nach Neukölln, zurück durch den Novemberregen, zurück zum Workshop von gestern. Heute habe ich zur Verstärkung aber die Einhorn-Hausschuhe vom Liebsten dabei und bin damit klamottentechnisch die Queen (und friere vor allem nicht).
Nach einem Theorieteil geht es in die Gruppenbildung und damit in die Praxis. Sehr spannende Erfahrung und sogar ein Rollenspiel, das Spaß macht. Mittags brauche ich dann aber ein bisschen Me-Time und gehe alleine Vietnamesisch essen.
Veganes Bun Nem, Litchi-Himbeer-Getränk
Am Nachmittag geht es in den gleichen Gruppen mit noch zwei Übungen weiter, bei der einen kommen Figuren zum Einsatz. Juhu!
Weil wir früher durch sind, haben wir dann innerhalb der Gruppe noch viel Zeit zum Reden, was auch total schön ist. Kurz vor 18 Uhr dann Schlussrunde, dann geht es durch den Novemberregen zurück nach Berlin. Dort kann ich das Gelernte gleich ein bisschen anwenden. Die Liebstenmama ist bereits abgereist, das Teilzeitkind hat Sport und Shoppen mit Oma hinter sich und der Liebste steht gestresst am Herd. Das ändert sich dann aber mit Abendbrot (vegane Bolognese), Film (Men in Black) und Kuschelzeit. Trotzdem geht es danach früh ins Bett, Zeit für Wochenenderholung!
Ein Freitag mit diversen Puzzleteilen in ungewohnter Reihenfolge. Erstmal ein sehr müder Morgen, das Konzert und der späte Schlaf stecken mir noch so in den Knochen, dass ich beim Morgentelefonat mit dem Liebsten nicht viel mehr als Brummen rauskriege. Nach dem Auflegen der übliche morgendliche Reboot (inkl. Konzertverbloggung mit actionreichen Videos), danach sind die Stimmbänder geölt und die Synapsen arbeiten und wir telefonieren einfach nochmal.
Dann aufstehen, Katzen versorgen, frühstücken. Es gibt den Rest Tomatensauce von gestern, aber das ist nicht so viel, dass es sich für Shakshuka-Zubereitung eignet, also koche ich die Eier separat und pelle sie dann in noch weichem Zustand, was eine ziemliche Sauerei ist. Schmeckt aber trotzdem.
Der Tee ist weißer Tee mit Aloe Vera, was aber beides vom enthaltenen Süßgras übertönt wird
Dann ein wenig Hausarbeit, bevor ich mich mitten am Vormittag in die Badewanne lege. Erst dann geht es gegen Mittag und mit nassen Haaren an den Laptop, ein bisschen konzentriert arbeiten.
Bald darauf ist es Zeit, die Haare zu föhnen und aufzubrechen, heute Nachmittag gibt es vier Stunden Workshop in Person, mal wieder in einer Hinterhof-Location in Neukölln (diesmal aber eine andere). Davor habe ich noch ein paar Minuten Zeit und ein Hüngerchen. Ich schwanke zwischen arabischem Neukölln (Künefe) und Hipster-Neukölln (französisches Café) und entscheide mich ausnahmsweise für letzteres.
Birnen-Apfel-Blätterteig-Dings, Rum-Canelé und Flat White, zusammen 11 € aber auch sehr, sehr gut
Die nächsten vier Stunden verbringe ich in Socken und mit vielen Menschen in einem Capoeira-Studio, weil zu dem Workshop neben viel geistiger Akrobatik und bunten Zetteln auch körperliche Übungen gehören.
Hinterher bin ich ganz schön platt und fahre mit U- und S-Bahn nach Südberlin, wo ich den Liebsten und das Teilzeitkind beim Stammitaliener treffe. Freitagstradition, zum ersten Mal seit Juli oder so.
Campari Orange als Gedenk-AperitivoBruschetta und Carpaccio Verspätete Martinsgans mit Klößen und Rotkraut
Erst zum ersten oder zweiten Mal deutsches Essen beim Italiener bestellt, aber mir war gerade danach. Und wer weiß, ob es Weihnachten Gans gibt (Klöße und Rotkraut gibt es mindestens zweimal, die kann man aber auch nie genug haben, zumal die Rotkraut-Menge beim Stammitaliener mehr als übersichtlich ist). Dazu empfiehlt man uns Merlot Novello und berechnet am Ende aber nur die halbe Flasche.
