Neben dem Nikolaus hat heute auch die Charlottenburger Freundin Geburtstag. (Wobei ich eben gelernt habe – TIL – dass der Nikolaus tatsächlich Todestag hat…) Aber erstmal beginnt der Tag nach dem gestrigen Marathon seeeeeeehr langsam. Zwischen endgültigem Wachwerden und richtigem Aufstehen liegen etwa drei Stunden gefüllt mit morgendlichem Reboot, mehren Liebstentelefonaten und viel Katzenkuschelei. Wochenende halt. Irgendwann wird es dann aber Zeit und ich bereite mir ein luxuriöses Frühstück zu.
Adventskalender-Porridge mit gebrannten Mandeln und Weihnachtsgewürzen, Omelette mit Schnittlauch, Räucherlachs, Crowdfarming-Avocado, Crowdfarming-Mandarine, Mate-Zitrus-Tee
Dann arbeite ich kurz den gestern aufgelaufenen E-Mails hinterher, muss mich aber schon bald dem Aufbruch widmen. Geschenk einpacken: eine Erdmännchen-Wärmflasche aus einem Berliner Integrationsbetrieb, ein Glas voll selbstgemachtes Quittenkonfekt und eine Dose mit selbstgemachten Korianderschnecken fürs Kuchenbuffet. Dann noch fix stadtfein machen und schon geht es aus dem Haus, mit der Ringbahn rüber innen Westen, zu Fuß noch im Hellen ein Stück und dann vier Treppen Altbau nach oben. Dort ist schon einiges los, die Kinder der Freundin sind sehr aufgeregt, ihre Mama und ihr Freund decken den Tisch. Kurz nach mir treffen noch ihre Mama und zwei weitere Freundinnen, eine ebenfalls mit Kind, ein und dann gibt es Geburtstagskaffee, Kuchen, Sekt und gefühlt direkt im Anschluss schon Suppe und Stullen.
Zwischendrin wird viel erzählt (soweit das bei drei tobenden Kindern mit lauten Organen im Raum möglich ist – die Geräuschkulisse ist beachtlich), später gibt es einen spektakulären musikalischen Auftritt der jüngsten Generation und dann verabschieden sich die Gäste nach und nach schon wieder. Ich bin noch als Letzte da, lese vor und spiele Memory bis die Kids endgültig bereit fürs Bett sind und dann fahre ich todmüde auch schon wieder nach Hause.
Dort dann noch ein Schwätzchen mit der Mitbewohnerin, ein Telefonat mit dem Liebsten, ein TCM-Apfel auf dem Sofa und dann falle ich gegen elf auch schon wieder in die Federn. Wie gut, dass morgen Sonntag ist!
Es ist der 5. und wie jeden Monat ruft Frau Brüllen zum Tagebuchbloggen auf. Die anderen Beiträge zu “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” findet Ihrhier.
Ich lebe ja für den Plot (das Blog?) und habe deshalb heute besonders viel Content fürs monatliche Tagebuchbloggen. Nach einem nächtlichen Klogang kann ich nämlich nicht mehr einschlafen und bin dann also seit kurz vor 4 wach. Die ersten zwei Stunden versuche ich noch, mit Hörbuch, Podcast, Lesen oder Kreuzworträtsel wieder in den Schlaf zu finden, dann gebe ich auf und beginne den morgendlichen Reboot mit Internet leer lesen, Bloggen, Französisch, Italienisch, Wordle, Connections, Strands, Crossword Mini, Spelling Bee (gibt’s erst ab 9, den erledige ich später in der Straßenbahn), Past Puzzle, Ciddle, FoodGuessr und Bandle. Dann ist der Liebste auch wach und wir telefonieren (das Kindelein ist auf dem Wege der Besserung, der Liebste selbst ist stabil malad, aber es geht). Und schon ist Aufstehzeit.
Der Porridge-Adventskalender hat heute Himbeer-Schoko für mich, dazu gibt es vietnamesischen Kaffee und eine Crowdfarming-Mandarine. Die Katzen bekommen auch zu essen, dann ziehe ich mich an und mache mich auf den Weg mit Straßenbahn und U-Bahn nach Mitte. Dort findet heute ein Kongress von Menschen und Institutionen statt, denen es an der Erhaltung unserer Demokratie gelegen ist. Die Teilnahme ist kostenlos, das Goodie Bag enthält unter anderem ein schickes Leuchtturm-Notizbuch und für Essen und Getränke ist den ganzen Tag gesorgt. So rette ich die Demokratie doch gerne!
