Unruhig und kurz geschlafen, dann sehr früh aufgestanden, der Hausärztin einen Besuch abgestattet und die Reißleine gezogen.
Nachdem alle Formalitäten und Benachrichtigungen erledigt sind, lege ich mich nochmal hin. Die nächsten Tage stehen ganz im Zeichen von Entschleunigung, Durchatmen, Dingen, die gut tun. Der Stress darf gerne draußen bleiben. Dann nochmal kurz weggenickt, immerhin.
Der Rest des Tages dann eher ruhig. Als ich genug gelegen habe, erledige ich ein paar Dinge – Telefonat mit dem Internetanbieter, kurzer Lebensmitteleinkauf, Wäsche waschen, bisschen aufräumen. Ich setze mich sogar mal kurz ans Klavier und klimpere ein paar Melodien in die Tasten.
Dann wieder liegen, warum auch nicht. Zwischen Fußball und der zweiten Hälfte der dritten Staffel „Loudermilk“ geht der Tag recht schnell vorüber.
Am Abend gibt es syrisches Essen und gute Gespräche mit dem Bruder und einer Cousine, dabei viel über die aktuelle Situation, im Land und auf der Welt, geredet. Thematisch viel unschönes, aber das Zusammensein ist toll.
Muss ich gar nicht, im Liegen bin ich Weltmeisterin. Ausreichend geschlafen, dann mit dem Liebsten im Bett Kaffee trinken, bis das Teilzeitkind anruft und von der Übernachtungsparty zurückkommt. Dann gibt es Frühstück für die Erwachsenen und zweites Frühstück fürs Teilzeitkind.
Hinterher wieder Liegen. Irgendwann wird das Teilzeitkind von anderen Paar Eltern abgeholt, weil die Drei heute zusammen bei einem Event durch Schlamm robben wollen und danach ist Kaffee und Kuchen mit dieser Seite der Familie. Eine gute Gelegenheit für den Liebsten, sich wieder zu mir zu legen.
Um 15 Uhr ist Fußball, mit angemessenen Snacks für Sonntagnachmittag: Quarkbällchen, Erdbeeren, Kirschen.
Danach stehe ich dann doch mal auf, ziehe mich an und fahre zurück in den Prenzlauer Berg. Schon unterwegs bestelle ich mir Abendbrot.
Zur zweiten Halbzeit des zweiten Fußballspiels liege ich mit Hot Dog, Pommes und frittiertem Feta mit Johannisbeergelee auf der Couch.
Beim dritten Spiel liegen dann noch zwei Katzen auf mir und dann ist der Sonntag auch schon durchgelegen.
Frisch gepresste Zitronenlimonade vom Markt für zusätzlichen Vitaminschub
Mit dem Teilzeitkind für Sachkunde gelernt – Berliner Bezirke und Sehenswürdigkeiten, Grundzüge deutsch-deutscher Geschichte
Die letzte Folge der aktuellen Staffel Bridgerton gesehen, außerdem weiter Loudermilk und spät am Abend die erste Folge Fallout (wird keine Serie für mich)
Zwei Fährüberfahrten für den anstehenden Sommerurlaub gebucht und dabei in ein Erinnerungsloch gefallen, Fährüberfahrten gehören felsenfest zu den Erinnerungen an unsere Island-Urlaube in den 90ern, das wird gut!
Abends mit dem Liebsten (das Kind ist auf einer Übernachtungsparty) erst Italienisch geschlemmt und dann das Italien-Albanien-Spiel gesehen
Zur üblichen Zeit erwacht und die Erkältungssymptome sind wieder/immer noch da. Heute höre ich auf den Körper und die innere Vernunft und melde mich direkt krank.
Der Tag verläuft dementsprechend ruhig und gemütlich. Ich liege lange im Bett, schlafe aber doch nicht nochmal ein. Also gehe ich irgendwann in die Badewanne, frühstücke Müsli und lege mich dann wieder hin – ein bisschen lesen, ein bisschen Fernsehen (die zweite Hälfte der dritten Staffel Bridgerton ist seit gestern verfügbar).
Ungefähr gegen Feierabend des Liebsten raffe ich mich auf, packe meine Sachen zusammen und fahre rüber nach Südberlin, nur um mich dort direkt wieder auf die Couch zu legen. Es gibt Burger und Pommes und eine Folge Soy Luna mit dem Teilzeitkind, das sonst den Rest des Wochenendes keine Zeit für Fernsehen haben wird.