Mitten im Hauptgang kommt die Liebstenmama dazu, die ganztägig auf einer Veranstaltung war. Sie ist noch ein Süppchen und macht dann mit dem Teilzeitkind Rätsel. Dann verabschieden sich die Beiden schonmal nach Hause (das Teilzeitkind hat sogar seinen Schlüssel dabei!), weil beide müde sind, während der Liebste und ich noch bleiben und den Wein austrinken. Der Rest des Abends ist etwas verschwommen…
Nach dem gestrigen Drinnie-Tag heute wie versprochen wieder mehr Aktion. Das beginnt schon damit, dass es zur Frühstückszeit draußen sonnig ist und ich mir also eine Decke schnappe und dann einfach draußen esse. Beide Katzen goutieren das und vor allem Nimbin setzt sich dann noch genießerisch ans sonnigste Plätzchen, macht die Augen zu und tankt Vitamin D. Ich bleibe nach dem Essen noch sitzen, schlürfe ganz langsam meinen (den letzten) Ostfriesentee und gehe erst wieder rein, als die Sonne um die Hausecke verschwindet.
Großer Ostfriesentee, Bagel mit Mandelmus und Johannisbeermarmelade, Kaki und ApfelHappy Cat
Dann geht es an den Schreibtisch, ordentlich Energie in den Laptop reinballern. Zwischendurch schreibt die Nachbarin, mit der ich mich seit Wochen versuche auf einen Kaffee zu treffen und wir verabreden uns spontan für heute Nachmittag.
Halb 3 gehe ich mit einem Kaffee-Kakao-Milch-Zimt-Kardamomgemisch nach unten, sie hat einen Tee dabei und dann laufen wir kreuz und quer durch den Kiez und erzählen. Obwohl sie jetzt schon eine ganze Weile mit ihrer Familie in der Wohnung nebenan wohnt, ist das außer neulich im Hofkino unsere erste richtige Unterhaltung.
Am Ende zeigen wir uns noch gegenseitig unsere Wohnungen, bewundern Gemeinsamkeiten und Unterschiede, sie lernt meine Katzen kennen und ich quatsche auch noch kurz mit ihrem Mann und dann verabreden wir uns, jetzt öfter gemeinsam „Gassi zu gehen“.
Wieder zuhause koche ich mir erstmal ein deftiges, kräftiges Mittag-/Abendessen mit Tomatensauce (Zwiebeln, Butter, Kirschtomaten, Salz, Oregano, Peperoni), Spaghetti und Bottarga – das muss ein bisschen vorhalten, denn heute Abend bin ich wieder unterwegs.
Kurz nach 18 Uhr geht es mit S- und U-Bahn nach Tempelhof, wo „Bezüglich Gertrud“ (sagt der Liebste) bzw. eben Von Wegen Lisbeth spielen. Erstmal jedoch Dilla, die gänzlich un-Rock‘n‘Roll-of pünktlich um 20 Uhr auf der Bühne steht. Die Show selbst ist dann auch wenig Rock‘n‘Roll und nicht wirklich meins. Zwischendurch überlege ich, ob Dilla vielleicht eine gute Kandidatin für den ESC wäre, so eine, die mit viel Stimme und dramatischem Gesang überzeugt.
Das letzte Lied ist „Photosynthese“ und als der große Hit das einzige, das mich richtig mitreißen kann. Leider nutzt sie das auch gleich zur Bandvorstellung, so dass es gar nicht richtig seine Wirkung entfalten kann. Naja. Nach einer halben Stunde ist Umbaupause und dann geht zwei Minuten vor 21 Uhr das richtige Konzert los.
Von Wegen Lisbeth gehören für mich zu den besten „neuen“ deutschen Bands der letzten Jahre, wobei neu inzwischen auch übertrieben ist – „Meine Kneipe“ kam 2016 raus. Aber die sind halt bisschen anders und haben innovative Arrangements, kluge Texte mit unzähligen Berliner Bezügen*, groovende Rhythmen und klare Haltungen – auf dem Konzert werden Spenden für die medizinische Versorgung an den EU-Außengrenzen und für eine NGO gesammelt, die sich gegen Nazis einsetzt.
Ich kann erstaunlich viel mitsingen und habe gegen Ende des Konzerts auch sehr viel Spaß an Wall of Death, Hinhocken und Circle Pit (und kann die letzten beiden sogar filmen, siehe „Elon“ und „Wenn Du tanzt“). Begeistert singen und springen geht auch mit 42 noch gut, juhu!
