23.08.2024 – Aufwärts – Nurregen Tag 2

Ziemlich gut geschlafen im Schlafsack im Etagenbett in der kleinen Hütte. Der Morgen lässt sich gemütlich an, dann sind irgendwann alle wach und es gibt Frühstück – Müsli mit Hafermilch, einen Apfel (ein Viertel für das Kind, einen Haps von einem Viertel für den Liebsten, den Rest für mich – sehr anspruchslos, diese Beiden), Kaffee. Dann finalisieren wir unseren Plan für den Tag, buchen eine Hütte für den Abend – gezeltet wird hier wetterbedingt noch lange nicht, packen wieder alles zusammen und ins Auto, waschen ab und fahren los.

Es soll quasi den ganzen Tag und überall regnen, also haben wir uns zum Ausgleich eine interessante Fahrstrecke rausgesucht – am Abend wird der Tunnel-Zähler bei 14 liegen. Zunächst einmal geht es noch durch recht unspektakuläres „Flachland“ mit ein paar Felsen hier, ein bisschen Wasser da und schöner kultureller Andersartigkeit. Nach etwa einer Stunde gucke ich für etwas Unterhaltung in die Geocaching-App und dann sind wir erstmal beschäftigt. Zwei Caches suchen wir umsonst, der dritte, an einer der ältesten Kirchen des Landes, wird unser erster Cache in Norwegen.

Schon kurz danach gibt es die nächste Pause (Kind hat Hunger) und wir kehren zufällig in einem sehr tollen, instagrammable und leckeren Café ein, kurz bevor die Wildnis richtig losgeht. Das Kind bekommt Burger, Pommes und einen Smoothie, wir essen Club Sandwiches, ich trinke Rhabarbersaft und alles ist unglaublich lecker.

Hinterher verlangt es das Kind noch nach einem Eis und den Liebsten nach einem Cappuccino to go – auch das ist der beste Kaffee seit langem. Große Empfehlung für das Husly Kafé in Bø!

Kaum sind wir aus der Stadt raus, sagt das Navi, wir würden jetzt 143 km geradeaus fahren, bis wir nach links auf unseren heutigen Campingplatz abbiegen. Also rein in die Wildnis – und rauf auf die Berge! Es geht knapp südlich der Hardangervidda durchs Gebirge, steile Hänge, schroffe Felsen, überall Wasserfälle, Schafe auf der Straße, Gebirgsbäche, Stromschnellen, immer wieder große Seen und je höher wir kommen, desto weniger Bäume gibt es. Für mich sieht das jetzt so richtig nach Norwegen aus, der Liebste ist total begeistert – so etwas hat er noch nie gesehen, seine vielen Norwegenurlaube in der Kindheit und Jugend fanden alle in einem Haus am See im Süden statt. Selbst dem Kind kann man ab und zu ein „Oh“ oder „Ah“ entlocken.

Es regnet halt die ganze Zeit, deshalb fahren wir einfach durch und daher sind die Fotos nicht so richtig brauchbar, aber in echt sieht es schon spektakulär aus.

Gegen 16 Uhr schrauben wir uns dann den Berg wieder herunter auf nur noch 400 m Höhe, hier liegt an einem See zwischen Bergwänden mit Wasserfällen unser Campingplatz. Wir beziehen eine Hütte die ähnlich ist, wie die gestern, allerdings ohne fließendes Wasser. Wir füllen unseren Kanister auf und kochen dem Kind eine Ramen-Suppe und uns Tee. Der Liebste geht schonmal den See erkunden, trotz Regen.

Um 18 Uhr öffnet die Rezeption und wir gehen bezahlen, dann fahren wir in den Supermarkt, ergänzen unsere Vorräte um spezifisch Norwegisches (Dickmilch, Moltebeerenmarmelade, echten Geitost, der genau von hier kommt, den Schokoaufstrich vom Schiff), kaufen praktisches Zeug ein, das wir noch brauchen (Müllsäcke, Plastikclips, Schnur) und gönnen uns ein wenig Luxus (Süßigkeiten für das Kind und mich, ein Bier für den Liebsten). Der Mini-Einkauf passt in einen Beutel und kostet uns über 60 Euro, willkommen in Norwegen!

Wieder zurück auf dem Platz geht es dann nochmal eine Runde an den See (und für die anderen beiden mit den Füßen ein, die schnell taub werden vor Kälte). Die Luft hat noch 11 Grad, der See vermutlich weniger.

Wir hänge unsere nassen Sachen auf, mummeln uns so gut es geht warm ein (die Hütte hat zum Glück eine Heizung) und dann gibt es den Rest bunte Nudeln und Tomatensauce von gestern, ergänzt mit Salami und Oliven, und Wasser mit Holunderblütensirup.

Kurz nach 10 geht es ein letztes Mal raus in den Regen, für Klo und Zähneputzen, und dann gegen halb 11 für alle ins Bett.