Und dann ist es Zeit für die Eröffnungsfeier der Europameisterschaft im Herrenfußball und das Eröffnungsspiel. Das gucken wir uns dann auch noch an, wobei das Kindelein kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit ins Bett verschwindet und so noch insgesamt vier Tore (drei zählende) verpasst. Immerhin kein langweiliges Spiel gewesen, auch wenn mein Tipp nicht ganz funktioniert hat, aber ich denke, damit stehe ich nicht alleine da.
Nach dem Spiel verschwinde ich direkt ins Bett, während der Liebste sich nochmal zum Zocken an den Schreibtisch setzt. Ende Gelände.
Ich erwache wie immer kurz vor dem Weckerklingeln, heute mit Erkältungssymptomen. Das hatte sich gestern schon angedeutet und manifestiert sich jetzt. Es geht aber gerade noch so und da heute meine Anwesenheit im Büro dringend vonnöten ist, raffe ich mich trotzdem auf und fahre los.
Bis zum Nachmittag ist es ein recht normaler Bürotag – mit einer etwas besonderen Stimmung in der Luft, weil abends ein Team-Event ansteht.
In der Mittagspause hole ich mir mit einem Kollegen was beim Supermarkt, auf dem Heimweg unterhalten wir uns mit zwei netten Menschen, die gratis Kaffee und Orangenwasser verteilen, Werbung für Stadtteilangebote machen und Menschen zu Gesprächen animieren. Tolle Aktion, wir nehmen ein paar Flyer mit, u. a. für eine Führung zu jüdischer Geschichte im Viertel.
Am späteren Nachmittag ist dann Aufbruch Richtung Biergarten im Volkspark Friedrichshain. Wir sitzen in großer Runde gemütlich beisammen, essen sehr gut und trinken in angemessenem Umfang.
Beim Aperitif bleibe ich alkoholfrei, später beteilige ich mich ein wenig am Grauburgunder. Zusammen mit der schönen Frühsommersonne lässt das meine Erkältungssymptome in den Hintergrund treten.
Es wird ein langer Abend, irgendwann zwischendurch gehe ich bezahlen, aber wir bleiben weiter sitzen und einige bestellen noch auf eigene Kappe nach. Jetzt werden die alten Geschichten rausgeholt – wir kennen uns alle seit über 10 Jahren. Kurz vor Mitternacht bricht der harte Kern auf und nimmt sich ein Großraumtaxi in einen Club, während ich mit der Tram nach Hause fahre und halb 1 brav in meinem Bett liege.
Arbeit mit nur einem Meeting, dafür viel Backend-Gewurstel
Jede Menge Müll entsorgt
Zimmer aufgeräumt und Staub gesaugt
Eine Kundenbeziehung mit einer Bank beendet und alle Konten löschen lassen
Das Problem des leckenden Gefrierschranks hoffentlich gelöst – unter Zuhilfenahme eines Föhns und mit Belohnung durch je einen Schluck Limoncello für den Mitbewohner und mich
In den letzten Tagen eingetroffenes Katzenfutter ausgepackt und verräumt
Die vorletzte Einheit im Sportkurs für Vielsitzende, für die letzte habe ich jetzt noch 10 Tage Zeit
Wieder so 12.000 Schritte
Lecker gekocht
Letzteres ist eine Zucchini-Mais-Chowder, vom Internet inspiriert und dann aber mir selbst zu eigen gemacht.
Das geht dann so: Eine Schalotte und die restlichen Minizehen Knoblauch in viel Butter anbraten, Mehl dazu geben und mit Gemüsebrühe zu einer Mehlschwitze machen, gewürfelte Reste Kartoffeln und Zucchini dazu geben und eine Weile Kochen lassen, Salz, Pfeffer und eine kleine Dose Mais dazugeben, weiter kochen lassen. Kurz bevor die Kartoffeln weich sind, mit Zitronensaft abschmecken und Estragon und Basilikum vom Balkon drauf werfen. Sehr, sehr lecker, sommerlich, sättigend und bis auf die Butter komplett vegan.