Chérie
Meine Kneipe
Der Song, der früher B*tch hieß, inzwischen bitte ein selbstgewähltes, diskriminierungsfreies, einsilbiges Schimpfwort mitsingen. Schuft oder Knecht wurden vorgeschlagen.
Sushi
Elon
Wenn Du tanzt
Fürs Protokoll des Liebsten: „Wenn Du tanzt“ war der bisher kommerziell erfolgreichste Song und wurde als letztes gespielt. „Meine Kneipe“ war der erste Hit, der kam irgendwann mittendrin in Stunde 2. 😉
Als die Lichter angehen, laufe ich verschwitzt zu Manu Chaos „Clandestino“ aus der Halle und fahre auf dem gleichen Weg zurück nach Hause. Unterwegs sehe ich, dass Spotify schon wieder Geld abgebucht hat. Anscheinend haben sie, nachdem ich die Premium-Mitgliedschaft habe auslaufen lassen nicht wie erwartet auf einen kostenlosen Account mit Werbung umgestellt, sondern einfach auf ein Bezahlpaket weiter unten. Unverschämtheit. Ich kündige mit einigem Aufwand noch in der U-Bahn endgültig und gebe als Begründung „Ausbeutung von Künstler*innen, KI-generierte Musik, Werbung für ICE und Daniel Eks Unterstützung für Donald Trump“ an.
Zuhause gibts noch den letzten Rest aus der heutigen Ingwertee-Kanne, dann liege ich gegen halb 1 im Bett.
*Die Band ging aufs gleiche Gymnasium wie Kevin Kühnert.
Nachdem ich gestern so viel unterwegs war, mein Schrittziel doppelt erreicht habe und abends noch auf einem Konzert war, gönne ich mir heute erstmal das Gegenteil und bleibe drinnen… bevor dann morgen Abend das nächste Konzert ansteht.
Gemütlicher morgendlicher Reboot im Bett mit allen Schikanen – zum Wachwerden braucht es Kratzekatzen, kurz kaltes Wasser ins Gesicht, einen Ausflug auf den Balkon und die dort geholte kalte Mate – dann koche ich mir Porridge mit Apfel, Wildfeigen, Zimt und Ahornsirup und mache eine große Kanne Ingwertee. Damit geht es an den Schreibtisch.
Um 13 und 19 Uhr habe ich jeweils ein einstündiges Webinar, dazwischen arbeite ich an einem Projekt und höre sehr, sehr viel Musik, an gestern angelegt Talking to Turtles und Nick Drake und dann in Vorbereitung auf morgen Dilla und Von wegen Lisbeth. Einen Nachmittagssnack gibt es auch.
Zwischendurch passiert natürlich auch ein bisschen normaler Orgakram, außerdem wasche ich Wäsche, telefoniere mehrmals mit dem Liebsten… Und dann ist auch schon Abendbrotzeit.
Kartoffelbrei mit Schnittlauch, Mais mit Kräuterbutter, Prinzessbohnen mit Bohnenkraut
Zum und nach dem Essen mache ich mir eine Playlist der Highlights der gestrigen Late Night Shows an und dann arbeite ich mich weiter durch die Plattensammlung der Liebsteneltern und katalogisiere sie. Bach, Beatles, Biermann, Dylan, dazwischen Bangles, die vielleicht vom Liebsten sind, er kann sich aber nicht mehr erinnern – das ist eine ganz gute Zusammenfassung.
Der Tag beginnt gemütlich mit dem üblichen morgendlichen Reboot. Das Frühstück ist dann anders, ich habe beim Internet leer Lesen Hinweise auf ein Käsebrot bei Heidi aufgeschnappt, das vor allem in der Studio-Ghibli-Version sehr appetitanregend aussieht und dann direkt Appetit auf geschmolzenen Käse bekommen. Also gibt es heute überbackenes Käsebrot, etwas Paprikapulver drauf, sehr wohlschmeckenden Bio-Apfel dazu, der mich direkt auf die Streuobstwiesen vergangener Herbste katapultiert, und zu trinken einen Kakao (mit ohne Milch) mit Kaffee drin.