Es gibt spannende Redebeiträge, unter anderem von der Staatsministerin und Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland, einen Democracy Slam mit acht kurzen Impulsen für tolle Hacks, mit denen man die Demokratie voranbringen kann – von so vielseitigen Institutionen wie den Leipziger Verkehrsbetrieben, einem Energienkonzern oder einem Gaming-Unternehmen, das mit Streamer*innen und Influencer*innen einen Aktionstag auf Twitch vorbereitet, um die Jugend zu erreichen. Es wird über Ehrenamt geredet (Ehrentag incoming nächstes Jahr zum Tag des Grundgesetzes!), es gibt Workshops zur praktischen Anwendung für Demokratie im Alltag (ich nehme an dem zu Haltung im Unternehmenskontext Teil und werde darin erinnert, den bereits länger schon abonnierten Newsletter Adé AfD wieder gründlicher zu lesen) und ein Filmscreening samt Diskussion mit Mo Asumang.
In den Pausen (Kaffee, Kuchen, leckeres vegetarisches Mittagessen) kommt man ins Gespräch. Ich lerne neue Leute mit tollen Projekten kennen und treffe auch auf einige bekannte Gesichter, die ich schon länger kenne. Ein wirklich gewinnbringender Tag.
Kurz vor der letzten Session gibt es dann auch noch gute Nachrichten am Telefon und dann scheint mir den Rest des Tages ein bisschen die Sonne aus dem Arsch.
Kurz vor 17 Uhr ist alles vorbei. Ich telefoniere mit dem Liebsten und fahre dann mit dem ersten Mal Weihnachtsplaylist dieses Jahr auf den Ohren vom Weihnachtsmarkt in Mitte mit zwei U-Bahnen zum Weihnachtsmarkt nach Neukölln, genauer gesagt in Alt-Rixdorf. Hier ist wie jedes Jahr ein Wochenende lang die Zivilgesellschaft aktiv. An den Ständen präsentieren sich diverse lokale Initiativen, Organisationen, Vereine und Künstler*innen. Es gibt Feuerfleisch im Brötchen von der koreanischen Gemeinde, Honig von Neuköllner Bienen, Marmelade von Gefängnisinsassen, handgefertigte Produkte mit deren Kauf man die Beratung von Prostituierten unterstützt, Hospize, die Spenden sammeln und noch vieles mehr. Ich laufe einmal komplett alles ab, lasse mich beinahe von drei Alpakas umrennen, die von drei Weisen aus dem Morgenland über den Markt geführt werden und lande dann geplant am Stand von Afrika Rise, einem Berliner Verein, der sich für Bildungsprojekte in Uganda einsetzt und in dem sich einige Freund*innen und ehemalige Kolleg*innen von mir engagieren.
Ich trinke „afrikanischen“ Glühwein (mit Ingwer) für den guten Zweck, nasche Plätzchen, begucke mir die Auslage und sorge als Multiplikatorin für weiteren Zulauf am Stand. Nebenbei unterhalte ich mich ausführlich und tausche Neuigkeiten aus.
Irgendwann wird es dann zu kalt und ich ziehe weiter, kaufe an einem anderen Stand noch ein Geburtstagsgeschenk und laufe dann weiter zur nahegelegenen Flipperia, wo es heute einen weihnachtlichen Community-Abend von Flipped Job Market gibt. Was habe ich hier dieses Jahr schon für tolle Erlebnisse und Gespräche gehabt! Wird heute auch nicht anders. Bei Glühwein, Punsch und Snacks wird wieder sehr viel gesprochen – über finnische Saunen, Wehrpflicht, instabile und stabile Verwandtschaft, merkwürdige Arbeitgeber*innen und glückliche Zufälle. Von denen gibt es heute auch wieder jede Menge, es ist ganz erstaunlich welche Verbindungen sich plötzlich auftun und mit wem man spontan Gemeinsamkeiten (und gemeinsame Bekannte) hat. Unter den neuen Gesichtern unter anderem einer, der hier in meinem Kiez wohnt, eine aus der alten Heimat und eine, die zeitgleich mit mir am gleichen Institut studiert hat und aus nochmal anderen Kontexten wiederum eine Freundin von mir kennt. Mind blown.
Mind blown außerdem von diesen selbst gemachten „Baisers“, die zu 90 % so schmecken, wie das was in der Lausitz zur Vogelhochzeit als Schmätzl verkauft wird. Größter Unterschied: Wo Schmätzl innen drin noch klebrig sind, haben diese Baisers innen feingehackte Mandeln drin. Schmeckt auch sehr gut und ja, ich werde mir von der Bäckerin noch das Rezept geben lassen!