22.08.2024 – Velkommen til Norge – Nurregen Tag 1

Ich wache mal wieder typisch zwischen 3 und 4 auf und brauche eine Weile, um wieder einzuschlafen – denke ich, denn ich schlafe dann gar nicht mehr ein. Besonders nicht, nachdem ich merke, dass der Liebste auch wach ist. Wir liegen also wach in unseren Kojen, hören auf die Schiffsmotoren und das leise Schnarchen des Kindeleins, lassen uns ein wenig vom Stampfen des Schiffes wiegen (der Liebste meint, zwischen 2 und 3 gab es bei Einfahrt ins Skagerrak richtig Seegang), lesen (ich beende die Kinder von Hoy von Grit Lemke), schicken uns interessante Links und gucken ab und an aus dem Bullauge, während draußen der Tag beginnt.

Irgendwann ist es dann spät genug, um ans Frühstück zu denken und wir wecken das Kind. Gegen 8 sitzen wir an unserem Tisch im Frühstücksrestaurant und machen diverse Gänge zum Buffet. Ich habe ja seit einem Urlaubserlebnis 1992 norwegische Frühstücksbuffets als meinen Goldstandard abgespeichert und auch dieses hier enttäuscht nicht.

Frühstückswürstchen, Bacon, Ei, Lachs, Krabbensalat, Senf-Sil, Eierkuchen mit Ahornsirup
Croissant mit Moltebeerenmarmelade, Plunderteilchen, Obst, Joghurt, grüner Smoothie
Hafergrütze mit Zimt-Malzzucker, noch mehr Moltebeerenmarmelade und eine erste Scheibe Geitost

Nach dem Essen packen wir unser Gepäck zusammen und gehen an Deck, um ein wenig die Einfahrt durch den Oslofjord und nach Oslo mitzuerleben.

Es ist aber recht ungemütlich draußen, deswegen bleiben wir nicht so lange, sondern gehen in der Kabine alle nochmal aufs Klo und machen uns dann nach Aufforderung auf den Weg nach unten zu unserem Auto. Heute können wir zum Glück recht früh rausfahren und sind dann, Zack, in Oslo. Es regnet ein wenig und sieht ansonsten ein bisschen aus wie Halifax. Ich recherchiere, dass Oslo knapp größer ist, dass Norwegen fünfmal so viel Einwohner wie Nova Scotia hat, aber aufgrund der riesigen Landmasse die Bevölkerungsdichte trotzdem geringer ist.

Oslo selbst heben wir uns für die Rückfahrt auf, wir fahren direkt weiter nach Drammen und sehen gleich mal die typischen norwegischen Berge, Felsen und daraus resultierend viele Tunnel. Das hatte ich schon wieder vergessen, wie viele Tunnel man durchquert (mein letztes Mal Norwegen ist auch 27 Jahre her, das vom Liebsten 24 Jahre). Unser erstes Ziel ist dann folgerichtig auch ein Tunnel, nämlich die Spirale von Drammen, die sich spiralförmig das Innere eines Berges hochwindet. Vier Minuten stur im Kreis fahren, dann ist man oben.

Oben gibt es Aussicht und ein Freiluftmuseum, das heute leider zu hat. Man kann die Gebäude von außen begucken, bekommt aber auf den wenigen Informationstafeln zu wenig Inhalte über das tatsächliche Leben der Menschen, als dass es spannend wäre. Wir gucken uns daher nur einen kleinen Teil an und fahren dann weiter – durch die Spirale zurück und dann weiter gen Süden.

Nächster Wegpunkt ist der Park in Borre, hier gibt es Königsgrabhügel und ein Wikingermuseum. Leider ist ein wichtiger Teil des Museums heute für den Publikumsverkehr geschlossen, also zahlen wir nicht den Eintritt, sondern laufen einfach nur so ein wenig herum. Vorher gibt es für das stets hungrige Kind ein Stück Oreo-Kuchen, für mich eine Waffel mit Sahne und Marmelade und für den Liebsten einen dringend benötigten Kaffee und Probierstückchen von beidem.

Im Teig der Waffel ist Kardamom verbacken – köstlich!
Hügelgräber
Schafe, die vor dem Regen Unterschlupf suchen
Eine Wikinger-Gildehalle (Nachbau)
Gildehalle von innen
Runenstein

Das Wetter deprimiert uns ein bisschen und wir suchen uns dann eine Hütte auf einem Campingplatz weiter westlich – an Zelten ist heute nicht zu denken. Sie ist recht komfortabel, mit Heizung, Strom und Küchenzeile, aber Gemeinschaftsklo 150 m weiter. Wir machen uns erstmal warmen Tee und Ramen-Suppen (Hühnchen für das Kind, japanisches Hühnchen für den Liebsten, Ente für mich).

Dann wird erstmal gelegen und gechillt. Eigentlich würde ich ganz gerne Mittagsschlaf halten, aber so ganz klappt es nicht mit dem Wegnicken. Der Liebste schläft auch nicht, sondern schmiedet Pläne für die nächsten Tage. Die Wunschroute ist nach einer Weile klar, aber die Aussicht auf Regen, Regen, Regen dämpft den Enthusiasmus gar sehr. Dann hat das Kind wieder Hunger (nach der Suppe gab es auch noch Chips, aber so ein wachsender Körper…) und der Liebste kocht uns ein paar Nudeln mit Salami und Tomatensauce – kein Foto, denn wir essen zeitversetzt und als ich dran bin, spielt das Kind gerade auf meinem Handy.