Danach geht es fleißig an den Schreibtisch, alltägliche Verrichtungen und dann Arbeit an einem Projekt. Mittags gibt es erst einen Call, der aus ähnlichen Gründen wie letzte Woche nach dem „Unter-drei“-Prinzip stattfindet, nur dass die Person, die darum bat, diesmal nicht in Washington sitzt, sondern in Sachsen. Hmm.
Hinterher verlängerte Mittagspause – ich absolviere meine Physio-Übungen, mache mich dann stadtfein und spaziere durch echtes Tageslicht hindurch zwei Kilometer zum angeblich ältesten und möglicherweise besten Bäcker Berlins. Es ist nämlich der 11.11. und während anderswo den Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedacht, letzte Hand an gebastelte Laternen gelegt, eine Gans in den Ofen geschoben oder mit Luftschlangen und Konfetti hantiert wird, heißt das für mich vor allem, dass ich heute Pfannkuchen esse. Drei Tage im Jahr sind dafür prädestiniert – 11.11., Faschingsdienstag und Silvester – und an diesen Tagen gibt es in Berliner Bäckereien auch mehr als die üblichen ein bis drei Sorten.
Sieben Sorten zähle ich beim Traditionsbäcker heute – Erdbeere, Himbeere, Johannisbeere, Kirsche, Pflaume, Blaubeere und Eierlikör. Ich bleibe vernünftig und nehme nur zwei, in dem Fall Himbeere und Blaubeere, und esse die gleich draußen im Park. Wer auch immer gebacken hat, hat es gut gemeint mit der Marmelade, ich bekomme ordentlich klebrige Finger und versuche sie so gut es geht mit Regenwasser auf dem Denkmal und Taschentüchern wieder zu reinigen. Richtig lecker aber. Der Rest der Auslage sah auch sehr gut aus, richtig große Kuchenauswahl… Ich werde den Spaziergang wohl doch öfter machen müssen.
Auf dem Heimweg nehme ich eine andere Route und kehre beim Haustierbedarf ein. Die Katzenstreu-Vorräte müssen aufgestockt werden und ich nehme noch ein paar neue Snacks mit. Ab und zu brauche ich Bestechungssnacks oder muss einen verhungernden Kater retten, ohne gleich die nächste volle Mahlzeit zu servieren. Leider interessiert er sich für den Großteil der vorrätigen Snacks nicht mehr. Einer der beiden heutigen Neukäufe kommt aber richtig gut an, Erfolg! Dann geht es zurück an den Schreibtisch und ins Projekt.
Gegen 18 Uhr mache ich Feierabend, esse den Rest Linsensuppe von gestern, ziehe mich nochmal um und gehe dann im Partyoutfit (gestreifter Pulli, Trainingsjacke) nochmal raus. Es ist schon lange stockfinster und fühlt sich wie später Abend an. Ich nehme die Straßenbahn zum Alex, die kurz vor Ankunft sehr drastisch bremsen muss und dann trotzdem noch einen Smart touchiert, der ihr in den Weg gefahren ist. Bis auf das Auto ist niemandem etwas passiert, aber jetzt wird erstmal auf die Polizei gewartet, während wir Fahrgäste vorsichtig auf der großen Kreuzung aussteigen und zu Fuß weiterlaufen. Die S-Bahn fährt dann auch sehr langsam, da scheint auch irgendwas kaputt zu sein.
Dann aber komme ich am Ostbahnhof an und laufe von dort durch recht finsteres Gelände bis zum Berghain. Die Gegend hier ist die, die Volker Kutscher in seinen Romanen beschreibt, da wo sich die Ringvereine bekriegen und in den Clubs Sex uns Drogen verkauft werden. Bisschen witzig, dass das Berghain ausgerechnet hier ist. Nach einigem Herumirren finde ich über schlammige Wege den richtigen Eingang (im Berghain selbst war ich nur einmal, mit Besuch aus England, und das ist 16 Jahre her) und dann den Weg zur Kantine auf dem Gelände. Ab da wird alles wieder gemütlich und nett. Ich zeige mein Ticket vor, bekomme einen Stempel auf die Hand und laufe auf dem Weg zur Bar direkt Flori über den Weg, wegen dessen Konzert ich heute hier bin und werde herzlich begrüßt.
Flori kenne ich aus unserer gemeinsamen Zeit beim Radio in Rostock und er ist auch eng mit meinen Rostocker Cousins befreundet. Im richtigen Leben macht er Musik mit Talking To Turtles und Das Paradies und betreibt außerdem ein eigenes Label. Heute ist er mit Das Paradies hier, hat ein drittes Album im Gepäck und Stefanie Schrank (Locas in Love, Karpatenhund) als Support Act dabei.