Nach und nach verkleinert sich die Runde und löst sich schließlich gegen halb 11 endgültig auf. Ich laufe zur S-Bahn, um dann festzustellen, dass ich zu spät bin um noch komfortabel heimzukommen.
Ein kurzer Check der Apps sagt mir, dass ich entweder mit Pendelzug, Schienenersatzverkehr und S-Bahn nach Hause komme, oder – in nur 10 Minuten mehr – einfach die Ringbahn andersherum fahren kann und dann ohne Umsteigen zuhause ankomme. Ich entscheide mich für den langen und bequemen Weg und bin nach einer knappen Stunde inklusive Dreiviertelumquerung des Rings gegen Mitternacht zu Hause und kurz danach im Bett.
Der Tag bringt mehrere Durchbrechungen der Routine mit sich. Gleich morgens gibt es medizinische Neuigkeiten aus Südberlin, die Zuspruch und Rat benötigen. Später am Tag wird mich dann ein Anruf des sehr maladen Teilzeitkinds erreichen, das seinen Papa per Telefon nicht erreichen kann und zu schwach ist, um laut zu rufen. Es bittet mich, meinerseits Kontakt zu seinem Papa aufzunehmen, der im Nebenzimmer selbst im Bett liegt, damit er ihm eine kühlende Leckerei aus dem Tiefkühlschrank bringen kann (nur für den schmerzenden Hals, versteht sich). Ich scheitere auch und telefoniere dann nochmal mit dem Kindelein, um zu eruieren, ob es vielleicht doch – aber ganz vorsichtig! – selbst aufstehen und sich das Eis holen könnte. Die Operation gelingt. Ich vermute den Liebsten schlafend (er kränkelt selbst), tatsächlich hat er nur aus Versehen sein Handy lautlos und nicht in der Hand – ist stattdessen in ein Buch versunken. Damit kann ja nun niemand rechnen. Welche eine Aufregung auf die Distanz!
Auch ungewöhnlich ist, dass ich mich bei 2 Grad (gefühlt -1) für Frühstück auf dem Balkon entscheide. Die Sonne scheint gerade, das muss man ausnutzen! Der Porridge-Adventskalender hat heute Kirsch-Mandel-Karamell ausgespuckt, dazu gibt es Crowdfarming-Mandarine und vietnamesischen Kaffee.
Am Nachmittag habe ich dann einen sehr spannenden und schönen multikulturellen Call mit Menschen aus Kanada, Schweden und Deutschland. Die Katzen bleiben entgegen ihrer Gewohnheiten und meinen Erwartungen die ganze Zeit über gemütlich im Bett und schlafen. Überhaupt scheinen sie sich langsam an die dunkle Jahreszeit gewöhnt und auf energiesparenden Winterbetrieb umgeschaltet zu haben. Ich begrüße das und werde weiter beobachten.
Bevor es richtig dunkel wird, gehe ich nochmal fix raus zum Müllplatz und zur Apotheke, das noch fehlende Medikament von neulich abholen. Diesmal völlig unauffällige Bedienung, allerdings lange Wartezeit trotz voller Besetzung – vor mir drei sehr beratungsintensive Fälle, hinter mir eine länger werdende Schlange. Aber ich habe es au nicht eilig und studiere den Aushang zum Nikolaus – Kinder können bis Freitagabend ihre geputzten Schuhe vorbeibringen. Dass die die am Sonnabend gefüllt wieder abholen können, steht da nicht, aber ich nehme es mal an. (Lektionen in Kommunikation und kulturellem Kontext.)
Zuhause nochmal Kontrollanruf in Südberlin, es geht allen den Umständen entsprechend OK. Ich esse den Rest Süßkartoffelsuppe von gestern und gucke dann zwei kanadische Filme auf Netflix.
Christmas under the Northern Lights erzählt die klassische Hallmark-Weihnachtsgeschichte in allen Klischees, nur eben in Kanada. Kann meine Aufmerksamkeit kaum halten und wird inhaltlich sofort wieder vergessen.
French Girl hat noch schlechtere Bewertungen, ist aber bedeutend unterhaltsamer und sogar richtig witzig. Zach Braff spielt auch mit. Und es geht viel um Essen. What‘s not to like? Kommt halt nix mit Weihnachten drin vor, dafür gibt es klare politische Statements, die zur Zeit passen und es wird viel Französisch gesprochen, denn die Handlung spielt in Québec. Wo ich das aufschreibe, denke ich, dass der Vibe ein bisschen ist wie in vielen französischen Komödien. Großstadtmensch kommt aufs Land, die Leute sind ein bisschen merkwürdig, es gibt viel Sex und merkwürdige Beziehungsdynamiken. Kann man gut gucken!