Dann aber nochmal etwas Aktivität, das Kind ist mutig und will baden. Da der Regen gerade etwas sanfter fällt, gehen wir also an den Strand, an dem dieser Campingplatz liegt. 16 Grad Außentemperatur, gefühlt 12, leichter Regen, beste Bedingungen.

Das Kindchen badet länger als uns lieb ist, schlägt dann noch Räder am Strand und wird dann von mir zum Duschhäuschen geleitet. Zehn Kronen kosten fünf Minuten heißes Wasser, dann geht es zurück in die Hütte, wo mehr Tee und warme Socken warten. Der Liebste liest, das Kind spielt auf meinem Handy, ich lege einige Patiencen, der Regen regnet. Irgendwann geht endlich eine Patience auf, dann spielen wir zusammen eine Runde „Halt mal kurz“, bei dem das Kind gewinnt. So nimmt der Abend ein versöhnliches Ende und kurz nach 10 liegen wir alle in unseren Schlafsäcken.

21.08.2024 – Boaty McBoatface

Ganz gute Nacht mit einem Stündchen Wachliegen zwischen 3 und 4, dann gemütlicher Morgen im Bett (außer, dass es keinen Kaffee für den Liebsten gibt) und schließlich schönes Frühstück in einem sehr rosanen Frühstücksraum. Hinterher packen wir unsere Sachen ins Auto, fahren nochmal Vorräte einkaufen (im Supermarkt und der Apotheke) und machen uns dann auf den Weg zum Norwegenkai.

Hier stehen wir dann ziemlich lange an, bis wir an Bord fahren können, eine Geduldsprobe für den Liebsten und das Teilzeitkind, die mir da in ihren Persönlichkeiten manchmal zu ähnlich sind (also zueinander, nicht zu mir, ich bin in solchen Situationen eine Zen-Meisterin). Und dann sind wir im Schiff und finden schnell unsere Kabine, die anders als die meisten Schiffskabinen meines bisherigen Lebens ein großes Bullauge, eine Minibar und einen Fernseher hat. Ist aber immer noch nur die zweitgünstigste Kabinenkategorie.

Wir richten uns kurz häuslich ein (u. a. Herabklappen des oberen Betts und Anbringen der Leiter), dann zieht es uns an Deck („Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck“). Gerade haben wir uns mit Kaffee und Eis versorgt („To kaffe og en Daim is, takk!“) und uns eine Sitzecke mit Blick gen Westen gebaut, da legt das Schiff auch schon ab und wir fahren erst ganz langsam und dann immer schneller die Kieler Förde entlang gen Ostsee.

Nebenbei schreibt die Cousine (Falls jemand durcheinander kommt: Macht nichts, ich habe zehn Cousinen – und acht Cousins), die in Kiel Skandinavistik studierte nachdem sie ein Schuljahr in Norwegen verbracht hatte, dass sie hier jetzt während des Urlaubs mitlesen würde. Ich schraube also meine Schreibansprüche gleich mal hoch und bitte sie außerdem um Lektüretipps, die sie bereitwillig schickt und mit denen sie mir „God tur!“ wünscht.

Nach einer Weile wird es dem Teilzeitkind zu langweilig und es geht das Schiff erkunden (und schickt uns lustige Videos), der Liebste und ich sitzen gemütlich in der Sonne und gucken aufs Wasser. Dann wird es Zeit, dass auch der Liebste aufbricht – die beiden wollen noch ins Aqualand – schwimmen, rutschen und mit Blick aufs Meer im Whirlpool liegen. Ich mit meiner Erkältung mache das lieber nicht, sondern bleibe an der guten Seeluft sitzen, bis es mir zu kalt wird und ich mich eine Runde aufs Bett lege – auch mit Meerblick schließlich.

Ab 17:30 gibt es dann ein frühes Abendessen – wir konnten nur für die zweitfrühste Schicht einen Tisch im Panorama-Restaurant buchen, ist mir aber gerade sehr Recht und außerdem haben wir seit dem Frühstück nichts gegessen.

Es gibt drei Gänge à la carte, dazu Apfelsaft, Weißwein und Wasser.

Fischsüppchen mit Fenchel und Dill-Öl, beim Teilzeitkind veganen Feta mit gelber Bete und Salat, beim Liebsten norwegische Ente
Gegrillter Heilbutt mit Graupenrisotto, Sellerie und Apfel, dazu Kaviar und Kartoffelgratin, beim Kind Burger mit Pommes, beim Liebsten Kalbsfilet
Erdbeeren mit Mascarpone und Pistazien
Brownie mit Himbeersorbet
Käseauswahl

Wir bleiben sitzen, so lange wir dürfen, bis der Tisch für die 20-Uhr-Schicht vorbereitet wird. Dann gehen wir zurück zur Kabine. Ich mache mich bettfertig und lese noch, die anderen drehen noch eine Runde an Deck und durch die Shopping Mall, dann bringt der Liebste das Kind zu Bett und geht noch auf ein Bier in die Bar. Gegen 22 Uhr schlafen alle.