Ich hole mir ein Helles (mit Gruß an die Histamine) und ergattere den letzten freien Barhocker. Ich stehe ja gerne bei Konzerten, aber heute ist die Musik eher zum Mitwippen und Mitnicken als zum Tanzen, da sitzt es sich auch sehr gut. Kurz nach 20 Uhr eröffnet Stefanie Schrank den Abend, kurz nach 21 Uhr ist Das Paradies dran.
Stefanie Schrank, alleine am Synthi
Stefanie Schrank – Schlachtrufe BRD
Ein bisschen witzig, wie 2025 eine Frau mit elektronischem Indie Pop in der Kantine am Berghain darüber singt, dass die Punk-Sampler aus den 90ern sehr männlich, weiß und wenig meinungspluralistisch waren. Insgesamt ein sehr schönes Konzert.
Das Paradies: Florian Sievers mit Robert Kretzschmar
Flori hat dann als Begleitung noch Robert Kretzschmar dabei und dank moderner Technik und multiinstrumentaler Musiker reichen zwei Personen für unheimlich dichten Sound. Ich mag Talking To Turtles insgesamt mehr als Das Paradies, aber vieles von deren Verspieltheit und Rafinesse dringt auch heute durch. Außerdem hat Das Paradies genauso witzige Ansagen und natürlich noch größere Hits.
Discoscooter
Du, die anderen und Ich
Goldene Zukunft
Der Riesenhit „Goldene Zukunft“ kommt als letzte Zugabe (der Liebste hätte seine Freude) und dann ist das Konzert vorbei. Ich irre wieder eine ganze Weile durch dunkle einsame Gegenden in denen Gereon Rath ständig um die Ecke zu kommen scheint (heute Schrittziel doppelt erfüllt), dann erreiche ich die Warschauer Straße und fahre mit zwei S-Bahnen zurück in den Pberg. Dort gibt es noch einen mitternächtlichen Snack und ein wenig Sofa-Zeit, bei der ich auf TikTok in den ersten Minuten des 12. Novembers gewhamt werde – hat sich das für 2025 auch erledigt – und dann ist gegen halb 1 Schlafenszeit.
Brot mit veganem Kräuterfrischkäse, veganem Rohschinken und veganen Gewürzgurken 😉
Erstaunlich besser geschlafen als erwartet. Danach ruhiger Morgen im Bett mit kuscheligen Katzen und dem üblichen Programm: Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Rätsel, dazwischen Liebstentelefonat. Dann stehe ich auf, versorge die Katzen und mache mir selbst einen Matcha (Hafer-)Latte mit Pfirsichsaft und dazu ein Blaubeer-Johannisbeer-Müsli.
Buntes Frühstück gegen grauen November
Danach sehr selfcarig noch die Physio-Übungen, die langsam mal wieder zur täglichen Routine werden sollten – ich habe zuletzt derbe geslackt – und dann tagfein machen. Das dauert heute etwas länger, da ich eine Weile vor dem Spiegel stehe, bis ich das richtige Outfit habe. Darin setze ich mich dann noch an den Schreibtisch und mache Montagsdinge, bevor ich zu einem beruflichen Termin los muss.
Das Gelb gelbt immer noch
Mit Straßenbahn und S-Bahn geht es zum Termin, der gute drei Stunden dauert.
Dann auf dem gleichen Weg zurück, mit kurzem Stop am Supermarkt. Wieder zuhause bin ich dann erstmal ziemlich platt und bekämpfe das mit erstens Sofa und zweitens vietnamesischem Kaffee. Als ich wieder einigermaßen Energie habe, telefoniere mich erst mit dem Liebsten, dann mit den Eltern, dann mit dem Bruder und dann ist es auch schon 18 Uhr. Mir fällt auf, dass ich seit dem Müsli nichts gegessen habe, also schmeiße ich mir einen Koch-Podcast an und stapfe in die Küche. Heute gibt es ein Dal aus roten Linsen, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, Kurkuma, Gemüsebrühe, Kokosmilch, Koriander, Cumin, Kardamom, Zimt, Zitrone, grünem Chili, Koriandergrün und Salz.