Erstaunlicherweise häufen sich gerade heute Ereignisse, die mit Ex- zusammenhängen – aber chronologisch:
Der Porridge-Adventskalender hält heute Schoko-Banane bereit, dazu frühstücke ich eine Crowdfarming-Mandarine und Matcha mit Hafermilch. Später wechsele ich auf Yuzu-Tee.
Vorher habe ich den gesamten morgendlichen Reboot erledigt (Ich bin unter den 1 % der aktivsten Duolingo-User*innen), bis auf die Physio-Übungen, die aber zwischen Frühstück und endgültigem Arbeitsbeginn noch Platz finden.
Ein Webinar um 12, danach längeres Telefonat mit dem maladen Teilzeitkind, das frühzeitig und krank aus der Schule gekommen ist, und dem es umsorgenden Liebsten.
Zum Mittag die Reste der Radicchio-Gorgonzola-Pasta von gestern.
Am Nachmittag der angekündigte Besuch vom Hasen, dessen Mama mir ein Adventspäckchen schickt, das ich erfreut, gerührt und vorfreudig auspacke: Eier von den eigenen glücklichen Hühnern, zwei Sorten lokalen Spekulatius, Kekse, Toffifees und diverse Marmeladen und Brotaufstriche, diese größtenteils Fehlproduktionen (nur was die Verpackung angeht, nicht den Inhalt) aus der Fabrik, in der die Ex vom Hasenbruder arbeitet (Als der Hase nicht mein Ex war, waren wir beide noch die Schwiegertöchter der Hasenmama, jetzt sind wir beide Ex- aber gehören irgendwie weiterhin zur Familie…). Ich freue mich auf Feige, Zitrone, Bitterorange, Maronencreme und Rübensirup!
Der Hase und ich sitzen noch ein wenig beisammen und erzählen uns die letzten Monate, dann muss er weiter und ich kehre zurück an den Schreibtisch und gratuliere meiner der Ex-Frau meines Bruders zum 50. Geburtstag. Sie geht heute zur Feier des Tages in ein indisches 2-Sterne-Restaurant und zeigt später Fotos davon. Bin schwer begeistert.
Zwischen all dem und noch bis ganz schön spät sitze ich die ganze Zeit fleißig am Schreibtisch. Nach dem zweiten Webinar wechsle ich 19:30 in die Küche und koche mir aus Crowdfarming-Süßkartoffeln, Crowdfarming-Zwiebel, Cashewcreme, Ingwer und grünem Chili ein Süppchen, dazu Crowdfarming-Avocadobrot und Mango-Lassi.
Danach geht es für zwei Kapitel in die Badewanne und dann weiter auf die Couch. Dort beschäftige ich mich ein letztes Mal mit dem Wrapped meines Ex-Streaming-Anbieters Spotify, erkenne zwei meiner angeblichen Top-5-Songs nicht wieder und freue mich aber ein bisschen über die finale Auswertung meines Musikgeschmacks. Dann krieche ich gegen halb 12 sehr müde ins Bett.
Im Moment habe ich keinen guten Lauf bei den täglichen Connections in den New York Times spielen, dass ich alle vier finde ist selten geworden. Dafür heute aber viele Connections im Real Life, das ist ja auch schön.
Unser täglich Adventskalender-Porridge heißt heute White Chocolate Berry und schmeckt sehr gut.
Neben den üblichen vielzähligen Telefonaten mit dem Liebsten gibt es heute auch welche mit der „alten Freundin“, die sich über diese Bezeichnung wieder freuen wird (zum Ausgleich gibt es weiter unten eine Pasta-Idee!) und mit dem Bruder. Außerdem schreibe ich mit den Ellis, mit mehreren ehemaligen Kolleg*innen und mit Freund*innen, von denen ich lange nichts gehört habe. Und der Hase kündigt einen Besuch für Morgen an, weil die Hasenmama ein Adventspaket für mich gepackt hat. Ich habe es gut!
Mittags Bagel mit Frischkäse, Räucherlachs, Radicchio und Crowdfarming-Avocado
Ansonsten passiert nicht so wahnsinnig viel, ich stelle eine Aufgabe fertig und gebe vor Deadline ab, vor der eigentlichen und vor der selbst erdachten um 13:37, einfach, weil es sich in dem Moment des Fertigstellens gerade richtig anfühlt. Witzig sein kann ich auch noch ein andermal.