20.08.2024 – Auf nach Norwegen

Ich habe wohl über acht Stunden geschlafen sagt das FitBit und so fühlt es sich an. Zwar gab es diverse Unterbrechungen, aber ich fühle mich deutlich erholter. Immer noch erkältet, natürlich, aber als ob die Nacht in der Hinsicht was gebracht hätte. Der COVID-Test ist weiter negativ, also stehen die Zeichen endlich endlich auf Norwegen. Beim Telefonat mit dem Liebsten beschließen wir, angesichts der Erkältung heute Abend noch nicht zu zelten und suchen uns – mit einigen Hürden die Ferienzeit und unsere Kontostände betreffend – eine Unterkunft in Kiel. Am Ende haben wir Superglück und landen in einem Hotel garni direkt am Strand.

Die nächsten Stunden sind dem Aufbruch gewidmet. Frühstück und Proviant schmieren für die Fahrt, duschen und anziehen, Katzen und Pflanzen versorgen, Fenster im Gästezimmer schließen, Sachen packen (ich danke Vergangenheitsloosy, die vor ein paar Tagen in einer schlaflosen Nacht die Packliste aktualisiert hat), Katzenklos säubern und Streu nachfüllen, Müll runterbringen. Dann bringe ich in zwei Schichten mein Gepäck nach unten (Arm und Erkältung!) und erwarte den Liebsten und das Teilzeitkind.

Wir spielen ein bisschen Koffertetris und dann geht es los Richtung Autobahn, knapp vier Stunden mit Känguru-Untermalung und dann sind wir auch schon da. Wir checken ein und gehen direkt an den Strand, wo alle kurz in die Kieler Förde „hüpfen“. Der Liebste genießt sein erstes Außenbad des Jahres und das erste, seit er wieder darf, ich mache mit meinem Arm nur vorsichtige Schwimmzüge und liege sonst viel im Wasser, das Teilzeitkind tobt gewohnt herum und macht Handstände im Flachen.

Nach einer halben Stunde ziehen wir uns wieder an, gehen nochmal kurz ins Zimmer zurück und brechen dann zu einem frühen Abendessen in einem italienischen Restaurant mitten im Olympia-Zentrum von Kiel auf.

Minestrone und Limoncello Spritz
Tagliatelle mit Steinpilzen und Bohnen

Beim Hauptgang meldet sich meine Erkältung wieder, also überlasse ich den Nachtisch den anderen und gehe schonmal zurück ins Hotel, dusche und lege mich ins Bett. Da ist es kurz nach 20 Uhr, eine Stunde später sind die beiden anderen auch bettfertig und lesen, während ich schon schlafe.

19.08.2024 – Kurze Urlaubspause, Tag 2/2

Nochmal leicht unruhige Nacht wegen des Arms, jetzt auch mit involvierten Katzen, die sich einfach mal drauflegen, dafür ohne Kopfhörerschwierigkeiten, weil ich als einziger Mensch im Raum (und in der Wohnung) einfach ohne hören kann. Der Morgen beginnt dann mit dem aufmerksamen Zu-Ende-Hören von Donna Leons „Ewige Jugend“ – nachts kamen mir natürlich immer wieder Handlungsstücke abhanden. Danach gemütlicher Morgen im Bett und irgendwann Telefonat mit dem Liebsten. Achja, negativer COVID-Test auch noch, mein die letzten zwei Tage anklingendes Halsunwohlsein hat sich inzwischen zu einer Erkältung gemausert.

Leider habe ich keine Zeit, die einfach im Bett auszukurieren, es gibt heute viel zu tun. Erstmal Frühstück mit Baguette, Quark und Marmelade, dazu Tee mit Ingwer, Minze und Limette. Dann wische ich einen Teil des Schimmels vom Fenster im Gästezimmer, der sich über Nacht lösen ließ. Dann kurzer Check, was noch besorgt werden muss und Ausflug zu Drogeriemarkt und Haustierbedarf. Wieder zuhause stelle ich neue Fallen für Lebensmittelmotten und Fruchtfliegen auf, ersetze verwelkte Katzengraspflanzen gegen frische und stelle den Katzen eine neue Kratzmöglichkeit zur Verfügung.

Und schon ist Mittagessenhunger – Restekartoffeln mit Restequark und Leinöl, außerdem Möhren. Während die Kartoffeln kochen, miste ich den Kühlschrank aus – u. a. nicht mehr Essbares, das der Ex-Mitbewohner hinterlassen hat. Dafür hat er aber auch noch voll funktionstüchtige Möhren hinterlassen, es ist ja nicht alles schlecht. Trotzdem interessant, wie ausziehende Mitbewohner*innen einfach Zeug hinterlassen (angebrochene Lebensmittel und Kosmetikartikel, selten und häufig benutzte Küchengerätschaften), anstatt sie zu entsorgen oder mitzunehmen. Habe das schon öfter beobachtet und jetzt die Entsorgungsarbeit für alles, was ich nicht gebrauchen kann.