Wie fast immer im Moment kurz nach 7, vor dem Weckerklingeln, erholt aufgewacht. Morgendliche Verrichtungen und dann geht es rechtzeitig los ins Büro, um Punkt um 9 mit der Arbeit zu starten – obwohl am Alex ein Umweg gelaufen werden muss, denn am Kaufhaus ist Feuerwehreinsatz, tatsächlich ein Brand, wie ich später nachlese. Im Büro dann das übliche, mit jeweils einem Meeting am Vormittag und einem am Nachmittag. Zwischendrin gehe ich in der Mittagspause bei meinen Eltern Blumen gießen, nach der Post sehen und zurückgelassene Lebensmittel retten. Diese Zeit jetzt wieder. Ich esse einen unterwegs gekauften vegetarischen „Burger“ von der Bäckertheke im Bioladen.
Nach der Arbeit hingegen wird alles etwas spannender. Ich treffe mich mit dem Liebsten an der kanadischen Botschaft, wo wir eine Podiumsdiskussion besuchen: „Elemente indigenen Stils. Wie schreibt und spricht man über indigene Kulturen?“
Anlass und Aufhänger der Diskussion ist das Erscheinen dieses Buches auf Deutsch. Es geht um Diplomatie durch Netzwerken, die Lebensgeschichte des Autors Gregory Younging (halb Cree, halb Chinese), die kanadische indigene Erfahrung, sich wandelnde Sprache, Handreichungen zu respektvollem Umgang in Literatur, Kultur, Museen, Kitas, überhaupt zu Diversität, Gleichstellung und Inklusion, Erfahrungsberichte, etc. etc. Dann folgt die Fragerunde am Ende, die dem Liebsten und mir alles abverlangt, um ruhig zu bleiben. Alle Klischees bedient:
Wie verhalte ich mich, wenn ein Mitglied einer marginalisierten Gruppe sich rassistischer Sprache bedient?
Ich möchte kein Mikrofon benutzen aber trotzdem ganz viel sagen
Ich habe keine Frage aber ein Statement, erzähle dabei meine ganze Biografie und verwende dabei rassistische Sprache
Das Thema ist irrelevant, viel wichtiger ist…
Wie kann man indigene Kulturen trotzdem feiern, wenn man sein Kind jetzt nicht mehr so verkleiden darf?
Ich filme mein Statement (keine Frage), das überhaupt nichts mit dem Thema zu tun hat und flechte noch einen Hinweis zu Israel und Palästina mit ein
Huiuiui, wir kommen aus dem Augen verdrehen gar nicht mehr raus. Nach der Diskussion gibt es veganes Catering und kanadischen Wein – einen sehr leckeren Sauvignon-Blanc aus British Columbia und einen sehr schweren Cabernet Franc von der Niagara-Halbinsel.
Wir unterhalten uns nochmal über die Fragerunde, die das eigentlich gute Gesamterlebnis der Diskussion doch entscheidend getrübt hat. Die Moderatorin kommt zum Plaudern zu uns – sie ist meine ehemalige Dozentin und Bachelor-Mutter und langjährige Facebook-Freundin. Nach einer Weile verabschiedet sich der Liebste zurück nach Südberlin, wo er noch einen späten Termin im Internet hat. Ich unterhalte mich mit a) einer anderen Diskussionsteilnehmerin, b) einer Referentin der Botschaft und c) einer Mitarbeiterin des Humboldt-Forums – über a) den Stand von DEI und wie merkwürdig es ist, wenn in einer Fragerunde der unproblematischste Beitrag der eines weißen Mannes ist, b) über meine Bezüge zu Kanada, Berlin und kanadische Popkultur, c) über bedrohte indigene und Minderheitensprachen. Es werden jeweils Kontaktdaten ausgetauscht.
Dann wird es langsam Zeit zusammen zu packen, der Rotwein wirkt. Ich verabschiede mich nochmal ausführlicher von meiner ehemaligen Dozentin und ihrem Mann, inkl. Austausch von Neuigkeiten aus unseren jeweiligen Familien und Freundeskreisen sowie Reisepläne, dann mache ich mich nach herzlicher Umarmung auf den Heimweg.