Pasta mit – in dieser Reihenfolge – Zwiebeln, Walnüssen, Honig, Radicchio, Apfelsaft, Gorgonzola, Pfeffer und Muskat (Salz sowieso)
Der Fernseher spricht immer noch nicht wieder mit dem Internet, ergo kein Kaminfeuer im Hintergrund, während ich tugendhaft Buch lese. Stattdessen kürzere Videos auf anderen Endgeräten, u. a. über Helgoland, da war ich ja dieses Jahr auch schon. Spät ins Bett.
Die ganze Nacht über (gefühlt) immer wieder Katzupunktur, ist das nun die Strafe, weil ich eine Nacht nicht da war oder einfach Stufe 2 des neuen Normal? Dass die Krallen regelmäßig ausgefahren werden ist ja nun schon ein paar Monate so, aber heute Nacht war es extrem.
Es ist Monatsanfang, sprich ein bisschen Buchhaltung, zwei Kalender umblättern (drei, Montag ist ja auch) und dazu jetzt auch noch Adventskalender öffnen. Derzeit habe ich drei, wenn ich richtig gezählt habe. Mein Berufsverband hat einen digitalen, Gästeliste Geisterbahn sendet täglich was Kurzes und der entscheidende ist natürlich der physische, den ich mir selbst gekauft habe: ein Porridge-Adventskalender. Der Liebste sagt hartnäckig Porree. Darin heute: Vanillekipferl-Porridge.
Viel Schreibtisch heute, dabei auch viel Musik. Bei Keep on Singing sprachen sie am Wochenende über das Debütalbum von John Kelly und seiner Frau Maite Itoiz. Ich habe ihm ja schon längst verziehen, dass er damals sie geheiratet hat und nicht auf mich gewartet hat, bis ich im heiratsfähigen Alter war. Geradezu dankbar bin ich ihm da inzwischen, wenn ich mir angucke, was er seitdem so treibt – sehr spezielle Musik, esoterische Anwandlungen, Eiskunstlauf, Tanzen und fragwürdige Auftritte auf Cape Breton. Als das Album 2006 rauskam, war ich musikalisch gerade frisch im Indiezeitalter angekommen und möglicherweise innerlich noch etwas ablehnend gegenüber der Konstellation. Ich sah einen Auftritt der Beiden in einer Talkshow und beschäftige mich dann nicht weiter mit ihnen. Ein paar Jahre später bekam ich das Album dann geschenkt, weil Freund*innen meiner Eltern es damals aus Neugierde gekauft und später aussortiert hatten. Ich hörte es ein- oder zweimal, dann wanderte es für die Vollständigkeit ins CD-Regal. Wegen des Podcasts höre ich es dann heute doch nochmal durch, ebenso wie zwei danach erschienene Livealben. Wenn man Esoterik und High Fantasy ausblendet, kann man dazwischen ein paar schöne baskische Klänge entdecken (und deutsche Volks- und Romantiklieder nochmal mit anderen Ohren hören).
Gegen 15 Uhr gehe ich gerade noch rechtzeitig bei Tageslicht raus, bringe drei Sorten Müll weg und gehe in den Drogeriemarkt (den Stabilen) und die Apotheke ein paar Dinge besorgen. Auf dem Heimweg dufte ich wie eine Parfümerie, weil mein Orangenblütenparfüm alle ist und ich übergangsweise was Neues brauche, bis ich hoffentlich zu Weihnachten Nachschub bekomme – ich freue mich auch über Hinweise, wenn jemand ein noch originaler orangenblütigeres kennt, das mich noch zuverlässiger an meinen Happy Place Giardino della Kolymbethra versetzt. Das verlangte ein wenig Ausprobieren und weil ich darin nicht geübt bin, dauert es, bis ich das System mit den Teststreifen durchschaue. Ich entscheide mich dann für eins, das ich auch schon länger benutze, aber in Südberlin.
Wegen Zeitverschiebung habe ich ziemlich spät abends noch einen Call mit Chicago, lange nicht gesehen und gehört, das ist sehr schön und auch sehr hilfreich. Danach koche ich das am späten Nachmittag vorbereitete Abendessen zu Ende und damit geht es dann auf die Couch. Da der Fernseher nicht mit dem Internet sprechen will, gibt es weder Filme noch Serien noch Kaminfeuer. Stattdessen lasse ich mich von TikTok berieseln, denn zum Lesen fehlt mir nach dem langen Schreibtischtag die Hirnkapazität.