Nach dem Essen auf dem Balkon erledige ich weiter Dinge – Müll wegbringen, Pflanzen gießen, Katzenstreu hochholen, das Bett im Gästezimmer beziehen, mit dem Liebsten das Packen besprechen, ein Visum für meinen anstehenden Kanada-Trip beantragen, mit dem Lieblingsnachbar über das Katzensitting der nächsten zwei Wochen sprechen… Und dann ist es dringend Zeit für ein Schläfchen. Gegen 17 Uhr erhebe ich mich wieder und sauge die Wohnung durch, dann mache ich mich bereit für den Abend. Eine Freundin feiert ihren 40. und da ich jetzt doch ungeplant in Berlin bin (eigentlich wären wir ja früher zurückgekommen und jetzt schon wieder unterwegs), fahre ich da auch noch vorbei – mit Umweg über den Supermarkt für Beiträge zum Buffet.

Ich bin ganz schön platt, aber Essen hilft. Fast zwei Stunden bleibe ich und folge den Gesprächen der anderen, dann gebe ich dem Lieblingsnachbar den Ersatzschlüsselbund für die Gäste und fahre nach Hause. Kurz nach halb 10 sage ich dem Liebsten „Gute Nacht“ und gehe hoffentlich meinen Infekt wegschlafen, denn morgen geht der Urlaub weiter!

18.08.2024 – Kurze Urlaubspause, Tag 1/2

Die Nacht ist wieder semigut, weil der Arm das bequeme Schlafen behindert. Insgesamt wird er aber besser, das geht alles in die richtige Richtung. Schlechter ist hingegen das Wetter, grau und regnerisch und so viel kühler als die letzten Tage, dass das Teilzeitkind sich sein Frühstück mit nach Drinnen nimmt, weil es ihm in Schlafsachen auf der Terrasse zu kalt ist. Nach dem Frühstück emsiges Packen, Abwaschen, Müll wegbringen, Hüttchen winterfest machen – noch ist nicht sicher, ob der Liebste es im Herbst nochmal herschafft – und dann von den lieben Nachbar*innen verabschieden. Kurz vor halb 11 sind wir auf der Autobahn Richtung Urlaubspause in Berlin.

Wir hören im Prinzip die ganze Zeit über Känguru, außer bei einer späten Fahrtunterbrechung für ein Mittag“essen“ in einem bekannten Fast-Food-Restaurant, auf besonderen Wunsch des Kindes, nachdem das Restaurant beim Känguru gerade vorkam (wobei das Känguru dort aber nicht aß, sondern Kapitalismuskritik anbrachte – wäre für uns wahrscheinlich auch besser gewesen. In Berlin dann ein kurzes Treffen mit der Teilzeitkindmama und den beiden Geschwisterchen – wir tauschen ein Ei aus dem Hühnerstall und Klebetattoos gegen einen Schlafsack, festes Schuhwerk und warme Jacken für Urlaub Teil 2. Dann fahren wir zum Liebsten nach Hause und entladen das Auto. Der Liebste und das Teilzeitkind bringen mich noch zur S-Bahn und dann geht es für mich zurück in den Pberg, wo mich die Katzen freudig begrüßen.

Die Katzen bekommen Streichelliebe, saubere Näpfe und Klos und frisches Futter. Dann kümmere ich mich um den schon wieder explodierenden Biomüll, den der Lieblingsnachbar strategisch auf dem Balkon platziert hatte, packe aus und stelle die Waschmaschine an. Nächster Programmpunkt ist das nun verlassene Zimmer des ehemaligen Mitbewohners, in das die Katzen jetzt endlich wieder dürfen – sie hatten in der Anfangsphase zweimal Spuren hinterlassen und durften danach nur noch unter Aufsicht rein. Ich lüfte ordentlich durch und beschäftige mich dann mit dem nächsten explodierenden Bio-Problem. Der/die nächste Mitbewohner*in muss unbedingt besser auf Lüften, Heizen und Schimmelbekämpfung achten, das Weltkulturerbehaus verzeiht nichts. Ich mache direkt Fotos und erinnere die Hausverwaltung, dass sie schon vor einem halben Jahr einen Handwerkertermin vereinbaren wollten, jetzt wo das Zimmer eine Weile leer stehen wird, ist der perfekte Zeitpunkt gekommen. Über das Thema Mietminderung belese ich mich in diesem Zusammenhang auch kurz.

Dann ist es Zeit für Abendbrot (ich bestelle Sushi), Abendunterhaltung (ich schaue die ersten Folgen der neuen Serie mit Anke Engelke und Bastian Pastewka, bis das Datenvolumen der Übergangslösung alle ist und ich wieder mit dem Provider telefonieren muss um das versprochene zusätzliche Datenvolumen einzufordern), Badewanne (das tut gut, der Seele und dem Arm!) und Bett.

17.08.2024 – Letzter Tag von Urlaubsteil 1

Der Arm macht, dass ich gerade wirklich nicht gut schlafen kann, weil erstens alle meine angestammten Schlafpositionen nicht funktionieren und zweitens auch alle alternativen Positionen irgendwann Schmerzen (im Arm oder woanders) produzieren, so dass ich ständig nachjustieren muss und nur in Etappen schlafe. Zudem wird das Kind von seinem Bienenstich gequält und der Liebste von seiner Hausstauballergie (er hat gestern Wolldecken bewegt…). Um 7 klingelt dann der Wecker vom Kind, weil es eigentlich früh aufstehen wollte um den Nachbardackel zu dressieren. Der Liebste und ich sind also endgültig wach, das Kind schläft noch eine Weile weiter.