Zuhause hat der Mitbewohner Besuch und es wird Carbonara gekocht. Da schließe ich mich doch gerne an, der schwere Rotwein darf ruhig noch etwas an Saugmasse gegenübergestellt bekommen. Wir unterhalten uns über das Expat-Leben in Berlin und Katzen und ich erfahre endlich, wer in dem Haus an der S-Bahn wohnt, das Tag und Nacht mit Polizeischutz bewacht wird. Das ist seit Monaten ein stetes Rätsel für mich, diverse Nachbar*innen und Menschen, die mich besuchen. Jetzt weiß ich es und bin ganz aufgeregt über die Information, die direkt noch mit den diversen Miträtselnden geteilt wird und auch dort für heftige Reaktionen sorgt. Nur die beiden Expats in meiner Küche können mit der Person nicht so viel anfangen.
Ich versichere ihnen, dass das ein wirklich bekannter und in meinen Kreisen nicht gerade beliebter Politiker ist, dann lasse ich sie alleine und gucke vor dem Einschlafen noch zwei Folgen Succession – erste Staffel dann auch vorbei.
Dieser Montag ist vong Stimmung her sehr geprägt von den Wahlergebnissen gestern. Gleich recht früh am Tag schreibt mich die Kollegin aus Paris frustriert an, dort lief es ja noch eins schlimmer, und wir schweigen beide zusammen und wissen nicht weiter. GIFs schicken gegen die Weltuntergangsstimmung. Das muss man halt auch begreifen: Es hilft gar nichts, die Situation in Deutschland singular zu bejammern wir haben es mit einem weltweiten Rechtsruck/Backlash/Faschismus-Revival zu tun, befeuert von globalen Strukturen, die die Kommunikationsstrategien der Nazis finanzieren.
Ansonsten ein relativ normaler Homeoffice-Arbeitstag. Ein Kollege in London geht morgen auf das NOFX-Konzert, auf dem ich am Sonnabend war, war neulich auch bei Pennywise, und zwar backstage und das Konzert vom Bühnenrand verfolgend.
Mittags gehe ich kurz was einkaufen und frisches Katzenstreu aus dem Keller holen. Beide Klos bekommen etwas Zuwendung (an so einem Tag in Katzenscheiße wühlen hat ja auch was Poetisches).
Dann esse ich Schnittchen auf dem Balkon und bleibe zur weiteren Arbeit direkt draußen im Liegestuhl. Als es zu frisch wird, wechsle ich aufs/ins Bett. Es fühlt sich neben allem auch so an, als stünde die nächste Erkältung demnächst ins Haus.
Ab 17 Uhr noch Team-Meeting, nochmal mit viel Politik und GIFs hinterher – wer demnächst in UK und USA wählen soll, hat es halt auch ebenfalls nicht schön.
Zum Feierabend dann Spaghetti als Stimmungsaufheller, heute mit Thunfisch-Bottarga, Kapern, Tomatenmark, Knoblauch, Zitrone und Petersilie.
Es folgen mehrere Folgen „Succession“, eine Runde in der Badewanne, das Beäugen eines wehen Zehs, auf den mir beim Konzert jemand getreten ist, und noch ein paar Seiten im „Zauberberg“, bevor mir die Augen zufallen.
Bis nach 9 geschlafen, der Liebste kann noch eine ganze Weile länger. Ich beschäftige mich still mit meinem Telefon, bis er auch wach wird. Dann gibt es Kaffee im Bett und erste Gespräche, thematisch drehen sie sich viel um Essen. Wir kommen überein, dass Frühstück bestellt werden muss und suchen uns etwas aus. Gegen 12 gibt es dann für mich Brot mit Avocado und pochiertem Ei sowie ein Croissant mit Erdbeerbarmelade, dazu mehr Kaffee und O-Saft. Kurz darauf ziehen wir uns an und gehen ins Draußen – der Liebste muss noch wählen und ich bin mit einem Freund verabredet.
Der Liebste macht sein Kreuz für eine andere demokratische Partei als ich bei der Arbeitsagentur um die Ecke und kehrt dann in seine Höhle zurück, während ich nach Charlottenburg fahre und dort in einem kosheren Café den Freund aus der Heimat treffe, der heute ein paar Stunden in Berlin zu killen hat, bevor er in seiner Parteizentrale die Wahlprognosen und -hochrechnungen miterlebt. Ich esse ein Schokoladenrugela (Singular von Rugelach), während er seinen Kaffee austrinkt, und dann laufen wir los.