Danach kümmere ich mich noch um Haushaltsdinge, bevor der Abend mit einer neuen spannenden Beschäftigung ausklingt: Ich gehe den ersten Teil der Schallplattensammlung der Liebsteneltern durch, die hier seit gestern steht und katalogisiere erstmal. Eine wirklich spannende Mischung, die soweit ich es bisher überblicke in den 60ern startet. Neben erwartbaren Musik-Alben und Singles aus der Zeit (vorwiegend in Deutschland erschienene Pressungen, aber teilweise auch aus Argentinien oder Griechenland) gibt es auch viel Klassik, Folklore aus aller Welt, Aufnahmen von autonomen Jugendbünden, Kinderlieder und -hörspiele, Benefiz-Kollektionen… Und dazwischen dann so Merkwürdigkeiten wie eine Mitarbeitendenversammlung bei einem großen deutschen Arbeitgeber mit Gastredner Bundeskanzler Willy Brandt, ein Konzert von Werksphilharmonikern und Werkschor der Bayer AG und eine Aufnahme einer Rede von Axel Springer zum Tag der Heimat. Was man früher so alles auf Platte gepresst hat…
Und dazwischen dann eben auch ein paar Singles, die ich spontan eher der Musiksammlung des Liebsten zuordnen würde und vielleicht eher aus Versehen bei seinen Eltern gelandet sind – Slime, Heiter bis Wolkig und Rainbirds z. B…
Das Durchsehen dieser Plattensammlung und die Entscheidung was mit den einzelnen Scheiben geschehen soll (plus ggf. Umsetzung), das wird ein schönes Projekt für die kommenden langen Winterabende.
Heute ist dann erstmal Schluss, Bettgehzeit gegen halb 12.
Gemütliches Frühstück in guter Gesellschaft mit guten Gesprächen und guten Keksresten von gestern
Mit schwarzem Humor über Trauriges lachen
Das wirklich grelle Gelb einiger Bäume vor dem grauen Novemberhimmel
Mit viel Spaß auf beiden Seiten mit dem Teilzeitkind unregelmäßige englische Verben lernen
Die verschiedenen Aspekte des 9. Novembers mit dem Teilzeitkind besprechen und am Ende in einem langen Gespräch über Nordkorea landen
Die erste Hälfte einer Schallplattensammlung in mein Wohnzimmer tragen, die jetzt in meiner Obhut ist zum Durchsehen an langen Winterabenden – behalten, verkaufen, verschenken, wegschmeißen… Erste Schätzchen sind ein paar Beatles-Platten, das Musical Hair und eine Yoga-Schallplatte
Ein gutes scharfes Chefmesser habe ich auch „geerbt“
Abends ein schnelles Süppchen (japanisches Hühnchen) mit viel Spinat verfeinert
Große Frühstücksrunde zu acht mit allerlei Scherzen
Diverse Besorgungen in Spezialitätenläden für (süßes) Gebäck
Ein heute sehr kuscheliges und (an mir) anhängliches Nifftenkind
Die nachmittägliche Tanz- und Mitsing-Session mit Nifftenkind, Teilzeitkind und Liebstenschwester zum Best of der Kinderhits dieser Tage – Rolltreppenmax, Pipikaka-Automat und Frag The Police
Exklusivzeit mit dem Liebsten
Abendessen mit dem Liebsten und dem Teilzeitkind mit gemeinsamem Empören über die Gespräche am Nebentisch (dozierende Lehrer*innen im Ruhestand, die politisch sehr viel weiter rechts stehen als wir) – das Kindelein kann inzwischen auch schon sehr beißende Kommentare abgeben, Stichwort „braunes Dessert“
Wie der Liebste und das Teilzeitkind sich einen Livestream von einem Powwow anschauen und expertenhaft über Kostüme und Fähigkeiten der Tänzer*innen in den verschiedenen Kategorien fachsimpeln
Drei Sorten vegetarische Semmelknödel auf Pilzragout
„Wir sind ja von feinen Leuten kaum zu unterscheiden“
Sehr viele neue Menschen kennengelernt, nette Gespräche geführt, neue Anekdoten gehört und deutlich mehr gelacht als geweint
Das Quietscheentchen auf dem Blumenkranz
Drei Kinder, die die Situation aufgelockert haben
Wie das große Teilzeitkind stundenlang das kleine Nifftenkind gesittet hat
Jemanden aus der alten Heimat kennengelernt, am Dialekt erkannt und dann gemeinsam aus der Ferne über die merkwürdige politische Gemengelage dort gefachsimpelt