Dann verlagern wir aber das Geschehen auf die Terrasse, wo es kühler ist und weniger Staub gibt und ich in meinem Buch lesen kann, während das Kind auf meinem Handy spielt und seinen Fuß mit Dingen aus dem Kühlschrank kühlt. Außerdem hat der Handyprovider von Kind und Liebstem Schwierigkeiten, so dass ich die einzige mit funktionierendem Internet bin – auch mal eine neue Erfahrung – was aber auch nicht nur für gute Laune sorgt. Der Liebste wagt die Flucht nach vorn und fährt nochmal Weißwürste kaufen. Außerdem holen die Nachbarskinder das Teilzeitkind ab, das dann auch plötzlich wieder laufen kann und dann wird alles besser.

Weißwurscht, Brezn, süßer Senf
Nach dem Frühstück besetzt Kater Rudi seinen Stuhl und ist niedlich.

Nach dem Essen habe ich endlich Zeit für Lesen, Bloggen, Sprachzeugs. Das Kind ist über alle Berge und der Liebste widmet sich heldenmutig weiteren Entrümpelungsaktionen. Als der Kofferraum voll ist, fahren wir gemeinsam zu einem Recyclinghof und entsorgen unter anderem ein Wählscheibentelefon, Kaffeefilter mit D-Mark-Preisen, nichtmontierte Rehgeweihe, und einen Sandwichmaker, der vom Design her auch schon an die 40 Jahre alt sein muss. Auf dem Rückweg besorgen wir dem Kind Flipflops mit denen es besser laufen kann (meine in einer Größe kleiner und einem anderen Design) und dann ist das auch happy.

Inzwischen ist es wieder heiß und ich lege mich eine Runde hin, mit Hörbuch döse ich weg und schlafe wohl insgesamt fast zwei Stunden. Danach geht es mir besser und ich kann mit dem kleinen Nachbarskind ausführlich sein neues Einhorn verarzten und ihm die Hufe verbinden (mit Blättern und Gras). Am Abend geht es dann nochmal ins Nachbarstädtchen zum obligatorischen Essen um lokalen Gasthof.

Pfannkuchensuppe
Schweinebraten für uns, der Liebste hat Lendchen mit Spätzle und Pfifferlingen

Wieder zuhause lasse ich die Beiden per Hotspot an meinem Internet partizipieren, bis es draußen zu mückig wird und wir uns zu einer Partie Cascadia zurückziehen. Heute gewinne ich, mit einem Punkt Vorsprung vor dem Kind, und so ist auch da der liebe Frieden wieder hergestellt. Bettzeit gegen 22 Uhr.

16.08.2024 – Action-Tag

Heute nimmt der Liebste seine letzte Tablette, außerdem zieht es das Teilzeitkind schon seit Tagen in den Kletterpark. Erst muss es aber noch im Dorf herumtollen, den Nachbardackel dressieren und fast noch zum Picknick in den Wald aufbrechen. Dann aber kann es losgehen, das große Nachbarskind kommt auch mit. Als erstes halten wir noch an der Apotheke und besorgen Voltaren für meinen Arm – der badet da jetzt alle paar Stunden drin. Nächster Halt Kletterpark! Als erstes darf das Teilzeitkind mit einer Zipline durch den Wald sausen, dann werden beide Kinder mit Gurten und Helmen ausgestattet und dürfen insgesamt fünf Kletterrouten durch den Wald überwinden.

Und dann ist der große Moment da, auf den der Liebste schon den ganzen Urlaub über wartet – ohne Klettern, also quasi im Schongang, geht es gemeinsam mit dem Teilzeitkind an einer Zipline quer über den See – und dann mit dem Boot zurück. Währenddessen beaufsichtige ich das Nachbarskind beim zweiten Durchgang. Als die anderen beiden zurück sind, geben wir die Ausrüstung zurück und fahren dann auf schnellstem Weg zum See. Die Kinder hüpfen rein und toben, der Liebste und ich kühlen uns mit Schorle und Eis ab. Eis gibt’s dann natürlich auch noch für die Kinder, wo kämen wir sonst hin?

Schwanenpaar mit schlafendem Baby am Ufer

Doof ist, dass sich das Teilzeitkind am Ufer noch einen Bienenstich einfängt – also keinen süßen – der uns noch eine Weile beschäftigen wird. Haben wir endlich alle Drei ein Wehwehchen! Wir sind rechtzeitig wieder daheim, damit das Nachbarskind zu einer Abendeinladung aufbrechen kann. Wir selbst ruhen uns kurz im Schatten aus und fahren dann auch zum Abendbrot in einem Landgasthof in der Nähe. Es gibt Schorle und Johannisbeerhugo, Kalbsbraten mit Kloß, Schnitzel mit Pommes und für mich Leberkäs mit Kartoffelsalat, zum Nachtisch Apfelküchle. Leider dauert es zwischendurch immer ewig und selbst auf die Rechnung müssen wir eine halbe Stunde warten, das macht ein wenig ungehalten.

Zuhause dann wieder kurz Chillen (und ein Nickerchen für mich), dann bringen wir die gestern angefangene Partie Cascadia zu Ende und versuchen es dann mal, trotz aller Beschwerden zu schlafen.