Es geht den Ku‘damm entlang bis zum Zoo, am Zoo vorbei in den Tiergarten, am „Rasen des 17. Juni“ vorbei bis zum Brandenburger Tor.
Die Gespräche drehen sich um die alte Heimat, Arbeit, Freund*innen, Familie und natürlich immer wieder Politik. Es ist vieles eher deprimierend, aber ansonsten auch sehr schön. Ein gutes Beispiel dafür, wie man mit Menschen befreundet sein kann, die einer Partei ganz am anderen Ende des demokratischen politischen Spektrums angehören, solange die Basis (Demokratie) stimmt.
Wir laufen unter den blühenden Linden zum Hackeschen Markt und holen uns ein Eis – für mich schwarze Johannisbeere und Mango. Damit geht es über die Museumsinsel und am Wasser entlang zu zweien meiner Lieblingslokale in der Gegend. Das eine hat zu, das andere macht gleich zu.
Suezkanal in Klein
Also gehen wir in ein Hipstercafé, das passt zu uns Beiden, und trinken noch einen Espresso Tonic, während wir durch unsere Timelines scrollen und unsere Social-Media-Kanäle befüllen.
Dann geht es auf 18 Uhr zu und wir verabschieden uns mit dunklen Vorahnungen und wünschen uns ein gutes demokratisches Ergebnis. Er geht weiter zur Parteizentrale der mir unsympathischsten demokratischen Partei (zumindest von den „Großen“), ich fahre mit S-Bahn und Tram nach Hause in den Pberg und sitze kurz nach 18 Uhr vom Fernseher.
Die Prognosen sind erwartbar gruselig, auch wenn es für die Partei des Freundes etwas weniger schlimm aussieht als befürchtet. Ich mache mir einen Schnittchenteller und Waldmeisterlimo und schaue mir die Berichterstattung etwa anderthalb Stunden lang an. Der Liebste und ich telefonieren zweimal, dann brauche ich dringend Eskapismus von meinen Timelines (nach und nach kommen die Ergebnisse einzelner Gegenden und es ist alles sehr doom ‘n’ gloom. In der alten Heimat haben die Blauen fast 40 Prozent bekommen, auch in Rostock sind sie größte Fraktion in der Bürgerschaft. Mein Kiez ist erwartbar stabil, aber was hilft das, wenn das ganze Land blau versumpft?
Immerhin bleiben die Ergebnisse hinter den Umfragen Anfang des Jahres zurück und das EU-Parlament insgesamt verändert sich auch noch nicht so stark. Irgendwo muss man sich ja kleine Hoffnungslichter zusammenklauben.
Jedenfalls eskapiere ich mit mehreren Folgen Succession, womit ich heute nochmal neu anfange, es ist schlicht zu lange her und zu viel passiert, seit ich das letzte Mal angefangen habe. Nach vier Folgen ist es halb 12 und ich mache mich bettfertig.
Das erste Mal gegen 6 die Augen aufgemacht, dann aber nochmal bis halb 9 weitergeschlafen. Später fällt mir ein, dass ich auch gegen 3 mal wach war, als der Mitbewohner erzählt, dass er da mit seinem Besuch nach Hause gekommen ist und ihnen im Wohnzimmer was runtergefallen ist. Diese Schlaftabletten-Dingsis helfen super beim Einschlafen, das Durchschlafen hängt dann auch von der Müdigkeit und externen Faktoren ab. Anyway, halb 9 ist eine okaye Zeit zum Wachsein. Die nächsten anderthalb Stunden beschäftige ich mich mit der morgendlichen Internetrunde, dann mache ich mir Frühstück und esse es im Bett, während ich mit dem Liebsten telefoniere.
Irgendwann ist dann Zeit für Aufstehen, Anziehen, Packen und Losfahren nach Südberlin. Dort ist bereits helle Aufregung, der Liebste pendelt zwischen Aufräumen und ebenfalls Packen – wir haben heute schließlich noch was vor. Nach einer knappen Stunde brechen wir erstmal zum ersten bzw. zweiten Frühstück auf und gehen dazu in die schwedische Kaffeehauskette, vom Liebsten liebevoll als „der Hipsterladen“ bezeichnet.