Lachs-Süßkartoffel-Suppe mit Kokosmilch, Ingwer, Zitronengras, Limettensaft und ordentlich Knoblauch
Als ich mich dem Aufwachen hingebe und mein Handy in die Hand nehme, werde ich vom Liebsten unterbrochen, der mich mit großen Hundeaugen ansieht und fragt, ob ich Kaffee mache. Hmpf, na gut. Mit Kaffee und Tee im Hotelbett geht es durch den ersten Teil des morgendlichen Reboots, aber die Sprachen und Rätsel hebe ich mir für später auf, wir haben doch keine Zeit!
Pancakes und Müsli und Croissant und Mett und Obst und und und
Beim Frühstücksbuffet wird uns ein ein schöner erster Advent gewünscht und im Spa trug die Belegschaft schon gestern Rentiergeweihe. Wir essen uns wach, checken dann direkt aus und kehren noch einmal für viereinhalb Stunden in den Wellnessbereich ein.
Um 15 Uhr gebe wir unsere Karten ab, lassen uns den bisher verschmähten Begrüßungssekt aushändigen und schlürfen ihn noch zum Abschluss der Feierlichkeiten, mit ein bisschen Blick auf den See.
Dann laufen wir im beginnenden Sonnenuntergang zurück zum Bahnhof und fahren mit Regionalbahn und RegionalExpress zurück nach Berlin. Am Ostkreuz trennen sich unsere Wege, ich fahre nach Norden, der Liebste weiter nach Südberlin. Auf den letzten Metern werde ich noch nass, aber dann bin ich wieder zuhause, hole bei der Nachbarin zwei gestern verspätet angelieferte Pakete ab und dann ist Gemütlichkeit angesagt.
Crowdgefarmte Zitronen, Mandarinen und Avocados
Ich packe aus, koche mir einen Tee und dann gibt es adventliches zum Buchdurchblättern: Der Pannetone wird angeschnitten, die ersten Mandarinen der Saison verspeist. Das alles am virtuellen Kaminfeuer.
Der nächste Tee wird dann reiner Yuzu-Tee, während ich mir Abendbrot koche. Gestern schon hatte ich Lust auf Kartoffelbrei. Heute mache ich mir den und veredle mit Butter, Knoblauch, Muskat, letzter Crowdfarming-Zucchini und Sellerie.
Dazu und danach beende ich den ersten Advent mit zwei Weihnachtsfilmen – dem ersten der obligatorischen Guten (The Family Stone, zuerst gesehen vor 20 Jahren zu Weihnachten in einem kleinen Kino in Nova Scotia) und einem random kitschigen (Alles ist Liebe). Und Zack ist es Mitternacht und Bettgehzeit!
Sehr kuschelige Katzen heute Nacht, aber als ich dann endgültig wach werde, pennt Noosa tief neben mir auf „ihrem“ Kissen und Nimbin ist verschwunden. Ich drehe meine morgendliche Runde durchs Internet, blogge, und dann geht Punkt 9 Uhr meine Kleiderschranktür von innen auf und Nimbin spaziert heraus und kommt zu uns ins Bett. Verstehe. Der Rest des morgendlichen Reboots also mit zwei Katzen und dann ist auch schon Aufstehzeit.
Erdbeer-Schoko-Müsli mit Kiwi und Hafermilch
Zum Müsli gibt es Schwarztee mit Yuzu und dann geht es hinaus ins Draußen, mit der S-Bahn zum Treffpunkt mit dem Liebsten. Wir fahren jetzt das Ersatzprogramm für das eigentlich am Wochenende geplante und setzen einfach noch einen drauf und machen das Beste aus der Situation: Wir feiern unser Sechsjähriges angemessen nach, denn als es soweit war, hatten wir gänzlich andere Dinge im Kopf. Mit RegionalExpress und Regionalbahn fahren wir ein Stündchen hinaus ins Brandenburgische, spazieren dann am See entlang und checken in unserem Hotel ein.
Das Zimmer ist so früh am Tag noch nicht fertig, aber wir sind eh aus anderen Gründen hier – ab in den Wellnessbereich! Die nächsten gut sechs Stunden verbringen wir mit Pool-Solebad-Duschen-Dampfbad-Abklingbecken-Steinsauna-Duschen-Wasserbett-Solebecken-Duschen-Biosauna-Duschen-Abklingbecken-Wasserbett-Solebecken-Duschen-Aufgusssauna-Duschen-Abklingbecken-Wasserbett-Solebecken. In den Wasserbettphasen wird gelesen und zuverlässig eingeschlafen. Nach dem letzten Solebad beziehen wir unser Zimmer, duschen nochmal ausführlich mit Haarewaschen und dann ziehen wir uns wieder echte Kleidung an und spazieren hinüber ins Restaurant.