15.08.2024 – Feiertag mit Knacks

Ach dieser Freistaat Bayern – irgendwas wird Jesus heute schon gemacht haben, bzw. in diesem Fall Maria. Bei uns lässt sich der Tag jedenfalls ruhig an, leider auch ohne größeres Ferragosto-Festmahl – das örtliche italienische Restaurant mit den Spitzenbewertungen, in dem der Liebstenpapa Stammgast ist, hat leider Betriebsferien – vermutlich sind die halt für Ferragosto in Italien, wer kann es ihnen verdenken?

Bei uns jedenfalls gemütliches Wachwerden und spätes Frühstück, da das Teilzeitkind schon wieder in aller Herrgottsfrühe (see what I did there?), also so gegen halb 10, von den Nachbarskindern zu einem Ausflug in den Wald abgeholt wird. Kurz bevor es zurück ist, halten der Liebste und ich es nicht mehr aus und fangen an zu essen, es bekommt aber dann noch ausreichend Rührei. Dann legt sich der Liebste wieder hin, das Teilzeitkind ist den Großteil des Tages mit dem kleinsten Nachbarskind beschäftigt und ich vertreibe mir die Zeit, teils mit Lesen, teils mit dem Zusammenstellen einer Anleitung für meine Wohnung, für den Freund samt Partnerin, der dort demnächst seinen Urlaub verbringen wird – die ersten Tage während ich noch in Norwegen bin. Überhaupt ganz gut, sowas zu haben, auch für spätere Gelegenheiten und als Intro für zukünftige neue Mitbewohner*innen.

Am späteren Nachmittag dann doch nochmal etwas Aktivität. Wir laufen zu dritt in den Wald – der Liebste dreht aber bald wieder um, er muss sich ja noch schonen. Wir anderen beiden laufen weiter – nochmal an dem glücklosen Geocache vorbei und dann weiter zum Nächsten, den das Teilzeitkind heute morgen durch Zufall gefunden hatte. Diesmal dann mit App und ordentlichem Loggen.

Unterwegs schreibe ich mit dem Mitbewohner, der heute seine letzten Sachen abholt, nochmal ein paar Dinge mit mir abklärt (und mit Fotos Haushaltsgegenstände auseinanderdividiert) und schließlich nach einem letzten Spielen mit den Katzen seinen Schlüssel in der Wohnung lässt. Das war leider wirklich ein kurzes Intermezzo, von beiden Seiten anders geplant, aber manchmal kann man eben nix machen. Neue WG, neues Glück oder so, das dann aber aus anderen Gründen wohl erst ab November.

Für den Rückweg nehmen wir eine andere Route, an zwei Nachbardörfern vorbei und im Sinne der Abkürzung leider auch über eine feuchte Wiese bzw. genauer über einen Graben zwischen zwei Wiesen. Beim eigentlich kunstvoll geplanten Übersteigen/-springen desselben rutsche ich mit meinen zu glatten Barfußschuhen ab und lande rückwärts unsanft auf meinem Ellenbogen anstatt auf den Händen. Das tut so weh, dass mir kurz schwummrig wird und das Teilzeitkind (nachdem es elegant und sicher über den Graben gestiegen ist) mir aufhelfen muss. Ich versuche vorsichtig, den Arm zu bewegen – alles noch dran, aber halt mit Schmerz – dabei knackt etwas und springt wieder zurück ins Gelenk (zumindest fühlt es sich so an. Jetzt ist der schlimmste Schmerz weg und mein Kreislauf wieder intakt. Ich lehne das Angebot ab, den Liebsten anzurufen – kurz hatte ich überlegt, ob Hilfe vonnöten ist – aber so kann ich den Heimweg antreten.

Weh tut es trotzdem ordentlich, verflixt. Wir laufen den langen Weg nach Hause, erschrecken den armen Liebsten und dann gibt es Resteessen, von den Beiden serviert, während ich malade am Tisch sitzen bleibe. Kartoffelsalat, Würstchen und ein Test-Fertiggericht als Probe für den Campingurlaub. Weit weg von Hochgenuss, aber die Lebensgeister kehren zurück, eine Schmerztablette hilft dabei.

Um dem Abend dann noch eine positive Wendung zu geben, räumen wir endlich mal den vollgestellten Wohnzimmertisch leer und probieren dann das Spiel aus, das ich den Beiden vorletztes Weihnachten geschenkt habe. Dank Erklär-App verstehen wir die zunächst komplexen Regeln der Basisvariante dann ganz gut und machen eine erste Proberunde – inkl. Lachanfall als der Liebste vergeblich versucht, nacheinander mit sieben Tannenzapfen einen Lachs zu tauschen (und dann die nächsten zwei gezogenen Tiere einfach so Lachse sind).

Die zweite fangen wir dann auch noch an, aber kurz vor Mitternacht streichen wir die Segel, der Liebste und ich versorgen unsere Blessuren und nehmen unsere Medikamente, das Teilzeitkind hilft mir, das enge Unterhemd auszuziehen, und dann geht es mit dem Känguru auf den Ohren für uns alle in die Heia.