Der Liebste frühstückt Latte Macchiato und eine Focaccia mit Hähnchen, Tomate und Mozzarella. Bei mir gibt es einen Vanilla Iced Latte mit Bobas, eine Frischkäsebrezel und eine obligatorische Kanelbulle (Kardamom ist leider aus)
Nach dem Essen fahren wir mit zwei U-Bahnen nach Spandau zur Zitadelle, wo heute ab 16 Uhr zum Pogo aufgespielt wird.
Wir drehen eine Runde über das Gelände, der Liebste ist zum ersten Mal hier, ich hingegen war einmal touristisch da (mit den Eltern von Il Professore) und ansonsten des Öfteren in musikalischer Mission. Ich erinnere mich an die Kelly Family, Neil Young, Morrissey, Mando Diao, Nada Surf und Feine Sahne Fischfilet. Wir setzen uns an den Stamm der Birke neben dem FOH, trinken ein erstes Bier (für mich Radler) und erleben den Großteil des Auftritts von Scheisse Minelli im Sitzen – nicht unser Ding. Danach kommen The Meffs, die deutlich besser und meine Neuentdeckung des Abends sind. „This song is for the British government, which we don‘t particularly like very much. Sing it with us – fuck Brexit!“. Ich überlege, mir ein T-Shirt der beiden zu kaufen, mag aber weder das weiße noch das schwarze und gelbe habe ich schon so viele.
Während des Auftritts der Codefendants (okay, aber irgendwie unrund und nicht wirklich mitreißend) holen wir uns zum frühen Abendbrot Gözleme und für mich das zweite Radler (der Liebste läuft zwischendurch in regelmäßigen Abständen zum Bierstand und zum Klo, einfach dazudenken). Während der Descendents (gut, aber im Sitzen reicht), sitzen wir auf einer Bierbank und beobachten die Menschen um uns herum. Dann kommen Pennywise und ab jetzt ist es halt richtig ein Konzerterlebnis, fuck authority und so.
Weil wir alt (Anfang und Ende 40, respectively) und müde sind, setzen wir uns in der Umbaupause aber nochmal hin. Und dann ist es Zeit für den eigentlichen Grund des Abends – das vorletzte Deutschland-Konzert von NOFX (das letzte ist morgen) und auch das fast letzte Konzert überhaupt. Der Liebste trägt regelmäßig ein T-Shirt der Band und ihr größter Hit ist in seiner Playlist (die Playlist, legendär, würde einen eigenen Blog-Artikel wert sein) und so habe ich ihm zu Weihnachten die Tickets für heute geschenkt. Er erzählt dann auch im Voraus, dass die noch ein-zwei andere gute Lieder haben. Komischerweise kann er dann aber doch fast alles mitsingen und dabei die Arme hochreißen und ist am Ende sehr emotionalisiert, weil eine Ära zu Ende gegangen ist. Alles richtig gemacht. Ich kenne auch mehr als das eine Lied und habe wirklich ein schönes Konzerterlebnis.
Leider ist der Auftritt insgesamt recht kurz – amerikanische Band halt und letzter Act des Mini-Festivals, in einer Location, in der 22:30 Schluss ist. Außerdem formuliere ich nebenbei im Geiste einen Rant gegen Konzertbesucher*innen und verspießere von Lied zu Lied mehr. Es gibt ja Gründe, warum ich nicht im Moshpit bin, sondern weiter hinten und ziemlich am Rand stehe bzw. tanze. Warum müssen gefühlt alle zehn Sekunden Völkerwanderungen an mir vorbei, von denen jede einzelne Person mich anrempelt? Warum können die Leute nicht auf der Stelle tanzen, sondern müssen mir ihre Rucksäcke in den Bauch oder ihre Füße auf den Fuß rammen? Sind die für die Musik oder zum Saufen da? Ach, ach, ach. Rant over.
Als es vorbei ist, lungern wir noch ein wenig ungläubig rum und machen uns dann von einem nahegelegen Feuerwerk begleitet auf den Heimweg. Die U-Bahn ist natürlich voll, aber nach ein paar Stationen ergattern wir Sitzplätze und am Ende sind wir gegen 12 schon wieder in Südberlin. Ich lege mich schlafen, der Liebste brät sich Maultaschen und setzt die Party noch ein paar Stunden fort. Meine Tabletten wirken hervorragend, ich schlafe bis nach 9 durch.