BestellscheinSarti SourJede Menge Tapas, Sancerre und Tapas
Wir lassen Menü und Hauptgänge links liegen und stellen uns bei einem sehr leckeren Sarti Sour stattdessen eine amtliche Tapas-Auswahl zusammen. Brot mit Dips, Bruschetta, Pimentos de Padrón mit Miso, Gambas mit Knoblauch und Zitrone, Albondigas de Carne, Serrano-Schinken und Parmesan, Hummer-Bisque mit Sherry, Lachs-Heilbutt-Carpaccio mit Sprossen und Yuzu… Dazu eine Flasche Sancerre, die wirklich so gut schmeckt, wie immer alle sagen. Wir sind sehr zufrieden und haben wie schon den ganzen Tag über Zeit und Muße für gute Gespräche. Zum Nachtisch gibt es noch ein Pastel de Nata mit eingelegten Birnen für mich und einen sehr guten Grappa aufs Haus für den Liebsten.
Dann laufen wir zurück zum Hotel, denken kurz über einen Absacker am Kamin nach und gehen dann trotzdem sehr müde, sehr zufrieden und sehr vollgefressen direkt ins Bett. Licht aus gegen 23 Uhr, morgen ist wieder viel Essen und viel Wellness!
Heute früher Wecker, denn erstens habe ich viel zu tun und zweitens kommt gleich morgens eine Lebensmittellieferung, denn ich kann einfach nicht noch länger auf meinen Yuzu-Tee warten. Um den Mindestbetrag zusammenzubekommen, habe ich mir gestern direkt noch unter anderem Croissants fürs Frühstück mitbestellt. Das Klingeln kommt mitten im morgendlichen Reboot, zehn Minuten vor dem ausgewählten Lieferfenster. Aber dafür ist alles dabei und als ich dann mit allem fertig bin und am Schreibtisch sitze, bin ich sehr dankbar für Gesternloosy.
Croissants (nochmal fix aufgewärmt), Kaki, vietnamesischer KaffeeUnd damit verleckere ich mir den Tee
Heute ist wieder virtuelles Büro mit einer Freundin, die ich jetzt dieses Wochenende doch nicht sehen werde, weil in ihrer Stadt gerade alle Atemwegsviren der Welt kursieren. So aber verschönern wir uns gegenseitig den Arbeitstag und ich bin noch produktiver als vorher gedacht.
Die Katzen sind vergleichsweise unproduktiv
Gegen 14 Uhr machen wir Mittagspause. Ich ergänze den Frühstücksbagel von neulich (Feta-Gurken-Frischkäse, veganer Schinken, geschmolzener Käse) noch um ein Spiegelei (Der Liebste wird mich korrigieren: Setzei!) und ein bisschen Sellerie und dann essen die Freundin und ich gemeinsam über Videound plaudern über die Furchtbarkeit der Weltlage und so Sachen.
Dann weiter fleißig sein. Ich unterbreche am späteren Nachmittag nochmal kurz und taue mir Kardamombullar auf, dazu Quittenbrot und Mangolassi.
Gegen 18 Uhr verlasse ich das Arbeitszimmer, bringe den Müll runter und bewege mich dann Richtung Couch. Ganz abschalten kann ich aber noch nicht, den ganzen Abend über fallen mir noch Ergänzungen und Verbesserungen ein, der Arbeitstab bleibt offen.
Dann aber erstmal eine Runde Chillen und gucken, was in der Welt passiert. Irgendwo kommt noch ein Abendbrothüngerchen dazu, da mache ich mir in der Eierpfanne von vorhin noch schnell ein paar Bratkartoffeln, dazu Spreewaldgurken, Mayo, Curryketchup.
Zum Nachtisch gleich den TCM-Apfel, an virtuellem Kaminfeuer und einem Kapitel über Jane Austens Liebesleben. Dann ab in die Badewanne und relativ früh ins Bett, nicht ohne dort noch eine Folge zu gucken und weiter Notizen zu machen. Einschlafen dann erst wieder gegen Mitternacht.
Wieder ziemlich früh aufgewacht, das wäre so nicht nötig gewesen. Ich erledige den gesamten morgendlichen Reboot im Bett und stehe dann immer noch so rechtzeitig auf, dass ich Zeit für entspanntes Frühstücken habe (Quark mit Johannisbeermarmelade und Müsli, Tee mit Milch) bevor ich los muss.