14.08.2024 – Ferienglück

Man muss das ja auch alles positiv sehen – in der ursprünglichsten Planung dieser Sommerferien hätten wir drei Wochen Norwegen-Roadtrip gemacht, in der nächsten Fassung wären wir erst in Norwegen und dann hier gewesen. Beide Versionen wären für das aktuelle Krankheitsgebaren des Liebsten total schlecht gewesen – entweder würden wir jetzt alle unzufrieden in Berlin rumhängen oder aber irgendwo an einem norwegischen Fjord gestrandet sein, wären viel zu spät zu einem Arzt gegangen und der Liebste würde in der Fremde und ganz unbequem vor sich hin krank sein, während das Teilzeitkind und ich unzufrieden rumhingen. So aber läuft es zumindest für uns beide eigentlich ganz gut und der Liebste kann zumindest einen Teil der Pläne für den Aufenthalt hier mit umsetzen. Glück gehabt.

Inzwischen überhöre ich das nächtliche Krähen des Hahns und wache erst irgendwann gegen halb 8, 8 auf. Da wir so früh ins Bett gehen ist das völlig unproblematisch. Und da das Teilzeitkind inzwischen altersgerecht lange schläft in den Ferien kann ich morgens schon das Internet leer lesen, Bloggen und die erste Runde in meinem Handyspiel spielen, bevor es in mein Bett gekrabbelt kommt und nach meinem Handy verlangt. Dann stehe ich auf und beginne mit den Frühstücksvorbereitungen. Heute fühlt sich der Liebste fit genug, um im Städtchen frische Weißwürste zu holen und zum Bäcker zu gehen. Juhu.

Während die Würste auf dem Herd ziehen kommen die Nachbarskinder bereits und fragen, ob das Teilzeitkind mit Reiten kommen will. Und wie es will! Aber Weißwurscht will es auch, also müssen die anderen warten, bis alles heiß und fertig ist. Währenddessen plaudern sie uns mindestens ein Ohr ab und wir haben Spaß am Frühstückstisch, mit Hund Lina, Kater Rudi und Huhn Lili.

Das satte Kind zieht dann los und plötzlich kehrt entspannte Ruhe am Frühstückstisch ein – so haben wir uns das gedacht. Nach dem Essen legt sich der Liebste erstmal wieder hin und ich kümmere mich um meine Sprachlern-Aufgaben. Dann ziehe auch ich mich irgendwann an, räume den Tisch endgültig ab und lese mein Buch zu Ende: Jón Kalman Stefánsson – Dein Fortsein ist Finsternis. Ich habe ein bisschen gebraucht, um reinzukommen, zu viele Zeit- und Personensprünge, zu kurze Leseperioden. Erst der Zeitdruck des Rückgabedatums in der Onleihe und die viele Lesezeit gestern brachten den Durchbruch und als sich die Geschichte dann über weite Strecken hauptsächlich an einer Figur entlanghangelt, komme ich plötzlich gut mit. Im Prinzip ein historischer Familienroman, auf Island, mit Popmusik- und Corona-Bezügen, what‘s not to love?

Heute ist es nicht ganz so heiß wie gestern, weil es bewölkt bleibt – ich muss die Terrasse nicht verschatten. Dafür sind bald das Teilzeitkind und das kleinste Nachbarskind wieder da und erzählen viel. Zwischendurch büchsen immer wieder Hühner aus und müssen wieder eingefangen werden. Es bleibt kurzweilig. Am späten Nachmittag dann einigen wir uns auf ein wenig Programm und fahren wieder zum See. Erst gibt es Eis, dann stürzen sich das Teilzeitkind und ich in die Fluten, während der Liebste erst durchs flache Wasser stapft und dann mit einer Apfelschorle im Schatten sitzt, bis wir uns wieder rausbequemen. Ich versuche mich ein bisschen am Kraulen und Rückenschwimmen, werde aber vom Teilzeitkind schnell korrigiert. („Was MACHST Du da???“) Dann zeigt es mir, wie es richtig geht, aber das ist mir dann doch alles zu anstrengend.

Als wir wieder trocken-ish sind, fahren wir in ein anderes Nachbarstädtchen, tanken, und dann essen dann im Stammrestaurant der Liebstenschwester, draußen im Hof, direkt auf der Stadtmauer. Es gibt Leberknödelsuppe und Antipasti, Lendchen mit Spätzle, Schweinsbraten mit Knödeln, Pfifferlingsfrittata, Apfelstrudel, Affogato und Limoncello Panna Cotta. Und Marille Spritz für die einzige, die hier Alkohol trinken darf.

Dann ist es fast 20 Uhr und die Supermärkte machen zu, das Teilzeitkind und ich springen sechs Minuten vorher noch in einen und holen das Notwendigste, denn morgen ist ja hier Feiertag. Dann geht es nach Hause und auf die Terrasse. Das Teilzeitkind macht Duolingo und telefoniert mit Mama, der Liebste steigt ernsthaft in die Norwegenplanung ein und ich fange mein nächstes Buch an – Die Kinder von Hoy von Grit Lemke. Es gibt wieder Wetterleuchten und leichten Sommerregen, außerdem trappelt etwas laut neben mir und stellt sich dann als Grille heraus.

Gegen halb 11 ist es Zeit für alle, sich bettfertig zu machen, kurz darauf hört man erste Schnarchlaute.