Mit Straßen- und U-Bahn geht es nach Mitte, zum Sport. Da ich etwas früher da bin und mich nicht wach genug fühle, um noch ein paar Bahnen zu schwimmen, lege ich mich erstmal in den Whirlpool und überraschenderweise machen die Blubberblasen mich dann wach. Kurz vor Kursbeginn gleite ich in den Pool und dann ist erstmal alles an.
Ich hatte mich schon gewundert, warum so viele Leute neben dem Pool stehen und sich nicht reintrauen – jetzt wird es mir klar: Der ist heute nicht beheizt. Der Unterschied von Whirl- zu Normalpool ist immer hart, heute aber besonders. Ich bin ja aber dieses Jahr auch schon im Trondheim-Fjord geschwommen und komme trotzdem recht fix ins Wasser. Dann muss ich mich aber dauerhaft bewegen, um nicht zu frieren.
Die Trainerin zieht den Kurs erstmal normal durch, aber die anderen Teilnehmenden schwächeln – einige nehmen gar nicht teil, andere verlassen nach und nach das Becken. Ich hingegen komme beim Sporteln so ins Schwitzen (wobei, es ist eher eine innere Hitze), dass ich mir zwischendurch Poolwasser ins Gewicht kippe, um mich abzukühlen. Unklar, ob die anderen komisch sind oder ich.
Wir brechen den Kurs fünf Minuten vorher ab, weil nur noch fünf Leute im Pool übrig sind und die Trainerin sich auch nicht sicher ist, wie gesund das ist, was wir hier tun. Der Whirlpool füllt sich dann sehr schnell, ich hingegen verziehe mich erst ins Dampfbad und dann in die Sauna.
Als ich wieder an der Luft bin nehme ich die U-Bahn zu den Ellis, gucke dort nach Post und Blumen und spaziere dann von dort aus gemütlich zur Friedrichstraße. Das Wetter ist gut, gerade zu sonnig und ich brauche weder Mütze noch Handschuhe. Am Sehen-und-Gesehenwerden-Schnitzellokal kommt mir ein bekannter Journalist entgegen, der mir vor allem aus sozialen Netzwerken bekannt ist, wo er regelmäßig durch rechtsoffene Beiträge auffällt. Meine gute Laune wird kurz getrübt.
Dann aber treffe ich am Bahnhof eine liebe Freundin und wir gehen zusammen essen und der Tag wird wieder schön.
Lauwarmer Reisnudelsalat mit „Phnom Penh“-Frühlingsrollem, die mit Krebsfleisch und Garnelen gefüllt sind – sehr gut! Litschi-Mixgetränk, alkoholfrei
Ich tausche Crowdfarming-Chilis gegen Life Updates und dann erzählen wir uns gegenseitig von unseren Erfahrungen in ähnlichen Situationen und geben uns Tipps und Inspirationen. Nach knapp zwei Stunden bringe ich die Freundin zur Bahn und fahre selbst mit S- und Straßenbahn zurück in den Pberg.
Beim Umsteigen sehe ich eine junge Frau, die völlig fasziniert Fotos von Vögeln mache und mache dann auch ein Foto von den Vögeln, die ich ohne die Frau komplett übersehen hätte.
Zuhause gibt es noch einen vietnamesischen Kaffee und dann eine Schicht am Laptop, bevor das Suppenkoma hart zuschlägt. Ich entscheide mich für einen Mittagsschlaf am virtuellen Kaminfeuer und ratze ungefähr eine Stunde richtig weg.
Danach müssen der Liebste und ich unsere Pläne fürs Wochenende umschmeißen, es kommen Erinnerungen an die Jahre 2020-23 hoch, in denen sowas ständig an der Tagesordnung war, aus gleichen Gründen. Wir machen direkt Nägel mit Köpfen und planen was anderes Schönes.
Dann ist schon langsam wieder Abendbrotzeit. Ich habe ja immer noch saisonal untypische Crowdfarming-Zucchini und koche mir eine davon auf ungefähr griechische Art, nämlich in Wasser. Dazu gibt es auf ebenso griechische Art Olivenöl, Salz und Zitrone, meine innere Italienerin ergänzt dann aber noch Basilikum und Grana Padano. Schmeckt auch im Winter!
Dann gibt es noch mal ordentlich Laptop-Produktivität. Ich falle in ein Recherche-Rabbithole und entwickle einen gewissen Enthusiasmus für eine Aufgabe, die mich die nächsten Tage beschäftigen wird. Erst gegen 22 Uhr höre ich damit auf, koche mir den täglichen TCM-Apfel und lese dann ein weiteres Kapitel im Buch während das virtuelle Kaminfeuer vor sich hinknistert und bevor ich etwas früher als gestern schlafen gehe.